## Nachricht am 13.04.96 archiviert
## Ursprung : /CL/ANTIFA/MAGAZINE


Inhaltsbersicht zur Broschre

"Der Scho ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch! (Bert Brecht)"
Professoren als wissenschaftliches Aushngeschild fr rassistischen
Kampfbund

Teil    Inhalt

1       Vorwort
        Die Bekenner
                Das Bekenntnis: Wissenschaftlich verbrmter Rassismus
                Der gttliche Plan und seine Retter
                Die geistigen Fhrer
                Geistesverwandte als Helfer
2               Heidelberger Manifest vom 17. Juni 1981
                Manifest
3               Nur "eine von der radikalen Linken gesteuerte
                  Diffamierungskampagne"
                Schmidt-Kaler - geistiger Ziehvater der Auslndererlasse?
4               "Die Juden haben es hinter sich, die Trken noch vor sich"
                Stoppt die wissenschaftlichen Kreuzritter des christlichen
                  Abendlandes
5       Das Netz
                Der Drahtzieher in Mnchen
                Diplom-Ingenieur Drscher macht kurzen Proze
6               Die geistigen Waffen im Kampf auf Leben und Tod
                Die Freiheit der "Auschwitzlge"
7               Die Kontinuitt eines Rassenbiologen
8               Die Neue Anthropologie im Dienste des alten Rassismus
                Wissenschaftlicher Beirat: Ein Verein verkommener
                  Ideologen
9               Dr. Rolf Kosiek - einer der geistigen Vter des
                  Heidelberger Manifests
                Franzsische Prominenz
                Der pseudowissenschaftliche Onkel aus Amerika
                Apartheid in deutschen Klassenzimmern
10              Bundesminister a.D. - ein Rassist mit langjhriger
                  praktischer Erfahrung
                Rckhaltlos fr das Dritte Reich eintretend -
                  Unterzeichner aus voller berzeugung
11              Grn-braune Farbmischung
                "Der NCHSTE ist kein asiatisches, sondern unser
                  DEUTSCHES VOLK"
12      Die organisierte Verwirrung
        "Blut mu flieen" (Roeder)
13      Die geistigen Erben von Massenmrdern
                Die Vordenker des Faschismus
14              Der Sozialdarwinismus - tragende Ideologie moderner
                  Wissenschaft
15      "Haltet den Dieb...!"
                Die neuen alten Sndenbcke
                "Geschichte ist eine Geschichte von Rassenkmpfen..."
                  (J. Rieger)
16              Deutsche Maschinen im Ausland - ein trojanisches Pferd
                Auslnder - Schmarotzer am deutschen Volk
17      Staatlich praktizierte Auslnderfeindlichkeit
                Zitierstelle aus dem Heidelberger Manifest nicht
                  angegeben
                Der Realismus  l SPD
                Radikale Lsung der Kultusministerkonferenz



Der Scho ist fruchtbar
noch, aus dem dies
kroch! (Bert Brecht)


Professoren als wissenschaftliches
Aushngeschild fr rassistischen
Kampfbund


Herausgegeben von:
AStA Universitt Bochum
ESG Bochum
Antiimperialistisches Solidarittskomitee Bochum
Arbeitskreis Mehr Auslnder an die Hochschulen! Bekmpft
die Nationalisierung der Wissenschaft! Universitt Mnchen
Initiative Auslnder Willkommen Bochum


Vorwort

Diese Dokumentation erscheint zu einem Zeitpunkt, wo die
Professoren des Heidelberger Kreises in hektische
Betriebsamkeit verfallen sind, alle Spuren, die nach rechts
weisen, zu verwischen. Tglich liest man irgendwelche
Dementis und Distanzierungen in Zeitungen. Welche
Glaubwrdigkeit diese Distanzierungen fr sich
beanspruchen knnen, soll an einigen Stellen dieser
Dokumentation gezeigt werden. Distanzierung meint nmlich
zugleich Zustimmung zur zweiten Fassung des Heidelberger
Manifestes. Zudem ndern diese neuen Entwicklungen an
den politischen Hintergrnden und an der Gefhrlichkeit der
Aussage des Heidelberger Manifestes rein gar nichts, sie
machen nur die Absicht des Heidelberger Kreises deutlich,
im Namen der Wissenschaft Volksverhetzung zu betreiben.

Da die Professoren des Heidelberger Kreises sich gentigt
sehen, aus taktischen Grnden sich von der ersten Fassung
des Heidelberger Manifestes und von dem Schutzbund fr
das Deutsche Volk zu distanzieren, ist wesentlich Verdienst
des Arbeitskreises ,Mehr Auslnder an die Hochschulen!
Bekmpft die Nationalisierung der Wissenschaft!" an der
Uni Mnchen. Ohne dessen umfangreiche Recherchen in
Zusammenarbeit mit Kommilitonen aus Aachen, Bonn und
Bochum htte diese Dokumentation nicht erstellt werden
knnen. Zugleich gibt seine Arbeit ein Beispiel dafr, wie
diesen pseudowissenschaftlichen Propagandisten des
Rassismus das Handwerk gelegt werden mu.

[Bild1. Karikatur: Ein Bundes-Politiker hlt auf einem von
Auslndern getragenen (schweren) Marmor-Podest
eindringliche Reden. Untertitel: ,Auslnder raus!"]




Die Bekenner

Fruchtbarer als man annehmen mchte ist der Scho der
Alma Mater Bochums: Treibt doch hier noch weitgehend
ungeschoren Prof. Dr. rer. nat. Th. Schmidt-Kaler, Dipl.
Mathematiker und Leiter des astronomischen Instituts an der
Abteilung XII. fr Physik und Astronomie sein schwarz-
braunes Unwesen. Farbe bekannte mittlerweile ein weiterer
Bochumer Lehrstuhlinhaber: Prof. Dr. rer. nat. W. Rutz an der
Abteilung XIII. fr Geographie.
Doch auch an anderen Universitten wie Mnchen, Mainz,
Frankfurt a.M. treten sogenannte verantwortungsbewute
deutsche Professoren per Unterschrift als Bekenner auf, wie
sie sich selbst in wrtlicher bersetzung ihres lateinischen
Professorentitels zu bezeichnen pflegen. Doch ihr
Bekenntnis - das Heidelberger Manifest vom 17. Juni
1981 (HM) - erinnert nicht nur die Londoner Times fatal an
die Nazi-ra (Times, 10.2.82).


Das Bekenntnis: wissenschaftlich verbrmter Rassismus

Vielfltige Sorgen bewegen den Bochumer Chef-Astronomen
und seine Gesinnungsfreunde, allerdings weniger, wie die
Sterne stehen, sondern da die Deutschen demnchst nicht
mehr ,Herr im eigenen Land" seien. ,Mit groer Sorge"
beobachten sie ,die Unterwanderung des deutschen Volkes
durch den Zuzug von vielen Millionen von Auslndern und
ihrer Familien, die berfremdung unserer Sprache, unserer
Kultur und unseres Volkstums" (HM).

Eine zentrale Rolle bei der ideologischen Vorbereitung
dieses Pamphlets spielt ganz offenkundig Prof. Schmidt-
Kaler, der als studierter Mathematiker und Physiker, laut
GEO, zugleich einer der ,profiliertesten deutschen
Bevlkerungswissenschaftler" und anerkannter
Rentenexperte ist. Als einer der letzten Universalgelehrten
prophezeit er aufgrund von ,rechnerischen Modellen" schon
fr die greifbare Zukunft ,brgerkriegshnliche Zustnde"
und ,Rassenkrawalle" in der BRD.

Der Grund liegt auf der Hand: Die gebrfhigen deutschen
Frauen, obwohl sie eigentlich ,das grne Holz des Volkes"
sein sollten, sind zu wenige geworden und zudem mit
durchschnittlich 1,3 Kindern uerst gebrfaul. So gebrfaul,
da die Deutschen in ein paar Jahren nicht einmal mehr ihre
eigene Rente bezahlen knnen. Die Deutschen betreiben
,nationalen Selbstmord"; denn ,bis zum Jahre 2000 wird
die deutsche Bevlkerung auf 52 Millionen abnehmen, bei
einem Auslnderanteil von ber 10 Prozent, 2050 werden es
nur noch etwa 25 Millionen sein. Auslnderanteil 33
Prozent", und in 100 Jahren ist laut Schmidt-Kaler dieses
armselige Huflein gnzlich ausgestorben. Den
Auslnderanteil kann sich der Laie sicherlich selbst
ausrechnen.

,Unser Volkskrper leidet an einer Krankheit"
diagnostiziert Prof. Schmidt-Kaler und macht auch gleich
den entscheidenden Bazillus aus, der den deutschen
Volkskrper befallen hat und ihm endgltig den Garaus
machen wird: Die Auslnder! Weil sie zu viele sind und ob
ihrer Fruchtbarkeit immer mehr werden-jede trkische Frau
bekommt durchschnittlich die alarmierende Zahl von 5,2
Kindern!-, weil sich aus dem Ausland unermeliche Strme
von Scheinasylanten in die BRD ergieen und weil, last not
least, alle Auslnder Schmarotzer am deutschen Volk sind,
bringen sie den Deutschen den Volkstod, ja sie verwehren
ihnen das ,Naturrecht auf Erhaltung seiner Identitt und
Eigenart in seinem Wohngebiet" (HM).

Diese ,Identitt und Eigenart" ist nmlich zum groen Teil
genetisch verankert, da alle ,Vlker- (biologisch und
kybernetisch) lebende Systeme mit voneinander
verschiedenen Systemeigenschaften" (HM) sind. ,Die
Integration groer Massen nichtdeutscher Auslnder ist
daher bei gleichzeitiger Erhaltung unseres Volkes nicht
mglich und fhrt zu den bekannten ethnischen
Katastrophen multikultureller Gesellschaften" (HM).

Ja es stellt sich sogar die Frage, ob angesichts des absehbaren
biologischen und kulturellen Untergangs der Deutschen
zukunftstrchtige Milliardeninvestitionen in eine
schlagkrftige Bundeswehr berhaupt noch sinnvoll sind!
,Werden sich die Abermillionen fr die Verteidigung
unseres Landes am Ende einer solchen Entwicklung
lohnen?" (HM) Sicherlich nicht fr ein Volk von lauter
Bastarden, das nicht einmal anstndig Deutsch sprechen und
schreiben lernt, dem jegliche ,Zukunftshoffnung" genommen
ist, schlufolgern die neuen Leuchten am deutschen
Professorenhimmel.

,Allein lebensvolle und intakte deutsche Familien knnen
unser Volk fr die Zukunft erhalten. Nur eigene Kinder sind
die Grundlage der deutschen und europischen Zukunft."
(HM). Man hre und staune: Ohne Deutschland ist ganz
Europa ein fr allemal verloren! Wer sonst schlielich sollte
die europische Einigung im Rahmen eines 4. Reiches
herbeifhren, wenn nicht die Deutschen, die ja jetzt schon
Zahlmeister Europa's sind?
(Alle Zitate, wenn nicht anders ausgewiesen, aus: GEO
12/1980; Mittelbayerische Zeitung 21.10.81)


Literatur

Smtliche Angaben zu den einzelnen Personen, falls nicht
anders vermerkt, sind aus folgenden Bchern entnommen:
Baader, G./Schultz, U., Medizin und Nationalsozialismus.
 Tabuisierte Vergangenheit-ungebrochene Tradition?
 Dokumentation des Gesundheitstages, Berlin (West) 1980
Benz, W. (Hg.), Rechtsradikalismus. Randerscheinung oder
 Renaissance?, Frankfurt/M. 1980
Billig, M., Die rassistische Internationale, Frankfurt/M. 1981
Gse, H.G./Schmacke, N., Psychiatrie zwischen brgerlicher
 Revolution und Faschismus, Bd. 2, Frankfurt/M. 1976
Meyer, A./Rabe, K.-K., Einschlgige Beziehungen von
 Unionspolitikern, Bornheim-Merten 1980
Pressedienst Demokratische Initiative, Bericht ber
 neonazistische Aktivitten 1978, Mnchen 1979
Autorenkollektiv, Wie kriminell ist die NPD?, Hamburg 1980
Autorenkollektiv, Braunzone zwischen CDU/CSU und
 Neonazis, Hamburg 1981


Der gttliche Plan und seine Retter

Jedenfalls, um den gttlichen Plan-nmlich, die
europischen Nationen als genetisch, biologisch und
kulturell eigenstndige ,Organismen" zu erhalten - hlt
Herr Schmidt-Kaler ,schmerzhafte Eingriffe" fr
unvermeidbar. Um hierfr die geeignete ffentlichkeit
herzustellen, publiziert Schmidt-Kaler zusammen mit
anderen gleichgesinnten Professoren (mittlerweile sind es 15)
im Namen der Wissenschaft das Heidelberger Manifest vom
17. Juni 1981, das eindringlich die Gefahren, die dem
deutschen Volk durch die auslndische Unterwanderung
drohen, beschwrt.

Und sie rufen auch gleich zur Tat auf, ,zur Grndung eines
parteipolitisch und ideologisch unabhngigen Bundes ...,
dessen Aufgabe die Erhaltung des deutschen Volkes und
seiner geistigen Identitt" sein soll. Dieser Bund ist ganz
offensichtlich unter dem Namen Schutzbund fr das
Deutsche Volk, gemeinntzig e.V. (SDV) bereits gegrndet
worden, auch wenn die Professoren neuerdings jegliche
Verbindung bestreiten. Dieser Schutzbund formuliert in
seinem Aufnahmeantrag seine Aufgabe und Selbstverstndnis
folgendermaen: Mit ihm soll der ntige Druck erzeugt
werden, um bei allen Verantwortlichen im Staat fr die
,Durchsetzung und Anerkennung des Grundwertes der
Bundesrepublik Deutschland `DEUTSCHES VOLK'" und
fr die ,Strkung der deutschen Familien mit allen
gebotenen Mitteln" zu sorgen. Das eigentliche ,bel an der
Wurzel packen heit" aber: ,Die Beschrnkung der
Fremdeinwanderung auf ein Mindestma, verbunden mit
einer humanen Rckfhrung der Eingewanderten in ihre
Heimatlnder mit ideeller und sachlich tragbarer Hilfe."
(Zitate aus Aufnahmeantrag fr den SDV).

Auch in folgendem gibt sich der SDV einen humanitren
Anstrich: ,Der SDV achtet das Leben jeden Volkes und tritt
ein fr sein Lebensrecht in dem ihm geschichtlich
zugewachsenem Land. Er sttzt sich auf unbestreitbare neue
wissenschaftliche Erkenntnisse in der Bewertung der
Vlker."

Bewertung der Vlker!-Auch wenn dies wohlweislich nicht
weiter ausgefhrt wird, so impliziert der Begriff
,Bewertung" automatisch eine hierarchische Einteilung der
Vlker in wertvolle und nicht wertvolle, in dumme und
schlaue, in gute und schlechte, in ber- und Untermenschen.
Und wenn man wei, da denjenigen, die sich hinter dem
SDV verbergen, diese Denkschemata nur allzugelufig sind,
da sie zudem zu den eifrigsten Verteidigern des
sdafrikanischen Rassistenregimes gehren, dann wei man
erst die richtige Lesart fr den Ausdruck des ,Lebensrechts
in dem... geschichtlich zugewachsenem Land" zu finden.
Auch die sdafrikanischen Rassisten-und nicht nur dort-
"achten" auf ihre Weise ,das Leben" der Vlker, indem sie
den in ihren Augen minderwertigen Schwarzen die
unwirtlichen homelands mit aller Gewalt ,geschichtlich
zuwachsen" lassen und ihrem eigenen ,Lebensrecht" in den
konomisch interessanten Teilen des sdlichen Afrikas blutig
zum Durchbruch verhelfen.

So trifft auf den SDV schon eher die Bezeichnung
,Kampfbund" zu, wie auf Anfrage der Mitunterzeichner
Prof. Siebert aus Mainz die Aufgabe und offensichtlich das
Selbstverstndnis des Schutzbundes charakterisierte. In
diesem rassistischen Kampfbund kommt den Professoren laut
Siebert und Selbstdarstellung des SDV eine besondere
ideologische Funktion zu: sie sollen in Form eines
wissenschaftlichen Beirats ,geistig fhrend sein".

[Foto: Der 1-Millionste ,Gastarbeiter" wird empfangen]


Die geistigen Fhrer

,Auslnder Raus!" heit also die Parole-ein neuer alter
Sndenbock fr die desolate Lage der Deutschen hat sich
wieder gefunden. Aber diesmal ist man ,parteipolitisch und
ideologisch unabhngig", ,natrlich auf dem Boden des
Grundgesetzes stehend" und zudem ,gegen ideologischen
Nationalismus, gegen Rassismus und gegen jeden Rechts-
und Linksextremismus".

Des ,Linksradikalismus" htte den Herrn Schmidt-Kaler
und seine ,verantwortungsbewuten" Professoren sicherlich
niemand verdchtigt, vielmehr werden bei nherem Hinsehen
die uersten Befrchtungen wahr: Schmidt-Kaler,
seinerseits CDU-Mitglied und von 1970 bis 1974
stellvertretender CDU-Vorsitzender in Witten, steckt bis ber
beide Ohren im braunen Sumpf der gesamten europischen
Rechten, und da helfen ihm und seinen Gesinnungsgenossen
auch alle Beteuerungen von wegen ,ideologisch
unabhngig" nichts. Wie spter noch genauer nachzulesen
ist, stammen die Unterzeichner aus einschlgig bekannten
Kreisen. Ihre historische Spannweite reicht vom Hitler-
Putschisten, Kriegsverbrecher, Rassenhygieniker und NS-
Studentenfhrer aus der Zeit des 3. Reiches bis zum
modernen wissenschaftlichen Rassisten, Volksverhetzer,
Bundesvertriebenenminister a.D., Kirchenfunktionr und
CDU-Mitglied, die sich alle bester Verbindungen hin zur
schwarz-braunen Sammlungsbewegung zur Rettung des
Vaterlandes-und sei es auch mit Bomben-erfreuen.

Dies dokumentierte sich nicht zuletzt auf einer Veranstaltung
des SDV am 23.1.82 in Heidelberg, wo ein Podiumsgesprch
ber die ,Wissenschaftlichen und ethischen Grundlagen des
Heidelberger Manifestes vom 17. Juni 1981" stattfand. Auf
Einladung des SDV im Namen Schmidt-Kaler's fand sich
dort eine Gesellschaft ein, die ihre braune Gesinnung offen
zur Schau trug. Auf dieser Veranstaltung wurde auch die
eigentliche Funktion des Heidelberger Manifestes und des
SDV deutlich, nmlich ,alle Krfte zusammenzufassen", die
der Gefhrdung ,des Fortbestandes des deutschen Volkes"
entgegentreten wollen. So formulierte Prof. Schrcke in
seinem Begleitschreiben zum Heidelberger Manifest.

Auf jener Veranstaltung fand sich laut TAZ vom 25.1.82
auch Gnther Deckert ein, ein hoher Funktionr in der NPD
und der Brgerinitiative Auslnderstopp. Diese NPD-
Brgerinitiative mit ihrem wissenschaftlichen
Aushngeschild Prof. Hagen-Prehl, NPD-Kreisvorsitzender,
schrt fleiig die Auslnderfeindlichkeit durch eine Reihe
von Unterschriftensammlungen. Nach eigenen Aussagen hat
sie bereits 50.000 Unterschriften unter eine Petition an den
Bundestag mit der Forderung ,Auslnderstopp jetzt!"
erhalten. Als ,Paukenschlag" bezeichnet die NPD-lnitiative
ihr neues Volksbegehren in NRW mit dem Ziel, an deutschen
Schulen Apartheid in Form von muttersprachlichen Klassen
einzufhren (aus Zukunft 3/81).
Geistesverwandte als Helfer

Nicht uninteressant ist zunchst, die Erscheinungsweise des
Heidelberger Manifestes nachzuverfolgen, die weitere
deutliche Hinweise auf den geistigen und politischen
Standort dieses rassistischen Pamphlets gibt.

Das erste Mal tauchte es in der Deutschen Wochenzeitung
vom 6.11.81 mit der Anmerkung auf: ,Diese bestrzende
Entwicklung (der Zuzug von Auslndern; der Verf.) hat jetzt
verantwortungsbewute deutsche Professoren veranlat,
sich mit einem `Heidelberger Manifest' an die breite
ffentlichkeit zu wenden und jedermann zur Mitarbeit
aufzurufen, um der drohenden berfremdung des deutschen
Volksraumes und damit Mitteleuropas zu begegnen."

Man sollte sich genau ansehen, wer sich hier zur Mithilfe
aufgerufen fhlt: Die Deutsche Wochenzeitung ist mit ca.
25 000 Exemplaren Auflage nach der National-Zeitung die
zweitgrte und eine der einflureichsten Zeitungen der
westdeutschen Ultrarechten . In ihr wird beispielsweise
Hitler als der ,groe Beweger unseres Jahrhunderts"
gefeiert, da es ihm gelungen sei, ,mit seinem
Nationalsozialismus ein Volk idealistisch zu motivieren"
(Nr. 20, 1978). Sie erscheint im Schtz-Verlag, der seit
Bestehen der BRD als Zentralverlag des organisierten
Rechtsextremismus fungiert. Als Herausgeber zeichnen
verantwortlich:
Adolf von Thadden, 1939 Eintritt in die NSDAP,  nach 1945
fhrender Funktionr bei NPD Vorlufern, 1967-71
Vorsitzender der NPD, favorisiert seitdem Strau.
Waldemar Schtz, 1929 Hitlerjugend, 1936  NSDAP-Eintritt,
SS-Hauptsturmfhrer; nach  1945 hoher Funktionr des
NPD-Vorlufers und der SS-HIAG; im Grndungsvorstand
der NPD;  Inhaber verschiedener neofaschistischer Verlage.
Erich Kern(mayer), ehemaliger Blut- und Boden Dichter der
NS-Zeit, nach 1945 zeitweise Chefredakteur des Vorlufers
der National-Zeitung; Autor der antisemitischen Hetzschrift
Die Tragdie  der Juden (wird von der National-Zeitung
hei empfohlen) und Verherrlicher von Kriegsverbrechern.

Eine Kopie des Heidelberger Manifestes aus der Deutschen
Wochenzeitung verbreiteten denn auch Gesinnungsgenossen
dieser feinen Herren gleich stapelweise in Bonner
Telefonzellen-wodurch das Manifest erstmals ber den
AStA der Uni Bonn an die demokratische ffentlichkeit
gelangte.

Ein zweites Mal wird das Heidelberger Manifest in der
Faschisten-Zeitschrift Nation Europa vom Dez. 1981
verffentlicht-Herausgeber ist der Coburger NPD-
Kreisvorsitzende Peter Dehoust. Diese Zeitschrift, deren
Autorenverzeichnis sich wie das Who's Who deutscher Alt-
und Neofaschisten liest, versteht sich als ,Monatsschrift im
Dienst der europischen Neuordnung", einer Neuordnung,
der Adolf Hitler ,spter einmal als Symbolfigur des ersten
gemeinsamen europischen Aufbruchs gelten wird" (Nation
Europa, 5/77, S. 11).



[Gegenberstellung der beiden Ausgaben des Heidelberger
Manifests vom 17.06.81 und vom 31.01.82
(In der Fassung von 1982 wurde der letzte Absatz hinzugefgt,
die vorangehenden 11 Abstze sowie der Titel wurden gendert.):


[1981] Heidelberger Manifest vom 17. Juni 1981
[1982] Manifest

[1981] Mit groer Sorge beobachten wir die Unterwanderung des deutschen
Volkes durch Zuzug von vielen Millionen von Auslndern und ihren
Familien, die berfremdung  unserer Sprache, unserer Kultur und
unseres Volkstums. Allein im Jahr 1980 hat die Zahl der
gemeldeten Auslnder trotz Anwerbestop um  309000 zugenommen,
davon 194000 Trken.
[1982] Mit groer Sorge beobachten wir einen
Vorgang, der - ausgelst durch eine euphorisch-optimistische
Wirtschaftspolitik - dazu fhrte, da inzwischen fnf  Millionen
Gastarbeiter mit ihren Familien in unserem Land leben und
arbeiten. Offensichtlich ist es nicht gelungen, trotz
Anwerbestopp den Zustrom zu begrenzen. Im Jahre 1980 hat allein
die Zahl der gemeldeten Auslnder um 309000 zugenommen, davon
194000 Trken.

[1981] Gegenber der  zur Erhaltung unseres Volkes  notwendigen Zahl
von Kindern werden jetzt jhrlich kaum mehr als die Hlfte
geboren. Bereits jetzt sind viele Deutsche in ihren Wohnbezirken
und an ihren Arbeitssttten Fremdlinge in der eigenen Heimat.
[1982] Die Lage wird erschwert dadurch, da nur wenig mehr als die
Hlfte der Kinder geboren werden, die fr ein Nullwachstum der
deutschen Bevlkerung der Bundesrepublik erforderlich wren: die
Erneuerung er generativen Funktion der deutschen Familie ist
dringend ntig. Bereits jetzt fhlen sich viele Deutsche in
ihren Wohnbezirken und an ihren Arbeitssttten fremd in der
eigenen Heimat, ebenso wie die Gastarbeiter Fremde sind in ihrer
neuen Umgebung.

[1981] Der Zuzug der Auslnder wurde von der Bundesregierung aus
Grnden des heute als fragwrdig erkannten Wirtschaftswachstums
gefrdert. Die deutsche Bevlkerung wurde bisher  ber Bedeutung
und Folgen aufgeklrt. Sie wurde auch nicht darber befragt.
Deshalb rufen wir zur Grndung eines parteipolitisch und
ideologisch unabhngigen Bundes auf, dessen Aufgabe die
Erhaltung des deutschen Volkes und seiner geistigen Identitt
auf der Grundlage unseres christlich-abendlndischen Erbes ist.
Auf dem Boden des Grundgesetzes stehend wenden wir uns gegen
ideologischen Nationalismus, gegen Rassismus und gegen jeden
Rechts- und Linksextremismus.
[1982] Der Zuzug der Auslnder wurde von
der Bundesregierung aus Grnden des heute als fragwrdig
erkannten hemmungslosen Wirtschaftswachstums gefrdert. Die
deutsche Bevlkerung wurde bisher ber Bedeutung und Folgen
nicht aufgeklrt. Sie wurde auch nicht darber befragt. Deshalb
halten wir die Grndung einer parteipolitisch unabhngigen
Arbeitsgemeinschaft fr ntig, die eine mglichst allseitige
Lsung eines Problems angeht - im Gesprch mit den
verantwortlichen Politikern - , das gelst werden mu, soll  es
nicht zur Schicksalsfrage fr Gastarbeiter und Gastland werden.
Was die Lsung dieses Problems so erschwert, ist die Tatsche,
da in der ffentlichen Diskussion die notwendigen Fragen nicht
mehr gestellt werden knnen, ohne da gegen die Fragesteller der
Vorwurf des Nazismus erhoben wird. Wir betonen daher, da wir
bei allen Bemhungen um eine Lsung entschieden auf dem Boden
des Grundgesetzes stehen und uns nachdrcklich gegen
ideologischen Nationalismus, Rassismus, und Rechts- und
Linksextremismus wenden.

[1981] Vlker sind (biologisch und kybernetisch) lebende Systeme
hherer Ordnung mit voneinander verschiedenen
Systemeigenschaften, die genetisch und durch Traditionen
weitergegeben werden. Die Integration groer Massen
nichtdeutscher  Auslnder ist daher bei gleichzeitiger Erhaltung
unseres Volkes nicht mglich und fhrt zu den bekannten
ethnischen Katastrophen multikultureller Gesellschaften.
[1982] Die Integration groer Massen nichtdeutscher Auslnder ist ohne
Gefhrdung des eigenen Volkes, seiner Sprache, Kultur und
Religion nicht mglich.

[1981] Jedes Volk, auch das deutsche Volk, hat ein Naturrecht auf
Erhaltung seiner Identitt und Eigenart in seinem Wohngebiet.
Die Achtung vor anderen Vlkern gebietet ihr Erhaltung, nicht
aber ihre Einschmelzung ("Germanisierung"). Europa verstehen wir
als einen Organismus aus erhaltenswerten Vlkern und Nationen
auf der Grundlage der ihnen gemeinsamen Geschichte. "Jede Nation
ist die einmalige Facette eines gttlich Plans" (Solschenizyn).
Die Vielvlkernation Schweiz hat am 5.4.81 mit ihrer in freier
Abstimmung der Whler erzielten Entscheidung ein Modell fr
dieses Europa gegeben.
[1982] Jedes Volk, auch das deutsche Volk, hat
ein natrliches Recht auf Erhaltung  seiner Identitt und
Eigenart in seinem Wohngebiet. Die Achtung vor anderen Vlkern
gebietet ihre Erhaltung, nicht aber ihre Einschmelzung
("Germanisierung). Europa verstehen wir als eine lebendige
Gemeinschaft von Vklkern und Nationen, die durch Kultur und
Geschichte eine Ganzheit hherer Art bilden. "Jede Nation ist
die einmalige Facette eines gttlichen Plans" (Solschenizyn).
Die Vielvlkernation Schweiz hat am 5.4.1981 mit ihrer in
freier Abstimmung der Whler erzielten Entscheidung ein Modell
gegeben.

