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Rheinische Post: Wenn Rom tief bei sich selbst ist
Düsseldorf (ots) - Von Jens Voss
Rom bekräftigt: Die evangelischen Kirchen sind keine Kirchen im
Vollsinne, sondern nur kirchliche Gemeinschaften. Und wieder gibt es
Empörung im evangelischen Lager. Zu Recht? In Wahrheit herrscht das,
was Bischof Huber "Ökumene der Profile" genannt hat - und zwar auf
beiden Seiten. Der Papst tut nur dies: seine theologische Existenz
ernst nehmen. Er sieht sich als Letzter in der "apostolische
Sukzession" (Weitergabe des Bischofsamtes seit den Aposteln), darin
als Wahrer des Evangeliums - und wenn man nur fünf Minuten über die
Größe dieser Idee von Kirche nachdenkt, dann begreift man, dass in
diesem Punkt für Rom jeder Millimeter Bewegung vor der Ewigkeit
verantwortet werden will. Umgekehrt ist es nicht anders: Die
Evangelischen machen ihre theologische Existenz seit Luther nicht
mehr von Rom abhängig - die Trennung vom Papstamt steht; geistlicher
Lebensquell ist die Bibel, und auch diese Kirchen-Idee ist groß.
Insofern sollten die Evangelischen gelassener werden und nicht jedes
Mal, wenn Rom tief bei sich selbst ist, verletzt sein - sondern
selbst tief bei sich sein. Dann gibt es am ehesten die Chance, sich
auf 1500 Jahre gemeinsame Geschichte zu besinnen. Sie ist es, die in
Wahrheit eint und bewirkt, dass Evangelische und Katholiken im Kern
glauben, demselben Herren zu unterstehen. Nur das zählt am Ende vor
der Ewigkeit.
Originaltext: Rheinische Post
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