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Poonal Nr. 787
Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes
lateinamerikanischer Agenturen vom 30. Oktober 2007
INHALT
HONDURAS
Social-Watch-Bericht: Regierung schützt Frauen nicht ausreichend
NICARAGUA
Ortega will anderen Schuldendienst
HAITI
UNO verlängert Mandat der MINUSTAH
KOLUMBIEN
Regionalwahlen fordern Todesopfer
BRASILIEN
Polizeieinsätze in Rio de Janeiro fordern immer mehr Todesopfer
BOLIVIEN
Opposition verschärft Auseinandersetzung mit Regierung Morales
ARGENTINIEN
Argentiniens Ex-Präsident De la Rúa angeklagt
Erster Strafprozess zu Verbrechen im Folterzentrum der ESMA
USA-LATEINAMERIKA
Bush will vom Kongress 500 Millionen US-Dollar für "Plan México"
HONDURAS
Social-Watch-Bericht: Regierung schützt Frauen nicht ausreichend
(Fortaleza, 23. Oktober, adital-poonal).- In Honduras wurden von 2003
bis Juli diesen Jahres 637 Frauen ermordet – ihre Mörder wurden nicht
bestraft. Auch die Fälle häuslicher Gewalt nehmen weiter zu. Allein 2006
wurden 12.000 Fälle registriert. Die Taten wurden zu rund 12 Prozent von
den eigenen Partnern verübt. Teilweise hatten die Opfer den zuständigen
Behörden bereits vorher Übergriffe gemeldet, ohne dass ihnen daraufhin
der gesetzlich vorgeschriebene Schutz gewährt worden war.
Zwar waren im 2006 verabschiedeten Haushalt umgerechnet knapp 622.000
Euro für die Schaffung von Sondereinheiten zur Untersuchung von
Frauenmorden vorgesehen. Bis jetzt wurden die veranschlagten Mittel
jedoch nicht von der Regierung bereitgestellt und an das
Innenministerium weitergeleitet.
Die Informationen entstammen dem diese Woche vorgelegten Jahresbericht
"Würde und Menschenrechte wahren" des NGO-Netzwerks Social Watch, das
die Umsetzung der international vereinbarten Anstrengungen im Kampf
gegen Armut und für Geschlechtergleichheit überwacht. Im Fall von
Honduras hebt der Bericht die Untätigkeit der Regierung sowohl bei der
Frauengleichstellung als auch bei der Armutsbekämpfung hervor.
Neben den vorgelegten Zahlen weist Social Watch auch auf die
Nichterfüllung der vom UN-Menschenrechtsausschuss im November 2006
ausgesprochenen Empfehlungen hin, was als weiterer Beleg für die
Untätigkeit der honduranischen Regierung gewertet wird. "Sowohl im
offiziellen als auch im alternativen Bericht zum Pakt über Bürgerliche
und Politische Rechte empfahl der Ausschuss der Regierung, 'geeignete
Maßnahmen für den Kampf gegen häusliche Gewalt zu ergreifen und die
rechtliche Verfolgung der Täter zu gewährleisten'", heißt es.
"Zweifellos spiegelt die Realität nicht die Beachtung und Umsetzung
dieser Empfehlungen wider."
NICARAGUA
Ortega will anderen Schuldendienst
(Buenos Aires, 24. Oktober 2007, púlsar-poonal).- Präsident Daniel
Ortega hat die internationale Gemeinschaft und die multilateralen
Institutionen um deren Zustimmung zu einer neuen Festlegung der Inlands-
und Auslandsschulden für Nicaragua gebeten, damit man auf den durch das
Klima bedingten Ausnahmezustand im Land reagieren könne. Ortega
verkündete, dass seine Regierung schon vor Ausbruch von Hurrikan Felix
am 4. September mit der lokalen Bank die Möglichkeiten einer
langfristigen Umschichtung der Schulden zu einem niedrigeren Zinssatz
verhandelt habe, jedoch bislang keine Einigung erzielt worden sei.
