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Die kommunistische Bewegung gründet eine "Europäische Linkspartei"
Fünfzehn Parteien der kommunistischen Bewegung aus elf Ländern haben am
8./9. Mai 2004 in Rom einen Kongress abgehalten, um eine Europäische
Linkspartei (ELP -- European Left Party) zu gründen. Die Partei der
Kommunistischen Neugründung (PRC, auch Rifondazione genannt), die zum
Kongress einlud und ihn organisierte, hatte der Versammlung einen schönen
Auftritt verschafft, der die Hoffnung und das gute Einvernehmen
symbolisieren sollte. Der Versuch, auch die Parteien der radikalen Linken
einzubeziehen, ging in die Hose. Die zwanzig ebenfalls eingeladenen
kommunistischen und fortschrittlichen Parteien (neben denen der ELP der EU)
verschafften dem Kongress einen Hauch von Internationalismus und betonten
den Wert der internationalen Beziehungen der neuen europäischen politischen
Formation. Insgesamt jedoch blieb das Profil der ELP das der kommunistischen
Welt und ihrer zahlreichen Untergruppen.
Von François Vercammen
Der Kongress hat seine drei Ziele realisiert: a) Statuten anzunehmen (mit
drei Enthaltungen und elf Gegenstimmen; b) ein Manifest abzustimmen
(einstimmig bei vier Enthaltungen) und c) eine erste Liste der Parteien, die
offiziell die ELP bilden, anzunehmen, die den Bedingungen einer Anerkennung
durch die Europäische Union genügt. [1]
Nun befindet sich die ELP in der Realität einer neuen Gruppierung, ihren
Widersprüchen, ihren Orientierungen, ihren Bündnissen, ihrer
organisatorischen Kohärenz. Wie sagte doch Bertinotti, der frisch gekürte
Vorsitzende der ELP: "Es handelt sich um ein schwieriges, aber nützliches
und notwendiges Unternehmen."
Was bedeutet die ELP in der politischen Landschaft der europäischen Linken?
EINE SCHWIERIGE GEBURT
Es wurden zwei Gründungsdokumente angenommen: die Statuten, deren Präambel
wichtig ist, weil darin die politische Natur einer Partei zum Ausdruck
kommt, sowie das Manifest, das länger und konkreter ist und Politik und
Taktik explizit entwickelt.
Zwischen beiden gibt es einige Unterschiede, die Statuten sind deutlich
gemäßigter als das Manifest. Ein Grund liegt sicherlich in der
unterschiedlichen Zielrichtung: die Statuten müssen der Präsidentschaft des
Europäischen Parlaments vorgelegt werden, damit die Partei als "europäische
Partei" anerkannt werden kann, während sich das Manifest an die
Öffentlichkeit und die Mitgliedschaft wendet. Wahrscheinlich ist es kein
Zufall, dass die deutsche PDS die Abfassung der Statuten übernommen hatte,
während das Manifest von Rifondazione erarbeitet wurde. Die PRC hat ihre
Duftmarke bei Ton und Inhalt mit radikaleren politischen Formulierungen
gesetzt. In einigen dieser Formulierungen erinnert der Text so an die
Erklärungen der europäischen antikapitalistischen Linken. (EAL) [2]
Wir dürfen nicht vergessen, dass die beiden Texte den kleinsten gemeinsamen
Nenner zwischen den verschiedenen Parteien darstellen. Jede der
Mitgliedsparteien hat ihre Analysen und ihre eigenen Orientierungen, die
ihre eigentliche Politik begründen. In der langen Krise des Poststalinismus
haben sich diese Parteien fortwährend ideologisch diversifiziert -- sowohl
untereinander, aber auch in ihrem Innern. Die angenommen Texte sind keine
obligatorischen "Resolutionen". Die Erarbeitung ging soweit, dass zu Beginn
Kompromisse zwischen den wichtigsten Parteien geschlossen wurden, die eine
Auslese der wichtigsten Programmpunkte veranstaltet haben. [3]
Das Hauptinteresse an den erarbeiteten Dokumenten sollte nicht darin liegen,
die inneren Widersprüche der ELP herauszuarbeiten. Sondern wie nach Annahme
der Dokumente die ELP wirklich als "europäische Partei" zu wirken gedenkt.
ZWISCHEN DER NEOLIBERALEN UND DER ANTIKAPITALISTISCHEN LINKEN
In ihren Texten stellt sich die ELP links von der neoliberalen
Sozialdemokratie (und sicherlich auch den Grünen in Deutschland) auf. Aber
sie unterscheidet sich genauso deutlich von der antikapitalistischen Linken.
