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FARIS YAHYA : DIE ZIONISTEN UND NAZI-DEUTSCHLAND 2/2


VI DIE ZIONISTISCHE POLITIK ZU DER MASSEN-VERNICHTUNG

Die Berichte jüdischer Historiker von dem Schicksal der osteurop äischen Juden unter Nazibesatzung enthalten eine zweiseitige Geschichte des Heroismus des Widerstands und der Schande der Kollaboration. Welche Rolle spielte die zionistische Bewegung genau als Bewegung in diesem ganzen Geschehen? Handelten die zahlreichen zionistischen Führer, die auf verschiedene Weise mit dem Nazismus kollaborierten, als Individuen, oder vertraten sie zionistische Politik? Mit anderen Worten: wer war typisch für die zionistische Bewegung, Anielewicz oder Gens?

Als der Vorstoß der deutschen Wehrmacht in die Sowjetunion den Großteil der osteuropäischen Juden unter die eiserne Kontrolle der Nazis brachte, reagierte der individuelle Zionist, der in dieser Falle gefangen war, auf unterschiedliche Weise. Einige realisierten, daß Nazideutschland entschlossen war, Europa "judenrein" zu machen, und glaubten deshalb, daß für jeden Juden das Risiko der Ausrottung bestand, der nicht geflohen war oder von den Zionisten unter den Abkommen von 1938 aus Europa entfernt worden war. Diese Individuen vereinigten sich, wie Anieliwicz, mit Nichtzionisten im Widerstand. Andere, vor allem solche wie Gancwajch und Gens, die Führer der zionistischen Bewegung gewesen waren, hofften weiterhin, daß sie sich selbst und ihre auserwählten Anhänger durch Absprachen mit den Nazis auf Kosten ihrer Mitjuden retten könnten.

In den höheren Rängen der zionistischen Bewegung jedoch, vor allem in der Jewish Agency, deren Führer den Krieg in sicheren Häfen überwinterten, um die künftige israelische Regierung zu bilden, gab es keine geteilten Ansichten. Von diesen Führern kam kein Aufruf zum Aufstand gegen den Nazismus, und es gibt auch keinen Bericht, daß sie irgendeinen Versuch machten, beispielsweise Waffen zu den Ghettokämpfern zu schmuggeln, die diese so dringend benötigten.

Die zionistische Bewegung entfaltete einige begrenzte militärische Aktivitäten im Zweiten Weltkrieg, die jedoch im wesentlichen mehr dazu bestimmt waren, das Ziel zionistischer Staatengründung zu fördern als den Nazismus als solchen zu bekämpfen oder unterdrückte Juden beim Widerstand zu unterstützen. So formten die Zionisten eine "Jüdische Brigade" in der britischen Armee, deren wirkliches Ziel es war, der Fiktion Glaubwürdigkeit zu verleihen, daß die Juden eine nationale Einheit bilden, und um militärisches Training und Erfahrung für die zukünftige israelische Armee zu gewinnen.

Dem jüdischen Historiker Joseph Tannenbaum zufolge richtete "Liahu Golom - der Führer der Haganah - eine Petition an die britische Armee, den jüdischen Freiwilligen Flugzeuge und Munition für Flucht, Kampf und Rettung zur Verfügung zu stellen. Bis Anfang 1944 erhielten sie nichts." Es ist nicht klar, warum die Briten sich nicht an einem solchen Projekt beteiligt hätten, wenn es ernsthaft darauf abgestellt gewesen wäre, die alliierten Kriegsanstrengungen zu unterstützen und wenn sie die entsprechenden Ressourcen gehabt hätten, oder warum die Zionisten eine solche Anfrage nicht an die USA richteten, die alliierte Macht mit den größten Ressourcen, wo die zionistische Bewegung auch am meisten politischen Einfluß hatte. Schließlich, als der Krieg sich seinem Ende näherte, setzten die Zionisten insgesamt 31 Fallschirmspringer in von Nazis besetzten Gebieten ab, doch ihre Aufgabe war die Organisation weiterer Auswanderungen nach Palästina anstatt des Widerstandes gegen den Nazismus. [67]

Der Vorwurf, daß die britische Regierung angebliche zionistische Bitten mißachtete, jüdischen Opfern des Nazismus zu helfen, wurde von Rabbi Dr. Solomon widerlegt, der als Vorsitzender eines Rettungskomitees arbeitete, das von dem Oberrabbiner in Großbritannien eingerichtet wurde. Rabbi Schonfeld zufolge "sprach meine Erfahrung in den Jahren 1942-43 für die Bereitschaft der Briten zu helfen, offen, konstruktiv und umfassend, und daß diese Bereitschaft auf Widerstand bei den zionistischen Führern stieß, die darauf bestanden, daß die einzig akzeptable Form der Hilfe die Rettung nach Palästina sei." Rabbi Schonfeld erinnerte daran, daß 277 britische Parlamentsabgeordnete einen Antrag unterzeichneten, der die Regierung aufforderte, in Gebieten britischer Oberhoheit Asyl für die Opfer der Naziverfolgung bereitzustellen, und "die Regierung ihrer Majestät stellt in der Tat einige hundert Einwanderungsgenehmigungen für Mauritius und andere Gebiete aus tats ächlich zugunsten jeder bedrohten jüdischen Familie, die wir nannten." Dann, "während der parlamentarischen Versammlung vom 27. Januar 1943, als die nächsten Schritte von über 100 Lords und Abgeordneten energisch vorangetrieben wurden, kündigte ein Sprecher der Zionisten an, daß die Juden diesen Antrag ablehnen würden, da er Palästina nicht erwähne. Einige Stimmen erhoben sich zugunsten der Ansicht der Zionisten, es gab eine lebhafte Debatte, und danach war der Antrag gefallen. Sogar seine Befürworter waren verzweifelt: wenn sich die Juden untereinander nicht einigen können, wie können wir helfen?" [68]

Im Juli 1944 schlug der slowakische jüdische Führer Rabbi Dov Michael Weissmandel in einem Brief an zionistische Funktionäre, die für "Rettungs"organisationen zuständig waren, eine Reihe von Maßnahmen vor, die das Leben von Tausenden von Juden retten konnten, die von der Liquidierung in Ausschwitz bedroht waren. Seine Vorschläge waren:

"1) Mithilfe einer genauen Eisenbahnkarte die Gleise zu

     bombardieren, auf denen ungarische Juden in die Krematorien
     transportiert werden;

2) die Öfen in Ausschwitz zu bombardieren;

3) mit Fallschirmen Munition an die 80 000 Gefangenen in

Auschwitz zu bringen;

4) mit Fallschirmen Saboteure abzusetzen, die alle

     Vernichtungseinrichtungen in die Luft jagen würden,
     und damit eine Unterbrechung in der täglichen
     Verbrennung von 13.000 Juden zu bewirken;

5) bei einer Ablehnung durch die Alliierten Flugzeuge

     zu besorgen und jüdische Freiwillige zu rekrutieren,
     die die Sabotage durchführen würden.

Diesem Brief fügte er die schmerzliche Frage hinzu:

'Warum ist das bisher nicht geschehen? Warum geschieht es nicht jetzt? Wer ist schuld an dieser schrecklichen Nachlässigkeit? Seid Ihr nicht schuldig, jüdische Brüder: Ihr, die Ihr das größte Glück in der Weltfreiheit habt?'"

Es ist zweifelhaft, ob die Zionisten jemals einen ernsthaften Vorstoß bei den Alliierten unternahmen, den verfolgten Juden unter Nazibesatzung zu helfen. "Während des Kastner-Prozesses wurde immer wieder die Frage gestellt, warum die Leiter der Jewish Agency sich mit dieser Forderung (die Vernichtungsanlagen von Ausschwitz zu bombardieren) nicht an die Alliierten wandten. Es war keine Antwort von ihnen zu bekommen. Ben Gurion und Sharett vermieden es sogar, vor Gericht zu erscheinen, um das Fehlen jeder bedeutenden Aktion zu erklären. Erst vier Jahre später im Fall gegen Eichmann legte die Jewish Agency, die weitere peinliche Schwierigkeiten antizipierte, dem Gericht aus eigener Initiative Dokumente vor, die bewiesen, daß Anträge zur Bombardierung von Ausschwitz an die britische Regierung gestellt worden waren. Welch ein Wunder! So viele Jahre war von diesen Dokumenten nichts bekannt und plötzlich wurden sie in den Archiven der Jewish Agency entdeckt!

Doch auch jetzt verzichteten Ben Gurion und Sharett darauf, mündliche Erklärungen vor Gericht abzugeben, und der Staatsanwalt drehte und wendete sich mit erstaunlicher Virtuosität, damit er sie nicht brauchte." [69]

Es ist legitim, obwohl wenige es zu tun gewagt haben, zu fragen, warum die zionistische Bewegung nichts tat, um die heldenmütigen Ghettoaufstände und die verzweifelten Versuche, selbst in den Konzentrationslagern Widerstand zu organisieren, zu unterstützen, und warum sie überhaupt wenig für die Juden in Europa tat, mit der Ausnahme, daß sie Emigrationsmöglichkeiten für ihre eigenen Mitglieder organisierte. Wußte die zionistische Führung nicht, daß die osteuropäischen Juden ausgerottet wurden?

Dem bekannten zionistischen Autor Michael Elkin zufolge konnte ein Opfer namens Moshe Podhlebnik wunderbarerweise dem Tod entkommen und aus Chelmo, dem ersten Ausrottungslager mit Gaskammern, fliehen; er konnte der Außenwelt über das, was passierte, bereits im Dezember 1941 Nachricht geben. "Anfang August 1942 erstattete ein Agent des Jüdischen Weltkongresses in der Schweiz namens Gerhard Riegner einen Bericht an die amerikanische Gesandtschaft in Bern", die auf den Aussagen Podlebhniks und anderer beruhte. Die Gesandtschaft berichtete am 17. August dem amerikanischen Außenministerium, daß es einen Plan für alle Juden unter Naziherrschaft gab, "auf einen Schlag ausgerottet zu werden." [70] So wußte die zionistische Bewegung außerhalb der von Nazis besetzten Gebiete spätestens zu diesem Zeitpunkt Bescheid.

Fehlten der zionistischen Bewegung die Mittel, den bedrängten Juden zu helfen? Das ist kaum zu glauben. Der Zionismus war damals die einzige jüdische Bewegung, die auf einer weltweiten Basis organisiert war, mit finanziellen Ressourcen und einflußreichen Kontakten mit Machthabern in der ganzen westlichen Welt. Es sollte nicht vergessen werden, daß 1942 das Jahr des Biltmore-Programms war, das die Etablierung eines entscheidenden zionistischen Einflusses auf die Politik der Vereinigten Staaten markierte. Natürlich war der Zionismus nicht zu schwach, den unterdrückten europäischen Juden zu helfen, besonders wenn wir uns daran erinnern, daß sofort nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges "von der Haganah, der jüdischen Untergrundarmee in Palästina, einhundert Agenten nach Europa eingeschleust wurden", um die überlebenden Juden zur Erhöhung der Zahl der israelischen Arbeitskr äfte nach Palästina zu transportieren. Doch bis dahin waren schätzungsweise 6 Millionen Opfer geschlachtet worden. Die zionistische Spionageorganisation Mossad "hatte ein Haganah-Netz über Europa von Konstantina am Schwarzen Meer bis zu dem winzigen Port de Bouc an Frankreichs äußerster Mittelmeerküste gespannt, und kein Jude konnte innerhalb dieser Tausende von Meilen etwas Bedeutendes tun, das ihrer Aufmerksamkeit entgangen wäre". [71] Wo waren diese Ressourcen, als die Juden Europas in Millionenzahl abgeschlachtet wurden?

