|
Dieser Text unterliegt dem Urheberrecht und dient exklusiv Ihrer
persönlichen Information.
## Nachricht vom 09 Nov 03 weitergeleitet
## Ursprung : SABINE@SABINE.nadeshda.org
## Betreff : DIR-ML: Die Rollbahn lässt Geschichte lebendig werden (FR)
## Ersteller: dirinfo@web.de (D.I.R. e.V.)
## Msg-ID : 3FAE7135.917.BD843F@localhost
TI: Die Rollbahn lässt Geschichte lebendig werden
QU: Frankfurter Rundschau
DA: 08.11.2003
SW: Ges; Kl; Ns; Fra; Hes; Mfi; Abe; Ent
AB: KZ-Außenstelle Walldorf ist Thema eines Dokumentarfilms / Uraufführung
im Lichtblick-Kino
KZ-Außenstelle Walldorf ist Thema eines Dokumentarfilms / Uraufführung im
Lichtblick-Kino
Das Schicksal der 1700 ungarischen Jüdinnen, die im Jahr 1944 im KZAu
ßenlager Walldorf untergebracht waren, um die erste Rollbahn am Frankfurter
Flughafen zu bauen, ist jetzt auf der Kinoleinwand zu sehen. Am Donnerstag war
Uraufführung im Lichtblick-Kino in Walldorf.
Mörfelden-Walldorf · 7. November · alö · "Heute Abend sind hier fast nur
Menschen, die ich schon kenne und viele, die zum Gelingen des Films
beigetragen haben", sagt die Historikerin und Museumsleiterin Cornelia Rühlig
vor der Premiere des Films Die Rollbahn. Der wurde am Donnerstagabend im
Lichtblick-Kino Walldorf gezeigt.
Im ausverkauften Kino - die Besucher standen zum Teil an der Theke oder
saßen auf Getränkekisten - verfolgten die Zuschauer gespannt die
Dokumentation des Schicksals der 1700 jüdischen Ungarinnen, die im Jahr 1944
von Auschwitz nach Walldorf gebracht wurden, um hier im Auftrag der Baufirma
Züblin die erste betonierte Rollbahn des Frankfurter Flughafens zu bauen. Dort
sollte das erste Düsenflugzeug der Welt starten und im letzten Kriegsjahr das
Blatt zugunsten Hitlers wenden. Von dort aus wurden die Frauen ins KZ
Ravensbrück verschleppt, wo sie schließlich von den Alliierten befreit wurden.
Nur 200 der mehrheitlich jungen Frauen überlebten diese Tortur.
Der von Malte Rauch, Bernhard Türcke und der Cutterin Eva Voosen produzierte
Film beleuchtet die Geschichte der Frauen gleichermaßen wie die Aufarbeitung
dieses dunklen Kapitels in Mörfelden-Walldorf. Hauptfiguren sind hier Cornelia
Rühlig und ihr herausragendes Engagement, um die Wahrheit der Walldorfer
Vergangenheit ans Licht zu bringen. In weiteren Hauptrollen sind die im Jahr
1972 jugendlichen Entdecker der Ruinen des Außenlagers Gerd Schulmayer,
Herbert Oswald und Alfred Arndt zu sehen. Im Zentrum des Interesses stehen
jedoch die 19 damals noch lebenden Frauen, die durch intensive Recherchen
der Suttner-Schüler und Bürger gefunden und im Jahr 2000 zu einem Besuch
nach Mörfelden-Walldorf gebracht wurden.
Der Film verbindet sehr anschaulich das neue Filmmaterial, das mehrheitlich in
Ungarn, Israel und Mörfelden-Walldorf entstand, mit historischen Dokumenten
aus der Kriegszeit und davor. Drei Jahre benötigten die Filmemacher, um dieses
eindrucksvolle, knapp 90-minütige Ergebnis präsentieren zu können.
Neben der erschreckenden Geschichte des KZ-Außenlagers und der dort
gequälten Frauen bilden die im Jahr 2000 gewachsenen persönlichen
Beziehungen zwischen den Mörfelden-Walldorfern und den ungarischen
Jüdinnen einen weiteren Schwerpunkt des Films. Trotz der hier erlebten
Geschichte schienen sich die Frauen wirklich über den Besuch in Deutschland
zu freuen - besonders deshalb, weil sie sich davon überzeugen konnten, dass
die Deutschen nicht mehr die gefühlskalten SS-Schergen der Nazi-Zeit sind, die
sie im Außenlager erleben mussten. Um so ergreifender muteten die Grußworte
der Überlebenden Vera Dotan an, die sie zum Filmstart per Fax nach
Deutschland sandte.
Ein weiterer Abschnitt des Films dokumentiert das Bemühen der SuttnerSch
üler, die Baufirma Züblin zu Entschädigungszahlungen oder wenigstens
einer Entschuldigung zu bewegen. Schließlich war es Züblin, die der SS vier
Reichsmark pro Frau und Tag zahlte, um ihre Arbeitskraft ausbeuten zu können.
Und so machte das Publikum durch seine Missfallenskundgebungen klar, dass
die Rede von Uwe Peters, Züblin-Vorstandsmitglied, zu einem traurigen
Tiefpunkt der im Film dokumentierten aktuellen Zeitgeschichte wird. Er brachte
das Wort "Entschuldigung" nicht über die Lippen und versteckte sich nach
Meinung vieler hinter nichts sagenden Worthülsen.
Weitere Vorführungen im Licktblick-Kino werden am Dienstag, 11., und
Mittwoch, 12. November, jeweils um 20 Uhr, angeboten. Kartenreservierung
unter Tel. 0 61 05 / 42 352.
Diese Informationen erhalten Sie ausschließlich zur nicht-kommerziellen
Nutzung für die anti-rassistische Arbeit unter Vorbehalt jeglicher Rechte.
Dokumentations- und Informationszentrum für Rassismusforschung e.V.
Postfach 1247, D-35002 Marburg, Tel. (+49) 6421 37722, Fax. (+49) 6421
37794
Internet: http://www.dir-info.de Email: buero@dir-info.de
Direktzugriff Nachrichtendatenbank: http://www.dir-info.de/nachrichten
|