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Archipel [Monatsblatt] > Nr. 150 (06/2007)
DOSSIER LANDWIRTSCHAFT: Tanken Sie Blut!
von Dominique Guillet | 2007-06-18
Zweiter Teil[*]: Äthanol - eine Schande
In Kolumbien ist Präsident Bush dabei, seine traditionell guten Beziehungen
zu Präsident Uribe zu festigen. Kolumbien ist ein Land, das verseucht ist
von Kokainschmugglern. Fälle von Machtmissbrauch durch Armee, Milizen und
Guerilleros gegen die Bevölkerung sind an der Tagesordnung. Kolumbien
produziert eine Million Liter Äthanol pro Tag und plant die Errichtung von
27 neuen Kraftwerken.
Kürzlich haben wir einen Film entdeckt, der die Leiden einiger indigener
Völker in diesem Land beschreibt. Wir haben dort gesehen, wie ganze
Bevölkerungen mit Flugzeugen und Hubschraubern bombardiert wurden. Sobald
die Überlebenden ihre Dörfer verlassen haben, wird ihr Land konfisziert, der
Wald abgeholzt und Palmölplantagen angelegt. Diese dienen dann der
Produktion von pflanzlichem Diesel für die Reichen.
In Brasilien, dem Äthanolproduzenten Nummer 1 auf der Welt, hat Präsident
Bush soeben ein historisches Bündnis mit Präsident Lula geschlossen, mit dem
Ziel eine «OPEC des Äthanols» zu gründen. Die Industriellen reiben sich die
Hände, denn ihnen schwebt eine 55-prozentige Steigerung der Anbauflächen für
Zuckerrohr vor, um die Nachfrage aus Europa und den USA abzudecken. In
Brasilien ist die Äthanolproduktion in den 70er Jahren unter der
Militärdiktatur eingeführt worden. Präsident Lula spricht von einer
Energierevolution, einige Organisationen hingegen von einer humanitären
Katastrophe und von Sklaverei. Ungefähr 200'000 Migranten schneiden das
Zuckerrohr mit der Machete, 12 Stunden am Tag, bei Gluthitze und zu einem
Hungerlohn. Nachts schlafen sie zusammengepfercht in schmutzigen Baracken.
Jedes Jahr sterben einige dieser «Sklaven-Migranten» an Hitzschlag oder
Erschöpfung. Das sind dann die Kollateralschäden des grünen Goldfiebers. Was
ist denn schon der Preis so eines «Sklaven-Migranten» in den
Zuckerrohr-Monokulturen? Er figuriert nicht einmal auf den
Abschreibungslisten... Die Abholzung des Urwaldes ist ein weiterer
Kollateralschaden, und wenn man bedenkt, dass «Silva» Wald bedeutet, tut der
brasilianische Präsident seinem Namen keine Ehre. Die Regenwälder werden
noch stärker zerstört, um genverändertes Soja, Zuckerrohr oder Palmöl für
die Kraftstoffe der reichen Länder anzubauen.
Ist nun das französische Unternehmen Tereos in Brasilien in moderne
Sklaverei auf den Zuckerrohrplantagen verstrickt oder produziert es
unbedenkliches Äthanol? Ist das Unternehmen an der Urwaldabholzung beteiligt
oder betreibt es Wiederaufforstung von einheimischen Baumarten? (Allerdings
sind die Böden total zerstört.)
Jungfräulicher Boden für Treibstoffgewinnung
Lateinamerika hat ein enormes Potenzial für eine zukünftige
Äthanolgewinnung. Olivier Combastet, ein französischer Bankier, der den
Investfonds Pergam Finance lanciert hat, stellt fest, dass «Hunderte von
Hektar mit Mais und Soja, z.B. in Uruguay, zur Verfügung stehen, Dies kann
einem Vorkommen von Treibstoff wie Äthanol gleichgesetzt werden, wofür die
Nachfrage ja ständig steigt.»
Alle großen Prinzen der Petrochemie und der Hochfinanz schielen gierig nach
Lateinamerika, um die schlafende Schöne der Ölbarrels zu wecken.