Dr. Chaim Weizmann, der später der erste Präsident des israelischen Staates wurde, deutete bereits 1937 an, daß er eine ziemlich klare Vorstellung von dem Schicksal hatte, das Europas Juden erwartete, und erklärte ebenso eindeutig, was die zionistische Politik sein würde. "Die Hoffnungen von Europas sechs Millionen konzentrieren sich auf Emigration" stellte er fest. "Ich wurde gefragt: 'Können Sie sechs Millionen Juden nach Palästina bringen?' Ich antwortete: 'Nein ... Aus der Tiefe der Tragödie will ich zwei Millionen Junge Leute retten ... Die alten werden es vertragen. Sie werden ihr Schicksal tragen oder auch nicht. Sie waren Staub, ökonomischer und moralischer Staub in einer grausamen Welt ... Nur die Jungen sollen überleben ... Sie haben es zu akzeptieren." [72]

Die Zionisten waren in der Tat borniert. Ihr einziges Ziel war es, einen Staat in Palästina zu schaffen. Einer ihrer Führer, Yitzhak Greenbaum, der zum Vorsitzenden eines Komitees ernannt wurde, das die Zionisten angeblich zur Rettung der europäischen Juden einsetzten, sagte, daß nichts, nicht einmal die Rettung der europäischen Juden, dieses Ziel in den Schatten stellen dürfen sollten. Mit seinen Worten: "Wenn sie mit zwei Plänen zu uns kommen - die Rettung der Massen der Juden in Europa oder die Erlösung des Landes, - stimme ich, ohne Zögern, für die Erlösung des Landes. Je mehr über die Ermordung unseres Volkes geredet wird, desto mehr minimisieren wir unsere Bemühungen zur Stärkung und Betreibung der Hebräisierung des Landes. Wenn es heute eine Möglichkeit gäbe, Freßpakete (für hungernde Juden unter der Naziherrschaft) mit dem Geld der Keren Hayesod (Unlted Jewish-Appeal). zu kaufen, um es über Lissabon zu verschicken, würden wir das tun? Nein! Und noch einmal: nein!" [73] Es ist merkwürdig, daß wenige Leute fragten, ob ein Mann mit solchen Ansichten der richtige in einer Organisation war, die theoretisch für Rettungsarbeit zuständig war.

lnteressanterweise war Yitzak Greenbaums Sohn Eliezer ein bekannter Kollaborateur mit den Nazis in Ausschwitz. Der jüdische Autor K. Tzetnik erwähnte in seinem Buch "Call him Feifel" "Eliezer Greenbaum (den er in dem Buch Fruchtenbaum nennt) der dank seiner Taktik, sich als Informant zu betätigen und Grausamkeit zu zeigen - in einem Maße, das selbst die Deutschen erstaunte -, in den Rang eines Blockkommandanten erhoben wurde."


VII KASTNER UND DIE UNGARISCHEN JUDEN

Die Abkommen zwischen der Zionistenbewegung und Nazideutschland waren jahrelang ein gut gehütetes Geheimnis. Doch sobald der unter dem Namen Fall Kastner bekannte Skandal im Jahre 1953 ausbrach, kamen die Einzelheiten allmählich ans Licht. Das erste Geheimabkommen, das voll veröffentlicht wurde, war der 1944 geschlossene Vertrag zwischen Dr. Rudolf Kastner vom Rettungskomitee der Jewish Agency in Budapest und Oberst Adolf Eichmann (der das Emigrationsabkommen von 1939 mit Moshe Bar­Gilad unterzeichnet hatte), dem offiziell Beauftragten für die Lösung der "Judenfrage" in Ungarn. Das Kastner-Eichmann-Abkommen betraf das Schicksal von 800.000 Juden in Ungarn.

"Der größte Teil der ungarischen Juden war nicht organisiert. Sie gehörten weder zum Zionismus noch zur Jewish Agency. Sie gehörten zu Ungarn, seinen Häusern, Straßen, Arbeitsplätzen, Sportstadien, Cafés. Wer konnte für diese assimilierten Juden, diese Juden ohne Vorsitzende sprechen?... Die organisierten Juden übernahmen die Rettung der 800.000 verurteilten Juden." Die organisierten Juden waren die Zionisten, die das Rettungskomitee der Jewish Agency errichteten. Kastner und die anderen Funktionäre dieses Komitees, wie Ginsberg und Bar-Gilad, waren von den Nazis offiziell als Unterhändler und Vertreter der zionistischen Bewegung anerkannt.

Die Wahrheit über die Tätigkeit dieser sogenannten "Rettungskomitees" wurde nicht bekannt, bis ein israelischer Autor namens Malchiel Greenwald Kastner öffentlich als Kollaborateur mit dem Nazismus anklagte, indem er behauptete, daß "Kastners Aktivitäten uns das Leben von Hunderttausenden von Juden gekostet haben." [76] Greenwald wurde nicht von Kastner, sondern von der israelischen Regierung wegen Verleumdung angeklagt, dessen Führer Kastners Vorgesetzte gewesen waren und die die von ihm ausgeführte Politik konzipiert hatten.

Der Prozeß verlief nicht günstig für die israelische Regierung. Greenwald wurde von der Anklage der Verleumdung freigesprochen, was darauf hindeutete, daß es eine sichere Grundlage für seine Anschuldigung gab, daß Kastners Rettungskomitee mit den Nazis kollaboriert hatte und ihnen dabei geholfen hatte, die Masse der ungarischen Juden im Tausch gegen die Erlaubnis auszurotten, über 600 bekannte Zionisten zu retten und nach Palästina zu bringen. Richter im Fall Kastner, Benjamin Halewi: "Die Juden der Ghettos hätten den Nazis oder ungarischen Herrschern nicht getraut. Doch sie vertrauten ihren Jüdischen Führern. Eichmann und andere benutzten dieses Faktum als Teil ihres kalkulierten Plans, die Juden zu täuschen. Sie konnten die Juden zu ihrer Ausrottung mit Hilfe ihrer jüdischen Führer bringen ... Jene Juden, die versuchten, ihren Freunden die Wahrheit zu sagen, wurden von den jüdischen Führern verfolgt, die die lokale
'Rettungsarbeit' leisteten. Das Vertrauen der Juden in die irreführende Information und ihr fehlendes Wissen, daß ihre Frauen, Kinder und sie selbst demnächst in die Gaskammern von Ausschwitz transportiert werden würden, veranlaßte die Opfer, sich in ihren Ghettos ruhig zu verhalten... Die Nazi-Patronage von Kastner und ihre Erlaubnis, 600 prominente Juden zu retten, waren Teil des Ausrottungsplans für die Juden... Die Gelegenheit, prominente Leute zu retten, sprach ihn sehr an. Er sah die Rettung der wichtigsten Juden als einen großen persönlichen Erfolg und als einen Erfolg des Zionismus..."

"Die Opferung der Überlebensinteressen der Mehrheit der Juden für die Rettung von Prominenten war das Grundelement in dem Abkommen zwischen Kastner und den Nazis. Dieses Abkommen hielt die Teilung der Nation in zwei ungleiche Lager fest, eine kleine Gruppe Prominenter auf der einen Seite, die zu retten die Nazis Kastner versprachen und die große Mehrheit der ungarischen Juden, die die Nazis für den Tod bestimmten, auf der anderen. Eine zwingende Bedingung für die Rettung des ersten Lagers durch die Nazis war, daß Kastner nicht in die Aktion der Nazis gegen das andere Lager eingreifen würde und sie nicht an der Ausrottung hindern würde. Kastner erfüllte diese Bedingungen ... Die Kollaboration zwischen dem Rettungskomitee der Jewish Agency und den Mördern der Juden wurde in Budapest und Wien konsolidiert. Kastners Pflichten waren integraler Bestandteil der SS. In Ergänzung zu ihrer Vernichtungsund Plünderungsabteilung eröffnete die Nazi-SS eine Rettungsabteilung unter der Regie von Kastner." [77]

Greenwalds Anwalt Shmuel Tamir (der als Mitglied der Herut-Partei hoffte, die Regierung der Mapai-Partei zu stürzen, der Kastner angehörte) wollte Kastner als nächstes wegen Kollaboration mit den Nazis vor Gericht stellen. Dafür "sammelte Tamir einen Koffer voll neuen Beweismaterials gegen Dr. Kastner und Gott weiß wen." Bevor dieses zweite Verfahren eröffnet werden konnte, wurde Kastner jedoch von Zeev Eckstein ermordet, der früher "ein bezahlter Geheimagent des Geheimdienstes der israelischen Regierung war"; damit war die Gefahr beseitigt, daß sein Auftreten vor Gericht mehr peinliche Einzelheiten zutage fördern könnte. [78]

Während Kastner seinen Handel mit den Nazis abschloß, schrieb Rabbi Weissmandel an die zionistische Bewegung: "Wir schicken Euch diese Sonderbotschaft, um euch zu informieren, daß die Deutschen gestern die Deportation der Juden aus Ungarn begonnen haben ... Die Deportierten gehen nach Ausschwitz, um durch Cyanid-Gas ermordet zu werden .. Das ist das Projekt von Ausschwitz, von gestern bis zum Ende: 12.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder, alte Männer, Kinder, Gesunde und Kranke - sollen täglich erstickt werden... Und Ihr, unsere Brüder in Palästina, in allen freien Ländern, und Ihr, Diener des Herrn, wie könnt ihr angesichts dieses großen Mordes schweigen? Schweigen, während Tausende und Abertausende, nun fast 6 Millionen Juden, ermordet wurden. Und schweigen, während Zehntausende immer noch ermordet werden oder darauf warten? ihre zerstörten Herzen schreien nach Eurer Hilfe ebenso wie sie Eure Grausamkeit beklagen. Ihr seid brutal, ja Mörder, wegen des kaltblütigen Schweigens, mit dem Ihr zuseht. Denn ihr sitzt mit gefalteten Händen und tut nichts, obwohl Ihr das Morden von Juden beenden oder verzögern könntet in dieser Stunde... Ihr, unsere Brüder, Söhne Israels, seid ihr wahnsinnig? Wißt Ihr nicht, daß die Hölle um uns los ist? Für wen spart ihr Euer Geld? Mörder. Wahnsinnige. Wer übt Barmherzigkeit? Ihr, die Ihr ein paar Pfennige aus Euren sicheren Häusern werft? Oder wir, die wir in der Tiefe der Hölle unser Blut geben?" [79]

Eine weitere interessante Enthüllung des Verleumdungsprozesses Kastner war, daß Kastner interveniert hatte, um den SS-General Kurt Becher davor zu bewahren, wegen Kriegsverbrechen verurteilt zu werden. Becher war einer der führenden Nazi-Unterhändler für Abkommen mit den Zionisten im Jahre 1944 gewesen. Kastner sagte dem Nürnberger Gericht: "Es kann kein Zweifel bestehen, daß Becher zu den wenigen SS-Führern gehört, die die Courage hatten, dem Vernichtungsprogramm für die Juden zu widerstehen und zu versuchen, Menschenleben zu retten... Meiner Meinung nach verdient Kurt Becher, wenn sein Fall von alliierten oder deutschen Behörden verhandelt wird, die größtmögliche Nachsicht ... Ich mache diese Aussage nicht im eigenen Namen, sondern auch in dem der Jewish Agency und des Jüdischen Weltkongresses. Gezeichnet Dr. Rudolf Kastner, Vorsitzender der Zionistischen Organisation in Ungarn, 1943 - 1945. Vertreter des Joint Distribution Committee in Budapest." [80]

Als Resultat von Kastners persönlicher Intervention wurde Becher aus dem Gefängnis in Nürnberg entlassen. Was für ein Mann war das, den Kastner "im Namen der Jewish Agency und des Jüdischen Weltkongresses" so gerne retten wollte? "Kurt Becher, groß, gut aussehend, ein guter Reiter, und reicher Getreidemakler, trat 1934 in die Nazipartei ein. Er diente als SS-Major in Polen, war Mitglied des Totenkopfbataillons, das rund um die Uhr Juden tötete. Er trug ein Totenkopfsymbol auf seiner Uniformmütze, und seine Schuhabsätze waren mit Stahlplatten verstärkt, so daß er umso furchterregender auftreten konnte, wenn er unter den auf ihren Tod wartenden jüdischen Gefangenen herumlief ... Becher zeichnete sich als Judenschlächter in Polen und Rußland aus." [81] Er wurde von Himmler zum Kommissar für alle Konzentrationslager ernannt.

"Und wo ist Kurt Becher jetzt? In welchem Exil, unter welchem Alias, versteckt er sich - wie es sein Nazikollege Eichmann tat?

Kein Exil, kein Alias, keine Furcht für Becher... (Sein) Reichtum ist größtenteils die Diebesbeute, die Tausenden von Juden vor ihrer Abschlachtung entrissen und durch Folter weggenommen wurde. Er ist Präsident mehrerer Gesellschaften und mit Ehren überhäuft. Unter den vielen von ihm präsidierten Unternehmungen ist der Verkauf von Weizen nach Israel. Bechers Firma, die Kölner Handelsgesellschaft, macht gute Geschäfte mit der israelischen Regierung." [82]

Ein israelischer Journalist, Moshe Keren, schrieb eine Artikelserie über den Fall Kastner, in denen er den israelischen Behörden eine Reihe peinlicher Fragen stellte. Keren schrieb: "Kastner muß als Nazi-Kollaborateur angeklagt werden. Und in seinem Prozeß sollte sich Kastner als Privatmann und nicht durch die israelische Regierung verteidigen lassen ... Das Echo des Kastner-Prozesses will noch auf Jahre hinaus bei uns nachhallen. Es wird die Luft über uns vergiften, wie jene berühmten historischen Prozesse, nach denen alte Regierungen gestürzt wurden und neue zur Macht kamen. Israel wird nach diesem Urteil nie wieder das alte sein." [83]

Anschließend flog "Dr. Keren nach Deutschland. Er wollte Kurt Becher interviewen. Einige Tage nach seiner Ankunft in Deutschland wurde der Journalist Keren tot in einem deutschen Hotel gefunden. Die Diagnose lautete 'Herzanfall.'" [84]

Der Kastner-Prozeß brachte auch zum ersten Mal Einzelheiten über den "Blut für LKWs"-Vorfall ans Licht, als Eichmann angeboten hatte, die jüdische Gemeinde in Ungarn im Tausch gegen 10.000 LKWs und andere Waren freizulassen. Es wurde bekannt, daß die zionistische Führung, einschließlich Dr. Chaim Weizmann, dieses Geschäft zur Rettung von Leben verhindert und die Mission des jüdischen Unterhändlers, Joel Brand, dadurch sabotiert hatte, daß sie den britischen Behörden Gelegenheit gab, ihn als Staatsfeind zu verhaften. [85] "Diese Verhandlungen verliefen im Sande und endeten mit der Vernichtung der ungarischen Juden, während die zionistische Führung die Mission JoeI Brands absichtlich zum Scheitern brachte." Es wurden andere Versuche unternommen, jüdisches Leben gegen Lösegeld an die Nazis zu retten. Rabbi Weissmandel stand an der Spitze dieser Bemühungen. Im Jahre 1942 "schlossen Wisliceny und Hochberg ein Abkommen mit Rabbi Weissmandel, die Vertreibung von slowakischen Juden für die Summe von 50.000 $ zu stoppen," doch Sali Mayer, der führende zionistische Repräsentant in der Schweiz, weigerte sich, eine solche Summe zur Verfügung zu stellen.

