|
Poonal Nr. 790
Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes
lateinamerikanischer Agenturen vom 11. Dezember 2007
MEXIKO
Journalistenpreis für Basisradio "Radio Bemba"
UNO stellt Rundfunk- und Fernsehgesetz in Mexiko in Frage
NICARAGUA
Ortega regt Verstaatlichung der Erdöleinfuhren an
VENEZUELA
Verfassungsreform zurückgewiesen
KOLUMBIEN
Ehemaliger Paramilitär spricht von Massengräbern mit 300 Toten
BRASILIEN
Ein Bischof im Hungerstreik
MST bewertet Agrarreform im Jahre 2007 negativ
BOLIVIEN
Neue Verfassung auf dem Weg
MEXIKO
Journalistenpreis für Basisradio "Radio Bemba"
(Buenos-Aires, 6. Dezember 2007, púlsar).- Der mexikanische
Journalistenclub zeichnete das Basisradio "Radio Bemba" aus dem
nordmexikanischen Hermosillo für die Berichterstattung während des
polizeilichen Vorgehens gegen UnterstützerInnen der Versammlung der
Bevölkerung Oaxacas APPO (Asamblea Popular de los Pueblos de Oaxaca) mit
einem Preis aus.
Benjamín Alonso Rascón, Mitarbeiter von Radio Bemba, berichtete während
Auseinandersetzungen mit der Polizei vier Stunden lang live aus Oaxaca.
Während den Auseinandersetzungen setzte die Polizei Tränengas und
scharfe Munition ein. Außerdem wurden mehr als 200 Aktivisten,
unabhängige Journalisten und Menschenrechtsverteidiger festgenommen.
Radio Bemba ist aktives Mitglied des Weltverbandes der Basisradios in
Mexiko. Seit seiner Gründung berichtete der Sender kontinuierlich über
die Arbeit sozialer Bewegungen und Übergriffe gegen diese Bewegungen.
Radio Bemba sendet auf UKW und im Internet.
Die Auszeichnung ist ein Ausdruck der Anerkennung für die informative
und professionelle Arbeit der Basisradios in Mexiko, obwohl diese
rechtlich immer noch nicht anerkannt sind. Dabei stellen die Sender ein
wichtiges Instrument zur Ausübung des Rechts auf Meinungsfreiheit für
die verschiedenen sozialen Bewegungen dar und garantieren eine
pluralistische Schilderung von Ereignissen. Damit sichern sie ein Recht
auf Information.
Im Internet: http://portal.radiobemba.org/
MEXIKO
UNO stellt Rundfunk- und Fernsehgesetz in Mexiko in Frage
(Buenos Aires, 29. November 2007, púlsar).- Das UN-Hochkommissariat für
Menschenrechte bat am vergangenen Donnerstag (29.11.) die mexikanischen
Senatoren, die Reform des Rundfunk- und Fernsehgesetzes einer Prüfung zu
unterziehen. Die geplanten Änderungen des Gesetzes würden "zur
Konzentration der Kommunikationsmedien führen".
Die stellvertretende Repräsentantin des UN-Hochkommissariats für
Menschenrechte in Mexiko Liliana Valina wies darauf hin, dass die
Legislative "die internationalen Verpflichtungen, die Mexiko zum Thema
Meinungsfreiheit eingegangen ist, in den Prozess einbringen kann".
Während eines Treffens mit den Senatoren, die das neue Bundesgesetz
ausarbeiten, erinnerte Valina daran, dass der Staat die Meinungsfreiheit
nicht nur respektieren, sondern auch garantieren müsse, so dass diese
nicht verletzt werde.
