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Pressemitteilung
Nach schwedischem Vorbild: Garantierente gegen Altersarmut
Ulrike Jaspers, Marketing und Kommunikation
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)
26.03.2008
Um die zunehmende Altersarmut zu verhindern, plädiert der Frankfurter
Wirtschaftswissenschaftler Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn für die
Einführung einer Garantierente für alle Alten. Durch eine umfassende
Rentenreform nach schwedischem Vorbild könnte die Finanzierung der Rente
nachhaltig auf drei stabile und aufeinander abgestimmte Säulen gestellt
werden: die gesetzliche Rente, eine verpflichtende private Altersvorsorge
und die steuerfinanzierte Garantierente, so der Privatdozent für
Volkswirtschaftslehre an der Goethe-Universität, der zu Beginn des Jahres
für die hessische Abgeordnete der Grünen, Margareta Wolf, in den
Bundestag nachgerückt ist, in einem soeben erschienenen
wissenschaftlichen Beitrag in der Zeitschrift "Deutsche
Rentenversicherung".
Sein Modell einer Garantierente im Alter will er mit einem Grundeinkommen
für Personen im erwerbsfähigen Alter verbinden, das insbesondere bei den
Grünen und der CDU, aber auch bei der FDP und der Linken als Alternative
zu Hartz IV ernsthaft diskutiert wird. Für den Thüringer CDUMinisterpr
äsidenten Dieter Althaus hat Strengmann-Kuhn über die KonradAdenauer
-Stiftung ein Gutachten zu diesem Thema angefertigt
Strengmann-Kuhn, der sich seit Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn
intensiv mit allen Facetten von Armut beschäftigt und von1996 bis 2000
als Assistent bei dem bundesweit anerkannten Frankfurter Experten Prof.
Richard Hauser tätig war, untersucht in seinem Aufsatz in der
Fachzeitschrift "Deutsche Rentenversicherung" die empirische Entwicklung
von Altersarmut und diskutiert mögliche Reformoptionen. Er zeigt auf,
dass von Mitte der 1970er Jahre bis Mitte der 1990er Jahre das
Armutsrisiko im Alter stark gesunken und seitdem in etwa konstant ist.
Trotzdem haben immer noch 1,5 bis 2 Millionen alte Menschen ein Einkommen
unter der von der EU definierten Armutsgrenze, wobei die Zahlen je nach
Datensatz und Armutsmessung schwanken. "In Zukunft ist allerdings wieder
mit einer steigenden Altersarmut zu rechnen," prognostiziert StrengmannKuhn.,
"Aufgrund der Rentenreformen und der Zunahme von unsteten Erwerbs- und
Versicherungsverläufen wird in Zukunft auch die Kombination aus
gesetzlicher Rente und ergänzender kapitalgedeckter Säule nicht
ausreichen, um eine stabile Grundsicherung zu garantieren", schreibt der
Wirtschaftswissenschaftler. In jedem Fall erhöhe sich die Unsicherheit,
ob im Alter eine ausreichende Absicherung vorhanden sei. Hinzu komme,
dass die Politik auf das Problem der verdeckten Armut noch keine Antwort
gefunden habe. Aus diesen Gründen sei eine weitere Reform der
Altersicherung unbedingt erforderlich. Er favorisiert eine umfassende
Rentenreform nach schwedischem Vorbild:. "Bei Personen mit geringen
Ansprüchen aus der gesetzlichen und der kapitalgedeckten Rente werden
diese automatisch und ohne Bedürftigkeitsprüfung durch die Garantierente
aufgestockt, wobei die eigenen Ansprüche nur zum Teil auf die
Garantierente angerechnet werden. Durch eine Reform der Alterssicherung
wird die Transparenz und Akzeptanz der Altersvorsorgesysteme erhöht.
Entscheidend ist, dass durch die Garantierente Altersarmut vermieden
wird."
Während die Garantierente von der Rentenversicherung zusammen mit der
Rente ausgezahlt wird, regeln den Geldfluss bei seinem Modell der
negativen Einkommensteuer für die Erwerbsfähigen die Finanzämter: Wer das
Grundeinkommen nicht erreicht, erhält die fehlende Summe überwiesen.
Mehrausgaben sind dabei nicht unvermeidbar, das räumt auch der neue
Bundestagsabgeordnete ein. Aber er hat berechnet, wie diese
Zusatzausgaben insbesondere durch die Streichung von Steuerfreibeträgen
finanziert werden können. Auch der Sachverständigenrat hat in seinem
jüngsten Gutachten die grundsätzliche Finanzierbarkeit eines Bürgergeldes
eingeräumt und festgestellt, dass Einkommensarmut - ohne negative
Arbeitsmarktwirkungen - dadurch weitgehend beseitigt würde. "Derartige
Verteilungswirkungen ohne negative ökonomische Folgen hat keine andere
sozialpolitische Maßnahme", so Strengmann-Kuhn.
Nähere Informationen: Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Professur für
Volkswirtschaftslehre, insbesondere Labor Economics, Fachbereich
Wirtschaftswissenschaften, Telefon 069/798-23697,
E-Mail: strengmann ät wiwi.uni-frankfurt.de
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URL dieser Pressemitteilung: http://www.idw-online.de/pages/de/news252283
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PD Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn
Privatdozent für Volkswirtschaftslehre
Professur für Labor Economics (Lehrstuhlvertretung)
Goethe-Universität Frankfurt
strengmann ät wiwi.uni-frankfurt.de
http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/~strengma
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