Im Mai 1943 kam Weissmandel im Prinzip zu einer anderen Vereinbarung mit Himmlers Vertreter Wisliceny, wonach die Deportation von Juden in allen besetzten Gebieten Europas außer Großdeutschland und Polen gegen ein Lösegeld von 3 Millionen Dollar beendet werden sollte. Jedoch "Sali Mayer und Nathan Schwalb (der Vertreter der Jewish Agency) waren von diesem herzzerreißenden Schrei nicht gerührt. 3 Millionen Dollar, die eine Million Juden gerettet hätten, können heute auf einer fröhlichen Feier für das Weizmann-Institut in den USA gesammelt werden. Doch in der Zeit der Not weigerten sich diese Nationalisten, - die den Einfluß und das Geld hatten - das Geld für den höchsten Zweck, für den es aufgebracht worden war, herauszugeben: die zum Tode Verurteilten zu retten..."

"Nur in einem einzigen Falle hielt Mayer es für angebracht, seine Börse großzügig zu öffnen. Er gab Kastner Geld für die Rettung von 1.700 ungarischen Juden, von denen Kastner 688 von Eichmann gekauft hatte und die von Ungarn über Bergen-Belsen in die Schweiz gebracht wurden. Hier, wo es um die Rettung der Elite ging - größtenteils zionistische Aktivisten und Verwandte von Kastner - vergaß Sali Mayer sein Prinzip, dem Feind kein Geld zu geben. Rabbi Weismandel bat vergeblich um 3 Millionen Dollar für die Rettung von einer Million Juden, während 1.000 Dollar pro Kopf ohne weiteres gezahlt wurden. In diesem Falle handelte Soli Mayer auch in Übereinstimmung mit den Richtlinien, die, ein Grundstein zionistischer Politik waren: Selektivität." [86]

Viele Jahre später wurde von einem Mann, Andre Biss, der als sein Assistent mit Kastner in Budapest gearbeitet hatte, der Versuch gemacht, Kastner zu entlasten. Das Buch, das er schrieb, konnte die erhebliche Beweislast gegen Kastner, die der Prozeß erbracht hatte, nicht aus dem Wege räumen, sondern machte eine weitere interessante Enthüllung: daß Kastners "Rettungsausschuß" neben anderen Beziehungen ebenfalls eng mit der deutschen Militärspionage zusammengearbeitet hatte, die von Admiral Canaris geleitet wurde. "Schon seit langer Zeit waren (Canaris' Leute) in Kontakt mit jüdischen Kreisen, vor allem - den Zionisten, und dem Vertreter der amerikanischen Jüdischen Wohlfahrtsorganisation, die als American Joint Distribution Committee bekannt war."

"Im Jahre 1943 erhielt Kastners engster Mitarbeiter Samuel Springmann eine Einladung von seinen Freunden in Palästina, sie zu besuchen und einen detaillierten Lagebericht zu geben. Er war derjenige, der die bereits erwähnten Kontakte zwischen den Zionisten und den Mitgliedern von Canaris' deutscher Gegenspionage hergestellt und aufrechterhalten hatte. Durch seine diskrete und gute Arbeit hatte Springmann wichtige Resultate erzielt." [87]


VIII DIE VERHEIMLICHUNG VON BEWEISMITTELN

Eine israelische Zeitung schrieb über den Fall Kastner: "Die Öffentlichkeit will die Wahrheit über Kastner wissen, und
nicht nur über ihn. Die einzige Möglichkeit, die Wahrheit
herauszufinden, ist das gesamte Rettungskomitee anzuklagen und ihnen Gelegenheit zur Verteidigung zu geben." [88]

Die israelischen Behörden jedoch zeigten keinerlei Eile, den Wunsch der Öffentlichkeit nach Wahrheit zu befriedigen. Seit dem Ausbruch des Kastner-Skandals taten sie vielmehr alles, um ihn zu entlasten, und gingen sogar so weit, Generalstaatsanwalt Chaim Cohen mit seiner Anklage zu betrauen. Dies veranlaßte Greenwalds Anwalt Shmuel Tamir, eine Reihe von Fragen zu stellen: "Wen vertritt dieser Generalstaatsanwalt ? Die Bürger unseres Staates oder die Privatinteressen einiger Beamter dieses Staates? Diese Frage ist nicht schwer zu beantworten. Der Generalstaatsanwalt ist nicht der einzige, der Kastner schützt. Viele Institutionen haben die gleiche Vertuschungspolitik vor ihm betrieben. Der Zionistische Kongreß, der HaganahProze ß im Fallschirmspringer-Fall und die Israelische Polizei im Jahre 1951 warfen einen Blick auf Kastners Aktivitäten - und deckten zu, was sie sahen. Und nachdem alle jüdischen Führer und alle Mächte der Regierung Kastner geschützt hatten, tritt ein alter Mann (Greenwald) auf und enthüllt die Wahrheit ...

Die Regierung und alle ihre Führer verhielten sich gegenüber diesem Mann, Kastner, nicht wie irgendein anständiger Staat es hätte tun sollen. Nach sieben Tagen Kreuzverhör waren Kastners Lügen und Schurkereien allen klar. Anstatt die Protektion eines solchen Individuums zu beenden und ihn dem Gericht mit den Worten zu übergeben: Wir wollen uns mit diesem Alptraum selbst auseinandersetzen, warfen sie ihre große Autorität, das ganze Prestige und die ganze Erfindungsgabe ihrer Funktionäre in die Waagschale, um ihn zu retten. Und alle diese Funktionäre der israelischen Regierung, sind hierhergekommen, einer den anderen nach sich ziehend, alle miteinander verschworen, diesem Gericht und dem Land die Wahrheit darüber zu verheimlichen, wie die Katastrophe die ungarischen Juden ereilte." [89]

Jedoch scheiterten alle Versuche zur Verheimlichung in dem Verleumdungsfall, der damit endete, daß die israelische Öffentlichkeit starke Zweifel bekam und eine größere Schädigung des Rufs der israelischen Regierung durch weitere Enthüllungen zu erwarten war, falls Kastner wegen Kollaboration angeklagt werden würde. Diese Gefahr verschwand mit Kastners Ermordung sowie mit dem seltsamen Tod des zu neugierigen Journalisten Dr. Moshe Keren. Doch ein sehr wichtiger Schauspieler in dem ganzen Drama war noch am Leben und in Freiheit: Adolf Eichmann, der Verbindungsoffizier in einigen der wichtigsten Abkommen zwischen Nazis und Zionisten gewesen war.

Als Eichmannn schließlich verhaftet und vor Gericht gestellt wurde, kam es zu besonders erregten Debatten in jüdischen
Kreisen. "Im wesentlichen wollte Ben Gurion, der Architekt des Eichmannprozesses in Israel, diesen zur Erreichung seiner jüdischen' politischen Ziele benutzen."

"Niemand wird bestreiten, daß der dämonische und sadistische Kannibale Adolf Eichmann zusammen mit den größeren und kleineren Eichmanns, die sich in Deutschland und anderswo im Versteck auf freien Fuß befinden, vor Gericht gebracht werden sollten. Doch daß sie alle hätten ergriffen und vor ein unpolitisches und unparteiisches Gericht hätten gestellt werden sollen, um dem deutschen Volk selbst seine äußerste Verderbtheit während der Hitlerzelt zu zeigen, und damit die Menschheit, die Zivilisation und das Völkerrecht davon profitieren zu lassen - das wurde durch den tribalistischen und politisch engstirnigen 'jüdischen' Nationalisten Ben Gurion und seine Junta torpediert." [90]

Die Last der Beweise für Eichmanns Schuld war enorm, und es besteht kein Zweifel, daß er Gericht und Strafe verdiente. Die Fragen, die legitimerweise gestellt werden, betreffen vor allem andere Dinge: warum bestanden die Israelis darauf, daß dieser bestimmte Kriegsverbrecher, Eichmann, vor ein israelisches Gericht gestellt wurde und zum Beispiel nicht vor ein internationales Gericht wie den Nürnberger Prozeß gestellt wurde, in dem andere Naziverbrecher angeklagt wurden? Warum unternahmen die Israelis so viele Anstrengungen, gerade diesen Kriegsverbrecher zu fangen, während andere, nicht weniger schuldige, viel leichter hätten gefaßt werden können, die immer noch nicht vor Gericht gestellt worden sind? Warum kidnappten ihn die Israelis aus Argentinien, wo sie doch seine Auslieferung höchst wahrscheinlich erreicht hätten? Diese Fragen können legitimerweise gestellt werden.

Wir wollen zunächst die offiziellen Antworten untersuchen, die von israelischen Sprechern gegeben worden sind. Der israelische Gerichtshof, vor dem Eichmann stand, sagte: "Die Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Staat Israel stellt einen integralen Bestandteil des Völkerrechts dar ... Die Verbindung zwischen dem Staat Israel und dem jüdischen Volk bedarf keiner Erklärung...es ist der souveräne Staat des jüdischen Volkes." Mit Ben Gurions Worten "kann nur ein jüdischer Staat ihm den Prozeß machen; moralisch gesehen ist Israel der einzige Erbe." Der israelische Staatsanwalt, Generalstaatsanwalt Gideon Hausner, ging sogar noch weiter, wenn er behauptete: "Auf der Anklagebank in diesem historischen Prozeß sitzt weder ein Individuum noch das Nazi-Regime, sondern der Antisemitismus in der Geschichte." [91]

Also war es diesen zionistischen Sprechern zufolge das Ziel des Eichmann-Prozesses, einen Propaganda-Feldzug für die zionistische These zu führen, daß die Juden eine Nation sind, die dem Staat Israel Loyalität schulden, und das Argument zu wiederholen, daß der sogenannte ewige Antisemitismus die Existenz dieses Staates rechtfertigt. Das war sicherlich einer der Gründe dafür, Eichmann vor ein israelisches Gericht zu stellen, wie sich daran zeigt, daß die Israelis es weidlich für Propagandazwecke ausnutzten. Ein solcher Hang zu Propaganda ist verständlich und zu erwarten; jede Ideologie versucht ihre Ideen zu propagieren. Jedoch ist dieser Grund keine Antwort auf alle Fragen. Er erklärt, warum die Israelis darauf bestanden, Eichmann selbst vor Gericht zu stellen, doch nicht, warum sie sich dazu entschlossen, ihn zu kidnappen statt ihn ausliefern zu lassen, oder warum sie gerade ihn für dieses einzige große Verfahren haben mußten. Warum kidnappten sie beispielsweise nicht General Becher und verurteilten ihn, der Eichmanns Vorgesetzter und nicht weniger verantwortlich für die Ermordung von Juden war?

Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang mit dem Eichmann­Prozeß ist die Rolle, die Kastner und andere Zionisten in ihrer Beziehung zu Eichmann spielten. "Über dem Gerichtssaal schwebte ... der Geist von Dr. Israel Kastner. Kastner war die zentrale Figur eines sensationellen Prozesses in Israel im Jahre 1953. Der damalige Generalstaatsanwalt, Hausners Vorgänger, hatte ein Verfahren wegen verbrecherischer Verleumdung gegen einen Mann eingeleitet, der behauptet hatte, daß Kastners Kontakt mit der SS in Budapest, durch den er das Schicksal der Juden zu mildern versuchte, in Wirklichkeit auf Kollaboration hinausgelaufen war." [92]

Angesichts der Art, wie der Kastnerprozeß verlaufen war, mußte der Eichmannprozeß sehr elegant geführt werden, um beschämende Enth üllungen zu vermeiden. Im großen und ganzen verlief alles glatt, obwohl es während der Vernehmung von Pinhas Freudiger einen Zwischenfall gab, einem ehemaligen Mitglied des ungarischen Zentralrats der Juden, der mit den Nazis kollaboriert hatte. "Es gab eine Störung im Zuhörerraum, die die Punkte des Falls Kastner plötzlich jedermann in Erinnerung brachte. Ein Zuschauer in der Galerie sprang plötzlich auf seine Füße und es gelang ihm, bevor er hinausgedrängt worden war, dem Zeugen auf Ungarisch zuzurufen: 'Ihr habt uns reingedrängt, um euch und eure Familien retten zu können. Doch unsere Familien wurden getötet.' Er griff offensichtlich Freudiger nicht persönlich an, sondern als Vertreter des Jüdischen Zentralrats, denn er fügte hinzu, in Bezug auf einen anderen Vertreter: Er gab uns Injektionen, um uns einzulullen. Doch er schaffte seine eigenen Eltern hinaus ... und ließ meine zum Sterben da.'" [93]

Die israelische Polizei im Gerichtsaal war ständig auf der Hut, falls sie jemand "hinauszuschaffen" hätte, der drohte, einen falschen Ton in dieses sorgfältig inszenierte Verfahren zu bringen. Freudiger war es jedoch zufällig gestattet, den Defätismus zu enthüllen, der vom Zionismus unter den europäischen Juden verbreitet wurde, die er ermutigte, den Nazismus nicht zu bekämpfen. Freudiger brach in den Ruf aus: "Doch was konnten wir tun? Was konnten wir tun? Heute beklagen sich einige ungarische Juden, daß wir ihnen nicht zur Flucht rieten. Doch 50 Prozent der Leute, die flohen, wurden gefaßt und getötet." [94] Es erübrigt sich zu sagen, daß das Verhältnis derjenigen, die getötet wurden, weil sie gefaßt wurden und nicht zu entkommen versuchten, nahezu 100 Prozent betrug.

Die Akten des Falls Kastner bieten einen wesentlichen Schlüssel dafür, warum die Israelis Eichmann selbst fassen und hinrichten mußten. Denn der Fall Kastner hatte auch die Details eines Abkommens ans Tageslicht gebracht, das am Ende der langen Kollaboration der Zionisten mit den Nazis zustandegekommen war, und vor allem Kastners Kollaboration in Ungarn mit General (damals Oberst) Becher und drei weiteten SS-Obersten - Krumey, Wisliczeny und Eichmann. "Die vier SS-Obersten und der Chef der Jewish Agency, Kastner, schmiedeten ihre Fluchtpläne in der Zeit der Judenmorde."

"Nicht genauso, als ob man eine Bankfusion arrangiert. Es gab zu viele Imponderabilien. Doch sie arrangierten es als einen allgemeinen modus operandi. Drei der Obersten sollten nach Deutschland zurückkehren und es darauf ankommen lassen, ob sie verhaftet und als Kriegsverbrecher verurteilt würden. Dr. Kastner in seiner Eigenschaft als hoher Funktionär in der jüdischen Hierarchie würde dann zur Rettung der drei herbeieilen und sich für sie als Retter der Juden einsetzen, und sein Zeugnis würde den drei Ausrottern die Freiheit verschaffen."

"Alle drei, und so Kastner, würden die Schuld des Budapester Quartetts auf den fehlenden Vierten schieben, nachdem sie dem Sündenbock zur Unsichtbarkeit verholfen hätten. Das Mitglied des Quartetts, das untertauchen sollte, um das einzige Symbol für das Naziübel in Ungarn zu werden, war Adolf Eichmann." [95]

Nachdem diese Tatsachen bekannt waren, wurde Kastner ermordet. Auf Becher, mit seinem blühenden Handel mit der israelischen Regierung, und Krumey, den Kastner ebenfalls vor dem Nürnberger Prozeß bewahrt hatte, war Verlaß, daß sie nichts sagen würden. Wisliczeny war tot. Doch Eichmann war noch frei und mußte daran gehindert werden, seine Geschichte jemals der Öffentlichkeit zu erzählen. Bei seinem Prozeß behauptete Eichmann, die Sache der Zionisten unterstützt zu haben, doch in der emotional aufgeladenen Atmosphäre, die die Zionisten in einem geschickten Propagandafeldzug hergestellt hatten, hörten nur wenige auf ihn.

Der Eichmannprozeß gab der israelischen Führung die Chance, erneut alle unangenehmen Dinge zu begraben, die der Fall Kastner ans Licht gebracht hatte. Ein amerikanisch-jüdischer Autor beobachtete: "Wenn man bedenkt, daß die meisten Israelis von Kastner und seiner Verbindung mit der israelischen Hierarchie wußten, ... dann beginnt man einen anderen Grund für Ben Gurions Insistieren zu sehen, daß der Eichmannprozeß in Israel abgehalten werden sollte. Dieser Prozeß besagt in der Tat: 'Seht, da ist euer Teufel - er hat es getan.'" [96]

Die Zeugen im Eichmannprozeß wurden sorgfältig ausgesucht. Abba Kovner sagte aus, doch Chaim Lazar, der Kovners Verbindung mit den Nazis aufdeckte, wurde nicht zur Aussage aufgefordert. [97] Auch nicht Andre Biss, trotz der wichtigen Rolle, die er als Kastners Assistent gespielt hatte. Seiner Ansicht nach war der Grund dafür, daß er Kastner rehabilitieren wollte, und zu diesem Zeitpunkt wollte die zionistische Führung alles verhindern, was die Öffentlichkeit an Kastners Prozeß erinnern oder gar neue Tatsachen zutage fördern könnte. Biss enthüllte jedoch einige interessante Fakten über diejenigen, die in den Zeugenstand gerufen wurden:

"Aharon Karie, der von der Staatsanwaltschaft beauftragt war; in Europa Nachforschungen über Eichmann anzustellen, versicherte mir daß ich von allen, die er kannte, der bestinformierte Zeuge für Eichmann war. Er war überzeugt, ich würde ein Hauptzeuge für die Anklage bei dem Prozeß sein, und bat mich, nicht auf eine offizielle Einladung zu warten, bevor ich nach Jerusalem ging. Deswegen reiste ich am 9. April 1961 nach Israel.

Im Eichmannprozeß wurden 102 Zeugen für die Anklage gehört. Mindestens 90 von ihnen hatten Eichmann nicht nur nie getroffen, sondern auch seinen Namen bis Kriegsende nie gehört. Ich selbst hatte den Gefangenen öfter gesehen als alle anderen Zeugen zusammen. Niemand kannte ihn so gut wie ich.

Der Tag meiner Vernehmung vor Gericht war festgesetzt, doch im Endeffekt wurde ich nicht offiziell vernommen. Der Staatsanwalt, Gideon Hausner, hatte mich gebeten, in meiner Aussage jede Erwähnung unserer Aktion in Budapest zu vermeiden, und vor allem das, was damals in Israel die 'Kastner-Affäre' war, mit Schweigen zu übergehen. Weiterhin sollte ich nicht von Becher-Aktivitäten zugunsten der Juden sprechen. Hausner glaubte einfach nicht daran. Ich sagte ihm, daß ich keine Aussage machen könnte, wenn ich nicht frei wäre, die ganze Wahrheit zu sagen. Hausner zog es schließlich vor, auf mich als Zeugen zu verzichten." [98]

Zur Zeit von Eichmanns Ergreifung war Israels höchster Richter Benjamin Halevi, dessen exemplarische Ehrenhaftigkeit im Verleumdungsfall Kastner die israelische Regierung in größte Verlegenheit gebracht hatte. Um eine Wiederholung dessen zu verhindern, handelten der israelische Justizminister Pinhas Rosen und Generalstaatsanwalt Gideon Hausner in noch nie dargewesener Form und brachten ein besonderes Gesetz in den Knesset ein, das Richter Halevi das Recht nahm, den Vorsitz im Eichmannprozeß zu führen.

Rosen organisierte eine Kampagne, die Halevi von dem Prozeß überhaupt ausschließen sollte, obwohl ihm schließlich erlaubt wurde, Mitglied einer Kammer zu sein, die über Eichmann richtete. Das ist nicht nur eine interessante Illustration für das Wirken der israelischen Justiz, sondern die Behandlung Halevis durch die Regierung zeigt auch, daß die zionistische Führung den Eichmannproze ß mehr als eine Propagandanummer plante denn als einen fairen und ehrlichen Versuch, die ganze Wahrheit über die Verbrechen Eichmanns herauszubekommen.

Als zentrale Figur in einigen der wichtigsten Kooperationsabkommen zwischen den Zionisten und den Nazis war Eichmann zwar nicht der ranghöchste überlebende Nazikriegsverbrecher, aber vermutlich der Nazi mit der genauesten Kenntnis der Beziehungen zwischen der Zionistenbewegung und dem Nazi-Regime.

Dieses ganze Wissen starb mit ihm.


IX DIE IRGUN UND DER NAZISMUS

Im Mai 1977 erwies sich der rechtsradikale Likud-Block in den Parlamentswahlen als die stärkste zionistische Fraktion und übernahm die Führung der neuen israelischen Koalitionsregierung. Premierminister wurde Menachem Begin, der frühere Leiter der Terroristenorganisation lrgun Zvai Leumi.

Während des Kastner-Prozesses wies Begins Herut-Partei, der wichtigste Teil des Likud, wegen ihrer Kooperation mit dem Nazismus anklagend auf die Führung der Rivalenpartei, der
herrschenden Mapai-Partei. Der Anwalt Shmuel Tamir war ein Herut-Mann (später schloß er sich der Demokratischen Bewegung für Wandel an) und der Veteran Ben Hecht spielte eine wichtige Rolle dabei, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die KastnerGeschichte zu lenken. Viele Leute schlossen daraus, daß die lrgun/Herut-Führung trotz solcher Leute wie Jacob Gens und Salek Desler eine sauberere Weste als ihre Mapai-Rivalen
hätten, soweit Geschäfte mit dem Nazismus zur Debatte standen.

Kürzlich warf ein von dem deutschen Schriftsteller Klaus Polkehn lange geheimgehaltenes und schließlich publiziertes Dokument Licht auf die wirkliche Haltung der lrgun gegenüber dem Nazismus im Jahre 1941. In diesem Dokument machte die Stern-Fraktion der lrgun folgende Vorschläge:

"In den Reden und Äußerungen der führenden Staatsmänner des nationalsozialistischen Deutschland wird oft gesagt, daß eine neue Ordnung in Europa die radikale Lösung der Judenfrage
durch Evakuierung ('Judenreines Europa') zur Voraussetzung hat.

Die Evakuierung der jüdischen Massen aus Europa ist eine
Voraussetzung für die Lösung der jüdischen Frage; doch dies ist nur möglich und durchführbar durch die Ansiedlung der
jüdischen Massen in der Heimat des jüdischen Volkes, in
Palästina, und durch die Errichtung eines jüdischen Staates in seinen historischen Grenzen.

Eine solche Lösung der Judenfrage und damit die endgültige Befreiung des jüdischen Volkes sind das Ziel der politischen Aktivität und des jahrelangen Kampfes der jüdischen Freiheitsbewegung: der Nationalen Militärorganisation (lrgun Zvai
Leumi) in Palästina.

Die NMO, der das Wohlwollen der Regierung des Deutschen Reiches und seiner Behörden gegenüber dem Zionismus innerhalb Deutschlands und gegenüber zionistischen Auswanderungsplänen wohlbekannt ist, ist der Ansicht, daß:

  1. Gemeinsame Interessen zwischen der Errichtung einer neuen Ordnung in Europa in Übereinstimmung mit dem deutschen Projekt und den wahren nationalen Bestrebungen des jüdischen Volkes, wie sie in der NMO verkörpert werden, bestehen könnte;
  2. Zusammenarbeit zwischen dem neuen Deutschland und einer erneuerten hebräischen Nation möglich wäre (völkischnationales Hebräertum), und daß
  3. die Errichtung des historischen jüdischen Staates auf nationaler und totalitärer Basis und aufgrund eines Vertrages mit dem deutschen Reich im Interesse der Aufrechterhaltung und Stärkung der künftigen deutschen Machtposition im Nahen Osten sein würde.

Ausgehend von diesen Überlegungen bietet die NMO in Palästina eine aktive Kriegsbeteiligung auf deutscher Seite an, vorausgesetzt, die oben erwähnten nationalen Bestrebungen der
deutschen Reichsregierung werden anerkannt.

Dieses Angebot der NMO, dessen Gültigkeit sich auf die
militärische, politische und Informationsebene erstreckt,
innerhalb und auch - entsprechend einigen organisatorischen Vorbereitungen außerhalb Palästinas, würde sich auf die
militärische Ausbildung und die Organisierung jüdischer
Arbeitskräfte in Europa unter der Führung und dem Befehl
der NMO beschränken. Diese militärischen Einheiten würden
sich an dem Kampf zur Eroberung Palästinas beteiligen,
falls eine solche Front gebildet wird.

