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Poonal Nr. 782
Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes
lateinamerikanischer Agenturen vom 11. September 2007
INHALT
MEXIKO
- Oaxaca: Zwei Frauen der Ethnie Triqui schon seit zwei Monaten vermisst
GUATEMALA
- Weitere zwei Stadtratskandidaten ermordet
- Polizei schlieÃt Basisradios
NICARAGUA
- Kampagne zur Legalisierung des therapeutischen Schwangerschaftsabbruchs
- Pestizidgeschädigte Plantagenarbeiter demonstrieren wieder
COSTA RICA
- Angstkampagne und Erpressung gegen CAFTA- Referendum
- Unterschriften für Artenschutz
MITTELAMERIKA
- Jährlich gehen 450.000 Hektar Regenwald verloren
KOLUMBIEN
- FARC bestätigen Vorbereitungen für Treffen mit Chávez
ECUADOR
- Ecuador steigt bei Fernsehsender TeleSUR ein
- Suche nach Verschwundenen erneut aufgenommen
PARAGUAY
- Ex-General Lino Oviedo auf Bewährung frei
BRASILIEN
- Regierung erkennt staatliche Verantwortung für
Menschenrechtsverletzungen an
- Verurteilung von Angehörigen der Militärdiktatur?
URUGUAY
- Menschenrechtler initiieren Kampagne gegen Hinfälligkeitsgesetz
ARGENTINIEN
- Neue Bergbauprojekte in San Juan
CHILE
- Aymara-Indigenas lehnen Entscheidung für Schürfrechte
MEXIKO
Oaxaca: Zwei Frauen der Ethnie Triqui schon seit zwei Monaten vermisst
Von Soledad JarquÃn Edgar
(Oaxaca-Stadt, 6. September 2007, cimac-poonal).- Die Familie der beiden
vor zwei Monaten in der Region der Triqui-Indigenas verschwundenen
Schwestern Virginia und Daniela RamÃrez Ortiz hat bislang keine Hilfe
von der Regierung des Bundesstaats Oaxaca bekommen. Dies ist ein
weiterer Beleg für die Politik der Straflosigkeit der dortigen Regierung.
Yéssica Sánchez Maya, die Präsidentin der mexikanischen
Menschenrechtsorganisation LIMEDDH (Liga Mexicana por la Defensa de los
Derechos Humanos) Sektion Oaxaca, gab während einer Pressekonferenz
bekannt, dass die Organisation den Fall der am 5. Juli verschwundenen
Schwestern begleiten werde. Gemeinsam mit der Mutter der Verschwundenen
Antonia Ortiz und ihrer Tanten Emilia und Adriana prangerte Sánchez Maya
die Politik "des Frauenhasses und des Feminizids" der Regierung Oaxacas
an. Diese zeige sich darin, dass Verbrechen gegen Frauen nicht verfolgt
würden und bei Anzeige mit Gleichgültigkeit und Spott reagiert werde.
Die Pressekonferenz erfolgte nach dem zweiten Treffen zwischen den
Triqui-Frauen mit dem Generalstaatsanwalt Oaxacas Evencio Nicolás
MartÃnez RamÃrez am 29. August. Dabei hatte MartÃnez RamÃrez den Angaben
zufolge in die Hände geklatscht und zu der Mutter der verschwundenen
jungen Frauen in spöttischem Ton gesagt: âWenn du willst, kannst du ja
das ganze Triqui-Gebiet nach deiner Familie absuchen. Wenn du es machst
werde ich dir sogar Beifall zollenâ. Sánchez Maya erläuterte, dass der
Generalstaatsanwalt offenbar kein Verständnis für die verzweifelte Lage
der Mutter habe. Es sei bekannt, dass es den Frauen wegen den
politischen Problemen in der Triqui-Region nicht möglich sei, von einer
Gemeinde in die andere zu reisen.
MartÃnez RamÃrez rechtfertige die bisherige Erfolglosigkeit der
Ermittlungen mit den politischen Problemen. Bei dem Treffen habe er
deutlich gemacht, dass er seine Beamten keiner Gefahr aussetzen werde,
was für die Frauen bedeute, weiter in einer Situation der Recht- und
Straflosigkeit zu leben.
Die Frauen wiesen auch auf die âfurchtbarste Zeitâ hin, als die
Triqui-Region in den achtziger Jahren von einer militärischen Einheit
besetzt worden war. Am schlimmsten hätten die Frauen gelitten, da sie
von Soldaten vergewaltigt und gedemütigt wurden. Zudem hätten
Plünderungen, Raubüberfälle, illegale Verhaftungen und Brandstiftungen
stattgefunden.
GUATEMALA
Weitere zwei Stadtratskandidaten ermordet
(Buenos Aires, 6. September 2007, púlsar).- Drei Tage vor den
Präsidentschafts- und Kongresswahlen in Guatemala wurden zwei weitere
Stadtratskandidaten der Partei Encuentro por Guatemala erschossen. Seit
der Registrierung für die Wahlen sind bereits sieben Politikerinnen und
Politiker dieser Partei umgebracht worden. Die Morde ereigneten sich in
der Gemeinde San Raymundo, 30 Kilometer westlich von Guatemala-Stadt.