Tatsächlich schätzen Experten, dass 15 bis 20 Millionen Hektar Agrarfläche
in Südamerika zum Verkauf bereit stehen. Die Pariser Nationalbank hat das
gute Geschäft wohl begriffen, wenn sie schreibt, dass «landwirtschaftliche
Grundprodukte extrem günstige Aktiva darstellen. Die Nachfrage explodiert
und das Angebot wird schwächer. Ihre Situation ist vergleichbar mit
derjenigen des Erdgases im Jahr 2000: Verdreifachung der Kurse aufgrund
eines sehr kalten Winters und einer Trockenheit, welche die Kapazität der
Wasserkraft eingeschränkt hat.»
In Asien führt der Wettlauf um das grüne Öl zur Katastrophe. Der
Organisation «Freunde der Erde» zufolge plant die Regierung von Indonesien
die Zerstörung von 16,5 Millionen Hektar tropischem Regenwald, um Ölpalmen
anzupflanzen. In Malaysia sind es 6 Millionen Hektar, in Sumatra und Borneo
etwa 4 Millionen, die in Palmölplantagen umgewandelt werden sollen. Sogar
der berühmte Tanjung Puting-Nationalpark auf Kalimantan ist in Stücke
zerschnitten worden. Tausende von Einwohnern der Region sind von ihrem Land
vertrieben worden und an die 500 Indonesier sind gefoltert worden, weil sie
es gewagt hatten, sich zu widersetzen. Die ganze Region ist dabei zu einem
riesigen Pflanzenölfeld zu werden. Pflanzendiesel für den europäischen
Markt.
Im französischen Verlag Calmann-Levy ist kürzlich eine Publikation mit dem
Titel «Ces forêts qu'on assassine» erschienen, in der die Primatologin
Emanuelle Grundmann den Skandal der Palmölplantagen aufzeigt.
Totalitarismus des Äthanols
Wer sind eigentlich die großen Humanisten, die Blut und Wasser schwitzen, um
gegen die Klimaerwärmung zu kämpfen? Immer die Selben! Die klare Antwort
gibt uns Frau Dilma Rousseff (Stabschefin des brasilianischen Präsidenten),
indem sie sagt, dass die Pflanzentreibstoffe ein «Ausdruck der innigen
Beziehung zwischen Agrar- und Ölindustrie sind». Vergessen wir auch nicht
die biotechnologische Industrie - es ist eine Dreierbeziehung.
Der Ölkonzern BP schließt sich mit dem chemischen und biotechnologischen
Unternehmen zusammen
DuPont zusammen, um eine neue Generation von Pflanzenkraftstoff zu
entwickeln. DuPont hat 1999 die Nummer eins in der Produktion von
Hybridmais, das Unternehmen Pioneer HiBred, aufgekauft. DuPont war Anfang
des 20. Jahrhunderts der größte Waffenexporteur in die USA. Zurzeit ist
DuPont der zweitgrößte Saatgutkonzern und der viertgrößte Agrochemiekonzern.
DuPont vermarktet eine Sojasorte, die resistent gegen das hauseigene
Pestizid «Synchrony» ist. Was für ein schöner Name für ein systemeigenes
Herbizid!
Toyota schließt sich mit BP zusammen, um in Kanada Äthanol aus Zellulose
herzustellen, die aus Abfällen stammt. VW hat soeben einen Vertrag mit einem
Nahrungsmittelmulti abgeschlossen (Archer Daniels Midland Company). Royal
Dutch Shell ist dabei, eine zweite Generation von Agro-Treibstoffen zu
entwickeln und versucht, Äthanol aus Lignin und Zellulose herzustellen.