Der Staatschef gab darüber hinaus bekannt, dass über 40.000 Familien von
den Folgen des 52 Tage lang anhaltenden Regens, der Unterkünfte,
Straßen, Brücken, den landwirtschaftlichen Anbau, Gesundheitszentren und
Schulen zerstört hat, betroffen sind und von der Regierung Unterstützung
erwarten.
Am 19. Oktober hatte Ortega für das gesamte Land einen „Nationalen
Katastrophenzustand" ausrufen lassen. Dieser gibt der Regierung die
Möglichkeit, Gelder, die eigentlich für externe Ausgaben wie z.B. die
Bedienung des Schuldendienstes verwendet werden müssen, umzuleiten und
Maßnahmen zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete zu ergreifen.
Ortega erklärte, das Land könne die mehr als drei Milliarden US-Dollar
an Inlandsschulden nicht zahlen und verwies auf die Notwendigkeit, diese
Mittel für die Bekämpfung des Notstandes einzusetzen.
Der Vertreter der Vereinten Nationen, Alfredo Missair, erklärte
seinerseits die Bereitschaft der UN, die betroffenen Familien zu
unterstützen. Ähnlich äußerte sich ein Vertreter der
Entwicklungshelferkonferenz, der um eine schnelle Ermittlung der Schäden
bat, um entsprechende Maßnahmen einleiten zu können.
Angesichts der Naturkatastrophe entschied die Regierung Nicaraguas auch,
vorübergehend den Einfuhrzoll von 30% auf Bohnen auszusetzen, um so der
Knappheit dieses Grundnahrungsmittels entgegen zu wirken und zu
verhindern, dass der Preis für Bohnen auf den lokalen Märkten weiterhin
ansteigt. Ein Großteil der eigenen Bohnenernte war durch die Regenfälle
im Zuge von Hurrikan "Felix" zerstört worden.
In den ersten neuen Monaten dieses Jahres hat Nicaragua Bohnen für 34
Millionen US-Dollar importiert. 2006 waren im selben Zeitraum laut des
Außenhandelszentrums CETREX (Centro de Trámites de las Exportaciones)
dafür 30 Millionen US-Dollar ausgegeben worden.
HAITI
UNO verlängert Mandat der MINUSTAH
(Fortaleza, 18. Oktober 2007, adital).- Trotz zahlreicher Kritik und
Protestaktionen von Menschenrechtsgruppen hat der Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen am Montag, den 15. Oktober, einstimmig beschlossen,
die UN-Stabilisierungsmission in Haiti (MINUSTAH) um ein weiteres Jahr
zu verlängern. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon unterstützte ausdrücklich
die Verlängerung der von brasilianischen Truppen geführten Mission.
Nach einer kürzlich von Inter Press Service veröffentlichten Studie,
kostet jedoch die MINUSTAH-Mission zahlreichen armen haitianischen
BürgerInnen, darunter auch Kindern, das Leben. Diese werde jedoch sowohl
von Seiten der internationalen Presse als auch von
Menschenrechtsorganisationen weitgehend ignoriert.
Der Bericht weist eine große Übereinstimmungen zwischen der
militärischen Taktik der in Haiti unter dem Kommando der UNO
eingesetzten brasilianischen Truppen und dem militärischen Vorgehen der
brasilianischen Polizei in Brasilien selbst nach. Dort stehen die
Sicherheitskräfte immer wieder unter dem Verdacht, in den Favelas, den
Armensiedlungen der Großstädte wie São Paulo und Río de Janeiro,
unterschiedslos gegen ZivilistInnen und bewaffnete Band vorzugehen.
So schossen laut Bericht von Inter Press Service am 2. Februar diesen
Jahres UNO-Truppen in der haitianischen Stadt Cité Soleil rücksichtslos
um sich und zwei Jugendliche wurden im Schlaf getötet. In der Presse
wurde über diesen Vorfall nicht berichtet. Auch eine fünf Tage später
abgehaltene Demonstration, die die Rückkehr des 2004 ins Exil
gezwungenen Ex-Präsidenten Jean-Bertrand Aristides forderte, fand in den
Medien keine Resonanz.
