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LVZ: Die Leipziger Volkszeitung zu offene Lehrstellen -
Leipzig (ots) - Von Ulrich Langer. Was man hat, das will man
nicht, und was man will, das hat man nicht. Auf diesen einfachen
Nenner läuft die derzeitige Lehrstellen-Situation in Deutschland
hinaus. Tausende junge Leute haben noch keinen Ausbildungsplatz und
zugleich sind noch immer tausende Azubi-Stellen nicht besetzt. Es
fehlt eben meist an der Passgenauigkeit der Schulabsolventen. Die
Ursachen dafür sind vielfältig.
Zwar gibt es rein rechnerisch über 80000 Lehrstellensuchende mehr als
offene Plätze. Und das, obwohl in diesem Jahr die Zahl der
abgeschlossenen Ausbildungsverträge auf 190000 kletterte - ein Plus
von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Viele Unternehmen beklagen
jedoch die mangelnde Qualifikation der Bewerber. Schlechte Noten oder
gar kein Schulabschluss sind nicht selten. Es ist leider Tatsache,
dass die Leistungsfähigkeit der jungen Leute oftmals zu wünschen
übrig lässt. Aber das kommt nicht von ungefähr.
Reserven hat zum Beispiel das Bildungssystem der Republik.
Kleinstaaterei führte in der Vergangenheit auch zu sinkenden und sehr
unterschiedlichen Ansprüchen an die Jungen und Mädchen. Selbst Lehrer
haben dies beklagt. Ganz zu schweigen von einer effizienten
Kooperation zwischen Wirtschaft und Schule. Wo und wie intensiv
erfahren denn die Kinder, welche Anforderungen welcher Beruf stellt
und was er an Begeisterungswürdigem zu bieten hat? Die sächsischen
Handwerkskammern kämpfen derzeit nicht zufälligerweise um einen
regelmäßigen Produktionstag im Unterricht.
Das ändert allerdings nichts an den Ausbildungsversäumnissen der
Betriebe in den vergangenen Jahren. Wegen der flauen Konjuktur haben
sie die Zahl angebotener Lehrstellen knapp gehalten und wenig für
Berufe der Zukunft geworben. Das rächt sich heute. Nach wie vor
schwappt eine Welle an Altbewerbern herüber. Zudem wirken noch die
Nachwehen früherer Zeiten, aus der die "Null-Bock-Generation"
hervorging. Wer reißt sich schon ein Bein aus, wenn er am Ende doch
keine Lehrstelle bekommt oder danach keinen Job? Selbst Leute mit
passablen Abschlüssen mussten dies erleben. Die Erkenntnis des alten
Griechen Menander, dass "Bildung ein unentreißbarer Besitz" ist,
wirkt in solch einem Umfeld wie Hohn.
Häufig schielten die Firmen vor allem auf Abiturienten, selbst wenn
für den jeweiligen Beruf ein ordentliches Haupt- oder
Realschulzeugnis reichte. Diese Gier nach der sprichwörtlichen
eierlegenden Wollmilchsau frustrierte zusätzlich zahlreiche
Jugendliche. Wie soll da die so überaus notwendige
Leistungsbereitschaft gedeihen?
Spätestens hier müssen auch die Mütter und Väter in die Spur. Denn
weder Schule noch Wirtschaft allein vermögen den gesunden Drang nach
individuellen Bestleistungen zu entwickeln. Dieser aber schafft erst
die Voraussetzungen für Belastbarkeit im Beruf. Ohne sie taugen die
besten Noten nichts. Ebenso wenig ohne lohnende Zukunftsaussichten -
auch wenn die Konjunktur mal nicht so gut läuft.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung
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