Valina bekräftigte, dass das so genannte "Televisa-Gesetz" so geändert
werden müsse, dass der Zugang aller gesellschaftlichen Gruppen zu den
Kommunikationsmedien ohne jegliche Einschränkung sowie Pluralismus und
freier Wettbewerb gesichert seien. Die UN-Vertreterin erklärte weiter,
dass im bisherigen Gesetz keine Lizenzierung von Basisradios vorgesehen
sei, damit sei die Möglichkeit deren rechtlicher Anerkennung
eingeschränkt. Fraglich sei auch das Verbot, das Basisradios an der
Ausstrahlung von kommerzieller Werbung zur Eigenfinanzierung hindere.
Valina erinnerte zudem an die Erklärung der Vereinten Nationen über die
Rechte indigener Völker, die den indigenen Gemeinden das Recht auf
eigene Kommunikationsmedien zuspricht.
NICARAGUA
Ortega regt Verstaatlichung der Erdöleinfuhren an
(Buenos-Aires, 6. Dezember 2007, púlsar).- Angesichts der Weigerung des
US-amerikanischen Esso-Konzerns, das aus Venezuela stammende Rohöl in
Nicaragua zu lagern und aufzubereiten, teilte Präsident Daniel Ortega
mit, dass seine Regierung einen Gesetzesentwurf zur Verstaatlichung der
Erdöleinfuhren vorbereite. "Ich habe den Minister für Energie und
Bergbau Emilio Rapacciolli angewiesen, schnell einen Vorschlag zur
Verstaatlichung der Erdöleinfuhren vorzubereiten. Das Energieproblem und
die Erdölversorgung sind Themen der nationalen Sicherheit und wir sind
an einem Punkt angelangt, an dem es gilt, Entscheidungen zu treffen",
erklärte der Staatschef. "Auf diese Weise werden wir davon profitieren,
dass hundert Prozent des Erdöls aus Venezuela kommen und dass die
Raffinerie Esso das Rohöl aufbereitet", fügte er hinzu.
Mit der Maßnahme will die nicaraguanische Regierung die Energiekrise
angehen, unter der das Land leidet und die als Problem der nationalen
Sicherheit definiert wurde. Ortega betonte besonders, dass der
nicaraguanische Staat nur über Kapazitäten für die Lagerung von zwei
Millionen Barrel Öl verfüge. Man suche deshalb nach einer Übereinkunft
mit dem Esso -Konzern, dem die einzige Ölraffinerie im Land gehört. Das
Staatsoberhaupt merkte an, dass die Führungsriege des Unternehmens sich
zur Zeit "wie wahre Söldner und Spekulanten" verhielten.
VENEZUELA
Verfassungsreform zurückgewiesen
(Fortaleza, 3. Dezember 2007, adital-poonal).- In der am 2. Dezember in
Venezuela durchgeführten Volksabstimmung ist die von der Regierung
Chávez vorgeschlagene Verfassungsreform knapp abgelehnt worden.
4.504.354 Stimmen (50,7%) entfielen auf ein "Nein", 4.379.392 Stimmen
(49,29%) auf "Ja". Die Wahlbeteiligung lag bei nur 55,89%.
Venezuelas Präsident Hugo Chávez, der direkt nach Bekanntgabe des
Ergebnisses den Ausgang des Referendums in einer öffentlichen Ansprache
akzeptierte, führte die Niederlage auf die hohe Wahlenthaltung zurück.
So gingen von 16 Millionen Wahlberechtigten nur rund 9 Millionen zur
Abstimmung.
Die Niederlage, so zeigt sich nach Auswertung der Stimmen, geht weniger
auf einen Stimmenzuwachs der Opposition zurück. Vielmehr war ein großer
Teil der Bevölkerung, die eigentlich Chávez Politik unterstützt, den
Urnen fern geblieben. So verlor das das Chávez-Lager rund drei Millionen
Stimmen, während die Opposition nur rund 200.000 Stimmen dazu gewann.
