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[poonal] Poonal Nr.805

Poonal Nr.805

Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen vom 07. Juli bis 13. Juli 2008

INHALT

BRASILIEN

  • Regierung weitet Kondomverteilung an Schulen aus

COSTA RICA

  • Gewerkschaft bemängelt miserable Arbeitsbedingungen nicaraguanischer ArbeiterInnen

GUATEMALA

  • Untersuchung von ca. 1.500 Menschenrechtsverletzungen beantragt

KOLUMBIEN

  • Drei minderjährige Indígenas durch Landminen getötet

MERCOSUR-LÃNDER

  • MERCOSUR beschliesst freien Personenverkehr und übt Kritik an EU-Abschieberichtlinie

MEXICO

  • Ausgrabungen auf ehemaligem Militärgelände im Bundesstaat Guerrero

MEXIKO

  • Ausrufung des nationalen AIDS-Notstands gefordert
  • Polizisten trainieren Foltermethoden

PERU

  • Morddrohungen gegen Radiojournalist

BRASILIEN

Regierung weitet Kondomverteilung an Schulen aus

(Buenos Aires, 03. Juli 2008, alc).- Die brasilianische Bundesregierung will als wirksame MaÃnahme im Kampf gegen HIV/AIDS in diesem Jahr über 550 Millionen Kondome verteilen. AuÃerdem sollen 400 Kondom-Automaten in Schulen aufgestellt werden, die am staatlichen Programm âGesundheit und Prävention in Schulenâ SPE (Saúde e Prevenção nas Escolas) teilnehmen. Bei einer im Rahmen des Programms durchgeführten Umfrage hatten sich 90 Prozent der SchülerInnen, 63 Prozent der Eltern und 58 Prozent der LehrerInnen für das Projekt ausgesprochen. Die Kondomabgabe in den staatlichen Schulen soll kostenlos erfolgen.

Einzelheiten wurden kürzlich von Gesundheitsminister José Gomes Temporão bekannt gegeben. Während des â7. Brasilianischen Kongresses über Prävention von AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheitenâ, der vom 25. bis 28. Juni in der südbrasilianischen Stadt Florianópolis stattfand, sagte er: âEine der groÃen Herausforderungen im Kampf gegen AIDS ist der Zugang zu Sexualerziehung in den Schulen verbunden mit Anreizen für die Benutzung von Kondomen.â

Nach Angaben der Vertreterin des Nationalen Programms gegen sexuell übertragbare Krankheiten und AIDS, Ellen Zita, will die Regierung noch dieses Jahr 1,2 Billionen Kondome für Männer sowie sieben Millionen der für Frauen entwickelten Femidome zur Verteilung im nächsten Jahr erwerben. âBis 2010 müssen wir bei jährlich 1,8 Billionen importierten Präservativen pro Jahr liegenâ, kündigte Zita an. Momentan kaufe Brasilien ein Viertel der weltweit hergestellten Kondome für Männer auf.

Der letzten Erhebung des Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2004 zufolge leben in Brasilien mehr als 590.000 Menschen im Alter von 15 bis 49 Jahren mit dem HI-Virus. Davon sind 208.000 weiblich und 385.000 männlich.

COSTA RICA

Gewerkschaft bemängelt miserable Arbeitsbedingungen nicaraguanischer ArbeiterInnen

(Buenos Aires, 03. Juli 2008, púlsar).- Die costa-ricanische Gewerkschaft UNT (Unión Nacional de Trabajadores) beklagte die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der etwa 147.000 nicaraguanischen ArbeiterInnen in der costa-ricanischen Baubranche. In einer von ihr durchgeführten landesweiten Studie kommt die UNT zu dem Schluss, dass etwa 70 Prozent der ArbeiterInnen körperliche und psychische Misshandlungen durch ihre ArbeitgeberInnen erleiden, da Letztere nicht einmal die grundlegendsten Arbeitsrechte gewähren würden.

