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Fw: [ASG] Wirtschaft und Lebensweise ökologisch umbauen: Das Umwelt-Programm der neuen Linkspartei

http://www.asg-wahlalternative.de/uploads/media/gruendungsprogramm_20050122.pdf

Wirtschaft und Lebensweise ökologisch umbauen

  1. Zukunftsfähige Wirtschaft

Beschäftigung schaffendes wirtschaftliches Wachstum muss keineswegs mit wachsendem Ausstoß von Schadstoffen oder einem wachsenden Verbrauch von nicht regenerierbaren Rohstoffen oder Energieträgern verbunden sein. Ressourcen sparende technische Innovationen, betriebswirtschaftliches Kostendenken bei steigenden Preisen natürlicher Ressourcen und die Entwicklung in Richtung einer Dienstleistungs-, Wissensund Informationsgesellschaft ermöglichen es immer mehr, wirtschaftliches Wachstum vom Verbrauch natürlicher Ressourcen zu entkoppeln.

Die gegenwärtige Wirtschafts- und Lebensweise ist ökologisch nicht zukunftsfähig. Die entwickelten Länder müssen ihren Ausstoß an Treibhausgasen und damit ihren Verbrauch an Öl, Kohle und Gas drastisch reduzieren. Wir brauchen erhebliche Energieeinsparungen und einen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Zugleich muss der Ausstieg aus der Atomenergie beschleunigt werden. Die Energieversorgung der Zukunft wird größtenteils auf Sonnenenergie beruhen. Dies muss schon heute entschieden vorangetrieben werden, auch durch große internationale Kooperationsprojekte. Damit wird vielen internationalen Auseinandersetzungen und Kriegen um Ressourcen die Grundlage entzogen.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen die gesamten Stoff- und Verkehrsströme und der Ausstoß von Schadstoffen reduziert werden. Für Atomausstieg und solare Energiewende, für eine Chemiewende und eine ökologische Abfall- und Kreislaufwirtschaft, für den Umstieg auf öffentliche Verkehrssysteme und den Verkehr mindernden Umbau der Siedlungsstrukturen, für Naturschutz, ökologischen Landbau und intelligente ökonomisch- ökologische Regionalisierungsstrategien brauchen wir eine gezielte und aktive Politik des ökologischen Umbaus der Industriegesellschaft.

Damit privatwirtschaftliche Betriebe ihre Anstrengungen zur Einsparung natürlicher Ressourcen verstärken, müssen die Kosten für Rohstoffe und nicht erneuerbare Energie steigen und die Kosten für erneuerbare Energie und für umweltverträglichere Produktionstechniken und Verkehrsmittel gesenkt werden. Dies wollen wir durch eine ökologische Steuerreform, mit der der Verbrauch natürlicher Ressourcen verteuert wird, die gezielte Förderung regenerativer Energien und Techniken sowie ein ökologisch ausgerichtetes Zukunftsinvestitionsprogramm erreichen.

Die Besteuerung des Ressourcenverbrauchs ist nicht nur aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen notwendig, sie ist auch in höchstem Maße gerecht, denn auf die Nutzung der natürlichen Ressourcen haben alle Menschen, die heute wie zukünftig lebenden, das selbe Anrecht. Ihre Nutzung zum Zwecke der Gewinnerwirtschaftung kann daher nicht frei sein.

Von besonderer Bedeutung ist die Verbindung mit einem groß angelegten öffentlichen Zukunftsinvestitionsprogramm. Nur so können die großen Potenziale des ökologischen Umbaus für mehr und zukunftssichere Beschäftigung verwirklicht werden. Nur so kann erreicht werden, dass das mit einem ökologischen Umbau auch verbundene Schrumpfen bestimmter Produktionen nicht zu regionalen und sozialen Krisen führt.

2. Umweltschutz verstärken

Wir streben die staatliche Unterstützung von Forschungsprojekten im Rahmen der Technologiefolgenabschätzung sowie die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben bezüglich ökologisch nachhaltiger Produkt- und Prozessinnovationen an. Wir müssen zu einer Strategie des konstruktiven Umweltschutzes übergehen, das heißt, schon in der Konstruktions- und Planungsphase müssen möglichst alle ökologischen Wirkungen und Folgewirkungen von Produkt- oder Prozessinnovation berücksichtigt werden. Der gesamte Lebenszyklus eines Produktes muss Gegenstand (auch) staatlicher Innovationsförderung und entsprechender Forschung und Entwicklung sein.

Staatliche Förderprogramme zur Erforschung und Entwicklung sowie zur Markteinführung regenerativer Energiesysteme müssen massiv verstärkt werden (thermische und photovoltaische Sonnenkollektoren, Brennstoffzellen, Wasserstoffnutzung, Windkraft, Erdwärme, Wasser- und Wellenkraft, Biomasse etc.). Das Instrumentarium reicht hier von Steuerbefreiungen bis hin zu direkter Subventionierung ökologisch nachhaltiger Produkte und Produktionsprozesse, umfasst aber auch die sukzessive Streichung von ökologisch schädlichen Subventionen.