Nineth Montenegro, Abgeordnete und Gründerin der Partei Encuentro por
Guatemala, erklärte, dass die Täter auf die Kandidaten geschossen
hätten, als diese Wahlpropaganda verteilten. âDas ist ein weiteres
trauriges und unerklärliches Ereignis. Die Mörder schossen ohne etwas zu
sagen, als die Kandidaten damit beschäftigt waren, Wahlwerbung zu
machenâ, berichtete die Abgeordnete und forderte âeine sofortige,
ernsthafte und tatsächliche Ermittlung aller bisher geschehenen
Angriffeâ auf die Partei. Sie betonte, dass âbisher noch keiner dieser
Angriffe aufgeklärt wurdeâ.
Die Wahlbeobachtungsorganisation âMirador Electoralâ wies darauf hin,
dass seit Mai insgesamt 49 Aktivisten, Sprecher und Kandidaten von
Parteien, die an den Wahlen am Sonntag (9. September) teilnahmen, ums
Leben gekommen sind.
Bei den Wahlen konnte der Mitte-Links-Kandidat Alvaro Colom 28 Prozent
der Stimmen für sich verbuchen, gefolgt von dem rechten ehemaligen
Geheimdienstchef Otto Perez Molina mit 24,6 Prozent. Der Kandidat der
amtierenden Regierungspartei, Alejandro Giammatei, kam mit 17,5 Prozent
auf den dritten Platz. Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu vom
Encuentro por Guatemala erreichte nur drei Prozent der Stimmen. Am 4.
November wird es zu voraussichtlich einer Stichwahl zwischen Colom und
Perez Molina kommen.
GUATEMALA
Polizei schlieÃt Basisradios
(Buenos Aires, 6. September 2007, púlsar).- Die Zivile Nationalpolizei
Guatemalas (PolicÃa Nacional Civil) hat am 31. August vier Basisradios
in der Gemeinde Tecpán im Bezirk Chimaltenango geschlossen. Die
betroffenen Stationen sind Radio Victoria, Radio Vida, Radio Esperanza y
Estéreo Tecpán. Die MaÃnahmen gegen die Radios gegen auf eine Anzeige
der Regulierungsbehörde für Telekommunikation SIT (Superintendencia de
Telecomunicaciones) zurück. Die Mitarbeiter, die während der
Durchsuchungen in den Radiostationen waren, wurden drei Tage lang von
der Polizei festgehalten.
Einer der Verhafteten erklärte, er sei gegen eine Ersatzstrafe und die
Bezahlung von 930 US-Dollar freigelassen worden. Weiter berichtete er,
dass die Sicherheitskräfte angekündigt hätten, die Durchsuchungen in den
Gemeinden Patzun, PatzicÃa und San Martin Jilotepeque im Bezirk
Chimaltenango fortzuführen. Mitglieder der freien Radios in Guatemala
kritisierten, dass die staatlichen Verfolgungen weitergingen, trotz der
Bemühungen der Radios, offiziell anerkannt und legalisiert zu werden.
NICARAGUA
Kampagne zur Legalisierung des therapeutischen Schwangerschaftsabbruchs
(Buenos Aires, 6. September 2007, púlsar).- Unter dem Motto âKeine
einzige weitere Toteâ haben der Verein Nicaragua aus Hamburg und die
Autonome Frauenbewegung Nicaraguas die Kampagne âIch bestimme mein
Lebenâ gestartet. Mit der Aktion setzen sie sich für die Wiederaufnahme
des Rechts auf therapeutischen Schwangerschaftsabbruch in das
Strafgesetzbuch ein.
Während die Nationalversammlung über die Reform des Strafgesetzbuches
debattiert, fordert die Kampagne zu einer breiten Unterstützung all der
Bewegungen auf, die sich für die Akzeptanz dieses grundlegenden
Menschenrechts einsetzen. Die Forderung richtet sich an den Präsidenten
der Nationalversammlung René Nunez Téllez sowie an andere Funktionäre,
die mit Entscheidungsbefugnissen ausgestattet sind. Die
Veranstalterinnen rufen dazu auf, E-Mails und Protestschreiben an die
Adressen zu schicken, die auf der Homepage der Kampagne aufgeführt sind.
Homepage: www.yodecidomivida.org (deutsch und spanisch)
NICARAGUA
Pestizidgeschädigte Plantagenarbeiter demonstrieren wieder
(Buenos Aires, 31. Oktober 2007, púlsar).- Etwa 2.000 ehemalige Arbeiter
von Bananenplantagen, die gesundheitliche Schädigungen durch das
Pestizid Nemagón davongetragen haben, demonstrierten in den StraÃen der
nicaraguanischen Hauptstadt Managua. Sie forderten von den politischen
Entscheidungsträgern eine bessere medizinische Versorgung und
Unterstützung bei den von den Landarbeitern angestrengten Klagen in
Nicaragua und den USA.