Im Jahr Dezember 2006 ermordeten MINUSTAH-Soldaten Augenzeugen zufolge
in Cité Soleil 30 Personen, weitere 60 wurden verwundet, darunter Frauen
und Kinder. Das Vorgehen der UNO-Mission in der Gemeinde Cité Soleil
richtete sich gegen eine Demonstration von Anhängern der Partei Fammi
Lavalas des Ex-Präsidenten Aristide. An der Kundgebung hatten etwa
zehntausend Menschen teilgenommen. Sie forderten die Rückkehr von
Aristide und verurteilten die militärischen Besatzung des Landes durch
ausländische Truppen.
Die offizielle Erklärung der UNO-Mission für das Eingreifen in Cité
Soleil lautete, man sei dem Ruf der Regierung René Préval gefolgt, die
um Unterstützung im Kampf gegen kriminelle Banden gebeten habe.
Videoaufnahmen der alternativen haitianischen Nachrichtenagentur HIP
(Haiti Information Project) zeigen jedoch, dass unbewaffnete Zivilisten
im Kugelhagel der UN-„Friedenstruppen“ starben. So wurden
MenschenrechtsaktivistInnen getötet und Personen ohne Verbindung zu
kriminellen Banden verletzt und verhaftet.
Frantz Michel Guerrier, Sprecher des im Stadtteil Bois Neuf ansässigen
Komitees der Notablen für die Entwicklung von Cité Soleil, beschuldigte
die MINUSTAH, im Juli 2005 von Hubschraubern aus auf Zivilisten
geschossen zu haben während gleichzeitig Panzer ihre Häuser zerstörten.
„Wir konnten hören, dass schwere Waffen im Einsatz waren. Viele Tote und
Verletzte wurden in ihren Häusern gefunden.” Dem Roten Kreuz sei nicht
gestattet, den Verletzten vor Ort Hilfe zu leisten, vielmehr verweigerte
man ihm den Zugang an den Ort des Geschehens.
Im Verlauf jenes Tages wurden etwa 22.000 Schüsse abgegeben. In einem
Dokument der US-amerikanischen Botschaft erklärte ein Beamter der
UNO-Mission: „Da die Häuser in Cité Soleil in so schlechtem Zustand sind
und wir soviel Munition verbraucht haben, ist es gut möglich, dass
unsere Kugeln in zahlreiche Häuser eindrangen und Menschen trafen, die
keine Zielpersonen waren.“
Aus eine Studie der Universität Miami zur Menschenrechtssituation auf
Haiti geht hervor, dass unter der Übergangsregierung des US-treuen
Präsidenten Alexandre Boniface (2004-2006) mehr als Tausend politische
AktivistInnen der Aristide-Partei Lavalas verhaftet wurden. Allein in
der Hauptstadt Port-au-Prince wurden etwa 8.000 Menschen ermordet,
weitere 35.000 wurden Opfer sexueller Übergriffe.
KOLUMBIEN
Regionalwahlen fordern Todesopfer
(Buenos Aires, 23. Oktober 2007, púlsar).- Im Vorfeld der
kolumbianischen Regionalwahlen am 28. Oktober hat die politische Gewalt
in Kolumbien 19 Todesopfer unter den KandidatInnen gefordert, wie die
unabhängige Wahlbeobachtungsmission MOE (Misión de Observación
Electoral) der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) berichtete.
Die kolumbianische Tageszeitung El Tiempo, die mit Hilfe von Berichten
lokaler Behörden und Polizeidienststellen eine Liste erstellt hat,
zählte hingegen 27 ermordete PolitikerInnen.
Die beiden zuletzt registrierten Gewalttaten ereigneten sich am 22.
Oktober in der Ortschaft Puerto Asís, im Departement Putumayo an der
Grenze zu Ecuador, als ein Sprengsatz auf das Büro einer der
kandidierenden Parteien geworfen wurde und explodierte.
Die Anzahl der Opfer ist damit bisher geringer als vor den letzten
Regionalwahlen im Jahr 2003, als 29 KandidatInnen zu Tode kamen.
Die Kolumbianer geben ihre Stimme für den Gouverneur und die
Abgeordneten ihres Departements, sowie für Bürgermeister und
Gemeinderäte ab.