Der Generalsekretär der UNT, Walter Soto Jiménez, wies insbesondere auf die Rolle von Schleuserbanden hin, die Arbeitskräfte aus dem benachbarten Nicaragua mit Versprechen kompletter sozialer Absicherung ins Land locken würden. Direkt bei Ankunft in Costa Rica würde den ArbeiterInnen dann jedoch der Reisepass abgenommen und sie müssten zu Hungerlöhnen arbeiten. Die Gewerkschaft wolle gegen diese Arbeitsrechtsverletzungen vorgehen. Sie versuche die Schleuserbanden zu identifizieren, um die entsprechenden rechtlichen Schritte einleiten zu können. Darüber hinaus beklagt die Gewerkschaft jedoch auch starke ausländerfeindliche Tendenzen von Seiten der Behörden und Teilen der Gesellschaft gegenüber den etwa 500.000 nicaraguanischen MigrantInnen in Costa Rica.

GUATEMALA

Untersuchung von ca. 1.500 Menschenrechtsverletzungen beantragt

(Buenos Aires, 08. Juli 2008, púlsar).- Im Rahmen des Nationalen Entschädigungsprogramms PNR (Programa Nacional de Resarcimiento) wurden der guatemaltekischen Staatsanwaltschaft 1.460 Anträge zur Untersuchung von Menschenrechtsverletzungen während des mehr als 30 Jahre andauernden Bürgerkriegs (1960 bis 1996) übergeben. Die Fälle basieren auf den Erzählungen der ungefähr 38.000 Opfer von Verschwindenlassen, Vertreibungen, auÃergerichtlichen Hinrichtungen, Massakern und nicht zuletzt auf den Berichten der Ãberlebenden von Folter und Gewalt. Diese Aussagen sind erst der Anfang. Weitere Opfer und Zeugen werden berichten, so auch die Nobelpreisträgerin Rigoberta Menchú.

Zudem sandte der Friedensbeauftragte Orlando Blanco eine Kopie der Anträge an das höchste spanische Gericht (Audiencia Nacional), um auch auf internationaler Ebene Gerechtigkeit zu schaffen. Die spanische Justiz leitete darauhin Untersuchungen gegen sieben hohe guatemaltekische Militärs ein. Gegen die Männer soll ein Verfahren wegen Völkermord eröffnet werden.

KOLUMBIEN

Drei minderjährige Indígenas durch Landminen getötet

(Buenos Aires, 08. Juli 2008, alc-poonal).- Das indigene Volk der Inkal Awá im Departement Nariño im Süden Kolumbiens hat der kolumbianischen und internationalen Ãffentlichkeit besorgt mitgeteilt, dass am 27. Juni drei Minderjährige durch Antipersonenminen ums Leben gekommen seien. Die drei Jugendlichen lebten auf dem indigenen Territorium Las Planadas Telembi im Landkreis Samaniego. Wie die Organisation des Volkes der Awá UNIPA (Unidad Indígena del Pueblo Awá) erklärte, handelt es sich bei den Opfern um die Brüder Dumar Alexander Paí Nastacuas (15 Jahre), Leibar Paí Nastacuas (12 Jahre) und José Edilmer Paí Nastacuas (8 Jahre). Die drei Schüler waren am Abend des 27. Juni in der Nähe des Flusses Río Telembi beim Jagen und Fischen in ein von irregulären bewaffneten Gruppen gelegtes Minenfeld geraten. Die explodierenden Minen töteten die Kinder auf der Stelle.

In der Erklärung teilt die UNIPA ihren Schmerz mit den Angehörigen der drei Brüder. Sie drückt ihre tiefe Trauer aus angesichts des nicht wiedergutzumachenden Verlusts der drei Jugendlichen, die, wie es in der Erklärung heiÃt, âgerade erst am Anfang ihres Lebens standen und die mit uns eine bessere Zukunft für unser Volk aufbauen wolltenâ. UNIPA solidarisiert sich auch mit dem 51jährigen Efraín Villota Cortés, der am Tag darauf (am 28. Juni) auf einem anderen Minenfeld in derselben Gegend seinen rechten Fuà verlor.