Der Sprecher der Demonstranten Benjamin Chávez erläuterte, dass es um
die Rechte und die Unterstützung von etwa 20.000 ehemaligen Arbeitern
auf Bananenplantagen gehe, die durch das Pestizid Nemagón
gesundheitliche Beeinträchtigungen davongetragen haben. Nemagón wurde in
den 1960er und 1970er Jahren auf den Plantagen transnationaler
Bananenkonzerne versprüht.
Unter anderem fordern die Pestizidgeschädigten, dass die Regierung nicht
dem Drängen der Konzerne nachkommt, die das Gesetz zur Unterstützung der
durch Nemagón geschädigte Plantagenarbeiter abschaffen wollen. AuÃerdem
solle die Regierung weitere Mittel zur Unterstützung der Geschädigten
bereitstellen. Die Demonstranten marschierten bis zum Gebäude der
Nationalversammlung, wo bereits seit Monaten mehrere hundert Betroffene
campieren und eine bessere medizinische Versorgung fordern.
COSTA RICA
Angstkampagne und Erpressung gegen CAFTA- Referendum
Von Torge Löding
(San José, 7. September 2007, voces nuestras).- Am Donnerstagnachmittag
schlugen die Wellen hoch in der Asamblea Legislativa, dem
Nationalparlament im mittelamerikanischen Costa Rica. Vizepräsident
Kevin Casas und der Abgeordnete Fernando Sánchez, beide von der
rechts-sozialdemokratischen Regierungspartei PLN, wurden öffentlich mit
dem Inhalt einer E-Mail konfrontiert. Darin unterbreiteten sie Präsident
Oscar Arias Vorschläge, welche Richtung die Kampagne der
CAFTA-Befürworter in den letzten vier Wochen vor dem Referendum
einschlagen solle. Am 7. Oktober entscheiden die Wahlberechtigten, ob
das CAFTA-Freihandelsabkommen (spanisch TLC) zwischen den USA,
Mittelamerika und der Dominikanischen Republik ratifiziert wird. CAFTA
sieht unter anderem die Privatisierung von öffentlichen Betrieben vor;
die Kritiker lehnen es ab, weil sie darin die Umsetzung der neoliberalen
Agenda der US-Regierung sehen.
Obwohl die Befürworter den Staatsapparat für ihre Kampagne zur Verfügung
haben und auf die Unterstützung fast aller Massenmedien zählen können,
beginnen sie sich offenbar Sorgen zu machen. Kaum eine andere Erklärung
gibt es für die Vorschläge der Vertrauten des Staatschefs, nun eine
Angstkampagne zu starten. In der am 29. Juli an den Präsidenten
gesendeten E-Mail raten diese, massiv Angst zu schüren vor dem Verlust
des Arbeitsplatzes. Damit die Menschen im Oktober CAFTA zustimmen, müsse
in bester anti-kommunistischer Manier erklärt werden, dass die
Demokratie auf dem Spiel stehe, weil hinter den CAFTA-Kritikern
angeblich Fidel Castro (Kuba), Daniel Ortega (Nicaragua) und Hugo Chávez
(Venezuela) stünden. âOhne Scham müssen wir die Medien mit unserer
Werbung sättigenâ, zitiert die Wochenzeitung âUniversidadâ die ihr
vorliegende E-Mail weiter. âIn jedem Kanton müssen wir die Bürgermeister
für den Erfolg der Kampagne verantwortlich machen und in aller Härte und
Einfachheit klarstellen, dass jeder, der es nicht schafft, sein Kanton
für uns zu gewinnen, in den kommenden drei Jahren von der
Zentralregierung nicht einen Cent bekommtâ. Weitgehend Umsetzung
gefunden haben die Vorschläge an den Präsidenten bereits, unter anderem
in einer Zeitungsanzeige mit den Porträts von Castro, Ortega und Chávez,
die für diplomatische Verstimmung mit dem Nachbarland Nicaragua sorgte.
Zudem schlagen die zwei Strategen vor, dass Regierungsvertreter sich mit
den Vorständen CAFTA-treuer Firmen darauf verständigen sollen, von den
Unternehmen zu anderen Themen eingeladen zu werden, dann aber nur zu
CAFTA zu sprechen. Auf diese Weise könnten die CAFTA-Befürworter jede
Kontrolle durch das Oberste Wahlgericht (TSE) umgehen.
Die Veröffentlichung der E-Mail hinterlässt tiefe Risse im Lager der
CAFTA-Befürworter. Der Fraktionschef der Neoliberalen (ML) Luis Antonio
Barrantes zeigte sich empört: âDas ist sehr schwerwiegend. Auf keinen
Fall können wir eine solche Strategie unterstützen. Welch ein
Bärendienst für uns CAFTA-Befürworter.â Der Abgeordnete der Linkspartei
Frente Amplio José Merino bezeichnete den Vorfall als âeinen der
schlimmsten Momente in der Geschichte von Costa Ricaâ. Den enthüllten
Plan der beiden rechten Sozialdemokraten nannte er âkriminellâ. Die
Fraktion der Mitte-Links-Partei PAC zog sich zur genaueren Analyse der
Situation zurück, der PAC-Abgeordnete Alberto Salom sprach von einem
âTag der Trauerâ. Vertreter der auÃerparlamentarischen Bewegung gegen
CAFTA forderten Casas und Sánchez zum Rücktritt auf, ansonsten müsse der
Präsident die volle Verantwortung übernehmen.
