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## Nachricht vom 29.02.08 weitergeleitet
## Ursprung : k.merkle@gaia.de
## Ersteller: ralf.pandorf@labournet.de
Liebe KollegInnen, ein Sonderupdate zur Tagung "Anders gegen Privatisierung
":
Dass LabourNet Germany die Arbeitstagung "Anders gegen Privatisierung"
vorbereitet, dürfte der Einen oder dem Anderen bereits bekannt sein.
Deshalb heute ein spezielles internationales Update zum Thema wie anderswo
"Anders gegen Privatisierung" Widerstand geleistet, gesellschaftliche
Mobilisierung organisiert wird - und auch Erfolge erzielt werden. Eben
nicht davon ausgehend, dass lediglich bestehende Zustände verteidigt
werden sollen - die ja nun, auch in der BRD, oft genug zurecht Gegenstand
heftiger Kritiken und Auseinandersetzungen waren und sind, denn: wer nur
"Nein" sagt, übersieht die negativen Erfahrungen der Menschen mit den
Instanzen des "Sozialstaats" und überlässt die Kritik daran - eben den
Bertelsmännern. Ebenso kann es nicht nur um Verteidigung gegen jeweils
konkrete Angriffe gehen: die endlose Kette von Ereignissen die
beschönigenderweise als "Skandal" dargestellt werden, wo sie doch die
Spitze eines Gebirgszugs an Eisbergen sind - etwa der
Nahrungsmittelindustrie oder der Medikamentenhersteller - zeigen deutlich,
dass Grundversorgung so nicht zu machen ist. Wobei - im Sinne richtig
verstandener guter Arbeit - auch das gesellschaftliche Engagement der
Belegschaften gefordert ist, anstelle der Pflichterfüllung ähnlich wie
es
"einst" in den Debatten um Produktkonversion war. Für alle diese Fragen
heute einige Beispiele, anderes wird folgen...
Neu im LabourNet Germany am Freitag, 29. Februar 2008:
A.GESUNDHEITSKOMPLEX
I.Internationales / Portugal
Wie in der BRD: Allparteienkoalition gegen öffentliches Gesundheitssystem,
die Alternative zur Privatisierung ist Kontrolle
Boaventura de Sousa Santos ist Soziologe an der Universität von Coimbra
und, zumindest im portugiesischen Sprachraum, einer der Vordenker des
Weltsozialforums. In seinem Blog auf der Uniseite kommentiert er
ausführlich die gegenwärtigen Auseinandersetzungen in Portugal um die
Reform des Systems der Krankenversicherung. Was die inhaltlichen
Konfrontationen angeht, ist die Auseinandersetzung in Portugal keineswegs
originell - das würde ja voraussetzen, dass bürgerlichen Parteien und
Kapital mal etwas neues einfallen würde, was schon seit einer Generation
nicht mehr passiert ist. (Der Autor selbst hat an anderer Stelle
geschrieben, dass die letzte innovative politische Figur des Bürgertums
Margaret Thatcher war, die keine Gesellschaft sondern nur Individuen
kannte). Seit 2002 steht, unabhängig von der jeweiligen Regierungsbildung,
das Thema Privatisierung des Gesundheitssystems ganz oben auf der Agenda
der bürgerlichen Politik Portugals. Ob Baroso oder Socrates - kein
Unterschied. Der Nationale Gesundheitsdienst, 1979 gegründet und eine der
sozialen Kernforderungen der Nelkenrevolution, war schon damals, fünf
Jahre nach dem Sturz des portugiesischen Faschismus, ein Kompromiss der
Sozialistischen Partei mit dem Bürgertum, auch wenn damals die
(christdemokratische) PDS wegen dieses neuen Gesundheitssystems das
Bündnis mit der PS verliess. Aber auch wenn es längst nicht alles
erfüllte, was damals von so vielen angestrebt wurde, so war dieses System
