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WAZ: Uebler Beigeschmack (Kommentar zur Opern-Absetzung)

WAZ: Übler Beigeschmack - Kommentar von Hendrik Groth

Essen (ots) - Die Kunst ist für manche Geschmacklosigkeit verantwortlich. Kalkulierte Provokationen gehören dazu. Etwa die Simulation einer Gaskammer in einer Synagoge. Oder der Österreicher Nitsch, der Jesus mit einer Sau kreuzigte. Auch mag man darüber streiten, ob man für Mozart unbedingt einen abgeschlagenen
Mohammed-Kopf benötigt.
Dass aber die Deutsche Oper in Berlin wegen einer vagen
Gefährdungsanalyse eine Operninszenierung absetzt, das hat den Beigeschmack der Kapitulation. Kunst hat keine Grenzen. Die Freiheit der Kunst gehört zu den Grundlagen des modernen, aufgeklärten und säkularen Staates. Die Kultur einer integrationsfähigen,
multinationalen Gesellschaft verlangt Toleranz und Anerkennung der Freiheit des Andersdenkenden. Wer diese Freiheit nicht verteidigt, kapituliert vor dem Fundamentalismus. Eine Schere im Kopf führt zu nichts, sie macht Angst. Falsche Rücksichtsnahme wie diese Berliner Selbstzensur ist von gleichem Übel wie Respektlosigkeit vor anderen Meinungen oder Religionen.

Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
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Rückfragen bitte an:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
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zentralredaktion@waz.de

26.09.06    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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