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Berlin-Kreuzberg: Bürgerinitiative will Obda

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## Nachricht vom 04 Sep 03 weitergeleitet

## Ursprung : SABINE@SABINE.org
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TI: Geistige Brandstifter
QU: Junge Welt
DA: 04.09.2003
SW: B; Dro; Em
AB: In Berlin-Kreuzberg will eine Bürgerinitiative eine Obdachloseneinrichtung verhindern

In Berlin-Kreuzberg will eine Bürgerinitiative eine Obdachloseneinrichtung verhindern

Christian Linde
Der Widerstand einer »Anwohnerinitiative« gegen die Ansiedlung eines Obdachlosenwohnheimes im Berliner Stadtteil Kreuzberg (jW berichtete) eskaliert. Cornelia Leibholz, Geschäftsführerin der Betreiberfirma SIEFOS, hat inzwischen ein Wachschutzunternehmen beauftragt, das Gebäude am Legiendamm, in das die Obdachlosen Ende dieses Jahres einziehen werden, zu schützen. »Wir können nicht mehr davon ausgehen, daß nichts passiert«, so Leibholz gegenüber jW.

Der Umzug der Einrichtung von der Friedrichshainer Mühlenstraße zum Legiendamm im sogenannten Engelbecken ist notwendig geworden. weil die US-amerikanische Investorengruppe Anschutz Entertainment das Friedrichshainer Grundstück erworben hat und plant, dort ein neues Stadtquartier und eine Mehrzweckveranstaltungshalle zu errichten. Das Bezirksamt Friedrichshain/Kreuzberg hatte dem Standortwechsel an den Legiendamm parteiübergreifend zugestimmt. Auf eine Anfrage in der Bezirksverordnetenversammlung am vergangenen Donnerstag verteidigte Sozialstadträtin Kerstin Bauer (PDS) nochmals die Entscheidung und trat den in einer Petition formulierten Vorwürfen entgegen, wonach durch das Obdachlosenheim »die gesamte, bis jetzt positive Entwicklung des Gebietes gefährdet und der Sinn der vielen getätigten
Investitionen der öffentlichen Hand und von privater Seite in Frage gestellt sind«.

Doch die sich »Anlieger vom Engelbecken« nennende Initiative, die vor allem aus Architekten und Investoren des Nachbarbezirkes Mitte besteht, will diese Entscheidung keinesfalls akzeptieren. Bei einem Gespräch kurz vor der inzwischen erfolgten Vertragsunterzeichnung zwischen Vertretern der Initiative, der Kirche und SIEFOS kam es zu handfesten Drohungen. »Wenn SIEFOS die Immobilie erwirbt, können wir für nichts garantieren«, so ein Mitglied der Anwohnerinitiative. HansJoachim Ditz, Pastoralreferent der am Engelbecken ansässigen St. Michael-Gemeinde, zeigt sich über das Auftreten erschüttert. »Mit diesem Verhalten legen diese Leute die Fackel«, warnte er.

In den Chor der Protestierenden hat sich inzwischen auch der Verleger und Buchhändler Wieland Giebel eingereiht, der in den 70er Jahren den linken Elefanten-Press-Verlag mitbegründete. In einem Schreiben an SIEFOS verlangte er, daß das Obdachlosenprojekt aus Kreuzberg verschwindet. Wörtlich heißt es dort: »Die Spur zu ihnen ist gekennzeichnet durch Uringeruch und durch torkelnde Männer, durch Menschen, die sich aufgegeben haben. Erst dies riechend und das beobachtend habe ich sie gefunden. Ich fordere sie auf, sich anderswo anzusiedeln. Es wird hier Ärger geben, bis sie sich zurückziehen.«

Auch auf dem Behördenweg versucht die Initiative, weiter Stimmung gegen das Obdachlosenprojekt zu machen. Beim zuständigen
Polizeiabschnitt in Friedrichshain wurde man mit Anfragen über Lebenslauf und mögliche Vorstrafen der künftigen Bewohner des Kreuzberger Heims vorstellig. Es wird befürchtet, daß entsprechende Daten auch tatsächlich weitergegeben wurden. Der Anwalt der SIEFOS hat deswegen bereits rechtliche Schritte angekündigt.


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07.09.03    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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