doch in den letzten 30 Jahren eine der wesentlichen Grundlagen der
positiven sozialen Entwicklung des Landes und der Demokratie. Sousa
Santos, der auch an diversen offiziellen Kommissionen zur Sozialreform
mitgearbeitet hat und diverse Initiativen politisch berät, unterstreicht,
dass der SNS modernisiert werden muss - das sei keine Frage. Die
Bevölkerung im Allgemeinen und insbesondere die Organisationen der
Patienten müssten in seine Gestaltung entscheidend einbezogen werden, um
beispielsweise skandalöse und profitträchtige Wartelisten abzuschaffen,
ebenso wie lebensgefährliche Warteschlangen und die Verschlingungen mit
der medizinischen Privatwirtschaft. Dazu gehören auch Debatten über die
Gelder für die Verbesserung der Ausstattung des Systems, bis hin zur
fehlenden Demokratisierung des Zugangs zum Medizinstudium. Der
(portugiesische, hiermit kurz zusammengefasste) Kommentar "É a Saúde,
estúpido!" von Boaventura de Sousa Santos vom 14. Februar 2008 in seinem
Blog an der Universität Coimbra:
http://www.ces.uc.pt/opiniao/bss/197pt.php
II.Internationales / Thailand
Im Visier der Medikamentenindustrie: mit Erpressermethoden gegen
Versorgung für alle
Es gehört nicht viel dazu, ins Visier der großen Chemiekonzerne zu
geraten: Da reicht es schon, das allermindeste zu tun, was von einer
Regierung zu erwarten ist. Zum Beispiel HIV Medikamente im Lande selbst
billiger produzieren zu lassen - es gibt ja auch Länder die etwas mehr
öffentlichen Einfluss nehmen, als nur eine Zulassungsbehörde zu
installieren. Südafrika und Brasilien machten diesbezüglich schon
Schlagzeilen, jetzt auch Thailand. Da werden dann alle Register gezogen:
Andere Medikamente werden zurückgehalten, ein EU-Handlanger wird
vorgeschickt, lauthals Klage zu führen und so weiter -
Betroffenengruppierungen nicht nur in Thailand setzen sich dagegen zur
Wehr
- "EU-Kommissar verwarnt Thailand" titelt der Infodienst apotheke adhoc
den Bericht über die Auftragserfüllung des ehrenwerten Herrn Mandelsohn
vom 15. August 2007:
http://www.apotheke-adhoc.de/index.php?m=1&showPage=1&id82
- Unter dem Titel "COMPULSORY LICENSING OF CANCER DRUGS IN THAILAND"
dokumentiert das Third World Network am 25. Februar 2008 einige Maßnahmen
der thailändischen Regierung und deren Hintergrund - wobei es um etwa
15.000 krebskranke Menschen in Thailand geht:
http://www.twnside.org.sg/title2/health.info/2008/twnhealthinfo20080201.htm
- Der Aufruf "Zugang zu Aidsmedikamenten nicht behindern!" vom 26. April
2007 beim Aktionsbündnis gegen AIDS ist von Aktionsbündnis gegen AIDS,
action medeor, BUKO-Pharma-Kampagne, Difäm, medico international, MEZIS
e.V., Misereor, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriege
s û
Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW), Verein demokratischer Ärztinnen
und Ärzte, Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten
unterzeichnet und deutscher Bestandteil einer internationalen Solikampagne
gegen die Pharmafirma Abbott:
http://www.aids-kampagne.de/presse/presse-143.html
B.VERKEHR/TRANSPORT
III.Internationales / Mali / Gegen die Privatisierung der Eisenbahn
Der Kampf gegen die Privatisierung der Eisenbahn - für ihre Kontrolle
durch Bürgerkomitees
"Erklärte Ziele der Karawane waren die Wiedereinstellung aller entlassenen
Eisenbahner, die Anerkennung der unabhängigen Gewerkschaften, die Öffnu
