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Hier noch einmal die Stellungnahme, sprachlich leicht überarbeitet, wie immer
zur Anregung, Verwendung und Weiterverbreitung.
Gruss,
Jan Lenkait
Telefon 02159-1664
Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait, Juristin und Diplomatin a.D.,
40670 Meerbusch
23.9.11
Süddeutsche Zeitung vom 21.9.11,(SZ) Rubrik Außenansicht: "Partner auf
Augenhöhe" von Nabil Shaath, SZ-Artikel: "Friedensgespräche oder
Konfrontation" von Stefan Kornelius und SZ-Kommentar: "Zauderer im Weißen
Haus" von Stefan Kornelius
Auf Augenhöhe
Der Leiter des außenpolitischen Ressorts der Süddeutschen Zeitung, Stefan
Kornelius, SZ vom 21.9.11: "Friedensgespräche oder Konfrontation" und SZKommentar:
"Zauderer im Weißen Haus," verfällt in einen Mischmasch von
Themen und Ideen, anstatt sie gemäß der richtigen Klarstellung nach
sachgemäßer Begrifflichkeit mit Verstand zu ordnen und abzuhandeln.
Friedensgespräche opponieren keineswegs der Anerkennung des Staates
Palästinas. Für Friedensgespräche gibt es keine Grundlage. Aus der
Regierung Israels ist dafür nichts Neues entstanden, außer ihrer hoch
heraus posaunten Parolen, deren Leere die Welt schon kennt. Es gibt
keinen Widerspruch zwischen Friedensverhandlungen und dem Staat
Palästinas. Im Gegenteil. Schaffen es die Palästinenser, dass die
überwältigende Mehrheit der Weltstaatengemeinschaft ihren Staat als
Mitglied der Vereinten Nationen anerkennt, werden sie in der besten Lage
sein, mit Israel weitere Verhandlungen fortzusetzen: Auf Augenhöhe, wie
der ehemalige Außenminister der Palästinensischen Autonomiebehörde, Nabil
Shaath, zutreffend in seinem soliden Beitrag für die Süddeutsche Zeitung
(21.9.11) aufklärt.
Die düstere Alternative von Stefan Kornelius "Friedensplan oder
Konfrontation" trifft gar nicht zu. Sie entspricht lediglich einem
orchestriertem Abschreckungsszenarium, mit dem die Regierung Netanjahu
verzweifelt und jämmerlich verblendet versucht, die EU bzw. Deutschland
weiter zu manipulieren gegen die legitime Entscheidung der Palästinenser,
sich für die Anerkennung ihres Staates an die UN zu wenden. Die USA ist
im Nahen Osten kein Akteur mehr, sondern ein Störfaktor, der auf
allgemeine Ablehnung und Misskredit stößt. Die EU, bedingungslos an ihrer
Seite, wird bald in denselben Misskredit verfallen und auch keine Rolle
mehr spielen, wenn sie sich in den Vereinten Nationen gegen die
Anerkennung Palästinas positioniert.
Die Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint die Vereinten Nationen nicht zu
begreifen, wenn sie eine UN-Entscheidung als "einseitig" herabsetzt. Die
Vereinten Nationen sind das höchste multilaterale Gremium, die höchste
und breiteste internationale Versammlung von Völkern und Staaten der
ganzen Welt. An dieses Weltorgan appellieren die Palästinenser zu Recht
für die Anerkennung ihres Staates. Selbstverständlich stößt die
Bundesregierung mit ihrer sturen Ablehnung nicht nur die arabische Welt
vor den Kopf, sondern "gefährdet auch die Position der Europäischen Union
im gesamten Nahen Osten." Die realistische Sicht von Nabil Shaath ist
auch in diesem Punkt vollkommen zutreffend.
Den Vorschlag Frankreichs, eine internationale Konferenz zur Lösung des
israelisch-palästinensischen Konflikts in Paris zu organisieren, haben
die Palästinenser angenommen, Israel aber hat ihn abgelehnt. Wenn der
Wille zum Frieden besteht, braucht man keine Vermittlung. Übrigens nach
mehr als 60 Jahren von erfolglosen Gesprächen an unzähligen Orten der
Welt, verwundert die irrsinnige Eile. Warum gerade jetzt? Wenn der Wille
zum Frieden wirklich besteht, wird er auch nach der Anerkennung des
palästinensischen Staates weiter bestehen. Allerdings gibt es keinen
Grund, der Regierung Netanjahu für Friedensgespräche zu vertrauen. Aus
dieser Regierung ist kein Signal für den lauthals hinaus posaunten
Frieden wahrzunehmen. Nur wie gewohnt Drohungen und unverschämte Willkür.
