VI DIE ZIONISTISCHE POLITIK ZU DER MASSEN-VERNICHTUNG
Die Berichte jüdischer Historiker von dem Schicksal der osteurop
äischen Juden unter Nazibesatzung enthalten eine zweiseitige
Geschichte des Heroismus des Widerstands und der Schande der
Kollaboration. Welche Rolle spielte die zionistische Bewegung
genau als Bewegung in diesem ganzen Geschehen? Handelten die
zahlreichen zionistischen Führer, die auf verschiedene Weise
mit dem Nazismus kollaborierten, als Individuen, oder vertraten
sie zionistische Politik? Mit anderen Worten: wer war typisch
für die zionistische Bewegung, Anielewicz oder Gens?
Als der Vorstoß der deutschen Wehrmacht in die Sowjetunion den
Großteil der osteuropäischen Juden unter die eiserne Kontrolle
der Nazis brachte, reagierte der individuelle Zionist, der in
dieser Falle gefangen war, auf unterschiedliche Weise. Einige
realisierten, daß Nazideutschland entschlossen war, Europa
"judenrein" zu machen, und glaubten deshalb, daß für jeden
Juden das Risiko der Ausrottung bestand, der nicht geflohen
war oder von den Zionisten unter den Abkommen von 1938 aus
Europa entfernt worden war. Diese Individuen vereinigten sich,
wie Anieliwicz, mit Nichtzionisten im Widerstand. Andere, vor
allem solche wie Gancwajch und Gens, die Führer der zionistischen
Bewegung gewesen waren, hofften weiterhin, daß sie sich selbst
und ihre auserwählten Anhänger durch Absprachen mit den Nazis
auf Kosten ihrer Mitjuden retten könnten.
In den höheren Rängen der zionistischen Bewegung jedoch, vor allem
in der Jewish Agency, deren Führer den Krieg in sicheren Häfen
überwinterten, um die künftige israelische Regierung zu bilden, gab
es keine geteilten Ansichten. Von diesen Führern kam kein Aufruf
zum Aufstand gegen den Nazismus, und es gibt auch keinen Bericht,
daß sie irgendeinen Versuch machten, beispielsweise Waffen zu den
Ghettokämpfern zu schmuggeln, die diese so dringend benötigten.
Die zionistische Bewegung entfaltete einige begrenzte militärische
Aktivitäten im Zweiten Weltkrieg, die jedoch im wesentlichen mehr
dazu bestimmt waren, das Ziel zionistischer Staatengründung zu
fördern als den Nazismus als solchen zu bekämpfen oder unterdrückte
Juden beim Widerstand zu unterstützen. So formten die Zionisten
eine "Jüdische Brigade" in der britischen Armee, deren wirkliches
Ziel es war, der Fiktion Glaubwürdigkeit zu verleihen, daß die
Juden eine nationale Einheit bilden, und um militärisches Training
und Erfahrung für die zukünftige israelische Armee zu gewinnen.
Dem jüdischen Historiker Joseph Tannenbaum zufolge richtete "Liahu
Golom - der Führer der Haganah - eine Petition an die britische
Armee, den jüdischen Freiwilligen Flugzeuge und Munition für
Flucht, Kampf und Rettung zur Verfügung zu stellen. Bis Anfang
1944 erhielten sie nichts." Es ist nicht klar, warum die Briten
sich nicht an einem solchen Projekt beteiligt hätten, wenn es
ernsthaft darauf abgestellt gewesen wäre, die alliierten Kriegsanstrengungen
zu unterstützen und wenn sie die entsprechenden
Ressourcen gehabt hätten, oder warum die Zionisten eine solche
Anfrage nicht an die USA richteten, die alliierte Macht mit
den größten Ressourcen, wo die zionistische Bewegung auch am
meisten politischen Einfluß hatte. Schließlich, als der Krieg
sich seinem Ende näherte, setzten die Zionisten insgesamt 31
Fallschirmspringer in von Nazis besetzten Gebieten ab, doch
ihre Aufgabe war die Organisation weiterer Auswanderungen nach
Palästina anstatt des Widerstandes gegen den Nazismus. [67]
Der Vorwurf, daß die britische Regierung angebliche zionistische
Bitten mißachtete, jüdischen Opfern des Nazismus zu helfen,
wurde von Rabbi Dr. Solomon widerlegt, der als Vorsitzender eines
Rettungskomitees arbeitete, das von dem Oberrabbiner in Großbritannien
eingerichtet wurde. Rabbi Schonfeld zufolge "sprach
