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Die Anerkennung des Staates Palästina durch eine überwältigende Mehrheit
der Staaten in der UN-Vollversammlung steht bevor; die israelische
Regierung versucht es zu verhindern oder zumindest herauszuzögern -
Anlass für folgende Stellungnahme, wie gewohnt zur Anregung, Verwendung
und Weiterverbreitung.
Gruss,
Jan Lenkait
Telefon 02159-1664
Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait, Juristin und Diplomatin a.D.,
40670 Meerbusch
3.7.11
Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 8.6.11, Rubrik Außenansicht: "Wir haben
vergessen, was wir einst selbst predigten" von Avraham Burg und vom
2.7.11: "Anerkennen oder nicht" von Daniel Brössler
Der palästinensische Staat wird kommen und nichts wird ihn stoppen.
Vollkommenes Scheitern des US-Präsidenten gegenüber einem extremistischen
Israeli
Anstatt der von Obama versprochenen Abrüstung sieht die Welt einen
ständigen ununterbrochenen Drang zur Aufrüstung. Anstatt einer Lösung des
Nahost-Konflikt das vollkommene Scheitern des US-Präsidenten gegenüber
einem extremistischen Israeli, "ein naives, abwesendes Amerika, das
politischer Sturheit applaudierte und blind war für die beleidigenden
Gesten des Gastes...die Vertreter der Vereinigten Staaten verbeugten sich
vor der einzigen Demokratie, welche noch eine andere Nation unterdrückt -
dies schon seit fast einem halben Jahrhundert....Haben wir Zeit für
weitere Jahrzehnte der Verhandlungen?...Netanjahu wird sicherlich
weiterhin über den Frieden sprechen und gleichzeitig die Kontrolle der
besetzten Gebieten beibehalten. Aber jeder, der sehen kann, stellt fest,
dass wirkliche Friedensverhandlungen ... unmöglich sind." So der
ehemaliger Sprecher des israelischen Parlaments Avraham Burg in seinem
wertvollen zutreffenden Beitrag für die SZ. ( "Wir haben vergessen, was
wir einst selbst predigten", 8.5.2011)
Geplanter perfider Trick, um das legitime Ausüben des
Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser zu annullieren
Die Kanzlerin sollte sich nicht für eine faule Strategie hergeben,
(Verhandlungen Palästina-Israel als Bedingung für die Anerkennung des
Staates Palästina), die das legitime Ausüben des Selbstbestimmungsrechts
der Palästinenser zu annullieren versuchen wird. Der US-Präsident spielt
damit ein falsches Spiel und entspricht zionistischer Einflussnahme.
Sollen deutsche Medien das miese israelische Spiel mitspielen? Die
deutsche Kanzlerin vertritt keine konsistente, keine realistische, keine
glaubwürdige Nahost-Politik. Die Zäsur mit einer soliden Nahost-Politik
brachte gerade die CDU, als Helmut Kohl an die Macht kam. Ist man in
deutschen Parteien wirklich so naiv und gedankenlos zu glauben, die
Regierung Netanjahu lässt sich durch Worte zu Schritten bewegen, die
Besatzung zu beenden? Nicht einmal die illegalen Siedlungen hat die
israelische Regierung gestoppt trotz der vielen Mahnungen des Weißen
Hauses und des Bundeskanzleramtes. In diesem Zusammenhang ist auch der
Vorschlag einer KSZE-ähnlichen Konferenz für den Nahen Osten an den
Haaren herbeigezogen. Die Verhältnisse im Nahen Osten sind ganz andere
als die Verhältnisse der Ost-West-Blockkonfrontation. Eine solche
Konferenz wäre nicht nur unangebracht, sondern würde zum weiteren
Ablenkungsmanöver, damit sich Israel nicht den Forderungen der Mehrheit
der Weltstaatengemeinschaft stellen muss: Existenz Israels in den Grenzen
von 1967, die Besatzung aufgeben und den Staat Palästina anerkennen.
Nahostpapier der Außenminister der Europäischen Gemeinschaft 1971,
Grundlage für eine Nahost-Politik.
Die Position vom deutschen Außenminister Walter Scheel (1969-1974)
gewinnt heute besonders an Aktualität und Aufmerksamkeit. Im Mai 1971
verabschiedete die Europäische Politische Zusammenarbeit der Europäischen
Gemeinschaft ein Nahostpapier, in dem Israel unter anderem aufgefordert
wurde, alle 1967 eroberten Gebiete zu räumen. Bei seinem Besuch in Israel
rechtfertigte der deutsche Außenminister Walter Scheel das von den
Außenministern der Europäischen Gemeinschaft (EG) verabschiedete
Nahostpapier der EPZ (Europäische Politische Zusammenarbeit).
