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\"Kampf der Kulturen\" ohne Grundlage - Muslime zu moderat
Umfrage: Muslime wollen Freiheit und Demokratie
Der von westlichen Strategen, Politikern und Journalisten vielbeschworene
"Clash of Civilizations" / Kampf der Kulturen ist nach einer aktuellen Umfrage
des Gallup-Instituts ohne Grundlage: danach sind 93% der Muslime gemaeßigt
eingestellt und wollen mehr Freiheit und Demokratie. Allerdings werden die
Bemuehungen der USA, den Mittleren Osten zu kontrollieren, sehr kritisch
gesehen: man bescheinigt der US-Politik Ruecksichtslosigkeit und
Aggressivitaet, waehrend Deutschland eher positiv eingeschaetzt wird.
Das Ergebnis der Gallup-Umfrage widerspricht deutlich den im Westen gepflegten
Vorurteilen gegenueber Muslimen: nur ein kleiner Teil von ihnen vertritt
radikal-militante Ansichten. Der ueberwiegende Teil ist gemaeßigt eingestellt
und wuenscht sich mehr Demokratie und individuelle Freiheiten. Und auch im Iran
befuerworten 83% die Gleichberechtigung der Geschlechter.
Fuer die Umfrage wurden 50.000 Menschen in 35 islamischen Laendern befragt.
Die Ergebnisse sind ein Schlag gegen die von amerikanischen und europaeischen
Neokonservativen betriebenen Bemuehungen, einen dritten Weltkrieg gegen den
Islam anzubahnen, indem die Kultur der Muslime als existenzielle Bedrohung der
westlichen Welt beschworen wird und ihr die Absicht unterstellt wird, den
Westen und seine Kultur zu unterwerfen. Dies kann nach dem Umfrageergebnis nur
fuer wenige Extremisten gelten.
Mit Hinblick auf die amerikanische Politik bezweifeln allerdings viele, dass
die USA tatsaechlich Demokratie und Freiheit verbreiten wollen. Nur 24% der
Bevoelkerung in Jordanien und Aegypten und nur 16% der Tuerken glauben dies.
Die Umfrageergebnisse muessen als Schlag fuer die amerikanische Kampagne fuer
einen neuen Weltkrieg gewertet werden.
Zu den Protagonisten des neuen Weltkriegs ist der fuehrende Neokonservative
James Woolsey zu rechnen (s. "Die Fuersten des 4.Weltkriegs"): zu seiner Zeit
als CIA-Chef schrieb der im Auftrag des Geheimdienstes arbeitende Samuel
Huntington "Clash of Civilizations". Huntington beschrieb die
Auseinandersetzung mit der islamischen Kultur als unausweichlich.
Ihm folgten spaeter andere Autoren, wie Oriana Fallaci mit ihrem Buch "Die Wut
und der Stolz", in dem sie eine Generalattacke gegen die islamische Kultur und
deren Unertraeglichkeit ausfuehrte. Auch in vielen Talkshows westlicher Medien
wurde wiederholt erklaert, die islamische Kultur sei ein Naehrboden fuer
Extremismus, Terrorismus und eine Gefahr fuer Freiheit und Demokratie.
Die Kampagne fuer den neuen Weltkrieg war in den 90er-Jahren ergaenzt worden
durch eine Rueckbesinnung der amerikanischen Oeffentlichkeit auf die Kultur und
die Werte der Generation des zweiten Weltkrieges, etwa durch Spielbergs
Filmproduktion "Private John Ryan", in dem der nationale Pathos zelebriert und
die Muster gepraegt wurden, die anschliessend von George Bush in seiner Rolle
als Kriegspraesident ausgeschlachtet werden konnten.
Im Unterschied zur europaeischen Stimmungslage gilt der zweite Weltkrieg in den
USA als Synonym der Ueberlegenheit der eigenen Kultur; die von der
Worldwar-II-Generation ausgepraegten Werte der Entschlossenheit, des
Pflichtbewusstseins, der Bereitschaft, die eigene Mission zu erfuellen, die
amerikanischen Werte in der ganzen Welt zu verbreiten wurde als Gegenmittel
gegen liberale Dekadenz, gegen Drogenkonsum und Hedonismus verstanden.
Das Konzept eines neuen Weltkrieges basierte offensichtlich auf der
Notwendigkeit nach dem Ende des Kalten Krieges die Legitimation fuer die
Finanzierung des wuchernden militaerisch-industriellen Komplexes zu erhalten.
Als theoretische Grundlage kann dabei Carl Schmitt angesehen werden: der
Ideologe des Nazi-Regimes hatte als Voraussetzung einer stabilen
Gesellschaftsordnung die Notwendigkeit eines klaren Feindbildes, einer
strategischen Gegnerschaft erklaert.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/14/14688/1.html
http://www.sueddeutsche.de/,ra1m1/ausland/artikel/164/160724/
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