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Erstmals in der Geschichte der UN-Klimarahmenkonvention UNFCCC formuliert
ein internationales Frauennetzwerk eine Geschlechterperspektive für die
wesentlichsten Verhandlungsthemen der UN-Klimakonferenz: gendercc, der
weltweite Zusammenschluss von Frauen für Klimagerechtigkeit, stellt auf
der Klimakonferenz in Bali seine gemeinsamen Positionspapiere vor.
Frauen sind am stärksten vom Klimawandel betroffen, sie spielen zugleich
auch eine Schlüsselrolle in einer nachhaltigen gesellschaftlichen
Entwicklung. Ihr Wissen und ihre Erfahrung sind fundamental für eine
erfolgreiche Minderung des Klimawandels und der notwendigen Anpassung an
ein verändertes Weltklima.
Die Aktivistinnen von gendercc fordern, dass zukünftige
Klimaschutzmaßnahmen im Rahmen einer geschlechtergerechten und
nachhaltigen Politik entwickelt werden, anstatt sie ausschließlich durch
ökonomische Faktoren bestimmen zu lassen. Um den Klimawandel wirksam
einzudämmen, müssen dessen Ursachen grundlegender angegangen werden.
Ulrike Röhr, Koordinatorin des gendercc-Netzwerks, erklärt: "Wir müssen
die vorherrschende Perspektive hinterfragen, die sich hauptsächlich auf
Technologien und Märkte konzentriert. Gerechtigkeit und Verantwortung
müssen ins Zentrum der Mechanismen und Maßnahmen rücken."
Röhr sagt weiter: "Das Fehlen der Geschlechterperspektive im gegenwärtigen
UN-Klimaprozess verletzt nicht nur die Menschenrechte von Frauen - und
damit fundamentale Prinzipien der internationalen Gemeinschaft, sondern es
führt auch zu einer eingeschränkten Wirksamkeit und Effizienz von
Klimaschutzinstrumenten und -maßnahmen." Diese Auffassung wird vom
Präsidenten der UN-Klimakonferenz, dem indonesischen Umweltminister
Rachmat Witoelar, geteilt. Bei einem Treffen mit dem indonesischen Forum
Zivilgesellschaft hat Witoelar seine Unterstützung bei der Verankerung von
Geschlechtergerechtigkeit in den Ergebnissen der Konferenz in Bali
zugesagt.
Ihre Unterstützung für die Umsetzung des Gender Mainstreaming im
Klimaprozess sagten unter anderem auch die Sprecherin des EU-Kommissars
für Umwelt, Stavros Dimas, June Budhooram als Vertreterin des
UN-Klimasekretariats sowie die Ministerinnen und Vertreterinnen der
Delegationen von Südafrika, Fiji und Tuvalu zu. Diese hatten die
Positionspapiere der Frauen auf einer Veranstaltung diskutiert, die von
genanet in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungs- und Umweltprogramm der
Vereinten Nationen (UNDP und UNEP) sowie der Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) organisiert
worden war.
Die Frauen fordern die Regierungen dazu auf, bei der Bali-Roadmap folgende
Punkte zu berücksichtigen:
- die dringende Notwendigkeit von Geschlechtergerechtigkeit in der
zunehmenden Klimakrise anzuerkennen und Führungsstärke zu zeigen, indem
sich die Entscheidungsebene der Delegationen für die Integration von
Genderaspekten in alle Klimaschutzprozesse der Vereinten Nationen einsetzt
(Gender Mainstreaming), einschließlich der Einsetzung eines "gender watch
systems" innerhalb der Klimarahmenkonvention,
- Geschlechteraspekte in Anpassungsmaßnahmen zu integrieren, hierbei
spezifische Bedürfnisse in den Blick zu nehmen und die Partizipation von
Frauen bei der Entwicklung von Projektvorhaben sicherzustellen,
- sich zu nachhaltigen und gerechten Finanzierungsplänen zu verpflichten
und Geschlechtergerechtigkeit in allen Phasen und Aspekten der
Mittelvergabe zu gewährleisten,
- 20 Prozent aller finanziellen Förderungen zweckgebunden an Projekte zu
vergeben, die sich an Frauen richten und von Genderexpertinnen entwickelt
und umgesetzt werden,
- über den begrenzten Horizont marktbasierter Lösungen hinauszugehen,
- das Wissen und die Fähigkeiten von Frauen voll auszuschöpfen,
- eine globale, nicht marktförmige Lösung zu finden, wie die tropischen
Wälder bewahrt werden können, bei der sowohl die vordergründigen Auslöser
als auch dahinter liegenden Ursachen für die Entwaldung der jeweiligen
Region bzw. des jeweiligen Landes berücksichtigt werden.
Einen zentralen Standpunkte formuliert Anna Pinto aus Indien: "Verlassen
sie sich nicht auf den Emissionshandel! Frauen haben davon nicht
profitiert."
Ana Filippini vom World Rainforest Movement aus Uruguay fügt hinzu:
"Frauen haben im Rahmen solcher Maßnahmen mit den negativen Auswirkungen
von Monokultur-Baumplantagen zu kämpfen."
Mit großer Sorge sehen die Frauen auch den Vorschlag, Atomenergie beim
Clean Development Mechanism (CDM) zuzulassen. "Der Versuch, den
Klimawandel durch eine der gefährlichsten Technologien zu bekämpfen, wird
weder die Erde noch uns retten" stellt Svitlana Slesarenok vom Black Sea
Women's Club aus der Ukraine fest.
Slesarenok fährt fort: "Die Befürworter der so genannten "friedlichen"
Nutzung der Kernenergie haben aus der Atomkatastrophe in Tschernobyl noch
immer keine Lehre gezogen."
gendercc ist die internationale Allianz für Geschlechter- und
Klimagerechtigkeit, zu der sich Frauen- und Geschlechterforscherinnen und
-aktivistinnen aus Asien, Afrika, Amerika, dem Pazifik und Europa
zusammengeschlossen haben.
Weitere Informationen:
Ulrike Röhr, gendercc - women for climate justice / Internationale Allianz
für Geschlechter- und Klimagerechtigkeit
www.gendercc.net
roehr@life-online.de
Mobil +49 179 2031511
Sie finden uns in der BICC exhibition area, 1st floor, neben dem
UNFCCC climate kiosk.
Die gendercc-Positionspapiere sind abrufbar unter
http://www.genanet.de/unfccc.html
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