COSTA RICA
Unterschriften für Artenschutz
Von Torge Löding
(San José, 5. September 2007, voces nuestras).- Jugendliche in
spinatgrünen T-Shirts bitten Passanten um ein Autogramm, die auffälligen
Kleidungsstücke ziert der aufgedruckte Kopf eines Jaguars,
zusammengesetzt aus hunderten kleinen Unterschriften. Diese Freiwilligen
sind in vielen Regionen Costa Ricas im Auftrag der Kampagne âDeine
Unterschrift hat die Macht!â unterwegs, ihr Ziel ist es, 135.000
wahlberechtigte Costaricaner für ihre Sache zu gewinnen. âGemeinsam mit
dem Umweltministerium und anderen Organisationen streiten wir für ein
neues Gesetz zum Artenschutzâ, erklärt Lorena Erbure von der
Umweltschutzorganisation APREFLOFAS. Unterstützt wird die Kampagne auch
von der Internationalen Union zur Erhaltung der Natur (UICN).
Die Initiative geht von keiner Parlamentsfraktion aus, sondern von der
Umweltbewegung; ein neues Gesetz macht es möglich. Neben Mexiko,
Kolumbien und Argentinien ist das mittelamerikanische Costa Rica eines
von weltweit vier Ländern, in denen nun eine âVolksinitiative für ein
Gesetzâ gesetzlich vorgesehen ist. Präsentieren die Organisatoren die
Unterschriften von fünf Prozent der Wahlberechtigten (knapp 130.000 sind
nötig), dann ist das Parlament verpflichtet, über das Gesetz in einem
Zeitraum von maximal zwei Jahren zu beraten.
âWir brauchen das neue Gesetz, weil das gültige total veraltet ist. Zum
Beispiel benötigen wir wirksame Werkzeuge gegen den Handel mit
geschützten Spezies. Unsere Organisation setzt sich zudem für ein Verbot
des Jagdsports ein. Die meisten Menschen wissen nicht einmal, dass
Jagdsport in Costa Rica immer noch erlaubt istâ, sagt Erbure.
Mehr Informationen: www.APREFLOFAS.OR.CR
MITTELAMERIKA
Jährlich gehen 450.000 Hektar Regenwald verloren
Umweltexperten haben bestätigt, dass in Mittelamerika jährlich 450.000
Hektar Regenwald verloren gehen. Die Gründe dafür seien in der fehlenden
Gesetzgebung in diesem Bereich sowie in der mangelnden Koordinierung der
für natürliche Ressourcen zuständigen Behörden zu suchen.
Marco Pastora, Generalsekretär der Umweltkommission für Mittelamerika
und die Karibik, drängt darauf, dass Gesetze zur Erhaltung des
Ãkosystems Regenwald in die jeweilige Verfassung der einzelnen Länder
der Region aufgenommen werden. Pastora wies darauf hin, dass die
Schäden, die die Artenvielfalt in den letzten Jahren weltweit erlitten
hat, auf das Fehlen einer klaren und effektiven Politik in diesem
Bereich zurückzuführen seien, aber auch auf ein mangelndes BewuÃtsein
für das Problem seitens der Bürger.
Zudem merkte er an, dass Mittelamerika eine entscheidende Rolle in der
Erhaltung des biologischen Gleichgewichts in der Region spiele, da es
fast zwölf Prozent der Artenvielfalt der Erde, mehr als 250 Ãkosysteme
sowie 350 Naturschutzgebiete beherbergt.
KOLUMBIEN
FARC bestätigen Vorbereitungen für Treffen mit Chávez
(Buenos Aires, 3. September 2007, púlsar-poonal).- Raúl Reyes, der
Sprecher der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens FARC (Fuerzas
Armadas Revolucionarias de Colombia), erklärte letzten Freitag (31.
August), dass die Unterstützung des venezolanischen Präsidenten Hugo
Chávez âein groÃer Beitrag zum Erreichen eines humanitären
Gefangenenaustauschsâ sein werde. âUnserer Meinung nach muss es eine
politische Lösung für die Probleme geben, unter denen unser Land leidet.
Den Krieg auszuweiten, wie die Regierung Ãlvaro Uribes predigt, ist
keine Lösungâ, sagte Reyes in einem Interview mit der mexikanischen
Tageszeitung La Jornada.