[1981] Das Grundgesetz der Bundesrepublik geht nicht aus vom Begriff
"Nation" als Summe aller Vlker innerhalb eines Staates. Es geht
vielmehr aus vom Begriff "Volk" und zwar vom deutschen Volk. Der
Bundesprsident und die Mitglieder der Bundesregierung leisten
den Amtseid: "Ich schwre, da ich meine Kraft dem Wohle des
deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm
wenden werde". Somit verpflichtet das Grundgesetz zur Erhaltung
des deutschen Volkes.
[1982] Obgleich wir um den Mibrauch des Wortes
Volk wissen, mssen wir mit allem Ernst daran erinnern, da das
Grundgesetz vom Begriff "Volk" und zwar vom deutschen Volk
ausgeht, und da der Bundesprsident und die Mitglieder der
Bundesregierung Amtseid leisten: "Ich schwre, da ich meine
ganze Kraft dem  Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen
Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden werde." Wer diesem Eid
seinen Sinn lt, wird sich nicht dagegen wehren knnen, da es
das deutsche Volk ist, um dessen "Erhaltung" es geht. Wer aus
diesem Begriff folgert, da es auch nicht erhaltenswerte Vlker
gebe, interpretiert gegen die Regel wissenschaftlicher
Hermeneutik und mideutet grblich unser Anliegen.

[1981] Die Prambel des Grundgesetzes verpflichtet auf das Ziel der
Wiedervereinigung. Wie soll diese mglich bleiben, wenn sich die
Teilgebiete ethnisch fremd werden? Die jetzt praktizierte
Auslnderpolitik, welche die Entwicklung zu einer
multirassischen Gesellschaft frdert, widerspricht dem
Grundgesetz, das alle Deutschen der Bundesrepublik zur Bewahrung
und Verteidigung der Lebensrechte unseres Volkes verpflichtet.
[1982] Wir scheuen uns auch nicht, daran zu erinnern, da das von der
Prambel des Grundgesetzes als Verpflichtung aufgegebene Ziel
der Wiedervereinigung durch die praktizierte Auslnderpolitik
aufs Schwerste gefhrdet werden knnte. Wie soll
Wiedervereinigung mglich bleiben, wenn sich die Teilgebiete
ethnisch fremd werden?

[1981] Welche Zukunftshoffnung verbleibt den Hunderttausenden von
Kindern, die heute sowohl in ihrer Muttersprache wie in der
deutschen Sprache Analphabeten sind? Welche Zukunftshoffnung
haben unsere eigenen Kinder, die in Klassen mit berwiegend
Auslndern ausgebildet werden? Werden sich die Abermilliarden
fr die Verteidigung unseres Landes am Ende einer solchen
Entwicklung lohnen?
[1982] Welche Zukunftshoffnung verbleit den
Hunderttausenden von Gastarbeiterkindern, die heute sowohl in
ihrer Muttersprache wie in der deutschen Sprache Analphabeten
sind? Welche Zukunftshoffnung haben unsere eigenen Kinder, die
in Klassen mit berwiegend Auslndern ausgebildet werden?

[1981] Allein lebensvolle und intakte deutsche Familien knnen unser
Volk fr die Zukunft erhalten. Nur eigene Kinder sind die
alleinige Grundlage der deutschen und europischen Zukunft.
[1982] Allein lebendige und lebensfhige deutsche Familien knnen
unser Volk fr die Zukunft erhalten.

[1981] Da die technische Entwicklung Mglichkeiten bietet und in
gesteigertem Ausma bieten wird, alle Auslnderbeschftigung
berflssig zu machen, mu es oberster Grundsatz zur Steuerung
der Wirtschaft sein: nicht die Menschen zu den Maschinen zu
bringen, sondern die Maschinen zu den Menschen. Das bel an der
Wurzel zu packen heit, durch gezielte Entwicklungshilfe die
Lebensbedingungen der Gastarbeiter in ihren Heimatlndern zu
verbessern - und nicht hier bei uns. Die Rckkehr der Auslnder
in ihre angestammte Heimat wird fr die Bundesrepublik als eines
der am dichtesten besiedelten Lnder der Welt nicht nur
gesellschaftliche, sondern auch kologische Entlastung bringen.
[1982] Da die technische Entwicklung Mglichkeiten bietet und in
gesteigertem Ausma bieten wird, die Beschftigung von
Gastarbeitern berflssig zu machen, mu es oberster Grundsatz
zur Steuerung der Wirtschaft sein: nicht die Menschen zu den
Maschinen zu bringen, sondern die Maschinen zu den Menschen. Das
bel an der Wurzel zu packen heit, durch gezielte
Entwicklungshilfe die Lebensbedingungen der Gastarbeiter in
ihren Heimatlndern zu verbessern - und nicht hier bei uns. Die
Familienzusammenfhrung der Gastarbeiter in ihre angestammte
Heimat - selbstverstndlich ohne Zwangsmanahmen - wird unser
berindustrialisiertes und an Umweltzerstrung leidendes Land
entlasten.

[1981] Um weiteren Widerhall in der ffentlichkeit zu erreichen,
fordern wir alle Verbnde, Vereinigungen, Brgerinitiativen usw.
 auf, die sich der Erhaltung unseres Volkes, seiner Sprache,
Kultur und Lebensweise widmen, einen Dachverband zu grnden, der
kooperative wie individuelle Mitgliedschaften ermglicht. Jeder
Verband soll dabei seine volle Selbstndigkeit und
Eigenstndigkeit behalten. ber die Aufgben dieses Bundes soll,
auch zur Wahrung seiner parteipolitischen und ideologischen
Unabhngigkeit ein wissenschaftlicher Beirat wachen. Eine
Pressestelle soll die ffentlichkeitsarbeit bernehmen. Wir
bitten um ihre Zustimmung zu diesem Grundsatzprogramm und um
Unterzeichnung dieses Manifestes.
[1982] Nahezu keiner der
Verantwortlichen und Funktionre der groen gesellschaftlichen
Krperschaften hat es gewagt, die Dinge beim Namen zu nennen,
geschweige denn ein realistisches Konzept einer langfristigen
Politik vorzuschlagen. Wir halten deshalb die Bildung einer
berparteilichen Arbeitsgemeinschaft fr notwendig, die allen
Verbnden, Vereinigungen usw., die sich der Erhaltung unseres
Volkes, seiner Sprache, Kultur, Religion und Lebensweise widmen,
aber auch Einzelpersonen Mitarbeit ermglicht.

[1982] Gerade wir Hochschullehrer, zu deren vornehmen Aufgabe und
Pflicht es nach wie vor gehrt, Auslndern (insbesondere aus der
sog. 3. Welt) eine zweckentsprechende und sinnvolle Ausbildung
in unserem Lande zu ermglichen, mssen aufgrund unserer
beruflichen Legitimation auf den Ernst der Lage und die
bedrohlichen Konsequenzen  der im Gang befindlichen Entwicklung
in aller ffentlichkeit hinweisen.

[1981] Fr den HEIDELBERGER KREIS
Prof. Dr. phil. habil. BAMBECK
Prof. Dr. FRICKE
Prof. Karl GTZ (Stuttgart)
Prof. Dr. phil. HAVERBECK
Prof. Dr. rer. nat. ILLIES
Prof. Dr. theol. MANNS
Prof. Dr. Dr. OBERLNDER (Bonn)
Bundesminister a.D. Prof. Dr. jur. RASCH
Prof. Dr. RIEDL (Bozen)
Prof. Dr. med. SCHADE (Dsseldorf)
Prof. Dr. rer. nat. SCHMIDT - KALER
Prof. Dr. rer. nat. SCHRCKE (Mnchen)
Prof. Dr. med. SCHRMANN
Prof. Dr. phil. SIEBERT
Prof. Dr. phil. STADTMLLER
(In der ersten Fassung waren weder Vornamen noch Ort angegeben)
[1982] Mainz, den 31.1.1982
Prof. Dr. phil. BAMBECK (Frankfurt)
Prof. Dr. rer. pol. R. FRICKE (Karlsruhe)
Prof. Dr. phil. W. HAVERBECK (Vlotho)
Prof. Dr. rer. nat. ILLIES (Gieen, Schlitz)
Prof. Dr. theol. P. MANNS (Mainz)
Prof. Dr. jur. H. RASCH (Frankfurt, Bad Soden)
Prof. Dr. rer. nat. W.RUTZ (Bochum)
Prof. Dr. rer. nat. TH. SCHMIDT - KALER (Bochum)
Prof. Dr. med. K. SCHRMANN (Mainz)
Prof. Dr. phil. E. SIEBERT, (Mainz)
Prof. Dr. phil. G. STADTMLLER (Mnchen)]



Nur ,eine von der radikalen Linken gesteuerte Diffamierungskampagne"

Das jedenfalls mchte seit dem 8.2.82 der Heidelberger
Kreis der ffentlichkeit weismachen. Da das Heidelberger
Manifest in den Nazi-Blttern erschien, ist reine
,Indiskretion, fr die die Unterzeichner nicht verantwortlich
zu machen sind". Das Heidelberger Manifest selbst hatte nur
,vorlufige Form, die nur zur Gewinnung weiterer
Unterzeichner bestimmt war". Seit wann sammelt man
Unterschriften unter einen Text, der gar nicht verffentlicht
werden soll?

In einer am 8.2.82 verteilten Presseerklrung beklagen sich
die Professoren bitterlich darber, da sie durch ,eine von
der radikalen Linken gesteuerten Diffamierungskampagne
gegen uns einerseits, die versuchte Einschleusung
rechtsradikaler Krfte in unser Vorhaben andererseits" zur
Flucht an die ffentlichkeit gezwungen wren. In
mrtyrerhafter Pose beschwert man sich darber, ,da in der
ffentlichen Diskussion die notwendigen Fragen nicht mehr
gestellt werden knnen, ohne da gegen die Fragesteller der
Vorwurf des Nazismus erhoben wird".

berraschenderweise distanziert man sich nun emprt von
dem Schutzbund und legt einen in seiner vlkischen
Ausdrucksweise entschrften Text als Manifest vor. Wieweit
man die verantwortungsbewuten Professoren angesichts
ihres Bekenntnisses berhaupt noch diffamieren kann, soll
hier dahingestellt bleiben. Auch ber die angebliche
Einschleusung von rechtsradikalen Krften braucht man nicht
viele Worte verlieren, denn diese sind im Heidelberger Kreis
bereits unter sich. Interessant ist nur, da die
offensichtlichsten Exponenten rechter Gesinnung und Tat,
u.a. Oberlnder, Schade und Schrcke bei der zweiten
Fassung des Heidelberger Manifestes bisher noch nicht als
Unterzeichner aufgefhrt sind!

Was den Herren Professoren jedoch so aufstt, ist die
verdienstvolle Recherchier-Arbeit des Mnchner
Arbeitskreises "Mehr Auslnder an die Hochschulen!
Bekmpft die Nationalisierung der Wissenschaft!" der die
ganze Lawine erst ins Rollen brachte. Der Arbeitskreis
enthllte nicht nur die zentrale Funktion des an der
Universitt Mnchen lehrenden Prof. Schrcke mittels
spektakulrer Aktionen, sondern verhalf dem Heidelberger
Manifest zu einem Presse-Echo, was fr die Herren
Professoren wenig schmeichelhaft war.

Durch die Aufdeckung der nicht nur geistigen
Verwandtschaft des Heidelberger Kreises zu bekannten
faschistischen Kreisen in der BRD war das wissenschaftliche
Image, mit dem das Heidelberger Manifest verkauft werden
soll, schwer angekratzt. Eiligst erklrte man, mit dem
Schutzbund fr das Deutsche Volk nichts zu tun zu haben.
,Der in Grndung befindliche Verein 'Schutzbund fr das
Deutsche Volk' ist weder politisch noch nach seiner
Kompetenz in der Lage, die Aufgaben des in der vorlufigen
Fassung des 'Heidelberger Manifests' erwhnten Bundes
wahrzunehmen. Wir sind nicht Mitglieder dieses Vereins.
Der Verein ist nicht berechtigt, fr uns oder in unserem
Auftrag irgendwelche Mitteilungen zu machen oder
uerungen zu verbreiten."
Auch in der ZEIT vom 4.2.82 erklren die Professoren
Siebert und Schmidt-Kaler, mit dem Schutzbund fr das
Deutsche Volk nichts zu tun zu haben.

Tatsache ist vielmehr:
  Die Einladung zur bereits erwhnten Veranstaltung des
SDV zum Thema ,Wissenschaftliche und ethische
Grundlagen des 'Heidelberger Manifestes vom 17. Juni
1981'" am 23.1.82 erging im Namen von Prof. Schmidt-
Kaler. Neben Schmidt-Kaler war auch der Mnchner
Prof. Stadtmller Referent; anwesend waren weiter die
Professoren Fricke und Schrcke, allesamt Unterzeichner
des Heidelberger Manifestes.
  Die Adresse und die Kontonummer des Heidelberger
Kreises (brigens unter dem Namen von Prof. Schrcke)
ist identisch mit der des SDV: Heidelberg, Postfach
251163 bzw. Bezirkssparkasse Heidelberg, Kto.-Nr.
8559.
  Der SDV selbst erklrt seine Existenz wie folgt: ,Die
Sorge um den geschichtlichen Bestand des Deutschen
Volkes hat eine Reihe von deutschen
Universittsprofessoren bewogen, in dem 'Heidelberger
Manifest vom 17. Juni 1981' gegen die berfremdung
unseres Landes aufzurufen. Der starke Widerhall des
Manifests hat zur Grndung des SDV gefhrt."
(Aufnahmeantrag der SDV)
  Prof. Siebert, der laut seiner Aussage in der ZEIT so gar
nichts mit dem SDV zu tun hat, hat uns telefonisch
erklrt, der Heidelberger Kreis htte sich durch den SDV
verberflssigt, weil er in ihm aufgegangen sei. Er
schickte auch einem Mitglied des Mnchner
Arbeitskreises eine Einladung zur Veranstaltung des
SDV: ,Hier die Adresse fr weitere Informationen!
Freundl. Gru. Siebert."
  Die der Presseerklrung vom 8.2.82 beigefgten
Erluterungen zum Heidelberger Manifest ,Grundzge
und Manahmen einer Auslnderpolitik", die von
Schmidt-Kaler, seinem Assistenten, Schrcke und der
Vorsitzenden des SDV Finkeien verfat wurden, hat
Schmidt-Kaler auf der erwhnten Veranstaltung des SDV
abschnittsweise vorgestellt und schlielich diskutieren
und verabschieden lassen.
(Alle Angaben aus ,Enthllungen Teil IV", Flugblatt des
Mnchner Arbeitskreises).

Auch die sprachliche Umgestaltung des Heidelberger
Manifestes ist Ausdruck des Bemhens der Professoren,
nicht mit offen faschistischen Krften identifiziert zu werden.
An der inhaltlichen Aussage des Heidelberger Manifestes hat
sich nichts gendert-im Gegenteil, sie ist durch die
geflligere sprachliche Verpackung eher noch gefhrlicher
geworden.

Dabei mu man den Herren Professoren in gewisser Hinsicht
sogar fr die von ihnen geleistete bersetzungshilfe dankbar
sein.
Schmidt-Kaler warnte bereits auf der Veranstaltung des SDV
vor ,vlkischen Ausdrucksweisen": ,Man sagt dann eben
Solidaritt statt Treue, das ist so einfach."
Genauso einfach ist das mit den zwei Manifest-Texten: Die
,Unterwanderung" wird zum ,Vorgang" der ,Bund" zur
,Arbeitsgemeinschaft" der ,Organismus" zur ,lebendigen
Gemeinschaft" und ,Ganzheit hherer Art" das
,Naturrecht" zum ,natrlichen Recht" und schlielich die
,Rckkehr der Auslnder" wird durch den zynischen
Ausdruck ,Familienzusammenfhrung der Gastarbeiter in
ihre angestammte Heimat" ersetzt. Die ,Vlker als
biologisch und kybernetisch lebende Systeme" lt man ganz
weg und verwehrt sich emprt dagegen, da man ,gegen die
Regeln wissenschaftlicher Hermeneutik ... grblich unser
Anliegen" mideutet!

Mit den Regeln der wissenschaftlichen Hermeneutik scheint
Schmidt-Kaler den Rektor der Ruhr-Universitt Ipsen
grndlich eingewickelt zu haben. Ursprnglich hatte Ipsen
sich ,in aller Form und Schrfe" von den Anschauungen
Schmidt-Kaler's distanziert und schwere Gefahr fr den Ruf
der Bochumer Uni heraufziehen sehen.
"Sollte Schmidt-Kaler, macht Rektor Ipsen
unmiverstndlich die Uni-Haltung deutlich, in diesem
Kontext in der ffentlichkeit als Professor der Ruhr-
Universitt agieren, werde er als Rektor dagegen vorgehen,
'damit der gute Ruf der Universitt damit nicht in Verbindung
gebracht wird'. berhaupt habe Schmidt-Kaler solche
uerungen nur als Privatperson von sich geben knnen, fr
die er als solche auch zur Rechenschaft gezogen werden
knne. 'Was den im Grundgesetz verbrgten Schutz von
Wissenschaft und Forschung betrifft, trifft dieser nicht mehr
fr diese uerungen zu', grenzt Ipsen die Kompetenz des
Astronomen ein ..." (WAZ vom 4.2.82).

Nach Verffentlichung der Mainzer Presseerklrung des
Heidelberger Kreises am 8.2.82 und einer vertraulichen
Gesprchsrunde zwischen Rektor, Kanzler und Schmidt-
Kaler sieht ,das Rektorat der Ruhr-Uni ... damit die
Angelegenheit unter dem Aspekt der Beeintrchtigung des
Rufes der Universitt als erledigt an." (Presseerklrung der
RUB am 17.2.82).

Abgesehen davon, da es angesichts der im Heidelberger
Manifest betriebenen Volksverhetzung uerst beschrnkt ist,
nur um den guten Ruf der Bochumer Uni besorgt zu sein, so
mu umsomehr die Tatsache erstaunen, da Ipsen allein die
Distanzierung Schmidt-Kaler's von der ersten Fassung des
Heidelberger Manifestes als ausreichend ansieht um die
Angelegenheit unter den Teppich zu kehren. Da Schmidt-
Kaler in der zweiten Fassung inhaltlich denselben Rassismus
vertritt, da er sich in ,Grundzge und Manahmen einer
Auslnderpolitik" fr eine reaktionre Lsung der
Auslnderfrage einsetzt, und da schlielich die
Distanzierung vom Schutzbund keine besondere
Glaubwrdigkeit genieen kann, scheint das Rektorat der
RUB einfach zu ignorieren. Die Freiheit von Wissenschaft
und Forschung scheint wohl dann wieder zuzutreffen, wenn
die Inhalte-und seien sie noch so reaktionr und
unwissenschaftlich-in eine gefllige Form verpackt sind.

Mit groer Erleichterung will man in Bochum wieder zum
Alltag bergehen. Die Angelegenheit scheint zu peinlich zu
sein, genau wie an der Uni Mnchen, wo auch alles getan
wird, um kein Aufsehen zu erregen. Peinlich deswegen, weil
die Verantwortlichen an der Unispitze und in den Ministerien
andernfalls Flagge zeigen mten.


[Abbildung von Ausschnitten aus einem Brief des
Heidelberger Kreises, einem Einladungsschreiben des SDV
und aus dem SDV-Aufnahmeantrag.]



Schmidt-Kaler-geistiger Ziehvater der Auslndererlasse?

Schmidt-Kaler stellt in der schwarz-braunen
Sammlungsbewegung, die die Auslnderhetze zunehmend in
den Mittelpunkt ihrer Propaganda rckt, ganz offensichtlich
eine wichtige Integrationsfigur dar. Seine Bedeutung besteht
nicht nur darin, da er als wissenschaftliches Aushngeschild
und als Kronzeuge fr die Ultrarechten herhlt. Seine Artikel
werden fters von NPD-Spitzenfunktionren und in der Nazi-
Zeitschrift Nation Europa (z.B. 11,12/1980) zur Besttigung
der eigenen Position angefhrt. An verschiedenen Stellen
beweist Schmidt-Kaler auch zur Genge, da ihm Denken
und Ausdrucksweise dieser Kreise nicht allzu fern sind.
Ernst genommen werden seine Ansichten auch hheren Orts.
Fr die Jahre 1979/80 erhielt das Astronomische Institut der
Universitt Bochum unter der Leitung von Schmidt-Kaler von
der VW-Stiftung 25 000 DM fr das Projekt
,Untersuchungen zum Problem Bevlkerungsrckgang und
Alterssicherungssystem". Schmidt-Kaler ist Mitglied der
renommierten Deutschen Gesellschaft fr
Bevlkerungswissenschaft und publiziert in deren Zeitschrift.
Seine apokalyptischen Visionen ber die aussterbenden
Deutschen und ihre Unfhigkeit, in Zukunft die eigene Rente
zu finanzieren, konnte er unter dem Titel ,Wie sicher sind
unsere Renten ?" in der Beilage zur Wochenzeitung das
parlament, vom 7.7.1979,- Herausgeber: Bundeszentrale
fr politische Bildung-verbreiten. Seine Ansichten sind
sicherlich nicht spurlos an CDU/CSU und ihrer
Familienpolitik, insbesondere der Forderung ,Frauen zurck
an Heim und Herd" vorbergegangen. Auch scheint die
Munition fr die von den Unionsparteien 1979/80 inszenierte
Rentenbetrugskampagne zum Teil von Schmidt-Kaler zu
stammen.

Den eigentlichen Durchbruch erzielte Schmidt-Kaler durch
seine Rede vor dem Rhein-Ruhr-Klub in Dsseldorf am
20.10.81, deren Inhalt, die Prophezeihung von
,Rassenkrawallen" anschlieend durch die gesamte Presse
geisterte (siehe WAZ v. 21.10.81 und MZ v. 21.10.81). Es ist
wichtig zu wissen, da dieser Rhein-Ruhr-Klub nicht
irgendein Kegelverein ist, sondern ein uerst renommiertes
Gremium der Groindustrie und Hochfinanz darstellt, das nur
exclusive Gste zu sich ldt. Historisch hat der Rhein-Ruhr-
Klub seinen Vorlufer im Dsseldorfer Industrieklub, in dem
am 23.1.1932 ein anderer exclusiver Gast eine wegweisende
Rede hielt, von der die Herren der Industrie so angetan
waren, da sie ihm damals jede erdenkliche Untersttzung
angedeihen lieen: Adolf Hitler, der damals sein Programm
den Industriellen vorstellte.

Auch die Rede Schmidt-Kaler's vor dem Rhein-Ruhr-Klub
blieb, einmal ab gesehen von dem Aufsehen in der Presse und
seinem gelungenen Beitrag zur Volksverhetzung, nicht ohne
Folgen. Brstet sich doch Schmidt-Kaler, da sich am
nchsten Tag ein gewisser Herr Lummer, seines Zeichens
amtierender Innensenator von Westberlin, telefonisch ein
paar Tips zur Behandlung der Auslnder holen wollte-dem
auch promt am 20.11.1981 der berhmt-berchtigte
Auslnder-Erla Berlins folgte. Wichtigste Regelungen:
Zuzugsverbot fr Familienangehrige ber 12 (!) Jahre und
fr Ehepartner, die im Ausland leben; Ausweisung aller
auslndischen Jugendlichen, die das 18. Lebensjahr erreicht
haben, keinen Ausbildungsvertrag nachweisen knnen und
weniger als 5 Jahre in der BRD leben. (Letzte Regelung
mute unter dem Druck der demokratischen ffentlichkeit
wieder zurckgenommen werden).

Unter den zahlreichen weiteren Anrufern und Ratsuchenden
hat sich laut Schmidt-Kaler auch der schleswig-holsteinische
Ministerprsident Stoltenberg befunden; auch bevor in
dessen Bundesland ein hnlich scharfer Auslndererla
beschlossen wurde.

Diese Funktion Schmidt-Kalers als Berater hchster
Regierungsstellen und als geistiger Ziehvater der jngsten
Auslndererlasse stimmt mit den Aussagen anderer
Unterzeichner des Heidelberger Manifestes berein, die
Schmidt-Kaler zusammen mit Prof. Schrcke als treibende
Kraft der ganzen Aktion und vor allem des Schutzbundes fr
das Deutsche Volk bezeichnet haben. Schlielich ist
Schmidt-Kaler nach seinen eigenen Aussagen nicht nur der
Mitverfasser dieses Pamphlets und der Erluterungen,
sondern auch derjenige, der zusammen mit Prof. Schrcke die
meisten der Unterzeichner geworben hat. Nicht zuletzt wird
die Rolle Schmidt-Kalers daran deutlich, wenn er als
Einlader fr den SDV fr die Veranstaltung am 23.1.82
auftritt.

V.i.S.d.P.: AStA Uni Bochum, Lennershofstr.
Offsetdruck J. Heinze,
Ruhrallee 62,46 Dortmund 1
Tel.: 0231/104708


[Bild2. Foto: Hitler mit Gring vor dem Dsseldorfer
Industrieklub, am Mikrofon F. Thyssen]



,Die Juden haben es hinter sich, die Trken noch vor sich"

Dies ist nicht nur die Auflsung eines mehr als makabren
Witzes, der momentan hoch im Kurs steht. Man findet diesen
mrderischen Satz auch als Wandparole in Westberlin.
,Auslnder raus!" stand an dem Wohnheim in Hamburg, auf
das 1980 die Roeder-Bande einen Bombenanschlag verbte
und zwei Vietnamesen ermordete.

Das Heidelberger Manifest kann den Geruch von Holocaust
nicht verheimlichen, auch wenn es sprachlich neuerdings
etwas ,parfmiert" wurde. Unter dem wissenschaftlichen
Gewand wird rassistische Propaganda betrieben, in
wesentlich wirkungsvollerer Weise, als wenn bekannte
Neonazis diesen geistigen Schmutz verbreiten wrden. Die
Argumente und angeblich wissenschaftlichen Beweise, derer
sich die feinen Herren bedienen, sind nicht neu. Sie haben
ihren Ursprung im 19. Jahrhundert und dienten schon immer
zur Rechtfertigung imperialistischer Machenschaften, sei es
die Ausbeutung und Unterdrckung fremder Vlker oder der
Arbeiterklasse im eigenen Land. Sie waren das ideologische
Credo des Hitlerfaschismus genauso wie sie heute
Grundbestandteil der Ideologie von Faschisten und Rassisten
ber alle Grenzen hinweg sind.

Und der Boden ist in der gegenwrtigen Krisensituation
fruchtbarer denn je fr diese rassistische Propaganda, wo
Auslnder zunehmend zum Sndenbock fr die sozialen
Folgen der Krise wie Arbeitslosigkeit, Sozialabbau, den
skandalsen Mngeln des westdeutschen Erziehungssystems
gestempelt werden. uerst geschickt versteht man, an den
offenkundigen Mistnden und an der Abwlzung der
Krisenlasten auf die Lohnabhngigen anzusetzen und die
gleichermaen davon Betroffenen, die deutschen und
auslndischen Arbeiter, auseinanderzudividieren. Eine neue
Volksgemeinschaftsideologie, ein neuer Nationalismus ist im
Entstehen, die allemal wichtige Elemente einer ideologischen
Kriegsvorbereitung sind.

ffentlich warnt Innenminister Schnoor (NRW) davor, ,da
die Trken in die Rolle der Juden whrend des Dritten
Reiches geraten knnten" und ffentlich stellt der
Duisburger Oberbrgermeister fest: ,Faschismus und
Rassismus sind im Revier vorhanden. Wenn sie noch strker
werden, wre dies verhngnisvoll. Rassismus ist das Letzte,
was wir hier brauchen." (WAZ, 23.1.82).

Doch anstatt alles zu tun, um der Verhetzung der
Bevlkerung entgegenzutreten, z.B. indem unverzglich das
Volksbegehren der Brgerinitiative Auslnderstopp verboten
wird, wozu gengend gesetzliche Handhabe existiert,
schlagen Staat und Politiker in dieselbe Kerbe. Unter dem
Vorwand, den wachsenden Auslnderha in der deutschen
Bevlkerung zu besnftigen, macht man genau das, was die
rgsten Hetzer gegen die Auslnder die ganze Zeit fordern:
Beschrnkung der Zuwanderung von Familienangehrigen,
Aushhlung des Asylrechts, Forcierung der Rckkehr von
Auslndern in ihre Heimatlnder, Schlieung der
Universitten fr bestimmte Auslndergruppen (KMK-
Beschlsse).

