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Sébastien Faure: Die anarchistische Synthese und andere Texte.
Herausgegeben, bearbeitet und mit Annotationen versehen von Jochen Knoblauch
Verlag Edition AV 2007
ISBN: 978-3-936049-85-5, 70 Seiten
Preis: 9,80 €.
Die Wiederentdeckung von Sébastien Faure
Im deutschsprachigen Raum ist der Name Sébastien Faure (* 1858 / + 1942)
weitgehend unbekannt. Der aus Frankreich stammende libertäre Pädagoge und
Publizist, der u.a. einen starken Einfluß auf Emma Goldman und Louise
Michel hatte, wurde nun von Jochen Knoblauch in Form einer
Wiederveröffentlichung von drei Broschüren Faures wieder in das Bewußtsein
zurückgeholt. Die drei veröffentlichten Essays Faures, die in den 20er
Jahren des 20. Jahrhunderts erstmalig ins Deutsche übersetzt wurden, haben
trotz des zeitlichen Abstandes ihre Aktualität bewahrt.
Beim ersten Essay handelt sich es um den Text „Die
Anarchisten“, der sich
zeitgeschichtlich in die klassischen Selbstdarstellungen der Bewegung
(z.B. Errico Malatesta: Anarchie, Alexander Berkman: ABC des Anarchismus)
einreiht. In diesem Text versucht Faure den gängigen und bis heute
gebräuchlichen Mißdeutungen des Anarchismus etwas entgegenzusetzen. Anhand
der drei Aspekte: „Wer wir sind! Was wir wollen! Und was unser
revolutionäres Ideal ist!“ präsentiert er ein streckenweise -
zeitlich bedingt - sehr pathetisches Bild des Anarchismus, das aber die
wesentlichen und bis heute gültigen Grundüberzeugen benennt.
Ein weiterer Essay trägt den Titel „Die Verbrechen Gottes“ und
ist eine Auseinandersetzung mit dem religiösen Glauben. Basierend auf
rationalen
Überlegungen widerlegt er den Gottesglauben und propagiert den Atheismus.
Weiter findet sich der Aufsatz „Die anarchistische Synthese“
in der Sammlung, der zusätzlich durch den Abdruck einer Kommentierung
durch den bekannten italienischen Anarchisten Luigi Fabbri ergänzt wird.
In diesem Essay verteidigt Faure die Vielschichtigkeit der anarchistischen
Strömungen, die von vielen GenossInnen als eine Schwächung wahrgenommen
werden. Auch hier zeigt sich wieder die Aktualität seines Denkens. Statt
die Vielschichtigkeit zu akzeptieren und die Heterogenität als Gewinn zu
betrachten, neigen viele AnarchistInnen dazu, die von ihnen präferierte
Strömung als einzig Wahre zu sehen und anderen Strömungen ihren
emanzipatorischen Gehalt abzusprechen. Für Faure hingegen besteht die
Möglichkeit einer Synthese der unterschiedlichen Strömungen, die sich sehr
gut in ihrer ausdifferenzierten Schwerpunktsetzung ergänzen und sich
gegenseitig befruchten können.
Eingerahmt sind die Texte durch ein knappes Vorwort des Herausgebers und
eine Kurzbiographie von Sébastien Faure, die eine erste Verortung des
Hintergrundes zulassen. Der Verdienst dieser Veröffentlichung ist, daß ein
im deutschsprachigen Raum fast vergessener Autor wiederpubliziert wird.
Die Edition seiner Schriften ist behutsam vorgenommen, aber an manchen
Stellen noch ergänzungsbedürftig. So fehlen sowohl bei „Die
Anarchisten“ als auch bei „Die anarchistische Synthese“
die Angaben der französischen
Erstveröffentlichung. Das sind aber Kleinigkeiten, die sicherlich nur für
eine vornehmlich wissenschaftlich interessierte LeserInnenschaft von
Bedeutung sind. Zu wünschen wäre, daß inspiriert von dieser
Veröffentlichung weitere Texte von Faure in deutscher Sprache zugänglich
gemacht werden.
Maurice Schuhmann für LPA Berlin
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