- "Israelischer Terror ist schlimmer"
- 'Israeli terror is worse'
- Der Marsch der Orangehemden
Ein angstvoller Blick in Israels Zukunft
- Gute Wuensche eines Sozialdemokraten an Dr. h. c. Fischer -
Wie tief muss eigentlich ein deutscher Aussenminister noch
sinken, um Israels expansionistische und kolonistische Ziele
zu befriedigen ?
Gott hat uns nicht nur dieses Land versprochen, sondern uns auch
(im Buch Josua) befohlen, alle nicht-jüdischen Bewohner zu vernichten.
Es gibt hier keinen Platz für sie. Wenn sie nicht mit
Terror zum Verlassen gebracht werden können ("freiwilliger
Transfer"), müssen sie vernichtet werden. Mit den Worten von
einem der Rabbiner im Fernsehen dieser Woche: Wenn sie nicht
gehen, dann müssen sie "den Preis zahlen". Dies schließt natürlich
auch die 1,25 Millionen arabischen Bürger von Israel selbst
ein.
"Sharon und die israelische Führung versuchen immer, die Israelis
die Lüge glauben zu machen, daß die Palästinenser uns ins Meer
treiben wollen", sagte sie. "Tatsächlich sind wir diejenigen, die
Kriegsverbrechen gegen die Menschlichkeit begehen und ich hoffe,
daß Sharon vor Gericht kommt."
"Israelischer Terror ist schlimmer"
Frühere israelische Ministerin erhebt schwere Kritik
31.07.2005
Einem Bericht der israelischen Yedioth Ahronoth vom Freitag zufolge
hat eine frühere israelische Ministerin schärfste Kritik am Vorgehen
der derzeitigen Regierung Israels gegenüber den Palästinensern
geäußert.
http://www.ynetnews.com/Ext/Comp/ArticleLayout/CdaArticlePrintPreview/
1,2506,L-3119885,00.html
Demnach hat Shulamit Aloni, die von 1992 bis 1996 im Kabinett Yitzhak
Rabins israelische Bildungsministerin war, gegenüber der arabischisraelischen
Zeitung Kul al-Arab gesagt, der "israelische Terror ist
schlimmer" als der palästinensische.
"Sharon ist ein großer, arroganter Nationalist. Er leidet unter
Megalomanie und es ist ihm gleichgültig, die Leben von anderen zu
opfern, wie dies bei der Invasion in den Libanon geschehen ist",
so Aloni.
"Sharon und die israelische Führung versuchen immer, die Israelis die
Lüge glauben zu machen, daß die Palästinenser uns ins Meer treiben
wollen", sagte sie. "Tatsächlich sind wir diejenigen, die Kriegsverbrechen
gegen die Menschlichkeit begehen und ich hoffe, daß Sharon vor
Gericht kommt."
Hinsichtlich des israelischen "Abzugsplans" aus dem Gaza-Streifen
äußerte sie die Befürchtung, dieser würde das Leben der Palästinenser
"in die Hölle" verwandeln. "Ich möchte anmerken, daß das KnessetMitglied
der Nationalen Vereinigung [Binyamin] Benny Elon kürzlich
sagte, daß Siedler vorhaben, das Leben der Palästinenser in der West
Bank zu vergällen, bis sie von dort auswandern", so Aloni. "Ich sehe
den Beweis hierfür in der Existenz einer Einheit der israelischen
Armee, die aus radikal-religiösen Soldaten besteht, die in ihrem
täglichen Verhalten Tieren in nichts nachstehen."
Sie zeigte sich außerdem überrascht, daß Israelis weiterhin die
"Rolle von Opfern" spielten und daß dies von der US-Regierung
akzeptiert würde, während sie "die Tatsache ignorieren, daß wir
eine der mächtigsten Armeen im Mittleren Osten besitzen."
Auch wenn sie den "israelischen Terror" als "schlimmer" als den
"palästinensischen Terror" bezeichnete, so sprach sie sich doch
für eine sofortige Einstellung der palästinensischen Anschläge
aus.
"Es ist wahr, daß der von Israel in den [besetzten] Gebieten angewandte
Terror schlimmer ist als der palästinensische Terrorismus,
aber die Hamas-Bewegung gibt der Besatzung die Gelegenheit und die
Mittel, um sich zu verschärfen", sagte sie.
