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Zionismus und Rassismus
I. Die Rassenideologie des Zionismus
Die grundlegende Behauptung des Zionismus ist die Existenz einer Rasse,
einer auserwählten Rasse, die nicht von anderen Rassen assimiliert worden
sei und es auch nicht werden soll, und die ihr geschichtliches
Schicksal nur durch die Durchsetzug ihres einzigartigen Volkstums und
die Errichtung ihrer besondern Eigenstaatlichkeit in Palästina erfüllen
könne. Dies ist ein viel mehr einschliessender Anspruch als die einfache
menschliche Forderung einer Zufluchtstätte für die Opfer judenfeindlicher
Verfolgung.
Der Glaube an eine jüdische Rasse, genauso wie der Glaube an eine
deutsche Rasse, ist ein Mythos, jedoch hat der Zionismus sein Möglichstes
getan, diesen Mythos unter den Juden der Welt zu verbreiten.
Weizmann berichtet, dass die Balfour-Deklaration in ihrem Originaltext
von einer nationalen Heimstätte in Palästina für die «jüdische Rasse»
gesprochen habe. Brandeis, der verstorbene amerikanische Rechtsgelehrte
und ehemalige Zionistenführer, forderte die Ersetzung des Ausdrucks
"jüdische Rasse" (1) durch «jüdisches Volk». Brandeis wurde später von
Weizmann wegen seinen wirtschaftlichen und philanthropischen Auffassungen
des Zionismus kritisiert. (2)
In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg hatte dieser Glaube an jüdischrassisches
Anderssein stärkere Verfechter unter ost- als unter westeurop
äischen Judenführern. Die frühesten Gründer des Zionismus kamen
aus Osteuropa. Während die Judenführer in Westeuropa die Assimilierung
der Juden in den modernen Nationen ihrer respektiven Länder befürworteten,
riefen die osteuropäischen Juden nach einer Behauptung des jüdischen
Nationalismus. Ihre Betonung lag auf jüdischer Exklusivität,
und der Einfluss europäischer Rassenlehren führte sie zu einer gefühlsbedingten,
intellektuellen und religiösen Gleichsetzung von «Nationalismus
» mit «Rassismus».
Das jüdische Exklusivitätsgefühl ist so alt wie das alte Testament. Es
hat auch seinen religiösen Ursprung. Charles Mc Ilwain bemerkte in
'The Growth of Political Thought in the West':
"Das erste Gebot des Dekalogs, 'Du sollst keine fremden Götter neben
mir haben'.. machte die Religion der Juden und Christen zu einer exklusiven
Religion.. Aber es gab einen wesentlichen Unterschied, der
schliesslich zwischen Juden und Christen hervortrat... Wie Gibbon sagt,
'Die Juden waren eine Nation; die Christen waren eine Sekte'. Die
Exklusivität der Juden veranlasste sie, andere Völker und ihren Glauben
zu verachten und sich von ihnen zurückzuziehen; die Exklusivität des
christlichen Glaubens, nicht mehr an irgendeine Rasse oder Nation gebunden,
nötigte sie, Proselyten unter anderen Religionen zu machen.
Der jüdische Glauben war exklusiv, die christliche Religion war exklusiv
sowie militant." (3)
Vom Antisemisismus verbittert, suchten die osteuropäischen Zionistenf
ührer eine moderne Wiederbelebung dieses altjüdischen Exklusivitätsgef
übls. Sie nahmen Anstoss an der Assimilierung und widerstanden ihr
so inbrünstig, wie sie den Antisemitismus fürchteten und bekämpften.
Sie verlangten die Wiederbelebung der jüdischen Nation, nicht die Verteidigung
der Rechte einzelner Juden. «Es hat nie eine organisierte
zionistische Kampfesbemühung um Gleichberechtigung für Juden in jeder
Nation gegeben,» schreibt ein amerikanischer Rabbiner. Er fährt fort:
«Es ist wesentlich für den Zionismus, dass die Juden niemals und fortw
ährend solche Rechte geniessen können. Die zionistische Antwort bleibt
immer, überall bevorzugte, nationale Rechte für alle Juden in ihrem
«Heimatland». Das war vor vielen Jahren deutlich in der klassischen und
massgebendsten Darlegung der zionistischen Philosophie.» (4)
Die zionistische Philosophie hat lieber die Rechte einer auserwählten
Rasse betont, einer exklusiven Nation, als die Rechte einzelner
Menschen. Die Zionisten sprachen von der Rasse, während liberale Juden
und Assimilationsverfechter vom Menschen sprachen. Moses Hess war der
erste moderne jüdische Denker, der die alten und neuen Strömungen des
«jüdischen Nationalismus» in eine neue Rassenphilosophie eingliederte.