Am Ende des Jom-Kippur Krieges vom 23.10.1973 teilte die Bundesregierung
den USA mit, sie werde "die Verschiffung amerikanischen Kriegsmaterials
von deutschen Häfen nach Israel nicht mehr genehmigen".
Erster EG-Staat, der das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser in der
UNO-Vollversammlung anerkennt (November 1974).
Die Bundesrepublik Deutschland sprach sich als erster EG-Staat vor der
UNO-Vollversammlung im November 1974 für das Selbstbestimmungsrecht der
Palästinenser aus. Die zuverlässige und preisgünstige Öleinfuhr sowie die
Sicherung von nahöstlichen, d.h. arabischen Exportmärkten wurde eines der
wichtigsten außenpolitischen Ziele der Bundesregierung. Im Rahmen dieser
"Ökonomisierung" der Bonner Außenpolitik kam es zwangsläufig zu weiteren
Meinungsverschiedenheiten mit Israel.
Als erster amtierender israelischer Ministerpräsident besuchte Ytzak
Rabin die Bundesrepublik Deutschland im Juli 1975. Ein Gegenbesuch vom
Kanzler Helmut Schmidt fand aber nie statt, weil 1977 die
sozialdemokratisch geführte Regierung Israels durch das rechtsextreme
Likud Begins abgelöst wurde, und Helmut Schmidt einem Treffen mit
Menachem Begin auswich. So wie damals Kanzler Helmut Schmidt wären heute
alle deutschen Politiker gut beraten, alle Reisen nach Israel
einzustellen, solange die rechtsextreme Regierung Netanjahu den
Friedensprozess durch eine unzulässige illegale Besatzungs- und
Siedlungspolitik torpediert. Besonders unerklärlich beschämend war der
Besuch des SPD-Vizekanzlers und Außenministers Walter Steinmeier mitten
im Angriffskrieg Israels auf Gaza (Januar 2009). Die Aggression wäre
Grund genug gewesen, einem Treffen mit dem Rechtsextremisten Netanjahu
auszuweichen. Aber die heutige SPD-Führung manifestiert keine Prinzipien.
Sie weiß nicht, wofür sie steht.
Sichtbare Zäsur und Appeasement-Politik gegenüber Israel seit der
Regierung Kohl.
Nach der Regierung von Helmut Schmidt kam die CDU-Regierung von Helmut
Kohl. Damit wurde in Bezug auf eine seriöse solide Nahost-Politik eine
Zäsur sichtbar. Es zeigte sich nun eine Appeasement-Politik gegenüber
Israel. Warum ist die gut bedachte Linie von Helmut Schmidt nicht weiter
geführt worden? Einer der nahe liegenden Gründe sind die alten NaziGr
ößen in der früheren CDU wie in der früheren FDP und damit die
Erpressbarkeit dieser Parteien. Aus der Zeit von Helmut Kohl stammt der
tradierte Unfug, jedes Mal von "Staatsräson" der Bundesrepublik
Deutschland zu sprechen, wenn es um eine Angelegenheit Israels geht.
Solcher Unsinn muss aufhören. Er gibt Deutschland der internationalen
Lächerlichkeit preis.
Der Außenminister Guido Westerwelle sollte sich jetzt in der EU für die
palästinensische Sache positionieren und somit an die Nahost-Politik von
seinem vorbildlichen Vorgänger Walter Scheel anknüpfen. Zusammen mit
seinen europäischen Kollegen muss der deutsche Außenminister und VizeKanzler
Guido Westerwelle Israel unter harten Druck setzen. Das ist die
einzige Sprache, die eine sture Regierung versteht.
Der Fluss der Geschichte geht voran, nicht zurück.