Sie ließ auch keinen Zweifel daran, daß sie für die Zukunft eines
sich wie bisher weiterentwickelnden Israels mindestens ebenso
schwarz sieht wie der israelische Menschenrechtler Uri Avnery in
einem Artikel. "Ich kann Ihnen Mussolinis Bücher über den Faschismus
zeigen. Wenn Sie sie lesen, werden Sie unweigerlich zu dem Schluß
kommen, daß sich Minister der gegenwärtigen israelischen Regierung
auf dem gleichen Weg befinden."
http://www.freace.de/artikel/200507/240705b.html
Über den israelischen Verteidigungsminister Shaul Mofaz sagte sie:
"Nur in einem Land wie diesem kann ein Mörder ... den Posten des
Verteidigungsministers erreichen. Israel unterscheidet sich tatsächlich
nicht vom rassistischen Südafrika, solange es sich als jüdischen
Staat statt als Staat aller seiner Bürger darstellt."
http://www.freace.de/artikel/200507/310705b.html
'Israeli terror is worse'
Former Education Minister Shulamit Aloni blasts 'megalomaniac' Prime
Minister Sharon in interview with Arab-Israeli newspaper, says he
should face justice. Aloni also charges Israel a racist state that
commits war crimes
By Roee Nahmias
TEL AVIV - Israel is a racist state that commits war crimes and
resorts to terrorism worse than that employed by the Palestinians,
former Education Minister Shulamit Aloni charged in an unusually
scathing interview with Nazareth-based Arab-Israeli newspaper Kul
al-Arab.
Other highlights from the interview include "(Prime Minister) Sharon
should face justice," "Israel is following Mussolini's way," and
"some soldiers behave like animals."
When asked how she characterizes the prime minister, Aloni responded:
"Sharon is a big, arrogant nationalist. He suffers from megalomania
and doesn't mind sacrificing the lives of others, as happened in the
invasion of Lebanon."
"Sharon and the Israeli leadership always try to make Israelis
believe the lie that the Palestinians want to throw us to the sea,"
the former minister charged. "In fact, we are the ones who commit
war crimes against humanity, and I hope Sharon will face justice."
'Government, settlers coordinate anti-pullout campaign'
Turning her attention to the disengagement plan, Aloni leveled
more charges, saying she fears the evacuation from Gaza will turn
Palestinian life in the West Bank "into hell."
"I want to note that National Union Knesset Member Benny Elon recently
said that settlers intend to embitter the lives of Palestinians in the
West Bank, until they emigrate from here," she said. "I see testament
to that in the existence of an IDF unit comprising radical religious
soldiers, who are no different than animals in their daily behavior."
Aloni also expressed her surprise that Israelis continue to play the
"role of victims" and the American President accepts that image while
declaring that "Israel has the right to defend itself, while ignoring
the fact we have one of the most powerful armies in the Middle East."
The former minister also resorted to apparent conspiracy theories,
claiming the government and settlers were "secretly coordinating"
anti-pullout resistance in order to create a "national shock" and
convince the world of the difficulties inherent in withdrawing from
the West Bank.
'Israel no different than South Africa'
Turning her attention to the Palestinians, Aloni said had she been
a Palestinian she would have called for the cessation of suicide
bombings and the adoption of the non-violent approach of Mahatma
Ghandi.
"It's true that the terror utilized by Israel in the territories is
worse than Palestinian terrorism, but the Hamas movement gives the
occupation the opportunity and means to deepen," she said.
When asked about how she views Israel's future, Aloni responded: "I
can show you Mussolini's books about fascism . If you read them you'll
reach the unequivocal conclusion that ministers in the current Israeli
government are walking on the same path."
"Only in a country like this can a murderer...reach the post of
Defense Minister," she charged. "Israel, in fact, is no different
than racist South Africa as long as it presents itself as Jewish
state instead of a state of all its citizens."
However, when asked about the chances of a leftist revival in Israel,
Aloni was pessimistic, and chose to level some more charges.
"If you look for the Left, you won't find it," she said. "Former
Prime Minister Ehud Barak killed it. The Left's collapse resulted
from several reasons, including the Labor party's participation
in Sharon's former government."
07.29.05
http://www.ynetnews.com/Ext/Comp/ArticleLayout/CdaArticlePrintPreview/
1,2506,L-3119885,00.html
Der Marsch der Orangehemden
Ein angstvoller Blick in Israels Zukunft
24.07.2005
Uri Avnery
Übersetzung Ellen Rohlfs
Seit einigen Wochen flackert bei mir ein rotes Licht auf, das ein
Wort in großen Buchstaben in Frakturschrift beleuchtet: Weimar.