ng
der geschlossenen Bahnhöfe, die Rückübertragung der Bahn in die
öffentlichen Hände sowie ihre demokratische Kontrolle durch
Bürgerkomitees" - das ist einer der Kernsätze in dem Beitrag
"Bürgerkarawane gegen Bahnprivatisierung - Teilnehmer aus Deutschland
berichten" von Teilnehmern aus der BRD (Peter Bach, Nico Roth, Willi
Hajek) an der Karawane in der "Sozialistischen Zeitung" Ausgabe Februar
2008. Wer für eine Bürgerbahn ist, muss sich eben konkret überlegen,
wie
diese zu schaffen wäre - und die Ideen, die die Bewegung in Mali
entwickelt hat, sind es allemal wert, aufmerksam debattiert zu werden:
http://www.vsp-vernetzt.de/soz-0802/080211.php
IV.Internationales / Chile
Die Verkehrskatastrophe Transantiago
In der BRD wird gegenwärtig gefeiert, dass erstmals in einem Jahr weniger
als 5.000 Menschen von der Verkehrswirtschaft getötet wurden. Wo dermaß
en
viel verdient wird, dermaßen viele Arbeitsplätze daran hängen und die
bürgerliche Ideologie so tief in den Individuen verankert ist, wird eben
über Leichen gegangen. Kollateralschäden der Autoindustrie. Es gibt aber
auch bewusst angerichtete Schäden: die Abschaffung der Eisenbahn- und
Nahverkehrsnetze in ganz Südamerika beispielsweise ist dem kombinierten
politischen Einfluss der (oft genug auch aus der BRD kommenden)
Autokonzerne und den Ölmultis zu "verdanken". Da liegt es weltweit nahe,
weiter nach privaten Profitmöglichkeiten im (Nah) Verkehr zu suchen. Eines
der katastrophalsten Beispiele dieser Politik ist der Transantiago in der
chilenischen Hauptstadt: Anstelle vieler Kleinunternehmen (mit oft nur
einem oder ein paar Bussen, deren Fahrer oftmals nach Passagierzahlen
bezahlt wurden - die Ergebnisse sind leicht auszumalen) sollte ein
integriertes System von größeren Unternehmen mit der Metro als Kern
entstehen - ein typischer Plan, insofern er ohne auch nur eine
"Publikumsbefragung" geschweige denn Mitwirkung gemacht wurde. Das Chaos
war total und ist bis heute wenig besser geworden. In zahlreichen
Stadtteilen haben die dortigen Anwohnervereinigungen protestiert und
Widerstand geleistet. Und andere Nahverkehrssysteme gefordert - unter
anderem: billigere. Und wenn Sozialdemokraten ihre Planspielchen machen,
ohne Entscheidungskraft der Betroffenen, so sind sie doch in einem immer
noch genau so bürgernah wie die Konservativen. Wo protestiert wird, ist
die Polizei ganz nah.
- Ein kurzer Bericht über eine damalige Protestaktion: "Grupo opositor al
Transantiago llamó a movilizarse durante la semana" vom Februar 2007 bei
Radio Cooperativa:
http://www.cooperativa.cl/p4_noticias/antialone.html?page=http://www.coop
erativa.cl/p4_noticias/site/artic/20070313/pags/20070313212530.html
- Ein knapper Überblick über die Problemlage: "Mit dem Transantiago vom
Regen in die Traufe" von Johannes Ullrich vom 17. März 2007 beim
sozialismus.info:
http://www.sozialismus.info/?sid 32
C.WASSER/STROM
V.Internationales / Japan
Gemeinsame Räte der Belegschaft und der Verbraucher könnten die Probleme
der Wasserversorgung besser lösen als das Diktat der Aktionäre - oder d
er
Staatsorgane
Ein asiatisches Netzwerk zur Verteidigung des Wassers: gibt es,
mobilisiert in verschiedenen Ländern sehr viele Menschen, ist hierzulande
nahezu unbekannt. Und einige Gewerkschaften, die an diese
