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------------------------ Ursprüngliche Nachricht -------------------------
Betreff: [Chiapas98] radio-Interview zum Indigenen-Treffen
Datum: Fr, 26.10.2007, 22:44
Hier das Link zu dem Telefon-Interview, dass Radio Corax heute mit
Thomas über das Indigene Treffen gemacht hat.
http://www.freie-radios.net/mp3/20071026-treffender-19399.mp3
_____________________________________________ND Artikel von BASTA-Aktivist:
Tageszeitung Neues Deutschland 23.10.2007
»Dies ist die Zeit der Indígenas«
Erstes Treffen der indigenen Völker Amerikas endete mit Forderung nach
echter Autonomie
Das Erste Treffen der indigenen Völker Amerikas im nordmexikanischen
Bundesstaat Sonora endete mit einer Kampfansage an das kapitalistische
System. Regierungen und Konzerne stehen in der Kritik. Echte Autonomie ist
die zentrale Forderung.
Vícam, Mexiko. Glühende Hitze, Staub, eine karge, flache
Halbwüstenlandschaft und felsige Berge im Hintergrund – vor diesem
Szenario trafen sich vom 11. bis zum 14.Oktober 2007 über 500 Delegierte
von 67 indigenen Nationen, Stämmen oder Völkern zum »Ersten Treffen der
indigenen Völker Amerikas« im nordmexikanischen Bundesstaat Sonora. Die
Teilnehmer stammten aus zwölf Staaten, darunter Kanada, USA, Mexiko,
Guatemala, Honduras, Nicaragua, Ecuador und Paraguay.
Aufgerufen hatten die in der Gemeinde Vícam lebenden Yaqui-Indigenen, der
Nationale Indigene Kongress (CNI) und die Zapatistische Armee zur
nationalen Befreiung (EZLN)aus Mexiko. Über 600 Aktivisten von sozialen
Bewegungen, weitere Angehörige indigener Bevölkerungsgruppen und
Medienvertreter aus Mexiko und dem Ausland beobachteten die Zusammenkunft.
Vor dem Treffen wurden nach Angaben der Tageszeitung »La Jornada«
verschiedene Delegationen von Militär- und Polizeieinheiten
eingeschüchtert oder aufgehalten, auch ausländische Beobachter wurden
observiert.
Yolanda Meza, CNI-Aktivistin der Kumiai-Nation aus dem nordmexikanischen
Bundesstaat Baja California Norte, betonte gegenüber ND, dass es sich bei
dem Treffen um ein historisches Ereignis handle: »Wir wollen die Kräfte
der indigenen Menschen von Amerika und auch der Welt in einer neuen
Qualität bündeln. Wir haben festgestellt, dass wir alle sehr ähnliche
Probleme haben. In Nord- und Südamerika sind wir massiv von Landraub,
Repression und Diskriminierung betroffen. Das führt zu einer immensen
Migration. Aber wir wollen nicht weiter abwandern, wir werden nun bleiben
und unser Land verteidigen.«
Die Redebeiträge der Delegierten offenbarten die Rücksichtslosigkeit, mit
der seit 515 Jahren gegen die Ureinwohner vorgegangen wird. Die in Kanada
lebenden Secwepemc schilderten, wie die weißen Eroberer die Ideologie
einführten, dass Männer mehr wert seien als Frauen. Sie kritisierten zudem
die christlichen Missionare, die bis 1984 die Kinder der Ureinwohner
entführten, nach westlichen Denkmustern umerzogen und in vielen Fällen
sexuell missbrauchten. In einigen Schulen sollen bis zu 95 Prozent der
Kinder vergewaltigt worden sein. Aktuell rufen die Secwepemc zu einem
Boykott der olympischen Winterspiele von 2010 in British Columbia auf,
weil diese ohne ihre Erlaubnis auf ihren Ländereien veranstaltet werden
sollen und unwiederbringliche Zerstörungen verursachen würden. Die
Sprecherin der Secwepemc bezog sich wie viele Redner positiv auf den
Aufstand der zapatistischen Bewegung in Chiapas und appellierte an die
Anwesenden, sich zu vereinen, »als eine große rote Nation auf diesem roten
Kontinent«.