Als Neunjähriger wurde ich Augenzeuge des Zusammenbruchs der deutschen
Republik, die nach dem 1.Weltkrieg entstanden war. Sie wurde allgemein
als Weimarer Republik bezeichnet, weil ihre Verfassung in der Stadt der
beiden herausragenden Gestalten deutscher Kultur, Goethe und Schiller,
geschrieben wurde. Einige Monate nach dem Zusammenbruch flohen wir aus
Deutschland und so wurde unser Leben gerettet.
Seitdem ist alles, was ich mit dem Zusammenbruch der Republik gesehen
und gehört habe, in mein Gedächtnis eingebrannt. Ich habe Hunderte von
Büchern über dieses Ereignis gelesen. Die große Frage, die mich seitdem
verfolgt hat und die bis heute unbeantwortet geblieben ist, lautet:
Wie konnte so etwas geschehen? Wie konnte eine Verbrecherbande mit
einer unmenschlichen Ideologie sich eines Staates bemächtigen, dessen
Nation zu dieser Zeit vielleicht den höchsten kulturellen Stand in der
Welt hatte?
Am Vorabend des Eichmannprozesses, in 1960, schrieb ich ein Buch
darüber und beendete es mit der Frage: Kann dies hier geschehen?
Heute gibt es kein Entkommen vor der schrecklichen Antwort: Ja,
es kann hier geschehen. Wenn wir uns wie die Menschen der Weimarer
Republik benehmen, dann werden wir dasselbe Schicksal erleiden wie
die Menschen der Weimarer Republik.
In der Vergangenheit habe ich oft gezögert, den Vergleich zu ziehen.
Bei uns gibt es ein Tabu, was Nazi-Deutschland betrifft. Da nichts
in der Welt mit dem Holocaust verglichen werden kann, sollten keine
Vergleiche mit dem Deutschland der damaligen Zeit gezogen werden.
Nur selten ist dieses Tabu gebrochen worden. David Ben-Gurion nannte
Menachim Begin einmal "einen Schüler Hitlers". Begin seinerseits hat
Yassir Arafat "den arabischen Hitler" genannt, und vorher noch wurde
Gamal Abd-al-Nasser in Israel als der "Hitler am Nil" bezeichnet.
Professor Yeshayahu Leibowitz - in seiner üblichen provozierenden
Art - sprach von "Judeo-Nazis" und verglich Spezial-Einheiten der
israelischen Armee mit der SS. Aber dies waren Ausnahmen. Im allgemeinen
wurde das Tabu beachtet.
Heute nicht mehr. In ihrem Kampf gegen die "verfaulte" israelische
Demokratie, haben die Siedler Holocaustsymbole übernommen. Sie tragen
demonstrativ den Gelben Stern, den Juden vor der Vernichtung auf
Befehl der Nazis tragen mußten, nur daß jetzt gelb mit orange ersetzt
wird. Sie schreiben sich ihre Identitätsnummern auf ihre Arme, ähnlich
den tätowierten Zahlen, mit denen die Nazis die Auschwitzgefangenen
brandmarkten. Sie nennen die Regierung den "Judenrat" - es ist der
Name, den man den - von Nazis bestimmten - jüdischen Räten in den
Ghettos gab - und vergleichen die Evakuierung der Siedler von Gush
Kativ mit der Deportation der Juden in die Todeslager. All dies live
im Fernsehen.
Also gibt es keinen Grund mehr, die Sache nicht beim richtigen Namen
zu nennen: ein großes faschistisches Lager bedroht nun die israelische
Demokratie.
Was in der vergangenen Woche in Israel geschah, ist nicht mehr ein
legitimer "Protest", auch kein demokratisches Bemühen, die öffentliche
Meinung zu beeinflussen, um die Entscheidungen der Regierung
und der Knesset zu ändern. Es ist auch keine Kampagne des zivilen
Ungehorsams einer Minderheit, die versucht, die Änderung der Entscheidungen
der Mehrheit zu erzwingen.
Es ist weit mehr: es ist der Anfang eines Versuches, das demokratische
System selbst mit Gewalt zum Kippen zu bringen.
Es ist der harte Kern der Siedler, der praktisch von allen Siedlern
als ihre Führung akzeptiert wird, und der sich gegen die israelische
Demokratie wendet. In der vergangenen Woche sahen wir Zehntausende
von ihnen. Wir kommen nun nicht um die Erkenntnis herum, daß dies
eine revolutionäre Bewegung mit einer revolutionären Ideologie ist,
die revolutionäre Mittel anwendet.