In der Region werden immer wieder Menschen durch Landminen getötet. Im vergangenen Jahr hatte die indigene Gemeinschaft der Awá 13 Todesopfer durch Landminen zu beklagen, dieses Jahr waren es schon sieben. Angesichts dieser unhaltbaren Zustände ruft die UNIPA die kolumbianische und die internationale Ãffentlichkeit auf, von den zuständigen staatlichen Stellen zu fordern:

1.die Resolution Nr. 53 der kolumbianischen Ombudsstelle für Menschenrechte vom 5. Juni 2008 umzusetzen. Diese Resolution fordert von der Regierung u. a. die Entfernung der in dem Gebiet befindlichen Landminen und von den bewaffneten Gruppen die Beendigung des Einsatzes solcher Minen.

2.Ermittlungen zu den beschriebenen Vorfällen und Untersuchungen zur Lebenssituation der betroffenen Bevölkerung anzustrengen.

3.eine Garantie der körperlichen und psychischen Unversehrtheit der Bevölkerung sowie eine Entschädigung für die Familien der Opfer.

4.die Durchführung aller notwendigen MaÃnahmen, um zu verhindern, dass sich solche Vorfälle wiederholen, und um das Leben und die Umsetzung des Entwicklungsplans für das indigene Volk der Awá zu garantieren.

Der Aufruf, der von der christlichen Menschenrechtsorganisation CPT (Christian Peacemaker Teams) unterstützt wird, ersucht alle staatlichen und nichtstaatlichen Stellen, insbesondere die kolumbianische Behörde für Soziale Aktion und Entwicklungszusammenarbeit (Agencia Presidencial para la Acción Social y la Cooperación Internacional), die Ombudsstelle für Menschenrechte (Defensoría del Pueblo), die kolumbianische Disziplinarbehörde (Procuraduría General de la Nación), das kolumbianische Amt für Familien- und Jugendfürsorge (Instituto Colombiano de Bienestar Familiar), das Internationale Komitee des Roten Kreuzes sowie weitere kompetente und solidarische Institutionen, die notwendigen MaÃnahmen für eine baldige Beseitigung der kritischen Zustände einzuleiten.

Die Friedensteams der CPT haben das Volk der Awá im Departement Nariño in den letzten zwei Jahren begleitet. Im Mai dieses Jahres hatte CPT einen internationalen Solidaritätsbesuch in die Region organisiert, um die dort lebenden Indígenas und AfrokolumbianerInnen zu unterstützen.

MERCOSUR-LÃNDER

MERCOSUR beschliesst freien Personenverkehr und übt Kritik an EU-Abschieberichtlinie

(Buenos Aires, 02. Juli 2008, púlsar-poonal).- BürgerInnen aus Mitgliedsstaaten des MERCOSUR oder damit assoziierter Staaten benötigen zukünftig keinen Reisepass mehr bei Reisen innerhalb des Wirtschaftsbündnisses. Dies wurde auf dem 35. Gipfel der Länder des Gemeinsamen Marktes des Südens MERCOSUR (Mercado Común del Sur) in der argentinischen Stadt San Miguel de Tucumán beschlossen. Das neue Abkommen garantiert den freien Personenverkehr zwischen den Vollmitgliedern (Argentinien, Brasil, Paraguay und Uruguay) sowie den assoziierten Mitgliedern (Bolivien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Peru und Venezuela) des Bündnisses.

Die RegierungsvertreterInnen aus der Region nahmen in den Abschlusstext des Gipfels auch eine Kritik an der am 18. Juni dieses Jahres vom Europäischen Parlament verabschiedeten Abschieberichtlinie auf. Diese Richtlinie ermöglicht den Behörden der EU-Staaten, MigrantInnen (selbst Minderjährige), die nicht im Besitz gültiger Aufenthaltspapiere sind, bis zu 18 Monate in Abschiebehaft zu nehmen, bevor sie schlieÃlich abgeschoben werden. Die VertreterInnen des MERCOSUR verurteilten diese MaÃnahme, da sie âdem Respekt vor der Menschenwürde der Migranten mit irregulärem Status nicht gerecht wirdâ. Darüber hinaus kritisierten sie in dem Papier, dass die europäischen Staaten mit der Abschieberichtlinie âden bisherigen Stand des Dialogs zwischen den Staats- und Regierungschefs Lateinamerikas und der Karibik sowie der Europäischen Union in Frage stellen, der anlässlich des 5. Gipfeltreffens Lateinamerika/Karibik-Europäische Union in Lima, Peruâ im Mai 2008 erreicht worden sei.