Faule Verhandlungen bringen nichts. Nach Jahren des israelischen
Starrsinns und dem Gewähren lassen, ist es ersichtlich, dass die alten
Vereinigten Staaten den neuen Nahen Osten verloren haben, wie Avraham
Burg richtig und realistisch erkennt: "Hier ist der Wind des Wandels zu
spüren, der durch den Nahen Osten bläst." (SZ 8.6.11: "Wir haben
vergessen, was wir einst selbst predigten" von Avraham Burg). Die
Palästinenser und die ganze Welt haben genug von den wiederholten leeren
amerikanisch-israelischen Shows. Natürlich will Netanjahu die
Öffentlichkeit Richtung "Verhandlungen" umlenken. Natürlich wird er
"Verhandlungen" zustimmen, um die Anerkennung des palästinensischen
Staates zu torpedieren. Und eine offiziöse Öffentlichkeit wird mit einem
großen Applaus, den israelischen "Verhandlungswillen" als Tür zum Frieden
im Nahen Osten verkaufen. Aus allen den bedeutungslosen Gesprächsrunden
mit israelischen Regierungen folgte tiefe Enttäuschung. Die
Staatenmehrheit wird sich aber durch keinen perfiden Trick beirren
lassen. Erst recht nicht die Palästinenser. "Was haben die Palästinenser
gesehen? Was haben die jungen Menschen in unseren arabischen
Nachbarstaaten gesehen? Vor allem einen Staat Israel, der weiterhin die
Welt mit einem Trugbild von Verhandlungswillen narrt..." (SZ 8.6.11: "Wir
haben vergessen, was wir einst selbst predigten" von Avraham Burg).
Der palästinensische Staat wird kommen und nichts wird ihn stoppen. Die
Angst vor der Anerkennung Palästinas wirkt wie "der Todeskampf einer
politischen Konzeption, deren Zeit vorüber ist. Was ist daran einseitig,
wenn ein Volk direkt an die Nationen der Welt appelliert, es
anzuerkennen? Gibt es einen würdigeren Weg, politische Unabhängigkeit zu
erreichen? Ja, es wird einen Palästinenserstaat geben." (Avraham Burg in
SZ-Rubrik Außenansicht: "Wir haben vergessen, was wir einst selbst
predigten" vom 8.5.)
Wie kann die Kanzlerin den expansionistisch-zionistischen Kolonialismus
rechtfertigen und die völkerrechtswidrige Politik Israels, die einen
Palästina-Staat verhindern will?
Bekannte hohe Persönlichkeiten Israels haben in einem offenen Brief die
Europäer dazu aufgerufen, bei der kommenden UNO-Vollversammlung im
September für die uneingeschränkte Anerkennung Palästinas als ein
unabhängiger souveräner Staat und UNO-Mitglied zu stimmen (27.5.11). Vor
dieser Realität zittert die Netanjahu-Regierung und versucht mit allen
Mitteln, sie zu verhindern. Aber die Geschichte lässt sich nicht
aufhalten. Der Fluss der Geschichte geht voran, nicht zurück. Kein Staat
darf sich gegen den Willen der Menschheit stellen. Bei der UNOVollversammlung
im September genügt eine Zwei-Drittel Mehrheit, um einen
unabhängigen souveränen Staat Palästina in die Weltorganisation
aufzunehmen und damit seine völkerrechtliche Existenz anzuerkennen. Die
Machthaber Israels und ihre Unterstützer in den USA befürchten eine
breite Unterstützung von arabischen, afrikanischen, lateinamerikanischen
und asiatischen Staaten. Damit ist tatsächlich die erforderliche Mehrheit
sicher. Auch die Zustimmung einiger europäischen Staaten kommt dazu, mit
der Ausnahme von Deutschland. Somit ist ein entsprechender Beschluss mit
überwältigender Mehrheit der Weltstaatengemeinschaft absolut sicher.
Berlin bleibt isoliert an der Seite des Verlierers mit seinem
deplatzierten Solo-Aufruf nach "Verhandlungen". Die Zeit dazu ist vorbei.
Der Kurs der Geschichte geht nicht zurück. Die Palästinenser handeln
nicht einseitig, denn sie bringen die Anerkennung Palästinas als Staat
voran, und zwar in voller Zustimmung mit dem Willen der ganzen Welt. Ganz
im Gegenteil ist der Staat Israels einseitig entstanden, als sich die UN
damals (1948) weiter mit der Sache Palästina beschäftigen wollte.
Gründung Israels gegen den Willen der Weltstaatengemeinschaft
Besorgniserregend kam Israel den USA in die Quere und setzt sich seit
seiner Gründung über den Willen der Weltstaatengemeinschaft: Ende April,
Anfang Mai 1948 drängen die Vereinten Nationen auf eine Verschiebung der
Unabhängigkeitserklärung der Juden in Palästina. Die zionistische Führung
setzt sich aber durch und Israel wurde als unabhängiger und souveräner
Staat am 14. Mai 1948 ausgerufen trotz der speziellen Demarche der UN,
die Unabhängigkeitserklärung zu verschieben.