Weil sich die USA fälschlicherweise gegen das Völkerrecht gestellt haben,
sind sie schon von den Palästinensern zu Recht verhöhnt worden. Die EU
kann keine sachliche Rolle im Nahost-Konflikt spielen, solange sie als
Marionette der USA in den Fängen Israels bleibt, wie sich wiederholt
blamabel zeigt. Vor allem und sehr auffällig Deutschland. Die Position
der Bundesregierung ist nicht zu retten. Mindestens nicht mit einer
rückständigen CDU in der Regierung, die den Fortschritt der sozialliberalen
Koalition von Helmut Schmidt und Walter Scheel hinsichtlich
einer vernünftigen Nahost-Politik rückgängig macht.
Der übertriebene Aktionismus der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton
entlarvt die Leere und Feigheit in der EU, ihre fehlende Nahost-Politik.
Ein solches Konglomerat ist völlig unwichtig für den Nahen Osten, weil es
kein Konzept und nichts anzubieten hat. Palästina muss sich an andere, an
die neuen Akteure der Weltpolitik wenden. China und Brasilien, unter
anderen, sind in der Lage, das notorische Vakuum der EU und USA zu
füllen.
Einige europäische Länder vielleicht noch, wie Frankreich, Spanien und
die skandinavischen Länder.
Eine Nahost-Quartett-Erklärung ist völlig deplatziert. Wozu? Niemand
erwartet eine Erklärung von einem sogenannten Quartett, das keine Rolle
mehr spielt. Jetzt haben die Palästinenser ihre Zukunft in ihre Hände
genommen, wie es zu einem souveränen Volk gehört. Präsident Abbas ist
nicht von gestern. An der Seite des alten palästinensischen Kämpfers
Yassir Arafat lernte Abbas alle Tricks der Europäer und der USA kennen,
als sie schon damals den Staat Palästina immer wieder verzögert und
letztendlich torpediert haben. Das Nahost-Quartett und die unsägliche
Catherine Ashton als Marionette der USA und Israels können unter sich
weiter reden. Bindend für Palästina werden sie gar nichts bewirken.
Ein Friedensplan existiert schon. Israel kennt ihn. Also die Mühe für
einen neuen Friedensplan können sich Israel und die EU sparen. Israel
muss seinen echten Friedenswillen durch Taten zeigen. Diese Taten kennt
die israelische Regierung auch, aber sie ist offensichtlich nicht willens
oder nicht in der Lage, Fakten zu schaffen, die seinen Worten
entsprechen. Die israelische Regierung ist nicht bereit, die Grenzen von
1967 zu akzeptieren. Sie übersieht, dass schon diese Grenze ein
Kompromiss, eine Konzession der Palästinenser bedeutet, weil sonst die
Grenzen vor der Teilung 1947 gelten, als Israel gar nicht existierte,
aber jedoch das britische Palästina. Die Sturheit und Willkür der
rechtsextremen israelischen Regierung Netanjahu hat dazu geführt, dass
weite Teile der Weltstaatengemeinschaft daran zweifeln, dass Israel
wirklich ein Partner für den Frieden mit Palästina sein möchte.
Extremisten an der Macht von Tel Aviv müssen in die Ecke getrieben
werden. Solche Extremisten haben nur Krieg und Zerstörung gebracht. Die
Welt kann keine weitere Zerstörung und Ausrottung dulden. Ausrottung, die
eine unerwünschte Clique an der Spitze der israelischen Regierung
kaltblütig betreibt.
Der ehemalige US-Botschafter in Saudi Arabien und China, Chas Freeman,
hat die Aggressivität der israelischen Regierung öffentlich kritisiert.
