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Offener Brief an die hochschulpolitische Linke
Dienstag 10. April 2007
Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe
Interessierte!
Ein Gespenst geht um an den Hochschulen: das Gespenst eines neuen linken
Hochschulverbands. Ein beachtlicher Zusammenschluss von älteren
PDS-Hochschulgruppen, neu gegründeten Linke.WASG-Gruppen und
radikaldemokratischen, linken Gruppen plant, vom 04.-06.Mai in Frankfurt am
Main eine bundesweite Organisation zu gründen. Vorläufiger Höhepunkt dieser
Entwicklung war der "Hochschulkongress für eine neue Linke" mit über 600
TeilnehmerInnen Anfang Januar dieses Jahres. Mit diesem Brief möchten wir - die
Bundeskoordinierung des Hochschulgruppennetzwerkes - die hochschulpolitische
Linke über unser Vorhaben informieren und dazu einladen, sich einzubringen und
mit uns gemeinsam einen schlagkräftigen Verband aufzubauen.
In den Übergangsbestimmungen zur Gründungskonferenz haben wir beschlossen, dass
jede Hochschulgruppe, die sich an dem neuen Hochschulverband beteiligen möchte,
zwei Delegierte für die Gründung wählen kann. In Städten in denen es noch keine
solche Hochschulgruppe gibt, können und sollen neue Gruppen gegründet werden.
Warum ein neuer Hochschulverband?
Jahrzehnte lang war die Linke an den Hochschulen eine bestimmende Kraft. SDS,
MSB und SHB, linke und undogmatische Gruppen haben lange Zeit die Mehrheiten in
der Verfassten Studierendenschaft und in den bundesweiten Gremien gestellt. In
den letzten Jahren allerdings ist die Linke auch an den Hochschulen in die
Defensive geraten. ASten gehen verloren, Freiräume schwinden, linke
Gruppierungen gehen auch quantitativ zurück. Diese Vorgänge sind in erster
Linie nicht hausgemacht, sie sind Ausdruck der veränderten hochschulpolitischen
Rahmenbedingungen.
Die aktuelle Lage an den Hochschulen ist ernst, die neoliberale
Umstrukturierung weit fortgeschritten, die "standortgerechte
Dienstleistungshochschule" Realität geworden. Die sukzessive Einführung von
Studiengebühren, die Modularisierung von Studiengängen und die Eliminierung
kritischer Wissenschaft verändern die politischen Rahmenbedingungen für linke
hochschulpolitische Arbeit. Volle Studien- und Stundenpläne sorgen für
verstärkten Leistungs- und Prüfungsdruck, die verbliebene Zeit muss zur
Refinanzierung von Lebensunterhalt und Studiengebühren für Lohnarbeit oder
zahllose unentgeldliche Praktika genutzt werden. Die Verweildauer an den
Hochschulen wird geringer, der Lebensmittelpunkt der Studierenden verlagert
sich. Die Proteste gegen Studiengebühren - waren sie vereinzelt auch noch so
heftig - blieben vereinzelt und regional isoliert. Die Freiräume für
emanzipatorische Wissenschaft und linke Hochschulpolitik schwinden.
Diesen Entwicklungen wollen wir einen bundesweiten Hochschulverband
entgegensetzen, um die Linke an den Hochschulen wieder in die Offensive zu
bringen. Wir wollen dazu beitragen, isolierte Proteste zu vernetzen, dem
unfreiwilligen Rückzug kritischer Wissenschaft neue Bildungsangebote entgegen
zu setzen, mit einer überregionalen Hochschulzeitung die Deutungshoheit auf den
Mensatischen zurück zu gewinnen, die Auseinandersetzungen an der Hochschule im
Bündnis mit der Partei und den sozialen Bewegungen deutlicher als
gesamtgesellschaftliche Kämpfe zu führen sowie in den ASten und bundesweiten
Gremien wieder verstärkt um linke Hegemonie zu streiten.
Wie soll der neue Verband aussehen?
