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------------------------ Ursprüngliche Nachricht -------------------------
Betreff: [Chiapas98] Chiapas-Oaxaca-Newsletter, November 2007
Von: pcl(ät)jpberlin.de
Datum: Sa, 3.11.2007, 19:37
Mexiko-Newsletter November
- Flutkatastrophe in Tabasco und Chiapas: Bericht von vor Ort
- Repression in Oaxaca: 19 Verhaftungen und Übergriffe an
Allerseeligen
- Veranstaltung zu Agrotreibstoff: 8.11. in Zürich; Artikel zu
Syngenta-Paras in Brasilien - Demonstration gegen Ausschaffungen und
Ausgrenzung: Zürich, 17.11. Helvetiaplatz
- Zapatistisches Frauentreffen in Chiapas, 29.-31.12.07
- Flutkatastrophe in Tabasco und Chiapas: Bericht von vor Ort
Nicht nur Tabasco ist nach zweiwöchigen, ununterbrochenen Regenfällen
unter Wasser, auch der Norden von Chiapas ist stark betroffen,
zahlreiche Flüsse sind über die Ufer getreten. Die Zahl der
Unwettergeschädigten in Nordchiapas wird auf über 10'000 geschätzt,
offizielle Hilfeleistungen seien hier bisher sehr spärlich, so die
mexikanische Presse. Momentan ist eine Companera der Soligruppe dort
vor Ort und schreibt uns gestern Freitag folgendes:
"Gerade habe ich mit einem zapatistischen Compa aus La Sabanilla,
einem von den Regenfällen stark betroffenen Bezirk, gesprochen. Er
hat gesagt, es habe 3, 4 Gemeinden wegen Erdrutschen so getroffen,
dass sie evakuiert werden mussten. Vielleicht wird auch eine
Direkthilfe notwendig. Ich habe den Compa gefragt, ob der Rat der
Guten Regierung informiert sei. Anscheinend wissen sie es. Vielleicht
können wir da finanzielle Unterstützung leisten. Es regnet weiter
ueberall wie verrückt. In Ocosingo ist auch schon ein Fluss
überbordet. Villahermosa ist in eine Katastrophe, die ganze Stadt ist
überflutet, ca. 100000 Leute in ihren Haeusern eingeschlossen. Es ist
unglaublich, ein zweites New Orleans."
Wir erinnern uns an die Situation nach dem Hurrikan Stan, als vor
zwei Jahren das südliche Chiapas zerstört wurde. Die zapatistischen
Gemeinden und Familien wurden durch die Hilfe aus dem Caracol von La
Realidad notversorgt und die zerstörten Häuser wieder aufgebaut. Wir
werden Euch über aktuelle Handlungsmöglichkeiten auf dem Laufenden
halten.
Ausserdem scheint uns wichtig, im Auge zu behalten, wie sich der
anfangs durchaus sinnvoll erscheinende Einsatz des mexikanischen
Militärs zur Evakuierung von Flutopfern insbesondere in Tabasco
entwickeln wird. Tabasco ist der Staat mit der erdölverarbeitenden
Industrie und deshalb von zentraler strategischer Bedeutung. Im Zuge
der Katastrophe könnte dort ein ähnliches Shock-and-Awe-Strategie wie
in New Orleans, nach dem Mitch oder anderswo angewandt werden: die
Katastrophe wird von oben als "Gelegenheit" benützt, um
Strukturanpassungsmassnahmen durchzuziehen, die sonst auf Widerstand
stossen würden. Diese Art von Katastrophen-Kapitalismus hat übrigens
Naomi Klein - nicht als erste, aber sehr lesbar - in ihrem neuen Buch
"Die Schock-Therapie" beschrieben.
- Repression in Oaxaca: 19 Verhaftungen und Übergriffe an
Allerseeligen
Am Freitag, 2.11. wollte die APPO der 23 Gefallenen Compas von der
heissen Phase des Aufstandes von vor einem Jahr gedenken - und dem
Sieg über die Polizeieinheiten der PFP vor einem Jahr. An der
Kreuzung "5 senores" wo am 2.11.06 die Hundertschaften der PFP
vergebens versuchten, die Barrikade einzunehmen und Radio Universidad
zu räumen, versammelten sich gestern früh um 7 Uhr die ersten Leute,
um auf der blockierten Kreuzung ein grosses Mahnmahl aus Sand und
Steinen zu gestalten. Doch schon um 7.30 Uhr überfielen 300
Polizisten verschiedener Einheiten mit scharfen Waffen die
Kundgebung. 19 Studierende und ProfessorInnen wurden verhaftet,
teilweise in klandestine Gefängnisse gesteckt, verhört, mit
Elektroschocks an den Genitalien verletzt. Florentino Lopez, einer
der Sprecher der APPO, konnte der Verhaftung nur knapp entkommen;
viele Privathäuser in der Umgebung der Kreuzung wurden ohne legale
Grundlagen durchkämmt, um geflohene AktivitstInnen ausfindig zu
machen.
