Nadeshda
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[LPA] (de) :reminder: Berlin Mo+Di: "Was tun mit Kommunismus

*** Montag blau machen und sich rote Ohren holen... ***
*** Dienstag nicht dienen sondern diskutieren !!! ***
*** ...und nächsten Sonntag keine Sonntagsreden halten. ***

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[> Präsenz des A-Laden BüchAtisches auf allen drei Veranstaltungstagen! <]

WAS TUN mit KOMMUNISMUS ?! - 1 Veranstaltungsreihe

Ist Kommunismus wieder sexy für die Armen? Oder ist Kommunismus nur was für die Armen im Geiste? "Wer mit 20 kein Kommunist ist hat kein Herz. Wer mit 30 noch Kommunist ist hat kein Hirn."? Wie hirnlos ist die verkopfte Linke? Oder doch: wie geschichts- und bewußtlos ist sie? Alte Mythen in neuen Tüten. Will das wer?

Ab 1989 ff ist der ganze "Warschauer Pakt" abgeschmiert. Mensch nannte das vorher euphemistisch den "Realexistierenden Sozialismus". Weil er mit dem utopischen Sozialismus nix mehr zu tun hatte und aus der saftig-roten Zukunftshoffnung eine dröge rostrote Schrumpelzitrone mit Südfrüchtemangel geworden war. Statt Räte Ratlosigkeit, statt Sowjets Kampfjets mit nuklearer Bewaffnung ­ letztere auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs. Spione, Mauern, Zäune, Stacheldraht überall. Das "Arbeiterparadies" wo keiner hin wollte, aber aus dem abhaute wer eben konnte.

Die Entfremdung der Arbeit, die unter dem Kommunismus / Sozialismus aufgehoben sein sollte, war real zu einer bürokratisch überwachten Staatssklavenarbeit geworden, mies entlohnt und militarisiert. Überall wo marxistisch geschulte sogenannte Kommunist_inn_en an der Macht waren, fuhren sie die Wirtschaft mit Karacho vor die Wand, versauten sie die Umwelt, ohne Angst vor peinlicher Öffentlichkeit haben zu müssen. Schuld war einzig der böse Kapitalismus und nie die eigene Unfähigkeit.

Wer im Westen "Kommunismus" hörte, dachte: Bolschewismus, realexitierendes Sozialismus-Zerrbild der Mangelwirtschaft und Zwangsverwaltung unter einer allmächtigen, parteigesteuerten Geheimpolizei mit Gewalt über Leben und Tod.

Aber es gab auch von Beginn an die "andere Arbeiter_innen-Bewegung", die Bewegung eines freiheitlich denkenden und handelnden Sozialismus. Am deutlichsten manifestierte der sich vor 75 Jahren im revolutionären Aufstand gegen den klerikalfaschistischen Militärputsch der Spaniens linke Republik stürzen sollte und der von Hitler und Mussolini erst ermöglicht und massiv unterstützt wurde. Basisgewerkschaften schlugen die Franco-Generäle zunächst zurück und setzten umgehend auf soziale Revolution. Öffentliche Dienste, Industrie und Landwirtschaft wurden von ihnen kollektivisiert und der "Rat der antifaschistischen Milizen" hatte einige Monate die faktische politische Macht inne. Doch wie in der sog. Sowjetunion brach Stalin der Spanischen Revolution im Inneren das moralische Rückgrat. Weder er noch die westlichen Blockade-"Demokratien" wollten ein libertär-sozialistisches Spanien. Revolution und Krieg gingen so beide verloren und mit dem Hitler-Stalin-Pakt in den Zweiten Weltkrieg über: das gemeinsame Totalitaristen-Opfer hieß für den Anfang Polen.