Was ist das für eine Ideologie? Sie wurde laut und deutlich und immer
wieder vom Hauptsprecher der Bewegung proklamiert: Gott gab uns dieses
Land. Das ganze Land und seine Früchte gehören uns. Jeder, der nur
einen Quadratmeter Land an Fremde (gemeint sind die seit vielen
Generationen hier lebenden Araber) gibt, verletzt die Gebote der
Torah. Die Torah ist rechtsverbindlich. Alle Regierungsentscheidungen,
Knessetgesetze und Gerichtsurteile sind null und nichtig, wenn sie
Gottes Wort widersprechen, das uns von den Rabbinern übermittelt wird.
Diese stehen über den Ministern, den Knessetmitgliedern, den Richtern
des Obersten Gerichtshofs und den Armeekommandeuren - wie in Khomeinis
fundamentalistischem Iran.
Ein großer Teil dieses Lagers bekennt sich offen zu den Lehren von
Meir Kahane, dessen Gesicht überall von marschierenden Siedlern auf
deren Hemden, Flaggen und Plakaten abgebildet war. Kahane predigte
öffentlich, was viele der Siedler und vielleicht die meisten von ihnen
privat sagen: Gott hat uns nicht nur dieses Land versprochen, sondern
uns auch (im Buch Josua) befohlen, alle nicht-jüdischen Bewohner zu
vernichten. Es gibt hier keinen Platz für sie. Wenn sie nicht mit
Terror zum Verlassen gebracht werden können ("freiwilliger Transfer"),
müssen sie vernichtet werden. Mit den Worten von einem der Rabbiner
im Fernsehen dieser Woche: Wenn sie nicht gehen, dann müssen sie "den
Preis zahlen". Dies schließt natürlich auch die 1,25 Millionen arabischen
Bürger von Israel selbst ein.
Einer der Führer des Marsches, Zviki Bar-Hai, erklärte im Fernsehen:
"In diesem Kampf geht es um die Prägung des Staates."
99% der vielen Tausend, die wir im Fernsehen dieser Woche sahen,
trugen eine Kippah und viele von ihnen trugen Bärte und Schläfenlocken;
die Frauen trugen lange Röcke und ihr Haar bedeckt. Alle
von ihnen sind "wiedergeborene Juden" oder gehören zum "nationalreligi
ösen" Lager - einer nationalistisch-messianischen Sekte, die
glaubt, den Weg für die "Erlösung" vorzubereiten. Man muß es klar
erkennen: In Israel hat die jüdische Religion eine Wandlung durchgemacht,
die ihr Wesen völlig verändert hat.
Es gibt keine wissenschaftlich allgemein anerkannte Definition für
"Faschismus". Ich definiere ihn mit den folgenden Attributen: der
Glaube an ein überlegenes Volk (Herrenvolk, auserwähltes Volk, überlegene
Rasse), das komplettes Fehlen moralischer Verpflichtungen
gegenüber anderen, eine totalitäre Ideologie, die Verleugnung des
Individuums außer als Teil der Nation sei; Verachtung für Demokratie
und eine Gewaltkultur. Dieser Definition zufolge ist ein großer Teil
der Siedler Faschisten.
Über die Weimarer Republik ist gesagt worden, daß sie nicht von den
"Braunhemden" gestürzt worden, sondern daß sie in sich selbst zusammengebrochen
sei, weil im entscheidenden Augenblick fast keiner
bereit war, aufzustehen und sie zu verteidigen.
In der vergangenen Woche marschierten Tausende von "Orangehemden"
in Richtung Gush Kativ, wie ein fernes Echo des "Marsches nach Rom"
(1920) durch Benito Mussolinis "Schwarzhemden", die die italienische
Demokratie stürzte. Etwa 20.000 Soldaten und Polizisten waren mobilisiert
worden, um sie zu stoppen. Oberflächlich betrachtet, haben
die Armee und die Polizei gesiegt, da die Orangehemden den GazaStreifen
nicht erreichten. Aber drei Tage lang bewiesen die Rebellen
unter brennender Sonne ihre Entschlossenheit, Einigkeit und Disziplin.
Es gab eine Kakophonie an Stimmen. Siedler und Siedlerinnen schrien,
ihre gehirngewaschenen Kinder kreischten, die auf den Armen ihrer
Mütter getragenen schwitzenden Babys mit roten Gesichtern weinten,
die Anführer hielten Reden, die Armee- und Polizeioffiziere bellten
ihre Befehle. Nur eine Stimme war nicht vorhanden: die Stimme der
israelischen Öffentlichkeit.