Die Verfassungsreform hatte Punkte enthalten wie die Einrichtung eines
staatlichen Sozialversicherungssystems für informell Beschäftigte, eine
territoriale Neugliederung, die Möglichkeit für eine erneute Kandidatur
Chávez dem Ende seines Mandats im Jahr 2012 sowie eine Zuweisung von
fünf Prozent des Staatshaushaltes an die kommunalen Räte. Grundsätzlich
besteht die Möglichkeit, dass ein erneutes Verfassungsreferendum
angesetzt wird, wenn sich 25% der Wahlberechtigten dafür aussprechen.
Chávez selbst gewann der Niederlage auch etwas "Gutes" ab. So
unterstrich er, es sei ein Erfolg, dass die Opposition die Verfassung
von 1999, die sie sonst immer heftig kritisiert und bekämpft und von der
Teile verändert werden sollten verteidigt habe. Er versprach zudem, die
Arbeit an Aufbau eines sozialistischen Landes gehe weiter. "Ich ziehe
nicht ein einziges Komma aus dem Vorschlag (zur Verfassungsänderung)
zurück. Ich werde dem Volk den Vorschlag weiter unterbreiten, er ist
nicht tot."
KOLUMBIEN
Ehemaliger Paramilitär spricht von Massengräbern mit 300 Toten
(Buenos-Aires, 28. November 2007, púlsar).- Diego Fernando Murillo,
ehemaliger Chef der Paramilitärs, erklärte vergangenen Mittwoch vor der
Staatsanwaltschaft, dass im Verwaltungsbezirk Antioquia im Nordwesten
des Landes mindestens 300 Opfer von Todesschwadronen in bisher
unentdeckten Massengräbern verscharrt seien.
Nachdem das Gesetz für Gerechtigkeit und Frieden verabschiedet worden
war, begann die Demobilisierung der paramilitärischen Verbände AUC
(Autodefensas Unidas de Colombia). Murillo selbst sitzt seit vergangenem
Jahr in Haft. Mit etwas Pech könnten dem ehemaligen Drogenboss die
Vorzüge des 2005 verabschiedeten Gesetzes vorenthalten und statt dessen
seine Auslieferung in die Vereinigten Staaten veranlasst werden. Die USA
haben Murillos Auslieferung beantragt, weil sie seine Beteiligung am
Drogenhandel untersuchen möchten.
Für Paramilitärs, die ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit gestehen
und sich verpflichten, ihre Opfer zu entschädigen, sieht das Gesetz für
Gerechtigkeit und Frieden Haftstrafen von bis zu acht Jahren vor.
BRASILIEN
Ein Bischof im Hungerstreik
Von Eva Völpel
(Berlin, 11. Dezember 2007, npl).- Nun schon seit dem 27.11. befindet
sich Bischof Luíz Flávio Cappio aus der Diözese Barra im Bundesstaat
Bahia im Hungerstreik. Er, sowie vier weitere Geistliche seiner
Gemeinde, die ihn im Hungerstreik begleiten, protestieren damit gegen
die Umleitung des Flusses São Francisco. Damit nimmt der Bischof einen
Hungerstreik wieder auf, den er im September 2005 nach elf Tagen
unterbrochen hatte. Damals erstreikte er von Präsident Lula die Zusage,
das Flussumleitungsprojekt zu suspendieren und einen Dialogprozess zu
beginnen. Statt fand Monate später jedoch nur ein einziges Treffen
zwischen RegierungsvertreterInnen und der Zivilgesellschaft. Danach
wurde der Dialogprozess auf Grund des Wahlkampfes ausgesetzt. Nach Lulas
Wiederwahl ignorierte dieser alle vorher gemachte Zusagen und nahm den
Dialog nicht wieder auf.
Stattdessen haben seit Mai 2007 die Bauarbeiten am Projekt begonnen,
nachdem die Bundesumweltbehörde im März diesen Jahres die Genehmigung
dazu erteilt hatte. Und das, obwohl die gesetzlich vorgeschriebenen
öffentlichen Anhörungsverfahren mit der Bevölkerung nie durchgeführt
wurden, das formale Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren noch nicht
abgeschlossen ist, der oberste Gerichtshof noch nicht über die laufenden
Einspruchsverfahren gegen das Projekt entschieden hat und zahlreiche
Fachleute die Umweltverträglichkeitsstudie des Projektes als
unzureichend und fehlerhaft kritisieren.
