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4.8.: Halles Fäuste-Monument nicht mehr

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## Nachricht vom 04 Aug 03 weitergeleitet

## Ursprung : SABINE@SABINE.org
## Betreff : DIR-ML: Denkmalstürmer (jw)
## Ersteller: dirinfo@web.de (D.I.R. e.V.)
## Msg-ID : 3F2E4F2C.6816.46B4FD@localhost


TI: Denkmalstürmer
QU: Junge Welt
DA: 04.08.2003
SW: Ges; Ged; Sa; W; Tot
AB: Halles Fäuste-Monument nicht mehr zeitgemäß?

Halles Fäuste-Monument nicht mehr zeitgemäß?

Peter Rau
Schneller als ursprünglich veranschlagt hat sich die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt im vergangenen Monat eines Denkmals aus DDR-Zeiten entledigt. Angeblich waren die vier steinernen Fäuste 1970 als »Monument der revolutionären Arbeiterbewegung« am Thälmann-Platz der damaligen Bezirkshauptstadt an der Saale eingeweiht dem in diesem Monat beginnenden Umbau des innerstädtischen Verkehrsknotenpunktes am heutigen Riebeckplatz im Wege.Mit anderen Worten: Wo es um den Ausbau des Straßenverkehrs geht, haben Geschichte wie Kultur das Nachsehen. Apropos: Diese Art Kulturbarbarei in einer Stadt, die europäische Kulturhauptstadt werden möchte, galt zudem einem Konstrukt, das weit weniger dem vermeintlichen Teufelswerk des sozialistischen Realismus, sondern in seiner modernistisch- abstrakten Art eher der BauhausTradition verhaftet ist.

In der Tat dürfte jedoch die historische Anlage bzw. Dimension des 15 Meter hohen Monuments den Stadtoberen ein Dorn im Auge gewesen sein: Revolutionäre Daten der deutschen Geschichte, Jahreszahlen wie 1848, 1918 oder 1949 auf dem kantig-imposanten Betonklotz waren nicht jedermanns Sache, nicht einmal in einer sozialdemokratisch regierten Stadt. Selbst die nach 1990 ergänzend angebrachten Hinweise auf 1953 oder 1989 waren, wie sich nun zeigte, keine Überlebensgarantie. (Man erinnere sich nur, wie euphorisch die heute Herrschenden die Arbeiterstreiks vom 17. Juni 1953 bejubelten und zugleich die Streiks fünf Jahrzehnte später verteufelten.)

Eine repräsentative Bürgerbefragung hielten Stadtrat bzw.
Regierungspräsidium als Halles oberste Denkmalschutzbehörde jedenfalls nicht für erforderlich. Die Mitteldeutsche Zeitung, die einst, als sie noch Freiheit hieß, die Fäuste feierte, fand im Vorfeld der Abrißarbeiten immerhin einen Bürger, der die Denkmalstürmerei befürwortete, weil das väterliche Geschäft vor drei Jahrzehnten dem monumentalen Werk weichen mußte. Ansonsten überwogen wohl Abrißgegner bzw. Befürworter eines denkmalgerechten Abbaus zwecks späteren Neuaufbaus anderenorts. Ihnen galten die Fäuste auch als
erhaltenswertes Symbol des Kampfes des kleinen Mannes gegen Intoleranz, Intriganz und Korruption sowie zeitgenössischen Machtmißbrauch. Aber so ist das nun mal heute mit der Macht: geballte Fäuste nicht erwünscht.


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29.09.03    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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