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BRD/Israel: "Das Parlament": 40 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Dr. Izzeddin Musa
Am Bonner Graben 19
53343 Wachtberg

02. Mai 2005

Herrn
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse
Platz der Republik 1

11011 Berlin

Die Wochenzeitung "Das Parlament": 40 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

Sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,
lieber Genosse Wolfgang Thierse,

Jahrestage sind gute Gelegenheiten, wichtiger historischer Ereignisse zu gedenken. So auch der 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel. Vor dem Hintergrund der im deutschen Namen begangenen Untaten eine große historische Leistung der Politiker beider Staaten. Was jedoch in der offiziösen Regierungspostille "Das Parlament" daraus gemacht wurde, entspricht eher einer journalistischen Schmierenkomödie, als seriöser Berichterstattung. Staatsoffizielle Regierungspropaganda war schon immer ein Markenzeichen totalitärer Staaten, was Du doch am besten wißen müsstest.

Die Wochenzeitung "Das Parlament" wird unter Deiner Verantwortung im Namen des Deutschen Bundestages herausgegeben. Alle Artikel befassen sich mit einem Land, das es in dieser Form im Nahen Osten gar nicht gibt. Israel als Okkupations- und Unterdrückungsmacht, geschweige denn die Palästinenser kommen gar nicht vor. Alle Beiträge huldigen einem Mythos, sie nehmen noch nicht einmal die historischen Fakten zur Kenntnis, da diese ja störend wirken und die Israel erzürnen könnten. So nimmt der Journalist Marc Simon die Selbstverständnisdebatte in Israel über jüdischer und demokratischer Staat, die von Azmi Bishara (israelisch-palästinensischer Knessetabgeordneter), oder von den kritischen Historikern und Intellektuellen geführt werden, nicht zur Kenntnis. Sie weisen auf den fundamentalen Widerspruch zwischen westlicher Demokratie und jüdischem Staat hin. Beides schließt sich aus. Israel ist eine "jüdische Demokratie", weil alle Nicht-Juden Bürger zweiter, dritter oder gar vierter Klasse sind und diskriminiert werden, da sie nicht jüdischen Glaubens sind. Simon behauptet allen Ernstes, dass Israel beides sein könne, ein Judenstaat und ein Staat für alle seine Bürger. Gerade darum dreht sich die Debatte. Der Artikel zeigt, das der Autor die aktuelle Debatte gar nicht kennt. Simon referiert aber nur die offiziellen zionistischen Glaubenssätze, die diesen Unfug immer noch behaupten, obwohl längst von den renommierten und international anerkannten "Neuen Historikern" als Lügenpropaganda entlarvt wurden. Die auf Regierungsdokumenten basierende Veröffentlichung von Simcha Flapan, Sekretär der MapamPartei 1954-1981, schon 1987 in seinem Buch: "Die Geburt Israels Mythos und Wirklichkeit", gefolgt von unzähliger Veröffentlichungen israelischer Historiker, Intellektueller und

Journalisten, die alle eine Revision der israelischen Geschichte fordern, all das scheint Marc Simon völlig entgangen zu sein.

Zu Joschka Fischers Beitrag fällt einem kritischen Zeitungsleser nichts mehr ein. Seine verzerrte Israel-Darstellung, seine Kritiklosigkeit und Pro-Israel-Neigung spricht Bände. Er schreibt von einem vierjährigen palästinensischen "Terrorkrieg" gegen Israel. Kein Wort zum Staatsterror Israels, nichts zum Einsatz der ganzen Militärmaschinerie gegen wehrlose Menschen. Kein Wort zum Vandalismus der israelischen Armee gegen alle staatlichen palästinensischen Einrichtungen und gegen das Eigentum. Kein Wort zu den fliegenden Hinrichtungskommandos á la Apache-Kampfhubschrauber. Verantwortungsloser kann sich ein Außenminister nicht äußern.

Besonders delikat ist der Artikel über Frauenreisen der Bundeszentrale für politische Bildung. Geschmacklos ist das Bild, dass bei diesem Thema Michel Friedman eingerahmt von Otto Schily und dem Chef der Bundeszentrale Krüger zeigt. Wie jeder Leser weiß, ist Friedman Experte in Frauenfragen, insbesondere was ukrainische Prostituierte anbelangt. Hat nicht auch der Fischer-Volmer-Erlass die ständigen Zulieferungen für Friedman im "Intercontinental-Hotel" in Berlin gefördert? Ob er auch Auftrageber von Otto Schily und Thomas Krüger ist, muss offen bleiben.

Jeder Bundesbürger hat ein Recht auf Ausgewogenheit seiner Volksvertreter und auf die in ihrem Namen herausgegebenen Schriften des Deutschen Bundestages. Steuergelder zum Zwecke der Propaganda zu vergeuden sind nicht statthaft. Ich fordere, dass auch für die unter der brutalen Unterdrückung der Israelis schmachtenden Landsleute eine Sonderausgabe der Zeitung "Das Parlament" gewidmet wird, damit die Deutschen nachlesen können, welche Völkerrechtsverbrechen Israel begeht. Es wird höchste Zeit, dass der Wahrheit im Falle der Palästinenser in Deutschland zum Durchbruch verholfen wird.