MEXICO

Ausgrabungen auf ehemaligem Militärgelände im Bundesstaat Guerrero

(Mexiko-Stadt, 08. Juli 2008, cimac-poonal).- Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft leite am 8. Juli die Ausgrabungen auf dem ehemaligen Militärgelände in der Gemeinde Atoyac de Ãlvarez im südlichen Bundesstaat Guerrero ein. Dort werden die sterblichen Reste von Bauern und Guerrilleros vermutet, die in den 70er Jahren während des so genannten schmutzigen Krieges vom mexikanischen Militär hingerichtet wurden. Aufgrund der Empfehlung des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte CIDH (Comisión Interamericana de Derechos Humanos) war das Gelände im Februar diesen Jahres mit einem Bodenradargerät gescannt worden. Der CIDH untersucht das Verschwindenlassen des Aktivisten Rosendo Padilla Pacheco. Pacheco hatte sich stark für die Angelegenheiten seiner Gemeinde eingesetzt und ist eines der 470 verschwundenen Opfer in der Region.

Die Ausgrabungen werden zwischen 15 und 40 Tage andauern. Als Zeuginnen der Antragsteller werden die Anwältin María Sirvent Bravo-Ahuja von der Mexikanischen Kommission zur Verteidigung und Verbreitung der Menschenrechte CMDPDH (Comisión Mexicana de Defensa y Promoción de los Derechos Humanos) und die Gerichtsmedizinerin Claudia Bisso von der argentinischen Vereinigung forensischer Anthropologen EAAF (Equipo Argentino de Antropología Forense) anwesend sein. Ende des Jahres soll im costa-ricanischen San José vor dem CIDH die erste Anhörung im Fall Radilla stattfinden.

MEXIKO

Ausrufung des nationalen AIDS-Notstands gefordert
Von Alicia Yolanda Reyes, Mexiko-Stadt

(Lima, 08. Juli 2008, semlac-poonal).- âInvestitionen im Bereich HIV/AIDS finden in Mexiko fast nicht stattâ, so die Einschätzung der Ãrztin Patricia Campos, Vorsitzende der Hilfsorganisation AIDS Healthcare Foundation in Mexiko. Die Anzahl von Personen, die antiretrovirale Medikamente (ARVs) benötigen, werde daher in den kommenden Jahren steigen. Zur Zeit müsse in Mexiko das Doppelte bis Vierfache für AIDS-Medikamente bezahlt werden als in den anderen Staaten Lateinamerikas und der Karibik. Würden die Preise nicht gesenkt, könne das Land nicht mehr den universellen Zugang für alle Personen gewährleisten, die ARVs zur Aufrechterhaltung ihres Immunstatus benötigten.

Die AIDS-Expertin warnte, dass die Regierung in knapp drei Jahren die Versorgung mit den Medikamenten nicht mehr für alle Betroffenen gewährleisten könne, sollte es keine Verhandlungen über die Preise geben. Um auf das Thema aufmerksam zu machen, hatten bereits im Juni etwa 150 AktivistInnen eine öffentlichkeitswirksame Demonstration mit Kundgebungen vor den Ministerien für Wirtschaft und für Gesundheit durchgeführt und dort einen Forderungskatalog präsentiert.

Die wichtigste Forderung ist die nach der Ausrufung des nationalen Notstandes wegen der Bedrohung durch AIDS. Die MaÃnahme würde es ermöglichen durch Verhandlungen die Preise an die mexikanische Realität anzupassen. Multinationale Pharmakonzerne betrachten Mexiko als ein Land mit mittleren Einkommen. Mit der Parole âIn Mexiko kann man mit AIDS-Medikamenten verreckenâ, forderten die DemonstrantInnen die Regierung zum Handeln auf.

