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Das Regime für Reinheit der Rasse
Geschrieben von Anon.
"Warum willst Du diesem dreckigen Araber ein Kind zur Welt bringen?!
Wenn Du es nicht abtreibst, wirst Du ein kleines PLO-Mitglied großziehen
! Warum willst Du einen PLO-Mann in die Welt setzen? Du bist
eine von uns, eine jüdische Frau! Wenn Du für keine Fehlgeburt
sorgst und den Dreckskerl nicht verläßt, werde ich Dich hinter Gitter
bringen, und da wirst Du mal erleben, was ich alles mit Dir machen
kann. Ich werd' Dir das Abtreiben schon beibringen!" Stellvertretenden
Militärgouverneurs von Hebron (im besetzten Cisjordanien),
Major Noni
DAS REGIME FÜR REINHEIT DER RASSE*
- Übersetzung aus HAOLAM HAZEH, 14. Juni 1978.
Der hebräische Titel Lautet: "Hamimschal Lema'an tohar hageza".
Ein Autor ist, wie bei Nachrichtenmagazinen üblich, nicht
angegeben.
"Warum willst Du diesem dreckigen Araber ein Kind zur Welt bringen?!
Wenn Du es nicht abtreibst, wirst Du ein kleines PLO-Mitglied groß-
ziehen! Warum willst Du einen PLO-Mann in die Welt setzen? Du bist
eine von uns, eine jüdische Frau! Wenn Du für keine Fehlgeburt
sorgst und den Dreckskerl nicht verläßt, werde ich Dich hinter
Gitter bringen, und da wirst Du mal erleben, was ich alles mit Dir
machen kann. Ich werd' Dir das Abtreiben schon beibringen!"
Das waren, so berichtet uns Daniela-Amin el-Kissije, die, Worte
des stellvertretenden Militärgouverneurs von Hebron (im besetzten
Cisjordanien), Major Noni. Der Ort der Handlung: Hebron, im Gebäude
der Militärregierung.
Der "dreckige Araber" ist ihr Mann, Hassan el-Kissije aus dem Dorf
Daharija an der Straße von Hebron nach Beer Scheva.
"Es interessierte den Gouverneur, Colonel Moris Biton, und seinen
Stellvertreter, Major Noni, nicht im geringsten, daß sie da von
meinem Mann sprachen, den ich liebe und den ich geheiratet habe,
obwohl ich wußte, daß ich Schwierigkeiten bekommen würde", sagt
Daniela. "Es interessierte sie nicht, daß ich zum Islam übergetreten
bin und gar keine Jüdin mehr bin. Es ging ihnen nur darum, daß eine
ehemalige Jüdin, von ihrer höheren Rasse, einen Araber geheiratet
hat und auch noch Kinder haben möchte. Es ist ihnen gleichgültig,
daß es ihnen ihre eigene Religion verbietet, ein Kind abzutreiben,
und daß das für eine Frau gefährlich ist. Und überhaupt: Wie können
Sie eine Frau, die ihren Mann liebt, zwingen, ihr ungeborenes Kind
zu ermorden? Nur die Nazis haben so etwas gemacht."
Diese unglaubliche Geschichte von israelischen Offizieren und Bürgern
aus der Umgebung der Militärbehörde in Hebron, die Daniela-Amin
und ihren Mann Hassan in die Enge zu treiben versuchten, einzig und
allein, weil sie sich unterstanden hatten, eine Mischehe zu schließen,
hatte begonnen, lange bevor Daniela und Hassan sich kennenlernten.
Daniela, ein hübsches Mädchen mit schwarzen Haaren, ein typisches
jüdisches Jemeniten-Mädchen, stammt aus Kirjat Ekron in der Nähe von
Rehovot. Sie wurde in sehr jungen Jahren auf Betreiben ihrer Eltern
mit einem älteren Mann verheiratet, einem Witwer und Vater von fünf
Kindern.