Dieses Spiel mit verteilten Rollen ist nur dazu geeignet, dem
Auslnderha weiter Vorschub zu leisten. Offenbar sind die
deutschen Behrden nicht in der Lage zuzugeben, da eine
verfehlte Auslnder- und ,Integrations"politik der letzten
Jahre ein gerttelt Ma Schuld an den gegenwrtigen
Zustnden trgt.



Stoppt die wissenschaftlichen Kreuzritter des christlichen Abendlandes

Das eigentlich Neue und Bedrohliche am Heidelberger
Manifest liegt nicht darin, da hier ein Haufen brauner und
schwarzer Gesinnungsgenossen zusammengefunden hat,
sondern da hier im Namen der Wissenschaft
,verantwortungsbewute deutsche Professoren" in belster
Weise Volksverhetzung betreiben, und Ideologien wieder
hoffhig machen, die man mit dem Sturz des
Hitlerfaschismus fr endgltig berwunden glaubte. Der
Heidelberger Kreis, obwohl er engstens mit dem SDV
zusammenhing, trat ausschlielich im Namen der Professoren
und damit unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit an
die ffentlichkeit.

In perfider Weise geben sie sich als die Retter der ,geistigen
Identitt" des deutschen Volkes ,auf der Grundlage
unseres christlich-abendlndischen Erbes" aus (HM). Welch
erbrmliche Borniertheit spricht aus diesen Worten deutscher
Wissenschaftler. Gerade ein Schmidt-Kaler als Mathematiker
und Astronom mte am besten wissen, da sein geistiges,
christlich-abendlndisches Erbe ohne die Hinterlassenschaft
aus dem ,Morgenland" wenig wert wre. Er kann ja mal
versuchen anstatt mit arabischen Ziffern, die ihrerseits
ursprnglich aus Indien stammen, mit rmischen (Bandwurm-
)Zahlen oder besser mit germanischen Runen zu rechnen.
Entscheidende Grundlagen der Mathematik (Arithmetik,
Algebra, Trigonometrie, Geometrie) und der Astronomie
wurden von den ,islamisch-morgenlndischen" Arabern
entwickelt oder durch ihre Vermittlung aus Persien, Indien,
China und Griechenland nach Europa weitergegeben. Ohne
die Vermittlungsfunktion der Araber wren beispielsweise
die philosophischen Anstze und wissenschaftlichen
Erkenntnisse der so hoch verehrten Griechen dem Abendland
gnzlich verborgen geblieben. Um das geistige Erbe zu
beschreiben, ist der Begriff ,christlich-abendlndisch" also
gnzlich ungeeignet und beweist nur die Horizontverengung
zweifelhafter Professoren.

Dagegen weist dieser Begriff in anderer Hinsicht eine
imperialistische Tradition auf, dessen Erbe die Herren
Professoren hier viel eher antreten. Bereits fr die alten
Griechen diente der Begriff des ,Abendlandes" als
ideologischer Kampfbegriff zur Unterwerfung der asiatischen
Vlker; die europischen Kreuzritter des Mittelalters
richteten im Namen des mittlerweile christlichen
Abendlandes ein Blutbad nach dem anderen im heidnischen
Morgenland an und in der neueren Zeit wurde das christliche
Abendland blutrnstig gegen das erstarkende Ruland bzw.
gegen den Kommunismus in der Sowjetunion
vorwrtsverteidigt!

Die modernen Kreuzritter des christlichen Abendlandes im
Gewand der Wissenschaft treten mit ihrem rassistischen
Bekenntnis sicherlich in die Fustapfen dieser Tradition. Das
gesamte Heidelberger Manifest ist eine Kriegserklrung,
nicht nur gegen die Auslnder in der BRD, sondern gegen
alle Demokraten. Denn wenn dieses sozialdarwinistische und
rassistische Gedankengut erst einmal groe Teile der
Bevlkerung ergreift, dann ist die reaktionre oder auch
faschistische Lsung der wirtschaftlichen und sozialen Krise
der Gesellschaft nicht mehr fern, dann ist die nchste
Katastrophe nicht nur des deutschen Volkes
vorausprogrammiert. Die im Heidelberger Manifest
beschworenen ,bekannten ethnischen Katastrophen
multikultureller Gesellschaften" haben berhaupt nichts mit
der Anwesenheit von Auslndern und dem Miteinanderleben
verschiedener Vlker und Kulturen zu tun-sie werden allein
von solchen verkommenen Ideologen und ihren
Hintermnnern verantwortet.

Besondere Verantwortung, um dieser Volksverhetzung im
Namen der Wissenschaft entgegenzutreten, trifft die
Wissenschaftler selbst. Wer diesen rassistischen Schund als
erlaubte Meinungsuerung durch die Freiheit von
Forschung und Lehre bzw. allgemein durch die
Meinungsfreiheit gedeckt sieht, mu sich den Vorwurf der
indirekten Komplizenschaft gefallen lassen. Diese Freiheiten
finden nicht zuletzt dort ihre Grenze, wenn ganz
offenkundige Lgen und reaktionre Ideologien, die jeglichen
wissenschaftlichen Gehalt entbehren, im Namen der
Wissenschaft verbreitet werden, und die nur der Zerstrung
der begrenzten Zahl demokratischer Errungenschaften in
dieser Republik dienen. Schlielich ist das deutsche Volk
erst vor knapp 50 Jahren mit denselben angeblich als
wissenschaftlich erwiesenen Ideologien zu faschistischem
Massenmord und in imperialistische Eroberungsfeldzge
gehetzt worden.

,So sehr ich bedauere, da Prof. Schrcke das sogenannte
Heidelberger Manifest unterzeichnet hat, ist das Manifest
selbst nicht rechtswidrig und leben wir in einer freien
Gesellschaft, in welcher die Freiheit der Meinung
grundstzlich geschtzt ist."
Nikolaus Lobkowicz, Prsident der Universitt Mnchen, der
dies brieflich dem Mnchner Arbeitskreis Mehr Auslnder an
die Hochschulen mitteilte, ist in seinem Kampf fr eine
,freie Gesellschaft" nicht allein. Auch der NHB,
Studentenorganisation der NPD, sammelt als Studentische
Initiative fr Meinungsfreiheit (Kontaktadresse ist das
Mnchner NPD-Bro) Unterschriften:
,Ich verteidige mit meiner Unterschrift das Recht des Prof.
Schrcke, in Freiheit und ohne Benachteiligung seine
Meinung zu vertreten, an jedem Ort und zu jedem
Zeitpunkt." Wenn das Schrcke und seine
Gesinnungsfreunde weiterhin ungehindert tun, dann ist es um
die Freiheit von Demokraten und Antifaschisten bald
schlecht bestellt.

Es ist erfreulich, da sich an einer Reihe von Universitten
wie in Dortmund, Bochum, Frankfurt, Mnchen und
anderswo Wissenschaftler gefunden haben, die sich in
verschiedenen Erklrungen gegen den Mibrauch der
Wissenschaft im Dienste des Rassismus wehren. Auch der
Rektor der Universitt Bochum, K. Ipsen, distanziert sich ,in
aller Form und aller Schrfe" von den Ansichten eines
Schmidt-Kaler's. Es bleibt zu hoffen, da diese
Wissenschaftler ber die verbale Distanzierung hinaus auch
dahin finden, kontinuierliche Aufklrung der ffentlichkeit
zu leisten, damit der wachsenden Auslnderfeindlichkeit mit
all ihren Konsequenzen der ideologische Boden entzogen
wird. Beispielsweise planen in Bochum und Dortmund
Unterzeichner von Gegenerklrungen fr das Wintersemester
Ringvorlesungen zu Inhalt und Hintergrnden der
gegenwrtigen auslnderfeindlichen Strmungen.

Fr die Universitten, wo sich die ,wissenschaftlichen"
Propagandisten des Rassismus aufhalten, drfte die Aufgabe
auch klar sein: Wenn sich die ,verantwortungsbewuten
deutschen Professoren" nicht schleunigst von all diesen
Machenschaften distanzieren und dies in aller ffentlichkeit
erklren-was wenig wahrscheinlich sein drfte-dann sind
sie fr die Universitten untragbar geworden!



Das Netz

Anhand der Liste der 16 "verantwortungsbewuten deutschen
Professoren" und ihrer Verbindungen liee sich eine nahezu
vollstndige Analyse des schwarz-braunen Sumpfes in der
BRD in seinen Zusammenhngen mit der internationalen
Rassistenszene erarbeiten. Dies kann jedoch nicht Sinn und
Zweck dieser Dokumentation sein. Man wrde dabei auch
einer bewut eingesetzten Taktik der reaktionren Kreise auf
den Leim gehen, sich nmlich mglichst zersplittert in der
ffentlichkeit zu zeigen. Ziel der Darstellung des Netzes
einschlgiger Beziehungen soll, neben der Ausleuchtung des
braunen Hintergrundes des so seris erscheinenden
Heidelberger Manifestes zu dessen politischer Einordnung,
die Herausarbeitung des inneren Zusammenhangs der
Rechten aller Schattierungen und der Kontinuitt der
wissenschaftlichen Begrndungsversuche von Rassismus und
Chauvinismus sein.

Es werden auch nicht alle der insgesamt 16 Professoren
Erwhnung finden. Sie sind zwar nicht alle in einschlgig
bekannten Rechtskreisen aufgetreten, so gengt doch zu ihrer
politischen Einordnung, da sie ihre Unterschrift unter
diesen rassistischen Schmutz gesetzt haben und bisher
allesamt "mannhaft" dazu stehen, obwohl die Hintergrnde
des Manifests bekannt sind. Durch die sprachliche
Umarbeitung des Manifests versuchen sie vielmehr denselben
Inhalt taktisch geschickter zu verkaufen.

Auch wenn sich unter den Unterzeichnern eine Reihe von
betagten und bereits emeritierten Professoren befindet, die
man nicht leichtfertig als Ewiggestrige verharmlosen sollte,
so sind gengend Namen darunter, die an den einzelnen Unis
leitende Funktionen innehaben, wie Schmidt-Kaler (Direktor
des Astronomischen Instituts), Schrcke (Abteilungsvorstand
an der Uni Mnchen), Illies (Leiter einer Forschungsstation
des Max-Planck-lnstituts fr Limnologie), Manns
(stellvertretender Abteilungsdirektor) oder Schrmann
(Direktor der Neurochirurgischen Uniklinik Mainz).



Der Drahtzieher in Mnchen

Als treibende Kraft im Heidelberger Kreis neben Schmidt-
Kaler finden wir Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Geol. H.
Schrcke, seines Zeichens Abteilungsvorstand im Institut fr
Kristallographie und Mineralogie an der Universitt
Mnchen. Unter seinem Namen unterhlt der bekannte
Schutzbund ein Postfach in Heidelberg.

Bereits im Januar 1980 verbreitete Schrcke in einem
Leserbrief an die FAZ seine ,wissenschaftlichen" Ergsse,
die sich fast wrtlich im Heidelberger Manifest
wiederfinden: ,Der Begriff 'Volk' lt sich heute
naturwissenschaftlich definieren: 'Vlker sind (kybernetisch
und biologisch) lebende Systeme hherer Ordnung mit
voneinander verschiedenen Systemeigenschaften, die
genetisch weitergegeben werden'. Dabei sind auch die nicht
krperlichen Eigenschaften eingeschlossen, die genauso
vererbt werden, wie die krperlichen (die Milieu-Theorie ist
wissenschaftlich falsch) ..." (FAZ, 22. Jan. 1980).


[Zeitungsausschnitte/Schlagzeilen: Die Enthllungen des
Mnchner Arbeitskreises]


,Die endgltige Zerstrung unseres Volkes geschieht also
durch die Vermischung ... Malos aber ist das heutige
System der Verfremdung, denn es sorgt fr die zeitlich
unbegrenzte automatische Vermehrung extrem Fremder und
die Verminderung der Deutschen im eigenen Land. Unser
Volk ist damit in seiner Existenz schlechthin bedroht. (...)
Wenn die Mchtigen sehen, da sich ein Wille zum
Widerstand rhrt und auszudrcken versteht, wird mancher
von ihnen umschwenken, denn noch sind die Deutschen in
Westdeutschland in der Mehrheit und knnten ihre
wirklichen Lebensinteressen wieder entdecken."

Mit solchen Tnen rhrt Schrcke die Werbetrommel fr das
Heidelberger Manifest, das er brigens schlicht fr die
,wissenschaftliche Wahrheit" hlt und fr das er seinerseits
unter Kollegen Unterschriften sammelt. Er vertreibt an
Kollegen und Studenten auch die Broschre
,Bevlkerungsentwicklung in West-Deutschland-Gefahr
und Ausweg" vom Juni 1981, aus der obige Zitate
entnommen sind, und als deren Autor ein gewisser Dipl. Ing.
Hubert Drscher verantwortlich zeichnet.



Diplom-Ingenieur Drscher macht kurzen Proze

Eine Kurzfassung dieser Broschre findet sich in der
Zeitschrift Nation Europa 12/1981, S. 23 (im Folgenden NE)
unter dem Titel ,Deutschland droht der Volkstod".
In Broschre und Artikel steht fr Drscher auer Zweifel,
da sich berall ,Tendenzen zur Auflsung der Vlker und
Nivellierung vlkischer Unterschiede und Eigenarten"
finden lassen, zu allererst in ,Rest-Deutschland". Bei einer
Hochrechnung der gegenwrtigen Geburtenrate ist fr
Drscher erwiesen, da im Jahr 2100 das deutsche Volk de
facto am Aussterben ist, weil gerade noch jhrlich 50 000
Deutsche anstatt der 900 000 notwendigen geboren werden.
Dies alles ist Ausdruck der ,Lebensverneinung der
Deutschen"; der die ,Lebenskraft der Einwanderer"
gegenbersteht. Diese ,Fremdarbeiter"; wie Drscher die
auslndischen Arbeiter bezeichnet (womit er zeigt, wie
gelufig ihm das Vokabular der alten Nazis ist), zusammen
mit anderen Einwanderungsgruppen (,Selbstndige aller
Sparten: Gastwirte, Hndler, Handwerker und rzte,
deretwegen der numerus clausus fr die deutschen
Studenten gedrckt wird"; Bevlkerungsentwicklung ...,
S. 7) sind nun die eigentliche Ursache allen bels: denn ,sie
finden sich hier in Kolonien wieder, vermehren sich und
kmpfen erfolgreich um ihren Anteil an unserem (!) Erbe"
(ebda. S. 7).

Fazit: Weil die Deutschen immer weniger werden, kommen
immer mehr Auslnder wegen der weltweiten
Bevlkerungsexplosion nach Deutschland als dem gelobten
Land und fllen das von den Deutschen hinterlassene
Vakuum auf.


[Bild3. Grafik: ,Die Westdeutschen im Meer der Fremden
versunken"]


,Die Rassenvermischung im Gefolge der `lntegration' ist
der biologische Vollzug der Vernichtung unseres Volkes."
(Drscher: Das Deutsche Volk-zum Abbruch freigegeben?.
NE, 1981).

,Die endgltige Zerstrung unseres Volkes" besorgen die
auslndischen Eindringlinge durch Vermischung mit den
Deutschen und die Vernichtung deutschen Erbgutes. ,Unter
Bercksichtigung des westdeutschen Geburtenabfalls und
der institutionalisierten Aufstockung durch Fremde bedeutet
das, da in 80 Jahren nur noch sehr wenige junge
(reinrassige; der Verf.) Deutsche zur Heirat untereinander
brig bleiben werden." (ebda. S. 12).

Zur Bekmpfung dieser Gefahr hat Drscher ein sehr
bekanntes Rezept bereit: man schmeie die Auslnder
einfach raus und lasse keine neuen mehr herein:
,Auf friedlichem Wege geht es nicht anders: Die in der
Menschheitsgeschichte bewhrten natrlichen Zuordnungen
der Dinge mssen wieder hergestellt werden. Jedes
geschichtlich gewachsene Volk mu Recht und Pflicht
zurckerhalten, fr sich selbst zu sorgen, bevor es sich von
anderen aushalten lt oder diese aushlt." (NE 12/81 S.
27).
Und die Mittel hierfr:
,Die Auslnder mssen aus dem Generationenvertrag des
deutschen Volkes wieder entlasen werden", erhalten ein paar
Versicherungsbeitrge wieder zurck und werden nach Hause
geschickt.
,Der in der Welt einmalige, weil malose Asylparagraph
116 b des GG mu ersatzlos gestrichen werden." Dann
wrde in Deutschland wieder Glck und Frieden einkehren,
denn wenn die Fremden endlich weg sind, dann htten ,die
Deutschen ... mit der Notwendigkeit, eigene Kinder haben zu
mssen, auch schnell die Einsicht zurckgewonnen und alles,
was an Zeit, Achtung, Raum und Geld dazugehrt." (ebda.
S. 28).

So einfach ist das alles und daher sollte nur ,diese eine
Frage von nun an unser Land umtreiben: Wie knnen wir
unser Volk retten?" (ebda.)
Die Antwort darauf ist einfach zu finden: Sie steht auf der
nchsten Seite in Form des Heidelberger Manifestes 1981,
das dort, garniert mit einem Zitat des Papstes, im vollen
Wortlaut abgedruckt mit dem ausdrcklichen Zusatz versehen
ist, ,zur Erhaltung unseres Volkes, seiner Sprache, Kultur
und Lebensweise einen Dachverband zu grnden." (ebda.
S. 30).

Diese Zusammenfassung der Ausfhrungen Drscher's gibt
die Grundzge der Argumentation innerhalb der gesamten
Rechten wieder, die sich propagandistisch zusehends auf die
Auslnder einschiet. Vieles davon liest sich wie eine
Erluterung zum Heidelberger Manifest.



Die geistigen Waffen im Kampf auf Leben und Tod

Bereits August 1980 veranstaltete die Gesellschaft fr freie
Publizistik (GfP) einen Kongre zum Thema: ,Die Zukunft
des deutschen Volkes aus biologischer und politischer
Sicht", auf dem Drscher das Einleitungsreferat mit den
bereits oben dargestellten Untergangsvisionen hielt. Bereits
zu dem Zeitpunkt forderte Drscher: ,Wie man es auch dreht
und wendet, wenn wir einigermaen berleben wollen,
mssen die Fremden hinaus, so da wir allein auf eigenen
Nachwuchs angewiesen sind. (...) In weniger als zwei
Menschenaltern, und das ist fr ein Volk nicht lange, wird
es und der Menschenschlag, dem es angehrt, (gemeint ist
offenbar die gesamte weie Rasse; der Verf.) im Meer der
Fremden endgltig ertrunken sein, wenn wir heute klein
beigeben. Wir brauchen deshalb einen Bund zur Erhaltung
des Deutschen Volkes!" (Drscher, Der Geburtenabfall der
Deutschen, NE, 11,12/80)

Dieser Kongre der GfP stellte offenbar das erste
konzentrierte Bemhen der uersten Rechten dar, in Sachen
Auslnder Raus die Krfte zu sammeln und die Initiative fr
die Schaffung einer Dachorganisation, dem spteren
Schutzbund, zu ergreifen.
,Die Abwehr der afroasiatischen Invasion ist eine
europische Aufgabe. Die geistigen Waffen fr diesen Kampf
auf Leben und Tod bereitzustellen, war die Aufgabe, die sich
der Kongre 1980 der GfP gestellt hat."
Dies schrieb Peter Dehoust, Herausgeber von Nation Europa,
in der fast smtliche Referate des Kongresses in der Ausgabe
11,12/1980 verffentlicht wurden. Die geistigen Waffen
wurden als so scharf angesehen, da von dieser
Doppelnummer eine Sonderauflage hergestellt und davon
gleich ,vorab 2000 Hefte an Meinungsmultiplikatoren und
mutmaliche Interessenten" verschickt wurden.

Ein sicherlich nicht zu unterschtzendes
Multiplikatorengremium ist jene Gesellschaft fr freie
Publizistik, die 1960 als Koordinationsinstanz fr die
gesamte neofaschistische Verlagsttigkeit u.a. von Kurt
Ziesel gegrndet wurde. In der GfP ist alles, was in der
rechtsradikalen Verlegerschaft Rang und Namen hat,
vertreten; u.a. sind oder waren Mitglied:

  Kurt Ziesel, NSDAP-Mitglied, Mitarbeiter des
vlkischen Beobachters, Strau-Intimus,
geschftsfhrendes Vorstandsmitglied der von Alt- und
Neufaschisten durchsetzten Deutschlandstiftung,
Herausgeber des Deutschland-Magazins, Organ des
rechten CDU/CSU Flgels
  Kurt Vowinkel, whrend der NS-Zeit Vorsteher des
Brsenvereins des deutschen Buchhandels; Inhaber des
Vowinkel-Verlags, der auf die Herausgabe von Nazi-
Material spezialisiert ist.
  Dr. Gerd Sudholt, Kreisverbandsvorsitzender der NPD;
Leiter des grten rechtsextremistischen Verlags der
BRD, des Druffel-Verlags in Leoni am Starnberger See;
Herausgeber der Klter Bltter, Sprachrohr des
Deutschen Kulturwerks Europischen Geistes (DKEG),
der mit Hilfe der Industrie gegrndeten und
bedeutendsten Organisation neofaschistischer
Kulturarbeit
  Dr. Gerhard Frey, seit 1958 Herausgeber und
Chefredakteur der Deutschen National-Zeitung,
Mitgesellschafter des Nation-Europa-Verlages; Grnder
und Vorsitzender der Deutschen Volksunion (DVU,
neben der NPD der grten rechtsradikalen
Organisation); politische und finanzielle Untersttzung
der Wehrsportgruppe Hoffmann.
  Erich Kern(mayr), Herausgeber der Deutschen
Wochenzeitung
  Peter Straner, Schriftleiter des SS-HIAG-Organs Der
Freiwillige
  Waldemar Schtz, Herausgeber der Deutschen Wochen-
Zeitung
  Dr. Rolf Kosiek, (s.u.)
  Peter Dehoust, (s.u.)

Entscheidende Funktion kommt der GfP-neben der
regelmigen Veranstaltung von Kongressen, die den 2.
Weltkrieg verherrlichen und den Hitlerfaschismus
rehabilitieren sollen-als Verbindungsgremium in die
CDU/CSU hinein zu. Theodor Oberlnder, CDU (s.u.) wie
Emil Franzel CSU, Chefredakteur des Bayernkuriers waren
Mitglieder; 1976 hielt CDU -MdB Hans Wissebach eine
Rede auf dem GfP-Kongre.

Bei der Schrung von Auslnderha und Verbreitung von
rassistischem Gedankengut spielt sie sicherlich eine
bedeutende Rolle, genauso wie die Zeitschrift Nation
Europa, die in letzter Zeit regelmig Hetzartikel gegen
Auslnder verffentlicht, und unter der Rubrik ,Neues von
der berfremdungsfront" laufend Katastrophenstimmung
erzeugt.



Die Freiheit der ,Auschwitzlge"

Die Zeitschrift Nation Europa ist im wahrsten Sinne des
Wortes auch kein unbeschriebenes Blatt. Laut Pressedienst
Demokratische Initiative ist Nation Europa als ein fhrendes
Organ der europischen Faschisten einzuschtzen, das kurz
nach dem 2. Weltkrieg von Arthur Erhardt, einem
ehemaligen Offizier der Waffen-SS gegrndet wurde. Der
jetzige Herausgeber und verantwortliche Schriftleiter Peter
Dehoust ist auch kein Unbekannter als langjhriges Mitglied
des Landesvorstandes der NPD in Bayern, NPD-
Kreisvorsitzender in Coburg und ehemaliger Chefideologe
des 1962 verbotenen Bund Nationaler Studenten. 1978
fusionierte Dehoust seinen Deutschen Studenten-Anzeiger
mit dem seither in 60.000 Auflage verbreiteten Rechtsblatt
student, um allen ,linkstotalitren Krften an unseren
Universitten" wirkungsvoll den Kampf anzusagen und
zugleich ,alle zukunftsorientierten nationalfreiheitlichen
und konservativen Krfte zu einen".


[Anzeige: Solidaritt mit Wei-Afrika, Hilfskomitee
Sdliches Afrika, D-8630 Coburg, Postfach 851, Konto:
Deutsche Bank Coburg Nr. 85/44447]


Zudem ist Dehoust Mitinitiator des Hilfskomitees Sdliches
Afrika, das mit dem Slogan ,Solidaritt mit Weiafrika"
offen zur Untersttzung des sdafrikanischen
Rassistenregimes und des ,deutschen Volkstums" in
(Deutsch-)Sdwest-Afrika aufruft. Selbst der
Verfassungsschutz kommt nicht umhin, dieses saubere
Komitee als rechtsextrem einzustufen, obgleich reihenweise
CDU/CSU-Mitglieder auf Kongressen des Hilfskomitees
auftauchen.

Nation Europa ist nicht nur Propaganda-Organ dieses
Rassistenkomitees, es fhrt auch so berchtigte Autoren wie
den ehemaligen Pressereferenten und persnlichen
Adjutanten des Nazi-Propaganda-Ministers Goebbels,
Wilfried von Oven, der aus seinem sdamerikanischen Exil
verstndlicherweise ganze Lobeshymnen auf das hohe
,Verantwortungsgefhl gegenber der Gemeinschaft" der
sdamerikanischen Militrs ausbringen darf (NE, 10/79).
Bemerkenswert sind auch solche Autoren wie Hans-Georg
von Studnitz, dessen Machwerke regelmig im Bayernkurier
der CSU und im Deutschland-Magazin erscheinen.

Besonders bemht ist Nation Europa in enger
Zusammenarbeit mit der GfP, die darber eigens einen ihrer
berchtigten Kongresse abhielt, eine neue Dolchstolegende
zu konstruieren: Demnach htte das heldenhafte Deutschland
den 2. Weltkrieg nur durch den gewissenlosen Widerstand
einiger vaterlandsloser Gesellen verloren, die in der Stunde
hchster Not Deutschland in den Rcken fielen. Nicht mehr
verwundern darf daher, da in Nation Europa von der ,6-
Millionen-Lge" gesprochen wird. Einen eigenen Beitrag
widmet Nation Europa dem Thema: ,Die
Meinungsfreiheit-ein liberales Grundrecht". Dieser,
ursprnglich als Referat auf einem Kongre der GfP am
14./15.11.1981 gehaltene Beitrag hat die Verteidigung einer
ganz speziellen Meinungsfreiheit zum Zweck, der Freiheit
nmlich, ungestraft und unbehindert den Begriff der
,Auschwitzlge" verbreiten zu drfen.



Die Kontinuitt eines Rassenbiologen

Ein zweiter prominenter Unterzeichner des Heidelberger
Manifestes, Prof. em. Dr. med. Schade (Spezialgebiete
Humangenetik, Bevlkerungsbiologie und Anthropologie)
aus Dsseldorf, ist seit nunmehr 50 Jahren eifrig darum
bemht, die ,geistigen Waffen im Kampf auf Leben und
Tod" zu schmieden. Dazu konnte er bereits 1935 am Institut
fr Erbbiologie und Rassenhygiene an der Universitt
Frankfurt einschlgige Erfahrungen sammeln. Unter der
Leitung von Otto Freiherr von Verschuer, einem der
fhrenden Rassenbiologen und Schreibtischtter des Dritten
Reiches, arbeitete an diesem Institut als Assistent auch der
Arzt Mengele, dem die Fortsetzung der am Institut
betriebenen Zwillingsforschung im KZ Auschwitz den
Beinamen Schlchter von Auschwitz einbrachte.

Schade landete auf einem nicht weniger rhmlichen Posten,
bei der Wehrmacht als Chefarzt und Kompaniechef. 1952
tauchte Schade an der Seite von Prof. O. v. Verschuer als
Dozent und 1954 als apl. Prof. an der Universitt Mnster
aus der Versenkung wieder auf. Seine mit 150
Verffentlichungen sehr arbeitsreiche Laufbahn im Dienste
der Rassenhygiene krnte Schade 1966 mit dem Posten als
Direktor des Instituts fr Anthropologie und Humangenetik
an der Universitt Dsseldorf.