Die Vergabe von ARVs an Betroffene war vor drei Jahren beschlossen worden. Zur Zeit kommen etwa 38.000 Infizierte in den Genuss der Therapie. Die Behandlung ist entweder über die Sozialversicherung abgedeckt oder erfolgt, wenn Betroffene nicht versichert sind, in den Krankenhäusern des Gesundheitsministeriums.

Bislang haben die mexikanischen Behörden sich bei den Verhandlungen und dem Kauf von Generika auf den nordamerikanischen Freihandelsvertrag NAFTA berufen, der die Multis unter besonderen Schutz stellt. Der Vertrag schreibt den gegenseitigen Ankauf von Waren zwischen den Mitgliedern Mexiko, USA und Kanada vor â theoretisch zu fairen Preisen. In der Praxis verhindert er, dass Mexiko Medikamente in anderen Ländern kaufen oder gar Generika selbst herstellen kann.

Patricia Campos, die zwölf Jahre lang der AIDS-Präventionsbehörde im Bundesstaat Jalisco vorstand, meint jedoch, der NAFTA-Vertrag billige den einzelnen Staaten die Flexibilität und Kompetenz zu, die öffentliche Gesundheit der eigenen Bevölkerung zu schützen und zu verteidigen. Zudem werde NAFTA von den Regelungen der Welthandelsorganisation WTO bestimmt, und diese sprächen etwa bei Patenten eine klare Sprache. Haben arme Länder keine eigene Pharmaindustrie, dürfen sie nach Ausrufung des nationalen Notstands andere Länder beauftragen, patentgeschützte Medikamente nachzubauen und billiger zu exportieren. Ein solches Abkommen wurde unlängst zwischen Ruanda und Kanada geschlossen.

Nach Angaben von Campos zahlt Mexiko einen überhöhten Preis, der teilweise 200 bis 400 Prozent über dem anderer Länder, wie Honduras, Nicaragua, El Salvador oder Brasilien, liege. Brasilien, wo Generika 40 Prozent der verwendeten ARVs ausmachen, konnte seine Verhandlungsposition deutlich stärken, da es die Medikamente für seinen Bedarf selbst herstellen könnte, sollten die Pharmakonzerne den Preis nicht senken.

Eines der gröÃten Probleme in Mexiko sei die unzureichende Planung der insgesamt benötigten Mengen an ARVs, so Campos. Die fehlende Voraussicht erhöhe die Behandlungskosten. So berechne etwa das Mexikanische Sozialversicherungsinstitut IMSS (Instituto Mexicano del Seguro Social), das rund die Hälfte der Betroffenen versorgt, jedes Jahr die Bestellungen falsch. Wenn am Ende des Jahres die zu gering kalkulierten Vorräte zur Neige gingen, müsse jedes Mal dort nachgekauft werden, wo die Medikamente gerade lieferbar seien. Der Preis sei dadurch um ein Vielfaches höher, als der, der vom Gesundheitsministerium erstattet werde. Im Institut für Soziale Sicherung und Leistungen für Beschäftigte im Staatsdienst ISSSTE (Instituto de Seguridad y Servicios Sociales de los Trabajadores del Estado) fänden ähnliche Fehlplanungen statt. Die Auswirkungen seien jedoch weniger spürbar, da die Versicherung nur für zehn Prozent der HIV/AIDS-PatientInnen mit ARV-Bedarf zuständig sei.