Der Farc-Kommandant erklärte, man bemühe sich um ein Treffen zwischen
dem venezolanischen Präsidenten und dem Chef der Rebellengruppe Manuel
Marulanda. Zu dieser Möglichkeit lieà Reyes wissen, das öffentlich
bekundete starke Interesse von Präsident Chávez, mit dem Chef der FARC
zu sprechen, sei von groÃer Bedeutung. âMarulanda, ich schicke dir eine
weitere Botschaft und warte auf deine Antwort. Hoffentlich kann ich bald
persönlich mit einem von dir erwählten Abgesandten sprechen. Ich
vertraue darauf, dass wir in einem Gespräch einen Ansatzpunkt für das
Thema des humanitären Austauschs suchen werden,â schlug Chávez diesen
Sonntag (2. September) während seiner Fernsehansprache in der Sendung
âAló Presidenteâ vor.
Die Rebellengruppe hatte wiederholt den humanitären Austausch von 56
Geiseln gegen 500 gefangene Guerilleros gefordert, unter der Bedingung,
das Militär müsse die Landkreise Florida und Pradera im Departement
Valle del Cauca im Südwesten des Landes räumen. Elf der Geiseln sind im
Juni unter noch ungeklärten Umständen getötet worden.
ECUADOR
Ecuador steigt bei Fernsehsender TeleSUR ein
(Buenos Aires, 31. August 2007, púlsar).- Ecuador hat fünf Prozent der
Aktienanteile des lateinamerikanischen Fernsehsenders TeleSUR erworben.
Neben Venezuela, Kuba, Argentinien, Bolivien und Nicaragua ist das Land
nun der sechste Gesellschafter des multistaatlichen Projekts. Zwei Jahre
nach Sendebeginn integriert TeleSUR damit ein neues Mitglied in den
Transformationsprozess des traditionellen Fernsehens, der auf die groÃen
Medienmonopole reagiert und nach Meinung der Beteiligten eine Plattform
bietet, damit die Stimmen dieser Länder im Süden und in der Welt ein
Echo finden.
Der Präsident von TeleSUR Andrés Izarra hob hervor, dass das neue
âFernsehen des Südensâ in Regionen vordringe, die kein anderer Sender
zuvor erreicht habe. âWir sind sehr zufrieden mit diesem neuen Zuwachs,
der die Bande zwischen den Ländern des Südens enger knüpft und unsere
Ãberzeugung und unsere Anstrengungen widerspiegelt, ein
lateinamerikanisches Kommunikationsmedium zu stärken. Wir sind dabei,
solide Schritte in Richtung Einheit zu vollziehen,â betonte Izarra.
TeleSUR wurde auf Initiative des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez
am 24. Juli 2005 unter Beteiligung von Argentinien, Kuba und Bolivien
gegründet. Vor kurzem schloss sich Nicaragua und nun auch Ecuador an.
ECUADOR
Suche nach Verschwundenen erneut aufgenommen
(Lima, 5. September 2007, na).- Die jüngst eingeleiteten MaÃnahmen zur
Suche nach Verschwundenen wird in Ecuador von vielen als ein
entscheidender Fortschritt im Bemühen um die Aufklärung von
Menschenrechtsverletzungen gewertet. Die ecuadorianische
Generalstaatsanwaltschaft hat eine Sonderkommission gegründet, die nach
den sterblichen Ãberresten zweier vor beinahe 20 Jahren verschwundener
Jugendlicher suchen soll.
Santiago und Andrés Restrepo waren 14 und 17 Jahre alt, als sie am 8.
Januar 1988 von der Polizei festgenommen wurden. Bis heute ist ihr
Verbleib ungeklärt. Nach Zeugenaussage eines an der Aktion beteiligten
Polizisten warf man ihre Körper in die Lagune Yambo im Zentrum des
Landes. Dort wurden sie jedoch niemals gefunden.
Die Tat ist bis heute nicht aufgeklärt. Die Interamerikanische
Menschenrechtskommission CIDH (Comisión Interamericana de Derechos
Humanos) stufte sie als âStaatsverbrechenâ ein. 1998 unterzeichnete die
Familie der Opfer eine Einverständniserklärung, durch die sie eine
finanzielle Entschädigung erhielten. Die Suche nach den Körpern der
beiden Opfer, die Aufklärung der Hintergründe sowie die Bestrafung der
Täter blieb man ihnen derweil schuldig.
Die Schaffung der Sondereinheit der Generalstaatsanwaltschaft folgt der
Gründung einer Wahrheitskommission, die im Mai von Präsident Rafael
Correa vollzogen wurde. Ãber ein Jahr hinweg soll die Kommission
Menschenrechtsverletzungen untersuchen, die seit 1980, speziell unter
der Regierung von León Febres Cordero (1984-88), begangen wurden.