Nach einigen Monaten spielte sie nicht mehr mit: "Ich sehe nicht
ein, weshalb ich mit diesem alten Mann leben soll", und sie verlangte
die Scheidung, trotz aller Vorhaltungen ihrer Familie und der ihres
Mannes. Aber sie stellte sehr bald fest, daß es nach dem Jüdischen
Religionsgesetz nicht einfach ist, eine Scheidung zu erwirken, wenn
die eine Seite nicht einverstanden ist. Ihr Mann stimmte der Trennung
nicht zu, und sie begriff, daß sie ohne einen drastischen Schritt für
noch viele Jahre seine Frau sein würde.
Obwohl Daniela aus einem strengen, traditionellen Elternhaus stammt,
ist sie ein typisches israelisches Mädchen, voller Leben und mit
einer eigenen Meinung. Als jemand im Scherz zu ihr sagte: "Konvertiere
doch zum Islam, dann werden Dich die Rabbis sofort scheiden", machte
sie sich ohne Umschweife auf den Weg zum Schari'a Gericht in Jaffa und
konvertierte. Ja, und die Scheidung bekam sie nachgeliefert.
Moslem zu werden bedeutete für Daniela nichts. Das war ein Notbehelf,
um die Scheidung zu erlangen, und weiter nichts. Sie betrachtete
sich im übrigen weiterhin als Jüdin. "Ich war niemals religiös,
obwohl meine Eltern es sind", sagte sie. "Es ist mir gleichgültig,
ob ich jüdisch, muslimisch oder christlich bin, das ist alles eins."
Nach der Scheidung wurde Daniela, die heute 25 ist, klar, daß sie
nicht in ihrem Elternhaus leben konnte. Sie ging also in den Süden
des Landes, in die Gegend des Toten Meeres, und arbeitete bei der
Telephonvermittlung im Hotel Ganai-Schulamit. Ganz in der Nähe, im
Hotel Ein Bokek, war Hassan el-Kissije aus Daharija beschäftigt.
Hassan, der heute 23 ist, arbeitete seit 4 Jahren in diesem Hotel
und gehörte zu den festen Angestellten. Er galt als guter und
zuverlässiger Arbeiter und hatte es vom Bellboy zum Aufseher über
die Hotelwäsche und die Zimmerreinigung gebracht. Er verdiente gut.
Für die Hotelangestellten in dieser Gegend, weitab von allen Städten,
ist der Strand des Toten Meeres der Treffpunkt in ihrer Freizeit,
und dort lernten sich die beiden kennen. Und es passierte ihnen, was
Millionen von jungen Paaren überall auf der Welt passiert: Sie verliebten
sich und wußten nicht, daß sie sich besser nicht lieben
sollten, denn Hassan war als Moslem geboren und Daniela als Jüdin.
Als sie einige Monate danach beschlossen zu heiraten, glaubten sie,
daß jeder ihnen das Glück gönnen würde. Hassans Eltern hatten zuerst
Bedenken: "Wozu brauchst Du das, Du wirst mit den Behörden Schwierigkeiten
bekommen", sagte ihm sein 75 Jahre alter Vater. Aber Hassan
war entschlossen: "Ich liebe sie, sie ist alles in meinem Leben, und
was kümmern mich die Behörden." Noch heute besteht Hassan darauf,
daß er tief in seinem Herzen überzeugt war, daß niemand ihm Schwierigkeiten
wegen seiner Liebe machen werde. Der Vater war schließlich
überzeugt und mit ihm die ganze Familie, ja das ganze Dorf Daharija.
