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Lausitzer Rundschau: Zum Bildungsgipfel von Bund und Ländern
Konferenz der Hütchenspieler
Cottbus (ots) - Was für eine Bescherung. Alle Jahre wieder kommen
die Regierungschefs als Bildungspolitiker auf die Erde nieder, wo
Eltern, Schüler und Studenten sind. Sie kommen mit ihren Gaben, die
sie dann aber lediglich untereinander hin- und herreichen. So auch
gestern. Der Bildungsgipfel, zu dem Angela Merkel die
Ministerpräsidenten eingeladen hatte, war eine Art Konferenz der
föderalen Hütchenspieler.
Denn es ging ja vor allem darum, den Ländern die Zustimmung zum
Wachstumsbeschleunigungsgesetz abzutrotzen. Die Sorgen der Kitas,
Schulen und Unis haben nur eine marginale Rolle gespielt - wenn
überhaupt. Und so sicher wie das Amen in der Christmette ist, dass
sich alsbald so mancher fragen wird: Wo sind die Milliarden
geblieben, die versprochen wurden? Warum wird kaum etwas besser,
dafür aber vieles schlechter im Bildungssystem? Die Antwort ist
einfach: Weil mehr Geld nicht mehr Geld ist. Klingt paradox.
Vor einem guten Jahr erklärte man in Dresden nach dem ersten
Treffen, bald zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und
Forschung aufbringen zu wollen. Die Zahl steht sogar im
schwarz-gelben Koalitionsvertrag. Nur: Seitdem bedienen sich die
Protagonisten dreister Buchungstricks. Glaubt man einigen Politikern
von Bund und Ländern, ist das verabredete Ausgabeziel schon erreicht,
ohne dass weitere Etatsteigerungen nötig sind. Mit dem
wirtschaftlichen Einbruch sinkt auch das Bruttoinlandsprodukt. Und
zehn Prozent von einem geringeren BIP sind nun einmal nicht mehr so
viel Geld wie vorher. Die Bildungsrepublik kommt also von allein.
Peinlich. Wer so vorgeht, schürt Ärger und Verdruss.
Hinzu kommen weitere mathematische Raffinessen: Bildungsausgaben
sind für einige Finanzpolitiker offenbar nach wie vor auch die
Pensionen für Lehrer und Professoren oder die Bereitstellung von
Gebäuden und Grundstücken für Hochschulen. Der Fehlbetrag, der zur
Erreichung des Zehn-Prozent-Ziels bis 2015 aufgebracht werden müsste,
ist damit alles in allem wie von Geisterhand auf 13Milliarden
Euro geschrumpft. Davon will der Bund seit gestern dauerhaft
40Prozent übernehmen, und alle Seiten sind fein raus.
Vorerst. Der Streit über einen höheren Anteil an der Mehrwertsteuer
schwelt weiter.
Sicher: Man täte Bund und Ländern Unrecht, würde man nicht
einräumen, dass sie der Bildung inzwischen verbal und auch mit
mancher Tat politische Priorität einräumen. Aber zur ehrlichen
Bestandsaufnahme gehört nun mal auch, dass mit der föderalen
Trickserei die Kernprobleme nicht beseitigt, sondern eher verfestigt
werden.
Dieser Gipfel hat einmal mehr belegt, dass Bildungspolitik als
Gemeinschaftsaufgabe nicht effektiv funktioniert. Daran krankt das
System und die Folgen sind tagtäglich in Schulen oder Unis zu
bestaunen. Die Ministerpräsidenten sind nicht gewillt, sich von der
Kanzlerin sagen zu lassen, dass in ihren Territorien vieles nicht
rund läuft. Umgekehrt ist Merkel nicht bereit, sich mit den
Landesfürsten um der Sache willen wirklich anzulegen.
Bildungsrepublik Deutschland? Noch lange nicht.
Originaltext: Lausitzer Rundschau
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