In den Wochen vor der Gründung des Verbandes diskutieren wir über den
zukünftigen Charakter des Verbandes. Entwürfe für Programm und Satzung liegen
vor. Einig sind wir uns in der Schaffung eines demokratisch strukturierten
Hochschulverbands, dessen Organisationsform über die eines losen Netzwerks
hinausgehen soll. Die Anbindung an die entstehende Partei Die Linke. verstehen
wir als Chance hochschulpolitische Auseinandersetzungen als Teil von
gesamtgesellschaftlichen Kämpfen zu führen. Aber einige zentrale Entscheidungen
müssen erst noch getroffen werden. Der Gründungskongress wird entscheiden, ob
es eine automatische Mitgliedschaft von Studierenden der Partei im Verband
geben wird, oder ob der Hochschulverband seine Mitgliedschaft eigenständig
regelt. In jedem Fall wird die Offenheit des Verbandes für Nichtmitglieder der
Partei einen hohen Stellenwert einnehmen. Kontrovers diskutieren wir auch den
Namen des Verbandes. Von sozialistisch demokratischer Studierendenv
erband (SDS), SoHo (Sozialistischer Hochschulgruppenverband) bis zu
Linke.Campus ist ein breites Spektrum an Namensvorschlägen für den
Gründungskongress vorhanden.
Bewusst wendet sich dieser Brief auch an bestehende Hochschulgruppen, die sich
in den abgesteckten politischen Koordinaten wieder finden können. Hier sieht
der Satzungsentwurf u.a. vor, dass schon existierende Gruppen ihren Namen
behalten und trotzdem Teil des Verbandes sein können. Auf unserer Homepage sind
die aktuellen Papiere zum Programm und zur Satzung zu finden. Des Weiteren
könnt ihr dort die bisherigen Namensvorschläge mit den jeweiligen Begründungen
finden. Falls ihr zukünftig mehr Infos bekommen möchtet, dann könnt ihr euch
auf der Homepage auf unseren Newsletter eintragen.
Hier unsere Homepage: http://www.revolte.de/linke-hsg/
Wir freuen uns, wenn ihr Euch mit Euren Vorstellungen und Erfahrungen einbringt
und mit uns auf der Gründungskonferenz einen neuen Hochschulgruppenverband
gründet! Linke Studierende, die an ihrer Hochschule noch keine organisatorische
Anbindung gefunden haben, ermuntern wir, sich uns anzuschließen und eine
Hochschulgruppe zu gründen. Wir werden Euch dabei nach Kräften unterstützen.
Mit bestehenden linken Hochschulgruppen, die aus einem anderen
Selbstverständnis heraus, sich nicht in den neuen Verband einbringen werden,
wünschen wir uns eine solidarische Zusammenarbeit.
In dem Programmentwurf für den Gründungskongress heißt es: "Als
Hochschulverband streiten wir für soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Frieden,
ökologische Nachhaltigkeit, für Emanzipation und die Gleichstellung von Männern
und Frauen sowie von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen,
unterschiedlicher Hautfarbe, Herkunft und Religion. Wir kämpfen gegen den
neoliberalen Umbau der Gesellschaft, gegen Sozialabbau, gegen Ausgrenzung und
Diskriminierung aller Art, gegen Krieg und Umweltzerstörung. Diese Ziele sind
nur durch eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft zu realisieren. Der
Kapitalismus ist für uns nicht das Ende der Geschichte. Wir stehen ein für die
Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und stellen ihr unsere
Vorstellung einer sozialistischen Gesellschaft entgegen."
Lasst uns gemeinsam streiten, für eine andere Hochschule in einer anderen
Gesellschaft!
Mit solidarischen Grüßen,
Sophie Dieckmann, Dominik Düber, Stefanie Graf, Markus Hintze, Kristin Hofmann,
Kolja Möller, Sarah Nagel, Jan Schalauske, Katharina Volk, Luigi Wolf
Koordinierungsgremium Hochschulverband in Gründung
NADESHDA Mailbox e.V._ / 0211-9053863 (X.75) / 0211-9345453 (V.34)
http://www.nadeshda.org / Informationen aus Politik Umwelt Kultur
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