In der Energiewirtschaft ist der Wettbewerb auf das Ziel einer fortschreitenden Einsparung und regenerativen Erzeugung von Energien auszurichten. Wir fordern als Grundlage dafür die Vergesellschaftung der Netze unter Beteiligung von Bund, Ländern und Gemeinden, die von vielen Kommunen, Stadtwerken und Ökostromanbietern schon lange Zeit gefordert wird.

Ein verstärktes staatliches Engagement ist auch bei der Konzipierung und dem Ausbau eines energiesparenden öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs erforderlich. Bei der Bahn müssen Pünktlichkeit und verlässliche Anschlüsse in einem möglichst flächendeckenden Netz Vorrang haben. Der Bund muss Mehrheitseigner der Bahn bleiben, insbesondere auf das Netz muss der Staat bestimmenden Einfluss haben. In diesem Zusammenhang lehnen wir auch die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen in den Bereichen Verkehr, Energie, Wasser und Abfall entschieden ab.

Kommunale Flächennutzungs- und Siedlungspläne müssen den ökologischen Anforderungen Rechnung tragen. Die Siedlungsstrukturen und unser Städtebau sind so auszurichten, dass vermeidbarer Verkehr reduziert wird. Böden sind eine entscheidende und unersetzbare Lebensgrundlage. Sie sind sparsam zu nutzen, Eigentums- und Nutzungsrechte sind sozial zu gestalten. Wir wenden uns gegen eine Privatisierung der Staatsforsten.

Ökologische Lenkungssteuern oder öffentliche Förderprogramme und Investitionen können in vielen Bereichen notwendige Ge- und Verbote nicht ersetzen. Die Produktion bestimmter Stoffe (wie z.B. Weichmacher und bestimmte Chlorprodukte) sowie bestimmte Produktionsprozesse (Erzeugung von Elektrizität durch Atomkraftwerke, Fischfang mit zu engmaschigen Netzen etc.) können damit nicht verhindert werden. Hier helfen nur sachgerechte, genau spezifizierte Verbote.

3. Ökologisierung der Landwirtschaft und Tierschutz

Die schon in Gang gesetzte Ökologisierung der Landwirtschaft muss weiter forciert und sozial ausgestaltet werden. Die hochgradig industrialisierte Landwirtschaft in Deutschland wie in der Europäischen Union ist auf dem Weltmarkt nur aufgrund hoher Subventionierung und Schutzzölle konkurrenzfähig. Diese Subventionen sind Schritt um Schritt an Kriterien einer ökologischen Landwirtschaft zu binden und immer weniger an jene einer industrialisierten Land- und Viehwirtschaft. Die marktbeherrschenden Lebensmittelkonzerne und Handelsketten müssen in diesen Umbauprozess einbezogen werden, damit eine regionalisierte und verbrauchsnahe Lebensmittelversorgung realisiert werden kann.

Wir lehnen vor diesem Hintergrund die Einführung genmanipulierter Lebensmittel ab. Das agrarwirtschaftliche Hauptproblem in der EU ist die Überschussproduktion und nicht etwa ein Nahrungsmittelmangel. Auch international werden schon heute mehr als genug Lebensmittel produziert. Der Hunger in der Welt ist ein reines Problem der Verteilung (von Land, Landmaschinen, landwirtschaftlicher Technik, Know-how, finanziellen Ressourcen, heimischen und internationalen Märkten, Marktzutrittschancen und Kaufkraft). Diese Verteilungsprobleme können durch die Nutzung der Gentechnik in keiner Weise gelöst werden.

ASG setzt sich für den Schutz der natürlichen Lebensräume der Tiere ein. Wir fordern die Abschaffung nicht medizinisch notwendiger Tierversuche und den Schutz der Tiere vor vermeidbaren Leiden sowie eine artgerechte Tierhaltung. Wir fordern die Einführung des tierschutzrechtlichen Verbandsklagerechts in Bund und Ländern.

4. Verbraucherschutz verbessern

Der beste Verbraucherschutz ist eine Ökologisierung der Landwirtschaft und der ökologische Umbau der Industriegesellschaft insgesamt. ASG tritt zudem ein für die verstärkte staatliche Förderung von Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen, ihrer Forschung, Konsumguttests und Publikationen. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen uneingeschränkt Zugriff auf sämtliche Forschungsergebnisse aller staatlichen oder staatlich geförderten Forschungsinstitute sowie auf Informationsdatenbanken entsprechender Behörden haben. Alle vorhandenen oder neu hinzukommenden chemischen Substanzen, alle genmanipulierten Lebewesen samt ihrer Produkte (Insulin etc.) und alle Strahlung, Lärm oder sonstige mögliche Gefahrenquellen emittierenden technischen Geräte müssen von unabhängigen Forschungsinstituten auf Kosten der Herstellerfirmen dieser Substanzen und Produkte auf humanmedizinische und ökologische Verträglichkeit und Unbedenklichkeit geprüft werden.

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www.asg-wahlalternative.de

14.03.05    Pressestelle <freimut.bitknecht@web.de>
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