Er erläuterte diese Philosophie in seinem Buch 'Rome and Jerusalem,'
herausgegeben 1862. Er schrieb:
"... es war nur ein Volk, das Volk Israel, das dank seiner besonderen
Begabung das Wirken des göttlichen Planes in der Geschichte der
Menschheit sowie in den organischen Lebensbereichen wahrnahm... Das
jüdische Volk wird an der grossen historischen Bewegung der heutigen
Menschheit nur teilnehmen, wenn es sein eigenes Vaterland hat." (5)
Hess glaubte, das «jüdische Volk» habe überlebt, weil es seinen
«Rasseninstinkt» bewahrt habe. Er schrieb:
"Gestärkt durch seinen Rasseninstinkt und seine kulturelle und
historische Mission, die gesamte Menschheit im Namen des Ewigen
Schöpfers zu vereinigen, hat dieses Volk seine Nationalität in
der Form seiner Religion bewahrt und beide untrennbar mit den
Erinnerungen an das Land seiner Vorfahren verbunden." (6)
In seinem Buch 'Auto-Emancipation', herausgegeben 1892, sprach Leo
Pinsker über die «unvermischte Abstammung» aller Juden, Nach Pinsker
haben die Juden «eine gemeinsame unvermischte Abstammung, eine unzerst
örbare Lebenskraft...» (7)
Ahad Ha'am gab diesem neuen Rassendünkel einen geistigen Ausblick.
Er verwandelte die religiöse Idee eines «auserwählten Volkes» in die
moderne Idee einer jüdischen "Uebernation":
«Die Nation Israel als Uebernation - die moderne Fassung des
auserwählten Volkes - kann auf diese Art in ein wahres System
erweitert werden.»
Dieses System borgt von Nietzsche die Idee des Uebermenschen zur
Anwendung auf eine «jüdische Nation» auf der Suche nach
«irgendeiner festen Ruhestätte... um noch
einmal Gelegenheit zu haben, ihren Geist zu
entwickeln.. und ihre Mission als Uebernation
zu erfüllen.» (8)
Diese Begriffe fanden ihren beredsamsten Ausdruck in dem berühmten
Werk von Theodor Herzl, 'Der Judenstaat'. Herzl ist der Vater des
zeitgenössischen Zionismus. 1897 organisierte er den ersten Zionistenkongress
in Basel. Sein Buch gründet sich auf die Idee, dass die Juden
in ihren Heimatländern weder assimiliert werden könnten noch sollten.
Der Jude dürfte nicht seine andersartige Herkunft vergessen. Wenn immer
ihm Assimilierung angeboten werde, auch unter den besten Bedingungen,
müsse er sie ablehnen. Die Juden seien ein Volk und eine besondere
Rasse geblieben, weil die Ehegesetze die Rassenverschmelzung eher verhindert
als gefördert hätten. Sie sollten an diesen Unterschieden, die
sie von anderen trennen, festhalten. Ihre «Volkspersönlichkeit... kann,
will und muss aber nicht untergehen... Deshalb gibt es zur Judenfrage
nur eine Lösung, eine Antwort: den Judenstaat.» (9)
In der Fassung einer neuen Ideologie scheinen sich die intellektuellen
und politischen Väter des Zionismus in ihren Voraussetzungen mit den
«Antisemiten», den Judenfeinden, geeinigt zu haben. Der Zionismus, der
vorgibt, die Antwort auf den "Judenhass" zu sein, wird von diesen
Voraussetzungen geleitet und hat einen weltweiten Feldzug organisiert
für die rassische und nationalistische Indoktrinierung des "jüdischen
Volkes."