Die APPO und ihre AnwältInnen verlangten sofort die Freilassung der
Gefangenen, was dann schon um 11 Uhr gelang. Dennoch ist die Drohung
klar und hat in ihrer Deutlichkeit eine neue Dimension: Wer sich in
Oaxaca bewegt, der sieht bald in einen Gewehrlauf.
Die nächsten grossen Mobilisierungen sind in Oaxaca für die nächsten
Tage und Wochen geplant, sie sollen in einer national mobilisierten
Megamarcha am 25.11. kulminieren (am 25.11.06 wurde die Bewegung der
APPO von 2006 durch eine polizeilich-militärische Grossaktion
zurückgedrängt).
- Veranstaltung zu Agrotreibstoff: 8.11. in Zürich; Artikel zu
Syngenta-Paras in Brasilien
Agrotreibstoffe: Chance oder Schnapsidee?
Boom, Business und faire Alternativen
- Was haben Treibstoff und Nahrungsmittel miteinander zu tun? -
Welche Folgen hat die Agrotreibstoff-Produktion für den Süden? -
Welche Möglichkeiten und Grenzen bieten Fairer Handel und Biolandbau?
Podiumsdiskussion mit: - Reto Sonderegger, Sozialforscher und
Bioberater, lebt in Paraguay - Adrian Wiedmer,
Umweltnaturwissenschafter ETH und Geschäftsleiter Gebana AG, lebt in
Brasilien - Herbert Karch, Ing. agr. ETH und Geschäftsführer
Kleinbauern-Vereinigung
Donnerstag, 8. November 2007, 20.00 Uhr Zentrum Karl der Grosse,
Kirchgasse 14, beim Grossmünster, 8001 Zürich Tram 4 ab Hauptbahnhof
oder 15 ab Central bis Helmhaus
Freier Eintritt, Kollekte
Die Veranstaltungsgruppe wird unterstützt durch: KleinbauernVereinigung,
Gebana AG und Café RebelDia / Direkte Solidarität mit
Chiapas Kontakt: agrotreibstoffe@gmail.com
Infotext Die neoliberale Wachstumswirtschaft hat Durst. Sie beruht
auf dem Verbrauch von Treibstoff aus fossilen Energieträgern. Seit
einigen Jahren werden nun Agrotreibstoffe verstärkt als Alternative
propagiert. Doch KritikerInnen weisen auf schlechte Ökobilanzen,
Monokulturen, Gentech-Einsatz, Brandrodungen und Vertreibungen in den
Anbauregionen des Südens hin. Sie prangern die Flächenkonkurrenz zur
Nahrungsmittelproduktion und die Rolle der Öl-, Auto- und
Agroindustrie an. Dass es auch anders geht, will die Gebana AG
zeigen: Sie hat einen Treibstoff aus einem Soja-Nebenprodukt
lanciert, der die Nahrungsmittelproduktion nicht konkurrenzieren
soll. Der Bio-Anbau soll die Umweltbelastung senken, der Faire Handel
den KleinbäuerInnen in
Brasilien ein gerechtes Einkommen sichern.
- Demonstration gegen Ausschaffungen und Ausgrenzung: Zürich, 17.11.
Helvetiaplatz
Demonstration «GEGEN AUSSCHAFFUNGEN UND AUSGRENZUNG - SOLIDARITÄT
LEBEN!»
SAMSTAG, 17. NOVEMBER 2007 Besammlung um 13:30 Uhr auf dem
Helvetiaplatz in Zürich
Seit Jahren verschärft die Schweiz ihre Politik gegenüber
MigrantInnen und Flüchtlingen und erlässt Gesetze, welche elementare
Menschen- und Grundrechte mit Füssen tritt. Auf den 1. Januar 2008
werden die letzten Teile des neuen Ausländer- und Asylgesetzes gültig
und wir werden mit einer neuen Dimension von Ausgrenzung,
Kriminalisierung und Hetze gegen MigrantInnen und Flüchtlinge
konfrontiert sein.