Die indirekte Beteiligung der israelischen Freiheitsbewegung an dem Entwurf einer Neuen Ordnung in Europa, die bereits in Vorbereitung ist, würde mit einer definitiv radikalen Lösung der europäischen Judenfrage in Verbindung mit den oben genannten nationalen Bestrebungen des jüdischen Volkes verbunden sein. Das würde die moralische Basis der Neuen Ordnung in der ganzen Welt in ungewöhnlichem Grade stärken.

Die Kooperation der Israelischen Freiheitsbewegung würde auch auf einer Linie mit einer der jüngsten Reden des deutschen Reichskanzlers liegen, in der Hitler betonte, daß jede Kombination und jede Allianz akzeptiert würde, um England zu isolieren und zu schlagen." [100]

Über diese Frage kam es zu einer Spaltung innerhalb der lrgun. Die von Abraham Stern geführte Fraktion, die als die Stern-Bande bekannt wurde, begann sofort den Krieg gegen die Briten in Palästina. Die andere Fraktion, die Begin führen sollte, zögerte, und einige Mitglieder paktierten eine Weile mit den Briten. Die Hauptgründe für die Verzögerung scheinen in der vorübergehenden Desorganisation der Irgun nach der Spaltung zu liegen. Im Jahre 1943 wurde Begin Chef des Oberkommandos der lrgun; die Organisation wurde wieder bewaffnet und reorganisiert. Im Januar 1944, nach dieser Periode der Vorbereitung, startete Begins lrgun die militärische und terroristische Kampagne gegen die Briten in Palästina, als der Zweite Weltkrieg noch voll im Gange war. Also war der Unterschied zwischen den beiden Flügeln der lrgun, die sich in die IrgunMehrheit und die Stern-Bande spalteten, im wesentlichen eher eine Frage des Zeitpunkts als des Prinzips.

In der Tat betrachteten die lrgun und die revisionistische Zionistenpartei, mit denen sie sich vereinigte, England vor der Spaltung als Feind und die "antisemitischen" Regierungen als Verbündete. Wie die Union of Communal Settlements mit
Nazideutschland schlossen die lrgun-Revisionisten mit der
fanatisch antijüdischen polnischen Regierung Kooperationsabkommen einschließlich Trainingslagern für zionistische
Pioniere. Abraham Stern verhandelte im Jahre 1937 über diese Kooperation, die eine polnische Zusage über Waffenlieferungen an die lrgun enthielt.

Die lrgun plante in Zusammenarbeit mit der revisionistischen Jugendbewegung Betar im Oktober 1939, einen Monat nach der Erklärung des Zweiten Weltkriegs, einen Aufstand von zionistischen Emigranten aus Europa zu organisieren. Der Plan war, so viele Regierungsgebäude wie möglich zu besetzen und eine zionistische "Provisorische Regierung" auszurufen. Der Plan wurde vereitelt, als die Briten alle Mitglieder des Oberkommandos der Irgun verhafteten. Selbst wenn er ausgeführt worden wäre, wäre er schnell gescheitert, hätte aber sicherlich die Kriegsanstrengungen der Briten gegen den Nazismus unterminiert. [101]

Stern wurde 1942 in einem Zusammenstoß mit britischer Polizei getötet. Ende 1943 gründeten seine Anhänger eine gesonderte Organisation, Lohamei Herut Israel oder "Lehi", die eng mit Begins lrgun zusammenarbeitete. Im Jahre 1948 ermordeten LehiMitglieder den UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte, einen
schwedischen Menschenfreund, der im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle dabei gespielt hatte, die Juden vor der Naziherrschaft zu retten und ihnen Zuflucht in Schweden zu verschaffen.


X EINSCHÄTZUNG DER ZIONISTISCHEN POLITIK GEGENÜBER DEM NAZISMUS

Das vorhergehende Beweismaterial aus jüdischen Quellen zeigt eine Reihe von wichtigen Tatsachen.

Der Zionismus "verordnete die Auswanderung nach Palästina als einzige Antwort auf Antisemitismus, er kritisierte und lehnte jeden Emanzipationskampf, jede Bürgerrechtsgesetzgebung usw. ab. Er befand sich in einem Lager mit den Antisemiten, die zu den lokalen jüdischen Gemeinden sagten: 'Geht nach PaIästina'. Bezeichnenderweise ging die Initiative im jüdischen Kampf
gegen den Nazismus während der dreißiger Jahre niemals von der zionistischen Organisation aus. Nichtzionistische jüdische Individuen und Organisationen ergriffen die Initiative und trugen die Last dieses Kampfes selbst. Je erbitterter dieser Kampf wurde, desto mehr entfernte sich die zionistische
Organisation von dem Rest der Juden. Die zugrundeliegenden Überlegungen sind in einem Brief Ben Gurions an die zionistische Exekutive vom 17. Dezember 1938 formuliert:

'Die Judenfrage ist heute nicht mehr, was sie war. Das Schicksal der Juden in Deutschland ist kein Ende, sondern ein Anfang. Andere antisemitische Staaten werden von Hitler lernen. Millionen Juden sehen ihrer Vernichtung entgegen, das Flüchtlingsproblem hat weltweite Dimensionen und Dringlichkeit angenommen. Großbritannien versucht, das Problem der Flüchtlinge vom Problem Palästina zu trennen. Die Dimension des Flüchtlingsproblems erfordert eine sofortige, territoriale Lösung. Wenn Palästina sie nicht aufnimmt, dann ein anderes Land. Der Zionismus ist in Gefahr. Alle anderen territorialen Lösungen, die sicherlich scheitern werden, erfordern riesige Geldsummen. Wenn die Juden zwischen den Flüchtlingen, der Rettung von Juden vor den Konzentrationslagern, und der Unterstützung eines nationalen Museums in Palästina zu wählen haben, wird das Mitleid die Oberhand gewinnen und die gesamte Energie des Volkes darauf verwendet werden, Juden aus verschiedenen Ländern zu retten. Der Zionismus wird nicht nur von der Tagesordnung in der Weltöffentlichkeit in Großbritannien und den USA verschwinden, sondern auch in der jüdischen Öffentlichkeit. Wenn wir eine Trennung zwischen dem Flüchtlingsproblem und dem Palästinaproblem zulassen, riskieren wir die Existenz des Zionismus.' 'Die Rettung jüdischen Lebens vor Hitler wird hier als eine mögliche Bedrohung des Zionismus angesehen, falls sie nicht nach Palästina gebracht werden. Als der Zionismus zwischen dem jüdischen Volk und dem jüdischen Staat zu wählen hatte, gab er ohne zu zögern dem letzteren den Vorrang ...'

'Der Zionismus akzeptiert den Antisemitismus als die natürliche normale Haltung der nicht-jüdischen Welt gegenüber den Juden. Er sieht ihn nicht als ein pervertiertes Phänomen an, er ist eine Antwort auf, nicht eine Konfrontation oder Anprangerung des bzw. Kampf gegen den Antisemitismus.'

'Die Zionisten akzeptieren grundsätzlich die rassistische Ideologie der Antisemiten, kommen jedoch zu umgekehrten Schlußfolgerungen. Statt des Germanen ist der Jude die reine oder überlegene Rasse.'" [103]

Dieser Begriff der überlegenen Rasse kommt in der Betonung zum Ausdruck, die der Zionismus der "Rettung" junger Pioniere für die Auswanderung nach Palästina legte, und der Vernachlässigung der Älteren, die keinen solchen Beitrag zum Aufbau des zionistischen Staatswesens machen konnten. Darin impliziert ist eine Akzeptierung des nazistischen Prinzips von überlegenen und minderwertigen Kategorien menschlicher Lebewesen.

"Die Kategorien wurden von den deutschen Juden von Anfang an ohne Widerspruch hingenommen, und die Akzeptierung der privilegierten Kategorien - deutsche Juden im Vergleich zu polnischen Juden, Kriegsveteranen und dekorierte Juden gegenüber normalen Juden, Familien, deren Vorfahren Deutsche waren, gegenüber kürzlich naturalisierten Bürgern, usw. - waren der Beginn des moralischen Zusammenbruchs der anständigen jüdischen Gemeinschaft gewesen ... Das moralisch so Verheerende bei der Akzeptierung dieser Privilegierungskategorien war, daß jeden, der verlangte, daß in seinem Fall eine 'Ausnahme' gemacht würde, die Regel implizit akzeptierte. Doch dieser Punkt wurde offensichtlich niemals von jenen 'guten Menschen', jüdisch oder nicht-jüdisch, verstanden, die sich mit all jenen 'Sonderfällen' beschäftigten, um deren Vorzugsbehandlung gebeten werden konnte. Der Umfang, zu dem selbst die jüdischen Opfer die Maßstäbe der Endlösung akzeptiert hatten, zeigt sich vielleicht nirgendwo deutlicher als in dem sogenannten KastnerBericht. Kastner war stolz darauf, daß es ihm gelang, 'prominenten Juden' zu retten, eine von den Nazis im Jahre 1942 offiziell eingef ührte Kategorie, als ob es seiner eigenen Ansicht nach genauso selbstverständlich sei, daß ein berühmter Jude mehr Recht zu leben hatte als ein einfacher Jude."

Die zionistischen Abgesandten, die über die Auswanderungsabkommen von 1938 verhandelten, "sprachen eine von Eichmann nicht sehr verschiedene Sprache ... In der Tat waren sie in der Lage, mit den Nazibehörden auf nahezu gleichem Fuß zu verhandeln, was eingeborene Juden nicht konnten, da sie den Schutz der Mandatsmacht genossen; sie gehörten wahrscheinlich zu den ersten Juden, die offen über gemeinsame Interessen redeten, und bekamen sicherlich als erste die Erlaubnis, 'junge jüdische Pioniere' unter den Juden in den Konzentrationslagern auszusuchen. Natürlich waren sie sich der dunklen Implikationen dieses Handels nicht bewusst, die noch in der Zukunft lagen; doch sie glaubten auch, daß, wenn schon Juden fürs Überleben selektiert werden sollten, dies die Juden selbst tun sollten. Es war diese fundamentale Fehleinschätzung, die schließ- lich zu einer Situation führte, in der sich die nicht selektierte Mehrheit der Juden notwendig zwei Feinden gegenüber sah - den Nazibehörden und den jüdischen Behörden." [104]

Die Zionisten zeigten eine bemerkenswerte Borniertheit bei der Verfolgung ihres Ziels, den Staat in Palästina zu sichern und diesem alle anderen Überlegungen unterzuordnen. "Die Intervention der zionistischen Bewegung in der Frage der möglichen Auswanderung von Juden nach Amerika ist ein klassisches Beispiel für den Zynismus des 'grausamen Zionismus'. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs hätten Hunderttausende von europäischen Juden den Nazis immer noch durch Auswanderung in andere Länder entkommen können. Die USA und Großbritannien verweigerten 500.000 jüdischen Flüchtlingen die Einreise und die Gewährung von politischen Asyl, und dies erlaubte den Nazis, sie in den Gaskammern zu töten. In den USA wurde eine breitangelegte Kampagne organisiert, die die freie Emigration europäischer Juden in die USA zur Unterstützung dessen, was als Roosevelt-Plan bekannt werden sollte, forderte - ein Projekt, das einigen hunderttausend Juden die Einreise in die USA und Groß- britannien ermöglicht hätte."

