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Christa Wichterich schrieb am 25.05.07: > Aus CONTRASTE Nr. 268 (Januar 2007) > > Dissidente Praktiken > > Hannah Arendt sagt, dass das "Wunder der Freiheit" darin besteht, dass > Menschen Prozesse unterbrechen und einen Neuanfang machen koennen. Jede > Krise ist Niedergang und Erneuerung. Am Anfang des Sammelbands > dokumentieren zwei Berichte ueber lokale und nachbarschaftsbasierte > Initiativen in Detroit, einer Stadt auf dem Tiefpunkt industrieller und > sozialer Zerstoerung, diese Freiheit in einer Weise, die unter die Haut > der Zeit geht. Neuanfaenge von Menschlichkeit und Sozialem entstehen, > indem Jugendliche in sichtbare Projekte einbezogen, oeffentliche Raeume > z.B. durch Kultur wiederangeeignet und humane Beziehungen zwischen > Menschen und zur Natur wiederhergestellt werden. > > > Nahezu alle Beispiele und Ansaetze von Selbstorganisierung in dem > Sammelband sind aus gesellschaftlichen Krisen geboren. Sie versuchen > soziale und oekonomische Zusammenhaenge neu zu erfinden und Kooperation > als Form der Vergesellschaftung zu entwickeln. Sie stehen in dem > Widerspruch, subversiv und herrschaftskritisch sein zu wollen, aber als > Selbsthilfe und Eigeninitiative fuer den Sozialabbau und das > Armutsmanagement aeusserst funktional, ja herrschaftssichernd zu sein. > Stephan Lanz analysiert in einem Vergleich von Fabrikbesetzungen, > Kooperativen und einer Reggae-Gruppe in Argentinien und Brasilien, wie > unterschiedlich die herrschaftskritischen und emanzipatorischen Potentiale > sind. Alle bewegen sich in dem Dilemma, Elemente einer solidarischen > Alternative vorwegzunehmen und gleichzeitig aber verflochten mit dem > kapitalistischen Markt zu wirtschaften. > > > Ulla Peters unterscheidet drei Handlungsorientierungen in > Wirtschaftsalternativen: "Integration (verbessern, mit denselben Methoden > arbeiten), Alternative (Vision einer anders strukturierten Gesellschaft) > und Dissidenz (dem Gegenwaertigen Energie entziehen, stoeren)". Dissidente > Praktiken verschieben - im Sinne Holloways - > Machtverhaeltnisse, erweitern die Zwischenraeume innerhalb > kapitalistischer Herrschaft - ohne nach der Staatsmacht zu greifen. > Verschiebung von Kraefteverhaeltnissen schafft Raum fuer praktische > Erkundungen, fuer kleine Schritte ohne gleich grosse Gegenentwuerfe von > alternativer Oekonomie herstellen zu wollen. > > > In der Krise, so Irina Vellay, gewinnt die Gebrauchssphaere jenseits der > Kapitalverwertung und Warenform an Bedeutung. Selbstorganisation und > Selbsthilfe auf der > Grundlage von Zugangsrechten zu "Gemeinheiten" wie oeffentlichen Guetern > ermoeglichen dissidente Praktiken, die sich der Verwertungslogik zumindest > teilweise entziehen. In den Rissen der neoliberalen Verhaeltnisse laesst > sich so "von unten... Verfuegungsmacht ueber die eigenen > Existenzbedingungen" aufbauen. > > > Der Sammelband loest einen wichtigen Anspruch von Selbstorganisation ein: > sie braucht eine staendige Reflektion und selbst-kritische Debatte. Auch > wenn die Risiken der Kooptation und der Nischenexistenz gross sind, macht > er mit den Worten von Friederike Habermann deutlich: "Glokale Inseln einer > emanzipatorischen Lebensweise zu schaffen, ist unabdingbar bei der Suche > nach der neuen Welt." > > Christa Wichterich > > Stiftung Fraueninitiative, Carola Moeller, Ulla Peters, Irina Vellay > (Hg.): Dissidente Praktiken. Erfahrungen mit herrschafts- und > warenkritischer Selbstorganisation, > Ulrike Helmer Verlag, Koenigstein/Taunus 2006, 287 Seiten, 19,90 EUR > > ********************************************************* > CONTRASTE ist die einzige ueberregionale Monatszeitung > fuer Selbstorganisation. CONTRASTE dient den Bewegungen als > monatliches Sprachrohr und Diskussionsforum. > > Entgegen dem herrschenden Zeitgeist, der sich in allen > Lebensbereichen breitmacht, wird hier regelmaessig aus dem > Land der gelebten Utopien berichtet: ueber Arbeiten ohne > ChefIn fuer ein selbstbestimmtes Leben, alternatives > Wirtschaften gegen Ausbeutung von Menschen und Natur, > Neugruendungen von Projekten, Kultur von "unten" und viele > andere selbstorganisierte und selbstverwaltete > Zusammenhaenge. > > Desweiteren gibt es einen Projekte- und Stellenmarkt, > nuetzliche Infos ueber Seminare, Veranstaltungen und > Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt. > > CONTRASTE ist so buntgemischt wie die Bewegungen selbst und > ein Spiegel dieser Vielfalt. Die Auswahl der monatlichen > Berichte, Diskussionen und Dokumentationen erfolgt > undogmatisch und unabhaengig. Die RedakteurInnen sind selbst > in den unterschiedlichsten Bewegungen aktiv und arbeiten > ehrenamtlich und aus Engagement. > > Die Printausgabe der CONTRASTE erscheint 11mal im Jahr und > kostet im Abonnement 45 EUR. Wer CONTRASTE erstmal > kennenlernen will, kann gegen Voreinsendung von 5 EUR in > Briefmarken oder als Schein, ein dreimonatiges Schnupperabo > bestellen. Dieses laeuft ohne gesonderte Kuendigung > automatisch aus. > Bestellungen an: > CONTRASTE e.V., Postfach 10 45 20, D-69035 Heidelberg, Tel. > (0 62 21) 16 24 67, EMail: CONTRASTE@t-online.de > Internet: http://www.contraste.org > > Zusaetzlich gibt es eine Mailingliste. An-/Abmeldung und > weitere Informationen unter: > http://de.groups.yahoo.com/group/contraste-list > > Wenn Sie Ihr Abonnement fuer diese Gruppe kuendigen moechten, > senden > Sie eine E-Mail an: > contraste-list-unsubscribe@yahoogroups.de > > ************************************************************
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