Mit dieser gibt es Übereinstimmungen (zumindest bei einigen
Mitgliedsparteien) in der Analyse des heutigen Kapitalismus, der täglichen
Umsetzung dieser Analysen und der gegenüber der Gesellschaft zu pflegenden
Sprache, der Beachtung der neuen Protestbewegungen, sowie ein breites Feld
von Forderungskatalogen, die es ermöglichen, zusammen zu handeln und auf
nationaler und europäischer Ebene zusammenzuarbeiten. Diese
Übereinstimmungen zeigen sich aber auf sehr ungleiche Weise. Wir stellen
aber auch bedeutsame Meinungsverschiedenheiten fest. Die wichtigste bezieht
sich insbesondere auf die Regierungsfrage und den bürgerlichen Staat. Die
stalinistische Tradition hat (in den dreißiger Jahren, zur Zeit der
"Volksfronten") die Möglichkeit als "Ausnahme" eingeräumt, auf
Regierungsebene mit der Sozialdemokratie und den Parteien des Großkapitals
zusammenzuarbeiten. Sodann hat der Eurokommunismus seit Beginn der siebziger
Jahre dieses banalisiert. Kein Prinzip hindert die kommunistischen Parteien,
besonders die offensten und am meisten entstalinisierten, auf diesem Wege
fortzufahren, bis sie womöglich zu einer Art neoliberaler Sozialdemokratie
werden. Es ist diesbezüglich symptomatisch, dass man in den beiden Texten
nur eine einzige Referenz auf die alte Zweite (sozialdemokratische)
Internationale findet, darüber hinaus handelt es sich noch um einen völlig
verdrehten Satz: "Das sozialdemokratische Konzept eines dritten Weges in
Europa ist gescheitert, weil es dieser Entwicklung keinen Widerstand
entgegen setzte (es geht hier um die neoliberale Politik, die Kriege usw.)
und tatsächlich hat es sie begünstigt. Dies ist alles, während wir in den
vergangenen zwanzig Jahren die größte programmatische, soziale und
organisatorische Wandlung der Sozialdemokratie seit 1914 erlebt haben, mit
vielfältigen Konsequenzen. Dies ist alles über eine Sozialdemokratie, die
ihre eigene gesellschaftliche Basis, die damit verbundenen Organisationen
und die aktiven Kräfte angegriffen hat und die mitnichten bereit ist, vom
neoliberalen System zu lassen.
ANTIKAPITALISTISCH?
Die Texte des Kongresses von Rom muss man unbedingt lesen -- und zwar mit
Vernunft, also ohne den ideologischen Zwang der marxistisch-kommunistischen
Tradition des vergangenen Jahrhunderts. Die Dokumente enthalten eine solide
Dosis Pragmatismus. Sie wurden "nach Maß" gearbeitet, um bestimmte Parteien
einzufangen oder fernzuhalten. Am Anfang des Vorbereitungsprozesses standen
der Kompromiss und nicht offen diskutierte Prinzipien.
Trotzdem sollte man dies nicht verachten. Denn die Texte wurden heftig
diskutiert. Eine Anekdote: Während die Versammlung des Kongresses eine ganze
Reihe von Deklamationen der Tenöre der verschiedenen Parteien anhörte,
trafen sich im Keller desselben Gebäudes zwei "Arbeitsgruppen", wo die
wirkliche Diskussion abging.
Man darf also den ersten Satz der Präambel nicht unterschätzen -- der
gleichwohl Rätsel aufgibt: "Wir vereinigen demokratische Parteien der
alternativen und fortschrittlichen Linken auf dem europäischen Kontinent,
die an einer kohärenten Veränderung der gegenwärtigen
Gesellschaftsbeziehungen in Richtung einer friedlichen und sozial gerechten
Gesellschaft auf der Grundlage der Unterschiede in unseren Lagen, unserer
Geschichte und unseren gemeinsamen Werten arbeiten."
Dieser Absatz scheint für eine Partei geschrieben zu sein, die sich auf den
Weg in den Untergrund macht! Niemand kann sich an dem Kauderwelsch freuen,
aber es gibt ein gewisses Pathos in diesem Versuch, die Konzepte und
theoretischen Formulierungen zu maskieren und zu verwässern. Und dies hat
natürlich Konsequenzen hinsichtlich des Inhalts der Analysen, mehr im Statut
als im Manifest. Die Begriffe "Kapitalismus" oder "kapitalistisches System"
werden sorgsam gemieden. Man spricht nicht von Sozialismus oder gebraucht
keinen anderen synthetischen Ausdruck, der auf eine nachkapitalistische
Gesellschaft verweisen würde. Wenn der Text von "Internationalisierung oder
Globalisierung" redet, dann sagt er "liberal" und spricht von einem
"Ergebnis von Entwicklungen und politischen Entscheidungen". Man "vergisst"
also, dass die Globalisierung vor allem aus der unerbittlichen Logik des
heutigen Kapitalismus herrührt: dem außergewöhnlichen Aufstieg des
Weltmarkts beim Handel und den Investitionen, woraus sich der herausragende
Stellung der ganz großen multinationalen Konzerne ergibt. Der Text wünscht
sich "eine Welt, die keine Ware ist", er bleibt aber hinsichtlich ihrer
genauen Ausgestaltung völlig stumm: "eine andere Welt des Friedens, der
Demokratie, der nachhaltigen Entwicklung und der Solidarität".