"Es steht außer Zweifel, daß Vertreter der zionistischen Bewegung in den USA versuchten, den Plan zu sabotieren, demzufolge jüdische Flüchtlinge gerettet werden sollten, indem sie in die USA oder irgendein anderes Land außerhalb von Palästina gebracht wurden. Tatsächlich benutzte Roosevelt selbst den zionistischen Druck gegen die Einwanderung als einen Vorwand, um die freie Einwanderung nicht zuzulassen. Morris L. Ernst, ein berühmter New Yorker Anwalt und einer der leidenschaftlichsten Aktivisten bei dem Bemühen, den Juden die Tore zu den USA zu öffnen, faßt die Reaktion der zionistischen Führer auf seine humanitären Bemühungen zusammen: 'Ich war erstaunt und verletzt, als aktive jüdische Führer mich heruntermachten, verhöhnten und schließlich angriffen, als ob ich ein Verräter wäre. Bei einem Geschäftsessen wurde ich offen angeklagt, den Plan für freie Einwanderung zu fördern, um den politischen Zionismus zu untergraben. Diejenigen jüdischen Gruppen, die für die Öffnung unserer Tore waren, zollten dem RooseveltProgramm praktisch nur Lippendienst. Zionistische Freunde von mir waren dagegen.'"[105]

"Sowohl vor als nach dem Krieg waren die Zionisten mächtig genug, um Bemühungen zu vereiteln, Zuflucht für die Unterdrückten außerhalb von Palästina zu finden. Der amerikanische Außenminister wurde während der dreißiger Jahre dazu bewegt, sich gegen die Ansiedlung jüdischer Flüchtlinge als Grundbesitzer in Alaska auszusprechen, und dann wurde Druck auf die australische Regierung ausgeübt, das 'Kimberley'-Projekt für die Ansiedlung jüdischer Flüchtlinge in Westaustralien fallen zu lassen, das von der Freeland League gefördert und teilweise 'Unterstützung' gefunden hatte, in ihrer Publikation fragte die Freeland League später: 'Wer vermag zu sagen, wieviele jüdische Leben hätten Hitlers Klauen entrissen werden können, wenn nicht dieser antijüdische Druck von Juden ausgeübt worden wäre? Wer vermag zu sagen, wieviele Tausende ein neues Leben in Kimberley hätten starten können, statt in Ausschwitz zu sterben?'" [106]

"Wenn man zugibt, daß die Juden Europas unbeschreiblich gelitten haben, warum in Gottes Namen sollte das Schicksal dieser unglücklichen Menschen dem Ruf nach einem Staatswesen untergeordnet werden? Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, daß die unglücklichen Juden in Europas Verschlepptenlagern hilflose Geiseln sind, für die das Staatswesen das einzige Lösegeld war." [107]

Die Politik der zionistischen Kollaboration mit dem Nazismus zahlte sich vom ersten Tag von Hitlers Machtergreifung in der Zahl der zionistischen Einwanderer nach Palästina aus. "Im Jahre 1932 betraten 900 deutsche Juden Palästina. Im Jahre 1933 waren es bereits 30.000; im Jahre 1934 40.000; im Jahre 1935 61.000. Im Jahre 1931 gab es nur 174.616 Juden in Palästina, doch bis 1939 war die Zahl auf 445.457 gestiegen." [108]

Die zionistische Führung sollte auch nach dem Krieg wichtige finanzielle Vorteile aus ihrer Politik beziehen. "Nachdem sie solchermaßen die zum Tode verurteilten Juden im Stich gelassen hatten, benutzten die gleichen Führer später die Ausrottung, um Millionen zu machen und Milliarden an Reparationen von den Deutschen zu kassieren." [109]

Angesichts dieser klaren Gewinne für den Zionismus: wie konnten die Zionisten es zulassen, daß die jüdischen Gemeinden Europas so einen hohen Preis - schätzungsweise über 6 Millionen Ermordete - dafür bezahlten? Es ist bemerkenswert, daß die große Mehrheit der Opfer aus Osteuropa stammte, die Hälfte davon allein aus Polen. Der polnische jüdische Historiker lsaak Deutscher mag diese Frage beantworten: "Es ist festzuhalten, daß die große Mehrheit der osteuropäischen Juden bis zum Ausbruch des Zweiten Welt­krieges gegen den Zionismus war. Das ist ein Faktum, dessen sich nur wenige Juden und Nicht-Juden im Westen bewußt sind. Die Zionisten in unserer Hälfte der Welt waren eine bedeutende Minderheit, doch gelang es ihnen nie, eine Majorität ihrer Glaubensgenossen für sich zu gewinnen. Die fanatischsten Feinde des Zionismus waren genau die Arbeiter, die, die Jiddisch sprachen, die sich selbst als Juden ansahen; sie waren die entschiedensten Gegner einer Auswanderung aus Osteuropa nach Palästina." [110]

Die Philosophie jener Zionisten in Osteuropa, wie Gens und Kastner, die Geschäfte mit den Nazis machten, war keine
individuelle Verirrung, sondern eine Reflektion offizieller zionistischer Politik. Der amtierende Vizepräsident des United Jewish Appeal Henry Motor drückte es folgendermaßen aus:
"Selektivität ist ein unvermeidlicher Faktor bei der Auseinandersetzung mit dem Einwanderungsproblem nach Palästina. Mit
'Selektivität' ist die Auswahl junger Männer und Frauen gemeint, die in Europa entweder für die Produktion oder auf andere Weise für das Leben in Palästina ausgebildet werden, das Schwierigkeiten und Härten involviert, auf die sie physisch und psychisch vorbereitet werden müssen ... Es kann keine tödlichere Waffe für die Feinde des Zionismus geben, ob sie nun in der britischen Regierung oder unter den Arabern, oder sogar im jüdischen Volk sitzen, wenn Palästina mit sehr alten Leuten oder unerwünschten Elementen überschwemmt würde, die die Lebensbedingungen in Palästina unmöglich machen und die Aussicht auf die Schaffung von ökonomischen Umständen, die eine Kontinuität der Einwanderung sichern sollen, zerstören würden." [111]

Die Ergebnisse der zionistischen Kooperation mit dem Nazismus waren für die Massen der europäischen Juden verheerend. "Wo Juden auch lebten, gab es anerkannt jüdische Führer, und diese jüdische Führung kooperierte nahezu ausnahmslos mit den Nazis. Die ganze Wahrheit war, daß es im jüdischen Volk, wäre es wirklich unorganisiert und führungslos gewesen, Chaos und viel Elend gegeben hätte, doch die Gesamtzahl der Opfer kaum zwischen vierein­halb und sechs Millionen Leuten gelegen hätte." [112]

Die ganze Geschichte der Rolle des Zionismus während der Hitlerzeit ist immer noch nicht sehr bekannt, weder im allgemeinen noch in den jüdischen Gemeinden. Die Effektivität, mit der sie unterdrückt wird, und der Mythos, daß die Zionisten die Verteidiger der Juden sind, sind ein Zeichen dafür, wie erfolgreich die zionistische Bewegung in der Kunst der Propaganda ist.


ANHANG 1

Äußerung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland
zur Stellung der Juden im neuen deutschen Staat

Berlin W 15, den 21. Juni 1933, Meineckestraße 10

I.

Die Verhältnisse der Juden in Deutschland haben durch die Vorgänge und durch die Gesetzgebung der jüngsten Zeit eine Entwicklung genommen, die eine grundsätzliche Klärung des Problems wünschenswert und notwendig macht. Wir betrachten es als Verpflichtung der Juden, bei der Entwirrung des Problems zu helfen. Darum sei es uns gestattet, unsere Anschauungen vorzutragen, die nach unserer Meinung eine den Grundsätzen des neuen deutschen Staates der nationalen Erhebung entsprechende Lösung ermöglichen und zugleich für die Juden eine Regelung ihrer Lebensverhältnisse bedeuten könnten.

Diese Anschauungen sind auf einer Auffassung der historischen Entwicklung der Stellung der Juden in Deutschland begründet, die hier - einleitend - angedeutet sein mag.

II. Geschichtlicher Rückblick

Die Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts beginnende
Emanzipation der Juden war auf dem Gedanken aufgebaut, die Judenfrage sei dadurch zu lösen, daß die Staatsnation die
in ihrer Mitte lebenden Juden aufsaugt. Diese auf den Ideen der französischen Revolution beruhende Auffassung sah nur
das Individuum, den einzelnen, frei im Raum schwebenden
Menschen, ohne die Bindungen von Blut und Geschichte und
die seelische Sonderart zu beachten. Demgemäß verlangte der liberale Staat von den Juden die Assimilation an die nichtj üdische Umwelt. Taufe und Mischehe wurden im politischen
und im Wirtschaftsleben begünstigt. So kam es, daß zahlreiche Menschen jüdischer Abstammung die Möglichkeit fanden, wichtige Positionen einzunehmen und als Repräsentanten deutscher Kultur und deutschen Lebens aufzutreten, ohne daß ihre Zugehörigkeit zum Judentum in Erscheinung trat.

Es entstand so ein Zustand, der heute im politischen Gespräch als "Verfälschung des Deutschtums" und als "Verjudung" bezeichnet wird.

Die Juden erkannten anfangs diese Problematik gar nicht, da sie an eine individualistische und formalrechtliche Lösung der Judenfrage glaubten. Erst der Zionismus (seit 1897) war es, der den Juden das Wesen der Judenfrage erschloß. Die zionistische Erkenntnis hat es den Juden auch ermöglicht, den Antisemitismus, der bis dahin von ihnen nur apologetisch bekämpft wurde, zu verstehen: Als tiefe Ursache des Antisemitismus wurde die ungelöste Judenfrage erkannt; daher müsse eine konstruktive Lösung der Judenfrage in Angriff genommen werden. Hierfür wird eine wohlwollende Unterstützung der nichtjüdischen Welt angestrebt.

Der Zionismus

Der Zionismus täuscht sich nicht über die Problematik der jüdischen Situation, die vor allem in der anormalen Berufsschichtung und in dem Mangel einer nicht in der eigenen Tradition verwurzelten geistigen und sittlichen Haltung besteht. Der Zionismus erkannte schon vor Jahrzehnten, daß als Folge der assimilatorischen Entwicklung Verfallserscheinungen eintreten mußten, die er durch die Verwirklichung seiner, das jüdische Leben von Grund aus ändernden Forderung zu überwinden sucht.

Wir sind der Ansicht, daß eine den nationalen Staat wirklich befriedigende Antwort auf die Judenfrage nur herbeigeführt werden kann, wenn die auf gesellschaftliche, kulturelle und sittliche Erneuerung der Juden hinzielende jüdische Bewegung dabei mitwirkt, ja, daß eine solche nationale Erneuerung erst die entscheidenden sozialen und seelischen Voraussetzungen für alle Regelungen schaffen muß.

Der Zionismus glaubt, daß eine Wiedergeburt des Volkslebens, wie sie im deutschen Leben durch Bindung an die christlichen und nationalen Werte erfolgt, auch in der jüdischen Volksgruppe vor sich gehen müsse. Auch für den Juden müssen Abstammung, Religion, Schicksalsgemeinschaft und Artbewußtsein von entscheidender Bedeutung für seine Lebensgestaltung sein. Dies erfordert
Überwindung des im liberalen Zeitalter entstandenen egoistischen Individualismus durch Gemeinsinn und Verantwortungsfreudigkeit.

III. Vorschläge

Unsere Auffassung vom Wesen des Judentums und von unserer wahren Stellung unter den europäischen Völkern gestattet uns, Vorschläge über die Regelung der Verhältnisse der Juden im neuen deutschen Staat zu machen, die nicht Erwägungen zufälliger Interessenkonstellationen sind, sondern die eine wirkliche, den deutschen Staat befriedigende Lösung der Judenfrage anbahnen. Dabei haben wir nicht die Interessen einzelner Juden im Auge, die durch die tiefgreifende Umgestaltung Deutschlands ihre wirtschaftlichen und sozialen Positionen verloren haben. Worum es uns geht, ist die Schaffung einer Lebensmöglichkeit für die Gesamtheit unter Wahrung unserer Ehre, die uns das höchste Gut ist. Wir wollen auf dem Boden des neuen Staates, der das Rassenprinzip aufgestellt hat, unsere Gemeinschaft in das Gesamtgefüge so einordnen, daß auch uns, in der uns zugewiesenen Sphäre, eine fruchtbare Betätigung für das Vaterland möglich ist.

Wir glauben, daß gerade das neue Deutschland durch einen kühnen Entschluß in der Behandlung der Judenfrage einen entscheidenden Schritt zur Überwindung eines Problems tun kann, das in Wahrheit von den meisten europäischen Völkern behandelt werden muß, auch von solchen, die in ihrer außenpolitischen Stellungnahme heute die Existenz eines solchen Problems in ihrer eigenen Mitte leugnen.

Verhältnis zum deutschen Volk

Unser Bekenntnis zum jüdischen Volkstum stellt ein reines und aufrichtiges Verhältnis zum deutschen Volk und seinen nationalen und blutmäßigen Gegebenheiten her. Gerade weil wir diese Grundlage nicht zu verfälschen wünschen, weil auch wir gegen Mischehe und für Reinerhaltung der jüdischen Art sind und Grenzüberschreitungen auf kulturellem Gebiet ablehnen, können wir, in deutscher Sprache und Kultur erzogen, mit Bewunderung und innerer Anteilnahme an den Werken und Werten deutscher Kultur teilnehmen. Nur die Treue zur eigenen Art und Kultur gibt Juden die innere Festigkeit, die eine Verletzung des Respekts vor den nationalen Gefühlen und Imponderabilien des deutschen Volkstums verhindert, und die Einwurzelung im eigenen Seelentum bewahrt den Juden davor, zum wurzellosen Kritiker der nationalen Grundlagen des deutschen Wesens zu werden. Die vom Staat gewünschte völkische Distanzierung würde auf diese Weise zwanglos als Ergebnis einer organischen Entwicklung herbeigeführt.

So kann das hier gekennzeichnete bewußte Judentum, in dessen Namen wir sprechen, sich dem deutschen Staatswesen einfügen, weil es innerlich unbefangen und frei ist von dem Ressentiment, das assimilierte Juden bei der Feststellung ihrer Zugehörigkeit zum Judentum, zur jüdischen Rasse und Vergangenheit empfinden müssen. Wir glauben an die Möglichkeit eines ehrlichen Treueverh ältnisses zwischen einem artbewußten Judentum und dem deutschen Staat.

