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"... jeder muss im job permanently seine intangible assets mit high risk
neu relaunchen und seine skills so posten, dass die benefits alle ratings
sprengen, damit der cash-flow stimmt. Wichtig ist corporate- identity,
die mit perfect customizing und eye catchern jedes Jahr geupgedatet
wird!"
Hilmar Kopper, vormaliger Vorstandsprecher der Deutschen Bank
Süddeutsche Zeitung März 2007
(www.sueddeutsche.de/kultur/bildstrecke/847/106741/p0/?img=7.0)
After Sales Service
Kulturverlust im Automobilbereich
Aus dem Redeprotokoll der Hauptversammlung der Volkswagen AG am 3. Mai
2006 in Hamburg:
Redebeitrag von Herrn Dr. Teunis:
Vors. Prof. Dr. Piëch: Ich bitte Herrn Dr. Teunis, Braunschweig, ans Pult.
Dr. Teunis: Herr Vorsitzender! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich
vertrete eigene Aktien...etc.
..Ich habe vor einigen Monaten einen Passat bestellt und dabei erfahren,
dass man fundierte Englischkenntnisse braucht, um alles zu verstehen, was
angeboten wird. Bei der Ausstattung kann man wählen zwischen Trendline,
Highline, Sportline und Comfortline.
Bei den Motoren gibt es u. a. TDI und FSI. Was "FSI" bedeutet, weiß der
Berater nicht genau; es heiße wohl "Full Selected Injection" oder so. In
Wirklichkeit heißt es natürlich "Fuel Stratified Injection".
Es gibt weiterhin den FSI 4MOTION. Meine Nachfrage nach der Bedeutung von
"4MOTION" lautet: "Das ist doch klar: unser Allradantrieb!" Der Berater
weiß nicht, dass die korrekte Übersetzung für Allradantrieb "Four wheel
drive" ist.
"4MOTION" ist eine grammatikalische Unmöglichkeit und stellt eine böse
Verstümmelung der englischen Sprache dar. Denn "Motion" für Bewegung kann
morphosyntaktisch nicht mit einer Zahl kombiniert werden. Im Englischen
ist das genau so unmöglich, wie es "4Bewegung" im Deutschen wäre.
Bei den Farben ist es so bunt, dass es mir wegen der vielen englischen
Qualifizierungen einfach zu bunt wird, bei denen man sich offenbar nicht
die Mühe gemacht hat, nach deutschen Äquivalenten zu suchen. Ich darf
wählen aus Candy-Weiß, Granite Green, Arctic Blue Silver, Wheat Beige,
Shadow Blue, United Silver usw.
Gibt es wirklich keine treffenden deutschen Namen für unser deutsches
Produkt? Wo bleibt die Kreativität unserer Werbeabteilung?
(Beifall)
Darüber hinaus bietet die Volkswagen Individual GmbH ein individuelles
Designpaket aus Sensitive-Leder, in Snow Beige und Türinserts in
zeitlosem Design.
Und dann zum Entertainment: Ich darf bestellen: Multimedia-Kit, PhatBox
und Rear-Seat-Entertainment-Geräte.
Bei all den englischen Vokabeln, die ich höre und lese, frage ich mich:
Ist das eine Beratung für einen deutschen Kunden oder einen englischen
Kunden?
Nun fahre ich ihn, den Passat, und muss mich zurechtfinden mit
Bezeichnungen wie TIM für Traffic Information System, TMC für Traffic
Message Channel, EPC für Electronic Power Control, ACC für Adaptive
Cruise Control, mit MUTE, DEST, NAV, MAP, Scan und Autostore, mit
Autohold, Reset, SPEED, CANCEL,
(Heiterkeit und Beifall)
mit KESSY für Keyless Entry Start Exit System. - Es ist ein Graus, meine
Damen und Herren!
(Beifall)
Es gibt nicht nur die unverständlichen Abkürzungen, sondern unter dem
Navigationssystem prangt ein Satz: PASSENGER AIR BAG OFF. - Zu Deutsch,
frei übersetzt: Passagier Luft Sack aus.
(Heiterkeit)
Ohne Englischkenntnisse und intensives Studium des Bordbuches kommt man
nicht mehr zurecht!
Warum steht auf dem Zündschloss der Schriftzug "ENGINE Start/Stop"? Es
ging doch Jahrzehnte ohne diesen völlig überflüssigen und
unverständlichen Hinweis!
Nach der Übergabe des Fahrzeugs war früher der Kundendienst für mich
zuständig. Nun ist er umbenannt worden in After Sales Service.
(Heiterkeit)
Das ist absolut nicht einzusehen. Das ist nicht nur rücksichtslos,
sondern es erscheint mir auch verkaufsstrategisch gesehen als dumm, so
mit deutscher Kundschaft umzugehen.