Die "soziale Frage" und all die Menschen, die unter ihr zu leiden haben,
kommen in den Statuten gar nicht vor! Dies gilt nicht für das Manifest, das
weitreichende gesellschaftliche Forderungen (Ökologie, Gesundheit,
Patriarchat, Bildung, sexuelle Orientierung...) entwickelt, die die
Gesamtheit des Lebens und der Arbeit umfassen. Es insistiert im Übrigen auf
die gesellschaftlichen Mobilisierungen und die Bewegungen. Aber weder Statut
noch Manifest behandeln die strategischen Schlussfolgerungen, wie diese
Forderungen durchzusetzen sind und wie an der "konsistenten Transformation"
gearbeitet werden kann.
Zunächst kennt die ELP keine sozialen Klassen, abgesehen von einer: die
"hegemonialen Finanzgruppen". Man vermeidet es offensichtlich, die
ausgebeutete Klasse beim Namen zu nennen (gleich ob wir sie nun
ArbeiterInnenklasse, werktätige Klasse oder ausgebeutete Welt der Arbeit
nennen wollen), also jene mehrheitliche gesellschaftliche Kraft, die durch
ihren Platz in der Gesellschaft, ihre Selbsttätigkeit und Selbstorganisation
in der Lage ist, das Kräfteverhältnis zu ändern, in die politischen Prozesse
einzugreifen und eine andere Politik, ja eine andere Gesellschaft
durchzusetzen.
Sodann behandelt die ELP weder die gesellschaftliche und politische Krise,
noch den in der "Transformation" nötigen Bruch. Auf einmal ist alles
graduell, amorph, kommt "von oben", vom Parlament.
Wenn man jedoch dem dominierenden Neoliberalismus entgegenzusteuern und die
ungeheure gesellschaftliche Regression der vergangenen zwanzig Jahre
rückgängig machen möchte, muss man mit dem heftigsten Widerstand von
Unternehmern und Regierungen rechnen, die sich auf den jeweiligen Staat und
die EU stützen können. Den Fächer der sozialen Forderungen (der im Manifest
enthalten ist) durchsetzen zu wollen, ist unmöglich ohne eine andere Steuerund
Wirtschaftspolitik, ohne eine Umverteilung der Reichtümer und eine
massive Steigerung der öffentlichen Dienstleistungen, oder klar gesagt, ohne
einen radikalen Angriff auf das Privateigentum. Ohne von der "konsistenten
Transformation" zu sprechen, also Umwälzungen, die eine Veränderung der
Gesellschaft bewirken.
Wir zweifeln nicht daran, dass die ELP "eine andere Welt" möchte, müssen
aber feststellen, dass sie sich nicht mit einer antikapitalistischen
Strategie bewaffnet hat.
"POLITISCHE VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN"
Wenn wir den Aspekt antikapitalistische Strategie einmal beiseite lassen --
die ELP behandelt durchaus "die Politik". Sie tut es indirekt und sehr
summarisch unter einem besonderen Blickwinkel: "Die Linke ist bereit, ihre
Verantwortung in Europa und der Welt zu übernehmen, um unsere Gesellschaften
umzuwandeln, politische Alternativen auszuarbeiten, sie in der
Öffentlichkeit zu vertreten und die notwendigen Mehrheiten zu gewinnen." [4]
Diese starke Formulierung -- "Verantwortung übernehmen" -- ist in einem
solchen Text keineswegs harmlos. Sie bestätigt nicht nur den Vorrang des
Parlamentarismus, sie stellt auch "die Partei" wieder auf den
Kommandoposten. Erst kommt die "die Partei", die "transformiert",
"ausarbeitet", und Mehrheiten "gewinnt". Eine außergewöhnliche Rückkehr der
Partei, die die Bewegung und "die Öffentlichkeit" dirigiert.
Dieser Satz steht vor allem als Zwangsjacke gegen eine mögliche Aufgabe der
Regierungsbeteiligung. Es kann dabei nur um eine Zusammenarbeit mit der
Sozialdemokratie (sowie mit vergleichbaren Parteien) gehen, die weiterhin
eine neoliberale Politik machen. Aber das Minimalprogramm (wenn man sich
nicht kompromittieren möchte) bestünde darin, sich dafür zu engagieren, ein
weitreichendes Programm der Wiedergewinnung des Sozialen zugunsten der
Arbeitswelt durchzusetzen, was es nötig macht, mit der neoliberalen Politik
und den wesentlichen Vorgaben der EU zu brechen.
Mit der Frage nach dem EU-Europa (s. weiter unten) haben wir eine der
politischen Schlüsselfragen vor uns, die erheblich auf die Entwicklung der
Parteien der ELP drücken werden.