IV. Auswanderung

Diese Darstellung wäre unvollständig, würden wir nicht noch einige Bemerkungen über das wichtige Problem der jüdischen Auswanderung hinzufügen. Die Lage der Juden zwischen den Völkern und die zeitweise vor sich gehende Ausschaltung aus Berufskategorien und wirtschaftlichen Erwerbsmöglichkeiten sowie die Sehnsucht nach Normalisierung der Lebensbedingungen zwingt viele Juden zur Auswanderung.

Der Zionismus will die Auswanderung der Juden nach Palästina so gestalten, daß dadurch eine Entlastung der jüdischen Position in Deutschland erfolgt. Der Zionismus hat sich nicht damit begnügt, lediglich eine theoretische Auffassung von der Judenfrage zu erzeugen, sondern er hat praktisch eine Normalisierung des jüdischen Lebens durch Gründung einer neuen nationalen Siedlung der Juden in Palästina, in ihrem alten Stammland, eingeleitet. Dort sind heute schon etwa 230.000 Juden in einem normal
geschichteten Gemeinwesen zur Ansiedlung gebracht worden. Die Grundlage der jüdischen Siedlung bildet die Landwirtschaft. Alle Arbeiten, landwirtschaftliche, handwerkliche und industrielle, werden durch jüdische Arbeiter, die von einem neuen idealistischen Arbeitsethos beseelt sind, ausgeführt. Die Palästinabewegung ist von der deutschen Regierung stets gefördert worden; es ist sicher, daß die Bedeutung Palästinas für das deutsche Judentum ständig wächst.

Für seine praktischen Ziele glaubt der Zionismus auch die
Mitwirkung einer grundsätzlich judengegnerischen Regierung gewinnen zu können, weil es sich in der Behandlung der
jüdischen Frage nicht um Sentimentalitäten, sondern um ein reales Problem handelt, an dessen Lösung alle Völker, und
im gegenwärtigen Augenblick besonders das deutsche Volk,
interessiert sind.

Die Verwirklichung des Zionismus könnte durch ein Ressentiment von Juden im Ausland gegenüber der deutschen Entwicklung nur geschädigt werden. Boykottpropaganda - wie sie jetzt vielfach gegen Deutschland geführt wird - ist ihrer Natur nach unzionistisch, da der Zionismus nicht bekämpfen, sondern überzeugen und aufbauen will.

V. Außenpolitische Folgen

Wir glauben, daß die hier vorgeschlagene Regelung der jüdischen Frage für das deutsche Volk wichtige Vorteile mit sich brächte, die auch außerhalb der deutschen Grenzen fühlbar wären. Der Volkstumsgedanke, der für das über die ganze Welt verbreitete deutsche Volk (Auslandsdeutschtum) so wichtig ist, wurde hier durch einen staatsmännischen Akt des neuen Deutschland eine entscheidende Vertiefung und Festigung erfahren.

Millionen Juden leben als nationale Minderheiten in verschiedenen Ländern. Bei den Verhandlungen über Minderheitenschutz bei Beendigung des Krieges sind die von jüdisch-nationaler Seite vorbereiteten Formulierungen und Gedankengänge weitgehend von allen Staaten angenommen worden; sie haben zu Bestimmungen geführt, auf Grund deren heute auch deutsche Minderheiten ihre Rechte geltend zu machen pflegen. Unter Berücksichtigung der starken Interessengemeinschaften der nationalen Minderheiten, die wiederholt zum Ausdruck gekommen sind, und die gewiß in ganz anderer Weise in die Erscheinung treten würden, wenn
die Stellung der Juden in Deutschland durch Anerkennung ihrer Sonderart geregelt wird, kann die Politik der deutschen Volksteile in der ganzen Welt eine nachdrückliche Förderung erfahren. Diese Förderung liegt nicht nur in der ideellen Verstärkung der Geltung der vom Herrn Reichskanzler in seiner Rede vom 17. Mai proklamierten Grundsätze des Volkstums, sondern kann sich auch in unmittelbarer Kooperation zwischen den Minderheiten verschiedener Länder zeigen.

Wir sind der Tatsache gegenüber, daß eine Judenfrage existiert und weiter existieren wird, nicht blind. Aus der anormalen Situation der Juden ergeben sich für sie schwere Nachteile, aber auch für die übrigen Völker schwer tragbare Verhältnisse. Unsere hier vorgetragenen Äußerungen beruhen auf der Überzeugung, daß die deutsche Regierung bei der Lösung des Judenproblems in ihrem Sinne volles Verständnis für eine mit den Staatsinteressen im Einklang stehende, offene und klare jüdische Haltung haben wird.

Quelle: In zwei Welten, Siegfried Moses zum 75. Geburtstag, Tel Aviv 1962, 5. 118 ff.


ANHANG II

Die Denkschrift der Reichsvertretung der deutschen Juden

Während das ganze deutsche Volk von der Reichsregierung zur Erneuerung des Vaterlandes aufgerufen wird, lastet auf den deutschen Juden - die in Deutschland und deutscher Kultur
verwurzelt sind - seelische und sachliche Bedrängnis. Jüdische Abstammung und Gemeinschaft, zu denen sich Geschlecht um
Geschlecht mit ererbtem Stolze bekannt hat, werden herabgewürdigt und geschmäht. Jüdische Menschen, deren Lebensführung von keiner Seite angezweifelt wird, werden aus Amt, Beruf und Stellung gewiesen und über die davon betroffenen Familien kommt nur zu oft tiefes wirtschaftliches Elend. Soweit aus Gründen der Staatsraison den deutschen Juden ein Opfer auferlegt wird, könnten ihnen vaterländische Hingabe und jüdische Würde Schweigen gebieten. Reden wird aber zur Pflicht, wenn es sich um das Dasein des deutschen Judentums handelt, wenn eine Grundlage unserer Religionsgemeinden zusammenzubrechen droht, wenn Maßnahmen gegen die deutschen Juden gerichtet werden, die nicht nur ihnen selbst, sondern auch dem Wohle Deutschlands entgegen sind.

Darum unterbreitet die Reichsvertretung der deutschen Juden, in der die jüdischen Gemeinden und ihre Landesverbände zusammengeschlossen sind und die von dem Vertrauen der großen Organisationen des deutschen Judentums* getragen wird, der Reichsregierung das

Folgende

I.

Durch die Gesetzgebung dieses Jahres wurden die Juden, von den bekannten Ausnahmen abgesehen, grundsätzlich aus der Rechtspflege und den Ämtern in Reich, Staat, Gemeinden und sonstigen öffentlich -rechtlichen Körperschaften entfernt. Das ist damit begründet worden, daß Juden in dem auf einer rassischen Grundlage neu aufzubauenden Reiche nicht staatshoheitliche Befugnisse ausüben könnten. Darüber hinaus wurde der Anteil der Juden an allen akademischen Berufen wesentlich eingeschränkt oder sogar aufgehoben. Für das Erwerbsleben dagegen hat die Reichsregierung, die an der Aufrichtung der deutschen Wirtschaft und ihrer Beruhigung arbeitet, in ihrer Gesetzgebung vom Arierprinzip abgesehen. Seine Übertragung auf das Wirtschaftsleben würde nicht nur den deutschen Juden die Existenzmöglichkeit nehmen; auch Güter der deutschen Volkswirtschaft, wertvolle, an den Personen haftende, Handelsbeziehungen des In- und Auslandes würden schweren Schaden leiden. Durch zahlreiche Anordnungen von Reichs- und Landesstellen, von Parteiständen und Gemeinden, von Berufsvertretungen aller Grade, wird gleichwohl den Juden immer wieder die wirtschaftliche Beteiligung als Arbeitnehmer und Arbeitgeber erschwert, in manchen Landesteilen und in manchen Geschäftszweigen nahezu unmöglich gemacht. Wir überreichen in der Anlage 1 einige Belege. Sie sind nur ein kleiner Ausschnitt aus den letzten Monaten, aber schon sie geben ein deutliches Bild. Sie zeigen, wie die deutschen Juden, denen bereits die Gesetzgebung weitgehend ihre Plätze genommen hat, dort, wo sie in den freien Berufen verbleiben durften, boykottiert werden, und wie nun auch versucht wird, sie aus Handel und Industrie, Handwerk und Landwirtschaft zu verdrängen oder auszuschließen.

Verelendung, nicht nur Verarmung muß die Folge dieser Eingriffe in die Wirtschaft sein. Unverkennbar hat diese Entwicklung schon begonnen. Die Steuerkraft der deutschen Juden ist im Schwinden, die unmittelbar betroffenen jüdischen Gemeinden können ihren Aufgaben religiöser, sozialer und kultureller Fürsorge, die heute verstärkt an sie herantreten, kaum noch gewachsen sein; wird kein Wandel geschaffen, so ist ihr Erliegen kaum abwendbar.

Da dies nicht im Sinne und nicht im Interesse des neuen Reiches liegen kann, wenden wir uns an die Reichsregierung um Abhilfe. Ihr wird es gelingen, mit den Erfordernissen des neuen Staates die Lebensmöglichkeit der deutschen Juden in Einklang zu bringen. Für diese ist Voraussetzung:

Die unterschiedliche Behandlung zwischen arischen und jüdischen Erwerbstätigen möge in Zukunft unterbleiben. Jeder Druck zur Verdrängung oder Behinderung jüdischer Erwerbstätiger werde unterbunden, von welcher Seite auch immer er kommen möge.

II.

Eng mit der eben behandelten Frage hängt die weitere zusammen, welchen Beruf die Juden ergreifen sollen, die in der Gegenwart schon erwerbslos sind. Abgesehen von den durch die Wirtschaftskrise arbeitslos Gewordenen kommen hier vornehmlich zwei Gruppen in Betracht: zunächst die Berufstätigen, die durch die Gesetzgebung oder den privaten Boykott aus den freien Berufen oder aus ihren Arbeitsstellungen entfernt worden sind; sodann die jungen Menschen die jetzt, je mehr ihnen der Besuch der höheren Schulen versagt wird, um so mehr nach baldiger Ausbildung in einem Berufe verlangen. Wir sind uns bewußt, daß die bisherige Berufsschichtung der deutschen Juden, ihr Überwiegen in den akademischen Berufen und in den Großstädten ungesund war. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich die jüdische Jugend schon seit Jahren darum bemüht, diesem Mißstand, der von einer geschichtlichen Entwicklung mit bedingt war, abzuhelfen. Wesentliche Vorarbeiten haben eine umfassende Berufsumschichtung der deutschen Juden in den Weg geleitet. Der Wille der jüdischen Jugend zur körperlichen Arbeit jeder Art ist vorhanden. Aber ebenso muß auch die Bereitwilligkeit vorausgesetzt werden, sie in Berufsgruppen aufzunehmen, in denen sie bisher unter ihrem Bevölkerungsanteil vertreten waren. Auch hierzu erbitten wir die Hilfe der Regierung. Wir überreichen eine Anlage II. Sie zeigt, wie die Berufsstände des Handwerks und der Landwirtschaft den Zugang zur Ausbildung und die Eingliederung jüdischer Menschen zu verriegeln suchen. Die jüdische Jugend müßte trotz aller unserer Erziehungsarbeit der Verzweiflung anheimfallen, bliebe ihr nicht die Hoffnung auf zukünftige Arbeit. Wir erwarten deshalb, daß grundsätzlich kein Beruf den Juden verschlossen werde, daß in dem reichsständischen Aufbau von Handwerk und Arbeiterschaft, Landund Forstwirtschaft auch Juden ihre Ausbildung und Eingliederung erfahren.

III.

Auch wenn dies, wie wir erhoffen, geschieht, so werden doch unter dem Zwange der gegenwärtigen Lage viele jüdische Menschen auswandern müssen.

Zwar ist der jüdische Anteil an der Bevölkerungsziffer des Deutschen Reichs seit einem Jahrhundert im Absinken. Das
Beispiel der beiden größten Länder sei herausgegriffen:
In Preußen waren im Jahre 1816 1,2 % der Bevölkerung Juden, 1925 nur 1,06 %, in Bayern gab es 1818 noch 1,45 % Juden,
1925 zählte man 0,66 %. Selbst in den Großstädten liegt es nicht anders: Berlin hatte 1895 5,14 % Juden, 1925 4,29 %; Hamburg 1866 4,4 %, 1925 nur 1,73 %. Seither hat sich die
Zahl der Juden weiter verringert.

