## Nachricht vom 18.12.97 weitergeleitet
## Ursprung : /CL/FLUECHTLINGE/ALLGEMEIN
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Weitergeleitet aus der ZAG25:

"Also blieb nur die Methode mit geflschten Papieren brig"
Von welchen die auszogen, Fluchthilfe zu organisieren


Abgesehen von den sogenannten Wirtschaftsflchtlingen, die schon per Definition in Deutschland unerwnscht sind, sind auch die ehemals 'edlen' Fluchtgrnde, nmlich die aus politischem und sozialen Engagement resultierende Verfolgung, in der Regel chancenlos geworden. Denn nach derzeitiger Rechtslage erreicht eigentlich niemand mehr die Bundesrepublik legal. Ergo ist er oder sie "illegal". Aus der Illegalisierung hilft vor allem die Untersttzung durch sachkundige Menschen, die Hilfestellung leisten und die Betreuung in Deutschland bernehmen. Mit einem dieser finsteren und vaterlandslosen Zeitgenossen sprach die ZAG und erhielt ein - zumindest in diesem Fall - doch etwas anderes Bild. In dem so kriminellen und illegalen Dunkelmnner-Bereich der Fluchthilfe bewegen sich oft unversehens Menschen, deren einziges kriminelles Motiv, ein etwas humaneres und weniger zynisches Weltbild als das der Asylgesetzgebung ist. Allein die berzeugung bedrohten Menschen helfen zu mssen, reicht vllig aus, um als Krimineller angesehen zu werden. Dabei ergeben sich seltsame Unterschiede zwischen dem offiziell transportierten und generalisierten Bild und dem - sicherlich nicht allgemein gltigen - Bild engagierter Menschen, die ihr Privatvermgen einsetzen um dort zu helfen, wo Menschen um ihr Leben frchten.

In den kriminellen Bereich der Fluchthilfe geriet unser Gesprchspartner, nachdem alle legalen oder halblegalen Versuche kurdische Mitarbeiter eines Projekts im Irak, nach der Invasion irakischer Truppen in die UN-Schutzzone, aus ihrer lebensgefhrlichen Situation zu helfen. Gegen sie hatte Saddam Hussain ganz offiziell das Todesurteil ausgesprochen, da sie mit Auslndern zusammenarbeiteten. Die anschlieende Reaktion der einzelnen Staaten schildert unser Gesprchspartner als sehr unterschiedlich. "Die Amerikaner haben dann ihre Leute alle herausgeholt - in Deutschland gab es lange Verhandlungen darber, das Land Niedersachsen hat's probiert. Wir versuchten dann, die Leute ganz naiv durch Einladungen hierher zu holen, einen befristeten Aufenthalt zu beantragen." Aber all diese Versuche die legalen Mglichkeiten auszuschpfen, scheiterten an der deutschen Auslnderpolitik. Was aber tun, wenn die deutsche Brokratie an Menschenleben nicht interessiert ist? Fr unseren Gesprchspartner kam ein Aufgeben nicht in Frage, htten sie doch Bekannte in Lebensgefahr einfach im Stich gelassen. Es mute nach anderen Wegen gesucht werden, Wegen, die nicht "legal" aber sehr teuer sind. "Also blieb nur noch die Methode mit geflschten Papieren brig. Es war natrlich auch eine Sache der Finanzierung, denn es ist ja berhaupt nicht billig, wenn es sich um so viele Leute handelt. Bei dem Weg, der dann beschritten wurde, liegen die Kosten bei ungefhr 10.000 DM pro Person, egal ob Kind oder Erwachsener. Schon fr 15 - 20 Personen sind da die Kosten riesig."

Und so gelangt man unversehens in einen Bereich, der in Zeiten der deutsch- deutschen Grenze noch heldenverdchtig war, und heutzutage organisierte Kriminalitt genannt wird. Aber angesichts der sich zuspitzenden Lage im Irak, hatte unser Gesprchspartner keine Zeit, sich um eventuelle strafrechtliche Konsequenzen Gedanken zu machen. Die Realitt forderte schnelles Handeln, und lt wenig Alternativen. "Natrlich gibt es die sogenannten Schlepper. Organisationen, die Fluchthilfe aus humanitren Gesichtspunkten betreiben, gibt es im Irak ja nun gar nicht. In der Regel besteht die einzige Mglichkeit, den Irak zu verlassen darin, sich in die Hnde der sogenannten Schlepper zu begeben, um an Papiere und anderes heranzukommen." Das es dabei stets um skrupellose und hochorganisierte Mafiosis handelt, wie es deutsche Politik und Medien gebetsmhlenhaft beschwren, kann unser Gesprchspartner allerdings nicht besttigen. "Diese Schlepper sind aber eigentlich ganz brave Leute, die sich dadurch etwas Geld verdienen, da sie wissen, wie man's macht. Sie sehen nur eine Finanzquelle, eine politische Motivation haben sie, soweit mir das bekannt ist, nicht. Ich kann natrlich nur ber den Irak sprechen, aber da gibt es berhaupt keine Untersttzung, weder von den UN, noch von anderen Organisationen oder Parteien."Die Berichte ber rabiate Fluchthelfer, die Flchtlinge mihandeln oder in den Tod schicken, bewahrheiteten sich in diesem Fall auch nicht. Die Leiden und die Gefahren fr die Flchtlinge gingen nicht von den kommerziellen Helfern aus. Die immer kleiner werdenden Lcher im Zaun der berwachung verursachten die Gefhrdung. Sie macht auch die "organisierte" Flucht fr die Betroffenen zu einem langen, zeitaufwendigen Weg, der voller Ungewiheit und ngste ist. "Die Flchtlinge mssen ja in der Regel groe Strecken zu Fu oder mit einem Lastwagen zurcklegen. Alle anderen Verkehrsmittel wie Zge oder Flugzeuge sind viel zu gefhrlich wegen der stndigen Kontrollen. Eine Flucht mit dem Flugzeug ist wegen der elektronischen berwachungsmanahmen illusorisch.Dann ist es natrlich so, da der Druck enorm gro ist, wenn zum Beispiel Flchtlinge als blinde Passagiere auf einer Fhre bersetzen, weil sie keine Papiere haben. Es ist ein enormer Stre, du darfst auf keinen Fall husten,. weil ja jeder wei: Wenn ich auffllig werde, dann war's das fr alle.Ich habe mitbekommen, da dieser Druck alle psychisch vollkommen zermrbt hat."

Eine besondere Bedeutung hat die Hilfe fr die 'Illegalen' auch in den Ziellndern. Nach den Torturen der Flucht bedarf es UntersttzerInnen mit groer Sachkenntnis und Einfhlungsvermgen, um das Risiko einer sofortigen Abschiebung zu vermeiden. Natrlich sollte dabei nie vergessen werden, wie nah die Kriminalisierung auch dieser Menschen bei der aktuellen politischen Tendenz ist.

Wenn die Flchtlinge, die nur mit Hilfe hiesiger Untersttzer und kommerzieller Fluchthilfeorganisationen "illegal" nach Deutschland gelangen konnten, teilweise erfolgreich durch das Asylverfahren kommen, zeigt sich der ganze Zynismus und die Absurditt der deutschen Migrationspolitik. Und dies umso mehr, wenn zwar von deutschen Gerichten die Verfolgung der Betroffenen zwar anerkannt ist, die UntersttzerInnen aber noch lange nicht vor Strafverfolgung schtzt.