Dieses ironische Gesinnungszusammentreffen zwischen den Zionisten
und den Antisemiten wird von dem jüdischen Schriftsteller Alfred M.
Lilienthal zitiert:
«Es ist sonderbar, dass die falsche Zwangsvorstellung
eines gefällten Feindes die Philosophie der überlebenden
Gruppe beherrschen sollte. Es war Hitler, der, indem er
Land um Land den Nazismus auferlegte, sagte: «Du bist
kein Deutscher - du bist ein Jude. Du bist kein Tscheche -
du bist ein Jude. Du bist kein Pole - du bist ein Jude.»
Und Nazigesetze bestimmten, wieviele Generationen zurück
ein Tröpfchen besonderen Blutes die zukünftige Rassen-
angehörigkeit festlegen würde... Für den Nazismus gehörte
jeder Deutsche dieser besonderen und auserwählten arischen
Rasse an. Es gibt keinen verantwortungsvollen Anthropologen,
der nicht beipflichten wird, dass der jüdische Rassendünkel
genausoviel Unsinn ist wie der arische Rassendünkel. (10)
Der Begriff einer "auserwählten Rasse" im Zionismus unterscheidet sich
vom Begriff einer "auserwählten Rasse" im Nazismus nur durch die
Identität dieser Rasse - die Zionisten sprechen von einer «jüdischen
Rasse» und die Nazis von einer «arischen Rasse». Rassenbewusstsein
führte die beiden Ideologien zu dem Glauben an eine Ueberrasse oder
Uebernation, die von einem besonderen historischen Schicksal begünstigt
und dazu berufen ist, eine einzigartige kulturelle Mission zu erfüllen.
Die Zwietracht zwischen Judaismus und Antisemitismus und der Todeskampf
zwischen Zionismus und Nazismus sollte solche Aehnlichkeiten undenkbar
gemacht haben. Aber der Antisemitismus, der Zionismus und der Nazismus
sind verschiedene Erscheinungen eines Rassenwahns und eines Nationalismus,
die in demselben Gebiet und demselben Geistesklima aufgewachsen
sind.
Für den Historiker ist es kein Zufall, dass ein jüdischer Zionismus des
19. Jahrhunderts und ein deutscher Neoantisemitismus im 20. Jahrhundert
aufeinanderfolgend im selben geographischen Gebiet der westlichen Welt
entstanden sind, nämlich in den deutschsprachigen Gebieten des österreichischen
Reiches. Toynbee schreibt:
«... Dieses österreichische Gebiet lag weit genug westlich,
damit seine jüdischen Bewohner der Ansteckung durch gängige
westliche Ideologien ausgesetzt waren - einschliesslich
Nationalismus sowie Liberalismus... und weit genug östlich
für die nicht jüdischen Bewohner, um nicht weniger der An-
steckung durch die vorliberalen westlichen Ideologien, die
sich noch unter den rückständigen nicht jüdischen Be-
völkerungen behaupteten, ausgesetzt zu sein... Und die
Idee, dass die Westjuden für sich selbst durch die Annahme
des westlichen Nationalismus einen Zufluchtsort gewinnen
könnten, den, wie sich herausstellen würde, sie sich nicht
durch Bekehrung zum westlichen Liberalismus sichern könnten,
würde sich natürlich der Vorstellung der österreichischen
Juden darbieten, deren Status aus der individuellen Emanzi-
pierung des 19. Jahrhunderts durch die gleichzeitigen An-
stürme eines modernen nichtjüdischen Nationalismus aus
Westeuropa und eines mittelalterlichen christlichen Anti-
semitismus "vom Pol" aus bedroht war.» (11)
Judenfeinde und Zionisten schöpften mehr aus den irrationalen Quellen
des modernen Nationalismus, als aus den rationalen. Sie bezweifelten
beide die Möglichkeit der Assimilierung für die Juden sogar in den
liberalen westlichen Gesellschaften.
Herzl meinte, der Antisemitismus überlebe als "eine Folge der Judenemanzipation".
