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Betreff: In großer Sorge um das Leben von Uri Avnery (fwd)
---Ursprüngliche Nachricht---
From: "Steinbicker, Aachener Friedenspreis"
<steinbicker@aachener-friedenspreis.de>
Subject: In großer Sorge um das Leben von Uri Avnery
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Aachener Friedenspreises,
ich wende mich heute an Sie in großer Sorge um das Leben unseres
Aachener Friedenspreisträgers Uri Avnery.
Ich hatte heute morgen eine Eilmeldung an die Presse gegeben, dass eine
Morddrohung gegen unseren Aachener Friedenspreisträger Uri Avnery
ausgesprochen wurde. Baruch Marzel, der Vorsitzende der rechtsextremen
israelischen Partei "Jüdisch-Nationale Front", hat die "gezielte Tötung" Uri
Avnerys durch die israelische Armee gefordert. Marsel kandidiert zur Wahl des
israelischen Parlaments, der Knesset, in der kommenden Woche.
Mittlerweile habe ich per Email Kontakt mit Uri Avnery hergestellt. Die
Situation zeigt sich jetzt noch wesentlich problematischer. Wie Uri Avnery mir
berichtet, wurde der zum Mord aufrufende Politiker anschließend ausführlich
im israelischen Fernsehsender Kanal 10 interviewt, mit einem großen Foto
unseres Preisträgers im Hintergrund. Wer sich an den Mord an dem israelischen
Premierminister Yitzhak Rabin erinnert, weiß, dass sich da schnell jemand
finden kann, der nicht abwarten will, ob die israelische Armee jemals Avnery
tötet.
Ich habe daher bereits an den Botschafter des Staates Israel, Herrn
Shimon Stein, appelliert, darauf hinzuwirken, dass 1. die israelische
Regierung die Sicherheit von Uri Avnery gewährleistet und 2. die
israelische Justiz den Aufruf zum Mord mit aller gebotenen Härte bestraft.
Ebenso habe ich Bundesaußenminister Steinmeier gebeten, in dieser Richtung auf
die israelische Regierung einzuwirken. Diesem Appell hat sich auch Reinhard
Voß, der Generalsekretär von Pax Christi, Deutsche Sektion mit einem ähnlich
lautenden Schreiben an Bundesaußenminister Steinmeier angeschlossen.
Bitte intervenieren auch Sie!
Bundesaußenminister Steinmeier: poststelle@auswaertiges-amt.de
Botschaft des Staates Israel: botschaft@israel.de
Bitte senden Sie eine Kopie Ihrer Mail an: info@aachener-friedenspreis.de
Bitte senden Sie diese Mail weiter!
Aktuelle und Hintergrundinformationen erhalten Sie unter www.aachener-friedenspreis.de
Mit freundlichen Grüßen
Otmar Steinbicker
Vorsitzender des Aachener Friedenspreis e.V.
um 11.30 Uhr schrieb mir unser Preisträger Uri Avnery (ergänzend zur
Pressemitteilung):
Lieber Otmar,
Ich habe im Laufe der Jahre einige Attentate erlebt, nachdem ich im
Unabhaengigkeitskrieg (1948) schwer verwundet worden bin. Ich lasse mich
nicht einschuechtern.
Herr Baruch Marzzel wuerde in jedem anderen Land als Neo-Nazi bezeichnet
werden. Die Tatsacxhe, dass so ein Mensch heute in Israel fuer das Parlament
kandidieren darf, spricht Baende.
Dass er nach dieser Morddrohung im israelischen Fernsehen darueber lange
interviewt worden ist (mit meinem Bild im Hintergrund) besagt noch mehr.
Die Besatzung verroht Israel. Wir muessen sie loswerden, zusammen mit dem
ganzen faschistischen Gesindel.
Schalom,
Uri Avnery
+ + + + +
junge Welt vom 23.03.2006
http://www.jungewelt.de/2006/03-23/038.php
<http://www.jungewelt.de/2006/03-23/038.php>
HASSPREDIGER DES TAGES: BARUCH MARSEL
Von Norman Griebel und Rüdiger Göbel
Der Gründer und Vorsitzende der rechten israelischen Partei »Jüdisch-Nationale
Front«, Baruch Marsel, hat die »gezielte Tötung« des Aachener
Friedenspreisträgers und jW-Autors Uri Avnery gefordert. Marsel kandidiert zur
Wahl des israelischen Parlaments, der Knesset, in der kommenden Woche. Ein
Bericht des israelischen Rundfunks, wonach Marsel die israelische Armee
aufrief, Avnery zu töten als »eine Schlange, die das Land gefährlich weit nach
links« ziehe, wurde von dem in Jerusalem lebenden Journalisten Johannes Gerloff
gegenüber dem Aachener Friedenspreis e.V. bestätigt.
Uri Avnery ist der Gründer der Gruppe »Gush Schalom« (Friedensblock). Er wurde
1923 in Beckum im Münsterland geboren und ging 1933 ins damalige Palästina. Er
war in drei Amtsperioden Knesset-Abgeordneter und wurde 1997 mit dem Aachener
Friedenspreis ausgezeichnet. Regelmäßig erscheinen seine Analysen über den
Nahost-Konflikt in der jW. Es war wohl eine Rede von Uri Avnery in der
vergangenen Woche nach dem israelischen Angriff auf ein palästinensisches
Gefängnis in Jericho, die Marsel zum haßerfüllten Mordaufruf inspirierten.
Avnery hatte es doch tatsächlich gewagt, die Verschleppung von Gefangenen, die
im Jahr 2001 an der Tötung des damaligen israelischen Tourismusministers
Rehavam Zeevi beteiligt waren, scharf zu kritisieren. »Es gibt unter uns
Hunderte von Menschen, die "gezielte Vorbeugungen" [eine häufig verwendete
israelische Umschreibung für "gezielte Tötungen"] ausgeführt haben, was die
Ermordung von Passanten einschließt«, so Avnery. »Die Tötung von
Kabinettsminister Zeevi war eine gezielte Vorbeugung im wahrsten Sinne des
Wortes. Jene, die gezielte Vorbeugungen loben, können nicht sagen, wenn wir es
tun, ist es großartig und ein nationaler Akt, aber wenn andere es mit uns
machen, ist es ein schreckliches Verbrechen.« Und weiter: »Rehavam Zeevi
befürwortete offen die Ausweisung aller Araber aus dem Land, und ich sehe
keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen seiner Tötung und der von Anführern
der palästinensischen Fraktionen.«
------ Ende der weitergeleiteten Nachricht
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