Cargill, das große Agro- und Nahrungsmittelunternehmen, fängt an,
Pflanzendiesel herzustellen, usw. ... Die Politiker brüsten sich immer noch
damit, dass wir durch die Pflanzenkraftstoffe unsere Unabhängigkeit im
Energiebereich wahren können. Man wird uns entgegnen, dass hier der Ton
etwas gemäßigt werden sollte. Zum Beispiel sollte man bei der Erwähnung der
Agro-Treibstoffe der zweiten Generation «vermeiden helfen, sie in Konkurrenz
zur Nahrungsproduktion zu stellen». Aber wer redet denn davon, uns ist doch
eingetrichtert worden, dass das sowieso nicht der Fall ist. Wir geraten da
in dieselbe Dialektik wie bei den genmanipulierten Organismen. Die
Versicherungsgesellschaften weigern sich, die GVO in der Landwirtschaft zu
versichern, obwohl doch offiziell keinerlei Gefahr für die Gesundheit, die
Gesellschaft, die Landwirtschaft besteht, obwohl die genetischen Strukturen
nicht verseucht werden und nichts vergiftet wird. Es ist komisch, dass in
einer liberalen Gesellschaft die Versicherer ein nicht vorhandenes Risiko
nicht versichern wollen, woran sie doch nur verdienen könnten. Die
Agro-Kraftstoffe der zweiten Generation sollen aus Biomasse sein: Holz,
Stroh, Abfälle aus Landwirtschaft und Nahrungsproduktion und von tropischen
Pflanzen.
Die grüne Revolution hat bereits so beschämenden Unsinn hervorgebracht wie
die Verkürzung der Getreidestängel um die Hälfte bis zwei Drittel. Je
weniger Stroh, desto weniger Kompost gibt es, außerdem weniger Nahrung für
Tiere, d.h. weniger Mist. Nun raten Sie mal, wer sich bei den Landwirten
angeboten hat, hier in die Bresche zu springen? Immer dieselben: Monsanto,
Bayer, Syngenta, DuPont usw., die großen Wohltäter, die zu konkurrenzlos
niedrigen Preisen Kunstdünger und Pestizide anboten. Und nun, 40 Jahre
später, sind es wieder dieselben, die entschieden und nachhaltig das
Hungerproblem auf der Welt lösen wollen, indem sie ihre zweifelhaften
Geschäfte mit Saatgut betreiben.
Die Sache ist ganz einfach: Alle Biomasse, die für die Äthanolproduktion
verbrannt wird, kehrt nicht mehr in die Erde zurück. In einer gemäßigten
Zone braucht das Ökosystem 500 Jahre, um 2,5 cm Boden zu bilden.
Wir wiederholen, dass jede Sekunde 2420 Tonnen Boden in die Weltmeere
gespült werden. Während Sie diesen Satz lesen und geistig verarbeiten, sind
schon wieder 10.000 Tonnen Erde für immer im Ozean verschwunden. Um die
Bedeutung dieser Aussage zu verdeutlichen, sei daran erinnert, dass eine
Tonne 1000 Kilogramm entspricht.
Und die lokalen Märkte? Nach der Lektüre dieses Artikels haben uns Freunde
geschrieben, um uns von lokaler Pflanzenölproduktion zu berichten. Dass sie
den Anbau von Ölpflanzen in Erwägung ziehen, um etwas gegen den
zerstörerischen Verbrauch von Holzkohle und die Abholzung der Wälder zu
unternehmen. Sie erwähnen das Beispiel Kambodschas, dessen Ernährungslage
vollkommen ungesichert ist. Was kann man dagegen sagen? In Frankreich
entstehen lokale Netzwerke für die Produktion von Biodiesel. Unsere Frage
ist nur: Auf welchen Grundlagen? Wir haben alle möglichen Artikel über
lokale Ölproduktion durchgelesen, sie empfehlen den Anbau von Sonnenblumen,
weil diese am wenigsten Zusätze benötigen. Der Ausdruck «Zusatz» bringt es
auf den Punkt: Man steckt etwas hinein, um etwas herauszuholen. In der
Landwirtschaft ist das offensichtlich, Zusätze braucht es, wenn etwas fehlt,
sonst gibt es nichts herauszuholen. Dies entspricht unserem westlichen
Verständnis. Es muss etwas zum Herausholen geben. In unserem Beispiel holt
man woanders (am besten in einem armen Land, da ist es billiger) Biomasse
heraus, um sie bei uns dem Feld zuzufügen, auf welchem man Ölpflanzen
anbauen will.