"Die Hochzeitsfeier, die das Dorf uns bereitete, war die schönste,
die es in Daharija je gegeben hat. Das ganze Dorf war da, mitsamt den
Notabeln von Hebron. Das ging die ganze Nacht. Es war die schönste
Hochzeit, die man sich denken kann. Alle waren glücklich. Wirklich
glücklich. Und ich hatte das Gefühl, daß alle Glückwünsche aus dem
Herzen kamen. Es war keine der üblichen israelischen Hochzeiten, ich
meine in einem Saal, mit den Geflügelspeisen und den Leberschnitten,
wie die Hochzeiten in Rehovot, nein, sie war mitten im Dorf, sehr
einfach, aufrichtig und wundervoll", erzählte mir Daniela diese Woche.
Aber nicht alle kamen. Die Freunde und Arbeitgeber von Hassan und
Daniela (die ihren Namen in Amin abänderte) aus den Hotels, wo sie
gearbeitet hatten, kamen nicht. "Wir haben sie eingeladen, und sie
haben zugesagt, aber sie kamen nicht", erzählt Hassan. "Ich begriff
das erst ein paar Wochen später." Auch die Familie der Braut kam
nicht. "Zur Hochzeit kam niemand, aber ein paar Tage später kam
meine Schwester mit einem Taxi aus Rehovot und veranstaltete im Dorf,
in der Nähe unseres Hauses, einen Skandal. Warum ich einen Araber
geheiratet habe. Wir mußten die Polizei holen, die sie zur Vernunft
brachte und verwarnte", sagt Daniela.
Aber das eigentliche Hochzeitsgeschenk, wie die beiden das nennen,
bekamen sie acht Tage nach der Trauung von der Militärpolizei und
den Militärbehörden in Hebron.
Hassan erzählt:
"Wir wohnen im Haus meiner Eltern. Sie gaben uns eines ihrer Zimmer.
Ungefähr eine Woche nach der Trauung kam die Polizei, morgens um vier
Uhr. Einer der Polizisten wies sich als David Atar aus, aber ich bin
sicher, daß dies nicht sein richtiger Name war. Er nahm uns beide mit
aufs Polizeirevier, wo wir bis acht Uhr warten mußten. Dann kam ein
Mann namens Abu-Nur, und als ich hörte, was er zu sagen hatte, begann
ich zu ahnen, was uns für die Zukunft bevorsteht."
Daniela-Amin erzählt die Geschichte von jenem frühen Morgen weiter:
"Hassan mußte draußen warten, während sie mich bearbeiteten. Abu-Nur
schrie mich an: 'Hast Du nichts besseres zu tun, als einen arabischen
Abschaum zu heiraten?' In diesem Stil ging es weiter, bis sie mich
gehen ließen."
"Ich stand noch völlig im Schock der Ereignisse am Morgen, als gegen
zehn Uhr abends Soldaten kamen. Sie weckten die ganze Nachbarschaft
mit ihrem Lärm auf und brachen in unser Haus ein. Wir waren schon im
Bett, und sie sagten, wir hätten morgen früh vor dem Militärgouverneur
zu erscheinen. Wir gingen hin. Zuerst wurden wir zum Stellvertreter
des Militärgouverneurs geschickt, ein großer Mann mit weißen Haaren
namens Noni. Er schrie mich sofort an: 'Willst Du ein PLO-Kind haben?
Wenn ich möchte, kann ich mit Dir eine Abtreibung veranstalten! Wen
hast Du da geheiratet, einen dreckigen Araber? Abschaum? Aber Du bist
ja selber eine Hure. Für mich gibt's Araber nur im Krieg. Entweder wir
werden Dich erledigen oder ihn!' Währenddessen war Hassan draußen. Er
durfte nicht herein."
"Dann kam der Militärgouverneur selbst, Colonel Biton. Er behandelte
mich ganz genauso: 'Deine Eltern waren bei mir. Sie sind bereit,
Dich wieder aufzunehmen, wenn Du den Araber fahren läßt und zu Deinem
früheren Mann zurückkehrst! Was zieht Dich denn so an? Das Bett?