Schade wurde in den 50er Jahren auch bald Mitglied der
Deutschen Gesellschaft fr Anthropologie, deren
Mitglieder 1948 dort weitermachten, wo sie 1945 eine kleine
Arbeitspause einlegen muten. Die Grozahl der fhrenden
Rassenbiologen, Erbforscher und Rassenhygieniker wie O. v.
Verschuer, E. v. Eickstedt, I. Schwidetzky, G. Just, E.
Kretschmer, Ph. Lersch, B. Burgdrfer, um nur einige der
bekanntesten zu nennen, kamen ab 1947 wieder zu
Ordinarien-Wrden an deutschen Universitten. Von
Eickstedt, spterer Vorsitzender der Gesellschaft, besa in
seinem einfhrenden Vortrag auf dem ersten
Nachkriegstreffen der deutschen Anthropologen 1948 die
bodenlose Frechheit, die Anthropologen bzw. vormaligen
Erbforscher und Rassenhygieniker als Widerstandskmpfer
und einsame Warner hinzustellen, die vor der politischen
bermacht und der geballten Unwissenheit des Volkes
kapitulieren muten-ein Eickstedt, der beispielsweise 1934
in seiner Schrift ,Rassische Grundlagen des Deutschen
Volkstums" die Grundlage fr die Zwangssterilisierung und
letztlich auch fr den organisierten Massenmord an
psychisch Kranken, Behinderten, Strafflligen und anderen
als minderwertig angesehenen Menschen, das Gesetz zur
Verhtung erbkranken Nachwuchses, ausdrcklich als
rassenhygienische Manahme begrte!

Erbbiologische Bestandsaufnahmen als Grundlage
faschistischer Rassehygiene
In dieser Gesellschaft der wissenschaftlichen Phariser, die
bis in die 50er Jahre hinein das noch unter dem
Hitlerfaschismus gesammelte Material z.B. ber die
Rassenkunde Schlesiens oder die Rassenbildung in Holland
auswertete, fate unser Prof. Schade offenbar schnell wieder
Fu. Auch er verffentlichte 1950 unter dem Titel
,Ergebnisse einer Bevlkerungsuntersuchung in der
Schwalm" eine sog. ,erbbiologische Bestandsaufnahme in
der Schwalm", die er bereits 1944 verfat hatte, aber nicht
mehr verffentlichen konnte. Diese Studie, deren Daten von
1935 bis 1938 erhoben wurden, ist durch und durch mit dem
Geist der nationalsozialistischen Rassenideologie getrnkt.
Angefangen bei psychischen Erkrankungen ber
Alkoholismus, Kriminalitt, Schwachsinn bis hin zu
krperlichen Erkrankungen ist alles vererbbar:
,Es lie sich feststellen, da Einwohner benachbarter Orte
in der Schwalm im Gesamtbild sich krperlich, geistig sowie
im sozialen Verhalten deutlich unterscheiden, Unterschiede,
die sich bis auf die durchschnittliche Hhe der Begabung,
die Verbreitung geistiger hervorstechender Eigenschaften
und auch Abwegigkeiten wie Kriminalitt und Alkoholismus
erstrecken, und da diese Unterschiede auf der Ausbreitung
einiger weniger Familien im Ort beruhen knnen." (ebda., S.
420, in: Abhandlungen der mathematischen-
naturwissenschaftlichen Klasse, 1950, Nr. 16).

Solche ,erbbiologischen Bestandsaufnahmen" sollten
offensichtlich als Grundlage fr gezielte
,rassenhygienische" Manahmen im Sinne des oben
erwhnten Gesetzes zur Verhtung erbkranken Nachwuchses
dienen.

In dem 1934 erschienenen NS-Standardwerk ,Erblehre und
Rassenhygiene im vlkischen Staat" von E. Rdin, in dem
Anweisungen fr die praktische Umsetzung der
faschistischen Rassenpolitik und des Sterilisierungsgesetzes
gegeben wurden, steht ber den Zweck solcher
Bestandsaufnahmen:
,Jeder Mensch ist als Volksgenosse nur soviel wert und
kann nur insoweit Anspruch auf Bettigung und Geltung
innerhalb der Gesamtheit erheben, als er seinem Volke in
Gegenwart und Zukunft, sozial und blutmig, ntzt,
zumindest aber nicht schadet. Dem Bestand an guter und
schlechter Erbmasse nicht blo im Einzelleben, sondern im
Gesamtvolke kommt damit schlechthin ausschlaggebende,
entscheidende Bedeutung zu fr die Erhaltung der Kraft,
Leistungshhe und Weltgeltung der Nation. (...) Damit ist
gesagt, was der Staat (...) an Unterlagen biologischer Art
braucht, um eine zielsichere, rassenhygienische
Gesetzgebung aufzubauen: er bentigt den schon erwhnten
erbbiologischen Kataster der Gesamtbevlkerung." (ebda. S.
334 f).

Am deutschen Wesen soll die Welt genesen !
Einen leisen Nachgeschmack der Arbeiten Schade's (und
Vorgeschmack auf Kommendes) kann man seinem 1974 im
Vowinkel-Verlag, einem einschlgig bekannten Neo-Nazi-
Verlag, verffentlichten wissenschaftlichen Machwerk mit
dem Titel ,Vlkerflut und Vlkerschwund.
Bevlkerungswissenschaftliche Erkenntnisse und
Mahnungen" entnehmen. Hier wei er zu berichten:
,Auch durch den Untergang des Deutschen Reiches als
Staatsform ist trotz groer Menschenverluste die biologische
Substanz des Volkes keineswegs so getroffen, da nicht alle
geistigen und kulturellen Mglichkeiten offenstnden." (S.
52).

Wie beruhigend diese Tatsache auch sein mag-hinzukommt
die angesichts zweier, von deutschem Boden ausgehender
Weltkriege gewi nicht unbescheidene Erkenntnis von
Deutschland als ,dem ltesten kulturellem Kernland
Europas"-, umso alarmierender waren fr Schade schon
1974 die Anzeichen der ,kulturellen und biologischen
Selbstaufgabe" (S. 108) der Deutschen angesichts ihrer
Gebrunwilligkeit gegenber der steigenden Zahl von uerst
gebrfreudigen Auslndern.
,Ein Rckgang der deutschen Bevlkerung um 1 % jhrlich
wrde zu einem zunehmenden Bevlkerungsschwund und zu
einer Umvolkung fhren, der an Schnelligkeit den
Entvlkerungsproze antiker Weltstdte noch bertrifft"
(S. 96).
,Bei den augenblicklichen Geburtenverhltnissen im
deutschen Raum wrde es nach ein bis zwei Generationen
ein so erhebliches Defizit geben, da ein Vakuum in
Mitteleuropa entstnde. Natrlich wrde es sich mit
Auslndern auffllen." (S. 108). Diese Schlufolgerung hat
sich der Herr Drscher wohl sehr aufmerksam durchgelesen!

[Bild4. Cartoon: Wandergruppe (Familie) besucht eine
geologische Grabungssttte. Die Erdschichten sind mit
Jahresangaben versehen. Die Schicht mit Totenschdeln trgt
die Zuordnung ,1933-1945". Der Familienvater sagt: ,Seht
her Kinder, dort knnt ihr wunderbar die Kulturschichten
erkennen."]

Hinzu kommen noch unausweichliche politische Krawalle
mit den Auslndern, denn: ,In jedem Falle mssen diese
Bevlkerungsgruppen eine politische Frontstellung
gegenber der ursprnglichen Bevlkerung einnehmen, weil
sie glauben, da sie sich tatschliche oder vermeintliche
Rechte erkmpfen mssen" (S. 87). Dieses scheint dem
Herrn Schmidt-Kaler besonders eingeleuchtet zu haben.

Wenn die Deutschen der biologische ,Kulturtod" ereilt und
zugleich die Bevlkerung anderer Lnder explodiert, wird's
um die ganze Welt schlecht bestellt sein:
,Man kann mit einer Verschiebung des Anteils der
westlichen Welt, fast 30% der Weltbevlkerung im Jahr
1960, auf nur noch 18% im Jahr 2000 rechnen. Es ist dabei
an den relativen Rckgang des geistigen Potentials, aber
auch an die relativ geringen finanziellen Hilfsmglichkeiten
zu denken. - Wenn schon heute die sozialistische stliche
Welt auf Entwicklungshilfe (Kredite, Industrielieferungen,
Kenntnisse = know how) angewiesen ist, wie soll dann eine
noch eventuell weitgehend sozialisierte westliche Welt als
Minderheit die zunehmenden Schwierigkeiten bestehen
knnen!" (S. 59).

Ja, an wessen Wesen soll dann die Welt genesen, wenn die
Deutschen mit ihren Qualittswaffen und treuen Landsern
nicht mehr sind? Schner und zeitgemer kann man einen
wissenschaftlich begrndeten Rassismus und Chauvinismus
nicht mehr formulieren! brigens-diese Formulierungen
dienten ber 20 Jahre als Grundlage fr eine Vorlesung ber
Bevlkerungsbiologie an den Universitten Mnster und
Dsseldorf!

Nachdem Schade offenkundig seine Rassenideologie unter
dem Deckmntelchen der Wissenschaft 50 Jahre lang ber
die Runden rettete, darf es uns nicht mehr verwundern, da er
als der geistige Initiator des oben schon dargestellten
Kongresses der GfP ,Die Zukunft des deutschen Volkes aus
biologischer und politischer Sicht" gilt.

,Die Anregung zu diesem Thema verdanken wir Prof.
Schade. Ohne seine Vorarbeiten und seine Mitwirkung wre
es nicht mglich gewesen, diese Veranstaltung in dieser
Form durchzufhren." (NE, 11, 12/80, S. 125).
So der Vorsitzende der GfP G. Sudholt in seinem
Schluwort. Man kann aus diesen Worten auch ungefhr
erahnen, welche Funktion und welchen ideologischen
Einflu die Deutsche Gesellschaft fr Anthropologie auf die
Entwicklung der neofaschistischen Kreise in der BRD
ausgebt hat!

Schade referierte auf dem GfP-Kongre unter dem Thema:
,Vererbung geistiger Eigenschaften", abgedruckt in NE
11,12/80, den geballten Schwachsinn des modernen
Sozialdarwinismus, der hauptschlich in der Psychologie
angehuft wurde. Nachdem nahezu smtliche
Lebensuerungen des Menschen laut Schade zum
wesentlichen Teil genetisch determiniert sind, kommt er zu
dem, jegliche Logik entbehrenden, dafr umso mehr
Demagogie beinhaltenden, Schlu:
,Wenn es Unterschiede erblicher Art zwischen
Einzelpersonen gibt, folgert daraus, da die Verteilung der
Gene und damit auch die der Eigenschaften in den einzelnen
Bevlkerungen verschieden sein mu." (S. 41).
Daraus wiederum folgert:
,Je strker die soziale Siebung ist, umsomehr besteht die
Gefahr, da die Gesellschaft zu einer echten biologischen
Klassengesellschaft wird." (S. 45).
Was zu beweisen war, nmlich, da die bestehende
Klassengesellschaft nichts anderes als ein Naturgesetz ist.

Bei soviel Geistesgre ist Prof. Schade ein international
begehrter Mann. So ist er beispielsweise wissenschaftlicher
Beirat der englischen Zeitschrift Mankind Quaterly. Der
Charakter dieser Zeitschrift entlarvt sich bei nherer
Betrachtung ihres deutschsprachigen Gegenstcks, der so
seris und naturwissenschaftlich auftretenden Zeitschrift
Neue Anthropologie, in der sich Schade bereits 1976 ber
den ,Geburtenschwund in Deutschland-verschiedene
Argumente und Tatsachen" auslie.



Die Neue Anthropologie im Dienste des alten Rassismus

Die Zeitschrift Neue Anthropologie wird von der
Gesellschaft fr biologische Anthropologie, Eugenik und
Verhaltensforschung herausgegeben und verdient insofern
nhere Betrachtung, als sie fr den deutschsprachigen Raum
als das theoretische Organ der internationalen rassistischen
und faschistischen Szenerie gelten kann. Jene Gesellschaft
fhrte bis 1972 den wesentlich eindeutigeren Namen
Deutsche Gesellschaft fr Erbgesundheitspflege.

Die Aufgabe der Neuen Anthropologie (NA) besteht ganz
offensichtlich darin, dem Rassismus in allen seinen
Schattierungen die ntige pseudowissenschaftliche
Legitimation zu verschaffen. Da schreckt man auch nicht
davor zurck, Arbeiten aus der NS-Zeit zu verffentlichen,
beispielsweise den Artikel ,Rassenpsychologie" aus dem
Jahr 1943 von H. Burkhardt, einem ehemaligen Mitarbeiter
von Schade am Frankfurter Institut fr Erbbiologie und
Rassenhygiene (NA, 4/1979, S. 77).
Angesichts fortschreitender ,erbmiger Degeneration und
Verproletarisierung" der Menschheit-frher nannte man
dies Entartung-denkt H. Brockmann in seinem Artikel
,Erbgesundheitspolitik-ein brennendes Problem" (NA,
4/1980, S. 83) offen darber nach, da es Zeit wre, mit
energischen Manahmen, ,wertvolles Erbgut" vor dem
genetischen Verfall zu retten. Einen anderen Vorschlag hat J.
E. Bollier in seinem Beitrag ,ber den Nutzen der
Rassenwissenschaft" parat: Weil immer mehr Ehen an den
inneren Rassengegenstzen scheitern (!), sollten sich doch
Ehewillige zuvor von einem Rassenbiologen beraten lassen
(NA, 2/1978, S. 44).

Wes Geistes Kind dieses wissenschaftliche Machwerk ist,
entnimmt man am besten einem kurzen berblick ber
Herausgeber und den sogenannten Wissenschaftlichen Beirat.

Als verantwortlicher Redakteur zeichnet Jrgen Rieger, der
sich erst vor kurzem wieder als Verteidiger im Hamburger
Proze gegen den SS-Verbrecher und Polizeifhrer von
Warschau Arpad Wigand einen Namen gemacht hat.
,Dabei verstieg der Nazi-Anwalt sich zu der Behauptung,
da das Warschauer Getto nicht aus rassistischen Grnden
errichtet wurde, vielmehr habe die Typhus-Epedemie von
1942 dadurch eingedmmt werden sollen. Der Schiebefehl
sei gegen auerhalb des Gettos angetroffene jdische
Menschen als rigorose Absperrmanahme zu verstehen.
Mord, so Rieger, knne es jedenfalls nicht sein, `wenn fr
das berleben von Zehntausenden einige Hundert erschossen
werden'." (Hamburger Rundschau, Dez. 81).

Diese bodenlose Verhhnung der Opfer des Nazi-Regimes ist
bis heute ohne Folgen geblieben, obgleich Rieger schon
lange als eingefleischter Rassist (,Es ist unbestreitbar, da
einige Rassen mehr zu Verbrechen neigen, als andere ...",
oder: ,Es kann festgestellt werden, welche Rasse fr
bestimmte Aufgaben besser geeignet ist-die Weien z.B. in
Berufen, wo Intelligenz verlangt wird, die Neger im Show-
Business.") und als militantes Mitglied der Neo-Nazi-Szene
bekannt ist (1974 wurde er wegen Krperverletzung zu 3500
DM Geldstrafe verurteilt, nachdem er auf Brger
eingeschlagen hatte).

Neben dem Mitwirken Rieger's in der rechtsradikalen Aktion
Oder Neie und in der Aktion Widerstand gegen die
Ostpolitik der Brandtregierung (,Brandt an die Wand!")
begrndete er 1970 den CSU-Freundeskreis Hamburg.
Offensichtlich hatte er Strau sehr gut verstanden, der damals
die ,Sammlungsbewegung zur Rettung des Vaterlandes"
ausgerufen hatte und ber den Inhalt dieser
Sammlungsbewegung uerte: ,Man mu sich der
nationalen Krfte bedienen, auch wenn sie noch so
reaktionr sind-mit Hilfstruppen darf man nicht zimperlich
sein!" (zit. nach Spiegel 12/1980).
Da diese Hilfstruppen ihrerseits keinerlei Zimperlichkeit an
den Tag legten, ist einem Rundschreiben des CSU-
Freundeskreises Kln zu entnehmen: ,Wir gehen in den
aktiven Widerstand mit allen verfgbaren Mitteln... . Strau
mu an die Macht. Wir mssen ihm die Macht erzwingen, so
oder so... . `Bayernkurier' und `National-Zeitung' bleiben
unsere Hauptorgane. In ihnen wird die Richtung
angegeben... ." (zit. nach konkret, Nov. 1980).

In die richtige Richtung sollte dann auch die unter Mithilfe
von Rieger 1971 inszenierte Selbstentfhrung von Prof.
Rubin, Starautor in der National-Zeitung, gehen. Es sollte
nmlich der ffentlichkeit bei der Einsicht nachgeholfen
werden, da Deutschland Strau als starken Mann braucht.
Nach Auflsung des CSU-Freundeskreises in Hamburg
erschienen einige ihrer Aktivisten in einem anderen
Freundeskreis wieder-im Freundeskreis fr die
Wehrsportgruppe Hoffmann, die ja in der Tat mehrfach ihre
Mithilfe unter Beweis gestellt hat (Anschlag auf das
Oktoberfest 1980 in Mnchen vor der Bundestagswahl;
Ermordung eines jdischen Verlegers in Erlangen;
Ausbildung von in- und auslndischen Faschisten-
Gruppierungen und vieles mehr).

Da die Auslnder den Deutschen an die Substanz gehen, ist
Rieger schon seit 1969 ein Problem, als er in seinem damals
erschienen Pamphlet ,Rasse, auch ein Problem fr uns!"
vermerkte:
,Angesichts des unvermeidlichen Niedergangs, der einer
Rassenvermischung folgt, und den Schwierigkeiten, die beim
Rassengemenge entstehen, ist die Einwanderung weiterer
Gastarbeiter abzustoppen ..." (zit. nach Hamburger
Rundschau, Dez. 1980). Nur allzubekannte Tne sind das!

[Faksimile: Untertitel: ,Auslnder als Umweltverschmutzung
- - auch das Heidelberger Manifest spricht von der Rckkehr
der Auslnder als kologische Entlastung der BRD." Text
des Faksimile:

Eisenbahn-Landwirtschaft
[Bild: Eisenbahn, Huschen, Bume, Spaten]
Bezirk Berlin (West) e.V. Unterbezirk Lichtenfelde Ost

Wichtige Bekanntmachung!

Beschlu des Bezirksamtes Steglitz ber den Bau eines
Asylantenlagers auf dem Gelnde Ostpreuendamm 60 am
Kraftwerk!

Wir wehren uns
a) gegen den Bau eines Asylantenlagers fr die Aufnahme
von 300-500 Personen neben einer Grundschule mit 350
Schlern und im Bereich von 3 Laubenkolonien, die speziell
in den Sommermonaten von Familien mit Kindern als
Sommerdomizil genutzt werden.
b) dagegen, da unsere Erholung- und Wohngebiete zum
Tummelplatz von Asylanten werden.
c) dagegen, da die Sicherheit der Brger in
unverantwortlicher Weise gefhrdet wird.
d) dagegen, da der Bezirk, der bereits durch den Bau des
Kraftwerks am Barnackufer benachteiligt und stndig den
Schadstoffen ausgesetzt ist, zustzlich mit einem
Asylantenlager belastet wird.
e) dagegen, da die Finanzierung eines Asylantenlagers
mglich ist, der Bau eines Schwimmbades jedoch aus
finanziellen Grnden immer weiter hinausgeschoben wird.
f) dagegen, da die Wohnqualitt im Bezirk durch derartige
Manahmen immer weiter herabgesetzt wird.
g) gegen den Vorwurf der Auslnderfeindlichkeit. Wir haben
nichts gegen Auslnder. Wir sind jedoch wegen
Scheinasylanten, die nur aus wirtschaftlichen Erwgungen
den Asylantrag stellen. Laut Ausfhrungen des Herrn
Lummer im Tagesspiegel vom 30.1.82 haben mehr als 90%
der Asylbewerber keine Aussicht, den Asylstatus zu erhalten.
]


Wissenschaftlicher Beirat: Ein Verein verkommener Ideologen

Nicht weniger berchtigt sind die Namen, die sich im sog.
Wissenschaftlichen Beirat der Neuen Anthropologie
wiederfinden und die die internationalen Verflechtungen der
Rassisten beleuchten. Darin sitzen beispielsweise die
bekannten britischen Rassisten, der Genetiker C. D.
Darlington und D. Swan, der zugleich Generalsekretr der
International Association for the Advancement of Ethnology
and Eugenics ist, deren Aufgabe hauptschlich in der
Versendung von rassistischen Schriften in alle Welt besteht.

Dem Wissenschaftlichen Beirat gehrt ebenfalls ein gewisser
Dr. F. J. Irsigler aus Krgersdorp/Sdafrika an,
Gehirnspezialist und offenbar mit einschlgiger Erfahrung in
Sachen angewandter Rassismus in Sdafrika. Auf einer
Tagung der Gesellschaft fr biologische Anthropologie,
Eugenik und Verhaltensforschung im Oktober 1976 hielt
Irsigler einen Vortrag mit dem bezeichnenden Thema ,ber
die Entartung": Die Brisanz und inhaltliche
Ungeheuerlichkeit dieser Rede lt sich schon allein daran
ermessen, da ein so hartgesottener Neo-Nazi wie Thies
Christophersen (Autor von: ,Die Auschwitzlge")
sicherheitshalber die Verffentlichung des Vortrags nur von
der Schweiz aus vornahm: ,Die Verbreitung dieses Vortrags
knnte mich fr einige Zeit zum Schweigen bringen."

Weiterhin Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats ist der
Arzt Dr. Dr. Werner Freytag, verantwortlicher Redakteur
der rechtslastigen Europa-Brcke der Ludwig-Frank-
Stiftung, Frderer von Franz Josef Strau und Mitglied der
von Frey (DVU; Herausgeber der National-Zeitung)
initiierten Volksbewegung fr Generalamnestie-
selbstverstndlich nur fr Kriegsverbrecher.



Dr. Rolf Kosiek-einer der geistigen Vter des Heidelberger Manifestes

Der fhrende NPD-Funktionr und -Ideologe Dr. Rolf
Kosiek, ein Mann der besten Verbindungen zu einer
Vielzahl rechtsextremer Vereinigungen, ist selbstverstndlich
auch im Beirat vertreten. Kosiek als Mitglied des
Bundesvorstandes der NPD und stellvertretender
Landesvorsitzender in Baden-Wrttemberg, bis 1972 NPD-
Abgeordneter im baden-wrttembergischen Landtag, wurde
vom damaligen Kultusminister Hahn (CDU) nach dem
Wahlverzicht der NPD zugunsten der CDU sogleich als
Dozent an die FH Nrtingen berufen. Erst 1978 wurde
Kosiek durch Urteil des Verwaltungsgerichtshofs vom Dienst
suspendiert, weil er in seiner Schrift ,Das Volk in seiner
Wirklichkeit" (Vowinkel-Verlag 1974) den
Nationalsozialismus allzu offen verherrlichte.

Diese Rassenschrift qualifiziert Kosiek umso mehr als
wissenschaftlichen Beirat der Neuen Anthropologie, und
bietet einen guten Einblick in das rassistische und
chauvinistische Gedankengut, das sich alle Vertreter der
Rechten zunehmend zu eigen machen. In diesem Machwerk
versucht sich Kosiek zusammen mit Prof. Schade (!) an der
,wissenschaftlichen" Begrndung, wieso das deutsche Volk
zusammen mit den klassischen Griechen als das grte,
schlaueste, tapferste, sittlichste und bedeutendste Volk
berhaupt zu gelten hat.

,In den verschiedensten Bereichen des Geistigen, der Wissenschaften
und der Technik drfte auch wohl kein anderes Volk das deutsche
bertreffen, abgesehen von den alten Griechen, obwohl zumindest
frher andere Vlker, wie das franzsische, an Bevlkerungszahl groer
waren. Das gleiche gilt fr die Bereiche der Kunst. Es gilt auch im
Militrischen seit den Zeiten des alten Rom ber Clausewitz und Moltke
bis zum deutschen Landser des Zweiten Weltkrieges. Nicht zufllig
waren die ehemaligen deutschen Schutzgebiete Mustereinrichtungen. Sie
htten ein Vorbild fr die ganze Welt sein knnen ..." (S. 123).
,Berechnet man den statistischen Anteil der Deutschen an
hervorragenden Leistungen auf den verschiedensten Gebieten der
Wissenschaften wie der Kunst, so zeigt sich, da, gemessen an der
jeweiligen Bevlkerungszahl, die Deutschen nach den klassischen
Griechen wohl am besten abschneiden. Kurz zusammengefat kann man
sagen, da Deutschland stets auf allen Gebieten die hervorragendsten
Kpfe gehabt hat, die ihm eine fhrende kulturelle Stellung unter den
Vlkern verschafften, mit Ausnahme des politischen Bereichs." (S. 124).
,Nach dem Griechentum haben die Deutschen als das den Griechen
wohl verwandteste Volk die Fackel der Freiheit und des Geistes vor
allen weitergetragen und werden ihr weiter dienen. Denn auf die Dauer
ist der Geist die grere Macht, auch ber die weltliche hinaus. Uns
braucht um unser Volk nicht bange zu sein.
Deutlich sei gesagt: jeder Deutsche kann stolz auf die Vergangenheit
seines Volkes und seinen Beitrag fr die Welt blicken und darf erwarten,
da es auch in Zukunft seinen Platz im Leben der Vlker ausfllt.
Da es im deutschen Wesen auch negative Seiten, in der deutschen
Geschichte auch dunkle Stellen gibt brauchen wir nicht zu
verschweigen." (S. 127).

Doch wer nun erwartet, da hier eine leise Kritik am Hitlerfaschismus
kommt, der es ein bichen bertrieben htte-nein, im Gegenteil, die
Leichtglubigkeit und der eigene Masochismus sind die
Hauptschwchen der Deutschen, weil sie die Lge ,von den malosen
bertreibungen der Verhltnisse in den Konzentrationslagern" glauben
und sich fr den 2. Weltkrieg verantwortlich fhlen:
,In den Massenmedien wird heute noch, oft bis zum Erbrechen, die
deutsche Schuld am und im Zweiten Weltkrieg behauptet und
breitgetreten.
Eine umfangreiche, vor allem auslndische, Literatur weist nach, da
Deutschland nicht Allein- oder Hauptschuldiger in diesem Vlkerringen
ist." (S. 127).

[Abbildung: Kleine Auswahl an Auslnderhetze: Kieler Liste
fr Auslnderbegrenzung; Brgerinitiative Auslnderstopp;
NPD]

Doch ein Problem scheint diesen Herren immer noch Kopfzerbrechen zu
machen, nmlich wenn die Deutschen schon solche bermenschen sind,
denen bereits zu Zeiten Karl V. ,die Weltherrschaft sicher" war-wieso
sind diese Deutschen dann immer wieder gescheitert? Auch dafr hat
der moderne Biologe eine passende Antwort parat:
,Einen mglichen Hinweis kann die moderne Biologie geben. Lebende
Systeme, auch Vlker, sind offene Fliegleichgewichte, die mit ihrer
Umgebung in dauernder Wechselwirkung stehen. Die Stabilitt solcher
Systeme ber lngere Zeiten hinaus ist im Einklang mit den physikalisch-
chemischen Gesetzen durch bewundernswerte und in vielen Fllen noch
nicht ergrndete Regelkreise gewhrleistet. Sie sorgen dafr, da das
System mit seiner ganzen Umgebung in einem fr alle Beteiligten
weitgehend tragbaren Gleichgewicht steht." (S. 129).
,Moral, die Humanitt der Weien, wirkte also, zumindest im
Endergebnis, wie ein Regelmechanismus, den die Natur den weien
Vlkern einpflanzen `mute', damit sie durch solch negative
Rckkoppelung daran gehindert wurden, ihre an sich bestehende vllige
berlegenheit gegenber den anderen Rassen auszunutzen. Da, wie
hier, moralische Prinzipien durchaus biologisch bedingt sind, hat in
einem anderen Zusammenhang die Verhaltensforschung erkannt."
(S. 129).
,Htte der Deutsche bei solchen Fhigkeiten nicht den Keim der
Selbstbeschrnkung in sich, wren alle Deutschen, wie in anderen
Vlkern, in der Lage, nur das Gemeinsame zu sehen, an einem Strang zu
ziehen, alle Fhigkeiten in einer Richtung auszurichten, so wre
Deutschland fr die anderen Vlker nicht zu ertragen: seine geistige,
technische und militrische Vormacht wre einfach zu gro. So `mute'
die Natur, die nach dem berall wirkenden biologischen Prinzip
mglichst groer Vielgestaltigkeit viele Rassen und Vlker auf der Erde
geschaffen hat und erhalten `will', dafr sorgen, da der wegen seiner
Fhigkeiten von auen nicht zu bezwingende Deutsche aus seiner Art
heraus seine Beschrnkung findet, da sein Rckregelkreis mangels
berlegenheit von auen aus eigenen Elementen aufgebaut ist, da
volkszerstrende und landesverrterische Elemente mit zu seiner Eigenart
gehren." (S. 130).