Gleichwohl ist damit zu rechnen, daß viele deutsche Juden in Deutschland keinen Lebensraum mehr finden werden und abwandern müssen. Das deutsche wie das jüdische Ansehen erfordert, daß diese Auswanderung planmäßig vorbereitet und geregelt werde. Das setzt voraus, daß schon im alten Heimatlande eine geeignete Berufsausbildung statthabe, und daß mit Unterstützung der
inländischen Behörden und der jüdischen Organisationen die Auswanderung in die Länder geleitet werde, die zur Aufnahme bereit sind und entsprechend vorgebildete Arbeitskräfte benötigen. Geschieht das, so wird der Auswanderer an neuer Stätte Anhänglichkeit dem Lande wahren, in dem seine Eltern und Vorfahren gelebt haben und er selber Erziehung und Ausbildung erhielt. Familienbande und kulturelle Zusammenhänge knüpfen alsdann auch wertvolle wirtschaftliche Verbindungen zur alten Heimat. Versteht der Auswanderer sein Fach, so wächst draußen die Achtung vor deutschem Können. Fällt er dagegen der Emigrantenhilfe zur Last, so paart sich einem Herabsehen auf den Almosenempfänger nur zu leicht eine geringschätzende Abneigung gegen das Land, aus dem er gekommen ist. Wir bitten deshalb die Reichsregierung, auf dem Gebiet des Auswanderungswesens die Arbeit zu unterstützen, die wir und die hierzu berufenen Organisationen für die Auswanderung nach Palästina und anderen Ländern leisten.

IV.

Schwerer noch als alle wirtschaftliche Not lastet auf uns
seelische Bedrückung. Die rassische Voraussetzung, auf die sich der nationalsozialistische Staat aufbaut, geht von dem Gedanken der Andersartigkeit seines jüdischen Bestandteiles aus. Den Vorwurf der Minderwertigkeit aber kann keine Gemeinschaft hinnehmen, die auf Ehre und Würde hält. Wir deutschen Juden müssen es in Deutschland erfahren, daß man uns zu diffamieren versucht. In der Anlage III sind nur wenige Beispiele zusammengestellt, aber jeder kennt zahlreiche. Wir wissen, daß Regierungs- und obere Parteistellen die rohe und beschimpfende Form solcher Äußerungen mißbilligt haben und verurteilen. Was wir deutschen Juden, vor allem auch um unserer Kinder willen, dabei empfinden, das im einzelnen auszusprechen, verbietet uns unser Stolz. Auf eines weisen wir aber hin, weil ihm auch eine politische Bedeutung zukommt: In den Ländern, mit denen sich Deutschland im Ringen um seine Weltgeltung auseinandersetzen muß, leben Juden. Keine Greuelhetze trifft sie so, wie diese Tatsache, daß aus deutschen Zeitungen und Kundgebungen eine Diffamierung ihres von ihnen hochgehaltenen Stammes und Glaubens zu ihnen dringt. Die Verletzung ist um so tiefer, wenn es sich nicht um gelegentliche Entgleisungen in dem Eifer eines Wahlkampfes handelt, sondern um vorbedachte und wiederholte Äußerungen aus Tagen, in denen das Gemeinwesen als gefestigt erscheint, und innerhalb eines Staates, der mit der Macht über das Mittel verfügt, die öffentliche Meinung zu überwachen und zu leiten.

Von welchem Gesichtspunkte immer diese Frage betrachtet werde, wir glauben der Erwartung Ausdruck geben zu dürfen, daß in Zukunft jede Diffamierung der jüdischen Gemeinschaft und Abstammung unterbleibe.

Wenn wir diese Darlegungen überreichen, so sind wir uns dessen wohl bewußt, von welcher Fülle der Aufgaben die Reichsregierung jetzt beansprucht ist. Wir haben uns deshalb auf das beschränkt, dessen Ordnung uns, auch um des deutschen Staates willen, unaufschiebbar erscheint. Darauf hinzuweisen, ist unsere Pflicht nicht nur gegen- über unseren Gemeinden, sondern ebenso gegenüber der Reichsregierung. Wir sind des gewiß, dem deutschen Vaterlande hierdurch zu dienen.

Im Januar 1934.

Die Reichsvertretung der deutschen Juden.
Berlin-Charlottenburg,
Kantstr. 158.

Quelle: In zwei Welten, Siegfried Moses zum 75. Geburtstag, Tel Aviv 1962, 5. 118 ff.

  • Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Zionistische Vereinigung für Deutschland.

References

l. Theodor Herzl, The Jewish State (New York, 1946) p. 92. 2. Hannah Arendt, The Jewish State, 50 Years After - Where

      Have Herzl`s Politics Led? (article in Commentary,
      Vol. 1, No. 7, May 1946)
   3. Moshe Menuhin, The Decadence of Judaism in Our Time
      (Institute for Palestine Studies reprint, Beirut,
      1969) pp 46-47.
   4. Quoted by Reuben Ainsztein, Jewish Resistance in
      Nazi-Occupied Eastern Europe (London, 1974) p. 151.
   5. Report of Royal Commission on Alien Immigration,
      1902-1903 (Cmnd. 1741 & 1742).

6. Jewish Chronicle, 23 December 1904.
7. Hansard, 10 July 1905, Vol. 149, Col. 154-155.
8. Theodor Herzl, Diaries (Marvin Lowenthal`s

translation, New York, 1956) p. 7.
9. Chaim Weizmann, Trial and Error (New York, 1949) p. 243. 10. Memorandum on die Anti-Semitism of the Present Government,

23 August 1917.
11. Oscar Janowsky People at Bay (London, 1938) pp. 126-127. 12. J.W. Wise, Swastika, the Nazi Terror (New York, 1933)

pp. 59-60.
13. Ibid., pp. 104-107.
14. Report dated 25 April 1933, from Innsbruck.
15. Norman Bentwich, The Refugees from Germany (London, 1936)

p. 30.
16. Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem (New York, 1963)

pp. 53-54.
17. Ibid., pp. 54-55.
18. Wise, op. cit., p. 45.
19. Eliahu Ben Elissar, La Diplomatie du IIIe Reich et les

      Juifs (Julliard, place of publication not stated, 1969)
      pp. 86-87.
  20. RauI Hilberg, The Destruction of the European Jews (London,
      1961) p. 95.

21. Ben Elissar, op. cit., pp. 90-94.
22. Israel Cohen, Contemporary Jewry (London, 1950) p. 186. 23. Arendt, op. cit., p. 55.
24. Letter from Blumenfeld, for Zionist Federation, to Nazi

official Bulow-Schwante, 11 .Iune 1934.
25. Ben Elissar, op. cit., pp. 185-186.
26. Gerald Reitlinger, The Final Solution (New York, 1961)

p. 7.
27. Ben Elissar, op. cit., pp. 186-187.
28. Janowsky, op. cit., pp. 90-91.
29. Ben Elissar, op. cit., p. 204.
30. Ibid., p. 219.
31. Oscar Janowsky and Melvin Fagen, International Aspects

of German Racial Policies (New York, 1937), pp. 49-50. 32. Bentwich, op. cit, pp. 142-143.
33. Ben Elissar, op. cit., pp. 423-424.
34. Jon & David Kimche, The Secret Roads (London, 1954)

pp. 15-16.
35. Ibid., pp. 17-19.
36. Ibid, p. 30.
37. Arendt, op. cit., p. 39.
38. Ibid, p. 41.
39. Kimche, op. cit., pp. 27, 30-31.
40. Ibid., p. 217
41. Ibid., pp. 33-35.
42. Ibid, p. 217.
43. 6,000,000 Accusers, opening address in Adolf Eichmann

trail, Sessions 6-8.
44. Shiomo Katz, 6,000,000 and 5,000,000 (article in Midstream,

No. 1, 1964).
45. Reuben Ainsztein, Jewish Resistance in Nazi-Occupied Eastern

Europe (London, 1974) pp. 408, 442, 468, 634-638.
46. Letter from Mordechai Anielewicz to Polish Home Army Command

and Government Delegate`s office, 13 March 1943.
47. Ainsztein, op. cit., p. 486.
48. Joseph Tenenbaum, Underground, the Story of a People (New

York, 1952) pp. 81-82.
49. Ibid., pp. 347-348,
50. Appeal by Itzik Witenberg and Abba Kovner to Vilno ghetto

inhabitants, 1 January 1942.
51. Ainsztein, op. cit., pp. 505-507.
52. Tenenbaum, op. cit., pp. 344-345.
53. Ibid., pp. 353-354.
54. Reb Moshe Shonfeld, The Holocaust Victims Accuse, Part 1,

(Neturei Karta of USA, New York, 1977) pp. 30-33.
55. Yuri Suhl, They Fought Back (London, 1968) p. 191.
56. Shonfeld, op. cit, pp. 88, 119-121.
57. Ainsztein, op. cit., pp. 521-547.
58. Shonfeld, op. cit., pp. 22-23.
59. Michael Elins, Forged in Fury (New York, 1971) pp. 62,

64-65.
60. Ainsztein, op. cit., pp. 565, 599.
61. Ibid., p. 620.
62. Suhl, op. cit., p. 622.
63. Ainsztein, op. cit, p. 622.
64. Ibid., pp. 591-671; see also Chaim A, Kaplan, Scroll

     of Agony (A Warsaw Diary), translated $ edited by
     Abraham I. Katsch (London, 1966) and Martin Gray, Au
     Nom de Tous les Miens (Paris, 1971) for accounts by
     ghetto inhabitants.

65. Ainztein, op. cit., pp. 556-561.
66. Letter to Issac Cukierman, 26 April 1943.
67. Tenenbaum, op. cit., p. 381.
68. Letter to The Times. 6 June 1961.
69. Shonfeld, op. cit., pp. 63-65.
70. Elkins, op, cit., pp. 59, 166.
71. Ibid., pp. 197, 237.
72. Statement to Zionist convention in London, August 1937. 73. Speech on "The Diaspora and the Redemption", Tel-Aviv,

Februay 1943.
74. Shonfeld, op. cit., p. 21.
75. Ben Hecht, Perfidy (New York, 1961) pp. 58-59.
76. Official charge sheet, Criminal Case 124/53, District

Court, Jerusalem.
77. Judgement given on 22 June 1955, Protocol of Criminal

Case 124/53 in District Court, Jerusalem.
78. Hecht, op. cit., pp. 202-208.
79. Letter to Zionist representatives, 15 May 1944.
80. Affidavit before Mr. Benno H. Selcke Jr., of American

      Evidence Division, International Military Tribunal,
      Nuremberg, 4 August 1947.

81. Hecht, op. cit., p. 67.
82. Ibid., p. 84.
83. Haaretz, 14 July 1955.
84. Hecht, op. cit., p. 185.
85. See Ibid., pp. 208-250 and Shonfeld, op. cit.,

      pp. 36-39 for details of Joel Brand story, as
      well as Alex Weissberg, Die Geschichte von Joel
      Brand (Cologne, 1956).

86. Shonfeld, op. cit., pp. 76, 82-86.
87. Andre Biss, A Million Jews to Save (London, 1975)

pp. 21, 37.
88. Haboker, 23 June 1955.
89. Protocol C.C. 124/53, Jerusalem District Court.
90. Menuhin, op. cit., p. 473.
91. Alfred Lilienthal, The Other Side of the Coin (New

      York, 1965) p. 109; New York Times, 16 December 1960;
      Arendt, op. cit., p. 16.
  92. Moshe Pearlmann, The Capture and Trial of Adolf Eichmann
      (New York, 1963) p. 534.

93. Ibid., p. 358.
94. Ibid., p. 359.
95. Hecht, op. cit., p. 200.
96. Leonard Sussman, Analysis of Perfidy (American Council

for Judaism) quoted by Menuhin, op. cit., p. 484.
97. Shonfeld, op. cit., p. 30.
98. Biss, op. cit., p. 191.
99. Hecht, op. cit., p. 267, note 148.
100. Memorandum dated 11 January 1941 submitted in report

      of German Naval Attache in Turkey, quoted by Klaus
      Polkehn, The Secret Contacts: Zionist-Nazi Relations,
      1933-1941 (article in Journal of Palestine Studies,
      Vol. V, Nos. 3 & 4, Spring/Summer 1976).
 101. See Joseph Schechtman, Fighter and Prophet (New York,
      1961) pp. 483-484 and Gerold Frank The Deed (New York
      1963) p. 79.
 102. The Other Israel, (Matzpen pamphlet, Tel Aviv, n.d.)
      pp. 9-10.
 103. Morris R. Cohen, Tribalism or Liberalism, essay in
      Palestine: a Search for Truth, ed. Alan R. Taylor
      and Richard N. Tetlie (Washington, DC, 1970), p. 71.

104. Arendt, op. cit., pp. 55-56.
105. Izzi Cohen, The Cruel Zionism (article in Matzpen, April

      1974). The quotation is from Morris L. Ernst, So Far So
      Good (London, 1953), pp. 138-139.

106. Lilienthal, op. cit., p. 20.
107. Arthur Hayes Sulzberger in New York Times, 27 October

1946.
108. Menuhin, op. cit., p. 92.
109. Hecht, op. cit., p. 50.
110. Issaac Deutscher, The Non-Jewish Jew & Other Essays (London,

1968) p. 66.
111. Letter to Rabbi Baruch Rabinowitz, Congregation B`nai

Abraham, Hagerstown, Maryland, 1 February 1940.
112. Arendt, op. cit., p. 111.

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21.11.04    Gerhard Lange c/o GIV <G.LANGE@NADESHDA.org>
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