Vor 60 Jahren

           Aus: Blick in die Zeit Pressestimmen des In- und Auslandes zu Politik, Wirtschaft und Kultur Berlin, den 25. August 1933 -- Nr. 11

DIE SCHULE IM DRITTEN REICH

Der Geschichtsunterricht - ein Eckpfeiler des Erziehungsprogramms

,,Mit der Betonung der Vorgeschichte, des vlkischen und volksbrgerlichen Gedankens, mit der Herausstellung des rassischen, fr uns Deutsche also in erster Linie des nordischen Elements werden die Grundlagen der nationalsozialistischen Weltanschauung schon von frher Jugend gelegt. Nicht umsonst ist deshalb auch dem Unterricht in der Volksschule besondere Sorgfalt gewidmet worden. (Vlkischer Beobachter, 17.8.33)



Vaterlandsliebe und Pflichterfllung

Zu Beginn des neuen Unterrichtsjahres 1933/34 haben in smtlichen Schulen Bayerns die Lehrkrfte in den ersten Wochen in Geschichte, Heimatkunde, Staatsbrgerkunde, Anschauungsunterricht die Schler einzufhren in die Bedeutung und Gre des historischen Geschehens der nationalen Revolution, wobei es darauf ankommt, in der heranwachsenden Jugend den Sinn und das Gefhl fr des Volkes Ehre und Macht zu erwecken und in jedem Jungen und Mdchen die heiligen Gefhle der Vaterlandsliebe und der treuen Pflichterfllung zu mobilisieren.

                        (Verordnung des bayrischen Staatsministeriums fr Unterricht und Kultus vom 27. Mrz 33)



DAS NEUE GESCHICHTSBILD

      (Aus der Verordnung des bayrischen Staatsministeriums fr Unterricht und Kultus vom 27. Mrz 33. Amtsblatt 3.)

Der Weltkrieg und sein Ende

Schilderung des gigantischen und tragischen Ringens des deutschen Volkes gegen die ganze Welt - kurzer berblick ber die bedeutensten Schlachten des Krieges und ber die hufige Siegernhe des deutschen Volkes...

Tragischer Zusammenbruch und seine Grnde: Unterminierung der deutschen Front durch landfremde marxistische Spitzel. Aufforderung zur Fahnenflucht und Landesverrat, landesverrterische Flugzettel mit schwarz-rot-goldenem Rande, Generalstreik, Munitionsstreik, Zersetzung des Volkes und der Heimat, ungeheure Lebens- und Hungersnot. Abschlu 9. November 1918. - Einige Einzelbilder: Disziplinlosigkeit in der Etappe, Arbeiter- und Soldatenrte in Deutschland, erhebender Rckzug und vollkommene Disziplin bei den Fronttruppen.

November 1918 bis zum Ende der Inflation 1923

Der 9. November und seine Folgen: bolschewistische Unruhen berall im Deutschen Reich, insbesondere in den Industriegebieten.

Niederringen des Spartakus unter polnischen Brandstiftern und Mrdern, Freikorps, gebildet aus den alten Fronttruppen mit den jungen Freiwilligen. Epp, Befreiung Mnchens.

Deutschland unter marxistischer Fhrung der Sklave der Weltinflation, Vernichtung des deutschen Bauern- und Mittelstandes. Erstes Erwachen der Nation: Hitler grndet die 7 Mann starke NSDAP und fhrt mit anderen national gesinnten Mnnern einen rcksichtslosen Kampf gegen alle Peiniger des Volkes im In- und Ausland. 

Deutsche Tragik: 9. November 1923, Niederschlagen der deutschen Freiheitsbewegung (Feldherrenhalle), Schlageter (Ruhrkampf). Die Toten des 9. November 1923 (Vergleich mit hlichen Opfern der Nation: Andreas Hofer, Schillsche Offiziere, Palm.

1923-1930

Wieder 7 Jahre deutsche Not. Kurzes Aufflackern deutschen Wirtschaftslebens in den Nachinflationsjahren.

Stresemannsche Erfllungspolitik. Bltezeit des Vlkerbundes in Genf.

Das deutsche Volk blutet weiter: Dawelsplan, Youngplan, Locarno.

1929 Annahme des Youngplans. Versklavung Deutschlands auf 68 Jahre. Erstes Sammeln nationaler Krfte: Volksbegehren.

Ungeheure Steuerlast auf der Landwirtschaft und auf Industrie, stndige Zunahme der Konkurse, Aufnahme von ungeheuren Auslandsschulden zur Tilgung der Reparationszahlungen. Seit 1926 erstes Ansteigen der Arbeitslosigkeit.

Weitere Organisierung des deutschen Aufbruchs. Hitler in Festungshaft. Jahrelanges Redeverbot. Viele Freiheitskmpfer hinter Kerkermauern. Fememrderproze. Ungeheure Korruptionsflle: Leugnung aller sittlichen Begriffe, Vernichtung des Gottesbegriffes durch die marxistische Lehre (Freidenkertum) beim Kinde (Kinderfreude-Bewegung, rote Jugendverbnde). Erziehung zur Feigheit und zum Vaterlandsverrat.