PARAGUAY
Ex-General Lino Oviedo auf Bewährung frei
(Buenos Aires, 6. September 2007, púlsar).- Das paraguayische
Militärgericht lieà am vergangenen Donnerstag (6.September) den General
a. D. Lino Oviedo nach Absitzen der Hälfte der zehnjährigen Haftstrafe
wegen guter Führung auf Bewährung frei. Dabei wurden die Haftzeiten
Oviedos in Brasilia und seit 2004 im Militärgefängnis von Viñas Cue
berücksichtigt. Der General war aufgrund eines Putschversuches im Jahr
1996 verurteilt worden. Oviedo wurde auch wegen des Mordes an dem
ehemaligen Vizepräsidenten Luis MarÃa Argaña im März 1999 gerichtlich
verfolgt. Damals wurde der Militär mit einem Habeas-Corpus-Antrag
begünstigt.
Der Präsident des Obersten Wahlgerichts Juan Manuel Morales erklärte,
dass der Oberste Gerichthof bestimmen solle, ob eine mögliche Kandidatur
Oviedos für die nächste Präsidentschaftswahl zulässig sei. Oviedo ist
Mitglied der Partei Union der Ethischen Bürger UNACE (Partido Unión
Nacional de Ciudadanos Ãticos), die dem Oppositionsbündnis zur
regierenden Partido Colorado angehört. Das Bündnis entschied im Juli
dieses Jahres, den ehemaligen Bischof Fernando Lugo als
Präsidentschaftskandidat für die nächste Wahl im April 2008 zu
nominieren. Ãber den Namen des Vizepräsidenten wird weiter diskutiert.
BRASILIEN
Regierung erkennt staatliche Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen an
(Lima, 5. September 2007, na).- Als Beitrag zur âWahrung der Erinnerung"
hat Präsident Luis Inácio Lula da Silva am 29. August einen Bericht über
die Verbrechen der Militärregierungen der Jahre 1964 bis 1985
vorgestellt, in dem sich der Staat zu seiner Verantwortung bekennt.
Unter dem Titel âDas Recht auf Erinnerung und Wahrheit" behandelt der
Text auf beinahe 500 Seiten 479 Fälle von Verhafteten-Verschwundenen,
nennt deren Namen und beschreibt detailliert die Umstände ihres Todes.
Der vom Sekretariat für Menschenrechte des Präsidentenamtes erstellte
Bericht umfasst die seit 1996 gesammelten Daten der Sonderkommission für
tote und verschwundene politische Häftlinge. âDies ist ein historisches
Dokument, in dem der Staat die Rechte der Angehörigen der gestorbenen
und verschwundenen Brasilianer unter den Militärregimes anerkennt",
erklärte der Vorsitzende der Kommission Marco Antônio Rodrigues Barbosa.
âEs bedeutet die Wahrung der Erinnerung, der Wahrheit und somit auch der
Gerechtigkeit ohne Vorbehalte. Dies ist eine Leistung des Staates, nicht
der Regierung". Die Veröffentlichung fand am 28. Jahrestag der
Verabschiedung des Amnestiegesetzes von 1979 statt, aufgrund dessen
viele Mitglieder des Militärs und der Zivilbevölkerung für Verbrechen
während der Militärdiktatur ungestraft blieben.
Das Dokument, bestätigt nicht nur "Tode infolge extremer Folter",
sondern legt den Militärs auch "unzureichende" Bemühung zur Auffindung
der menschlichen Ãberreste zur Last. Der Bericht weist darauf hin, dass
den beschriebenen Verbrechen âeindeutige Entscheidungen der damaligen
Regierung" vorausgegangen und diese "unter voller Kenntnis der obersten
militärischen Führung" erfolgt seien. Somit entfällt das Argument, die
Menschenrechtsvergehen seien von âEinzelnen auÃerhalb der Kontrolle der
verantwortlichen Vorgesetzten" begangen worden.
Menschenrechtsgruppen lobten den Bericht als âeinen Fortschritt zur
Aufklärung der Vergangenheit". Victória Grabois, die Gründerin der
Vereinigung âNie wieder Folterâ, deutete an, es handele sich âbei
positiver Betrachtung um das erste Mal, dass die Regierung Ergebnisse
einer Untersuchung veröffentlicht, auch wenn sie hierzu verpflichtet
ist. Aber es gibt einen weiteren Schritt, nämlich die Offenlegung der
Orte und Umstände der Verbrechen, den die Regierung bislang nicht
gegangen ist". Auch wenn die Regierung mit dem Gesetz von 1995 die
Verantwortung für die Ermordung der Gegner der Diktatur durch die
Zahlung von Entschädigungen an mehr als 300 Familien eingestanden habe,
so habe dieses Geld doch vor allem der Gewissensentlastung der
ehemaligen Militärs gedient, denn es gebe keine Summe, die hoch genug
wäre, "den Verlust eines Menschenlebens zu entschädigen".
Die Anerkennung der Regierung, dass die Militärregime ihren Gegnern
Ungeheuerliches angetan haben, könnte zu einem Sturm auf die Gerichte
führen. Die Angehörigen der Opfer fordern die Ãffnung der geheimen
Militärarchive, welche die Orte, an denen ihrer Liebsten begraben
liegen, aufdecken könnten; ein Ansinnen, das von Präsident Lula
unterstützt wird. âEine unser weiterhin offenen Wunden ist die
Aufklärung der Orte, an denen sich die Ãberreste der vielen ermordeten
Regimegegner befinden. Deren Angehörigen und Freunde haben ein Recht auf
die Ausübung einer Jahrhunderte alten Tradition: die Bestattung ihrer
Liebsten", sagte der Präsident.