Auseinandersetzung "ganz anders" herangehen gibt es auch, darunter die
japanische Gewerkschaft der kommunalen Wasserbetriebe (aber auch -
beispielsweise - die hart um ihre Legalität kämpfende koreanische KGEU,
oder gewerkschaftliche Strömungen in Indien, speziell in Tamil Nadu). Alle
diese politischen Strömungen begnügen sich nicht mit üblichen Parolen
wie
"Öffentliche Aufgaben gehören in die öffentliche Hand": Was umso
einsichtiger ist, wenn diese agieren wie Behörden und ihre
Regierungsprogramme umsetzen, Großstaudämme bauen etc. Wie diese
vielbeschworene öffentliche Hand zu funktionieren hätte, anders gebildet
werden könnte, in einem emanzipatorischen Sinne reformiert werden könnte
und ähnliche Probleme, das sind ihre Fragestellungen - davon ausgehend,
dass es nicht reicht, wenn die Bevölkerung "erst in der Stunde der Not"
als Partner angerufen wird, der sie vorher nie war. Die ausgesprochen
lesenswerte (englische) Dokumentation von Aktivistenberichten aus
verschiedenen asiatischen Ländern "Water Democracy: Reclaiming Public
Water in Asia;" (pdf-Datei) vom 4. Dezember 2007 bei "Waterjustice":
http://www.waterjustice.org/uploads/attachments/waterdemocracyasia.pdf
D.AUSBILDUNG
VI.Internationales / Philippinen
"Es ändert gar nichts, ob alle Schulen Internet-Anschluss haben oder nich
t"
Die Regierung hat zwei aktuelle Projekte: Privatisierung der Universitäten
und die Ausstattung der Schulen mit Computer und Netzzugang.
Studiengebühren als Einstiegsform werden eher leise realisiert, das
Computerprogramm für die öffentlichen Schulen mit großem Pomp verkü
ndet.
Warum es nicht ausreicht nur gegen die Privatisierung Front zu machen und
wie die Werte traditioneller Erziehung und private Profite zusammenhängen,
diskutierten wir am Telefon mit Jaime Arias, Basisaktivist der
Lehrergewerkschaft ACT in Metromanila: "Werte und Wert" heisst das
Gespräch vom 26. Februar 2008:
http://www.labournet.de/internationales/ph/schulwert.html
E.ESSEN/WOHNEN
VII.Internationales / Indien
Warum internationale Handelsketten nicht willkommen sind
In einem Land, wo die "Terroristen" (Naxalbaris) massenhaft Zulauf finden
bei direkten Aktionen gegen die Nahrungsmittelverteilstellen in den
jeweiligen Bundesstaaten (wo es - eigentlich - unterschiedliche Preise je
nach Einkommen der Bezieher geben sollte), kann es nicht verwundern, dass
die verschiedenen Anläufe der Walmart und Carrefour, Metro und anderen
Segnungen der Marktwirtschaft, endlich auf diesem riesigen Markt Fuß zu
fassen, bisher an recht breiter Ablehnung gescheitert sind. Aber natürlich
gibt es auch in Indien genügend Menschen, die es ganz toll finden, für
irgendwelche Unternehmen Reklame zu laufen - und dafür noch teuer bezahlen
zu müssen. Massenhafte Farmerselbstmorde auf der einen Seite, die stetig
wachsende Anzahl von Patenten, die sich Unternehmen von ihren jeweiligen
Behörden geben lassen auf der anderen Seite, sind der Hintergrund zu einer
heftigen gesellschaftlichen Konfrontation, innerhalb derer sich immer mehr
Bauern, Fischer und "Waldmenschen" zu kooperativen Zusammenschlüssen
finden, die beispielsweise ohne Künstdünger arbeiten. 12 Millionen
"Einzelhandelseinrichtungen" gibt es in Indien, 40 Millionen Menschen sind
dort beschäftigt - die Millionen StraßenhändlerInnen nicht gerechnet
- die
oft genug, in kleineren Städten vor allem, Bäuerinnen sind, die