Während dieser drei schicksalhaften Tage erhob keiner der intellektuellen
Führer, kein Schriftsteller wie S.Yishar, Amos Oz, A.B. Yeshohua
und David Grossman, kein bedeutender Professor, kein Dichter oder
Künstler seine Stimme gegen die Siedler und ihre Verbündeten. Alle
Persönlichkeiten, die in der Vergangenheit in die Falle der "Vers
öhnung" mit den Siedlern und den "kulturellen Pakt" mit der extrem
religiösen Rechte gefallen waren, wagten nicht, sich zu befreien
und auf die große Gefahr hinzuweisen, in der der demokratische Staat
sich jetzt befand. Eine ihre Entschuldigungen war, daß sie nicht als
Unterstützer Ariel Sharons gesehen werden wollten.
Keine der großen öffentlichen Organisationen - von der Rechtsanwaltskammer,
der Handelskammer bis zum Journalistenverband und den akademischen
Körperschaften - hielt es für nötig, die Stimme zu erheben, um
die Demokratie zu verteidigen, während die orangefarbenen Militanten
alle Fernsehkanäle überfluteten, die nicht einmal versuchten, andere
Ansichten zu präsentieren. Die Schweigen der Schafe. Das Schweigen von
Weimar.
Ich hoffe, daß sich dies ändern wird, wenn die Konfrontation sich dem
Höhepunkt nähert. Ich hoffe, daß die israelische Demokratie in sich
die verborgene Stärke findet, die in Weimar tragischerweise nicht
vorhanden war. Das wird jedoch nicht geschehen, wenn nicht mutige Leute
die Trompete laut ertönen lassen und die schweigende Mehrheit nicht
ihr Schweigen aufgibt und ihren Standpunkt laut mit Stimme und Farben
demonstriert.
Sonst wird der "Marsch nach Gush Kativ" nur ein Vorgeschmack auf den
"Marsch nach Jerusalem" sein.
http://www.freace.de/artikel/200507/240705b.html
Dr. Izzeddin Musa
Am Bonner Graben 19
53343 Wachtberg
28.07.2005
Gute Wünsche zum Abschied!!!
Sehr geehrter Herr Außenminister Dr. h. c. Fischer,
da sich nun Ihre Amtszeit dem Ende nähert, möchte ich Ihnen als
Deutsch-Palästinenser schon einmal für Ihren unermüdlichen Einsatz
für die Interessen meines Volkes danken. Sie waren immer zur Stelle,
als es darum ging, Terroranschläge zu verurteilen. Wie ich mich
erinnere, haben Sie immer nur diejenigen der Palästinenser verurteilt,
zum Staatsterror Ihres Freundes Ariel Sharon, an dessen Händen mehr
Blut klebt als an denen Yassir Arafats, der nur für die Freiheit
und Unabhängigkeit seines Landes und Volkes gekämpft hat, aber
immer geschwiegen. Wir vergessen nicht Quiba, Sabra und Shatila, die
Kriegsverbrechen in Dschenin (ai und HRW) und den Vandalismus der
israelischen Armee von 2001 bis heute. Waschen Sie sich eigentlich
nach einer Begrüßung mit Sharon nie die Hände wie weiland Pilatus?
Ich möchte aber nicht Ihre Verdienste in jungen Jahren für das
palästinensische Volk unerwähnt lassen, als Sie zusammen mit Daniel
Cohn-Bendit 1969 am PLO-Kongress in Algier teilgenommen haben,
an dem angeblich die Liquidierung des "zionistischen Gebildes"
beschlossen worden ist; aber wie wir wissen, haben Sie ja damals
"geschlafen", da Sie, wie Ihre begleitenden Freunde behaupteten,
angeblich ermüdet von einer Sight-Seeing-Tour zurückgekehrt waren.
Die Bilder in der deutschen Presse zeigten aber einen überaus
munteren "Kämpfer für die palästinensische Sache". Sie wissen selbst
zu gut, dass Sie sich nur im Amt des Außenministers halten und diese
und die Frankfurter Affären überleben konnten, weil der amerikanische
und der israelische Geheimdienst entlarvende Fotos von Ihren Gewaltexzessen
u. a. in Frankfurt nicht veröffentlichten wollte. Ihre
Dankbarkeit gegenüber Israel ist deshalb nur allzu verständlich. Sie
erinnern sich bestimmt auch an die Ermahnungen Ihres guten Freundes
Colin Powell, auf die Sie auf einer Pressekonferenz in Washington
folgendermaßen reagiert haben; "Wir haben unsere Freunde nicht zu
kritisieren."