Der Kommissionsvorsitzende Rodrigues Barbosa forderte die Bestrafung der
für Folter und ErschieÃung verantwortlichen Militärs. âFolter ist ein
Verbrechen, das nicht verjährt", betonte Rodrigues Barbosa. âEs darf
niemals vergessen werde. Dieser Kampf ist noch nicht vorbei. Die Archive
sind nicht vollständig geöffnet worden und die Körper noch nicht gefunden.â
BRASILIEN
Verurteilung von Angehörigen der Militärdiktatur?
(Rio de Janeiro, 5. September 2007, púlsar).- Trotz des Amnestiegesetzes
von 1979 ist der Jurist Fabio Konder Comparato der Ãberzeugung, dass
Militärangehörigen aufgrund ihrer Verbrechen während der brasilianischen
Diktatur von 1964 bis 1985 der Prozess gemacht werden kann. Comparato
klagt den Oberst Carlos Alberto Brilhante Ustra der Entführung und
Folter von fünf Personen einer Familie in den Jahren 1972 und 1973 an.
Ustra war Befehlshaber eines Geheimdienstkommandos des Operationszentrum
zur Inneren Verteidigung âDoi-Codiâ (Destacamento de Operações de
Informações - Centro de Operações de Defesa Interna) in São Pãolo von
1970 bis 1974.
Berichten der Vereinigung âNie wieder Folterâ zufolge wurden während
dieser Zeit im Doi-Codi von São Pãolo 40 Personen ermordet und mehr als
500 gefoltert. Die Eröffnung von Prozessen beschränkte sich bis heute
allerdings auf Entschädigungsforderungen. Im November 2006 wurden die
Rahmenbedingungen jedoch durch die Entscheidung eines Richters aus São
Pãolo geändert. Jurist Comparato betrachtet die Verbrechen gegen die
Menschenrechte als unverjährbar: âWir wollen nicht um Geld bitten,
sondern nur für die Wahrheit sorgenâ.
URUGUAY
Menschenrechtler initiieren Kampagne gegen Hinfälligkeitsgesetz
(Buenos Aires, 4. September 2007, púlsar).- Die Bundesweite Koordination
für die Ungültigkeit des Hinfälligkeitsgesetzes (La Coordinadora
Nacional por la Nulidad de la Ley de Caducidad) begann am vergangenen
Dienstag (4. September) in Montevideo, Unterschriften für eine Aufhebung
des Hinfälligkeitsgesetz zu sammeln.
Das Gesetz verhindert die Aufnahme von Verfahren über Verbrechen, die zu
Zeiten der Militärdiktatur in Uruguay begangen wurden. Es verbietet die
Verurteilung von Militärs und Politikern, die sich während der
uruguayischen Diktatur zwischen 1973 und 1985 der Verbrechen wie
Entführung, Folter, Hinrichtung, Leichenschändung, Misshandlung von
Gefangenen und Kindesraub schuldig gemacht haben. Das Gesetz wurde 1986
vom uruguayischen Parlament mit den Stimmen der Parteien Colorado und
Blanco verabschiedet. Das Bündnis Frente Amplio, das die Regierung
stellt, spricht sich gegen das Gesetz aus.
250.000 Stimmen sind nun nötig, um eine Volksabstimmung über die
Aufhebung des Gesetzes zu ermöglichen. Die Koordination für die
Ungültigkeit des Gesetzes wurde letztes Jahr ins Leben gerufen. In ihr
sind unter anderem der Gewerkschaftsbund PIT-CNT, die
Menschenrechtsorganisation Servicio de Paz y Justicia, die Vereinigung
der Angehörigen Verhaftet âVerschwundener und politische Gruppen wie
âNeuer Raumâ (Nuevo Espacio) und die Partei für den Sieg des Volkes
(Partido por la Victoria del Pueblo) sowie Mitglieder der Frente Amplio
vertreten.
ARGENTINIEN
Neue Bergbauprojekte in San Juan
Von Analia Rodriguez
(San Juan, 4. September 2007, recosur-poonal).- Nach einem Treffen in
Chile kündigte das argentinische Ministerium für Bergbau neue
Minenprojekte in der Provinz San Juan und in Chile an. Demnach sollen
mehr als 26 Firmen in der Provinz in der Suche nach Rohstoffen und im
Abbau aktiv werden. Insgesamt sind 161 Projekte geplant, davon befinden
sich 36 schon in fortgeschrittener Planung.
Provinzgouverneur José Luis Gioja ist einer der Macher der
Bergwerksgesetze, die zu Zeiten des Präsidenten Carlos Menem (1989 â
1999) verabschiedet wurden und immer noch gültig sind. Gioja verteidigt
die MaÃnahmen und sieht sie als Motor der lokalen Ãkonomie. Mitglieder
seiner Familie haben wichtige Posten in den Minenkommissionen beider
Kammern des Kongresses inne. Dadurch ist der freie Weg für die
Entwicklung der Projekte garantiert.