[Foto: Spitzenleistung deutscher Kultur: Im KZ Janovsk
gefangene Musiker spielen den ,Todestango". Im Takt dazu
werden Folterungen und Hinrichtungen vollzogen]

Die Ideologie der germanischen Herrenrasse feiert frhliche
Urstnd unter tatkrftiger Beteiligung des Prof. Schade.
Nicht nur da sich der hier als Erkenntnis der modernen
Biologie ausgegebene Sozialdarwinismus belster Sorte mit
der Anschauung von Vlkern als lebenden und genetisch
determinierten Systemen fast wortwrtlich im Heidelberger
Manifest wiederfindet, so ist doch hier auch ganz klar die
Richtung angegeben, da die Auslnder als Untermenschen
ihr Lebensrecht auf deutschem Boden mal wieder verwirkt
haben.
Freie Bahn den Deutschen-Deutschland ist grer als die
Bundesrepublik, schlufolgert nicht nur die NPD!


Franzsische Prominenz

Auch kein Unbekannter im Wissenschaftlichen Beirat ist
Alain Benoist, Journalist, leitender Herausgeber von
Nouvelle Ecole und Mitbegrnder der Organisation
G.R.E.C.E., einer Art ,Ordensburg fr neonazistische
Meisterdenker". ber diese rechtsextreme Organisation mit
schtzungsweise 5000 Mitgliedern, vor allem unter
Intellektuellen, wei konkret zu berichten.

Sie predigen mit neuen `wissenschaftlichen' Beweisen von
amerikanischen, britischen und bundesdeutschen Verhaltens-
und Intelligenzforschern und Genetikern die `angeborene
Ungleichheit zwischen den Rassen' und liefern so die
`intellektuelle' Rechtfertigung fr die antisemitischen
Aktivisten der FNE (Gruppierung der franzsischen Neuen
Rechten). Im pan-europischen Patronat von G.R.E.C.E. sitzt
als Schutzherr auch der Verhaltensforscher Konrad Lorenz.
Ihr breites Publikationsorgan haben die Neuen Rechten im
Figaro Dimanche. Armin Mohler ist der deutsche
Propagandist der G.R.E.C.E.-Truppe-natrlich in der Welt.
Wohlwollend uert sich auch `Pankraz' in der Welt (hinter
diesem Pseudonym steckt der leitende Kulturredakteur
Gnter Zehm) ber die Initiativen der Neuen Rechten in
Frankreich. Deren Eugenik-Diskussion, so Zehm, drfe nicht
durch die belastende Erinnerung an den Nationalsozialismus
unterbunden werden.
Im Deutschen Monats-Magazin der CDU wurde die Neue
Rechte gleich in einem drei Seiten langen Artikel gefeiert.
Der Autor: Jean Paul Picaper, Bonn-Korrespondent des
Figaro, der dem ehemaligen Gestapo-Agenten Robert
Hersant gehrt.
Doch es nutzt nichts: Frankreichs Neonazis von der FNE
berufen sich nun mal auf die Thesen der in der Welt
gefeierten Neuen Rechten. Ihre geistige Aufrstung bezieht
sie von dort, die krperliche `Ertchtigung' im Nahkampf
fand im Bayerischen statt. Der britische Economist berichtet:
,Mitglieder der FNE nahmen an den `Militrsport`-
bungen in Deutschland teil, die von Karl Heinz Hoffman
organisiert wurden!"
(Zitiert aus konkret, 11/80, S. 17).


Der pseudowissenschaftliche Onkel aus Amerika

Sptestens seit 1969 wei man auch den US-amerikanischen
Vertreter in dem erlauchten wissenschaftlichen Beirat zu
wrdigen, Prof. Arthur R. Jensen, der auch zu den
emsigsten Autoren in der Neuen Anthropologie gehrt (ber
6 Artikel bisher).

1969 trat er in den USA mit einem hei diskutierten Artikel
an die ffentlichkeit, in dem er ,nachweist", da 1. die
kompensatorischen Erziehungsprogramme alle hinfllig sind,
weil sowieso die Intelligenz zu mindestens 80 % angeboren
sei, 2. die Neger und Indianer dmmer als die Weien und
3. deswegen zwei Arten von Schulen frderhin notwendig
seien: Nmlich ein Typ Schule fr die geborenen Schlauen,
die die zuknftige Elite darstellen, und zum anderen ein Typ
Schule fr die Minderbegabten, die nur zu repetitorischen,
nachvollziehendem Lernen fhig sind. Abgesehen davon, da
diese Arbeit von Jensen in sich so viele Widersprche,
elementare Fehler und Ungereimtheiten enthlt, die ihren
wissenschaftlichen Wert null und nicht machen, sttzt sich
Jensen bei seinem ,wissenschaftlichen Beweis" der
genetischen Determination von Intelligenz- und
Rassenunterschieden ausgerechnet auf den Kronzeugen Sir
Cyril Burt.

Jener Burt, Psychologe von altem Schrot und Korn in
London, ist der Pionier aller Versuche, die Vererbbarkeit der
Intelligenz zu beweisen und dafr auch eine quantitative
Schtzung vorzunehmen-eben jene ,80:20 Theorie". Als er
damit erfolgreich in den 50er Jahren in England eine
Schulreform zu verhindern half und den Privilegien der
herrschenden Klasse die ntige wissenschaftliche
Legitimation verschaffte, wurde ihm fr diese Verdienste
sogleich der Adelstitel verliehen. Der wissenschaftlichen
Qualitt und Legitimationsfunktion eines Burt tut es keinen
Abbruch, da seit sptestens 1974 Burt der
wissenschaftlichen Flschung berfhrt ist. Die meisten
Daten und Ergebnisse seines umfangreichen Werkes sind
schlichtweg erfunden, der Rest ist unter so zweifelhaften
Umstnden zustandegekommen, da ihm keinerlei
wissenschaftlicher Wert zukommt.

Mit den Arbeiten Burt's strzt aber das gesamte Gebude der
sog. Vererbungstheoretiker, namentlich von H. J. Eysenck,
A. R. Jensen, R. Herrnstein, um die prominentesten Vertreter
zu nennen, wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Was im
brigen das Bayerische Kultusministerium weder daran
hindert, in einer breit angelegten Kampagne die angeblichen
,Beweise" der Vererbtheit von Begabung unter das Volk zu
bringen, noch davon abhlt, bundesweit unter Bezugnahme
auf die Vererbungstheorie alle Versuche zu einer noch so
winzigen Reform des Schulwesens abzublocken.


Apartheid in deutschen Klassenzimmern

Zurck zur Zeitschrift Neue Anthropologie und ihrem
eigentlichen Grnder, dem ehemaligen Naziideologen
Wilhelm Weis. Dieser trat Ende 1980 mit einer besonderen
Aktion an die ffentlichkeit, als er im Namen der erwhnten
Gesellschaft fr biologische Anthropologie, Eugenik und
Verhaltensforschung einen unverholen rassistischen Brief
,an alle Lehrer und Erzieher des deutschen Sprachraums"
direkt an Schulen in einigen Bundeslndern verschickte.
Darin wird, in Vorwegnahme des Heidelberger Manifestes
behauptet, ,da die geistige Entwicklung eines Menschen
berwiegend von den Genen und nicht von der Umwelt
bestimmt" werden und ,die feststellbaren Unterschiede
zwischen Einzelmenschen und Rasse ... weitgehend erblich
bestimmt" seien.
Weiter heit es:
,Kulturen sind an die biologische Substanz gebunden, die
sie tragen. Unsere biologische Substanz ist durch
Geburtenarmut und Masseneinwanderung von Auslndern
gefhrdet. Geburtenbeschrnkung wird von letzteren meist
abgelehnt, und zur Geburtenplanung sind nur die
Minderbegabten nicht in der Lage. Es verndert sich
dadurch nicht nur die Quantitt, sondern auch die Qualitt
unseres Volkes.
Geburtenrckgang und Hereinholen fremder
Menschenmassen war auch bei den zugrunde gegangenen
Kulturen der Antike Vorbote des Unterganges. Der Jugend
sollte deshalb die Pflicht vor Augen gestellt werden, ihr
durch die Lebensbewhrung unzhliger Vorfahren
ausgelesenes Erbe als berpersnliches Leben gesund
weiterzugeben."

Ein Jahr spter verschickt in NRW wieder ein Professor im
Namen der Wissenschaft und der Eltern Briefe an smtliche
Schulen in NRW mit der Forderung, ein Volksbegehren
dahingehend einzuleiten, da in Zukunft auslndische und
deutsche Kinder getrennt unterrichtet werden sollen. Dies ein
Jahr, nachdem von der Landesregierung ein anderes
Volksbegehren von demselben Herrn Professor samt seiner
feinen Brgerinitiative, genannt Auslnderstopp, abgeblockt
wurde, worin sie den Rausschmi der Auslnder gefordert
hatten.

Prof. Hagen-Prehl (FH Hagen), NPD-Kreisvorsitzender, ist
wissenschaftliches Aushngeschild und ,Vertrauensmann"
der Brgerinitiative, deren Adresse-Gnnigfelder Str. 101 a,
4630 Bochum 6-zugleich Sitz des Landesverbandes NRW
der NPD ist (!). Diese Brgerinitiative versteht es geschickt,
an wirklichen Skandalverhltnissen in den Schulen
anzusetzen, die sie auch genlich aufzhlt-und davon
ausgehend in ihrem rassistischen Pamphlet nicht die
Verbesserung dieser Zustnde, beispielsweise durch die
Einstellung von mehr Lehrern fordert, sondern sie vielmehr
zum Anla fr reaktionre Propaganda nimmt.

Auf dieselbe Pauke haut das Heidelberger Manifest, in dem
auch beklagt wird, da ,unsere Kinder ... in Klassen mit
berwiegend Auslndern ausgebildet werden" weshalb
ihnen alle ,Zukunftshoffnung" genommen ist. Ist etwa das
Volksbegehren ein erster praktischer Lsungsvorschlag?



Bundesminister a.D.-ein Rassist mit langjhriger praktischer Erfahrung

Reichlich praktische Erfahrung in Sachen angewandter
Rassismus bringt einer der prominentesten Unterzeichner des
Heidelberger Manifestes ein, der ehemalige
Bundesvertriebenenminister Prof. Dr. Dr. Theodor
Oberlnder aus Bonn, CDU-Mitglied. Fr den
Heidelberger Kreis war Oberlnder's Vergangenheit
offenbar ein hinreichender Qualittsbeweis, ihn als
Unterzeichner des Heidelberger Manifestes aufzufhren, so
da man es fr berflssig hielt, ihn berhaupt nach seiner
Einwilligung zu fragen, wenn man der ZEIT vom 4.2.82
glauben will. ,Die haben einfach vorausgesetzt, da ich
dafr bin", so Oberlnder gegenber der ZEIT. Dies ist bei
nherer Betrachtung der blutigen Vergangenheit von
Oberlnder auch nicht verwunderlich.

,OBERLNDER, Theodor, geboren am 1. Mai 1905 in
Meiningen. Als Sohn eines Geheimen Regierungsrats
studierte er Agrarwissenschaften und Nationalkonomie
(Dr. agr. Dr. rer. pol.) in Mnchen, Hamburg und Berlin,
nahm als Student am Hitler-Putsch vom 9. November 1923
teil, trat aber erst 1933 der NSDAP bei. Am 1. Mrz 1933
wurde er Direktor des Osteuropa-Instituts in Knigsberg
(Ostpreuen), im Jahr darauf mit erst 29 Jahren Professor.
Als Gauamtsleiter im NSDAP-Gaustab Ostpreuen, dann-
auf persnlichen Wunsch des `Fhrer'-Stellvertreters Rudolf
He-Leiter des Bundes Deutscher Osten; daneben hatte er
den Rang eines SA-Hauptsturmfhrers.
Oberlnder war in diesen Funktionen magebend beteiligt an
der theoretischen und praktischen Vorbereitung des
Angriffskriegs auf Deutschlands stliche Nachbarn, wobei er
den in Polen usw. lebenden deutschen Minderheiten
besondere Aufmerksamkeit widmete. So schrieb er 1936 (in:
Der Neue Weg): ,Der Volkstumskampf ist unter dem
Deckmantel des Friedens nichts anderes als die Fortsetzung
des Krieges mit anderen Mitteln ... Ein Kampf, der sich auf
Generationen hinzieht mit dem einzigen Ziel: Ausrottung!"
und 1939 (in: Kampfblatt fr Erzieher): ,Jeder Deutsche war
rassisch berlegen ... Jede deutsche Volksgruppe kann
drauen ... ein Drittes Reich im Kleinen sein und ... das
Judentum bekmpfen." (...)
Nach der Besetzung Polens forderte er: ,Die
Eindeutschung ... mu in jedem Fall eine restlose sein.
Manahmen vollstndiger Aus- und Umsiedlung mgen fr
die Betroffenen hart erscheinen ..., aber eine einmalige Hrte
ist besser als ein durch Generationen whrender
Kleinkampf ..." (Neues Bauerntum April/Mai 1940).
(Engelmann, B., Die Laufmasche, Mnchen 1980, S. 239 f).

ber die Ttigkeit Oberlnder's whrend des Zweiten
Weltkriegs in dem okkupierten Polen und der Sowjetunion
zu schreiben, ist ein sehr kostspieliges Vergngen, das wir
uns im Augenblick nicht leisten mchten. Sollte man es
tunlichst unterlassen, aus den Unterlagen zu zitieren, die
1960 in der DDR zur Verurteilung Oberlnder's wegen
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit
zu lebenslangem Zuchthaus fhrte. Oberlnder bestreitet
ganz energisch die persnliche Beteiligung an Massakern
und blutigen Einstzen (z.B. Niederschlagung des
Warschauer Aufstandes), die den Sondereinheiten der
Wehrmacht zur Last gelegt werden, denen Oberlnder
angehrte. Obwohl das alles erstunken und erlogen sein soll,
was zahlreiche Augenzeugen belegten, beendete die
Aufdeckung dieser Vergangenheit 1960 die steile Karriere
Oberlnders als Bundesminister fr Vertriebene
(Oberlnder war bereits seit 1953 Minister) im Kabinett
Adenauer. Er blieb nach wie vor CDU-Mitglied, Vorsitzender
des CDU-Landesverbandes Oder-Neie (!) und wurde
schlielich mit dem Grokreuz des Bundesverdienstordens
ausgezeichnet.

[Zeitungsausschnitt: FR 23.2.82
Engelmann-Proze ausgesetzt
  MNCHEN, 22. Februar (dpa). Ein Proze gegen den
Schriftsteller Bernt Engelmann wegen bler Nachrede vor
dem Amtsgericht Mnchen scheint sich zu einer
Vergangenheitsdurchleuchtung des ehemaligen CDU-
Vertriebenenministers Theodor Oberlnder auszuweiten.
Engelmann hatte in seinem 1980 erschienenen Roman ,Die
Laufmasche" behauptet, da der 1960 zurckgetretene
Bundesminister mit dem Aufbau und der politischen Fhrung
der ,Sondereinheit Nachtigall" betraut war, die fr die
Ermordung von 5000 Lemberger Zivilisten unmittelbar nach
dem Einmarsch in die Sowjetunion 1941 verantwortlich
gemacht wird. Dagegen hatte der inzwischen 76jhrige
Oberlnder Anzeige erstattet.
  Seine Mitarbeit bei der aus ukrainischen Nationalisten
zusammengestellten ,Einheit Nachtigall" habe lediglich in
einer ,Art Volkstumberater und Dolmetscher" bestanden,
erklrte Oberlnder jetzt als Zeuge in dem Proze.
]

Dem bleibt nichts mehr hinzuzufgen, auer da Oberlnder
nach wie vor in einschlgig bekannten rechtsradikalen
Verbnden mitarbeitet. So gehrt er u.a. zu den Grndern der
Gesellschaft fr freie Publizistik. Er ist westdeutscher
Vertreter in der World Anti-Communist Leage (WACL), einer
international ttigen Vereinigung von reaktionren, zum Teil
vom CIA finanzierten Organisationen, deren Hauptziel in der
Bekmpfung von Befreiungsbewegungen liegt. Mitglied in
der WACL ist beispielsweise auch die Vereinigungskirche
des sdkoreanischen Unternehmers San Myung Mun, dessen
eindeutig als faschistisch zu bezeichnende Organisation auch
unter dem Namen CARP in der BRD bekannt ist.

Nachdem in Bonn im Februar 1982 Unbekannte Auszge des
Heidelberger Manifestes unter dem Namen Oberlnder's in
dessen Nachbarschaft verteilt haben, wurde Oberlnder
sogleich von der Bonner Presse dagegen in Schutz
genommen, da ihm dieses ,Flugblatt mit
auslnderfeindlichem und stark neonazistischem Inhalt" (!)
unterschoben wurde (Bonner Rundschau vom 16.2.82)! In
diesem Zusammenhang gab Oberlnder gegenber dem
Bonner Generalanzeiger zu-im Gegensatz zu seinen
Aussagen gegenber der ZEIT vom 4.2.82-, da er das
Heidelberger Manifest doch unterzeichnet hat.
,Das sei jedoch schon im vergangenen Sommer auf
Drngen einiger Freunde und Bekannter hin geschehen."
(GA vom 16.2.82).
Dies wirft bezeichnendes Licht auf die Glaubwrdigkeit der
Professoren des Heidelberger Kreises und ihrer
Presseerklrung vom 8.2.82. Man mu schon aufpassen,
sonst lgen diese Professoren wie gedruckt!


Rckhaltlos fr das Dritte Reich eintretend-
Unterzeichner aus voller berzeugung

Auch Prof. Dr. Georg Stadtmller brgt fr Kontinuitt.
Vor 1945 war er nicht nur SA-Mitglied und damals als
,rckhaltlos fr das Dritte Reich eintretend" beurteilt
worden, sondern auch bis 1938 Abteilungsleiter am
Osteuropa-lnstitut Breslau, einem Zentrum der ideologischen
Vorbereitung des berfalls auf Polen.

Seine einschlgigen Erfahrungen als Historiker und
Ostexperte konnte er auch nach 1945 beispielsweise als
Mitglied des Forschungsbeirats beim Bundesminister fr
Gesamtdeutsche Fragen einbringen. Seine akademische
Laufbahn beendete er als Direktor des Osteuropa-lnstituts der
Universitt Mnchen.

Politisch bewegte sich Stadtmller bisher im schwarz-
braunen bergangsfeld der Deutschlandstiftung (DS) und der
Hanns-Seidel-Stiftung, zweier Organisationen, deren
Ttigkeit sich durch starken Revanchismus auszeichnet. Auf
diesem Gebiet hat Stadtmller sicherlich einiges
beizusteuern. Bereits 1966 wurde, als die DS von
konservativen Publizisten in enger Abstimmung mit
Adenauer und an fhrender Stelle von K. Ziesel gegrndet
wurde, Stadtmller zum ersten Vorsitzenden gewhlt.
Mittlerweile konnte sich nicht einmal der Bundesgerichtshof
davor verschlieen, die DS als eine Organisation bezeichnen
zu lassen, die von ,Alt- und Neufaschisten durchgesetzt" ist
und die ,in Wahrheit an der Zerstrung der Demokratie
arbeite".

Anderes zu behaupten wre sicherlich ein Kunststck
angesichts eines G. Lwenthal als neuem Vorsitzenden (seit
1977), angesichts eines K. Ziesel als geschftsfhrendem
Vorstandsmitglied (NSDAP-Mitglied, Autor im Vlkischen
Beobachter). Wie eine Visitenkarte der DS liest sich die
Reihe der Preistrger des jhrlich verliehenen Konrad-
Adenauer-Preises: Armin Mohler 1967, Emil Franzel 1968
(Chefredakteur des Bayernkurier), G. Lwenthal 1975, Otto
v. Habsburg 1977, Christa Meves 1979, Axel Springer 1981.

Grtes Wohlwollen erweist die Industrie gegenber der DS
und dokumentiert damit zugleich ihre
Interessenverbundenheit: Der Bundesverband der Deutschen
Industrie, die Bundesvereinigung der Deutschen
Arbeitgeberverbnde und der Wirtschaftsrat der CDU
untersttzen finanziell die DS, aber auch Daimler Benz lt
ca. 150.000 DM im Jahr flieen und bernimmt ab und an
auch mal die Druckkosten fr das Deutschland-Magazin.
Dieses wiederum dient als Sprachrohr fr den rechten
CDU/CSU-Flgel. Neben Lwenthal als stndigem
Kolumnist lassen sich dazu regelmig andere Scharfmacher
aus den Reihen der Union, wie Strau, Lummer, Laurien, H.
Klein (CSU-MdB), Barzel etc. als Autoren finden.

Auch in der Hanns-Seidel-Stiftung (HSS) ist Stadtmller in
bester Gesellschaft mit fhrenden CSU-Politikern. Die HSS
selbst ist eines der wichtigsten ideologischen Instrumente der
CSU und arbeitet auf internationaler Ebene zum Zweck der
Verbreitung von Rassismus und Antikommunismus. Beisitzer
des Vorstandes sind u.a. Strau, Stoiber und Tandler. Als
Mitglieder zhlt die HSS eine Anzahl von bekannten Leuten,
die ihre reaktionre Gesinnung in Tat und Wort bisher
gengend unter Beweis stellen konnten, u.a.:
Hans Maier (CSU-Kultusminister), Lothar Bossle
(Wrzburg), Peter Gutjahr-Lser (ehemals Geschftsfhrer
des Bundes Freiheit der Wissenschaft), Nikolaus Lobkowicz
(Prsident der Universitt Mnchen), Walter Becher (CSU-
MdB), Friedrich Zimmermann (CSU-Landesgruppenleiter,
MdB), Reinhard Vth (Intendant des Bayerischen
Rundfunks), Golo Mann etc... .

Als Reprsentant dieser schwarz-braunen Gesellschaft ist es
wirklich keine berraschung mehr, da Stadtmller von sich
sagt, da er das Heidelberger Manifest mit voller
berzeugung unterzeichnet hat und sich mit ihm-"aus
meiner ganzen Einstellung heraus"-identifiziert (ZEIT,
4.2.82).
Kontinuitt verpflichtet!

[Bild5. Foto: Unter sich: Preisverleihung der
Deutschlandstiftung 1977 von links: G. Lwenthal, H. Lemke
(CDU, Kieler Landtagsprsident), H. Maier, H. Schelsky, H.
Habe, F. J. Strau, O. v. Habsburg; 2. Reihe: K. Ziesel]



Grn-braune Farbmischung

Eine farbig schillernde Figur in jeder Hinsicht ist Prof. Dr.
Werner-Georg Haverbeck, Leiter des Collegium Humanum
(Heimvolkshochschule) in Vlotho und Dozent an der FH
Bielefeld. Er hlt es offenbar fr vereinbar, sowohl den
Krefelder Appell wie auch das Heidelberger Manifest zu
unterschreiben, an dessen Abfassung er zwar nicht beteiligt
war, dessen Kern er aber ausdrcklich zustimmt (ZEIT
4.2.82). Vereinbar hlt er dies auch mit seiner Funktion als
Prsident der westdeutschen Sektion des Weltbundes zum
Schutze des Lebens (WSL), einer Organisation, die an
fhrender Stelle in der Umweltschutz- und Anti-AKW-
Bewegung aktiv war.

Doch gerade diese Organisation hat seit ihrer Grndung im
Jahr 1960 eine groe Affinitt zu Alt- und Neufaschisten
bewiesen. Sowohl Prof. Schweigert, der 1964 internationaler
WSL-Prsident wurde, war hoher NS-Funktionr, wie auch
Prof. Mommsen, ehemals westdeutscher WSL-Prsident, kam
unter den Nazis zu Amt und Wrden und gehrt heutzutage
zum Korrespondentenkreis der Zeitschrift Bauernschaft des
fr seine faschistische Gesinnung bekannten Thies
Christophersen. Der bis 1974 amtierende westdeutsche
WSL-Prsident, Dr. M. O. Bruker gehrte zusammen mit
Gnther Schwab, Begrnder des WSL, dem
Wissenschaftlichen Beirat der oben ausfhrlich dargestellten
Zeitschrift Neue Anthropologie an. Damit nicht genug: Der
WSL fhrte bis 1974 den ,Arbeitskreis Humangenetik:
Gesellschaft fr biologische Anthropologie, Eugenik und
Verhaltensforschung" in der Liste seiner Arbeitskreise auf.

Von diesen Aktivitten erfolgte unter der Prsidentschaft von
Haverbeck niemals eine eindeutige Distanzierung; vielmehr
deutet alles darauf hin, da der WSL seine offene Schlagseite
gegenber faschistischen Kreisen weitgehend bewahrt hat.
Haverbeck selbst rechtfertigt dies damit, da unter dem
gemeinsamen Ziel von Umweltschutz und Anti-AKW-Kampf
Braun und Rot eintrchtig miteinander zusammenarbeiten
sollten. Daher erstaunt es nicht, wenn der WSL-
Landesvorsitzende Baldur Springmann Thies Christophersen
,als aufrechten Menschen" schtzt, wenn ein WSL-Aufruf
auch in den Unabhngigen Nachrichten (1-77), einem
faschistischen Organ aus Bochum, nachgedruckt wird; wenn
in der WSL-Zeitschrift Lebensschutz-Presse-Informationen
(3/1976) in einem Atemzug Positives am Nationalsozialismus
wie Marxismus gefunden wird, usw. (alle Angaben aus: KB,
Dritter Weg im Umweltschutz?, Hamburg 1977).

Bereits gegen Ende der 20er Jahre stie Haverbeck aus einer
von Naturromantik und allgemeinen ,Kulturkritik"
getragenen Jugendbewegung zu den Nazis und half tatkrftig
bei der faschistischen Machtergreifung und Aufbau des
faschistischen Staates mit. Von 1929 bis 1932 war er in der
Reichsfhrung der Hitlerjugend und der Reichsleitung des
Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes
(zusammen mit Baldur von Schirach) ttig. Von 1933 bis 34
war Haverbeck fhrender Funktionr nationalsozialistischer
Kulturarbeit, unter anderem Grnder des Reichsbund
Volkstum und Heimat, dem zeitweise die gesamte
Kulturarbeit im Dritten Reich bertragen wurde und der
spter in der Deutschen Arbeitsfront und dem Kraft-durch-
Freude-Amt des Nazibonzen Ley aufging.

Haverbeck verlor zwar aufgrund interner Differenzen
innerhalb der NSDAP im Zusammenhang mit den
Auseinandersetzungen um den Strasser-Flgel seine
Funktionen, dennoch kann er als Beispiel dafr gelten, wie
die von ihm vertretene Kulturkritik und Naturromantik, die
sich keine genauen Vorstellungen von den sozio-
konomischen Hintergrnden der von ihr beklagten
Mistnde macht, in ein uerst reaktionres Fahrwasser
geraten kann. Genau diesen Weg legt Haverbeck jetzt nach
nunmehr ber 50 Jahren ein zweites Mal zurck,
offensichtlich ohne sich zu fragen, welchen Krften er mit
seiner Unterschrift zu einem wissenschaftlichen Anstrich
verhilft. Fr den Heidelberger Kreis erfllt Haverbeck damit
eine umso wichtigere Funktion, als der Heidelberger Kreis
und damit die gesamte ,Auslnder Raus"-Bewegung in ihm
ein festes Standbein im Bereich der Grnen und Alternativen
besitzt.


,Der NCHSTE ist kein asiatisches, sondern unser DEUTSCHES VOLK"

,Der Einsatz fr unser Volk hat mit Rassenha nichts zu
tun, wohl aber umsomehr mit NCHSTENLIEBE, die nach
dem Zeugnis der Bibel die eiserne Ration eines Jngers des
Herrn ist." Mit diesen Stzen beansprucht ein ganz
spezieller Jnger des Herrn, Dr. theol. Robert Dollinger in
der Schrift des Schutzbundes fr das Deutsche Volk 1/81 die
Bibel und Luther als Kronzeugen fr die Parole ,Auslnder
Raus". Dollinger ist brigens auch Unterzeichner der von der
NPD-Brgerinitiative Auslnderstopp an den Bundestag
gerichteten Petition ,Auslnderstopp Jetzt".
,Wenn wir gegen Auslnderberflutung sind, schtzen wir
`ein natrliches Recht, das auch Heiden, Trken und Juden
einhalten mssen': sagt Martin Luther, ein Recht, das
GTTLICHEN URSPRUNGS ist. Luther rief darin auch
zum Widerstand auf als 1525 ein riesiges Trkenheer gegen
Wien vordrang!"