MIT DER NEOLIBERALEN SOZIALDEMOKRATIE
In keinem der Texte wird dieses Problem aufgeworfen. Es fehlte auch in den
Reden der Protagonisten auf dem Kongress in Rom. Bertinotti (PRC) und Buffet
(PCF) haben die sozialliberale Politik kritisiert. Doch dies schließt
keineswegs eine Regierungsbeteiligung aus. Seit einem Jahr arbeitet
Bertinotti an einer Neuauflage einer von Prodi, der für die neoliberale
EU-Politik steht, geführten Mitte-Links-Regierung. Buffet schwieg sich zu
diesem Thema aus, weil die Partei über dieser Frage völlig gespalten ist,
und attackierte die PS. Die Augen der PDS sind auf eine Koalition mit der
SPD (und den Grünen) gerichtet; bis das klappt, legt sie mittels einer
rigiden Sparpolitik ihre Bewährungsprobe in den Ländern Berlin und
Mecklenburg-Vorpommern ab. In Spanien hat die Vereinigte Linke (IU) (zu
Recht) die Stimmen ihrer Parlamentsabgeordneten zur Verjagung der Rechten
unter Aznar aus der Regierung abgegeben, um einer Minderheitenregierung der
PSOE ins Amt zu verhelfen. Die IU ist ihr selbst nicht beigetreten, doch lag
dies wohl mehr am neuen Ministerpräsidenten Zapatero als an ihr.
Sicherlich hat die Linke erhebliche taktische Probleme mit der
Sozialdemokratie. Nachdem sie ihr neokeynesianisches Programm durch den
Neoliberalismus ersetzt hat, hat die europäische Sozialdemokratie ihre
Bindungen an viele Schichten der einfachen Bevölkerung gelöst, ihre Seele
verloren und zahlreiche Mitglieder vertrieben. Weil aber eine glaubwürdige
und wirklich linke Kraft fehlt, gelingt es ihr, unterstützt von den Medien,
als Wahlmaschine Erfolge zu feiern. Denn die Masse der Menschen wählt aus
pragmatischen Gründen "sozialistisch", um der Rechten eins auszuwischen. Das
heißt keineswegs, dass sie die neoliberale Politik schlucken.
Dieser Mechanismus des Wiederaufstiegs funktioniert bei der
Sozialdemokratie, aber kaum oder gar nicht bei den KPen und den Grünen, die
Mitglied einer solchen Regierung waren. Als Kleinparteien bezahlen sie ihre
Mitverantwortung für die Sozialkürzungen erheblich stärker. Die Phänomene
der Enttäuschung, der Verwirrung und der Ablehnung sitzen bei den "linken"
WählerInnen viel tiefer. Dies liegt in der teilweise unterschiedlichen Natur
der Sozialdemokratien. Die KPen (und die Grünen) streiten und spalten sich.
Als Ergebnis hängt ihr Überleben immer mehr vom guten Willen der
Sozialdemokraten ab. Diese werden in Wahlen wieder gestärkt, obwohl sie
ideologisch, politisch und organisatorisch immer mehr "Ballast abwerfen".
Der bürgerliche Staat kommt ihnen zu Hilfe (Geld, Medien, Verordnungen) und
gründet das politische Leben auf einer Polarisierung zwischen einer
neoliberalen "Rechten" und "Linken". Die KPen, die Grünen (von der
antikapitalistischen Linken erst gar nicht zu reden) können sich solcher
Begünstigungen nicht erfreuen.
Solange die Kräfteverhältnisse in der Gesellschaft ungünstig bleiben und bei
den großen Volksmassen Verwirrung herrscht, werden sich linke und rechte
neoliberale Regierungen abwechseln.
Die Aufgabe der "wirklichen Linken" besteht genau darin, an einer breiten,
radikalen und zusammenführenden, pluralistischen und europäischen Kraft auf
der Linken zu arbeiten, die in der Lage ist, mit jener gesellschaftlich
verheerenden politischen Dynamik zu brechen.
DIE SCHAM VOR DER EU
Der Zugang der kommunistischen und grünen Linken zu einer sozialliberalen
Regierung der linken Mitte steht und fällt mit der Akzeptierung der EU (und
des Vertrages zur Neugründung, wie ihn der Verfassungsentwurf darstellt) und
der neoliberalen Politik, wie sie von der Sozialdemokratie ausgeführt wird.
Die ELP hat große Probleme, sich klar gegen den Verfassungsentwurf der EU
auszusprechen. Nur mürrisch geht sie auf die Notwendigkeit ein, in der
Öffentlichkeit eine wirkliche Analyse der EU als einer sozio-politischen
Formation (die es in den Mitgliedsparteien durchaus gibt) vorzulegen. Aber
ohne sie gibt es weder Strategie noch Alternative. Daher haben die
Protagonisten der ELP, die offiziell gegen die Verfassung sind (außer
Sylvia-Yvonne Kaufmann von der PDS, [d.Ü.].), dies weder in die Statuten
noch ins Manifest geschrieben. Die EU prägt immer stärker das
Wirtschaftsleben und die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Millionen
Menschen, das politische Regime, die Frage der Nationalitäten, die
demokratischen Freiheiten, den Typus von Supranationalität usw. Es handelt
sich um ein mächtiges Werkzeug in der Hand der europäischen Bourgeoisien
gegen die Welt der Arbeit und die Ausgebeuteten und Unterdrückten in Europa
und weltweit.