In den kommenden Monaten sollen vier Projekte in Angriff genommen
werden, die bereits mit Pauken und Trompeten angekündigt werden. So
werden die Ziffern der anfänglichen Investitionen sowie die Zahl der
Arbeitsplätze, die geschaffen werden sollen, schon bekannt gegeben. Das
hat aber auch damit zu tun, dass am 23. und 24. August in Chile ein
Treffen der Verwaltungskommission des binationalen Bergwerksvertrags
stattfand, das zum Ziel hatte, die geplanten Bergwerksprojekte an der
Grenze voranzutreiben.
Nach Angaben des Ministeriums für Bergbau soll der Bau des Projekts
Pascua Lama des Barrick-Gold-Konzerns zum Ende dieses Jahres mit einer
Investition von 7,44 Milliarden Pesos (1,75 Milliarden Euro) starten.
Dort sollen direkt und indirekt insgesamt 20.000 Arbeitsplätze
geschaffen werden. Das Projekt El Pachon braucht zur Kupfergewinnung ein
Startkapital von 6,21 Milliarden Pesos (1,43 Milliarden Euro) und soll
rund 18.000 Arbeitsplätze schaffen. Keine definitiven Zahlen gibt es
darüber, wieviele Arbeitsplätze die Projekte Las Flechas und Vicuña des
Unternehmens Deprominsa schaffen sollen. Deprominsa hatte sich im
letzten Jahr aus Mendoza zurückgezogen, da die Provinz den Tagebau
zunächst auf Eis legte und Monate später komplett verbot. Das
Startkapital für die Erforschungsphase klettert bis auf 37 Millionen
Pesos (8,7 Millionen Euro).
Angesichts der Macht des Gouverneurs Gioja redet allerdings niemand in
San Juan davon, dass all die vermeintlichen wirtschaftlichen Erfolge von
kurzer Dauer sein werden. Durch die kurze Laufzeit solcher Unternehmen â
sie beträgt zwischen acht und 15 Jahre - geht man davon aus, dass die
Provinz im Jahr 2020 verarmt sowie kontaminiert und deswegen definitiv
nicht mehr produktiv nutzbar sein wird. Allein Pascua Lama und El Pachon
werden um die 40 000 arbeitslose Menschen hinterlassen. Der Ort
Calingasta ist beispielhaft für dieses Problem. Calingaste hat sich in
der Vergangenheit dem Bergbau verschrieben. Derzeit hat die Stadt eine
Arbeitslosenquote von 70 Prozent, die restlichen 30 Prozent der
arbeitsfähigen Bevölkerung sind im öffentlichen Dienst angestellt.
CHILE
Aymara-Indigenas lehnen Entscheidung für Schürfrechte ab
(Fortaleza, 3. September 2007, adital).- In einer öffentlichen Erklärung
hat der Autonome Rat der Aymara die Entscheidung der regionalen
chilenischen Umweltkommission COREMA (Comisión Regional del Medio
Ambiente de Chile) zurückgewiesen, dem Bergbauunternehmen âVilacolloâ im
Nationalpark von Vicuñas Schürfrechte zu erteilen. Zudem kündigte das
Gremium an, sich an die lokalen und internationalen Gerichtshöfe zu
wenden, um die Rechte der Aymara einzufordern und zu verteidigen.
Der Rat der Aymara hob hervor, dass die von der COREMA erteilte
Genehmigung illegal und eine übereilte Entscheidung zu Gunsten der
Wirtschaft sei. Nach Meinung des Rates gehe aus der Tatsache, dass die
Bürgermeisterin Antonella Sciaraffia an der Entscheidungsfindung
beteiligt war, hervor, dass die Politik sich in erster Linie mit den
Wirtschaftsverbänden des Landes arrangiere und nicht mit den Interessen
der Einwohner vor Ort.
Nach Angaben eines Vertreters der Aymara hat die Entscheidung der
Umweltkommission jegliche juristischen Handlungsspielräume in Bezug auf
die internationale Rechtssprechung auÃer Acht gelassen, wie z.B. das
Abkommen zur Biodiversität, die Konvention RAMSAR und die Washingtoner
Konvention, deren Ziele die Wahrung und der Schutz des kulturellen Erbes
der lokalen Gemeinschaften und der indigenen Völker sind.
Der Rat der Aymara ist gegen den Kupferabbau im Nationalpark von Vicuñas
durch die von dem Bergbauunternehmen Vilacollo S.A. unter Vertrag
genommenen Gesellschaft. Für die Aymara bedeutet dieses Vorgehen eine
Verletzung der Landrechte ihres Volkes in den Provinzen von Arica und
Parinacota â das Land ihrer Ahnen, das in der Spiritualität des
Aymara-Volkes eine bedeutende Rolle spielt.
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