Er könne nie verschwinden und «wer eine Besserung der
Zustände auf die (herbeizuführende) Güte aller Menschen gründen
wollte, der schriebe allerdings eine Utopie.» (12) Gleichermassen
glaubt der Antisemit, dass die jüdische Exklusivität sich nicht wandeln
würde, mit oder ohne Emanzipierung. Der Zionist behauptet, dass die
Vorurteile der Nichtjuden nie verschwinden würden. Ihr gemeinsamer
Boden ist ein tiefes Misstrauen in die menschliche Natur und die
menschliche Vernunft.
Trotz ihrer gegenseitigen antagonistischen Ziele wurden Antisemiten
und Zionisten von diesem gemeinsamen Misstrauen in die menschliche
Natur zu demselben Schluss geführt: Der Jude könne niemals unter den
Nichtjuden akzeptiert werden; deshalb sollte er ein eigenes abgesondertes
Gebiet haben. Das war der von Herzl, dem Hauptsprecher des
Zionismus, im Judenstaat erreichte Schluss. Es war auch der von Rosenberg,
dem Hauptsprecher des Antisemitismus und des Nazismus, erreichte
Schluss.
II. Arabische Reaktianen auf zionistische Rassenpolitik
Der israelische Premier, Herr Levi Eschkol, erklärte im März 1965 in
London, dass es Israels Ziel sei, ein Land von vier bis fünf Millionen
Menschen zu werden. In derselben Erklärung bestätigte Herr Eschkol
nochmals Israels Entschlossenheit, die Tore des israelisch besetzten
Palästinas den Palästinaarabern, die jetzt Flüchtlinge in den benachbarten
Ländern sind, zu verschliessen. Es scheint nach dieser
Erklärung - die nur eine der neuesten vieler ähnlicher von israelischen
Beamten gemachten Erklärungen ist - dass Israel, das jetzt eine Bev
ölkerung von über 2 Millionen hat, von seinen Führern für fähig gehalten
wird, noch zwei oder drei Millionen jüdische Einwanderer aufzunehmen.
Aber Israel wird von seinen Führern nicht für fähig gehalten,
den Palästinaarabern die Rückkehr in ihre eigene Heimat zu gestatten.
Die von Herrn Eschkol gegebene Ursache für diese Weigerung ist, dass
"die Palästinenser nur als Feinde zurückkehren würden." (13)
Chaim Weizmann, der erste Präsident Israels und einer der Gründer der
zionistischen Weltbewegung, schrieb in seiner Autobiographie: «Ich bin
sicher, dass die Welt den Judenstaat nach dem beurteilen wird, was er
mit den Arabern tun wird...« (14) Israel hat dem arabischen Volk Pal
ästinas das Recht auf Repatriierung in seine eigene Heimat verweigert.
Seit 1948, dem Jahre der Ausrufung Israels als Staat, ist dieses Recht
von der Vollversammlung der Vereinten Nationen in nicht weniger als
sechzehn formellen Beschlüssen wiederholt bestätigt worden.
Diese Verweigerung eines wesentlichen Menschenrechtes ist symbolisch
für die allgemeine israelische Haltung gegenüber den Arabern. In Pal
ästina, wie im Rest des Mittleren Ostens und in Nordafrika, lebten
Juden und Araber über zweitausend Jahre lang in Frieden und Freundschaft.
Die zionistische Bewegung, die in Europa im 19. Jahrhundert
begann und die in der gewaltsamen Schaffung des Staates Israel kulminierte,
hat diese Freundschaft in Feindseligkeit und Hass verwandelt.
Diese jüdisch-arabische Feindseligkeit ist eine Neuerscheinung in der
Geschichte des Gebietes. Während der israelische Premier und Israelis
und Zionisten im allgemeinen die Araber als Feinde betrachten, haben
die Araber (Palästinenser sowie Nichtpalästinenser) die Juden als
Mitglieder der grossen Gemeinde der «Besitzer der Schrift», d.h. der
monotheistischen Gemeinde, die Juden, Christen und Muslims einschliesst,
betrachtet.
Der Zionismus war der Anstifter dieser neuen jüdisch-arabischen Feindseligkeit
und der Förderer der Zwietracht zwischen Juden und Arabern.
