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Fw: [SH, GB] Rezensionen: "Demokratie. Die Herrschaft des Volkes. Eine Abrechnung"

http://www.seitenhieb.info/rez/demokratie.html

Jörg Bergstedt
Demokratie. Die Herrschaft des Volkes.
Eine Abrechnung

Demokratie ist zur Zeit das Lieblingsthema fast aller politischen Klassen, Strömungen, Parteien, sozialen Bewegungen und internationaler Politik. Mit seinem Buch will der Autor Keile in die Harmonie treiben: Ist Herrschaft des Volkes wirklich etwas so Gutes? Volk als konstruiertes, identitäres Subjekt existiert nur in Form seiner Stellvertretung. Wenn die dann herrscht "im Namen des Volkes" über die Menschen - was daran ist gut? Und wenn dann noch Bomben fallen, um die Demokratie weltweit zu exportieren - was unterscheidet diese Kriege von der Brutalität der Kolonialisierung und religiös motivierter Missionen bis Kreuzzüge früherer Zeiten?

12,5 x 22 cm, 208 S., 5 Fotos, 3 Abb., 2006.
14 Euro
ISBN 978-3-86747-004-9

  • Waschzettel (A4-Werbebogen zu diesem Buch, PDF)
  • Seite zum Buch
  • Presseinfo/Rezensionsbrief (PDF) ++ Vorträge
  • Thesenpapier "Wo das Volk herrscht, geht der Mensch unter" (Forum dazu)
  • Internetprojekt zum Buch
  • Rezensionen >> www.seitenhieb.info/rez/demokratie.html

Rezensionen

Aus einem Punkzine

Demokratie? Damit verbinden wir Gewaltenteilung, Volksherrschaft, Wahlen, Beteiligung, Recht, Ordnung - ja sogar Selbstbestimmung und Freiheit werden mir ihr in Verbindung gebracht. Klar gibt es da einiges dran zu meistern - da ist sich die intellektuelle Elite einig - aber politisch ist die Demokratie das Ende der Geschichte. Warum dies grade nicht so ist - und vor allem warum Demokratie nichts mit Freiheit und Selbstbestimmung zu tun hat stellt B. lebendig in seinem Buch "Demokratie. Die Herrschaft des Volkes" dar.

Bücher über Demokratie gibt es viele. Dabei analysieren die Autor_innen immer genaustes die Fehlerhaftigkeit der Demokratie und finden die Lösungen meist in einer Ausweitung, bzw. "Verbesserung" der Demokratie. Anders Jörg B., er versucht in seinem Werk darzustellen warum die Demokratie grade nicht die Lösung für gesellschaftliche Konflikte darstellt, sondern eben deren Ursache ist. Damit greift er eine - auch in linksradikalen/"anarchistischen" Kreisen - heilige Kuh an. Die Lösung sieht er zum Glück nicht in einer autoritären Zuspitzung der Gesellschaft, sondern im Gegenteil in der menschlichen Emanzipation von jedweder Herrschaft. Er stellt zunächst die demokratische Philosophie(n) vom antiken Athen bis in die Neuzeit dar - und zeigt dabei deren Widersprüche und Fehler auf. Demokratie ist nur eine Herrschaftsform unter vielen - die mit Freiheit an sich erst mal sehr wenig zu tun hat. Aber auch die heute existierende Demokratie wird demontiert. Der Autor widerlegt die Mythen der Gewaltenteilung und zeigt das wir eben mehr in einer Oligarchie (Herrschaft einer privilegierten Schicht) leben, als in einer "Demokratie". Er gibt wieder wie die heutige Gesellschaft durch Diskurse und Manipulation auf den "demokratischen Weg" gebracht wird- und was das für Auswirkungen hat.

Leider fehlt mir in dem Buch eine genauere Darstellung des Zusammenhanges von Kapitalismus und Demokratie. Dieses Thema reißt der Autor nur beiläufig an. Die gesamten Kapitel sind gespickt mit Verweisen und Originalzitaten. Die Zitate verdeutlichen und belegen zwar genau die Thesen des Autors, stoppen allerdings den Lesefluss und sind teilweise nicht gut in den Text eingearbeitet. Dadurch ist das Buch teilweise etwas mühselig zu lesen, obwohl der Schreibstil ansonsten gut verständlich und unterhaltsam ist. Insgesamt eine treffende Darstellung der Demokratie in Theorie und Praxis, die durch immer wieder kehrende Verweise auf emanzipatorische Alternativen abgerundet wird.


http://www.gruenes-blatt.de/wiki/index.php/2007-02

Grünes Blatt - Frühsommer 2007

jhc Ein längst überfälliges Buch! Im herrschenden Diskurs gilt Demokratie, egal in welchem Milieu, als etwas absolut Gutes und, wenn auch nicht Perfektes, so doch als das "Beste was geht". Diese diskursive Herrschaft wird mit dem Buch höchst erfolgreich dekonstruiert. Durch die durchgängige Einbindung von Materialien der Bundeszentrale für politische Bildung spricht der Staat oft für sich selbst. Das reicht oft, um erschreckend offensichtliche Wahrheiten ans Licht zu bringen. Im Zuge der Kritik müssen auch der "Rechtsstaat" und die herrschende Wirtschaftsordnung dran glauben.

Von vielen unterschiedlichen Perspektiven aus wird die Demokratie als "Volksherrschaft" erfolgreich attackiert. Bemerkenswert ist auch die relativ einfache Verständlichkeit des Buches. Auf "akadmisches Geschwafel" wird größtenteils verzichtet und die Probleme werden auf den Punkt gebracht. Gleichzeitig werden viele - kritische wie demokratiehörige - politikwissenschaftliche Quellen mit eingebunden, was von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema zeugt. Sollte deshalb eigentlich zur Pflichtlektüre im Studium gehören. Denn eine so konsequente Dekonstruktion des herrschenden Demokratie-Ideals ist mir bis jetzt noch nicht unter die Finger gekommen.

Einziges Manko: Die relative Freiheit, die in einem demokratischen System gegeben ist und eine solch kritische Publikation möglich macht, wird mit keinem Wort bedacht. Das ist im Gesamtkontext aber eigentlich nicht so gravierend, es würde dem Buch seine Radikalität nehmen und sollte nebenbei jedem aufmerksamen Leser klar sein.

04.12.07    Der kleine Dienstag <derkleinedienstag@jpberlin.de>
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