BRASILIEN
Polizeieinsätze in Rio de Janeiro fordern immer mehr Todesopfer
(Buenos Aires, 19. Oktober 2007, púlsar).- Das Institut für Öffentliche
Sicherheit von Río de Janeiro veröffentlichte Mitte Oktober Zahlen, nach
denen die Polizei der Stadt Río de Janeiro im ersten Halbjahr dieses
Jahres 694 Personen getötet hat. Das sind 33,5% mehr Personen, die zu
Todesopfern von polizeilichen Operationen wurden, als in der gleichen
Zeitspanne im vergangenen Jahr. Damit ist die Anzahl von Menschen, die
durch Polizeikräfte getötet wurden, die höchste seit dem Jahr 2000.
Die Menschenrechtsorganisation amnesty international verwies in diesem
Zusammenhang darauf, dass die Polizeikräfte Rios mit die brutalsten der
Welt sind. Sie würden ihre Todesopfer häufig als Mitglieder von
Drogenhändlerringen oder -banden ausgeben, die sich der Festnahme
widersetzt hätten.
Zur gleichen Zeit sicherte der Gouverneur von Río de Janeiro, Sergio
Cabral, im Radiosender CBN den Polizeikräften seine Unterstützung für
ihr Vorgehen zu. Er bezog sich dabei auf einen Einsatz in den
vergangenen Tagen, bei dem in der Favela Coréia bei einer
Verfolgungsjagd durch die Polizei zwölf Personen ums Leben kamen.
BOLIVIEN
Opposition verschärft Auseinandersetzungen mit Regierung Morales
(Buenos-Aires, 23. Oktober 2007, púlsar-poonal).- In Bolivien sind am
Montag, den 22. Oktober, in der ostbolivianischen Stadt Santa Cruz zwei
Sprengsätze detoniert, die Unbekannte aus einem fahrenden Auto geworfen
haben. Ziel der Anschläge waren das venezolanische Konsulat und eine
Unterkunft für Ärzte und Botschaftspersonal aus Kuba. Menschen wurden
beim dem Anschlag nicht verletzt. Während Präsident Morales von einem
"terroristischen Akt" sprach, beschuldigt die Opposition Venezuela und
die Regierung von Hugo Chávez, hinter dem Anschlag zu stehen, um die
Opposition Boliviens in Misskredit zu bringen.
Einige Tage zuvor war es auf dem Flughafen Viru Viru zu einer
Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des Gouverneurs des
oppositionell regierten und wohlhabenden Departements Santa Cruz, Rubén
Costas, und der Armee gekommen. Costas und seine Anhänger versuchten den
Flughafen zu stürmen, nachdem eine Sondereinheit der Armee die Kontrolle
darüber übernommen hatte. Anlass dafür waren Beschwerden ausländischer
Fluglinien, dass sie von Angestellten der staatlichen Luftfahrtbehörde
AASANA und dem örtlichen AASANA-Direktor erpresst würden, indem mehrfach
zusätzliche Landegebühren von ihnen unter der Hand gefordert worden
waren. Die Luftfahrtbehörde wird von Anhängern der Opposition
kontrolliert. Zwei ausländische Fluglinien hatten auf Grund der
Erpressung ihre Flüge nach Santa Cruz eingestellt. Die Übernahme der
Kontrolle durch die Armee sollte der dort ausgeübten Korruption Einhalt
bieten.
Nachdem die Armee das Gelände besetzt hatte, versuchte Costas zusammen
mit dem "Bürgerkomitee Pro Santa Cruz" den Flughafen zu stürmen. Costas
machte in einer Hetzrede Venezuela für die Militäraktion verantwortlich,
weil in Viru Viru ein venezolanisches Flugzeug gelandet sei und
beschimpfte Hugo Chávez als einen "Affen". In dem Flugzeug, so ließ
später die bolivianische Regierung verlauten, befanden sich
venezolanische Stipendiaten. Bei der Erstürmung des Flughafens wurde ein
Soldat angeschossen.