Dies ist kein einsamer Ausrutscher eines allzu eifrigen
Jngers des Herrn, sondern eher Ausdruck dessen, wie
bemht man im Heidelberger Kreis ist, einen ideologischen
Einbruch in Kirche und Christentum zu erzielen. In
demselben Blatt des Schutzbundes wird unter der berschrift
,Christentum und Volksbewutsein" ein Brief des
,Historikers und Christen" Prof. Dr. Ferdinand Siebert,
Mitunterzeichner des Heidelberger Manifestes verffentlicht
den dieser an das Bischfliche Ordinariat Limburg gerichtet
hat. Dieser Brief ist nicht nur eindrucksvoller Beleg dafr,
da sich die Geistesverfassung des verantwortungsbewuten
Prof. Siebert um kein Quentchen von dem oben dargestellten
rassistischen und chauvinistischen Gedankengut der
Ultrarechten wie eines Drscher, Kosiek etc. unterscheidet.
Der Brief ist ebenso Beleg dafr, da Siebert bereits seit
Anfang 1981 am Aufbau des Schutzbundes aktiv beteiligt ist,
den er ja selbst auch als ,Kampfbund" charakterisierte. Die
Distanzierung Sieberts von dem Schutzbund, die er am
31.1.82 mit unterzeichnete, ist vor diesem Hintergrund mehr
als unglaubwrdig. Dies mu als bewut eingesetztes
Tuschungsmanver betrachtet werden. Doch lassen wir ihn
selbst zu Worte kommen: In der Reihe

[Briefausschnitte als Faksimile:
Sehr geehrter Herr Pfarrer Leuniger!
Besten Dank fr Ihr Schreiben vom 29.5.81 mit den
beigefgten Texten Ihrer Vortrge, die ich mit Interesse
gelesen habe.
Sie scheinen aber den Text meines ,Aufrufs" (ein Entwurf
im Auftrag unserer Freunde) wohl nicht genau gelesen zu
haben, sonst wrden sie darin nicht einen ,Beweis" fr den
wachsenden ,Auslnderha" sehen. Ha ist immer
aggressiv und destruktiv. Ich kann es daher nur als
Diffamierung bezeichnen, wenn Sie diesen Begriff
unbedenklich auch auf Bemhungen
verantwortungsbewuter Deutscher und Christen anwenden.
Diese wollen ja aus tieferem Einblick in die Geschichte, in
die genetischen Gesetze, von ihrem Gewissen gedrngt,
angesichts des Schicksals kommender Generationen nur fr
den Schutz (also rein defensiv!) unserer ererbten deutsch-
christlich-abendlndischen Kultur und Wertvorstellungen
vor der berrollung durch eine Flut aggressiven
Asiatentums eintreten.
...
... - Aus der ,multiethnischen Gesellschaft" knnte eine
Abwertung europischer Kultur- und Geisteswerte, ein
Mischmasch, eine degenerierende Gleichmachung unter
stndigen Reibungen der zum Zusammenleben gezwungenen
Vlker und Rassen fhren. Europa hat den hohen Grad
menschlicher Werte auf dem Boden von Christentum,
Romanentum und Germanentum erst durch den
schpferischen Wettstreit seiner Nationen gewonnen. Dabei
hat gerade das deutsche Volk in seiner mehr als 1200-
jhrigen Geschichte einen wesentlichen Beitrag, zum
Beispiel durch seine groen Heiligen Theologen, Denker,
Knstler und Erfinder geleistet. Diese Werte wrden durch
eine kurzsichtige Politik multiethnischer ,Menschlichkeit"
so sehr gefhrdet, da dem deutschen Volke seine
geschichtliche Identitt genommen wrde. Dadurch wrde
gerade auch dem Sieg des Kommunismus der Weg bereitet,
fr den die Kirchen und brgerlichen Nationen das grte
Hindernis zur Verwirklichung seiner
Weltherrschaftsansprche bilden. Vielleicht ist die
Vermutung gar nicht abwegig, da hinter den
Flchtlingsstrmen, die auf Europa zukommen, eine geheime
Lenkung vom Osten steht, um unsere christlich-europische
Kultur zu zersetzen und sturmreif zu machen. Daher mssen
ecclesia und natio Verbndete sein, wie das groartige
Beispiel der Entwicklung im heutigen Polen zeigt.
...
Unser Bund, in dessen Satzungen auch das Bekenntnis zum
Grundgesetz steht, wird, auch wenn man uns zu diffamieren
sucht, von unseren Grundrechten Gebrauch machen und zur
Sammlung der jetzt noch meist zum Schweigen gemahnten
Mehrheit der Brger aufrufen, damit Politiker und
Kirchenmnner endlich mit Realismus die Frage der
berfremdung angehen, die sehr gut zum Nutzen und Wohle
beider Teile gelst werden kann, aber bestimmt nicht durch
das Trugbild der ,Integration".
]

In der Reihe der Unterzeichner des Heidelberger Manifestes
finden sich 2 weitere Kirchenmnner, die dem Auslnderha
 l Heidelberger Manifest theologische Wrde verleihen.
Dem einen, Prof. Dr. theol. Peter Manns aus Mainz,
katholischer Theologe und Luther-Forscher, ist zwar die
Sache mit dem Schutzbund nicht ganz geheuer, ,der offenbar
unsere Ideen benutzt, um irgendwelche NPD-Propaganda zu
machen" trotz alledem will er erst mal ,mannhaft" zu seiner
Unterschrift stehen (ZEIT 4.2.82.). Dies tat er auch am
31.1.82 in Mainz, als er die zweite Fassung des Heidelberger
Manifestes unterzeichnete.

Der andere ist eigentlich Biologe und Anthropologe aus
Gieen, Prof. Dr. Joachim Illies, der als Mitglied der
Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) in
konservativen kirchlichen Kreisen beheimatet ist. Er ist Autor
des von Jens Motschmann herausgegebenen ,Neues Rotbuch
Kirche", Mitarbeiter im Rheinischen Merkur, Autor der
Zeitschrift Konservativ Heute und des rechtsklerikalen
Blattes Deutsche Evangelische Rundschau. Auch arbeitet er
eng mit der bekannten konservativen Psychologin Christa
Meves zusammen, die in rechten Kreisen als die Kronzeugin
fr den moralischen und pdagogischen Verfall unserer
Gesellschaft gehandelt wird. Die Unterschiede zwischen
Mann und Frau knne man sich nach Illies ,gar nicht gro
genug vorstellen, denn sie wrden anders denken, fhlen,
lieben usw." (idea, 15/80). Zwischen Illies und Meves kann
man sich die Gemeinsamkeit hinsichtlich des geistigen
Horizont gar nicht gro genug vorstellen.



Die organisierte Verwirrung


An dieser Stelle soll vorerst einmal Schlu sein mit der
Aufzhlung weiterer Namen und Querverbindungen. Die
geistige Verwandtschaft und das Spektrum der Verbindungen
von CDU/CSU bis hin zu Vertretern der militanten Rechten
drfte mehr als deutlich geworden sein. Der Heidelberger
Kreis ist ganz offensichtlich ein Ausdruck der
schwarzbraunen Sammlungsbewegung, wobei bisher nur die
Spitze des Eisbergs sichtbar geworden ist: Wer sich alles im
Schutzbund fr das Deutsche Volk tummelt, ist nicht
bekannt, jedoch kann die Zusammensetzung der
Veranstaltung am 23.1.82 als reprsentativ fr die
Mitgliederschaft dieser `Kampfgemeinschaft' gelten.

Das Heidelberger Manifest ist auch Ausdruck der bewut
angewandten Taktik der Rechten, nach auen hin ein Bild
der Unorganisiertheit und heillosen Zersplitterung zu bieten.
Dieser Eindruck der Schwche der schwarz-braunen
Sammlungsbewegung wird auch systematisch von smtlichen
staatlichen Organen in der ffentlichkeit verbreitet, was
nicht nur als der Versuch der Verharmlosung bezeichnet
werden mu. Dies hat ganz offensichtlich die Taktik
zugrunde liegen, die Verbindung in die Unionsparteien
hinein zu verschleiern.

Wider besseres Wissen werden von den Behrden und
Politikern im Fall von rechtsradikalen Anschlgen die
,Einzeltter-Legenden" bemht-erinnert sei an das Mitglied
der Wehrsportgruppe Hoffmann, die den Anschlag auf dem
Mnchener Oktoberfest 1980 verbte oder ganz aktuell im
Fall des Prozesses gegen Roeder und seine Bande, wo
schwer belastete Personen aus dem Sympathisanten-Kreis
von Roeder noch nicht einmal vernommen wurden.
,Was das Erkennen der wahren Wirksamkeit des
Neonazismus so schwierig macht, ist seine im letzten
Jahrzehnt bis zur Perfektion gediehene Verzahnung mit dem
rechten Flgel groer, sich zur `demokratischen Mitte'
zhlender Parteien, speziell mit der CSU." (B. Engelmann,
in konkret 11/80).

Nicht nur die Doppel- und Mehrfachmitgliedschaften
innerhalb des schwarz-braunen Netzes, das seine Fden bis
in die Reihen eines Teils der Grnen spinnt, ist Hinweis auf
den tatschlich vorhandenen inneren Zusammenhang. Hierzu
gehrt auch ein von allen Banden, Verbnden und
Gruppierungen gemeinsam benutztes und propagiertes
Verlags- und Zeitungswesen, das auch nur eine scheinbare
inhaltliche Vielfalt vorspiegelt. Eine starke Halteklammer
existiert auch in Form der gemeinsam veranstalteten
Kongresse, Tagungen und Initiativen, wie im Fall des
Heidelberger Manifestes.

Entscheidende Funktion kommt dem ideologischen
Selbstverstndnis zu, das einige, allen gemeinsame zentrale
Elemente enthlt, wie Demokratiefeindlichkeit,
Volksgemeinschaftsideologie, Aktionismus, einen
vehementen Revanchismus und nicht zuletzt rassistisches und
daraus folgendes chauvinistisches Gedankengut. Gerade in
letzter Zeit spielten angesichts einer allgemein verbreiteten
Auslnderfeindlichkeit bei allen reaktionren Gruppierungen
und Parteien rassistische Anschauungen und ihre
wissenschaftliche Begrndung eine zentrale Rolle, um mit
ihrer Propaganda Gehr in der ffentlichkeit zu finden.
,Die Unzahl von Bnden und Dachverbnden tuscht
darber hinweg, da die angebliche ideologische
Zerstrittenheit sich fast ausschlielich im Bereich der
Methoden nachweisen lt. Gewi gehen die Vorstellungen
stark auseinander, auf welchem Wege die Beseitigung dieser
ungeliebten Republik erreicht werden knne-im Ziel sind
sich alle einig. Ein vehement vertretener Revanchismus,
vermischt mit rassistischen Elementen, einigt die Teile zu
einem Ganzen, das auch nur scheinbar nicht zu
gemeinsamer Organisation fhig ist." (Heidenreich, G., Die
organisierte Verwirrung, S. 147; in W. Benz 1980).

Dies ist offensichtlich den fhrenden Figuren vollkommen
bewut, wie z.B. M. Khnen, dem Anfhrer der Aktionsfront
Nationaler Sozialisten aus Hamburg, der Jrgen Pomorin
gegenber uerte:
,Wissen sie, der Eindruck trgt, aber das soll er auch. Wir
sind im `nationalen Lager' gar nicht so zersplittert, wie es
scheint. Erst einmal kennen wir Fhrungsleute uns alle, von
Nord bis Sd. Wir sind jederzeit in der Lage, auf einen
Schlag und koordiniert zuzuschlagen. Wir beraten uns
regelmig, stimmen unsere Aktionen ab. Wir bemhen uns,
so unorthodox und verwirrend wie mglich zu operieren-
das ist unsere Strke." (rote bltter 11/80, S. 38).

In der Zeitschrift Die Bauernschaft (2/78) eines der
fhrenden Aktivisten der Neonaziszene, Thies
Christophersen ist nachzulesen:
,Jeder will seine Selbstndigkeit behalten. Das ist fr einen
`Nationalen' auch verstndlich. Eine Einigung in dem
sogenannten nationalen Lager wrde eine Katastrophe mit
sich bringen. Wir mssen weiter wie bisher in kleinen
Gruppen arbeiten. Nur so werden wir auf Dauer Erfolg
haben. Ein groer Zusammenschlu wrde sofort
zerschlagen werden. Die Zeit ist noch nicht reif-aber sie
arbeitet fr uns." (ebda., S. 49).




,Blut mu flieen" (Roeder)


Mit dieser Erwartung liegt Christophersen unter den
gegenwrtigen Umstnden gar nicht so falsch. Die
Breitenwirkung der rassistischen Propaganda, v.a. wenn sie
in ein wissenschaftliches Gewand verkleidet ist, darf auf
keinen Fall unterschtzt werden. Einige in letzer Zeit
unternommene Umfragen in der BRD brachten zu Tage, wie
stark der Fremdenha innerhalb der Bevlkerung noch oder
wieder verankert ist.

Eine Umfrage, die 1977/78 durchgefhrt wurde, wies neben
dem Ergebnis, da immer noch ein klarer Antisemitismus bei
der Hlfte der Bundesbrger vorhanden ist, die groe Distanz
der Westdeutschen gegenber den auslndischen Arbeitern
auf: Die berwiegende Mehrheit zeigte auf die Fragen nach
dem Verhltnis zu Gastarbeitern als Nachbarn, Freunde oder
Arbeitskollegen groe Gleichgltigkeit (,Ich htte nichts
dagegen ..."), die dann bei den Fragen, die eine engere
Beziehung zu den auslndischen Arbeitern ansprachen,
(Gastarbeiter als Vorgesetzte oder Schwiegersohn) sehr
schnell in Ablehnung umschlug. Nur noch 2,5 % der
Befragten wrden einen auslndischen Arbeiter als
Schwiegersohn gerne akzeptieren, 16 % wre dies ,sehr
unangenehm" (Stern, 13/81).

Die sinus-Studie, die im Auftrag des Bundeskanzleramtes
rechtsextreme Einstellung erforschen sollte, stellte fest, da
13 % der Bundesbrger ,ein ideologisch geschlossenes
rechtsextremes Weltbild" besitzen, ,dessen Hauptsttzen ein
nationalsozialistisches Geschichtsbild, Ha auf
Fremdgruppen, Demokratie und Pluralismus sowie eine
bersteigerte Verehrung von Volk, Vaterland und Familie
sind." Als ,Rckgrat des rechtsextremen Weltbildes"
benannten die Sozialforscher ,das reaktionre
Menschenbild", das insbesondere die Ablehnung der
Auslnder miteinschliet.

,Die wahrhaft `tdliche Bedrohung fr unser Volk' jedoch
sind die Gastarbeiter, die das Land `berfremden' und
damit den Bestand, die Rasse und die Identitt des
deutschen Volkes gefhrden. Originalton: `Bald mssen die
Deutschen in die Lcher krabbeln und die anderen sind die
Herren.'
Die stereotypen Argumente: `Die Fremdarbeiter' nehmen
den Deutschen die Arbeit weg, sind Drckeberger und
streichen Kindergeld zu Lasten deutscher Steuerzahler ein.
Wenn es so weitergehe, drohe eine `ungeheure
Katastrophe'." (aus Spiegel 12/81).

Bei allen Vorbehalten gegen Inhalt und Methoden dieser Art
von Meinungsumfragen geben diese beiden Beispiele
Hinweise darauf, wie fruchtbar der ideologische Boden ist,
den die ,verantwortungsbewuten deutschen Professoren"
bearbeiten. Auch wenn sie sich die Finger nicht schmutzig
machen, gibt ihre Afterwissenschaft die Rechtfertigung fr
diejenigen ab, die Rassismus und Auslnderfeindlichkeit in
die Tat umsetzen. Bei smtlichen faschistischen
Gruppierungen, die in letzter Zeit Terroranschlge, vor allem
gegen Auslnder verbt haben, nimmt der Rassismus einen
zentralen Stellenwert in deren ideologischem
Selbstverstndnis ein.

,Arierblut-hchstes Gut!"
Das Schwarze Korps mit dem Untertitel ,Die Revolutionre
Stimme des Nationalen Sozialismus", lange Zeit fhrendes
Organ innerhalb der Wehrsportgruppe Hoffmann, bringt dies
deutlich zum Ausdruck. In der Ausgabe vom Mai 1978 steht
zu lesen: ,Wir bekmpfen bis aufs Messer jede Bestrebung,
die versucht, das deutsche Volk als geschichtliche, kulturelle
und biologische Gemeinschaft zu vernichten, um es durch
einen unbegrenzt manipulierbaren Rassenbrei zu ersetzen."
Der Chauvinismus, der im Schlusatz dieses Pamphlets
,Arierblut-hchstes Gut!" zu Tage tritt, bildet auch die
Grundlage des Kampfliedes des Schwarzen Korps:
,Deutschland, erwache aus deinem bsen Traum,
gib fremden Juden in deinem Reich nicht Raum!
Wir wollen kmpfen fr dein Auferstehn.
Arisches Blut soll nicht untergehn."
In einer anderen Ausgabe dieses Untergrundblattes (Nr. 11)
beweisen die WSG-Schreiber, da sie ihre Lektion gut
gelernt haben:
,Rassenmischung ist der wahre Vlkermord. (...)
Lebensunfhige, die nach gttlichem Willen nicht
aufwachsen sollten, drfen nicht mit Riesenaufwand der
Arbeitenden am Leben erhalten werden. (...) Wir sollten als
Landsleute nur die anerkennen, die geistig gesund sind,
nicht nur im medizinischen, auch im rassischem Sinn. Nur
wer Arier ist, und zwar bewut und berzeugt, ist auch
Deutscher."
(Alle Zitate aus: Mller, R., Militante Neonazis. Die
Wehrsportgruppe Hoffmann; in: W. Benz 1980).

Hoffmann als Rassist der Tat bot bereits 1975 nach einer
Meldung der FAZ vom 28.10.75 dem Smith-Regime mehrere
100 Sldner (laut ZANU ber 1000 Mann) im Kampf gegen
die nationale Befreiungsfront in Zimbabwe an.

Die Volkssozialistische Bewegung Deutschlands (VSBD), die
zu den militantesten Gruppierungen im rechten Spektrum
gehrt und die wegen ihrer allzu getreuen
Nachahmungsversuche der NSDAP endlich
hchstministeriell verboten wurde, wei bereits in ihrem
Schulungsbrief Nr. 2 (vermutlich 1975) zu berichten:
,Die Gleichheit aller Menschen dogmatisch zu verknden
mu die Rassenmischung frdern. Der Hauptgrund fr den
Niedergang ganzer Vlker, Reiche und Kulturen ist in der
ersten Linie in der Rassenvermischung zu suchen. Genau
dies ist das Ziel der Welteroberungsclique. Die Ausrottung
des germanischen Blutes sehen die Einweltler gleich welcher
Frbung oder Weltanschauung als wichtige Voraussetzung
zum Gelingen ihrer dunklen Plne an. ..."
(Zitate aus: PDI, Die VSBD-Sammelbecken militanter
Rechtsradikaler, 1981, S. 51f)

[Foto: Anschlag der Roeder-Bande auf das
Auslnderwohnheim in Lrrach]

[Zeitungsartikel:
Zur Person:    FR 12.2.82
MICHAEL KHNEN (26), unter anderem wegen
nationalsozialistischer Propaganda zu vier Jahren
Freiheitsstrafe verurteilter Neonazi, will nach seiner
voraussichtlichen  Freilassung  im August die ,Aktionsfront
Nationaler Sozialisten" (ANS) ,reorganisieren". In einem
Interview mit der Wochenzeitung ,Deutsches Allgemeines
Sonntagsblatt" sagte Khnen, er erhoffe sich aus der
Verknpfung der Themen Umweltzerstrung und
Auslnderfeindlichkeit eine ,Massenbasis" fr seine
,nationalrevolutionre Bewegung". Auf die Frage, ob er
mittlerweile Terrorismus prinzipiell ablehne, antwortete
Khnen: Das habe ich nie getan. Dafr sehe ich auch keinen
Grund. Ich lehne einen Terror ab, der sich gegen Unschuldige
richtet." Er verstehe ,jede Aktion", die sich gegen dieses
System richtet und auch gezielt gegen Reprsentanten dieses
Systems richtet".
]

Rassenvermischung mit Gastarbeitern-,Das ist pervers"
Da Rassismus nicht nur auf dem Papier geschrieben steht,
sondern das tragende Selbstverstndnis der Mitglieder der
Jungen Front (JF), der Jugendorganisation der VSBD,
ausmacht, zeigt sich in einem Interview mit 3 Lehrlingen, alle
Mitglieder der JF, aus dem Jahr 1979.

,Was fr ein Verhltnis habt Ihr zu Auslndern?
Ich bin der Meinung: Deutschland den Deutschen, ja und
Auslnder sollen schn langsam wieder abgefhrt werden.
Die haben fr uns lange genug gearbeitet und das war ein
Fehler ... also: es war gut, da sie fr uns gearbeitet haben,
die Auslnder. Man sollte ihnen eine Abfindung geben-die
haben genauso Steuern gezahlt wie wir-und dann sollte
man sie wieder zurck in ihre Heimatlnder fhren. Erstens
als Grund. Weil wir jetzt selbst gengend Arbeitslose haben.
Man mu auch zum Beispiel einen Architekten zwingen
knnen, da er Straen kehrt, wenn er keine Arbeit mehr
kriegt, ja. Zweitens: Aus rassischen Grnden. Und zwar,
man mu das so sehen: Deutschland hat jetzt zwei
Weltkriege durchgemacht, ist immer wieder hochgekommen,
egal nach dem dreiigjhrigen Krieg und so, ist immer
wieder hochgekommen. Und ich seh' das als Gefahr, wenn
wir uns jetzt vermischen. Wir sind zwar eine Mischrasse, ja,
aber eine bessere Mischrasse als die anderen.
Was ist denn da so gefhrlich an der Vermischung der
Rassen?
Alle groen Kulturen, die sich vermischt haben, sind
zugrunde gegangen, Rmer, gypter, Griechen. Das hab'
ich aus Bchern, und zwar: Ich seh' das wirklich als Gefahr.
Nichts gegen Auslnder! Ich kann mich mit einem Trken
gut vertragen etcetera, aber: Man mu da vorbeugen. Ich
kann mit einem Trken guter Freund sein. Aber wenn es um
Sich-Vermischen geht, dann wird das nach meiner Ansicht
schon kriminell und man mu dem vorbeugen, weil das
einfach nicht geht. Ich kann mich nicht mit einem total
anderen Volk, mit ganz anderer Sentimentalitt (kein
Druckfehler) die die haben, wie wir haben, vermischen. Die
sind ganz anders, die haben andere Kultur und so weiter.
Ich bin der Meinung, wir sollten auf unsere Kultur
festhalten. Wir knnen ruhig stolz sein, da wir so eine
Kultur haben. Vor allem mu man das mit der
Rassenvermischung so sehen: Eine normale, natrliche
Rassenvermischung ist natrlich immer drin. Aber in der Art
und Weise durch die Gastarbeiter, das ist eigentlich pervers.
Die Vermischung, die dadurch eingetreten ist, das ist eine
gesteuerte, keine natrliche. Dem mu man vorbeugen.
Du hast gesagt: Wir sind eine etwas bessere Rasse. Was folgt
daraus?
Wir haben eine bessere Kultur, wir haben mehr geschafft wie
die anderen Vlker. Wir sind ein Volk der Denker, der
Dichter und der Techniker. Man braucht blo in die
Vergangenheit zurckzuschauen, was wir Deutsche geleistet
haben. Kein anderes Volk hat einen Beethoven, einen Bach,
einen Mozart und solche Leute hervorgebracht. Und dann
schauen wir in der Technik: Wir waren ja schlielich die
ersten, maschinell und so weiter, die wirklich am besten
vorangekommen sind. Wir sind nach dem Krieg wieder
hochgekommen, ja, man hat gedacht, da es 50 bis 60 Jahre
dauert, bis wir wieder hochkommen, haben es aber in 15, 16
Jahren geschafft, da wir wieder hochgekommen sind.
Darum meine ich, da wir doch was besseres sind wie die
anderen".
(Zitat aus: U. Chaussy, Speerspitze der neuen Bewegung.
Wie Jugendliche zu Neonazis werden, S. 190; in: W. Benz
1980).

,Befreiung beginnt"
Nicht nur Parolen wie ,Trkische Schweine ins KZ" oder
,Trken raus, sonst bomben wir euch raus" schmierten
Neonazis in Kassel. Anfang Februar 1981 sprengten sie
Autos trkischer Arbeiter in die Luft (Neue vom 28.1.81).
Bisher unbertroffenes Vorbild fr derartige Gruppierungen
bietet der fhrende Kader in der gesamten militanten
Faschistenszene, Manfred Roeder, dessen Deutsche
Aktionsgruppe 1980 vietnamesische ,Halbaffen" und andere
Untermenschen aus dem ,Deutschen Reich" des
selbsternannten ,Reichsverwesers" Roeder's
hinausbombten. Ziel war ein ,Reich ohne Juden und
Auslnder", weshalb die Roederbande Bomben auf das
Auslnderwohnheim in Lrrach, auf das
Bundesasylantenlager Zirndorf, das Auslnderwohnheim
,Hotel Stadt Leinfelden" in Echterdingen und schlielich auf
das Hamburger Auslnderwohnheim an der Halskestrae
warfen, wo 2 Vietnamesen in den Flammen umkamen.
Roeder notierte nach dem Mordanschlag in sein Tagebuch:
,Befreiung beginnt". Damit hat er einen seiner Leitstze
endlich wahrgemacht: ,Blut mu flieen!" (Alle Zitate aus:
Stern 4/82).



Die geistigen Erben von Massenmrdern


Wiederholt wurde festgestellt, da die Argumente des
Heidelberger Manifestes, soweit man davon berhaupt
sprechen kann, nicht neu sind. Sie stellen einen Neuaufgu
der Ideologien dar, die in der Tradition des
Sozialdarwinismus stehen und deren Wurzeln in das 19.
Jahrhundert zurckreichen.

Der eigentliche ideologische Winkelzug des
Sozialdarwinismus besteht darin, da soziale Strukturen und
Entwicklungen als das Ergebnis natrlicher bzw.
biologischer Gesetzmigkeiten ausgegeben werden. Vlker
und Gesellschaften sind demnach Organismen, die sich
gem den von Darwin aufgestellten Evolutionsgesetzen
entwickeln. Darwin selbst praktizierte allerdings nie die
bertragung der biologischen Gesetzmigkeiten auf die
menschliche Gesellschaft. Kriege, soziales Elend,
Unterwerfung anderer Vlker, Rassentrennung etc. sind alles
Erscheinungsformen des ,Kampfes um das Dasein" in dem
sich das ,Recht des Strkeren" mittels Auslese der
Schwcheren und Minderwertigen schlielich durchsetzt.
,Die ganze Darwin'sche Lehre vom Kampf ums Dasein ist
einfach die bertragung der Hobbes'schen Lehre vom
bellum omnium contra onmes, und der brgerlich-
konomischen von der Konkurrenz, nebst der Malthus'schen
Bevlkerungstheorie, in die belebte Natur. Nachdem man
dieses Kunststck fertiggebracht ..., so rckbertrgt man
dieselben Theorien aus der organischen Natur wieder in die
Geschichte und behauptet nun, man habe ihre Gltigkeit als
ewige Gesetze der menschlichen Gesellschaft
nachgewiesen."
(F. Engels, MEW 34, S. 170).

Klassenhierarchie, Rassendiskriminierung und die
imperialistische Unterjochung anderer Vlker sind daher Teil
einer natrlichen Ordnung, der keiner zuwiderhandeln darf.
Der nationalistischen und klassenspezifischen Eitelkeit eines
jeden dieser sozialdarwinistischen Ideologen entspricht es
natrlich, da die eigene Nation und die darin herrschende
Klasse jeweils als die Tchtigste und Auserlesenste begriffen
wird.

Nach der franzsischen Revolution entwickelte sich der
Sozialdarwinismus als Kampfideologie der jeweiligen
politischen Reaktion. In Frankreich veteidigte mit ersten
rassentheoretischen Vorlufern des Sozialdarwinismus der
entmachtete Feudaladel seine Privilegien gegen das
aufstrebende Brgertum. Was frher in der Bltezeit des
Feudalismus als gottgewollt bzw. als gttliche Ordnung als
unantastbar hingestellt wurde, war jetzt in Anerkennung der
Rolle der Naturwissenschaften als Ausflu der natrlichen
Ordnung der Dinge ebenso unantastbar.

Im Deutschen Reich wurde sozialdarwinistisches
Gedankengut, nachdem sich die Bourgeoisie nach ihrer
Niederlage in der Revolution von 1848 bald mit dem Adel
arrangiert hatte, schnell zum tragenden ideologischen
Selbstverstndnis der Herrschenden. Seine besondere
Zweckmigkeit als Herrschaftsideologie bewies der
Sozialdarwinismus darin, da er sich zur Rechtfertigung der
aggressiven Expansionsbestrebungen des deutschen Kapitals
vorzglich eignete, das zunehmend nach einer Neuaufteilung
der Welt drngte. ,Am deutschen Wesen soll die Welt
genesen!" hie die Parole. Nicht nur die rassenmige
Ungleichheit, sondern auch die klassenmige, konomische
Ungleichheit der Menschen fand ihre Legitimation im
Sozialdarwinismus. Ebenso eignete sich der Chauvinismus
als unmittelbare Ausgeburt von Sozialdarwinismus und
Rassismus innenpolitisch zur ideologischen Verseuchung
breiter Teile der Bevlkerung, des Kleinbrgertums genauso
wie der Arbeiterbewegung.