Versteht ein Araber, wie man bei einem Mädchen liegt? Er wird ein
anderes nehmen. Die Juden sind eine stolze Nation. Man heiratet keinen
Araber. Ich werde ihn 40 oder 50 Tage ins Gefängnis stecken, und Dich
laß ich nicht in Ruhe! Aber wenn Du vernünftig wirst, kannst Du in
zwei Tagen wieder kommen, Dein früherer Mann wird dasein, Du gehst
zu ihm zurück und die ganze Sache ist vergessen.' Ich konnte ihm nur
sagen, daß ich Hassan liebe, und daß es für mich keinen Unterschied
macht, daß er ein Araber ist. Aber sie hörten mir gar nicht zu. Das
war für sie kein Argument. Schließlich ließen sie mich gehen, und ich
dachte, daß jetzt der Alptraum ein Ende hat."
Aber drei Tage später merkte das junge Paar, daß der Alptraum erst
begonnen hatte. Vor ihrem Haus in Daharija hielt ein Polizeiauto,
und sie wurden zum örtlichen Polizeirevier abgeholt. Der dortige
Beamte wies sich als Dayan aus und eröffnete Daniela-Amin: "Ich
werde Anklage wegen illegalen Aufenthalts in der Westbank erheben
lassen." Zu ihrem Erstaunen erfuhr Daniela, daß es für Israelis
gesetzlich verboten ist, sich ohne Erlaubnis länger als 48 Stunden
in der Westbank aufzuhalten. Und das traf für sie zu, trotz der
Tatsache, daß sie bei ihrem Mann und in dessen Haus wohnte.
Amin und Hassan wandten sich sofort an die Vertretung des israelischen
Innenministeriums in Hebron, und Amin stellte unter Verzicht auf die
israelische Staatsbürgerschaft den Antrag auf einen Personalausweis
als Bewohner der Westbank. Die Beamten wunderten sich, und es wurde
Noni, der Vice-Gouverneur, hinzugezogen. In Gegenwart eines jungen
Angestellten namens Baruch wurde Amin ein weiteres Mai von Noni angeschrien:
"Ich werde Dir das Abtreiben schon beibringen! Ich werde
Dich hinter Gitter bringen, und da wirst Du schon sehen, was ich alles
mit Dir machen kann!" Und Baruch fügte hinzu: "Jeder Araber ist unser
Feind, und auch Dein Feind! Wenn Du einen Araber geheiratet hast und
Dich nicht von ihm trennst, und ihm ein Kind zur Welt bringst, dann
bist auch Du unser Feind und gehörst umgelegt wie alle!"
"Es war mein Unglück", sagt Daniela-Amin, "daß dies am Tag nach dem
Terroristenüberfall auf den Omnibus auf der Küstenstraße nach Tel
Aviv war. An diesem Tag fühlten sich alle als Kämpfer. Ihr ganzer
Zorn über das Geschehen beim Country-Club richtete sich gegen mich.
Plötzlich war ich der Feind, nicht die Terroristen."
[Zu dem erwähnten Terroristenüberfall auf der Küstenstraße von
Tel Aviv (11. März 1978) vergl. Spehl: Spätfolgen einer Kleinb
ürgerinitiative, Band 2. Freiburg 1979. Anm. 44].
Als sich Noni etwas beruhigt hatte, versuchte er "ernsthaft" mit
Daniela-Amin zu reden. "Ich besorge Dir innerhalb eines Tages
einen Mann. Einen jüdischen Mann. Also laß doch einfach diesen
Drecks-Araber fahren!"
Und wieder wollte er Amins Beteuerung, daß sie ihren Mann liebt,
nicht hören. Das war für ihn kein Argument. Der israelische Personalausweis
wurde ihr abgenommen, und einen neuen hat sie bis heute
nicht bekommen.
"Sie haben mir nicht einmal eine Bescheinigung gegeben, daß sie
meine Papiere einbehalten haben", sagt sie, "und jetzt kann mich
jeder Polizist festnehmen, weil ich keinen Ausweis habe. Noni
sagte sogar: 'Ich werde Dir niemals einen Westbank-Ausweis geben'."