Nachdem Sie von israelischen Universitäten mit Doktorhüten überhäuft
worden sind und jüdisch-zionistische Organisationen Ihnen eine Ehrung
nach der anderen nachgeworfen haben, brauchen Sie sich wohl über
Ihre weitere Zukunft keine Sorgen zu machen. Freunde lassen Freunde
gewöhnlich nicht fallen, wie man im Falle Friedmann sehen kann, der
wahrscheinlich durch den Volmer-Erlass im Intercontinental Hotel in
Berlin wohl auch profitiert haben dürfte. Da Sie leider nun nicht
mehr der erste europäische Außenminister werden können, ist zu vermuten,
das Sie höchstwahrscheinlich von Ihren israelischen Freunden
standesgemäß versorgt werden. Sie haben ja dafür schon Vorsorge
getroffen, als Sie mit Ihrem israelischen Kollegen Silvan Shalom in
der FAZ einen völlig unrealistischen Artikel veröffentlich haben,
der nur als widerlich und ekelhaft bezeichnet werden kann. Die FAZ
hat wohl aus politischer Korrektheit meinen Leserbrief. "Die Jubelau
ßenminister" nicht abgedruckt, um Sie nicht zu desavouieren. Von
einer staatstragenden Zeitung habe ich auch nichts anderes erwartet.
Wie einseitig Sie sich äußern, wird aus dem Artikel in der Jubelausgabe
der Wochenzeitung "Das Parlament" deutlich, in dem Sie von
einem vierjährigen "Intifada-Terror" der Palästinenser gegenüber
Israel sprechen, den Staatsterror Ihres Freundes Sharon lassen Sie
dabei natürlich unerwähnt unter den Tisch fallen. Dass Sie auch nur
jeden Ansatz von Sanktionen oder Verurteilungen der EU gegen Israel
massiv torpediert und schließlich verhindert haben, ist einer Ihrer
großen Verdienste für Israel. Wie tief muss eigentlich ein deutscher
Außenminister noch sinken, um Israels expansionistische und kolonistische
Ziele zu befriedigen? Aber mich als Deutscher palästinensischer
Abstammung wundert nach 48 Jahren in diesem Land nichts mehr.
Ich als Sozialdemokrat sehne mich nach den Zeiten von Willy Brandt
und Helmut Schmidt zurück, als noch selbstbewusst über deutsche
Außenpolitik in Bezug auf Israel diskutiert und entschieden wurde.
Gerhard Schröder hatte den Ansatz gehabt, in den großen Fußstapfen
zu treten, wo er 1991 als Ministerpräsident von Niedersachschen
ablehnte, auf einer Veranstaltung jüdischer Organisationen in
Hannover bei einer Golf-Kundgebeung zu sprechen, weil in dem Aufruf
eine Friedensordnung für die Region gefordert wurde, die das Volk
der Palästinenser nicht ausdrücklich miteinbeziehe. Als Bundeskanzler
scheinen diese Fußstapfen doch als eine Nummer zu groß zu
sein für den kleinen Fuß. Ebeneso mutig war der Ausspruch des Bundeskanzlers,
dass machman doch zum Holocaust-Denkmal gerne hingehen
sollte, obwohl der Kanzler am Anfang sehr gegen dieses Denkmal war.
Die Deutschen haben diesen Weisen Spruch sich zu Herzen genommen und
gehen gerne dorthin picknicken und springen mit Freunde von Klotz zu
Klotz.
Schmidt hatte sich zu Recht nicht mit den von der Britischen Mandatsmacht
gesuchten "Terroristen" Menachem Begin und Yitzhak Shamir
getroffen. Unter Ihrer Leitung Herr Dr. h. c. Fischer jedoch degenerierte
das Auswärtige Amt zu einer Zweigstelle des israelischen
Propagandaministeriums, wie aus Ihrer offiziellen Homepage zu ersehen
ist, auf der Sie die offizielle Geschichtsversion israelischer
Okkupationspolitik darstellen.
Für eine gesicherte und glorreiche Zukunft darf ich Ihnen meinerseits
alles erdenklich Gute wünschen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Dr. Izzeddin Musa
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