AIDS-AktivistInnen vermuten, der Nachkauf zu überhöhten Preisen hänge mit der Ausnutzung der Situation durch einige der für den Einkauf zuständigen Staatsbediensteten zusammen. Dies nachzuweisen sei jedoch unmöglich, da die Betreffenden sehr darauf bedacht seien, keine Spuren zu hinterlassen. Luis Soto, ebenfalls Mediziner und Kopräsident der Welt-AIDS-Konferenz 2008, die vom 3. bis zum 8. August in Mexiko-Stadt tagt, wies darauf hin, dass die Pharmakonzerne Ãrzte und Staatsangestellte im Gesundheitswesen mit Reisen, Computern und Einladungen zu Kongressen für das Verordnen ihrer Produkte belohnten, wodurch die Kosten der Medikamente stiegen. Soto und Campos stimmen darin überein, dass durch den Wegfall solcher Vergünstigungen der Preis der Medikamente zum Wohle der PatientInnen halbiert werden könnte.

Campos ist davon überzeugt, dass die Konferenz eine gute Gelegenheit für die lateinamerikanischen Staaten sei, sich über erfolgreiche Strategien â wie die Brasiliens â auszutauschen. Denkbar sei auch ein gemeinsames Verhandeln über Preise für die ganze Region. Man müsse die Chancen nutzen, wenn die Augen der Welt auf Mexiko gerichtet seien.

Polizisten trainieren Foltermethoden

(Rio de Janeiro, 09. Juli 2008, púlsar-poonal).- Die Staatliche Menschenrechtsorganisation CNDH (Comisión Nacional de Derechos Humanos) will in ganz Mexiko eine Untersuchung über das Training von Foltermethoden in der polizeilichen Ausbildung durchführen. Raúl Plascencia, oberster Inspektor der CNDH, kündigte die MaÃnahme an, nachdem Videoaufnahmen veröffentlicht wurden, die das Foltertraining einer polizeilichen Spezialeinheit der Stadt León im Bundesstaat Guanajuato dokumentieren.

Der Film zeigt 26 Beamte, die sich auf Anordnungen eines englisch sprechenden Ausbilders in einer Substanz wälzen, die nach ihrem eigenen Erbrochenen aussieht. Zu sehen ist auch, wie zwei Polizisten den Kopf eines Kollegen in ein Gefäà mit Exkrementen tauchen und danach in dessen Nasenlöcher kohlensäurehaltiges Wasser einleiten. Bei dem Opfer wird dadurch der Eindruck unmittelbar drohenden Ertrinkens hervorgerufen.

Die lokalen Behörden rechtfertigen die Folterübungen. Man wolle die Beamten auf schwierige Situationen vorbereiten und sie sollten mit Stress umgehen lernen.

PERU

Morddrohungen gegen Radiojournalist

(Berlin, 10. Juli 2008, poonal).- Genaro Alvarado Tuesta vom Radio La Voz de la Selva (Stimme des Urwaldes) aus der Amazonasstadt Iquitos beklagt, dass er mehrfach von Armeemitgliedern Morddrohung erhalten habe. Der Journalist fordert deshalb von den Behörden in Iquitos MaÃnahmen zu seinem persönlichen Schutz.

Gegenüber peruanischen Medien berichtet Alvarado Tuesta: âEs geht darum, dass die Soldaten und der Aufpasser, die mich ins Krankenhaus rein gelassen haben, sehr hart bestraft wurden. Sie wurden in den Knast gesteckt. Die haben angekündigt, dass sie mich suchen werden, wenn die Sache aus dem Medien ist, so in zwei Monaten. Wenn mir irgendwas passiert, dann sind sie dafür verantwortlich.â

Nach Angaben des Verbandes der Radiosender CNR (Coordinadora Nacional de Radio) war Alvarado Tuesta am 16. Juni 20 Minuten lang von Angehörigen des peruanischen Militärs im Militärkrankenhaus Santo Rosa in Iquitos festgehalten und misshandelt worden. Der Journalist führte in der Krankenstation ein Interview mit Freddy Huayunga Vela, einem Soldaten, der bei einem Zusammenstoà zwischen dem peruanischem Militär und der kolumbianischen Guerillaorganisation FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) schwer verletzt wurde.


Herausgeber: Nachrichtenpool Lateinamerika e.V. Köpenicker StraÃe 187/188, 10997 Berlin, Tel.: 030/789 913 61 e-mail: poonal@npla.de, Internet: http://www.npla.de

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