2420 Tonnen Boden verschwinden jede Sekunde im Meer. Unsere dringlichste
Aufgabe sollte es sein, Humus zu produzieren. Wir sollten all unser
menschliches Genie darauf verwenden, um Humus zu produzieren. Dafür muss man
selbstverständlich Pflanzen wachsen lassen. Aber müssen es auf unserem
verhungernden Planeten denn unbedingt Ölpflanzen sein, deren Biomasse nicht
mehr in die Erde zurückkehrt?
Dies ist sicher auch eine Frage der Ethik und der Solidarität, und das
übersteigt den Rahmen dieses Artikels. Hier in Frankreich sind wir auch an
der falschen Stelle, um jemanden zu belehren. Frankreich ist der drittgrößte
Waffenexporteur. Die westliche Zivilisation zerstört ihre Böden und gibt
jedes Jahr Milliarden für todbringende Technologien aus. Die westliche
Gesellschaft ist eine todbringende Gesellschaft.
Gentechnische Hirngespinste
Die großen Gewinner dieses landwirtschaftlichen Jahrhundertbluffs sind
natürlich die Gentech-Konzerne. In den USA sind 70 Prozent der Mais-und
Sojapflanzen gentechnisch verändert. In Südamerika hält Monsanto alles in
der Hand mit seinem genmanipulierten Soja, das resistent ist gegen
«Round-up», ein Herbizid, das in schlimmster Weise krebsfördernd ist und
Missbildungen hervorruft.
Die Gentech-Konzerne sind dabei, Sorten zu testen, die speziell für die
Produktion von Agro-Treibstoffen konzipiert sind. So entwickelt Monsanto
etwa in den Laboratorien von Lockheed Martin eine Maissorte, die
ausschließlich für die Produktion von Pflanzenkraftstoffen vorgesehen ist.
Ebenso Syngenta, die das Enzym Alpha-Amylase in die Maissorte 3272
eingepflanzt hat. Alpha-Amylase ist ein starkes Allergen, man wagt sich kaum
vorzustellen, was passiert, wenn die Gene dieses Enzyms in die Nahrungskette
gelangen. Erinnern wir uns an die Dramen um die Maissorte StarLink aus den
USA.
In den Vereinigten Staaten ist eine ganz hirnrissige Zuckerrohrsorte
präsentiert worden: Sie enthält ein menschliches Gen - für therapeutische
Zwecke, nicht für Äthanol. Wahrscheinlich hätte da sogar ein Motor
angefangen zu stottern. In Brasilien liegt der Anbau von genmanipuliertem
Zuckerrohr in der (mit Round-up verpesteten) Luft. Die Gesellschaft «Centro
para la Tecnologia de la Caña» (CTC) hat am 20. März 2007 von der Kommission
für biologische Sicherheit die Genehmigung bekommen, Freilandversuche mit
einer genmanipulierten Zuckerrohrsorte zu machen. Diese Sorte würde 15
Prozent mehr Zucker produzieren. Nach Angaben des brasilianischen
Unternehmens ist diese Sorte bereits intensiv in abgeschirmtem Milieu
getestet worden. Das CTC wartet auf Genehmigung für zwei weitere veränderte
Sorten. Die Firma hat für die nächsten Jahre intensive Freisetzungsversuche
geplant und will im Jahre 2010 ihre manipulierten Zuckerrohrsorten auf den
Markt bringen. Sie sind nicht die einzigen. Eine brasilianische Firma namens
Allelyx wartet auf die Genehmigung der Kommission für mehrere genveränderte
Sorten, auch eine Firma namens Embraqa zeigt sich sehr interessiert.
Laut Gerüchten hat sich Monsanto bereits mit zwei Firmen zusammengetan, um
genverändertes Zuckerrohr auf den Markt zu bringen. Ein Sprecher von
Monsanto hat erklärt, dass es Entwicklungsstudien gibt, da es ein
interessanter Markt ist, aber noch nichts Konkretes und auch nichts
Offizielles vorliegt... Man darf sich da nichts vormachen, sie basteln
sicher schon seit zehn Jahren in ihren Laboratorien an Zuckerrohr herum.
Wenn es dann so weit ist, wird der Konsument wie üblich vor vollendete
Tatsachen gestellt.