Sozialhilfestopp - ein Leben in der Notunterkunft - Zwangsarbeit -
zwei Jahre Ausschaffungshaft (ohne etwas verbrochen zu haben) -
staatliche Gewalt - Psychoterror - Verweigerung von medizinischer
Behandlung - Elektroschock bei Ausschaffungen, sind da nur ein paar
Stichworte im Katalog des Grauens, der Menschen in den Selbstmord und
die Illegalität treibt. Und das alles in einem Land, wo «Demokratie»,
«Rechtsstaat» und «Menschenrechte» so gross geschrieben werden. Wir
sind jedoch nicht bereit, dem allem stillschweigend zuzusehen und
diese erdrückende Realität einfach so zu akzeptieren. Abschottung und
Ausgrenzung sind Folgen einer rassistischen und fremdenfeindlichen
Politik, die wir nicht länger dulden wollen. Wir sagen dem neuen «Herz
en der Finsternis» in Europa den Kampf an.
Aus diesem Grund rufen wir für den 17. November 2007 in Zürich zu
einer Demonstration unter dem Motto «Gegen Ausschaffungen und
Ausgrenzung - Solidarität leben!» auf. Wir wollen gemeinsam mit
Betroffenen ein starkes Zeichen gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit
und Entsolidarisierung in dieser Gesellschaft setzen. Wir wollen an
diesem Tag zeigen, dass nicht alle in der Schweiz mit der aktuellen
Politik einverstanden sind. Das Missachten elementarster Grundrechte
der Flüchtlinge und MigrantInnen stellt ein Angriff auf die Rechte
von uns allen dar!
Wir fordern: Ein radikales Umdenken in der Asylpolitik und eine
sofortige Aufnahme von Kontingentflüchtlingen aus Krisenregionen wie
beispielsweise dem Irak, Darfur oder Burma!
Wir fordern: Jede Form von Zwangsausschaffung zu unterlassen und alle
Ausschaffungsgefängnisse per sofort zu schliessen! Keine
Ausschaffungen in Bürgerkriegsländer und Folterstaaten wie dem Iran,
der Türkei oder Afghanistan!
Wir fordern: Schluss mit der gesellschaftlichen Ausgrenzung! Freier
Zugang zu Bildung und Arbeit sowie Chancengleichheit für alle. Weg
mit dem Arbeitsverbot und Sozialhilfestopp!
Wir rufen zum zivilen Ungehorsam gegen die unmenschliche Asyl- und
Migrationspolitik auf. Wer wegschaut und schweigt, der macht sich
mitschuldig!
Die Demonstration wird von folgenden Gruppen organisiert:
Afghanisches Flüchtlingsunterstützungskomitee (AFUK), Aktion gegen
rechte Gewalt (AGRG), Antirassistisches Netzwerk (anne), augenauf
Zürich, Bleiberecht für alle, Colectivo sin papeles Zürich, Darfur
Friedens- und Entwicklungszentrum (DFEZ), Demokratische Vereinigung
der Flüchtlinge (DVF), Flüchtlingscafé «Refugees Welcome»,
Humanistische Partei (HP), Infoladen Kasama, International Federation
of Iraqi Refugees (IFIR), Iranian Union of Refugees (IUR), Minka
Alternatina, Partei der Arbeit Zürich (PdAZ), RAJO - Neue Hoffnung
für Somalia, Sankofa, Socialist Party of Iran (SPI), SOS Rassismus
Deutschweiz und United Somali Youth (USY)
- Zapatistisches Frauentreffen in Chiapas, 29.-31.12.07
Ende Dezember wird das "Dritte Treffen der zapatistischen Völker mit
den Völkern der Welt: Die comandanta Ramona und die Zapatistas"
stattfinden. Es trägt also den Namen der verstorbenen Comandanta
Ramona und ist explizit dem Austausch zum Thema Frauenorganisierung
zwischen Zaptistas und Frauen aus aller Welt gewidmet. Ein Auszug aus
dem Einladungstext: "Wir werden die zapatistischen Compañeros
(Männer) bitten, dass sie uns in logistischen Fragen helfen. Es
können auch Compañeros aus Mexiko und der Welt da sein, um uns zu
zuzuhören, aber schweigend (calladitos), gleich wie unsere
zapatistischen Männer.
Einladung auf Spanisch und Englisch:
http://zeztainternazional.ezln.org.mx/?p
PS: Postkarten-Aktion für Diego Arcos, politischer Gefangener der
Zona Norte, Chiapas: http://www.chiapas.ch/?artikel_ID"4&start=0&j
Direkte Solidaritaet mit Chiapas
Chiapas - Unterstuetzungsverein!
Postfach 8616
Mitgliedschaft für 60.-/Jahr
8036 Zürich, SUIZA |
http://www.chiapas.ch/aktion5.php
Chiapas98 Mailingliste
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