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Allg. Zeitung Mainz: Kommentar zu Kinderarmut
Mainz (ots) - Die Koalition will energischer gegen Kinderarmut
vorgehen. Toll, denn diese Steigerung fällt gewiss nicht schwer, weil
Kinderarmut - wie Armut insgesamt - kein besonders prominentes Thema
der Tagespolitik ist und insofern auch sträflich vernachlässigt. Das
zeigt sich im Großen wie im Kleinen. In der rheinland-pfälzischen
Landeshauptstadt Mainz, zum Beispiel, ist unlängst ohne großes
Federlesen eine der effizientesten Einrichtungen der Obdachlosenhilfe
abgerissen worden. Einfach so. Aktuelle Diskussionen laufen darauf
hinaus, am Rand der Stadt Ersatz zu schaffen. Wer am frühen Morgen
durch städtische Parks und Straßen läuft, kann immer wieder auch
Frauen mit Kindern beobachten, die aus Papierkörben nicht nur
Pfandflaschen, sondern auch Essensreste klauben. Letztes Beispiel:
Maria T. lebt mit ihrem Mann, einem Alkoholiker, und vier Kindern von
Hartz IV. Das macht genau 1093,50 Euro monatlich. 2,50 Euro sehen die
Regelsätze für die tägliche Ernährung eines Kindes vor. Das reicht
meist nicht einmal zur Teilnahme am Schulessen. 140 Euro beträgt der
monatliche Höchstsatz für Kinder von Hartz-IV-Empfängern, längstens
gezahlt auf drei Jahre. Kinder kommen damit in extremer Weise zu
kurz, obwohl sie gar nichts für ihre Situation können. Das darf kein
Dauerzustand sein, soll der Teufelskreis nicht weiter wachsen.
Versprochen haben Bundesregierungen immer wieder, die Kindernot zu
lindern. Passiert ist so gut wie nichts. Dabei sind Weichenstellungen
längst erfolgreich ausdiskutiert: Ein Kindersplitting statt des
ohnehin überkommenen Ehegattensplittings wäre schon ein erster
Schritt; eine Steigerung der Regelsätze für Kinder ein weiterer. Auch
eine präzise Bedarfsermittlung könnte hilfreich sein. - Ist es das,
was man in ungefähr von "energischerem" Vorgehen Berlins erwarten
darf?
Originaltext: Allgemeine Zeitung Mainz
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