Zu beachten ist, dass Israel gerade dann gegründet wird, als die
Vollversammlung der Vereinten Nationen nach ausdrücklichem Wunsch der USA
sich weiter mit dem Problem Palästina befassen sollte, denn Washington
revidierte seine Position und erklärte sich gegen die Teilung
(30.3.1948), als es offensichtlich war, dass sie einen Bürgerkrieg in
Palästina hervorbringen würde, was dann auch eintraf. Amerikanische und
britische Delegationen in Jerusalem erlitten sogar Terrorattentate
seitens extremistischer zionistischer Banden.
Israel hat seine Zeit verspielt und muss die Konsequenzen dafür tragen.
Besonders töricht wäre, wenn Deutschland sich an der verlorenen Seite der
USA gegen den Willen der Staatenmehrheit positionieren würde. Europa darf
nicht weiter einschwenken in die fehlgeleitete Nahost-Politik
Washingtons, die sich vollkommen geirrt hat und weiter irrt, solange sie
Priorität dem israelischen Verbündeten einräumt. Dieses weitere Nachgeben
würde definitiv die Hoffnung für eine Beilegung des Konfliktes begraben
und dabei auch die Glaubwürdigkeit der USA und ihres Präsidenten. Der USPr
äsident bekräftigt, dass er die israelische Expansions- und
Besatzungspolitik grundsätzlich ablehnt. Doch hat er keine politische
Entschlossenheit aufgebracht, seinem Standpunkt gerecht zu werden.
Desaströser Auftritt vor dem US-Kongress in Washington
Der desaströse Auftritt des israelischen Regierungschef Netanjahu vor dem
US-amerikanischen Kongress (24.5.) hat erreicht, die Autorität des USPr
äsidenten erneut zu unterminieren. Eine Friedensregelung nach den
Grenzen von 1967 komme nicht in Frage, erklärte Netanjahu unverschämt.
Die besetzten Gebiete Palästinas seien für ihn kein Thema. Die
gegenwärtige Führung Israels demonstriert keinen Friedenswillen, keinen
Sinn für Gerechtigkeit, keine Einhaltung der internationalen Regeln und
Verträge.
Solange die Abnormität der israelischen Besatzung weiter besteht, wird es
keinen Friedensprozess im Nahen Osten geben. Die gleiche Situation, die
gleichen Probleme verlangen heute eine entscheidende Lösung. Der neue
israelische Ministerpräsident ist nicht nur ein militärischer Hardliner,
sondern auch ein politischer Gegner eines jeden Friedensprozesses im
Nahen Osten. Deshalb ist das Misstrauen der Palästinenser völlig
begründet und ihre Entscheidung, keine Verhandlungen mit Israel
aufzunehmen, absolut zu begreifen, solange ein sturer starrsinniger
Kontrahenten die Regelung blockiert und auf Spaltungsmanöver setzt.
Ein berechtigtes Anliegen für die UN-Vollversammlung und die
Weltöffentlichkeit
Schließlich ist mit allen Konsequenzen zu bedenken: Israel wurde als
Mitglied in den Vereinten Nationen (11.5.1949) lediglich unter einer
Bedingung zugelassen, die bis heute nicht erfüllt worden ist: Den
vertriebenen Palästinensern haben ihre Eigentümer nicht zurückbekommen
und wurden auch nicht entschädigt. Ihnen ist auch nicht erlaubt, nach
Palästina zurückzukehren. Die Vereinten Nationen bestätigten in
wiederholten Resolutionen den fairen Standpunkt und Rechte der
Palästinenser auf ihre Eigentümer, auf Schadensersatz und auf ihre
Rückkehr nach Palästina. Die Weigerung Israels führte zu einem
vollständigen Impasse. Die Hälfte der Palästinenser wurde zu
Flüchtlingen. Unsicherheit für alle Bewohner war die unmittelbare Folge.
Bleiben die UN-Bedingungen unerfüllt, ist der Ausschluss Israels aus den
Vereinten Nationen völkerrechtlich völlig begründet und ein berechtigtes
Anliegen für die UN-Vollversammlung und die Weltöffentlichkeit.
Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait
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