Er wurde deshalb Hauptzielscheibe der mächtigen Israel-Lobby in den USA,
durch Senatoren und Abgeordnete, die gegen ihn auftraten. In einer
aufschlussreichen Erklärung (in Herald Tribune Mitte März 2009) gab der
ehemalige amerikanische Diplomat sinngemäß bekannt:
"Es gibt eine mächtige Lobby, die entschlossen ist, die Verbreitung jeder
anderen Meinung als ihre eigene zu verhindern, und die noch weniger dazu
bereit ist, amerikanisches Verständnis für Entwicklungen und Ereignisse
im Nahen Osten zu dulden. Die Taktiken der Israel-Lobby stellen
Höhepunkte der Schande und Unanständigkeit dar, sie schließen Rufmord
ebenso mit ein wie selektive falsche Zitate, vorsätzliche Verfälschung
der Fakten, Fabrikation von Unwahrheiten und vollkommene Mißachtung der
Wahrheit. In der amerikanischen Öffentlichkeit ist es ebenso unmöglich
wie in der Regierung, politische Optionen für den Nahen Osten zu
diskutieren, die der herrschenden Fraktion in der israelischen Regierung
nicht genehm sind. Den Hardlinern in Israel wird erlaubt, eine politische
Richtung einzuschlagen, die letztendlich die Existenz des israelischen
Staates bedroht. Das ist nicht nur eine Tragödie für die Israelis und
ihre Nachbarn im Nahen Osten. Es fügt auch der nationalen Sicherheit der
USA zunehmend Schaden zu. Die unerhörte Aufregung .... wirft ernste
Fragen darüber auf, ob die Obama-Administration in der Lage sein wird,
ihre eigenen Entscheidungen zur Nahost-Politik und zu den damit
verbundenen Fragen zu treffen. .Die neue USA-Regierung ist
herausgefordert, Maßnahmen zu überlegen und zu treffen, die am besten den
Interessen der Vereinigten Staaten dienen und nicht denen der Lobby, die
fest entschlossen ist, den Willen und die Interessen einer ausländischen
Regierung durchzusetzen" (Siehe englische Originalerklärung im Internet
vom 10.03.09)
Dasselbe gilt für das Bundeskanzleramt und alle anderen europäischen
Staatskanzleien, wo die israelische Lobby unermüdlich starken Einfluss
ausübt.
Der US-Präsident Obama wusste, dass diese ungezügelten Leute gestoppt
werden mussten. Sein Fehler war die Kapitulation vor diesem Unheil. Weder
Europa noch die USA haben klare Zeichen gesetzt. Das Ziel des Präsidenten
war richtig. Stefan Kornelius sieht es falsch, wenn er auch vor dem
israelischen Unheil geistig kapituliert. Aus reiner Feigheit und
Selbstunsicherheit.
Tel Avivs irregeleitete Politik der illegalen Besatzung ist zu weit
gegangen. Europa versäumt immer wieder, das Problem richtig anzupacken.
Die Bundesregierung zeigt eine unverantwortliche unberechenbare Politik,
zum Beispiel, indem sie deutsche U-Boote als Teil eines geheimen
Atomwaffenprogramms an Israel liefern lässt, ausgerechnet Israel, ein
Land, das ständig andere Länder bedroht und angreift.
Israel entfaltet destabilisierende Kräfte im gesamten Nahen Osten, indem
es sich weigert, eine illegale Besatzung zu beenden und damit den
Konflikt zu entschärfen. Das Problem hat die Regierung Obamas sehr gut
erkannt. Deshalb die Priorität des Nahost-Konflikts in der Weltpolitik
der USA. Dass der US-Präsident sein vorgegebenes Ziel nicht erreicht hat,
steht auf einem anderen Blatt, aber es bedeutet nicht, wie oberflächlich
oder nachgiebig Stefan Kornelius daraus folgert, dass das Ziel falsch
war. Der Weg dorthin muss anders sein.
Die üblen Absichten sind für alle erkennbar geworden. Unvoreingenommene
professionelle Journalisten müssen sich wachsam in ihren Artikeln und
Kommentaren damit befassen und zwar derart, dass sie helfen, dem
Völkerrecht wieder Respekt zu verschaffen. Dann und nur dann ist
Pressefreiheit sinnvoll. Denn was soll Freiheit ohne Recht?
