|
Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer
persönlichen Information.
## Nachricht vom 04 Sep 03 weitergeleitet
## Ursprung : SABINE@SABINE.org
## Betreff : DIR-ML: Geistige Brandstifter (jw)
## Ersteller: dirinfo@web.de (D.I.R. e.V.)
## Msg-ID : 3F575E5C.28727.E8112D@localhost
TI: Geistige Brandstifter
QU: Junge Welt
DA: 04.09.2003
SW: B; Dro; Em
AB: In Berlin-Kreuzberg will eine Bürgerinitiative eine Obdachloseneinrichtung
verhindern
In Berlin-Kreuzberg will eine Bürgerinitiative eine Obdachloseneinrichtung
verhindern
Christian Linde
Der Widerstand einer »Anwohnerinitiative« gegen die Ansiedlung eines
Obdachlosenwohnheimes im Berliner Stadtteil Kreuzberg (jW berichtete)
eskaliert. Cornelia Leibholz, Geschäftsführerin der Betreiberfirma
SIEFOS, hat inzwischen ein Wachschutzunternehmen beauftragt, das
Gebäude am Legiendamm, in das die Obdachlosen Ende dieses Jahres
einziehen werden, zu schützen. »Wir können nicht mehr davon ausgehen,
daß nichts passiert«, so Leibholz gegenüber jW.
Der Umzug der Einrichtung von der Friedrichshainer Mühlenstraße zum
Legiendamm im sogenannten Engelbecken ist notwendig geworden. weil die
US-amerikanische Investorengruppe Anschutz Entertainment das
Friedrichshainer Grundstück erworben hat und plant, dort ein neues
Stadtquartier und eine Mehrzweckveranstaltungshalle zu errichten. Das
Bezirksamt Friedrichshain/Kreuzberg hatte dem Standortwechsel an den
Legiendamm parteiübergreifend zugestimmt. Auf eine Anfrage in der
Bezirksverordnetenversammlung am vergangenen Donnerstag verteidigte
Sozialstadträtin Kerstin Bauer (PDS) nochmals die Entscheidung und
trat den in einer Petition formulierten Vorwürfen entgegen, wonach
durch das Obdachlosenheim »die gesamte, bis jetzt positive Entwicklung
des Gebietes gefährdet und der Sinn der vielen getätigten
Investitionen der öffentlichen Hand und von privater Seite in Frage
gestellt sind«.
Doch die sich »Anlieger vom Engelbecken« nennende Initiative, die vor
allem aus Architekten und Investoren des Nachbarbezirkes Mitte
besteht, will diese Entscheidung keinesfalls akzeptieren. Bei einem
Gespräch kurz vor der inzwischen erfolgten Vertragsunterzeichnung
zwischen Vertretern der Initiative, der Kirche und SIEFOS kam es zu
handfesten Drohungen. »Wenn SIEFOS die Immobilie erwirbt, können wir
für nichts garantieren«, so ein Mitglied der Anwohnerinitiative. HansJoachim
Ditz, Pastoralreferent der am Engelbecken ansässigen St.
Michael-Gemeinde, zeigt sich über das Auftreten erschüttert. »Mit
diesem Verhalten legen diese Leute die Fackel«, warnte er.
In den Chor der Protestierenden hat sich inzwischen auch der Verleger
und Buchhändler Wieland Giebel eingereiht, der in den 70er Jahren den
linken Elefanten-Press-Verlag mitbegründete. In einem Schreiben an
SIEFOS verlangte er, daß das Obdachlosenprojekt aus Kreuzberg
verschwindet. Wörtlich heißt es dort: »Die Spur zu ihnen ist
gekennzeichnet durch Uringeruch und durch torkelnde Männer, durch
Menschen, die sich aufgegeben haben. Erst dies riechend und das
beobachtend habe ich sie gefunden. Ich fordere sie auf, sich anderswo
anzusiedeln. Es wird hier Ärger geben, bis sie sich zurückziehen.«
Auch auf dem Behördenweg versucht die Initiative, weiter Stimmung
gegen das Obdachlosenprojekt zu machen. Beim zuständigen
Polizeiabschnitt in Friedrichshain wurde man mit Anfragen über
Lebenslauf und mögliche Vorstrafen der künftigen Bewohner des
Kreuzberger Heims vorstellig. Es wird befürchtet, daß entsprechende
Daten auch tatsächlich weitergegeben wurden. Der Anwalt der SIEFOS hat
deswegen bereits rechtliche Schritte angekündigt.
Diese Informationen erhalten Sie ausschließlich zur nicht-kommerziellen Nutzung
für die anti-rassistische Arbeit unter Vorbehalt jeglicher Rechte.
Dokumentations- und Informationszentrum für Rassismusforschung e.V.
Postfach 1247, D-35002 Marburg, Tel. (+49) 6421 37722, Fax. (+49) 6421
37794
Internet: http://www.dir-info.de Email: buero@dir-info.de
Direktzugriff Nachrichtendatenbank: http://www.dir-info.de/nachrichten
|