Im Statut wird der Begriff "Europäische Union" nicht einmal erwähnt. Für
eine "Europäische Linkspartei" ist dies wohl mehr als eigenartig. [5]
Die die ELP bildenden Parteien geben im Staut zu, dass sie "den
Widersprüchen nicht ausweichen können, die sich daraus ergeben, dass sie zu
vielen Fragen unterschiedliche Meinungen haben". Doch diese Ehrlichkeit löst
natürlich nicht das gewaltige politische Problem. Das Manifest verschiebt
einfach die Zweideutigkeit, indem es zwischen "Europa" und der "EU"
unterscheidet. Es entwickelt kritische Punkte und eine Reihe von Forderungen
und Vorschläge, die sich auch im Manifest der Gruppen der EAL wiederfinden.
[6]
Hier gibt es eine breite und starke Übereinstimmung mit der europäischen
antikapitalistischen Linken, ebenso beim Verständnis des neuen Zyklus von
Mobilisierungen, der auch den Beginn eines Neuaufbaus der
Emanzipationsbewegung darstellt. Hier liegt ein mögliches Feld für
gemeinsame Diskussionen und Kämpfe.
Doch das Manifest macht vor einer Analyse der europäischen Institutionen,
des "Staates" EU halt.
Die Ankündigung scheint viel versprechend: "Was sich schließlich im Zentrum
der Krise der Europäischen Union befindet, ist die Demokratie." Das Manifest
sagt es völlig richtig, ein kurzer, starker Satz. Ein hervorragender
Ausgangspunkt für eine Analyse und politische und praktische
Schlussfolgerungen.
Aber statt den semi-despotischen Charakter (etwa die herausragende Rolle des
Rates als legislativem und exekutivem Organ; das Parlament unter der Obhut
der Exekutive; die blinde und unkontrollierbare Europäische Zentralbank),
der unabdingbar ist, um die unsoziale EU durchzusetzen, zu erklären, weicht
das Manifest aus. Die "Krise der Demokratie" ergibt sich aus: "Während
Jahrzehnten wurde die Europäische Union von oben aufgebaut, in Verachtung
der großen Diversität der Kulturen und Sprachen -- ohne das Volk und häufig
gegen es."
Die ELP wagt nicht, den Aufbau und die gegenwärtigen Institutionen der EU in
Frage zu stellen. Das heißt nicht, dass nicht einige Mitgliedsparteien dies
tun: die PCF macht?s auf sehr gewundene Weise; auch die PRC, die jedoch
lieber kein Referendum fordert, um nicht eine Kampagne zur Verfassung machen
zu müssen; die PDS, die "für" die Verfassung ist, aber (wegen
Meinungsverschiedenheiten) vor kurzer Zeit dem Problem ausgewichen ist (vgl.
ihr Wahlprogramm); die zerrissene und zögerliche IU hat sich schließlich zu
einem Nein durchgerungen.
Die wichtige Frage des "Selbstbestimmungsrechtes der Völker" wird auf die
"sprachliche und kulturelle Diversität" heruntergekocht. Sodann gibt es im
Text Maßnahmen für eine Demokratisierung: "Mehr Macht für das Europäische
Parlament und für die nationalen Parlamente sowie für die Wirtschafts- und
Sozialkomitees und die der Regionen (...) die am Entscheidungsprozess der
europäischen Institutionen beteiligt werden müssen"; "heute wenden wir uns
gegen ein Direktorium der Großmächte". Dann kommt eine Art allgemeine
Perspektive: "In der EU befinden sich verschiedenen Interessen im Konflikt
(welche?). Für uns schafft dies einen neuen Raum für den Klassenkampf und
für die Verteidigung der Interessen der Arbeitenden und der Demokratie, der
europäischen Gesellschaft mit ihren Organisationen und Institutionen,
darunter auch das Europäische Parlament."
Dieselbe Vorsicht, die die ELP schon gegenüber der Strategiefrage an den Tag
gelegt hat (oder bei der neoliberalen Politik, bei der Zusammenarbeit mit
der Sozialdemokratie), finden wir auch angesichts der EU: Die EU stellt das
wichtigste politische Projekt der (großen) imperialistischen Mächte in
Europa dar. Damit lässt sich nicht spielen: Wer dieses Projekt bekämpft,
läuft Gefahr, von Regierungsbeteiligungen ausgeschlossen zu werden!
DIE ELP FRISCH AM WERK...
Wenigstens beim politisch aufgeklärteren Teil der Bevölkerung unserer
Gesellschaften und dem organisierten Teil gibt es ein wachsendes Interesse
"für Europa". Die EU stellt erhebliche Mittel bereit, um zu helfen,
"europäische Parteien" aufzubauen.
Der ELP wird wahrscheinlich neben den Grünen, der Sozialdemokratie und den
bürgerlichen Parteien (die eifrig um ihren Wähleranteil ringen) ein erster
Schritt in Richtung einer solchen "Partei" gelingen.
Der erste praktische Test sind die Europawahlen, denen diesmal eine größere
Bedeutung als in der Vergangenheit zukommt, trotz der Stimmenthaltungen und
des fehlenden Interesses in großen Teilen der Bevölkerung. Aber die
Gleichzeitigkeit und das Ausmaß der Abstimmung in den 25 Mitgliedsländern
der EU (selbst wenn die Hälfte der Wahlberechtigten zum Fischen oder ins
Kino gehen werden) bedeuten eine weit wichtigere Volksbefragung als die
Meinungsumfragen in den Medien. Die ELP wird Stimmen gewinnen können. Wird
sie in der Lage sein, eine Parlamentsfraktion wie die GUE zu bilden? [7]
Wird diese vom EU-Parlament anerkannt werden und also Gelder erhalten? Dies
würde ihr eine bedeutsame finanzielle Basis verschaffen, um öffentlich vom
Atlantik bis zum Bug aufzutreten.