Seit diesem Tag kamen sie mindestens zweimal pro Woche in Hassans und
Amins Haus. "Wir gingen immer in großer Angst schlafen", sagen sie,
"wir legten uns mit den Kleidern ins Bett, damit sie uns, wenn sie
mitten in der Nacht kamen, nicht ohne Kleider überraschen konnten.
Und wenn wir ein Auto in der Hauptstraße hörten, waren es fast immer
Soldaten. Wir konnten sie von weitem hören, wie sie bei verschiedenen
Häusern an die Türen klopften und herumbrüllten: 'Wo wohnt diese
Jüdin?' Und wenn sie an unsere Türe klopften, schrien sie so laut,
daß die ganze Nachbarschaft aufwachte. Wenn wir öffneten, verlangten
sie Papiere zu sehen, beschimpften uns und gingen wieder. Ich bin
sicher, daß diese Besuche bei dem 'Araber, der eine Jüdin hat', zu
ihrem Hauptvergnügen geworden waren."
Es scheint, daß vor einem Monat die Soldaten zu weit gingen. Hassan
- berichtet
-
"Ich hörte mitten in der Nacht laute Stimmen aus dem Nachbarhaus.
Sie schlugen an die Türe und sagten: 'Wir legen Dich um, wenn Du
uns nicht sofort zu diesem Hassan bringst, der eine Jüdin hat'. Man
zeigte ihnen unser Haus und sie erbrachen die Türe. Mein Vater war
krank. Er hatte Lungenentzündung. Er ist ein alter Mann, 75 Jahre
alt. Sie schrien ihn an: Wo ist Hassan, wo ist Hassan?, und noch
bevor er antworten konnte, schlugen sie auf meinen Vater ein. Mein
Bruder glaubte, sie seien gekommen, um mich umzubringen. Sie brüllten
herum, daß sie das Haus in die Luft jagen werden, daß sie den Befehl
dazu hätten. Als sie dann wissen wollten, was im Nebenraum sei,
antwortete mein Bruder: 'Da ist nichts, nur eine Vorratskammer'. Sie
brachen die Türe auf und fanden mich und Amin. Ein Offizier namens
Salman sagte zu mir: 'Jammerschade, daß wir die Türe nicht mit ein
paar Schüssen geöffnet haben; es wäre doch zu schön gewesen, wenn
wir Dich und diese jüdische Hure erschossen hätten!' Zunächst einmal
verhafteten sie meinen Bruder, weil er gelogen hatte. Dann wollten
sie auch meinen Vater mitnehmen, aber ich flehte sie an, ihn in Ruhe
zu lassen, weil er krank war. Es hätte ihn umbringen können. Und erst
als sich die Aufregung etwas gelegt hatte, erfuhren wir, weshalb sie
gekommen waren: Daniela-Amins Bruder sei dessertiert und sie würden
ihn bei uns suchen. Das stimmte natürlich nicht. Erstens war ihr
Bruder gar nicht dessertiert, und zweitens kannten sie die Beziehungen
zwischen Daniela und ihrer Familie so gut wie wir. Niemand von der
Familie würde zu uns kommen. Sie nahmen meinen Bruder mit. Am anderen
Tag forschte ich nach, was sie mit ihm gemacht hatten. Sie hatten
ihn die ganze Nacht im Freien liegen lassen. Es war eine sehr kalte
Nacht. Als sie mich sahen, redeten sie davon, uns beide ins Gefängnis
zu werfen. Ich mußte zur Strafe dann einige Stunden neben der Türe
stehen. Erst am Nachmittag ließen sie uns gehen."