Der amerikanische Gelehrte, Dr. Millar Burrows, Professor für biblische
Theologie an der Yale Universität, schrieb in seinem Buch 'Palestine is
our Business', die jüdisch-arabische Feindseligkeit sei eine verhältnism
ässig neue Sache, aber jetzt so tief und bitter, dass sie nicht in
Generationen, wenn überhaupt, beseitigt werden kann." Sie sei «in der
Furcht verwurzelt, die von der Fremdartigkeit, der offensichtlichen
Geschicklichkeit und vor allem der Aggressivität der zionistischen
Kolonisten verursacht wird.» (15) Der Gegensatz zwischen dem Stand der
jüdisch-arabischen Beziehungen in der Vergangenheit und in der Gegenwart
ist auffallend. In der Vergangenheit, sagt Prof. Burrows, haben
die Araber «in Vergleich zu westlichen Nationen... verhältnismässig
wenig Feindseligkeit gegen die Juden als solche gezeigt. Maimonides,
von den Juden in aller Welt als zweiter Moses verehrt, war der Leibarzt
des Sohnes Saladins, König Richards grossem Widersacher.» (16)
Dieselbe Anschauung in Bezug auf die jüdisch-arabischen Beziehungen
vor dem Aufstieg des Zionismus wird von jüdischen Gelehrten geteilt.
Die jüdischen Historiker des 19. Jahrhunderts waren tief verbittert
von dem Kontrast zwischen den aufgeklärten Ideen dieses Jahrhunderts
und der Verweigerung der Bürgerrechte für Juden in vielen europäischen
Ländern. Ceraetz, Verfasser einer zehnbändigen klassischen Geschichte
der Juden, «hob sehr emphatisch hervor, dass die rechtliche und tats
ächliche Situation der Juden im Mittelalter in den muselmanisch-arabischen
Ländern viel besser als im christlichen Europa war, und dass
das ,Goldene Zeitalter' des Judaismus im muselmanischen Spanien eine
Phrase geworden ist, die sogar in die populärsten Erzählungen jüdischer
Geschichte hineingefunden hat.» (17) Allen H. Godbey, Professor für
das Alte Testament an der Duke Universität, behauptet unter Hinweis
auf die Anwesenheit einer Million sephardischer Juden im arabischen
Spanien: «Die sephardische Ueberlegenheit war das Ergebnis einer Freiheit,
die das christliche Europa den Juden nicht gewährte.» (18)
Die Meinungen dieser Gelehrten werden von der Encyclopaedia Britannica
unterstützt, die in ihrem Artikel über die «Juden» schreibt:
"Im 7. Jahrhundert gab es eine simultane Welle der
erzwungenen Bekehrung der Juden in ganz Europa von
Konstantinopel bis Toledo, die ihren Höhepunkt unter
den Westgoten in Spanien erreichte, wo die Ausübung
des Judaismus proskribiert wurde. Es war die arabische
Invasion, die Rettung brachte. Die alten Gemeinden in
Nordafrika, besonders in Kairo und Kairouan, die unter
der byzantinischen Intoleranz geschwunden waren, er-
wachten wieder zu neuem Leben. In Spanien kam eine be-
merkenswerte Wiederbelebung. Die Juden kannten keine
Einschränkungen."
Der Aufstieg des modernen Zionismus war der historische Wendepunkt in
den jüdisch-arabischen Beziehungen. Die Hauptursache dieses Wandels war
das Ziel, das der Zionismus sich selbst gesetzt hatte: die Schaffung
eines jüdischen Nationalstaates in einem arabischen Land - Palästina.
Als der Zionismus dieses Ziel auf seinem ersten Kongress (zu Basel
1897) formulierte, war Palästina eine von christlichen und muselmanischen
Arabern bevölkerte osmanische Provinz. Als am 2. November 1917
während des ersten Weltkrieges Grossbritannien die Balfour-Deklaration
herausgab, die den Zionisten eine nationale Heimstätte in Palästina versprach,
verfügten die Briten daher über ein Land, das weder ihnen noch
den Zionisten gehörte.
Der jüdische Schriftsteller Arthur Koestler beschreibt die BalfourDeklaration
als:
«...eines der ungewöhnlichsten politischen Dokumente
aller Zeiten. In diesem Dokument verspricht eine Nation ...
einer zweiten Nation ein Land, das einer dritten Nation ge-
hört.. Die Araber waren in Palästina unter osmanischer
Herrschaft. Aber sie hatten jahrhundertelang darin gelebt.