Angesichts der Vorkommnisse erklärten die bolivianischen Streitkräfte am
23.10., dass sie nur den Anweisungen des Präsidenten des Landes, Evo
Morales, gehorchen würden und bekräftigten, dass sie in der Lage dazu
sind, die Stabilität der demokratisch gewählten Regierung zu
garantieren. In einer Erklärung, die an Häuserwände angeschlagen wurde,
stellte die Armee fest, dass "die Gouverneure kein Teil der
Befehlsstruktur über die Streitkräfte sind, die ausschließlich dem
verfassungsmäßigen Präsidenten unterstehen."
Mit dieser Erklärung reagiert die Armee auf die Aussage von Rubén
Costas, der erklärt hatte, er sei "der einzige Kommandant" in der Region.
Costas und sein Bürgerkomitee in Santa Cruz machen, wie auch die
Oppositionsanhänger aus den anderen östlichen Provinzen Boliviens, seit
Monaten Stimmung gegen die Regierung von Evo Morales. Die
Verfassungsgebende Versammlung, die seit zwei Monaten nicht mehr tagt,
blockieren sie mit ihrer Forderung, der Sitz der Hauptstadt solle von La
Paz in die Hauptstadt Sucre verlegt werden. Zudem fordern sie seit
geraumer Zeit Autonomie für ihre Provinzen.
ARGENTINIEN
Argentiniens Ex-Präsident De la Rúa angeklagt
(Buenos-Aires, 23. Oktober 2007, púlsar-poonal).- Der argentinische
Ex-Präsident Fernando De la Rúa wird beschuldigt, für fünf Tote und mehr
als 150 Verletzte während der Repressionen gegen den Aufstand im
Dezember 2001 verantwortlich zu sein. Die Anklage lautet auf fahrlässige
Tötung und Körperverletzung. Am Montag, den 22. Oktober, wurde der
Prozess eröffnet. Wird De la Rúa verurteilt, drohen ihm bis zu zehn
Jahre Haft.
Laut Bundesrichter Claudio Bonadío hatte der damalige Präsident nicht
die ihm zur Verfügung stehenden Mittel genutzt, um die Gewalt zu
verhindern. Die Justiz sah von einer Inhaftierung ab, beschlagnahmte
aber 20 Millionen Pesos (ca. 4,4 Mio. Euro) aus dem Besitz De la Rúas
als Kaution.
Ebenfalls angeklagt wurden der Vizechef der Bundespolizei Osvaldo
Cannizzaro, der ehemalige Kommissar Daniel Manzini sowie die Kommissare
Próspero Treseguet, René Jesús Derecho und Alfredo Salomón.
Bei Demonstrationen in der Innenstadt von Buenos Aires am 19. und 20.
Dezember 2001 gegen die Regierung und die Wirtschaftskrise waren
mindestens 30 Menschen getötet worden. De La Rúa trat nach den Protesten
zurück und flüchtete mit dem Hubschrauber aus dem Präsidentenpalast.
ARGENTINIEN
Erster Strafprozess zu Verbrechen im Folterzentrum ESMA
(Buenos-Aires, 18. Oktober 2007, púlsar-poonal).- Die argentinische
Justiz eröffnete am 18. Oktober das erste Strafverfahren über
Verbrechen, die im Folterzentrum der Mechanikerschule der Marine ESMA
(Escuela de Mecánica de la Armada) während der Militärdiktatur von 1976
bis 1983 begangen wurden. Das Gericht rechnet mit der Anhörung von
ungefähr 50 Zeugen und erwartet ein Urteil für Anfang Dezember.
In dem Prozess, der vor dem 5. Bundesstrafgericht in Buenos Aires
geführt wird, steht Héctor Antonio Febrés in vier Fällen unter Anklage.
Er wird beschuldigt zwischen 1977 und 1978 an den Entführungen und
Folterungen von Carlos Lordkipanidse, Carlos García, Josefa Prada de
Olivieri und Alfredo Margari beteiligt gewesen zu sein. Febrés war in
der Zeit von 1977 bis Ende 1981 zunächst Vizepräfekt und später Präfekt
der nationalen argentinischen Seebehörde.