Der Chauvinismus ist mit dem unschtzbaren Vorteil fr die
herrschende Klasse verbunden, da die rassistische
Selbstberhhung des eigenen Volkes als zweckmiges
Mittel zur Identifikation der Massen mit der
,Volksgemeinschaft" und zur Schaffung eines
Nationalbewutseins dient, demgegenber alle Formen der
Klassenauseinandersetzung verwerflich sind. Im Kampf gegen
die erstarkende Sozialdemokratie und gegen den Marxismus
als weltanschaulicher Grundlage der Arbeiterbewegung
erwies sich der Sozialdarwinismus mit all seinen
ideologischen Abkmmlingen bisher als wirksame Waffe in
der Hand der herrschenden Klassen. Nicht zuletzt durch die
ideologische Verhetzung mit rassistischer und
chauvinistischer Propaganda breitester Teile der Bevlkerung
sind die Katastrophen der Menschheit in Form der beiden
Weltkriege erst mglich gemacht worden.

[Bild6. Abbildung: Zeitungsausschnitt in Frakturschrift; Text
(Kursives im Original gesperrt):
Ziel und Weg
Zeitschrift des Nationalsozialistischen Deutschen rzte-
Bundes, e.V.
3. Jahrgang 1933 Heft 9

Wir bernehmen die Fhrung

Zusammenfassend hat die nationalsozialistische Regierung
unter Beweis gestellt, da es ihr mit der Reinigung des
Volkskrpers ernst ist. Auch ist auf den Wunsch des Fhrers
ausdrcklich amtlich verlautbart worden, da die negativen
Manahmen nur der Anfang sind und da die positiven
aufbauenden bevlkerungspolitischen Gesetze folgen werden.
Ohne Steuerreform und Lastenausgleich fr Familien wird es
nicht mglich sein, die Voraussetzungen fr die Gesundung
des deutschen Volkskrpers zu erreichen. Erst wenn wir den
erbgesunden kinderreichen Familien den durch Tariflohn,
Arbeitszeitverkrzung und Gleichmacherei verloren
gegangenen Nahrungsspielraum wiedergeben, wird es
mglich sein, die Seele des Volkes fr die Hherentwicklung
der Familie, der deutschen Art und Rasse zu gewinnen! Nur
dann werden wir als Volk einer tausendjhrigen Geschichte
und einer besseren Zukunft entgegengehen!

[Foto: Presseempfang beim Aufklrungsamt fr
Bevlkerungspolitik und Rassenpflege im Hotel ,Kaiserhof"
zu Berlin, bei dem Dr. Gro und Prof. Staemmler ber die
Notwendigkeit zielbewuter Mitarbeit der Presse sprachen.
Das Bild zeigt links Pg. Med.-Rat Dr. Gtt vom
Reichsinnenministerium, der dort die rassenhygienischen
Fragen bearbeitet. Am Rednerpult Pg. Prof. Staemmler,
rechts am Tisch u. A. Dr. Gro und Dr. Wagner, Mnchen]
]


Die Vordenker des Faschismus

Die wissenschaftlichen Apologeten des Rassismus erlebten in Deutschland
ab 1890 ihre erste Bltezeit, 10 Jahre nachdem Nietzsche die
philosophischen Grundlagen dazu beigesteuert hatte. Das besondere
Interesse des deutschen Kapitals an der Ausformulierung dieser Ideologie
dokumentiert sich in der 1900 von Friedrich Alfred Krupp finanzierten
Preisaufgabe an die deutsche Wissenschaft: "Was lernen wir aus den
Principien der Descendenztheorie in bezug auf die innerpolitische
Entwicklung der Vlker?" Unter den "Lsungen" fanden sich damals bereits
Artikel, die als unmittelbare Vorlufer der spter von den Nazis
praktizierten Rassenbiologie und Rassenhygiene gelten knnen.

In der Zeit der Weimarer Republik wurden von einer groen Zahl von
zweifelhaften Anthropologen und intellektuellen Ideologen wie Ploetz,
Gnther, Fischer, Lenz, Schallmeyer, Gtt, Rdin und vielen mehr, auf
dem Papier all das ersonnen, was der Faschismus wortwrtlich in seine
Propaganda bernehmen und zur Grundlage seiner blutigen staatlichen
Praxis machen konnte.

Die Ausjte minderwertigen Erbguts, die Ausmerzung entarteter Erbmasse,
der schon damals drohende Volkstod der Deutschen aufgrund einer zu
niedrigen Geburtenrate, der biologische Untergang durch die Vermischung
mit der jdischen und anderen minderwertigen Rassen, die natrliche
Auslese der Schwachen und Kranken, das Recht des strkeren Volkes, die
Deutschen als die einzige kulturschpfende Rasse, die Aufartung und
rassische Erneuerung-die Beispiele lieen sich endlos fortsetzen-, all
dies ist keine Erfindung der Nazis, dies ist den Hirnen der
"Intelligenz" der Weimarer Republik entsprungen und fand insbesondere
unter der rzteschaft bereitwilligste Aufnahme. Bereits 1920
verffentlichten der Jurist Karl Binding und der Psychiater Alfred Hoche
ihre Schrift "Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens", seit
1906 existierte in Form des Mittgart-Bundes der Vorlufer des spter von
SS-Fhrer Himmler verwirklichten Lebensborn zur systematischen
Zchtigung von reinrassigen Ariern; lange bevor 1933 das
Sterilisierungsgesetz, "Das Gesetz zur Verhtung erbkranken Nachwuchses"
von den Nazis erlassen wurde, lag dies in den Schubladen deutscher
Psychiater, ausgearbeitet u.a. von Prof. Dr. E. Rdin, Direktor der
Deutschen Forschungsanstalt fr Psychiatrie in Mnchen.

In den Schundwerken der Neonazis und nicht zuletzt im Heidelberger
Manifest und seinem Begleitmaterial erleben die biologistischen
Anschauungen der faschistischen Massenmrder und ihrer
pseudowissenschaftlichen Vorfahren ihre teilweise wortwrtliche
Wiedergeburt. Es ist erschreckend, da es berhaupt noch Vertreter der
Wissenschaft gibt, die immer noch nicht die Lehre aus dem grten
rassenbiologischen "Experiment" aller Zeiten, dem Hitlerfaschismus
gezogen haben. Im Gegenteil, diese Professoren benutzen ihren Titel und
ihre Autoritt als Wissenschaftler, um all diese lngst als
diskreditiert geglaubten Ideologien wieder denkbar zu machen.

[Bild7. Foto: Suglinge an einem Tisch aufgereiht; Bildunterschrift:
Fliebandproduktion von reinrassigen Ariern in einem Lebensborn-Heim]



Der Sozialdarwinismus-tragende Ideologie moderner Wissenschaft

Trotz aller methodischen Verfeinerungen durch die Entwicklung der
modernen Statistik haben sich die Vertreter der Londoner Schule bis
heute inhaltlich nicht ber das Niveau von Galton hinausbewegt. Vor
allem Burt und Eysenck waren darum bemht, die Erblichkeit von
Kriminalitt, die Sozialstruktur der kapitalistischen Gesellschaft als
unmittelbares Produkt der Erbmasse der Menschen nachzuweisen und mit
wahrhaft missionarischem Eifer gegen die Gleichheit der Menschen zu
wettern. In gewisser Hinsicht sind Kurt, Eysenck, Jensen und all ihre
wissenschaftlichen Epigonen die einflureichsten Bildungspolitiker der
Gegenwart. Unter Berufung auf deren Pseudowissenschaft kmpft die
Reaktion verbissen um die Erhaltung des traditionellen dreigliedrigen
Schulwesens.

Die meisten der gngigen diagnostischen Verfahren in Psychologie und
Pdagogik, vor allem die Intelligenzmessung, basieren auf dem
Gedankengut des Sozialdarwinismus: Eine unter bestimmten
gesellschaftlichen Verhltnissen zustandegekommene individuelle
Befhigung wird als konstante und unvernderbare Eigenschaft den Genen
der jeweiligen Person angedichtet. Ein nicht unbetrchtlicher Teil der
Sozialwissenschaften beschftigt sich ausschlielich damit, diesen
Unsinn in immer neuen Varianten wiederzukuen.

Den vorlufigen Gipfel aller sozialdarwinistischen Logik erreichte der
US-amerikanische Psychologe Herrnstein, fr den die Tendenz arbeitslos
zu werden, ebenso erbbedingt ist, wie es bei schlechten Zhnen der Fall
ist. Herrnstein steht mit seinem Unsinn nicht alleine. Die ganze Riege
der namhaftesten Vertreter der Genetik und Zellbiologie-ihre Liste liest
sich fast wie ein Who's Who der Nobelpreistrger der Biologie-spielen
mit dem Gedanken, demnchst im Labor den perfekten Menschen (intelligent
und anstndig soll er sein) am Flieband zu produzieren. Selbst dem
frheren Generaldirektor der UNESCO und vielgepriesenen "Senior der
Evolutionstheorie", Sir Julian Huxley erscheinen "eugenische Manahmen"
in Sachen Intelligenz zweckdienlich; das sei "fr berlegungen zum
Problem mglicher rassischer Unterschiede ebenfalls sehr wichtig."

Der Sozialdarwinismus ist in verschiedenen Varianten im Denken in der
brgerlichen Gesellschaft und in der Wissenschaft weit verbreitet.
Insbesondere in den Sozialwissenschaften ist die ideologische Verkehrung
des Sozialdarwinismus von Natur und Gesellschaft beheimatet.

Bestes Beispiel bietet die Psychologie und einige ihrer namhaftesten
Vertreter, die wir schon oben kennengelernt haben. Die sog. Londoner
Schule ist die Grndung eines der ersten Vertreter des
Sozialdarwinismus, Sir Francis Galton, einem Vetter Darwin's, der es
sich zu Ende des letzten Jahrhunderts zur Aufgabe gemacht hat, die
Erbbedingtheit der Unterschiede der intellektuellen Leistungsfhigkeit
zwischen den einzelnen Menschen und Rassen nachzuweisen.
Konsequenterweise entwickelte Galton als erster berhaupt aus seinen
sozialdarwinistischen Anschauungen ber Rasse und Vererbung die
Forderung nach eugenischen Manahmen. Zur Fortpflanzung sollten nur noch
die zugelassen werden, die sich rassisch wie intellektuell als die
Tchtigsten erwiesen htten; Vermischung mit minderwertigen Genen
dagegen bedeutet den Untergang.

Prof. Jensen hat zur Steuerung der menschlichen Rasse-Zchtung bereits
konkrete Vorberlegungen angestellt. Trotz gewisser Hemmungen, weil es
Hitler mit der Eugenik nun doch zu schlimm getrieben htte, mchte er
die alten Tabus einreien und pldiert im Magazin GEO (3/81) fr
Geburtenbeschrnkungen der Schwarzen. Sein Vorschlag: Jeder Schwarze,
der sich sterilisieren lt, soll eine Prmie von 1000 Dollar fr jeden
IQ-Punkt bekommen, mit dem er beim Intelligenztest unter dem
Durchschnittswert 100 liegt (alle Angaben aus konkret 11/80). Einige
Genetiker sehen auch der Zeit gefat ins Auge, wo ihrer Meinung nach mit
Zwangsmanahmen "unerwnschte Gene" an der Fortpflanzung gehindert
werden mssen. Vielleicht finden sich demnchst verantwortungsbewute
deutsche Professoren, die erste Entwrfe fr neue Rassegesetze vorlegen?

Erfreulicherweise gibt es unter Biologen und Anthropologen
verantwortungsbewute Professoren in anderer Hinsicht. Als Antwort auf
den bereits zitierten Brief von W. Weis, dem "Ehrenvorsitzenden" der
Gesellschaft fr biologische Anthropologie, Eugenik und
Verhaltensforschung verffentlichten die beiden Vorsitzenden der
Gesellschaft fr Anthropologie und Humangenetik eine Pressemitteilung,
die die wissenschaftliche Unhaltbarkeit der sozialdarwinistischen
Propaganda scharf angreift.

Hier wird mit dem ernst gemacht, wozu ein UNESCO-Kongre bereits im
Jahre 1950 gelangt war, nmlich da jegliche Eugenik, die davon ausgeht,
da menschliches Sozialverhalten erblich sei, wissenschaftlicher Humbug
ist. Es wre zu begren, wenn sich mehr Wissenschaftler ihrer
Verantwortung bewut wrden und in der ffentlichkeit der mit schein-
wissenschaftlichen Argumenten betriebenen Volksverhetzung entgegen
treten wrden. Hier mu auch einmal bewut die Frage gestellt werden,
wie weit die Freiheit von Forschung und Lehre reicht, ob unter dem
Deckmantel der Pluralitt von Wissenschaft die erwiesenermaen unwahren
und in der Konsequenz mrderischen Lehren des Sozialdarwinismus
weiterhin einen Platz haben drfen!

[Nachdruck:
[Seite]1238           MITTEILUNGEN DES VERBANDES DEUTSCHER BIOLOGEN E.V.

In jngster Zeit verschickt eine Vereinigung unter dem
scheinwissenschaftlichen Namen "Gesellschaft fr biologische
Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung" Rundschreiben "an alle
Lehrer und Erzieher im deutschen Sprachraum", in denen ganz unverblmt
rassistisches Gedankengut propagiert wird, das der
pseudowissenschaftlichen Ideologie der Nationalsozialisten weitgehend
entspricht. Man beruft sich dabei sehr einseitig auf angeblich eindeutig
abgesicherte Ergebnisse genetischer, anthropologischer, psychologischer
und ethologischer Forschung, die in dieser Form unseres Erachtens von
wissenschaftlicher Seite nicht unwidersprochen bleiben drfen.

Unter anderem wird in diesem Rundschreiben unter Berufung auf
Untersuchungsergebnisse der angelschsischen Psychologen Eysenck und
Jensen behauptet, da die "geistige Entwicklung eines Menschen
berwiegend von den Genen und nicht von der Umwelt bestimmt wird; die
feststellbaren Unterschiede zwischen Einzelmenschen und Rassen seien auf
Grund der Erkennt- nisse der Genetik, insbesondere der
Zwillingsforschung weitgehend erblich bedingt". Abgesehen davon, da
diese Aussage von einem wissenschaftlich gar nicht vertretbaren
statistischen Rassenkonzept ausgeht und nicht definiert, was hier unter
"geistig" zu verstehen sei, mu festgestellt werden, da die von den
beiden zitierten Autoren gezogenen Schlufolgerungen weit ber die sehr
unvollstndigen Daten auf dem Gebiet der menschlichen Verhaltensgenetik
hinausgehen und da insbesondere Schlsse ber die genetische
Bedingtheit durchschnittlicher  Intelligenzunterschiede zwischen
"Rassengruppen" auf Grund der vorliegenden Daten und der verwendeten
Memethoden fr "Intelligenz" (sog. Intelligenztests) unter gar keinen
Umstnden gezogen werden knnen, da zwischen den "Rassengruppen"
erhebliche Unterschiede bezglich der Umwelt, vor allem der Chancen zu
lernen und sich fortzubilden, bestehen. In jedem Fall sind die
individuellen Unterschiede innerhalb der "Rassengruppen" erheblich
groer als die mit jenen Verfahren festgestellten "durchschnittlichen"
Unterschiede zwischen diesen Gruppen. Auch was die Unterschiede zwischen
den Individuen betrifft, wissen wir heute, da die Wechselbeziehungen
zwischen den genetischen Faktoren und Umwelteinflssen offensichtlich
auerordentlich kompliziert und derzeit noch keineswegs vollstndig
verstanden sind. Da individuelle Veranlagungsunterschiede bestehen,
wird kein vernnftiger Mensch ernsthaft bezweifeln, es ist daher bare
Demagogie, wenn - wie in dem Rundschreiben geschehen - der Satz aus der
amerikanischen Unabhngigkeitserklrung, da alle Menschen "gleich
geboren" seien, in diesem Zusammenhang diskriminiert wird; denn es war
und ist damit selbstverstndlich die Gleichheit vor der Rechtsprechung
gemeint, die durch bestehende individuelle Veranlagungsunterschiede
natrlich in keiner Weise eingeschrnkt werden kann und darf.

Weiterhin wird in dem Rundschreiben in altbewhrter Demagogen-Manier
behauptet, da "unsere biologische Substanz durch Geburtenarmut und
Masseneinwanderung von Auslndern gefhrdet" sei, es verndere sich
dadurch "nicht die Quantitt, sondern auch die Qualitt unseres Volkes".
Natrlich fehlt auch der altbekannte, deshalb jedoch keineswegs richtige
Hinweis nicht, da "Geburtenrckgang und Hereinholen fremder
Menschenmassen auch bei den zugrunde gegangenen Kulturen der Antike
Vorboten des Unterganges" gewesen seien. Demgegenber ist von
naturwissenschaftlicher Seite festzustellen, da es keinen tragfhigen
Nachweis einer direkt "kulturschdigenden" oder gar "zerstrerischen"
Wirkung von Geburtenregelung und Einwanderungen gibt. Auch
"Rassenmischung" hat keine biologisch belegbaren nachteiligen Folgen.
Hingegen hat der Austausch zwischen unterschiedlichen Kulturen und das
Zusammenleben von ursprnglich verschiedenen Bevlkerungsgruppen hufig
zur fruchtbaren Weiterentwicklung von Kulturen beigetragen.

Schlielich behaupten die Autoren des Rundschreibens, da "der Geist
eine stammesgeschichtlich entwickelte berpersnliche Orientierungs- und
Lebensfunktion des menschlichen Organismus" sei, woraus sich auf
biologischer Basis der moralische Imperativ eines betont
"rassen"-erhaltenden Verhaltens ableiten lasse. Die moderne
Evolutionsbiologie und Verhaltensforschung ist dahingegen in
bereinstimmung mit Darwins ursprnglicher Selektionstheorie zu dem
Schlu gelangt, da es in der ganzen Evolution der Organismen nie ein
primr "arterhaltendes", geschweige denn ein "rassen- erhaltendes"
Antriebs- und Steuerungsprinzip gegeben hat.

Die im Rundschreiben aufgestellten scheinwissenschaftlichen Behauptungen
finden demnach keine tragfhige Sttze von seiten der modernen
biologischen Forschung, insbesondere auch nicht durch die
naturwissenschaftliche Anthropologie, durch die Humangenetik und die
Verhaltensforschung. Umso irrefhrender ist es, da die "Gesellschaft
fr biologische Anthropologie Eugenik und Verhaltensforschung"
ausgerechnet die Bezeichnungen dieser naturwissenschaftlichen
Disziplinen in ihrem Namen fhrt. Die "Gesellschaft fr Anthropologie
und Humangenetik" als die internationale wissenschaftliche
Dachorganisation  deutschsprachiger Anthropologen und Humangenetiker
distanziert sich daher in aller Schrfe von der Ideologie und den
Aktivitten der pseudowissenschaftlichen "Gesellschaft fr biologische
Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung". Wir halten deren
propagandistische Aktivitten fr gefhrlich, weil sie zu einer
wissenschaftlich untragbaren ideologischen Indoktrination der mit dem
Rundschreiben angesprochenen Lehrer und damit auch der vor ihnen
unterrichteten Schler berall dort fhren kann, wo fundierte
Fachkenntnisse fehlen oder auf einem berholten Kenntnisstand verharren.
Die in dem Rundschreiben als zustzliche Informationsquelle empfohlene
Zeitschrift "Neue Anthropologie", herausgegeben von derselben
Vereinigung, enthlt die gleiche gefhrliche Mischung von
scheinwissenschaftlicher Argumentation und "gestriger" politischer
Ideologie, von der ebenfalls propagierten Kolbenheyerschen "Philosophie"
einmal ganz zu schweigen. Die Gefahr, die von dieser Gruppierung fr
unsere Bevlkerung, insbesondere fr unsere Jugend ausgehen knnte, darf
jedenfalls nicht verharmlost werden, was durch die erschreckende Zahl
und die Aktivitten der Sympathisanten sowie ihrer Internationalen
Verflechtung noch bekrftigt wird.

Prof. Dr. Ch. Vogel (Geschftsfhrender Vorsitzender der "Gesellschaft
fr Anthropologie und Humangenetik").

Prof. Dr. F. Vogel (Vorsitzender "Gesellschaft fr Anthropologie
Humangenetik").

VERBAND DEUTSCHER BIOLOGEN E.V.

Vorsitzender: Prof. Dr. H. Altner, Fachbereich Biologie d. Universitt,
Universittsstrae 31, 8400 Regensburg. Geschftsfhrer Prof. Dr. L. H.
Grimme, Studienbereich Biologie-Chemie der Universitt, Postfach, 2800
Bremen 33, Tel. 0421/218 - 2389. Schatzmeister: Dr. S. Ptter
(Stellvertr. K. Kannengiesser), pharm.-chem. Fabrik MEDICE, Postfach,
5860 Iserlohn. Bankverbindungen: Postscheckamt Dortmund, BLZ: 440 100
46, Konto-Nr.: 84365-469; Volksbank Iserlohn, BLZ 447 600 37. Konto-Nr.:
176 009 500. Schriftleitung der Mitteilungen: Dr. R. Hampp, Lehrstuhl
fr Botanik der Technischen Universitt, Arcisstr. 21, 8000 Mnchen 2.
]



"Haltet den Dieb ...!"

Seine sozialpolitische Funktion erfllt das Heidelberger Manifest und
die ihm geistesverwandte Propaganda nicht allein dadurch, da sich der
Kreis der sowieso Rechtsgesinnten zum wiederholten Male bestrkt fhlt
und sich einige aus ihren Reihen zu blutigen Taten aufgerufen fhlen.
Dies macht nur einen Teil der Bedrohlichkeit aus, die von solchen
Aufrufen ausgeht. Seine mgliche Breitenwirkung erhlt dieses
rassistische Machwerk sicherlich in erster Linie daher, da es gezielt
an der vorhandenen Auslnderfeindlichkeit in der BRD ansetzt, die nicht
auf das Umfeld einiger reaktionrer Gruppierungen beschrnkt ist,
sondern der mehr oder weniger direkt durch uerungen der groen
Parteien und durch staatliche Manahmen Vorschub geleistet wird.

Den eigentlichen Nhrboden fr die Auslnderfeindlichkeit bilden die
sozialen Auswirkungen der konjunkturellen Krisenzyklen, deren Folgen
zunehmend weniger von konjunkturellen Erholungsphasen kompensiert
werden. Massenarbeitslosigkeit ist seit 1974 zum Dauerzustand geworden,
wobei auch die besonderen Folgen der hohen Jugendarbeitslosigkeit und
Ausbildungsmisere zu bedenken sind. Zudem bietet nicht jeder
Ausbildungsplatz einen qualifizierten Beruf mit Zukunftsperspektive an.


Die neuen alten Sndenbcke

Was fr groe Teile der Arbeiterschaft und Angestellte gilt, das
Arbeitsplatzrisiko, Gefahr der Dequalifizierung, materielle
Einschrnkungen und unsichere Zukunftsperspektive trifft auch in
gewisser Hinsicht auf das Kleinbrgertum zu. Das Anschwellen der
Konkurswelle auf eine neue Rekordhhe, wobei der Ruin von kleinen und
mittleren Unternehmen die Masse der Konkurse ausmacht, ist ein Anzeichen
dafr, wieweit das Kleinbrgertum von der Krise betroffen ist. Das von
sozialer Deklassierung bedrohte Kleinbrgertum zusammen mit einem Teil
der ebenso betroffenen Angestellten bildet leicht ein Potential, bei dem
reaktionre Propaganda verfngt.

Die Verbreitung rassistischer Ideologie und Erzeugung von ganz
handfester Auslnderfeindlichkeit erfllt in dieser Situation
hauptschlich zwei Funktionen:

Sie dient einmal als sozialpolitisches Ventil, indem die zurecht
bestehende soziale und wirtschaftliche Unzufriedenheit gegen die
Auslnder als scheinbare Ursache umgelenkt wird. Ganz offenkundiger
Rassismus gepaart mit Chauvinismus dient in gewisser Hinsicht als
sozialpsychologische Krcke. Der Einzelne gewinnt dadurch wieder an
Selbstbewutsein indem er sich als Teil der Gemeinschaft der
"bermenschen" fhlt, die sich gegen die Bedrohung durch die
minderwertigen Fremden wehren mssen. Damit kommen wir zur zweiten Seite
der "Sndenbockfunktion" der Auslnder, was die Auslnderfeindlichkeit
so attraktiv fr Unternehmerkreise macht. Dadurch, da die alleinige
Existenz der Auslnder fr die Auswirkungen der Krise wie
Arbeitslosigkeit, Kriminalitt, skandalse Verhltnisse an den Schulen
etc. verantwortlich gemacht wird, wird zugleich von den eigentlichen
Ursachen der Krise abgelenkt, die schlielich im konomischen Bereich
liegen.

,Die Ursache fr den Antisemitismus ist also nicht bei den Juden,
sondern bei den Antisemiten zu suchen. Der Antisemitismus erweist sich
somit als eine Ideologie, die die vorhandenen Aggressionen auf ein
Objekt lenkt, das mit den Ursachen der Aggressionen nicht mehr zu tun
hat als beliebige andere Objekte. Den gleichen Charakter haben die
brigen Varianten der faschistischen Sndenbockphilosophie: Zigeuner und
Fremdarbeiter, Homosexuelle und Freimaurer mssen als Aggressionsobjekte
herhalten, ohne da auch nur ein entfernter Zusammenhang mit den beln
der bestehenden Gesellschaft und dem Elend der Massen zu erkennen wre.
Hier wird deutlich sichtbar, da diese Feindgruppen nur dazu dienen, von
den wirklichen Ursachen sozialer Unsicherheit und Deklassierung
abzulenken." (R. Khnl: Formen brgerlicher Herrschaft, 1971, S. 94).

Das Argument der Energieverknappung bzw. -verteuerung als Ursache der
Schwierigkeiten der deutschen Wirtschaft stellt auch nur eine
modifizierte Form der Auslnderfeindlichkeit dar, denn auch hier wird
eine bestimmte Sorte von Auslndern zum Sndenbock gestempelt, nmlich
die lscheichs, die ,unser" l nicht rausrcken wollen. Die Frage
danach, wieso der Energieverbrauch in der BRD so bermig gro ist,
fllt dabei schnell unter den Tisch. Diese Propaganda bietet vielmehr
den Boden fr die Forderung, da ,wir" demnchst ,unser" l selbstndig
besorgen.


,Geschichte ist eine Geschichte von Rassenkmpfen..." (J. Rieger)

Die Auslnder als Sndenbock lenken nicht nur von den eigentlichen
Ursachen und Verantwortlichen der Krise ab, darberhinaus fhrt dies zu
falschen Identifikationen mit den angeblichen nationalen Interessen der
Deutschen, die es gegen die fremden Eindringlinge zu verteidigen gilt.
An die Stelle des Klasseninteresses, das deutsche und auslndische
Arbeiter als Lohnabhngige aufgrund ihrer gemeinsamen Stellung gegenber
den Kapitaleignern miteinander teilen, versucht die reaktionre
Propaganda die Bindung an die Rasse zu setzen. Deutsche Arbeiter sollen
sich mit deutschen Unternehmern solidarisieren. Sie sollen nicht
zusammen mit auslndischen Arbeitern beispielsweise den Kampf gegen
Lohnabbau und fr den Erhalt der Arbeitspltze fhren.

An vielen Stellen geben die neuen Nazi-Ideologen ganz deutlich zu
erkennen, da sie den Klassenbegriff durch den Rassenbegriff mit dem
Ziel der Schaffung einer nationalen Volksgemeinschaft ersetzen wollen.
Zugleich beweisen sie damit aber auch, wie bruchlos sie an die
Propagandamethoden des Hitlerfaschismus anknpfen. Die Funktion der
rassistischen Propaganda hat keiner besser beschrieben als Hitler
selbst. In einer geheimen Broschre fr Industrielle mit dem Titel ,Der
Weg zum Wiederaufstieg" die Hitler 1927 auf Wunsch des fhrenden
Kohlemagnaten E. Kirdorf verfate, heit es:

,Das deutsche Volk zerfllt immer strker in sich todfeindlich
gegenberstehende Lager. Diese schlieen sich in steigendem Mae
gegenseitig ab und verwandeln sich in geschlossene, sich selbst
gengende Krper, von denen der eine, der marxistische als Fremdkrper
innerhalb des eigenen Volkes alle Beziehungen zur Nation leugnet, um
statt dessen die Verbindung zu analogen Gebilden anderer Nationen
aufzunehmen. (...)