Direktverkauf praktizieren. Dennoch beschäftigt der Zwischenhandel, die
örtlichen "Agents" Zehntausende. Prekär und schlecht genug also der
Istzustand. Für die breiten Massen der "nicht konsumfähigen" Menschen i
st
mit dem Einzug der transnationalen Handelskonzerne keine Besserung in
Sicht, im Gegenteil. Einige Aspekte dieser vielschichtigen
Auseinandersetzungen bieten die folgenden Beiträge:
Zum Einzelhandel bzw ausländischen Investitionen (FDI):
- "FDI in India's Retail Trade: Some Additional Issues" von Dipankar Dey
in der Ausgabe Juli 2007 von "Aspects of India's economy":
http://rupe-india.org/43/retail.html
- "Big box retail will boost poverty" von Devinder Sharma vom 17. Februar
2007 bei "India Together":
http://www.indiatogether.org/2007/feb/dsh-fdiretail.htm
Zum "Nahrungsaufruhr":
- "Public distribution of anger" von Rajat Roy in der Ausgabe November
2007 von "hardnews":
http://www.hardnewsmedia.com/2007/11/1662
- "Rioters against ration dealers" von Shoma Chatterji vom 25. Oktober
2007 bei "India Together":
http://www.indiatogether.org/2007/oct/gov-wbpds.htm
Zur Entwicklung der Landwirtschaft in Indien:
- "CONTRACT FARMING - Corporate agriculture: transplanting failure" von
Sudhirendar Sharma vom 3. Mai 2006 ebenfalls bei "India Together":
http://www.indiatogether.org/2006/may/agr-contract.htm
- "Indien 2006: 1400 Selbstmorde in nur einer Region" von P. Sainath vom
25. Februar 2007 im deutschen ZNet:
http://zmag.de/artikel/Indien-2006-1400-Selbstmorde-in-nur-einer-Region
Zu Widerständen:
- "India forms land reform council in response to 'rally of the
landless'" redaktioneller Beitrag vom 30. Oktober 2007 bei "The Hindu"
gespiegelt bei "Infochange India":
http://www.infochangeindia.org/LivelihoodsItop.jsp?section_idv=8#4973
- "The Trojan Horse of Neo-liberal Capital in Kerala" im Blog Kafila am
1. Dezember 2007:
http://www.kafila.org/2007/12/01/the-trojan-horse-of-neo-liberal-capital-in
-kerala/
- "Chengara, Kerala - land grab, Adivasis, and peasant struggle - A
citizens' report" vom "Solidarity Team" vom 4. Dezember 2007 bei
"Sanhati".
http://sanhati.com/articles/535/
VIII.Internationales / Brasilien
"Warum sollten die allerersten menschlichen Bedürfnisse - die Nahrung und
die Wohnung - eine Ware bleiben?"
Carina Aparecida Andrade de Freitas hat inzwischen viele Erfahrungen im
Anbau von Gemüse - im eigenen Garten. Die Studentin der
Kommunikationswissenschaft an der Katholischen Universität von Belo
Horizonte lebt in einem von den Volksbrigaden besetzten größeren Haus am
Stadtrand des 4 Millionen Konglomerats. Und, wie viele der in der
städtischen Obdachlosenbewegung aktiven Menschen in Brasilien, haben auch
sie und ihre Gruppierung enge Beziehungen zur Bewegung der Landlosen. Und
die politische Debatte, die diese über die MST national wie weltweit
vorantreiben, läuft unter dem Stichwort "Nahrungssouveränität", für
das
inzwischen die internationale Vereinigung Via Campesina als organisierte
Vertretung steht. In dem Telefoninterview "Nahrung darf keine Ware sein"
wollten wir von einer Basisaktivistin aus einer Stadt wissen, wie die
Menschen dort die Probleme sehen - und zu lösen versuchen:
http://www.labournet.de/internationales/br/keineware.html
IX.Internationales / USA / Arbeits- und Lebensbedingungen
Gute Arbeit. Guten Appetit.