Hinter der geplanten Flussumleitung steckt ein groß angelegtes
Infrastrukturprojekt, mit dem durch den Bau von zwei Kanälen Wasser in
nördlich gelegenere Flüsse geleitet werden soll, die zeitweise
austrocknen. Das Projekt war jedoch von Anfang an sehr umstritten und
rief großen Widerstand seitens der brasilianischen Bevölkerung hervor.
Noch im Jahr 2001 wandten sich auch die brasilianische Arbeiterpartei PT
und der damalige Präsidentschaftskandidat Lula gegen das Vorhaben.
Damals noch stellten sie die Umsetzbarkeit und Effizienz in Frage. Kurz
nach seinem Wahlsieg im Jahr 2002 erklärte Lula das Projekt jedoch zu
einer seiner Prioritäten.
Entgegen den Regierungsaussagen, die immer wieder betonen, das Projekt
solle die Wasserversorgung von rund 12 Millionen Menschen sichern, wird
es wohl v.a. dem exportorientierten Industrieagrarsektor wie Obst- und
Zuckerrohrplantagen sowie der industriellen Krabbenzucht zu Gute kommen.
So sind nur 4% des Wassers den im Landstrich lebenden Menschen
vorbehalten, der Rest wird in Bewässerungsprojekte der
Großagrarindustrie (70% des Wassers) und in die Städte (26%) abfließen.
Auch der Oberste Gerichtshof hatte in Frage gestellt, dass das Projekt
die Trinkwasserversorgung für 12 Millionen Menschen sichere, denn in dem
eigentlichen Projekt sei lediglich der Ausbau der Hauptkanäle
vorgesehen. Die Zuleitungssysteme für die Gemeinden müssten die
jeweiligen Bundesstaaten selbst finanzieren. Diese verfügen aber über
nur sehr spärliche Haushaltsmittel.
Auch internationale Geldgeber haben sich bisher nicht von dem Projekt
überzeugen lassen. In einer Studie spricht sich selbst die Weltbank
gegen eine Kreditvergabe für das Projekt
aus, da die positiven Effekte für die Armutsbekämpfung nicht belegt seien.
So kritisieren ProjektgegnerInnen, dass die LandbewohnerInnen der Region
nach der Flussumleitung unter extremer Wasserknappheit leiden werden.
Schon heute verfügt der Sobradinho Stausee am São Francisco-Fluss über
nur 14% seiner Speicherkapazität, ein deutliches Zeichen für die sich
derzeit schon extrem vermindernden Wasserreserven des Flusses. Diese
jetzt schon im langjährigen Durchschnitt sinkenden Wasserstände des
Flusses werden jedoch im Projekt Flussumleitung nicht berücksichtigt.
Dazu kommt, dass nach der Umsetzung des Projekts mit einem Anstieg des
Wasserpreises auf das Fünffache zu rechnen ist, denn als hauptsächliches
Finanzierungsinstrument für die Flussumleitung ist eine Umlegung der
Kosten auf die WassernutzerInnen vorgesehen.
KritikerInnen weisen darauf hin, dass das semiaride Gebiet um den Fluss
durchaus über genügend Wasser verfüge, nämlich durch zahlreiche
Wasserrückhaltebecken, kleine und größere Stauseen über ein
Gesamtvolumen von 37 Milliarden m³ Wasser. Dieses würden jedoch schlecht
genutzt und v.a. nicht gerecht verteilt. Erst im Dezember letzten Jahres
veröffentlichte die nationale Wasserbehörde ANA eine Studie zu
Alternativ-Projekten. Danach könnte allein mit der Hälfte der derzeit
für das Projekt vorgesehenen Gelder die Wasserversorgung von rund
dreimal mehr Gemeinden als aktuell vorgesehen gesichert werden. Auch ein
Netzwerk von NGOs der semiariden Region hat Alternativpläne vorgelegt,
mit denen eine Trinkwasserversorgung für die Landbevölkerung
kostengünstig gesichert werden könnte.