Angesichts eines solchen tatschlichen Zustandes ist aber jede Hoffnung
auf politischen Wiederaufstieg reinste Utopie. Denn die Voraussetzung zu
einer wirklichen Wiedererhebung der deutschen Nation ist nicht die
Erfllung und Befriedigung von so und soviel Forderungen des Tages als
vielmehr der Wiedergewinnung der inneren Kraft der Nation, die in einer
allgemeinen, solidarischen Erkenntnis ber die Notwendigkeit ihres
Bestandes und der daraus sich ergebenden Verbundenheit liegt. Diese aber
fehlt. (...)

Jedes Volk braucht zur Entfaltung seines eigenen Ichs den ntigen Raum
auf dieser Welt. Die Aufgabe der Politik ist es, dafr zu sorgen, da
einer vernderlichen Zahl der starre Raum stets angepat und angeglichen
wird. Da ein Volk nur dann als gesund bezeichnet werden darf wenn es am
allgemeinen Lebenskampf teilnimmt, dieser aber als Voraussetzung die
Vermehrung eines Volkes hat, mu die Politik es als ihre hchste Aufgabe
betrachten, diesem natrlichen Imperialismus die ebenso natrliche
Befriedigung zu geben. (...)

Um diese Mission zu erfllen, braucht man aber neben der Gre der
Einzelperson die zu einer gemeinsamen Interessengemeinschaft eng
zusammengeschlossene Nation. ... Anstelle des Volks- und Rassenwertes
huldigen Millionen von Menschen unseres Volkes heute dem Gedanken der
Internationalitt. (...) Die neue Bewegung lehnt kategorisch jede
Standes- und Klassenteilung ab und proklamiert an deren Stelle eine
zusammenfassende deutsche Einstellung ...

Die nationalsozialistische Bewegung erkennt weiter als wesentlichste
Voraussetzung zur Lsung dieser Aufgabe und fr die Bildung eines
einheitlichen Nationalkrpers die restlose Eingliederung des sogenannten
vierten Standes in die Volksgemeinschaft. Sie sieht dann nicht ein
theoretisches Problem, sondern die Lebensvoraussetzung fr unser Volk.
Sie wnscht, da diese Millionenmasse unseres Volksgutes aus den Hnden
ihrer derzeitigen internationalen, meist undeutschen Verfhrer und
Leiter genommen wird und ihre volle Eingliederung in den Rahmen der
Nation und des Staates findet ...

Sie formuliert aus den beiden bisher miverstndlichen aufgefaten und
daher trennenden Begriffen ,Nationalismus" und ,Sozialismus" einen neuen
verbundenen, indem sie feststellt, da hchster Nationalismus
wesensgleich ist mit hchster Vorsorge und hchster Sozialismus gleich
ist mit hchster Volks- und Vaterlandsliebe und mithin beides die
verantwortliche Erfllung ein und derselben vlkischen Pflicht darstellt
..."



Deutsche Maschinen im Ausland-ein trojanisches Pferd

Es ist in NPD-Kreisen schon seit lngerem in Mode gekommen, die
Auslnderfeindlichkeit mit dem Entwicklungshilfegedanken zu verbinden.
Man will die Auslnder nicht einfach so rausschmeien, sondern ihnen ein
paar Maschinen mitgeben, damit sie in ihrem Heimatland auch ordentlich
arbeiten knnen und nicht wieder auf die Idee kommen, in die BRD als dem
gelobten Land zu kommen.

,... mu es oberster Grundsatz der Wirtschaft sein: nicht die Menschen
zu den Maschinen bringen, sondern die Maschinen zu den Menschen. Das
bel an der Wurzel packen heit, durch gezielte Entwicklungshilfe die
Lebensbedingungen der Gastarbeiter in ihren Heimatlndern zu
verbessern-und nicht hier bei uns." (Heidelberger Manifest) Abgesehen
davon, da sich der Heidelberger Kreis indirekt dafr ausspricht, die
auslndischen Arbeiter in der BRD ruhig in ihrem Elend zu belassen und
sie als Brger 2. oder 3. Klasse zu behandeln, so ist das Argument der
Maschinen, die zu den Menschen gebracht werden sollen, in diesem
Zusammenhang pure Demagogie. Nimmt man das Beispiel der Trkei, so ist
die Verelendung der Bevlkerung in der Trkei und der Zwang zur
Arbeitsimmigration gerade eine Folge dessen, weil die Maschinen zu den
Menschen gebracht worden sind. Die Maschinen kamen nicht in die Trkei,
um dort uneigenntzig fr den Bedarf der Bevlkerung zu arbeiten,
sondern sie kamen in Form von auslndischen Kapitalinvestitionen, die
sich rentieren sollten.

Das taten sie denn auch im berma: Im Zeitraum von 1957 bis 1972
flossen ber 80 % des in der Trkei investierten Auslandskapitals in
Form von Profiten an die Muttergesellschaften zurck (nach Hakki Keskin,
Die Trkei, 1976). Der grte Teil der trkischen Industrie befindet
sich in auslndischer Hand und ist zudem von Zulieferungen aus dem
Ausland (Rohstoffe, Produktionsanlagen, Zwischenprodukte) fast
vollkommen abhngig. Dies treibt die trkische Wirtschaft in immer
tiefere Auslandsverschuldung, Lohnabbau (die gegenwrtigen Arbeiterlhne
sind auf das Niveau von 1960 gesunken), Inflation, Whrungsschwche,
Arbeitslosigkeit etc. mit dem Ergebnis, da die Bevlkerung bei
zunehmender Verarmung immer mehr dafr arbeitet, da die auslndischen
Kapitalgeber zu ihrem Geld kommen.

Die Maschinen in der Trkei sind nichts anderes als ein modernes
trojanisches Pferd. Die Abhngigkeit vom Ausland ist mittlerweile so
weit gediehen, da die Souvernitt der Trkei de facto aufgehoben ist:
es herrscht das blutige Regime einer Militrjunta von NATO's Gnaden; der
IWF, Weltbank und das westliche Bankenkonsortium diktieren den
Wirtschaftskurs; die Militrs verschachern fr ein Butterbrot Rohstoffe
und Arbeitskraft der Bevlkerung an das auslndische Kapital, allen
voran das westdeutsche, das in der Trkei den Groteil der Investitionen
hlt.

Die Trkei ist kein Einzelfall, sondern ist in ihrer konomischen und
politischen Entwicklung ein Paradebeispiel fr viele Lnder der sog. 3.
Welt. Es sollte sich daher keiner wundern, wieso solche Massen von sog.
,Wirtschaftsasylanten" pltzlich in die BRD als dem gelobten Land
drngen-nachdem durch Kapital und Warenexport die westlichen
Grounternehmen unter mageblicher Beteiligung des westdeutschen
Kapitals es grndlich geschafft haben, die einzelnen Lnder
wirtschaftlich und politisch in den Wrgegriff zu bekommen.

Das ,Maschinen-zu-den-Menschen-bringen" oder die Forderung nach mehr
Entwicklungshilfe ist also ein rein demagogisches Argument, solange
nicht ausdrcklich die Bedingungen genannt werden, unter denen diese
Hilfe erfolgen soll, wobei in vielen Fllen wohl eher der Begriff
,Wiedergutmachung" angebracht wre. Auch im Hinblick auf die Flchtlinge
aus Vietnam ist die phariserhafte Haltung nach dem Motto ,Da sieht
man's wieder" wenig angebracht, nachdem die USA sich alle Mhe gegeben
haben, das Land in die Steinzeit zurckzubomben.

Auslnder-Schmarotzer am deutschen Volk

Eines dieser demagogischen Argumente, dessen sich Schmidt-Kaler, NPD und
andere rechte Gruppierungen gleichermaen bedienen, besteht darin,
Asylanten wie auslndische Arbeiter in der BRD als Schmarotzer am
deutschen Volk hinzustellen. Auslnder bekommen berproportional viel
Kindergeld, beziehen Arbeitslosengeld, sind Sozialhilfeempfnger,
Asylanten bekommen umsonst Kleidung und Essen, drfen in feinen Hotels
wohnen und brauchen dafr nicht einmal zu arbeiten. Auslndische
Studenten verursachen den NC und nehmen den Deutschen die Studienpltze
weg, auslndische Schler verstopfen die Schulen und knnen nicht mal
anstndig Deutsch.

Jeder Auslnder bekommt zudem bei Grenzbertritt eine halbe Million
gratis in Form von Infrastruktur, er darf auf deutschen Autobahnen
fahren und deutsches Wasser trinken etc.

,Die Politiker bersehen, da jeder Asylant praktisch eine halbe Million
Mark Infrastruktur vom Wasserwerk bis zur Autobahn geschenkt bekommt."
so Schmidt-Kaler vor dem Rhein-Ruhr-Klub in Dsseldorf (Mittelbayerische
Z. vom 21.10.81). In Grundzge und Manahmen einer Auslnderpolitik, in
denen eine konkrete Auslegung des Heidelberger Manifestes geleistet
werden soll, liest sich das folgendermaen: ,3. Die Folgekosten der
Auslnderbeschftigung wlzen zustzliche Lasten in vielfacher
Milliardenhhe in allen Gebieten (Raumordnung, Wohnungsbau, Schule,
Bildung, Gesundheit, Soziales, Kultur) auf Lnder, Bund und Gemeinden
ber." Diese schmierigen Argumente sind sicherlich am besten dazu
geeignet, die Auslnderfeindlichkeit in der deutschen Bevlkerung zu
schren. Denn da Auslnder faul, dreckig und kriminell sind ist schon
immer gngiges Vorurteil gewesen.

Auch hier wre es dringend notwendig, genau wie mit den angeblichen
wissenschaftlichen Beweisen der Rassenbiologen und Erbforscher, die
Tatsachen in der ffentlichkeit wieder zurechtzurcken. Da auslndische
Arbeiter in der BRD kein besonders angenehmes Arbeitsleben genieen,
beginnt sich allmhlich herumzusprechen, auch, da sie Steuern und
Sozialbeitrge zahlen wie jeder andere Brger dieses Landes und damit
krftig diesen Staat, seine Infrastruktur und sein
Sozialversicherungssystem mitfinanzieren. Weniger allgemein verbreitet
hat sich die Schlufolgerung daraus, da die auslndischen Arbeiter und
ihre Familien in der BRD etwas in Anspruch nehmen, was sie vorher selbst
erarbeitet haben. Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, da bisher alle
die Auslnder, die wieder in die Heimat zurckkehren,-und das waren
bisher einige Millionen,-das westdeutsche Sozialversicherungssystem
krftig subventionieren, da sie in der Regel weniger ausgezahlt bekamen,
als sie eingezahlt haben bzw. ihre Ansprche bei Rckkehr in die Heimat
z.T. verfallen.

Vllig unterschlagen wird ferner die Tatsache, da seit nunmehr fast 20
Jahren Millionen von Auslndern der westdeutschen Wirtschaft und ihren
Kapitalbesitzern krftig Entwicklungshilfe leisten, ohne die das
bundesdeutsche Sozialprodukt und der in der BRD angehufte Reichtum um
einiges schmaler ausfallen wrde. Anhand des kurzen Rechenexempels, da
beispielsweise jeder Arbeiter bei AEG in 20 Minuten den Gegenwert seines
Stundenlohns erarbeitet, kann man sich die Dimensionen dieser Art von
Entwicklungshilfe verdeutlichen.

Insgesamt betrachtet, werden die Auslnder zweifach zum Sndenbock
gemacht: einmal fr die in der BRD existierenden wirtschaftlichen
Schwierigkeiten; zum anderen fr die desolaten Verhltnisse in ihren
Heimatlndern. Beide Male wird von den eigentlichen Ursachen abgelenkt,
die in den Gesetzmigkeiten der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und
dem damit eng verbundenen Neokolonialismus begrndet sind. Wer diese
Dinge nicht beim Namen nennt und sich zugleich ber die Anwesenheit oder
die Einwanderung von Auslndern beschwert, kann nur reaktionre
Propaganda betreiben. Dies ist nicht nur auf neonazistische Kreise
beschrnkt, sondern findet sich auch in den Aussagen der groen Parteien
und von Behrden wieder. Wer diese Mistnde, vor allem die Emigration
von Menschen, die schlielich nicht freiwillig, sondern aufgrund
politisch und konomisch untragbarer Zustande ihre Heimat verlassen,
beseitigen will, mu die fr diese Entwicklung verantwortlichen Krfte
im eigenen Land angreifen, die zusammen mit anderen westlichen Staaten
ihre imperialistischen Machenschaften in der sog. 3. Welt betreiben.

Einer der mindesten Beitrge, die westdeutsche Demokraten hier
beisteuern mssen, ist die Verteidigung des Asylrechts, wenngleich dies
natrlich nicht die Lsung auf Dauer darstellt. Langfristiges Ziel mu
im Rahmen der internationalen Solidaritt immer die Untersttzung all
der Krfte und Bewegungen sein, die in den Heimatlndern solche
Verhltnisse schaffen, in denen politische Verfolgung, Ausbeutung und
Rassendiskriminierung der Vergangenheit angehren.

[Ausschnitte von Zeitungsschlagzeilen: ,Bonn bremst Auslnderzuzug",
...]



Staatlich praktizierte Auslnderfeindlichkeit

Diese kleine Sammlung von Schlagzeilen zeigt deutlich, da die Politiker
in letzter Zeit in Auslnderfragen nicht unttig waren-ganz entgegen den
Beschwerden des Heidelberger Kreises. So sehr sich auch Staat und
Parteien verbal gegen Auslnderha und offen auslnderfeindliche
Initiativen wie z.B. das Heidelberger Manifest und das Volksbegehren der
Brgerinitiative Auslnderstopp wenden, so leisten sie doch im selben
Atemzug der Auslnderfeindlichkeit Vorschub. Indirekt besttigen sie die
hetzerischen Argumente durch ihre eigene Argumentation: wenn der
,ungehemmte Auslnderzuzug", ,die berschwemmung" der BRD mit
,Scheinasylanten" etc. anhalte, dann gibt's bei uns Mord und Totschlag.

Die dahinterstehende Logik sieht etwa so aus: Damit die Auslnderhetze
nicht weiter um sich greife, mu man die ,Ursachen" der
Auslnderfeindlichkeit, nmlich die Auslnder selbst beseitigen! Das
heit in Klartext, beseitigt werden nicht die Probleme, sondern die
Personengruppe, die die Probleme angeblich bereitet, indem man die
Grenzen dicht macht und den in der BRD lebenden Arbeitern, sofern sie
nicht ,intergrierwillig" sind, das Leben schwer macht.

Kein Wort liest und hrt man darber, wieso weltweit die Zahl der
Flchtlinge aus politischen und wirtschaftlichen Grnden ansteigt, kein
Wort darber, in wessen Interesse Millionen von Auslndern in die BRD
geholt worden sind, kein Wort darber, da Auslnder nicht nur Empfnger
von Sozialleistungen sind, sondern diese vorher hart erarbeitet haben,
kein Wort darber, da das Asylrecht eine demokratische Errungenschaft,
eine Konsequenz aus der jngsten deutschen Geschichte darstellt. Im
Gegenteil, man uert tiefes Verstndnis fr solche Regimes im Ausland,
die ihre Lnder auf Kosten der eigenen Bevlkerung als
Selbstbedienungsladen fr Militrs und multinationale Konzerne fhren,
wie z.B. in der Trkei, Sdkorea, Lateinamerika usw. Diese Regimes und
die von ihnen betriebene Ausplnderungspolitik sind eine der Ursachen
fr die Strme von politischen und wirtschaftlichen Flchtlingen.

Niemand tritt bisher von offizieller Seite dem Eindruck entgegen, wonach
Auslnder als eine konjunkturelle Manipulationsmasse hingestellt werden:
Aus humanen Grnden haben die Auslnder bei uns arbeiten drfen, jetzt,
wo es uns nicht mehr so gut geht, sollen sie doch bitteschn wieder nach
Hause gehen-so oder so hnlich wird oft in der ffentlichkeit
argumentiert.

Die hohe Politik wscht ihre Hnde in Unschuld. Obwohl sie jahrelang
eine Auslnderpolitik praktiziert hat, die durch keinerlei Konzept
getragen war-beseelt allein von dem frommen Wunsch, da die emsigen
Geister, die man ins Land gerufen hat, mglichst unauffllig wieder
verschwinden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Es wre an der Zeit
die Geschichte der Arbeitsmigration der letzten Jahre selbstkritisch
aufzuarbeiten. Der Arbeitskrfteimport aus den sogenannten
Anwerbelndern trug nur zu oft unverkennbare Zge eines modernen
Sklavenhandels.

[Foto: Transparent mit der Aufschrift ,Die deutschen Kultusminister
rufen auf: [der folgende Text in Frakturschrift] Deutsche Studenten:
wehrt euch gegen trkische Studienplatzruber!" Bildunterschrift:
Protest von Studenten gegen KMK-Beschlsse]


Zitierstelle aus dem Heidelberger Manifest nicht angegeben

CDU und CSU verstehen es immer besser, in der ffentlichkeit die
vielerorts geforderte Integration von Auslndern zum negativ besetzten
Kampfbegriff zu machen. Obwohl berhaupt keine inhaltliche Klarheit ber
das besteht, was Integration bedeuten soll ob sie mit "Germanisierung"
und Einschmelzung gleichzusetzten ist oder ob darunter auch Erhalt der
kulturellen Identitt verstanden werden kann, umso eindeutiger
verbreitet man in Unionskreisen, da eine Integrationspolitik den
"legitimen Interessen" der deutschen Bevlkerung widerspricht
(CSU-Stellungnahme) und zur Aufgabe der "nationalen Identitt" fhre
(Dregger vor dem Bundestag am 4.2.82).



Die "totale Umkehr" der Auslnderpolitik anstelle "scheinheiliger
Humanittsbeteuerungen ohne aktives Handeln" fordert die CSU und meint
mit aktivem Handeln Frderung der "Rckkehrfhigkeit und
Rckkehrbereitschaft" und Kapitalisierung von Sozialbeitrgen. Dregger
spricht sich zudem dafr aus, die "Maschinen zu den Menschen" zu bringen
und forderte im Namen der Union einen Marshall-Plan zur
Wirtschaftsfrderung in der Trkei. Aber "Fremdenfeindlichkeit" habe man
sich "nicht vorwerfen zu lassen", man komme bei dem Kampf gegen die
Einwanderung nur einem "berechtigtem und natrlichem Gefhl der
Mitbrger" entgegen, die sonst Opfer eines neuen Rechtsradikalismus
wrden. Eine bestechende Logik entwickelt da Herr Dregger, man ist dann
nicht fremdenfeindlich, wenn man der Auslnderfeindlichkeit der
aufgehetzten Brger-und nichts anderes steckt hinter den "berechtigten
und natrlichen Gefhlen der Mitbrger"-nachgibt, denn andernfalls
greifen die Brger zu rechtsradikalen Selbsthilfemethoden.

Bei alledem mu aber unbedingt nach Herkunft der Auslnder unterschieden
werden, denn mit Auslndern aus dem "europischen Kulturkreis" verbinde
die Deutschen "die gemeinsame christliche Wurzel europischer Kultur",
demgegenber die Trken aus dem Kreis des Islam kommend nur in
Ausnahmefllen zu integrieren oder gar zu assimilieren seien. Also
Trken raus-anders kann diese Aussage Dregger's nicht interpretiert
werden. Dregger gehrt brigens zu den vier Unionspolitikern, die den
Entschlieungsantrag der Unionsfraktion zur Auslnderpolitik
ausgearbeitet haben! (Alle Zitate aus FR vom 5.2.82 und FR vom 16.2.82).

Nicht nur wenn man sich die Konsequenz einer solchen Politik ausmalt,
erwecken die uerungen der beiden Unionsparteien in Sachen Auslnder
oft den Eindruck, als ob nur noch vergessen worden wre, die
entsprechende Zitierstelle im Heidelberger Manifest anzugeben. Denn so
"himmelweit" ist der Unterschied zwischen der CDU-Auslnderpolitik und
dem, was Schmidt- Kaler im Heidelberger Manifest vertritt, nicht, wie
die CDU Westfalen in ihrer Distanzierung von Schmidt-Kaler der
ffentlichkeit weismachen will. Mit einem anderen Grund trifft die CDU
viel mehr den Kern, wenn sie ber die erste Fassung des Heidelberger
Manifests sagt: "Die Diktion ist nicht unsere." Dem hat Schmidt-Kaler ja
mittlerweile abgeholfen. (Zitate aus WAZ vom 18.2.82).


Der Realismus  l SPD

Die SPD im Spannungsfeld zwischen den "berechtigten und natrlichen
Gefhlen der Mitbrger"  und Resten eines humanistischen Anspruchs in
Auslnderfragen wand sich zu der Formel durch, wonach die Integration
der hier lebenden Auslnder durch den "ungehemmten Zuzug" von
"Scheinasylanten" gefhrdet sei. "Mit Entschiedenheit" wendet sich die
SPD gegen diejenigen, "die die bisher latent vorhandene
Auslnderfeindlichkeit schren und eine Integration unserer
auslndischen Mitbrger verhindern" und tritt fr eine "Trendwende zum
Realismus" ein (FR vom 17.2.82). Realismus legt die SPD in dieser Sache
seit Monaten vor, indem sie sich nicht scheut, bei all den gegen
Auslnder gerichteten Manahmen mitzuwirken: Weil die
Integrationswilligkeit nicht so gro sei, wie es "wnschenswert" wre,
beschlo die Bundesregierung am 2.12.81, den Zuzug nicht
integrationswilliger oder nicht integrationsfhiger (!) Auslnder im
Rahmen der Familienzusammenfhrung zu beschrnken-nur wenige Wochen
nachdem in Westberlin, Baden-Wrttemberg und Schleswig-Holstein mit
ihren Auslndererlassen vorgeprescht waren (nach FR vom 3.12.82). Zwei
Tage spter wurden in auch Nordrhein-Westfalen eben diese Manahmen
umgesetzt.

Seit Monaten basteln Bundesregierung und Bundesrat an einer Verschrfung
des Asylrechts in Richtung der Einfhrung einer Schnellgerichtsbarkeit
und Einrichtung von geschlossenen Lagern-wie dies bereits Hamburg und
Baden-Wrttemberg praktizieren. Bereits im Land weilenden Asylbewerbern
versucht man auf administrativem Weg das Leben so sauer wie mglich zu
machen. Diese beabsichtigte Abschreckung von weiteren Asylbewerbern hat
bereits durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen: Die Zahl von
Asylsuchenden aus Lndern der sogenannten Dritten Welt hat sich im
letzten Jahr mehr als halbiert.

Sprbare Auswirkungen der Auslnderpolitik zeigt sich an der Praxis der
Auslnder-Behrden, die zunehmend restriktiver und oft genug geradezu
menschenverachtend wird. Studenten beispielsweise bekommen oft nur noch
fr drei Monate Aufenthaltserlaubnis, deren Verlngerung an bestandene
Prfungen und sonstige Leistungsnachweise geknpft werden, ganz
abgesehen von der Bedeutung des politischen Wohlverhaltens fr eine
Aufenthaltserlaubnis. In Bochum bekam Dr. Kamran Ekbal, iranischer
Staatsbrger, der seit 18 Jahren in der BRD lebt, und an der Universitt
Bochum einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Spezialist fr die
Geschichte Vorderasiens hat, den neuen Wind zu spren. Das
Auslnder-Aufsichtsamt in Bochum teilte ihm jedenfalls mit, da er hier
mangels eines ffentlichen Interesses nun nicht mehr gebraucht wrde und
schleunigst in den Iran "zurckkehren" sollte. Diese Ausweisung in ein
Land, in dem Ekbal nie gelebt hat und in dem er grte Schwierigkeiten
politischer Art zu erwarten htte, wurde in letzter Minute erst durch
eine Anweisung von Wissenschaftsminister Schwier gestoppt.

Radikale Lsung der Kultusministerkonferenz Einen einsamen Gipfel an
Dreistigkeit und Verlogenheit erreichte die Kultusministerkonferenz
(KMK) im Frhjahr 1981. Da wollten sich die versammelten Kultusminister
in vterlicher Sorge eines brennenden Problems annehmen: "Durch den
auerordentlichen Andrang von Studienbewerbern aus den Lndern
Griechenland, Trkei, Iran, Indonesien" sehen sich die Hochschulen der
BRD "vor Probleme gestellt, die sie-angesichts der Situation der
ffentlichen Haushalte-nicht mehr allein bewltigen knnen." Weil zu
allem bel die genannten Studienbewerber weder anstndig Deutsch knnen
noch gengend Moneten zum Studieren mitbringen ist deren Studienerfolg
in einem Mae gefhrdet, "das im Interesse der jungen Auslnder nicht
mehr vertreten werden kann."

"In ihrer Verantwortung fr ein qualifiziertes und erfolgreiches Studium
von Auslndern an unseren Hochschulen" und getrieben von rhrender
Anteilnahme am Schicksal der jungen Auslnder stellte die KMK
berlegungen an, wie "in der Bundesrepublik Deutschland die
Studienbedingungen fr Auslnder verbessert werden knnen"; wie es so
schn in dem KMK-Bericht Zur Situation der auslndischen Studenten in
der BRD geschrieben steht.

Doch dies erweist sich als dummdreistes Tuschungsmanver der
Kultusminister, die statt dessen auf ihrer Sitzung am 19./20.3.1981
"Manahmen zur Verbesserung der Auswahl von auslndischen
Studienbewerbern" beschlossen, womit Trken, Iranern, Griechen,
Indonesiern und Spaniern Bedingungen zur Einschreibung an westdeutschen
Universitten auferlegt werden, die diese praktisch nicht erfllen
knnen bzw. die das Interesse an einem Studium in der BRD ausschalten.
Nicht die objektiv unhaltbaren Zustnde, unter denen auslndische
Studenten in der BRD ihr Studium beginnen und die in der Tat den
Studienerfolg in Frage stellen, werden beseitigt, sondern mit der
bahnbrechenden Logik deutscher Kultusminister beseitigt man die
Probleme, indem man die miliebigen Auslnder aus dem Bild der
westdeutschen Hochschulen tilgt. Ausdrcklich schlieen die KMK und die
Landesrektorenkonferenz in NRW alle Manahmen aus, die nach eigenem
Eingestndnis wirklich die Studiensituation verbessern wrden, wie
Ausbau der Studienkollegs, verstrkte Beratung und v.a. finanzielle
Absicherung des Studiums. Doch soviel Geld ist das Schicksal der jungen
Auslnder nicht wert.

Bei alledem rhmt sich die KMK noch, da "im Vergleich zu andern
Industrielndern ... die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen einer
liberalen Auslnderpolitik seit langem besonders gnstige
Studienbedingungen fr Auslnder geschaffen" hat. Tatsache ist, da die
BRD im Vergleich etwa zu Frankreich und Grobritannien den niedrigsten
Anteil an auslndischen Studenten hat: Whrend 1980 in Frankreich
112.229 und in Grobritannien 86.779 auslndische Studenten
eingeschrieben waren, bildet die BRD mit 52.173 das Schlulicht.

In hchstem Ma beschmend ist die Tatsache, da ausgerechnet die
Universitten diejenigen Institutionen waren die als erste eine Art
Auslnderstopp  l NPD praktizierten. "Hier wird die von Politikern in
Sonntagsreden angeprangerte Auslnderfeindlichkeit hinter dem Rcken der
ffentlichkeit zum Gesetz" formulierte die Studentenpfarrerkonferenz in
einer Stellungnahme vom 26.3.81.

Ein Armutszeugnis in dieser Sache stellte sich die Studentenschaft in
der gesamten BRD aus, die bis auf wenige Ausnahmen so gut wie keinen
Protest gegen die auslnderfeindlichen und bornierten KMK-Beschlsse auf
die Beine brachte, geschweige denn ernst zu nehmenden Widerstand. Es
bleibt zu hoffen, da deutsche Studenten und ihre gewhlten
Vertretungsorgane zumindest jetzt in der Lage sind, breiten Protest und
Widerstand gegen die pseudowissenschaftlichen Propagandisten des
Rassismus an den Universitten zu entwickeln. Dies ist ein lngst
flliger Beitrag fr die internationale Solidaritt, vor der eigenen
Haustre mit volksverhetzenden und reaktionren Ideologien aufzurumen,
die auf ihre Weise eine ideologische Kriegsvorbereitung darstellen. Wie
dieser Kampf und die Verteidigung demokratischer Rechte aussehen kann,
hat der Mnchner Arbeitskreis "Mehr Auslnder an die Hochschulen!
Bekmpft die Nationalisierung der Wissenschaft!" gezeigt.

Anstelle eines Schluworts
[Foto: Transparent auf einer Demo: ,Schlu mit der Auslnderhetze"]


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Version: 2.6.3i
Charset: cp850

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