»Heute bin ich stolz, dass ich ein Indio bin« – diese Äußerung war
vielfach zu hören. Die indigenen Aktivisten haben die Opferrolle endgültig
abgelegt – das Wort »Indio«, das sie rassistisch als
zurückgebliebene »Bauerntölpel« beleidigt, füllen sie nun mit Würde und
vernetzen sich über diese einst oktroyierte Bezeichnung.
Die Delegierten lehnten mit zwei Ausnahmen – Ecuador und Nicaragua
– die jeweilige staatliche Indígena-Politik und die
nationalstaatlich festgesetzten Grenzen ab. Sie forderten echte Autonomie
in den Bereichen Territorium, Naturressourcen, Verwaltung, Wirtschaft,
Kultur, Gesundheit und Bildung.
Salvador Campanur, Purhépe-cha-Indígena, unterstrich, dass der CNI nicht
mit Regierungen, politischen Parteien oder der Wirtschaft zusammenarbeite:
»Wir schließen uns mit den Menschen von unten zusammen, mit den
antikapitalistischen Kräften, die gegen dieses System sind, in dem es nur
um Profit geht und das Geld eine Gottheit ist«.
Subcomandante Marcos, Sprecher der EZLN, erinnerte an die Dramatik der
globalen ökologischen Situation: »Niemals zuvor ist die Zerstörung so groß
und so irreparabel gewesen. Was sie jetzt nämlich töten ist die Erde, die
Natur, die Welt. Das zerbrechliche Gleichgewicht der Natur, das die Welt
Millionen von Jahren in Gang gehalten hat, ist dabei, zusammenzubrechen,
doch diesmal für immer. Und da oben wird nichts unternommen, außer
Erklärungen in den Massenmedien abzugeben und nutzlose Kommissionen zu
bilden. Dort oben, in den Regierungen, gibt es keine Hoffnung.
Palma Aguirre verlas am 14. Oktober die Erklärung von Vícam, die eine neue
Etappe im Widerstand der amerikanischen Indígenas verkündet: »Wir erklären
vor der ganzen Welt, dass wir unsere Mutter Erde schützen und mit unserem
Leben verteidigen werden. Wir als indigene Stämme und Völker dieser
Territorien, die von den Invasoren Amerika genannt wurden, haben bis heute
Widerstand gegen einen kapitalistischen Eroberungs- und Vernichtungskrieg
geleistet, der bereits mehr als 515 Jahre andauert. Doch mit dem Schmerz
und dem Albtraum, der durch den entfesselten Kapitalismus verursacht wird,
wachsen der Widerstand und die Empörung unserer Völker. Wir manifestieren
unser historisches Recht auf freie Selbstbestimmung als Völker, Nationen
und Stämme dieses Kontinents. Wir weisen den kapitalistischen
Eroberungskrieg, der uns von transnationalen Konzernen und internationalen
Finanzorganisationen in Komplizenschaft mit den Nationalstaaten
aufgezwungen wird, entschieden zurück. Wir protestieren gegen die
Zerstörung und Plünderung der Mutter Erde durch Industrie, Bergbau,
Tourismus, Agrar-, Urbanisierungs- und Infrastrukturarbeiten«.
Kulturell umrahmt wurde die Zusammenkunft, die zwischen einer
konzentrierten und kämpferischen Atmosphäre hin- und herpendelte, mit
Tänzen, Liedern, Gedichten und Filmpräsentationen. So hatte das Treffen
auch den Charakter einer großen interkulturellen Feier und wirkte wie ein
Aufbruch.
Salvador Campanur äußerte sich dementsprechend optimistisch: »Wir sind
überzeugt: Dies ist die Zeit der Indígenas! Wir sind dabei, ein großes
Netzwerk zu bilden. Und wir werden siegreich sein!
Luz Kerkeling, Vícam
http://www.neues-deutschland.de/artikel/118150.html
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