Doch bisher zeigt sich die brasilianische Regierung uneinsichtig. Auf
den Brief, den der Bischof an seinem ersten Fastentag an Präsident Lula
schickte und in dem er ihn des Betrugs gegenüber seiner Person, aber
auch gegenüber der ganzen brasilianischen Gesellschaft bezichtigt,
verkündete Lula kurz darauf in einem Fernsehinterview: "Der Bischof
bringt mich in eine schwierige Lage, weil ich zwischen ihm, der einen
vorsätzlichen Hungerstreik macht, und 12 Millionen Einwohnern des
Nordostens wählen muss, die Wasser zum Überleben brauchen. Es besteht
kein Zweifel, dass ich mich für die Armen dieses Landes entscheiden werde".
An Lulas Haltung hat sich auch mit dem Fortgang des Hungerstreiks nichts
geändert. Ganz im Gegenteil hat er die Militärpräsenz am Fluss
verstärken lassen, Teile der Bauarbeiten werden direkt von Soldaten
ausgeführt.
Währenddessen wächst der Widerstand in der Region. Tausende nehmen an
den täglichen Messen des Bischofs teil und zahlreiche Pilgerer haben
sich nach Sobradinho aufgemacht, wo sie von einer Bevölkerung, die sich
mit dem Bischof solidarisch erklärt hat, aufgenommen und versorgt
werden. Auch zahlreiche Menschenrechtsgruppen, die Landlosenbewegung
MST, VertreterInnen politischer Parteien, Teile der Kirche, indigene
Gruppen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben sich mit
Bischoff Cappio solidarisch erklärt. An verschiedenen Orten finden immer
wieder Solidaritätskundgebungen und -aktionen statt.
Der Bischof, der mittlerweile neben Wasser auch eine Zucker-Salz-Lösung
zu sich nimmt, um länger durchzuhalten, denkt währenddessen nicht ans
Aufgeben. Er verkündete in einem Brief, er werden seinen Hungerstreik
erst dann beenden, wenn das Militär abgezogen und die Flussableitung
endgültig gestoppt werde. In seinem Brief an Präsident Lula hatte er
erklärt: "Ich nehme an, dass die Kräfte, die Interessen in dem Projekt
haben, alle Mittel nutzen werden, um unseren Widerstand zu entmutigen
und die öffentliche Meinung zu verwirren ... Ich nehme es auf mich,
gekreuzigt zu werden, denn das ist der Preis, der zu zahlen ist. Das
Leben des Flusses und seines Volkes oder der Tod eines brasilianischen
Bürgers."
Am Donnerstag, den 11.12., läuft um 13.45 Uhr auf 3sat die Reportage
"Bahia - ein Bischof im Hungerstreik". Unter
http://www.ewl-hueckelhoven.de/
kann man eine Solidaritätserklärung mit dem Bischof und den Protesten
gegen das Projekt unterschreiben.
BRASILIEN
MST bewertet Agrarreform im Jahre 2007 negativ
(Buenos-Aires, 5. Dezember 2007, púlsar).- Der Vorsitzende der
brasilianischen Landlosenbewegung MST (Movimento dos Sem Terra) João
Pedro Stédile versicherte am Mittwoch (3.12.), dass die Bilanz "des
Fortschreitens der Agrarreform in diesem Jahr extrem negativ ausfällt".
Der Wirtschaftswissenschaftler erklärte, dass "dieses Jahr in der
letzten Dekade das Jahr war, in dem am wenigsten Land an die Bauern
verteilt wurde". Jede Person, die auf den Autobahnen in Brasilien
unterwegs sei, "wird die mehr als 600 Zeltlager sehen, in denen 150.000
Bauernfamilien in der Erwartung leben, ein Stück Land zum Kultivieren
und Bearbeiten zu erhalten", sagte Stédile der Agentur ANSA.