In Europa hat die Vereinigung der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie der EU
(CIAA) bei der Europäischen Kommission die Bewilligung beantragt, neue
genveränderte Rapssorten für die Produktion von Pflanzendiesel zu
importieren. In Malaysia haben die Zauberlehrlinge die Ölpalme nicht
vergessen. In den tropischen Ländern ist dieser Baum für Pflanzendiesel
gleichbedeutend wie das Zuckerrohr für das Äthanol. Im Jahr 2000 verkündeten
sie ihre ersten Erfolge mit Gentransfers. Zum Glück haben es diese Bäume mit
dem Wachsen nicht so eilig: Die ersten genveränderten Ölpalmen sind nicht
vor 2020 angekündigt.
Man braucht kein Wahrsager zu sein, um die Gefahr durch das Einschleichen
von Gentechnik über die Hintertür der Pflanzenkraftstoffe vorauszusehen.
Es ist richtig, dass sich in Frankreich die Mehrheit der Politiker für ein
Moratorium für genveränderte Organismen ausspricht. Hoffen wir, dass sie
auch die Kraftstoffe mit einbeziehen.
Wir hoffen vor allem, dass der vom Volk gewählte Präsident seine Versprechen
hält. Erinnern wir uns, der brasilianische Präsident Lula da Silva wurde in
seiner ersten Amtszeit mit dem Versprechen gewählt, dass es niemals
genmanipulierte Organismen in seinem Land geben werde. Das war doch ein
schönes Märchen, oder vielleicht eher ein Horrorfilm?
Ein Tsunami für die Ernährungssituation
Man kann nicht oft genug wiederholen, dass es den kapitalistischen
Unternehmen nicht darum geht, Nahrungsmittel zu produzieren oder Treibstoffe
oder Dienstleistungen. Sie wollen lediglich Geld vermehren und Gewinne
erzielen, um etwas anderes geht es ihnen nicht.
Mit dem Wahnsinn der Pflanzentreibstoffe beteiligen wir uns am Horror der
Kapitalzusammenführung der Agrochemie, der «Nekro-Technologien», der
Nahrungsmittelindustrie und der Ölgesellschaften, alles mit der
wohlwollenden Komplizenschaft der Regierungen.
Wenn die Produktion von Pflanzentreibstoffen mehr Profit verspricht als die
Produktion von Nahrungsmitteln, dann wird sich das Großkapital auf die
Treibstoffe konzentrieren.
In einer Unterstützungsschrift für das Kokopelli-Netzwerk schreibt Pierre
Rabhi von einem «Tsunami der Ernährungssituation». Mit 36.000 Hungertoten
pro Tag kann man vom Planeten Erde im Hungerzustand sprechen. Wenn man sich
den Vergleich erlauben darf, entspricht diese Zahl der zwölffachen Anzahl
der Opfer vom 11. September 2001.
Kaum jemand interessiert sich für Hungertote und kaum jemand spricht von den
Opfern von Malaria oder unsauberem Trinkwasser. Menschliches Leben hat
keinen Marktwert.
Die Agro-Treibstoffe sind eine Schande mehr, die von der westlichen
Gesellschaft in die Welt gebracht wird. Sie werden den Hungerzustand dieser
Erde noch verschlimmern.
Das Großkapital und die Klimaerwärmung
Das Thema der Klimaerwärmung wird so groß aufgezogen, dass man meinen
könnte, das Großkapital hätte es selbst erfunden und mit einem eigenen Label
versehen.
Zuerst hat es jahrzehntelang daran gearbeitet, diesen schönen Planeten in
eine Müllkippe zu verwandeln, jetzt droht es, einer plötzlichen Eingebung
folgend, mit den Klimaveränderungen. Die Regierungen und einige Medien
machen da brav mit. In seiner großen Wohltätigkeit bietet das Großkapital
eine Lösung an: die grünen Treibstoffe.
Dank einer breit angelegten Einlullungskampagne häuft das Kapital Dividenden
an, gibt sich ein grünes Image, häuft noch ein bisschen mehr an und lacht
sich ins Fäustchen.
Dominique Guillet
(Verein Kokopelli 24.3.2007)
[*] Erster Teil: Die Tragödie der «Nekrotreibstoffe», Archipel Nr. 149
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