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Erstes Medikament von genmanipulierten Tieren auf dem Markt

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http://www.merkur-online.de/dpa/infoline/wissenschaft/art432,918523

Münchner Merkur - 06.05.2008

Arznei von genveränderten Säugetieren im Handel

Frankfurt/Main (dpa) - Erstmals ist in Deutschland ein Arzneimittel erhältlich, das aus genetisch veränderten Säugetieren stammt. Das Anti-Thrombose-Mittel ATryn wird aus der Milch von Ziegen gewonnen, denen ein Gen zur Produktion des gewünschten Eiweißes eingepflanzt wurde.

Das gab die in Neu-Isenburg ansässige Firma Leo Pharma bekannt. Das für Blutprodukte zuständige Paul-Ehrlich- Institut im hessischen Langen bestätigte am Dienstag, ATryn sei das erste aus transgenen Tieren gewonnene Blutprodukt, das in Deutschland verkauft wird. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn hatte zunächst keine Informationen zu weiteren Arzneimitteln aus transgenen Tieren.

ATryn wurde nach Firmenangaben am 1. Mai 2008 in Deutschland eingeführt. Die europäische Zulassungsbehörde EMEA in London hatte das Produkt bereits 2006 zugelassen. Das Präparat ist genehmigt für Patienten mit einem - sehr selten vorkommenden - vererbten Mangel an Antithrombin.

Es wird als Pulver ausgeliefert, aus dem eine Infusionslösung hergestellt wird. Gespritzt wird es zur Vorbeugung von Blutgerinnseln, zum Beispiel während einer Operation. Es inaktiviert die Gerinnungsfaktoren im Blut. Da die Herstellung nicht auf menschliche Blutprodukte angewiesen ist, sei das Produkt sicherer, heißt es beim Hersteller. Zudem könne mit «pharming» - gebildet aus den Worten «pharma» und «farming» - mehr Wirkstoff gewonnen werden als in Zellkulturen.

Entwickelt wurde das Verfahren von GTC Biotherapeutics in den USA. Dafür wird ein Gen in einen Ziegen-Embryo eingeimpft, der in die Gebärmutter eine weibliche Ziege eingepflanzt wird. Aus ihren Nachkommen werden jene Tiere ausgewählt, deren Milch das erwünschte Protein enthält. Die aus diesen Tieren gezüchtete Herde produziert mit ihrer Milch große Mengen des gewünschten Eiweißes, das aus der Milch herausgelöst wird, um das Medikament zu gewinnen. Leo Pharma, die deutsche Tochter eines dänischen Unternehmens, übernahm den Vertrieb in Deutschland.


http://www.pressrelations.de/new/standard/dereferrer.cfm?r=322844

Pressemitteilung vom 07.05.2008
Menschen für Tierrechte

Erstes Medikament von genmanipulierten Tieren auf dem Markt - Menschen für Tierrechte üben Kritik

Seit wenigen Tagen ist erstmals ein Medikament auf dem deutschen Markt, das von genmanipulierten Ziegen in ihrer Milch produziert wird. Der Bundesverband Menschen für Tierrechte hält die Produktion von Medikamenten in genmanipulierten Tieren nicht für notwendig, da es andere Methoden zur Herstellung gebe.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass für die Produktion dieses Medikaments Tiere genmanipuliert werden", so Dr. Kurt Simons, Vorsitzender des Verbandes. "Es ist genauso möglich, den Wirkstoff in Zellkulturen herzustellen." Die Genmanipulation von Tieren sei mit hohem Tierverbrauch verbunden, da die Tierversuche zur Einschleusung eines artfremden Gens in das Erbgut von Tieren meistens schief gingen.

Damit die Ziegen den Wirkstoff des Medikaments Atryn(R) - ein die Blutgerinnung hemmendes Mittel - produzieren, werden in Ziegen-Embryos menschliche Gene eingeschleust, die Embryos werden dann weiblichen Ziegen eingepflanzt. Von den ausgetragenen überlebenden Tieren werden dann die Tiere zur "Produktion" herangezogen, deren Milch das gewünschte Protein enthält.

Die Gen-Einschleusung kann nicht gezielt vorgenommen werden, so dass das neue Gen in den meisten Fällen an einer Stelle im Erbgut eingebaut wird, wo es entweder andere - z. T. lebenswichtige Funktionen - stört oder auch gar keine Wirkung entfaltet. Die meisten genmanipulierten Tiere sterben schon als Embryo ab.

Das Verfahren zur Produktion von Substanzen in der Milch von Tieren wird auch als "Gen-Pharming" bezeichnet. Nicht nur Medikamente sollen auf diese Weise produziert werden, sondern auch industriell nutzbare Produkte, wie z. B. künstliche Spinnenseide.

Kontakt
Pressestelle - Stephanie Elsner, Tel.: 05207 - 929263, E-Mail: elsner@tierrechte.de http://www.tierrechte.de/
09.05.08    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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