Eine weitere Frage: Wird die ELP wirklich als eine Partei funktionieren
können? Mit Kampagnen, regelmäßigen politischen Stellungnahmen sowie
gleichzeitigen Interventionen und Mobilisierungen, und einem wirklich
europäischen inneren Funktionieren? Diese "Partei" ist keine Partei in dem
Sinne, wie man das Wort gewöhnlich versteht. Es ist nicht einmal eine
Föderation oder Konföderation. Im Kongresssaal machte sich ein starker
Geruch von nationaler Autonomie breit. Und die Statuten stärken diesen
Geist, weil sie Einstimmigkeit verlangen.
Dies führt zu zwei großen Fragenkomplexen: Wie werden sich die Beziehungen
zwischen den (ex)KPen aus dem Osten und den Bruderparteien im Westen
gestalten, wobei man wissen muss, dass über zehn Jahre nach dem Fall der
Mauer sie sich in ganz unterschiedlichen Kontexten entwickelt haben, trotz
des einigenden Bandes der EU: Die einen grenzen sich penibel vom Stalinismus
ab und passen sich der Restauration eines armseligen Kapitalismus an; die
anderen finden sich dem widersprüchlichen Druck von Sozialdemokratie, der
globalisierungskritischen Bewegung und der antikapitalistischen Linken
ausgesetzt.
Die zweite Schwierigkeit bezieht sich auf die Kohärenz der Führungsspitze
der ELP. Auf den ersten Blick gibt es große Differenzen zwischen der PCF,
der PRC und der PDS bei der Suche nach einem neuen Programm. Die Zersetzung
des Stalinismus war ein langsamer und quälender Prozess, der in jedem Land
ganz unterschiedlich ablief. Mit der Gründung der ELP als neuem Rahmen auf
europäischer Ebene werden die Beziehungen zwischen Führungsmitgliedern und
einfachen Mitgliedern wieder aktiviert. Ohne auf die alten Rivalitäten
zwischen den KPen eingehen zu wollen, die sich im Führungskreis der ELP
durchaus wieder zeigen können. Wir möchten nur /ein/ Beispiel anführen:
Während die PRC versucht hat, die stalinistischsten Parteien fernzuhalten
(die portugiesische und die griechische KP), hat die PCF die KP Portugals
unterstützt. Diese trat der ELP nicht selbst bei, konnte jedoch verhindern,
dass Bertinotti den portugiesischen "Linksblock" als Beobachter aufnehmen
lassen konnte.
Im Übrigen besteht auch die alte Rivalität zwischen der PRC und der PCF
weiter fort, deren politische Profile sich in den letzten fünf Jahren immer
weiter auseinander entwickelt haben. Bezeichnenderweise war es die PDS (die
von allen die gemäßigtste ist, wiewohl sie noch stalinistische Schlacken mit
sich führt), die Bertinotti (und die PRC) in den Sessel des Vorsitzes der
ELP gedrängt haben soll.
WOHIN GEHT DIE ELP?
Die vielen Widersprüche, die die ELP durchziehen, werden sie nicht unbedingt
lähmen. Denn es ist eine andere politische Dynamik am Werk: die
Übereinstimmung der wichtigsten Parteien, ein neues Experiment einer
Regierung der "linken Mitte" oder der "pluralistischen Linken" versuchen zu
wollen.
Die PCF, die wegen ihrer Regierungsteilnahme noch traumatisiert und
zerrissen ist, hat keine Bilanz erstellt, und eine wahrscheinlich
mehrheitliche Strömung möchte dasselbe noch einmal machen. Die PDS hat ihre
ersten Schritte in der Regierung des Landes Berlin unternommen (und eine
scharfe Sparpolitik durchgesetzt) und schielt nun auf eine
Regierungsbeteiligung mit einer (geschwächten) SPD und den Grünen. Die PRC
möchte Berlusconi davonjagen und sich an einer Regierung Prodi beteiligen.
Die Izquierda Unida (Vereinigte Linke) ist der Regierung der PSOE nicht
beigetreten, doch die Entscheidung wurde ihnen von Zapatero abgenommen. Für
den Synaspismos stellt sich das Problem nicht, weil die Rechte kürzlich
gesiegt hat. In den kommenden zwei bis drei Jahren (also kurzfristig) könnte
sich in Europa ein neuer Zyklus von "Mitte-Links"- Regierungen eröffnen.
Es ist kein Ritual, zu sagen, dass vieles von der politischen und sozialen
Lage in Europa und den Mitgliedsländern der EU abhängen wird.
Wegen ihrer unsozialen und reaktionären Brutalität haben die heutigen
Rechtsregierungen indirekt der Idee des "kleineren Übels" Vorschub
geleistet, weil keine starke radikale Alternative vorhanden war. So
erscheint die Sozialdemokratie als einzig wirksames Mittel, um die Rechte
bei Wahlen schlagen zu können.