"Zuhause stellte sich heraus, daß der Militärgouverneur doch noch
recht bekommen hatte. Die Aufregung der Nacht war zu viel gewesen
für Daniela, sie hatte ihr Kind verloren. Major Noni kann zufrieden
sein. Er kann die Abtreibung eines Kindes verbuchen, das einer
ehemals jüdischen Mutter und einem muslimischen Vater geboren werden
sollte."
Offenbar brachte der Verlust des Kindes das Maß zum Überlaufen.
Hassan ging nach Jerusalem und erzählte der Rechtsanwältin Felicia
Langer seine Geschichte. Frau Langer schrieb unverzüglich einen
Brief an Verteidigungsminister Ezer Weizman. Nach der Darlegung
der Einzelheiten des Falles fügte sie hinzu:
"Das Verhalten der Untergebenen des Militärgouverneurs stellt einen
schweren Verstoß gegen die Bürgerrechte und die Religionsfreiheit
dar. Hinzu kommt eine gewalttätige Einmischung in die Privatsphäre
eines Mannes und einer Frau. Liebesaffären fallen nirgendwo in den
Geschäftsbereich von Militärgouverneuren und Polizisten. Es ist wohl
nicht nötig, darauf hinzuweisen, daß dieses Verhalten gegen die Genfer
Konvention verstößt und mit keinerlei Kriterien zu rechtfertigen ist."
Weder das Paar noch Frau Langer haben vom Verteidigungsminister,
abgesehen von einer Empfangsbestätigung, eine Antwort erhalten.
Aber das Paar bestätigt, daß es vom Tag des Eingangs des Schreibens
an nicht mehr belästigt worden ist.
Das Redaktionsbüro von HAOLAM HAZEH hat sich an den Armeesprecher mit
der Bitte um Genehmigung zu einem Gespräch mit jenen Vertretern der
Militärbehörde gewandt, deren Namen im Zusammenhang mit dieser Affäre
genannt wurden, und gegen die Hassan und Amin Beschuldigungen erhoben
haben, die Assoziationen an die Zeit des Zweiten Weltkrieges hervorrufen.
Das Schreiben blieb ohne Antwort. Der Armeesprecher hat innerhalb
der vergangenen drei Wochen weder abschlägig noch zustimmend
reagiert.
Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Dani Weinreich, der vom
Redaktionsbüro um eine Stellungnahme gebeten wurde, sagte unserem
Reporter: "Uns ist bekannt, daß Sie sich in dieser Angelegenheit an
den Armeesprecher gewandt haben. Die ganze Sache liegt bei ihm, und
das ist alles, was ich Ihnen dazu sagen kann."
Soweit uns bekannt ist, sind die erwähnten Offiziere nach wie vor in
ihren Ämtern tätig und es wurden keinerlei Schritte gegen sie unternommen.
Auch gegen andere Soldaten oder Offiziere wurde nichts unternommen.
Hassan und Amin sind nicht an Rache oder Bestrafung interessiert -
letzteres sollte eigentlich im Interesse der Armee liegen. Das Paar
wünscht nichts weiter, als daß Amin mit ihrem Mann zusammen in dessen
Dorf leben kann, und daß sie einen Ausweis als Einwohner der Westbank
erhält.
Amin und Hassan wollen niemand gerichtlich belangen, auch ihre
früheren Arbeitgeber nicht. "Wir wurden entlassen, und ich habe
nicht einmal eine Abfindung bekommen, obwohl ich fest angestellt
war und dort vier Jahre gearbeitet habe", sagt Hassan. "Ich bin
gegenwärtig ohne Arbeit, und wir leben von meinen Ersparnissen.
Aber mit Gottes Hilfe werde ich schon Arbeit finden. Das ist nicht
so wichtig. Wichtig ist nur, daß man meine Frau in Ruhe läßt. Ich
möchte nicht, daß man sie belästigt, nur weil sie mich geheiratet
hat, und ich möchte nicht, daß man meine Familie belästigt, bloß
weil da ein Sohn die schreckliche Tat begangen hat, die Frau, die
er liebt, zu heiraten."
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