Hitler organisiert in stiller aber fieberhafter Arbeit neu die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei. In Tausenden von Versammlungen wird die Rede Hitlers gepredigt. Blutopfer. Hunderte von SA-Mnnern werden von Roten dahingemetzelt. Verfolgung aller nationaler Menschen im marxistischen Deutschland.

Herrschaft der Internationale. Klassenkampf und Gegensatz im Inneren. Dafr aber Verbrderung mit anderen Nationen, im Gegensatz zur nationalsozialistischen Lehre: Volksgemeinschaft im Inneren und Kampf den fremden Unterdrckern.

1930 - 1933: die Not steigt - die Freiheitsbewegung wchst

Die Folgen des Youngplanes: vollkomener Zusammenbruch des deutschen Handels, der deutschen Industrie, furchtbare Arbeitslosigkeit (7-10 Millionen). Ein Drittel der Erwerbsttigen findet keine Arbeit, dafr aber ungeheurer Luxus bei einigen Schwerverdienern und Schiebern. Endlose Kette von Skandalprozessen.

Unfhigkeit der marxistischen und zentrmlichen Regierung. Brnning regiert ohne Weimarer Verfassung, nur mit Artikel 48 (Notverordnung). Sozialdemokratie wird als Verrterin der Arbeiterschaft erklrt.

Ungeheurer Siegesmarsch der deutschen Freiheitsbewegung. Furchtbare Bedrckungen und Verfolgungen. Jede Woche bringt neue Tote und Verwundete, die den moskowitischen Fremdenlegionren zum Opfer gefallen sind.

Horst Wessel wird zum Sinnbild des Freiheitsstrebens der deutschen Jugend.

Hervorzuheben als Tag von besonderem geschichtlichen Wert: 30 Januar 1933:

Hitler wird Kanzler

Von hier ab Aufbruch der Nation von noch nicht dagewesenen Ausmaen. Ein Volk, brderlich vereint, reicht sich die Hand.

Ausblick in die Zukunft: wir wollen wieder werden ein Volk des Gottesglaubens, der Ehre, der Freiheit und der Macht....

Nach Abschlu dieses Lehrganges, der ungefhr 4-6 Wochen in den entsprechenden Fchern in Anspruch zu nehmen hat, soll die letzte Stunde zu einer erhebenden Schulfeier ausgestaltet werden mit kurzen Ansprachen des Lehrers und eines Schlers ber den Aufbruch der Nation. Singen vaterlndischer Lieder, Flaggenschmuck.

              (bernommen aus ,,Vergangenheit und Gegenwart Heft 7-8, 1933)

DER RELIGIONSUNTERRICHT

Erziehung ohne Religion ist nicht denkbar. Es wird Sache der Religionslehrer sein, die Schler hier vor Gleichgltigkeit oder gar vor Ha gegen Religion und Kirche zu bewahren, dadurch, da sie einen lebendigen, volksverbundenen Religionsunterricht geben, der sich von der Dogmenpaukerei gerade so weit entfernt hlt wie von einer dem germanischen Wesen nicht entsprechenden Duckmuserei und Weltabgewandheit.

        (Dr Meinshausen, komm. Stadtschulrat von Berlin, Deutsche Allgemeine Zeitung 15.8.33)

In Preuen sind schon seit einiger Zeit die weltlichen Schulen aufgehoben. Der thringische Unterrichtsminister hat krzlich angeordnet, da alle Kinder ohne Ausnahme am Religionsunterricht teilzunehmen haben.

NDERUNG IM LESE- UND SCHREIBUNTERRICHT

Die preuische Unterrichtsverwaltung beabsichtigt, fr den ersten Lese- und Schreibunterricht wieder wie vor etwa 30 Jahren die Einfhrung der deutschen Schreibschrift. Als Folge mu mit der Einfhrung neuer Fibeln in den Volksschulen gerechnet werden. Die Anwendung der lateinischen Schreib- und Druckschrift wird in den Volksschulen Preuens eine starke Einschrnkung erfahren. Die bayrische Unterrichtsverwaltung ist auf Anregung des Kultusministers Schemm hier bereits vorangegangen.

                       (Berliner Brsen-Zeitung, 19.8.33)



NEUGESTALTUNG DES MDCHENSCHULWESENS

Die Erziehung der Mdchen hat als unverrckbares Ziel inst Auge zu fassen: die rassebewute und volksbewute Deutsche, deren stolzeste Lebenssehnsucht es ist, Trgerhin, Hterin und Frderin deutschen Lebens zu sein in natrlicher Hingabe an Familie, Volk, Vaterland.