Dies stellt auch für die antikapitalistische Linke eine Herausforderung dar.
Sie wird bei den Mobilisierungen und den Kämpfen ganz vorne zu finden sein,
in einer Aktionseinheit mit allen Kräften der sozialen, politischen und
Bürgerrechts-Linken, um für unsere Forderungen und gegen die Regierung der
Bosse kämpfen. Sie wird aber nicht den Zwängen (der immer undemokratischeren
Wahlgesetze) ausweichen können, bei Wahlen genauso erfolgreich sein zu
müssen wie auf der Straße. Der Druck auf die antikapitalistische Linke wird
steigen (in dem Maße, wie sie über gesellschaftliches und politisches
Gewicht verfügt), einer "Regierung der Linken" beizutreten. [8]
Es wäre ein schwerer Irrtum, dem nachzugeben, außer wenn es sich um eine
Regierung handelte, die wirklich und radikal mit der neoliberalen Politik
bräche. Dies käme nur im Fall zustande, wenn sehr starke gesellschaftliche
Mobilisierungen zu einer Verschiebung im Kräfteverhältnis zwischen den
Klassen, aber auch in den gesellschaftlichen Organisationen und in den
Gewerkschaften geführt hätten.
Die ELP ist nicht unsere Partei. Ihr Gravitationszentrum liegt weiter
rechts, als man dies ursprünglich vor 18 Monaten hätte vermuten können, als
das Problem einer "europäischen Partei" erstmals auf die Tagesordnung
gesetzt wurde.
Aufgrund einer Enttäuschung hat die PRC ihre Strategie geändert: die enorme
gesellschaftliche Radikalität hatte sich nicht auf die politische Ebene
ergossen (bei Wahlen und mehr Mitgliedern). Seit Juni 2003 hat die PRC den
Weg in Richtung Bündnis mit der linken Mitte und Regierungsteilnahme, auch
unter Führung von Prodi, eingeschlagen. Dies ist ein schwerer Irrtum und
Auslöser größter Verwirrung in ganz Europa. Die PRC hatte Hunderte von
politischen Kadern in anderen KPen verlockt, erzogen und motiviert. Sie
hatte eine Pilotfunktion bei einem modernen Radikalismus, der politischen
und geistigen Erneuerung, bei der Entwicklung einer radikalen und
"außerparlamentarischen" Partei, die der europäischen antikapitalistischen
Linken sehr nahe stand. Sie ist immer noch von der gesellschaftlichen
Radikalität geprägt (ganz im Gegensatz zu den andern KPen in der ELP), aber
sie hat ihre politische Perspektive geändert. Aber die ELP hat sich nun
zwischen der sozialliberalen und der antikapitalistischen Linken
aufgestellt.
Sollte die ELP (oder eine ihrer wichtigsten Mitgliedsparteien) an einer
Regierung mit der Sozialdemokratie auf der Grundlage eines neoliberalen
Programms teilnehmen, wird eine neue Lage auf der Linken und ein anderes
Kräfteverhältnis zur antikapitalistischen Linken geschaffen werden.
Wir werden uns in den Kämpfen und Mobilisierungen finden und wir sind bereit
zur Aktionseinheit für konkrete Forderungen und Ziele. Die politische
Diskussion und der Kampf werden eine andere Wendung nehmen, die dann von der
konkreten Politik der Regierung abhängig sein wird.
Dies sind keine Prognosen, sondern politische Lagen, die unsere Aktionen
anleiten werden. Die Debatte geht weiter, auf der Grundlage der angehäuften
sozio-politischen Erfahrungen um grundlegende Fragen der Lebens- und
Arbeitsbedingungen herum. Die Nähe bei den Mitgliedern und den
Organisationen der kommunistischen/alternativen und der antikapitalistischen
Linken stellen eine günstige Bedingung dar, um auf der Linken einen
politischen Klärungsprozess durchführen zu können.
François Vercammen ist Mitglied des Exekutivbüros der 4. Internationale.