Zweifelsohne war Palästina ihr Heimatland.» (19)
Wir finden von Anfang an, dass der Zionismus auf die Umwandlung dieses
palästinisch-arabischen Heimatlandes in ein israelisches Heimatland
zielte. In einer Ansprache an die Friedenskonferenz in Paris im Februar
1919 erklärte Weizmann, das Ziel des Zionismus sei, dass Palästina "...
schliesslich so jüdisch werde wie England englisch ist." (20) Dieses
Ziel konnte nicht ohne die Enteignung des arabischen Volkes von Pal
ästina erreicht werden. Weizmanns Kollegen, die Mitglieder der zionistischen
Delegation zur Friedenskonferenz, waren sich dessen bewusst.
Alle waren «äusserst verlegen», als einer von ihnen, das französische
Mitglied der Delegation, Sylvain Lévi, das zugab. Er hatte den Mut,
die Friedenskonferenz zu warnen, dass:
«Palästina ein kleines und armes Land sei, dass es
schon eine Bevölkerung von 600.000 Arabern habe,
dass die Juden dazu neigen würden, diese zu ent-
eignen..» (21)
Also gab Lévi der Konferenz eine prophetische Definierung des aggressiven
Wesens des Zionismus und sagte die tragische Geschichte Pal
ästinas voraus. Er sah vom Anfang an, dass die Verwirklichung der
zionistischen Bestrebungen in Palästina notwendigerweise zur totalen
Invasion eines fremden Volkes in das Land eines anderen Volkes führen
würde. Während dieser Invasion, die in der Ausrufung des Staates Israel
1948 ihren Höhepunkt erreichte, «sind die Zionisten geneigt gewesen,
fast jedes Mittel zur Erfüllung ihres Zweckes anzuwenden.»
(22)
1917 als die Briten Palästina besetzten und die Erfüllung der
Balfour-Deklaration begann, zählte die Bevölkerung des Landes
ungefähr 700.000, davon nur 56.000 Juden; der Rest waren muselmanische
oder christliche Araber. Die Juden besassen damals nur
zweieinhalb Prozent des Landes oder 6,576 Quadratkilometer von
einer Gesamtfläche von 26.631,2 Quadratkilometern. Im Mai 1948,
als Israel als Staat ausgerufen wurde, besassen die Juden 5,67
Prozent der Gesamtfläche Palästinas. Heute befindet sich die
grosse Mehrheit der muselmanischen und christlichen Palästinaaraber
als Flüchtlinge ausserhalb Palästinas. Etwa zwei Millionen
jüdische Einwanderer haben ihren Boden und ihre Wohnstätten besetzt.
Die zionistische Invasion des Heiligen Landes fand im zwanzigsten
Jahrhundert statt, das sonstwo das Ende der kolonialen Eroberungen
asiatischer und afrikanischer Länder erfahren hat.
Dieses aggressive Wesen der zionistischen Ideologie ist der Hauptgrund
für die israelisch-arabische Feindseligkeit. «Erst als die jüdischen
Untergrundmächte den arabischen Widerstand in Palästina zu beseitigen
begannen.., erkannten die Araber, welcher Dreistheit, Geschicktheit und
Grausamkeit sie gegenüber standen.» (23) Um die Palästinaaraber zu enteignen,
wurden alle Mittel gebilligt - von der illegalen Einwanderung
bis zur Enteignung, zu ausgedehnten Massakern und zu einzelnen Meuchelmorden.
Die britischen Behörden spielten alle ihre jeweiligen Rollen,
das arabische Volk Palästinas zu einem Massenexodus zu zwingen. Dieser
palästinische Exodus kam als das logische Ergebnis zionistischer Entschlossenheit,
Palästina zu erobern. Die von den Israelis 1948 begangenen
Greueltaten waren nur eine Episode in dem systematischen zionistischen
Programm, das auf die Enteignung der Palästinaaraber zielte.
In Toynbees berühmten Worten, «dieses Unheil, das die palästinensischen
Araber 1948 n. C. überfiel, kommt auf die Häupter der zionistischen
Juden, die sich eines Lebensraums in Palästina durch Waffengewalt bem
ächtigten.» (24)
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