Heute gibt es keinen sowjetischen Machtblock mehr und die Maoisten Chinas sind offenbare Staatskapitalisten. Kein effektives Gegengewicht hält den Turbokapitalismus von maßloser Expansion, Auspowerung von Völkern und Naturressourcen, Umweltzerstörung, sowie endlosen Kriegen in aller Welt ab.
Aber der Konsens des "sozialen Friedens" in den Ländern des globalen Kapitalismus zerbricht. Die andauernde Umverteilung von unten nach oben hat grotesk gierige Züge angenommen und das Universaltauschmittel Geld ist das Papier nicht mehr wert, auf das es pausen- und deckungslos gedruckt wird. Wirr wuselnde Politikerlarven gleichen hilflosen Krisenkurieren, die die Krisen nicht kurieren können. Die Krise ist System geworden. Das System ist die Krise an sich.

In dieser Situation sucht die emanzipatorische Linke erneut nach Lösungen jenseits des kapitalen Elends, das ständig weltweit vermehrt wird. Hilflos wird versucht, ein "revolutionäres Subjekt" herbei zu lamentieren, das die verbetonierten Verhältnisse zum Bröseln, wenn nicht gar zum Tanzen bringen soll. Emma Goldman sei's geklagt!

Zuflucht nehmen viele bei (n)ostalgischen Vorstellungen von obrigkeitsstaatlicher und "avantgarde"-parteilicher Führung, Kadersozialismus, als hätte es Tscheka und Gulag nie gegeben. Viele Junge wissens leider kaum besser und die Alten schießen die alten Böcke von neuem ­ im rosig-verklärenden Büchsenlicht einer mythologisierten blutigrostroten Vergangenheit. "Arbeiter an die Gewehre ..." ...

Wenn wir nicht von neuem in alte Fallen tappen wollen, müssen wir diesen Mythen zu Leibe rücken und uns den historischen Tatsachen des Versagens des Sozialismus in allen seinen Varianten stellen. Ohne klar zu haben, was falsch, dumm und Lüge war, kommen wir keinen Schritt in Richtung Freiheit und Sozialismus weiter. Wir brauchen keine neuen Kasernen! Und sicher keine neuen Führer und Arbeitslager.

Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass heroisches Ringen im Pulverdampf von Barrikadenrevolutionen out und mehr Köpfchen gefragt ist. Gewaltsamstumpfes Revoluzzen ist genau das, was die Gegenseite von uns erwartet ­ damit sie uns kräftig auf die Schnauze und uns alle zusammen in die Pfanne hauen kann. Das kann sie nämlich am besten. Wie wir sehen, sind Revolutionen, die es verstanden haben auf Gewalt möglichst zu verzichten, die nachhaltigsten. Militarismus hingegen führt zu militarisierten Gesellschaften mit abgehoben-korrupten Eliten und nicht zu einem humanen Umgehen miteinander auf der Basis der Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit. Darum sind neue Lösungen gefragt, die kapitalistische Misere zu überwinden.

Wo wollen wir hin? Ist dieser ominöse "Kommunismus" noch eine Option und wenn ja, dann welche? Kann Kommunismus frei sein, wie es Anarchist_inn_en und Rätekommunist_inn_en meinen? Oder brauchen wir jenseits der alten abgedroschenen Worthülsen ganz andere und tatsächliche Lösungen für eine nichtkapitalistische soziale Gesellschaft in Freiheit?

Dem wollen wir in unseren drei aufeinander aufbauenden Veranstaltungen nachgehen. Vielleicht gibt es dann auch eine Lösung (oder zumindest einen Ansatz dazu) für das "Ei des Kommunismus", das die ganze Zeit ratlos [sic!] herumgereicht wird. Köpfen oder Aufklopfen? Und wer darf (oder muß) es am Ende auslöffeln?

Wir sind gespannt.

Anmerkung: Dieser Text ist R@lf G. Landmesser's Eigeninterpretation innerhalb der "Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (SEK)"
-im Herbst 2011- Version1.1 * 11.9.2011

30.10.11    Absender/-in: Libertarian Press Agency - Berlin <lpa@free.de>
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