Der MST-Vorsitzende betonte, dass die Organisation ihren Kampf für die
Agrarreform, die von der Regierungspartei PT versprochen wurde,
fortsetze. "Trotz der ununterbrochenen Kämpfe der Landlosen war 2007 ein
schlechtes Jahr. Zum Teil hängt das mit dem Vordringen der
multinationalen Konzerne zusammen, die weiterhin riesige Ländereien
kaufen, ungeachtet der gesetzlichen Beschränkungen -- z.B. in den
Grenzgebieten zu Bolivien, Paraguay und Uruguay," meinte Stédile.
Der brasilianische Ökonom unterstrich, dass es angesichts dieser
Situation im kommenden Jahr heftige Konflikte geben werde, "vor allem in
Gebieten, die von den Multinationalen gekauft wurden und die versuchen,
das so genannte Agrarbusiness auszunutzen. Das steht dem Projekt der
Bauern entgegen, da es die Kultivierung des Bodens den Großunternehmen
vorbehält".
BOLIVIEN
Neue Verfassung auf dem Weg
(Buenos-Aires, 10. Dezember 2007, púlsar-poonal).- Boliviens
Verfassungsgebende Versammlung hat am Sonntag, den 9. Dezember, mit mehr
als 2/3 der Stimmen den Vorschlag für eine neue Verfassung angenommen.
Für ihn stimmten 10 der in der Versammlung anwesenden politischen
Gruppierungen. Jetzt muss die Vorlage noch in einer Volksabstimmung
gebilligt werden, die vermutlich im September kommenden Jahres
stattfindet. Die Verfassungsreform beinhaltet u.a. eine Demokratisierung
der Kontrolle über die natürlichen Ressourcen Boliviens, eine Begrenzung
der zulässigen Größe für Landbesitz und mehr Rechte für die indigene
Bevölkerungsmehrheit des Landes.
Die Präfekten der oppositionell regierten Departements Beni, Pando,
Tarija, Santa Cruz und Cochabamba verkündeten jedoch nur einen Tag nach
der Abstimmung, die neue Verfassung des Landes nicht anzuerkennen. Sie
gaben zudem bekannt, dass sie ab dem 15. Dezember ihre Provinzen /de
facto/ autonom regieren würden - so, wie sie es seit Monaten fordern. In
einem Referendum im Juli 2006 hatte sich jedoch eine Mehrheit der
Bevölkerung mit 53% gegen eine Abspaltung und die Autonomie einzelner
Provinzen ausgesprochen.
In den Tagen vor der Abstimmung vom vergangenen Sonntag hatten
Zehntausende von Menschen, v.a. in La Paz, Cochabamba und Santa Cruz,
für die Regierung von Evo Morales, die Verfassungsreform und gegen die
Gewalt der rechten Opposition demonstriert. Diese geht seit Monaten mit
allen Mitteln gegen eine Verfassungsreform vor. So wurden immer wieder
Regierungsmitglieder auf dem Weg zur Verfassungsgebenden Versammlung
angegriffen und die Abstimmungen im Verfassungskonvent unter
fadenscheinigen Gründen blockiert. Auch verknappen oppositionelle
Großunternehmer seit einiger Zeit die Lebensmittel, um die Regierung
durch den Preisanstieg für Grundnahrungsmittel unter Druck zu setzen.
Selbst einen Putsch halten viele für nicht mehr ausgeschlossen.
Präsident Evo Morales hatte auf die Auseinandersetzungen u.a. mit dem
Vorschlag reagiert, die Präfekten des Landes sollten sich zusammen mit
ihm einem Abberufungsreferendum stellen. So würde klar, ob die
Bevölkerung hinter der Regierung stehe oder nicht. Zu diesem Vorschlag
hat sich die Opposition bisher nicht geäußert. Unklar ist, wie solch ein
Referendum ausginge. Zwar hat Morales Partei MAS im Abgeordnetenhaus des
Kongresses die Mehrheit, doch die rechte Opposition kontrolliert den
Senat mit seinen 27 Mitgliedern.