Eine Kampagne wie "Gute Arbeit" der IGM ist verdienstvoll - schliesslich
ist es das erste Mal seit Zimmermanns Zeiten, dass die Problematik der
gesamten Arbeitsbedingungen behandelt wird. Sie leidet allerdings unter
Auslassungen: beispielsweise der Inhalt von jeweiliger Produktion oder
Dienstleistung. Was dazu führen kann, dass sie mögliche gesellschaftlic
he
Unterstützung vergibt. Was sich insbesondere - beispielsweise - bemerkbar
macht, wenn es das gibt, was immer noch beschönigend Skandal genannt wird:
Hier der Alltag kapitalitischer Lebensmittelindustrie. Wie in Chino,
Kalifornien bei der Großschlachterei Hallmark kranke Tiere zur
Schlachtbank geprügelt wurden - das nahm ein Arbeiter per Handy auf und
schickte die ganz besonders üblen Bilder an eine Tierschutzvereinigung.
Das führte zu der - wieder einmal kaum als seltsam empfundenen - Maßnah
me
des US-Agrarministeriums, 143 Millionen Pfund Fleisch zurückzurufen - die
Hallmark-Produktion der beiden letzten Jahre. Wobei selbst die Bürokraten
meinten, die Sache wäre wohl schon gegessen. Veterinärkontrollen wurden
umgangen oder fanden schlichterdings nicht statt, aber dass es - in den
USA wie in der BRD - nicht schwarze Schafe sondern die ganz normalen
Unternehmen der Branche sind, die qua Gesetz lügen und betrügen dürfe
n ist
weitgehend unbestritten. Das Fleisch kranker Tiere wurde in 150
Schulbezirken und zwei fastfood-Ketten verfüttert. Der Bericht "USDA
orders record recall of beef in California" von Dan Brown vom 17. Februar
2008 in der Zeitung "Santa Fe New Mexican":
http://www.santafenewmexican.com/Washington/USDA-orders-record-recall-of-be
ef-in-California
X.Internationales / Burkina Faso
Ganz unmoderne Forderungen tauchen auf: Preiskontrollen
Nach Senegal und Mauretanien und noch während die Polizei und Armee in
Kamerun auf Demonstranten schiessen, nun auch heftige Proteste in Burkina
Faso. Speziell in den westafrikanischen Ländern treibt die massive
Teuerung (in BF bis zu 65%) bei Grundnahrungsmitteln wie vor allem
Speiseöl und Zucker die Menschen zum Protest - und die Regierungen
reagieren neben Terror mit Zugeständnissen, etwa indem die Besteuerung
solcher Waren vermindert oder gar ausgesetzt wird. Die massenhaften
Protestbewegungen, sehr oft getragen von ganz jungen Menschen, oft gar aus
den Schulen kommend, setzen sich nicht nur militant zur Wehr: sie
vertreten auch Forderungen, die sich weder um politische Theoreme
irgendwelcher Art kümmern, noch darum, ob sie mit der Marktwirtschaft
kompatibel sind: Preiskontrollen zum Beispiel.
- Ein kurzer aktueller Überblick (mit Links zu weiteren Berichten) bei
der UN-Nachrichtenagentur IRIN: "Protests on price rises spread to the
capital" vom 28. Februar 2008:
http://www.irinnews.org/Report.aspx?ReportIdw033
- Etwas ausführlicher, mit einigem Hintergrund aus der Hauptstadt der
Bericht "Ouagadougou entre casse et pillage" von Antoine Battiono vom 29.
Februar 2008 in der Zeitung "Le Pays":
http://www.lepays.bf/quotidien/lumieres2.php?codeart778&numj@66
...bis bald, Helmut
P.S. Wer Probleme mit den langen Links hat, kann unter
http://www.labournet.de/news/
den Newsletter im html-Format öffnen und darüber problemlos surfen!
LabourNet Germany: http://www.labournet.de/
Treffpunkt für Ungehorsame, mit und ohne Job, basisnah, gesellschaftskrit
isch
The meeting point for all left-wing trade unionists, both waged and unwaged
Le point de rencontre de tous les militants syndicaux progressistes,
qu`ils aient ou non un emploi
LabourNet mailing list
LabourNet@labournet.de
http://labournet.de/mailman/listinfo/labournet
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