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Südwest Presse: Kommentar zur Hauptschule
Ulm (ots) - Mehr oder weniger unbemerkt von der Öffentlichkeit
erodiert das dreigliedrige Schulsystem. Dafür gibt es zwei Gründe:
Die Zahl der Schüler sinkt - und noch mehr die Akzeptanz der
Hauptschule. Die Hauptschule im eigentlichen Wortsinn ist heute das
Gymnasium. Mittelfristig lässt sich das dreigliedrige Schulsystem
allein aufgrund der Schülerzahlen kaum aufrechterhalten.
Noch sperrt sich Kultusminister Helmut Rau gegen diese Einsicht, zu
der andere CDU-geführte Länder bereits gelangt sind: Das
zweigliedrige Schulsystem ist in Schleswig-Holstein auf dem Weg, in
Hamburg geplant, in den neuen Ländern Wirklichkeit. Doch die Fahne
der Dreigliedrigkeit, gesetzt im ideologischen Bildungskampf gegen
das Gesamtschulkonzept der SPD, flattert auch hierzulande nur noch
lau. Es ist Zeit, sie einzuholen und den Schulkampf für beendet zu
erklären. Der demografische Wandel fordert pragmatische Lösungen.
Mit der Erweiterung von Modellversuchen zur Kooperation von Hauptund
Realschulen setzt Rau immerhin ein richtiges Signal. Denn mit der
Aufwertung der Hauptschule samt Möglichkeit zum Erwerb der mittleren
Reife verändert sich auch das Image. Sie ist dann nicht mehr
Restschule, sondern ein attraktives Modell für Schüler und Eltern.
Das Beispiel Amtzell, das ein durchlässiges System bereits erprobt,
zeigt das. Höchste Zeit, dass es landesweit Schule macht.
Originaltext: Südwest Presse
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