(Beifall)
Ich empfehle, sich ein Beispiel an McDonald's zu nehmen. McDonald's hat
in Deutschland bis vor gut einem Jahr mit "Every time a good time"
geworben. Eine Marktanalyse ergab, dass dieser Werbespruch von der
Bevölkerung nicht verstanden wurde. McDonald's hat seinen Werbespruch
geändert in "Ich liebe es!".
(Heiterkeit und Beifall)
Aus demselben Grund hat auch unsere Konzerntochter Audi umgeschwenkt von
"Driven by Instinct" auf "Pur und faszinierend".
Herr Dr. Bernhard, auch Ihre Mitarbeiter in der Produktion verstehen nur
unzulänglich Englisch. Sie haben trotzdem vier "Product Units" -
abgekürzt PUs - für vier selbständig wirtschaftende Einheiten eingeführt.
Es sind dies die PU A-Klasse, die PU Presswerk, die PU Trim und die PU
Fahrsysteme - ein schönes Mischmasch aus Deutsch und Englisch!
Gemeint sind aber offensichtlich gar nicht "Product Units", sondern
"Production Units". Abgesehen von diesem Fehler empfehle ich, die jetzt
von Ihnen eingeführte Bezeichnung "Product Unit" wieder zurückzunehmen.
Die bisher gebräuchliche "Fertigung" kann genau so wirtschaftlich
arbeiten wie eine "Product Unit".
(Beifall)
Meine Damen und Herren, wenn der Kunde nachhaltig an Volkswagen gebunden
werden soll, muss die Sprache stimmen. Die ist für deutsch Sprechende nun
mal Deutsch und kein deutsch-englisches Mischmasch.
(Beifall)
Außerdem hat jeder das Recht, nicht Englisch zu können.
(Beifall)
Herr Dr. Pischetsrieder, ich habe abschließend zwei Fragen und einen
Vorschlag. Meine erste Frage: Beabsichtigen Sie, im deutschen Volkswagen
Konzern, der bereits seit Jahrzehnten global agiert, jetzt zunehmend
englische Bezeichnungen einzuführen, insbesondere auch dann, wenn es gute
deutsche Wörter gibt? Meine zweite Frage: Ist schon einmal geprüft
worden, welche Haftungsrisiken bestehen, falls ein des Englischen nicht
mächtiger Kunde den im Zweifel lebenswichtigen Warnhinweis "PASSENGER AIR
BAG OFF" nicht berücksichtigen konnte?
Und nun mein Vorschlag: Herr Dr. Pischetsrieder, Sie haben vor gut einem
Jahr einen neuen Namen für unseren deutschen Volkswagen Konzern gesucht,
um eine Abgrenzung zu Volkswagen Aktiengesellschaft zu erreichen.
Ich habe auf der letzten Hauptversammlung "People's Wagon Group"
vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt.
(Beifall)
Dr. Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstands: Das müsste doch ganz in
Ihrem Sinn gewesen sein, Herr Teunis!
(Heiterkeit)
Dr. Teunis: Ich versuche es heute mit einem anderen Vorschlag. Falls Sie
eine englische Bezeichnung für unseren Betriebsrat suchen sollten, ich
habe ein Angebot: "Work Council" mit der Abkürzung "WC".
(Große Heiterkeit und Beifall)
- Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass Ihnen mein Vorschlag so
gut gefällt. Dann dürfen wir zusammen auf die Antwort von Herrn Dr.
Pischetsrieder gespannt sein. Falls der Vorschlag angenommen wird, kann
der Worker an der Finishline künftig während oder nach seiner Shift zu
seinem vertrauten WC gehen.
(Heiterkeit)
Meine Damen und Herren, ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und
wünsche allen Volkswagen-Fahrern eine gute Zusammenarbeit mit ihrem After
Sales Service.
(Heiterkeit und Beifall)
Dr. Pischetsrieder, Vorsitzender des Vorstands:
Herr Teunis, Ihre Anregungen zur Verwendung der deutschen Sprache finde
ich so unterhaltsam, wie auch Sie, verehrte Aktionäre, sie fanden.
Es ist so, dass manche der Bezeichnungen, die Sie im Fahrzeug finden,
tatsächlich international genormt sind. Ihre spezielle Frage: Was
passiert denn mit dem Hinweis "Airbag off" für den Fall, dass jemand
nicht englisch lesen kann? - In der Betriebsanleitung ist genau
beschrieben, was das auf Deutsch heißt. Ich glaube trotzdem - das sage
ich durchaus aus Überzeugung -, dass die allzu intensive Verwendung der
englischen Sprache im Deutschen nicht nur im Automobilbereich ein
gewisser Kulturverlust ist.
(Beifall)
Mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. Geert Teunis
Die Sprache ist der Spiegel einer Nation. Wenn wir in diesen Spiegel schauen,
so kommt uns ein großes treffliches Bild von uns selbst daraus entgegen.
*
Wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache.
Friedrich Schiller
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