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Kommentar zur Kritik der UNO am deutschen Schulsystem

Westfälische Rundschau: Kommentar zur Kritik der UNO am deutschen Schulsystem

Dortmund (ots) - Man könnte glauben, die Vereinten Nationen hätten wichtigere Probleme als ausgerechnet das deutsche Bildungssystem. Warum der UN-Bildungsbeauftragte nach Malawi und Uganda jetzt unbedingt Deutschland prüfen musste, erschließt sich jedenfalls nicht auf den ersten Blick. Und auch die Erkenntnisse des
Blitz-Kontrolleurs überzeugen nicht unmittelbar.

Es ist leider wahr, dass sozialer Status und Bildungserfolg in Deutschland zusammenhängen. Aber dass es in anderen Industrienationen so viel besser sein soll? Es wäre interessant, zu erfahren, wie viele Arbeiterkinder die horrenden Schulgelder in den elitären
Kaderschmieden Frankreichs oder Großbritanniens bezahlen. Oder wie viele Kinder aus den Migrantengettos der USA in die Unis gelangen.

Dennoch war die UN-Kontrolle hilfreich. Wer die reflexhaften Reaktionen auf den UN-Bericht verfolgt, ruft unwillkürlich nach weiteren internationalen Instanzen, um deutschen Bildungsideologen das allzu Naheliegende noch einmal zu erklären. Vielleicht schafft es der Vatikan, deutschen Kultusministern begreiflich zu machen, dass ein Land unserer Größe nicht 16 verschiedene Bildungssysteme braucht. Vielleicht gelänge es dem Internationalen Roten Kreuz, deutschen Bildungsbürokraten zu erläutern, dass man zehnjährigen Kindern nicht immer sofort ansieht, ob sie für einen Doktortitel oder fürs Handwerk geboren sind.

Vielleicht fragt man nächstens einfach einmal
Hauptschullehrerinnen, die unter schwierigen Bedingungen täglich tapfer um Bildungsstandards kämpfen - und dabei immer mehr in die Rolle von Sozialarbeitern gedrängt werden. Vielleicht fragt man sie, ob ihr Schultyp noch Zukunft hat, oder ob sie mehr Geld, mehr Zeit, mehr Personal und mehr gesellschaftliche Anerkennung brauchen, um Schüler individuell besser fördern zu können.

Die Antwort ist schon bekannt? Ach. Dann müsste man das jetzt ja nur noch den deutschen Ministerpräsidenten, den Kultusministern und - selbstverständlich! - den Vereinten Nationen mitteilen.

Originaltext: Westfälische Rundschau
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21.03.07    Sabine Ellersick <S.ELLERSICK@NADESHDA.org>
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