Mit freundlichen Grüßen


Dr. Izzeddin Musa
Am Bonner Graben 19
53343 Wachtberg

02. Mai 2005

Sehr geehrter Herr Präsident,
lieber Genosse Thomas Krüger,

Jahrestage sind gute Gelegenheiten, wichtiger historischer Ereignisse zu gedenken. So auch der 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel. Vor dem Hintergrund der in deutschem Namen begangenen Untaten eine große historische Leistung der Politiker beider Staaten. Was jedoch in Deiner offiziösen Regierungspostille "Aus Politik und Zeitgeschichte" daraus gemacht wurde, entspricht eher einem journalistischen Schmierenstück, als seriöser Berichterstattung. Staatsoffizielle Regierungspropaganda war doch immer ein Markenzeichen totalitärer Staaten; dies solltest Du doch am besten wissen.

Wie die ansonsten renommierte Zeitschrift "Aus Politik und Zeitgeschichte" das Thema "Deutschland und Israel" abhandelt, ist mehr als peinlich. Besonders ärgerlich ist der Beitrag des deutschen Botschafters Rudolf Dressler. Er zitiert nur die Statistiken des israelischen Geheimdienstes Shabak; in der Regel keine seriöse Quelle. Dressler dürfte nach vier Jahren Botschafterdasein wissen, dass es viele israelische Menschrechtsorganisationen, z.B. B'Tselem, gibt, welche die Verbrechen der eigenen Regierung glaubwürdiger dokumentieren. Dressler zählt quasi jede Kugel der Palästinenser, wohingegen er die israelischen Mordaktionen á la Kampfhubschrauber und die unzähligen Verbrechen wie z. B. an Kindern unerwähnt lässt. Für einen deutschen Botschafter ein Armutszeugnis und ein Entlassungsgrund. Er bedient sich eines falschen und propagandistischen Vergleichs mit den Toten Israels hochgerechnet auf die bundesdeutsche Bevölkerung. Der Botschafter weiß, dass dies ein Milchmädchenrechung ist, weil Deutschland kein anderes Volk brutal unterdrückt, knechtet und seiner Lebensgrundlagen beraubt. Dressler rühmt sich auch noch der Tatsache, dass er als deutscher Botschafter Ariel Sharon auf einer Wahlkampfreise begleitet habe. Diese Servilität sieht man nur für Botschafter von Bananenrepubliken vor. Dies hat die Bundesrepublik aber nicht nötig. Sie wird von der israelischen Regierung schon zur Genüge erpresst, wie die U-Boot-Lieferungen zeigen, die mit Atomraketen und Marschflugkörpern ausgerüstet worden sind. Die Forderung Dresslers, dass das Existenzrecht Israels zum nationalen Interesse Deutschlands gehören solle, ist nicht nur eine Dummheit, sondern nimmt auch nicht zur Kenntnis, dass eine solche Aussage alle Verbrechen, welche die diversen israelischen Regierungen gegenüber den Palästinensern begangen haben, von den Deutschen mitgetragen und gerechtfertigt werden müssten. Wer solches fordert, ist absolut irrelevant und sollte in den sofortigen Ruhestand versetzt werden.

Dresslers Einfältigkeit ist kaum noch zu überbieten: Kein Wort zum Einsatz der gesamten Militärmaschinerie gegen wehrlose Menschen. Kein Wort zum Vandalismus der Soldaten. Kein Wort zur Tötung von über 400 Kindern im Alter von 0-13 Jahren. Fast alle wurden durch Schüsse von der Hüfte aufwärts getötet. Kein Wort zu den moralisch verwerflichen Häuserzerstörungen und Plantagenrodungen. Israelische Journalisten schreiben unbefangen darüber.

Der Botschafter rühmt sich auch noch damit, dass er Sharon gebeten hat, ihn auf einer Wahlkampfreise begleiten zu dürfen. Dass sich Sharon darüber überrascht zeigte, verwundert mich nicht. Auf eine solche Schnapsidee kann auch nur ein Deutscher kommen. Keinem anderen Botschafter wäre dies eingefallen. Der Abgeordnete Dressler war auch schon einmal mutiger:

Kurz nach seiner Ernennung hat er die Völkerrechtsverstöße Israels zu Recht noch vollmundig kritisiert. Gelassen hatte damals die israelische Regierung darauf reagiert, in dem sie erklärte, Dressler solle erst einmal nach Israel kommen. Wie man in diesem Artikel sehen kann, wurde er einer gehörigen Gehirnwäsche unterzogen. Vielleicht sollte er sich nach seiner Pensionierung einem der zahlreichen israelischen Lobbyorganisationen in Berlin als Repräsentant andienen. Dieser Botschafter ist eine Schande für unser Land.

Die anderen Beiträge in Deiner Zeitschrift sind ebenfalls indiskutabel; sie können unter der Rubik deutsch-israelische Schönfärberei und Desinformation abgebucht werden. Warum bringt die Bundeszentrale nicht eine Publikation über die Leiden der Palästinenser heraus, wo doch die Deutschen die Verantwortung für die Leiden der Palästinenser tragen? Mein Volk ist die Opfer der Opfer. So weit mir bekannt ist, hat Deine Institution einen Bildungs- und keinen Propagandaauftrag.

Mit freundlichen Grüßen

Kopie an den deutschen Botschafter in Israel,
Genosse Rudolph Dressler,
obwohl ich das Wort Genosse nicht mehr in den
Mund nehmen möchte, u.a.

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