Herausgeber: Nachrichtenpool Lateinamerika e.V. Köpenicker Straße
187/188, 10997 Berlin, Tel.: 030/789 913 61 e-mail: poonal@npla.de,
Internet: http://www.npla.de
Redaktion und Koordination: Eva Völpel**
*Übersetzungsteam*: Andrea Kaden, Ania Müller, Barbara Kus, Benjamin
Weber, Bettina Hoyer, Brigitta Kainz, Carolin Gehrmann, Carolina Könn,
Christina Klug, Claudia Hecktor, Conny Gritzner, Cornelia Derler, Fabian
Klein, Grit Petschick, Henrike Hochmuth, Ina Soetebeer, Jana
Fleschenberg, Katharina Braig, Kathrin Fochtmann, Katrin Aue, Kerstin
Westerbeck, Kristina Vesper, Lotta Petersmann, Lui Lüdicke, Mareike
Hagemann, Nicole Romana Heigl, René Cofré Baeza, Ricarda Franzen,
Sebastian Henning, Sebastian Landsberger, Silvia Weber, Steffi Ulrich,
Thorsten Mense, Yvonne Stolz
Bankverbindung: Nachrichtenpool Lateinamerika e.V. Berliner Volksbank,
BLZ: 100 900 00, KTO: 7196704005, BIC BEVODEBB, IBAN: DE57 1009 0000
7196 7040 05
POONAL gibt's online bei www.npla.de, sowie als E-Mail-Abo, das gegen
Überweisung einer einmaligen oder regelmäßigen Spende bei uns zu
bestellen ist.
Spenden an uns als gemeinnütziges Projekt sind von der Steuer
absetzbar Auf Anfrage (bei finanzen@npla.de) stellen wir gerne
Bescheinigungen aus.
Nachdruck der Poonal-Artikel mit vollständiger Quellenangabe und gegen
Überweisung des entsprechenden Zeilenhonorars erwünscht.
Poonal gehört zur Federación Latinoamericana de Periodistas FELAP.
Erstellung der Beiträge durch die POONAL-Mitgliedsagenturen:
Actualidad Colombia <http://www.kolumbien-aktuell.ch/> (Kolumbien)
Adital <http://www.adital.org.br/> (Brasil)
Alai <http://alainet.org/> (Ecuador)
ALC <mailto:postmaster@alc.org.pe> (Peru)
AlterPresse <http://www.medialternatif.org/alterpresse/> (Haiti)
Anchi <http://www.anchi.cl/>(Chile)
Bolpress <http://www.bolpress.com/> (Bolivien)
Cerigua <http://www.cerigua.org/> (Guatemala)
<http://www.comcosur.com.uy/>Cimac <http://www.cimac.org.mx/> (Mexiko)
Comcosur/Recosur <http://www.comcosur.com.uy/> (Uruguay)
Noticias Aliadas <http://www.noticiasaliadas.org/> (Peru)
NPL <mailto:npl@npla.de> (Berlin)
Oficinainforma <http://www.oficinainforma.com.br/> (Brasilien)
Poonal-Koordination <mailto:poonalmex@npla.de> (Mexiko)
Prensa Latina <http://www.prensa-latina.cu/> (Kuba)
Púlsar <http://www.agenciapulsar.org/> (Argentinien)
<http://wwwredsemlac.net>SEMlac <http://www.redsemlac.net> (Kuba)
Voces Nuestras <http://www.vocesnuestras.org/> (Costa Rica)
--
Nachrichtenpool Lateinamerika e.V.
Köpenicker Str. 187/188
10997 Berlin
Tel: 030 - 78 99 13 61
Fax: 030 - 78 99 13 62
www.npla.de
|