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LVZ: Zu: Wachschutz für Schulen Neuköllner Alleingang
Leipzig (ots) - Von Dieter Wonka
Vor Discotheken gehören Türsteher schon lange zum Standard. Im
Eingangsbereich extravaganter Läden auch. Und selbst vor Filialen
einiger Lebensmitteldiscounter in städtischen Problemvierteln
schieben private Sicherheitsdienstleister Schicht.
Da ist es eher überraschend, dass 20 Wachschützer vor 13 Neuköllner
Schulen nicht nur ein Novum für die Hauptstadt, sondern für die
gesamte Bundesrepublik darstellen. Schüler und Lehrer haben ein
Recht, geschützt zu werden. Es gibt unglaublich viele Modellversuche.
Die Sichtkontrolle vor Neuköllner Bildungseinrichtungen erweckt eher
den Eindruck eines weniger unsinnigen Praktikums in der
Wirklichkeit.
Es reicht, dass rund um die Schule mit Pisa-Maßstäben, Migration,
Bildungsbenachteiligung durch soziale Herkunft gekämpft wird. Der
Erziehungsauftrag der Schule, der weit über die faktische
Wissensvermittlung hinausreicht, ist längst randvoll aufgefüllt mit
Aufträgen zur gesellschaftlichen Lebensertüchtigung. Eine
Gemeinschaft, die schon daran scheitert, den Straßenkampf, die offene
Gewalt aus Langeweile, aus Frust über Ghettobildung oder aus Lust an
Nationalitätenkonfrontation vom Schulhof fernzuhalten, braucht sich
nicht zu wundern, dass Schule manchmal mehr trennt, als dass sie
verbindet.
Innerhalb von zwei Schuljahren kam es zu 52 Fällen von schwerer
Gewalt. Diese erschreckende Begegnung mit der Praxis führte jetzt zum
Neuköllner Alleingang. 20 Wachschützer stellen eine Form von
Bürgerwehr dar, aus der Not eines mit Problemen randvoll beladenen
Bezirkes heraus erdacht. 20 Sozialarbeiter, migrationserfahren, tätig
in der Schule, auf den Pausenhöfen und im Umfeld, würden pädagogisch
ganz sicher sehr viel mehr Sinn machen.
Das hat sich in den letzten Monaten an der Rütli-Schule gezeigt. Sie
würden allerdings sehr viel mehr Geld kosten. Ob das der Gemeinschaft
diesen Preis wert ist, ist die eigentlich spannende politische
Entscheidungsfrage. Nicht die Tatsache ist wichtig, ob einige
Wachleute, vorübergehend platziert, gegen irgendwelche Prinzipien
verstoßen.
Weniger Gewalt an Schulen, das ist die Erfahrung aus dem mit vielen
schlechten Beispielen vorn liegendem US-Schulalltag, gibt es nicht
durch Sicherheitskäfige, Ausweis- und Körperkontrollen, schon gar
nicht durch bewaffnetes Patrouillenpersonal.
Eine Eingrenzung der Gewalt lässt sich nur erreichen, wenn Schulen
gezielt ihre Schüler mehr fördern und stärker fordern. Dazu müssen
sie durch gezielte Zuwendung aller in die Lage versetzt werden.
Originaltext: Leipziger Volkszeitung
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