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Bonn/Berlin – Immer mehr Väter beantragen Elterngeld. Doch auf die
Geburtenfreudigkeit hat die neue Familienpolitik Ursula von der Leyens
(CDU) keine sichtbaren Auswirkung. So fasst das Handelsblatt
http://www.handelsblatt.de aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes
http://www.destatis.de zusammen. Die Zahl der Mütter und Väter, die die
maximal für 14 Monate gewährte Lohnersatzleistung in Anspruch nähmen, um
sich ganz der Betreuung der Kinder zu widmen, habe sich seit Juni von
200.000 auf 387.000 noch einmal nahezu verdoppelt. Über wachsenden
Zuspruch von Eltern könnten sich aber auch die Kureinrichtungen freuen,
die die „Vater-Mütter-Kind-Kuren“ anböten. Seit sie Pflichtleistungen der
Krankenkassen geworden seien, wachse auch hier die Nachfrage.
Während die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung unkritisch über diese
kostspieligen sozialen Wohltaten berichtet, hat Spiegel-Redakteur
http://www.spiegel.de Michael Sauga in seinem Buch „Wer arbeitet, ist der
Dumme“ http://www.piper-verlag.de/sachbuch/buch.php?id059&page=buchaz
etwas gründlicher recherchiert. Wenn sich Erziehende künftig gestresst,
erschöpft oder ausgebrannt fühlen, müssen ihnen ihre Krankenkassen auf
Antrag eine so genannte Mutter-Kind-Kur bewilligen. Das schreiben die
Paragrafen vor. „Doch wer zahlt dafür?“, fragt Sauga. „Die Große Koalition
bittet mit ihrem großherzigen Mütterprogramm einmal mehr ausschließlich die
Arbeitnehmer zur Kasse. Nichts gegen Urlaub für Erziehende. Es mag sinnvoll
sein, ja sogar ein Gebot der Gerechtigkeit sein, Mütter regelmäßig in Kur
zu schicken. Aber es ist keine Aufgabe der gesetzlichen
Krankenversicherung. Wären die Eltern nämlich krank, müssten sie
medizinisch behandelt werden – und dafür würde ohnehin die Kasse
aufkommen.“
Routinierter Zugriff auf die Sozialkassen
So läuft aber im deutschen Sozialstaat oft alles durcheinander. Die
Krankenkassen sind eigentlich für Medizin und Krankenschutz da. Die
ideologisch geprägte Familienpolitik von der Leyens, die sich nicht mehr
von derjenigen der Sozialdemokraten unterscheidet, nutzt aber die
Krankenkassen, in denen die abhängig Beschäftigten zu finden sind, als
Vehikel ihrer Familienpolitik. Sauga kurz und bündig: „Nach diesem Muster
läuft es seit Jahrzehnten in der deutschen Sozialpolitik. Wann immer es
ihnen gelegen kam, haben die Bonner und Berliner Regierungen allgemeine
Staatsaufgaben auf die Sozialkassen abgewälzt. So routiniert erfolgt
inzwischen der Zugriff, dass der eigentliche Zweck der Versicherungen oft
kaum noch zu erkennen ist.“
Andere Experten bemängeln, dass durch die Politik der Familienministerin
nur noch ein Modell als vorbildlich dargestellt und staatlich gefördert
werde: nämlich die Doppelverdiener-Ehe. Man könnte polemisch anmerken,
dass Frau von der Leyen gern jener akademischen und gut verdienenden
Elite, der sie selber zuzurechnen ist, finanziell etwas Gutes tun möchte.
„Die Wünsche der Hausfrauen und Mütter sind gegenüber den Wünschen der
Karrierefrauen bescheiden“, schreibt der Journalist Jürgen Liminski in
seinem jüngst erschienen Werk „Die verratene Familie“
http://www.sankt-ulrich-verlag.de/index.php/buecher/titel_von_a_bis_z/d/die_verratene_familie.
„Man wäre froh, überhaupt anerkannt zu werden, dann freilich auch eine
monetäre Honorierung zu erfahren“. Laut einer Allensbach-Umfrage fühlen
sich nur noch sieben Prozent der deutschen Hausfrauen und Mütter von der
Gesellschaft in ihrer Rolle anerkannt. Liminski spricht sich für ein
Erziehungsgehalt aus und verweist auf Arbeitsmarktexperten in den USA, die
2005 einmal den monetären Wert der Arbeit der Hausfrau und Mutter
ausgerechnet hätten. Sie haben sie mit zehn anderen Berufen verglichen,
Berufe, die die Hausfrau und Mutter eben auch ausfüllt, und sind zu dem
Ergebnis gekommen, dass das Gehalt rund 134.000 Dollar betragen müsste. In
Deutschland war man etwas bescheidener. Vor ein paar Jahren berechnete die
ADAC-Motorwelt anhand einer Universitätsstudie den Wert der deutschen
Hausfrau: rund 3.700 Mark im Monat, bei einer Wochenarbeitszeit von
durchschnittlich 70 Stunden. „Keine Spur von einer Vier-Tage-Woche. Mutter
ist die Beste – und die Billigste“, so Liminski lapidar.
Ohne in eine wohlfeile Medienschelte abzugleiten – an dem Zerrbild der
Familie und der Rolle der Hausfrau sind die zumeist kinderlosen
Journalisten in diesem Land nicht ganz unschuldig. Dies war vor kurzem in
der Talkshow von Anne Will im Ersten zu bestaunen. Eingeladen war Marie
Theres Kroetz-Relin http://www.marie-theres.com, die sich seit fünf Jahren
mit Hilfe der Hausfrauenrevolution http://www.hausfrauenrevolution.com für
die Rechte von Hausfrauen und Hausmännern stark macht. Doch die
Moderatorin war an der praktischen Alltagserfahrung gar nicht
interessiert. Es ist eben viel bequemer, den Gast als Tochter von Maria
Schell zu deklarieren und oberflächlich zu bleiben. Dann hat man jemanden
schnell in eine Ecke gedrängt. Man nehme eine schöne Frau mit telegener
Tochter, die mit einem Dichter verheiratet war und aus einer Promi-Familie
stammt und jetzt schön auf Teneriffa lebt. Fertig hat man das Klischee.
Dabei haben doch gerade so genannte seriöse Journalisten der
Öffentlich-Rechtlichen den Anspruch, aufklärerisch zu sein und Menschen
nicht wegen ihrer Abstammung, ihres Aussehens oder Prominenz zu befragen.
Man hätte einen spannenden Bericht über den Alltag einer Hausfrau hören
können. Doch leider bieten die Gesprächsrunden in ARD und ZDF heute oft
kaum mehr Erkenntnisgewinn als ein Society-Magazin bei RTL.
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