Die destruktiven Elemente sind zu isolieren und zurück zu weisen, sowohl
in den USA wie in Europa und Israel. Solidarisiert sich Deutschland mit
solcher gestrigen kriminellen Strömung?
Seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland hat sich eine mächtige
Clique fest in politischen Institutionen eingenistet, die bei der NaziLehre
bleiben will, die Völkerrechtsgrundsätze verachtet. Dieses
Giftspinnennetz begünstigt das böse Spiel Israels gegen den Frieden im
Nahen Osten. Israels Verweigerungshaltung bleibt bisher ohne
Konsequenzen. Sein Kalkül besteht darin, keine andere Vormachtstellung
als die eigene in der Region zu erlauben. Die SZ zeigt vorrangig die
extreme Doppelmoral des Westens in Bezug auf dieses Problem. Diejenigen
Despotien und autokratische Regierungen wie Saudi-Arabien, Bahrein,
Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, die sich an den Westen
anlehnen, sind kein Objekt westlicher Kritik. Nur diejenigen, die sich
gegen den Westen auflehnen, werden als große, schlimme Diktaturen
bezeichnet.
Eine Clique in Deutschland, die ohne jede Rücksicht auf Recht und Gesetz
eiskalt allein auf ökonomischen Vorteil aus ist, hat natürlich absolut
keine Skrupel, eine aggressive rechtsextreme israelische Regierung zu
unterstützen. Eine solche Regierung bringt Aufträge für die deutsche
Rüstungsindustrie und für andere deutsche Unternehmen. Und das ist alles,
was für diese deutschen "Führungskräfte" in Industrie, Handel und
politischem Apparat zählt, einschließlich der Journalisten, die das
redaktionelle Umfeld für die entsprechenden Anzeigenaufträge herstellen
müssen. Ein solches Deutschland macht misstrauisch und wirkt als
Störfaktor. Ein weiter andauernder Nahost-Konflikt liegt gewiss nicht im
Interesse der USA, auch nicht im Interesse Europas, schon gar nicht seine
Zuspitzung mit einer weiteren militärischen Auseinandersetzung, die
Berlin aus Dummheit und blinder Raffgier - mit Absicht oder nicht -
provozieren könnte.
Mit der westlichen Doppelmoral muss jetzt endlich ein für alle Male
Schluss sein. Eins aber ist sicher: Der US-Präsident hat seine
völkerrechtsmäßige Überzeugung aufgegeben und sich dem starken Druck der
unberechenbaren rechtsextremen Neokons aus innerparteilichen Gründen
gebeugt. Damit zementiert er definitiv sein Misskredit, seine
Unzuverlässigkeit in der arabischen Welt vor allem nach seiner
enttäuschenden verkehrten Rede bei den Vereinten Nationen (21.9.11),
wobei er sich bereits auf die Seite Israels geschlagen hat und alle seine
vorherigen rechtmäßigen Positionen für Palästina aufgibt. Damit verliert
er jeden Einfluss als Vermittler im Nahen Osten und sät nur Wut gegen die
USA und Israel.
Palästina als neues Mitglied der Vereinten Nationen wird eine
Bereicherung sein. Redaktionen müssen ihre Befangenheit, was
Denkkategorien zionistischer Gewalt betrifft, durchbrechen. Das ist ihre
Pflicht gegenüber einer zivilisierten friedfertigen Gesellschaft sowohl
in Europa wie in Amerika. Die Flucht in propagandistische Sprachregelung
wie die öffentliche Montage einer trügerischen Operation Frieden, um ein
legitimes Anliegen Palästinas zu verhindern, bedeutet die Missachtung von
Entscheidungen, die multilateral unter Gleichberechtigten von einer
anerkannten Weltorganisation wie die Vereinten Nationen getroffen werden.
Es sind besorgniserregende Indizien aus einem neokonservativenrepublikanischen
Amerika, die die Öffentlichkeit alarmieren müssen.
Die offene, erschreckende Verachtung der Völkergemeinschaft seitens der
amerikanischen und israelischen Falken führt die USA und Israel zunehmend
in die Isolation. Die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, vor allem
die des Sicherheitsrats, müssen sich endgültige Klarheit darüber
verschaffen. Sie benötigen Entschlossenheit, um sich gegen die einzige
Großmacht der Welt zu stellen.
Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait
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