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From: presse@ibka.org [mailto:presse@ibka.org]
Sent: Friday, February 23, 2007 2:44 PM
To: presse@ibka.org
Subject: IBKA: Offener Brief an die Grüne Abgeordnete MdB Deligöz
IBKA Pressemitteilung vom 23.02.2007
Sehr geehrte Frau Deligöz,
nicht ohne Irritation nimmt der Internationale Bund der Konfessionslosen
und Atheisten e. V. (IBKA) Ihre Äußerungen zur Gründung des "Zentralrats
der Ex-Muslime" zur Kenntnis.
Denn wenn Sie sagen, es könne nicht darum gehen, den Glauben zu
bekämpfen, stattdessen müsse die Religion modernisiert werden, so mag
das Ihre private Position sehr treffend beschreiben, und diese zu
verfolgen ist selbstverständlich ein Recht, das Ihnen niemand
bestreitet. Jedoch, so wie dieser Satz in den Medienberichten
dargestellt wird, sagen Sie dies nicht über sich selbst und Ihre eigene
Position, sondern über jene, deren Anliegen es ganz offensichtlich war,
einen Zentralrat der Ex-Muslime zu gründen.
Dazu möchten wir zunächst einmal festhalten, dass es selbstverständlich
sehr wohl darum gehen kann, organisierter Religion, deren öffentlicher
Subventionierung und politischen Herrschaftsansprüchen, sowie auch
irrationalen Inhalten, mit Aufklärung und systematischer Kritik entgegen
zu treten. Wie viele halbaufgeklärte Gläubige im Christentum scheinen
auch Sie nicht fähig zu sein, Nicht-Gläubige als eben solche zur
Kenntnis zu nehmen und zu respektieren. Überdeutlich wird diese
Ignoranz, wenn Sie die Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime zwar
begrüßen, darin aber eine Kritik an dem Anspruch der muslimischen
Verbände sehen, alle Muslime zu vertreten, und damit gerade das zentrale
Anliegen der Mitglieder des Verbandes mit Füßen treten: Es soll endlich
zur Kenntnis genommen und respektiert werden, dass sie eben keine
Muslime sind. Die gerade auch in Ihrer Partei beliebte Verwechslung von
Migration mit Religion und die gerne propagierte Lösung von
Integrationsproblemen, durch Übertragung staatskirchenrechtlicher
Privilegien auf islamische Verbände, ist auch Teil der Fehlentwicklung,
gegen welche sich die Neugründung des Zentralrates der Ex-Muslime
bereits erkennbar doch richtet.
Unbewusst ergreifen Sie mit Ihren Äußerungen die Partei jener, welche
die Mitglieder des Zentralrats mit dem Tod bedrohen. Denn wenn Sie auch
- dies sei Ihnen unbestritten - diese Drohungen ablehnen, so bestätigen
Sie doch im Grunde deren moralisches Urteil über die "Abgefallenen":
Wenn Sie in der Bezeichnung "Ex-Muslime" einen "negativen Beigeschmack"
zu erkennen meinen, so drückt dies ebenso eine moralische Abwertung der
sich so Nennenden aus, wie dann, wenn Sie der aktiven Ablehnung des
Glauben die Legitimität absprechen und die Betroffenen stattdessen für
eine Reform des Islams in die Pflicht zu nehmen versuchen, und ihnen
damit indirekt vorwerfen, diese fiktive Verpflichtung durch ihre
grundsätzliche Abwendung zu verletzen.
Wie schon einst Christa Nickels in Bezug auf die katholische Kirche,
verwechseln Sie die öffentlichen Erfordernisse der weltanschaulichen
Neutralität eines politischen Mandates mit dem privaten Interesse der
inneren Reformation einer Glaubensgemeinschaft. Dies macht Sie blind
gegen die Rechte und Interessen jener, die eben nicht glauben, die einer
Gemeinschaft deshalb weder angehören noch angehören wollen - und die
deshalb auch weder ein Interesse noch gar eine Pflicht haben, sich um
die Fortentwicklung einer solchen Gemeinschaft zu sorgen; die jede
Legitimation haben, eine solche Gemeinschaft als das nehmen, was sie
eben realiter darstellt, statt als das, zu dem einige einflusslose
Mitglieder sie gerne reformieren würden; und die alles Recht der Welt
haben, sich gegen von einer derartigen Gemeinschaft ausgehende
Übergriffe auch zu wehren.
Mit freundlichen Grüßen,
Rudolf Ladwig
IBKA e.V., 1. Vors.)
Über den Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten e.V.:
Der IBKA versteht sich als Interessenvertretung des konfessionslosen
Bevölkerungsteils, der in Deutschland mittlerweile auf über 30%
angewachsen ist. Wir setzen uns für die Verwirklichung des
Verfassungsgebotes der weltanschaulichen Neutralität des Staates ein -
in Deutschland wie in Europa.
Der IBKA tritt ein für die allgemeinen Menschenrechte als
unveräußerliche individuelle Rechte des einzelnen Menschen. Er wendet
sich gegen Diskriminierungen aus religiösen oder weltanschaulichen
Motiven. Zu diesem Zweck fordert er eine konsequente Trennung des
staatlichen Bereichs von Kirchen, Religionen und Weltanschauungen.
IBKA e.V.
Rudolf Ladwig
Postfach 1745
58017 Hagen
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Rudolf.Ladwig@ibka.org
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