In ihrer ersten Aussage beschuldigten Zeugen Febrés als einen der
blutigsten Folterer des geheimen Zentrums. Carlos Lordkipanidse
erzählte, dass sich Febrés den Gefangenen mit dem Satz "Hier vor Ort bin
ich der Folterer" präsentierte. Lordkipanidse und Carlos García
berichteten zudem von der in der ESMA stattfindenden Sklavenarbeit, der
die Gefangenen unterworfen wurden. So mussten sie Dokumente jedweder Art
fälschen und beim Druck der Tageszeitung "Convicción" mithelfen, die von
Diktator Emilio Eduardo Massera heraus gegeben wurde.
Die Erklärungen der Überlebenden bringen Febrés in Bedrängnis, der die
ihm vorgeworfenen Verbrechen abstreitet und behauptet, er sei nie in der
ESMA gewesen.
Mit Héctor Febrés ist nur einer der Beteiligten der Arbeitsgruppe
angeklagt, die in dem geheimen Lager und Folterzentrum in Buenos Aires
unter dem Befehl des Diktators Emilio Eduardo Massera tätig war. Die
Anwälte der Anklage sowie die Staatsanwältin Mirna Goransky beantragten
zuvor ohne Erfolg die Aussetzung des Verfahrens. Sie forderten anstelle
des individuellen Prozesses eine gemeinsame Anklage und Verurteilung
aller Verantwortlichen, die in der ESMA an Verbrechen beteiligt waren.
Der Strafprozess gegen Febrés ist die vierte öffentliche
Hauptverhandlung seitdem der Oberste Gerichtshof des Landes im Juni 2005
die bis dahin bestehenden Befehlsnotstands- und Schlusspunktgesetze
(Leyes de Obediencia Debida y Punto Final) für nicht verfassungskonform
erklärte und aufhob. Diese unter Präsident Raúl Alfonsin 1987
verabschiedeten Gesetze sollten Strafprozesse gegen Täter aus den Reihen
der Militärs verhindern, die Verbrechen während der Zeit der
Militärdiktatur begangen hatten.
Die ESMA war das größte Folterzentrum während der Militärdiktatur, die
insgesamt 30.000 Menschen das Leben kostete. Es wird angenommen, dass
die Militärs auf dem an einer Hauptverkehrsstrasse in Buenos Aires
gelegenen Gelände schätzungsweise 5.000 Menschen folterten, exekutierten
und verschwinden ließen.
USA-LATEINAMERIKA
Bush will vom Kongress 500 Millionen US-Dollar für "Plan México"
(Buenos Aires, 23. Oktober 2007, púlsar-poonal).- Der US-amerikanische
Präsident George Bush hat beim Kongress die Bewilligung von 500
Millionen US-Dollar beantragt, um den "Plan México" in Kraft zu setzen.
Mit dieser Initiative sollen der Drogenhandel und das organisierte
Verbrechen in Mexiko bekämpft werden. Bush beantragte weitere 50
Millionen US-Dollar für die Region Zentralamerika. Insgesamt sollen in
den "Plan México" 1,4 Milliarden US-Dollar investiert werden.
Dana Perino, Sprecherin des Weißen Hauses, sagte, das Ziel sei "die
Gefahren des Drogenhandels sowie das internationale Verbrechen und den
Terrorismus auf dem Kontinent zu bekämpfen". In Zentralamerika sollten
die Gelder eingesetzt werden, um gegen "Gefahren durch das organisierte
Verbrechen, gewalttätige Banden und Drogenhändler" vorzugehen.
Hinter dem Plan México verbirgt sich eine Sicherheitskooperation
zwischen den USA und Mexiko, die ein bisher nicht gekanntes Ausmaß
annimmt und die von vielen BeobachterInnen als eine Militarisierung
Mexikos, die zahlreiche Menschenrechtsverletzungen erwarten lässt,
kritisiert wird. Anders als beim "Plan Colombia" in Kolumbien wird
jedoch eine direkte Truppenpräsenz von US-Soldaten in Mexiko
ausgeschlossen. Der Widerstand gegen solch einen Schritt wäre wohl in
der Bevölkerung, aber auch in Teilen der Regierungspartei und bei den
Streitkräften zu hoch.
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