Einschrnkung der wissenschaftlichen Studien zugunsten praktischer Berufe

Es wird schlielich - ganz abgesehen von der selbstverstndlichen Verminderung der SChulsysteme - gerade im Mdchenschulwesen eine starke Verminderung der auf wissenschaftliches Studium hinzielenden Studienanstalten eintreten, zugunsten von Schulgattungen, die hinfhren zu handwerklich (Hauswirtschaft, Landwirtschaft) und knstlerisch gestaltenden, wie jugend- und volkspflegerischen Berufen.

       (Hedw. Frster, Reichsleiterin im Natsoz. Lehrerbund) Berliner Brsenzeitung 4.8.33

Koedukation ist Unnatur

Koedukation ist hchstens als Notbehelf in kleinen Orten zuzulassen. Man kann an das eine Geschlecht so wenig den Mastab des anderen anlegen, wie etwa an Kinder den Mastab von Erwachsenen.

        (Dr. Weinhausen, Berliner Brsen Courier, 15.8.33)



WAS SAGEN DIE DEUTSCHEN MDEL DAZU?

Erziehung zur deutschen Frau und Mutter?

,,Davon sprechen die Erwachsenen. Aber wir jungen Mdchen finden es gar nicht so wichtig, da man den Zwlf- und Vierzehnjhrigen immerzu predigt ,,Du mut eine deutsche Mutter werden!. Wir sind berhaupt nicht das Problem. Die deutschen Mdels haben in den vergangenen Jahren soviel eigene Probleme erlebt, soviel Not in Familie, Elternhaus und Gemeinschaft, - man soll das nicht untrschtzen! Jetzt wollen wir wieder jung werden! Wir wollen singen, wandern und uns freuen!

Schulkampf 1933

,,Es mu einmal gesagt werden: eine Vorkriegslehrerorganisation, die lngst verschwunden sein sollte, diese ,Pauker mnnlichen und weiblichen Geschlechts - ausgerechnet die wittern jetzt Morgenluft! Sie sollen sich nur nicht irren! Jungend kann nur durch Jugend erzogen werden!...

,,Das Arbeitsgemeinschaftssystem, da sich seit dem Kriege immer strker entwickelt hat, scheint mir und meinen Kameradinnen am besten. - Lernen in Gemeinschaft unter Fhrung des Lehrers und durch freie Zusammenarbeit aller...

(Aus einem Gesprch mit Gerda Zimmermann, Kulturrefentin in der ,,Reichsjugendfhrung. Deutsche Allgemeine Zeitung 20.8.33)

AUSLESE ALS GRUNDSATZ DER NEUEN SCHULE

Radikale Einschrnkung des Hochschulstudiums

,,Der Staat und das Volk braucht fr die Ausbung der Funktionen und die Erfllung seiner Aufgaben, die eine besondere Schulung durch Hochschulbesuch und Studium erfordert, nur eine begrenzte Zahl von Personen, die Tchtigsten und in mehrfacher Beziehung Besten.

Selbst wenn uns die Natur ein Mehrfaches der notwendigen Krfte zur Verfgung stellen wrde, ist es Pflicht des Staates, nur die Besten aus dieser Schar in der bentigten Zahl auszulesen und die brigen in andere Berufsbahnen abzuleiten.

(Vlkischer Beobachter, 4.8.33)

Gegen den Aufstiegswahn

Die Entvlkerung der Volkschuloberstufe von jeder Begabung ist ein unbedingt auszurottender Krebsschaden...

Der neue Stndestaat kennt keine vertikale Rangordnung der Volksschichten, also auch keinen Aufstieg und Abstieg im Sinne des alten Klassenstaates. Der bergang der Nachkommen in einen andereren Stand ist nur ein Wechsel in horizontaler Ebene. Dieser Wechsel vollzieht sich unbevorrechtet, nur nach Eignung und Leistung. Die Beschrnkung der Zulassung nach dem Bedarf sichert jedem Stande sein berufliches Bettigungsfeld; die Auswahl nach der Eignung bietet der Allgemeinheit Gewhr fr die Leistungshhe jedes Standes im Namen der Arbeit des Volkes.

(Vlkischer Beobachter, 4.8.33)

Zur Lsung der Junglehrerfrage

beabsichtigt der schsische Volksbildungsminister Dr. Hartnacke folgenden Weg zu gehen: er sieht die einzige Mglichkeit, die Junglehrer unterzubringen, in der Arbeitsstreckung. Um finanzielle Mehrbelastung des ffentlichen Haushalts zu vermeiden, soll die Finanzierung durch eine Abstaffelung nach volksbiologischen Grundstzen durchgefhrt werden, angefangen bei den unverheirateten Lehrkrften bis zu den verheirateten mit zwei Kindern. Verheiratete Lehrer mit ber zwei Kindern sind von einer Beitragspflicht zur Entschdigung der Junglehrer befreit.

(Aus Berliner Brsen-Zeitung 4.8.33)

Verlegung des Schulbeginns ?

Nach den Besprechungen im Unterrichtsausschu der Lnder mu nach Mitteilung der BBZ vom 20.8.33 damit gerechnet werden, da der Beginn des Schuljahres auf den Herbst verlegt werden wird.