Übersetzung: Paul B. Kleiser
Aus: Inprekorr Nr. 394/395 (Internationale Pressekorrespondenz)
Nachdruck gegen Quellenangabe und Belegexemplar erwünscht
E-Mail: inprekorr@comlink.org
Bestellungen: Verlag Neuer Kurs, Dasselstr. 75-77, D-50674 Köln
Doppelheft: 4,50 EUR; Schnupperabo: Ein Vierteljahr für 5 EUR
Jahresabo: 26 EUR (Inland), 15 EUR (ermäßigt), E-Abo 50%
Artikel im CL-Datennetz: cl.medien.inprekorr
Artikel im Internet: http://inprekorr.de
[1] Es handelt sich um folgende Parteien: PRC (Partei der kommunistischen
Wiedergründung, Italien); PRC (San Marino); PDS (Partei des demokratischen
Sozialismus, Deutschland); PCF (Kommunistische Partei Frankreichs, die ihre
Zustimmung von einer Abstimmung unter den Mitgliedern abhängig machte);
Synaspismos (eine Koalition aus Griechenland); IU (Vereinigte Linke,
spanischer Staat), die EuiA (Vereinigte und alternative Linke, Katalonien)
sowie die PCE (spanische kommunistische Partei), die alle zur IU gehören;
KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs); SDS (Sozialdemokratische Partei der
tschechischen Republik); ESDTP (sozialdemokratische Arbeiterpartei
Estlands); Munkaspart (Arbeiterpartei, Ungarn); SAP (Bündnispartei,
Rumänien); KSS (Kommunistische Partei der Slowakei). Aufgrund der starken
Verurteilung des Stalinismus hat die KSCM (Kommunistische Partei von Böhmen
und Mähren) den Saal und (vorläufig?) auch die ELP verlassen. Die ELP
verfügt auch über Parteien, die Beobachterstatus haben: AKEL (Zypern), PdCI
(Partei der italienischen Kommunisten) sowie La Gauche (Die Lenke,
Luxemburg). Eines der wichtigsten Kriterien des Europäischen Parlaments für
eine offizielle Anerkennung (wobei erhebliche Gelder locken) ist die Wahl
mindestens eines Abgeordneten in mindestens sieben Mitgliedsländern der EU.
[2] Zur EAL vgl. das Manifest der 8. Konferenz der Europäischen
Antikapitalistischen Linken (EAL), in: /Inprecor/ Nr. 492/493, Mai 2004.
Außerdem die Broschüre "Für eine antikapitalistische Linke in Europa". Texte
zur Europäischen Antikapitalistischen Linken (EAL), Frankfurt am Main, Mai
2004.
[3] Eines Tages sollte man einen Bericht und eine Analyse der eingesetzten
Methoden machen. Ein Beispiel: Die einzige "Debatte" in der Vollversammlung
des Kongresses von Rom war die heftige und wiederholte Anprangerung des
Stalinismus, was die osteuropäischen Poststalinisten nicht ohne
Schwierigkeiten geschluckt haben. Die bekennenden Stalinisten Osteuropas
haben ihren Fuß nicht in die römische Festhalle gesetzt.
[4] Das Manifest steht weiter links, doch es hört dort auf, wo man einen
programmatischen und strategischen Inhalt erwarten würde: "Wir sehen die
Notwendigkeit einer Transformation Europas, die auf sozialer und
demokratischer Ebene tief verankert ist. Ja, die Zeit zur Intensivierung der
Kämpfe, die das sakrosankte Dogma der "Marktwirtschaft, in der freier
Wettbewerb herrscht", die Macht der Finanzmärkte und der multinationalen
Konzerne herausfordern, ist gekommen; an ihrer Stelle müssen unsere
BürgerInnen zu aktiven GestalterInnen von Politikansätzen gemacht werden,
die in ihrem Namen ins Werk gesetzt werden."
[5] An einer Stelle spricht die ELP (im Statut) wie folgt: "Europa als
neuer Raum der immer stärkeren Integration der Länder im Osten und Westen,
im Norden und Süden, stellt einerseits eine Gelegenheit und eine
Herausforderung zur Gewinnung der politischen Initiative für die Kräfte der
Linken dar." Alles in allem ist die EU also gar nicht so schlecht! Im
Manifest kommt die EU jedoch vor.
[6] So kann man im Manifest lesen: "Wir möchten ein Projekt für ein anderes
Europa entwerfen und der EU einen anderen Inhalt geben: autonom gegenüber
der Hegemonie der USA, offen gegen den Süden des Globus, alternativ zu
Kapitalismus mit seinem Sozial- und Politikmodell, aktiv gegen die wachsende
Militarisierung und den Krieg, zugunsten des Schutzes der Umwelt und der
Beachtung der Menschenrechte, darunter auch der sozialen und
wirtschaftlichen Rechte. Wir sind für das Recht auf Staatsbürgerschaft für
alle diejenigen, die in Europa leben. (...) Wir möchten ein von der
antidemokratischen und neoliberalen Politik der WTO und des IWF befreites
Europa, das die NATO und ausländische Militärbasen und alle Modelle einer
europäischen Armee ablehnt, die nur dazu führen würde, die militärische
Konkurrenz und die Hochrüstung auf der Welt weiter anzuheizen. Wir wollen
ein Europa des Friedens und der Solidarität, das von Kernwaffen und
Massenvernichtungswaffen befreit wird, ein Europa, das den Krieg als Mittel
zur Regelung internationaler Konflikte ablehnt (...)." Es folgen einige
Alternativen.
[7] Vgl. Patrick Auzende, "La LCR et le groupe de la GUE/NGL", in: /Rouge/
Nr. 2064 vom 13. Mai 2004.
[8] Wir müssen an Bertinottis mehrere Monate vor Rom gestartete Kampagne
erinnern, gewisse Parteien der antikapitalistischen Linken für seine ELP zu
gewinnen. Mehrere RednerInnen in Rom betonten den "völlig offenen Charakter"
der ELP, auch wenn die LCR, die zunächst als Beobachterin geladen war,
schließlich vom Treffen ausgeschlossen wurde!
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