meine Erfahrung in den Jahren 1942-43 für die Bereitschaft der
Briten zu helfen, offen, konstruktiv und umfassend, und daß diese
Bereitschaft auf Widerstand bei den zionistischen Führern stieß,
die darauf bestanden, daß die einzig akzeptable Form der Hilfe
die Rettung nach Palästina sei." Rabbi Schonfeld erinnerte daran,
daß 277 britische Parlamentsabgeordnete einen Antrag unterzeichneten,
der die Regierung aufforderte, in Gebieten britischer
Oberhoheit Asyl für die Opfer der Naziverfolgung bereitzustellen,
und "die Regierung ihrer Majestät stellt in der Tat einige hundert
Einwanderungsgenehmigungen für Mauritius und andere Gebiete aus tats
ächlich zugunsten jeder bedrohten jüdischen Familie, die wir
nannten." Dann, "während der parlamentarischen Versammlung vom
27. Januar 1943, als die nächsten Schritte von über 100 Lords und
Abgeordneten energisch vorangetrieben wurden, kündigte ein Sprecher
der Zionisten an, daß die Juden diesen Antrag ablehnen würden, da
er Palästina nicht erwähne. Einige Stimmen erhoben sich zugunsten
der Ansicht der Zionisten, es gab eine lebhafte Debatte, und danach
war der Antrag gefallen. Sogar seine Befürworter waren verzweifelt:
wenn sich die Juden untereinander nicht einigen können, wie können
wir helfen?" [68]
Im Juli 1944 schlug der slowakische jüdische Führer Rabbi Dov
Michael Weissmandel in einem Brief an zionistische Funktionäre,
die für "Rettungs"organisationen zuständig waren, eine Reihe
von Maßnahmen vor, die das Leben von Tausenden von Juden retten
konnten, die von der Liquidierung in Ausschwitz bedroht waren.
Seine Vorschläge waren:
"1) Mithilfe einer genauen Eisenbahnkarte die Gleise zu
bombardieren, auf denen ungarische Juden in die Krematorien
transportiert werden;
2) die Öfen in Ausschwitz zu bombardieren;
3) mit Fallschirmen Munition an die 80 000 Gefangenen in
Auschwitz zu bringen;
4) mit Fallschirmen Saboteure abzusetzen, die alle
Vernichtungseinrichtungen in die Luft jagen würden,
und damit eine Unterbrechung in der täglichen
Verbrennung von 13.000 Juden zu bewirken;
5) bei einer Ablehnung durch die Alliierten Flugzeuge
zu besorgen und jüdische Freiwillige zu rekrutieren,
die die Sabotage durchführen würden.
Diesem Brief fügte er die schmerzliche Frage hinzu:
'Warum ist das bisher nicht geschehen? Warum geschieht es nicht
jetzt? Wer ist schuld an dieser schrecklichen Nachlässigkeit?
Seid Ihr nicht schuldig, jüdische Brüder: Ihr, die Ihr das größte
Glück in der Weltfreiheit habt?'"
Es ist zweifelhaft, ob die Zionisten jemals einen ernsthaften
Vorstoß bei den Alliierten unternahmen, den verfolgten Juden
unter Nazibesatzung zu helfen. "Während des Kastner-Prozesses
wurde immer wieder die Frage gestellt, warum die Leiter der
Jewish Agency sich mit dieser Forderung (die Vernichtungsanlagen
von Ausschwitz zu bombardieren) nicht an die Alliierten wandten.
Es war keine Antwort von ihnen zu bekommen. Ben Gurion und
Sharett vermieden es sogar, vor Gericht zu erscheinen, um das
Fehlen jeder bedeutenden Aktion zu erklären. Erst vier Jahre
später im Fall gegen Eichmann legte die Jewish Agency, die weitere
peinliche Schwierigkeiten antizipierte, dem Gericht aus eigener
Initiative Dokumente vor, die bewiesen, daß Anträge zur Bombardierung
von Ausschwitz an die britische Regierung gestellt worden
waren. Welch ein Wunder! So viele Jahre war von diesen Dokumenten
nichts bekannt und plötzlich wurden sie in den Archiven der
Jewish Agency entdeckt!
Doch auch jetzt verzichteten Ben Gurion und Sharett darauf,
mündliche Erklärungen vor Gericht abzugeben, und der Staatsanwalt
drehte und wendete sich mit erstaunlicher Virtuosität, damit er
sie nicht brauchte." [69]
Es ist legitim, obwohl wenige es zu tun gewagt haben, zu fragen,
warum die zionistische Bewegung nichts tat, um die heldenmütigen
Ghettoaufstände und die verzweifelten Versuche, selbst in den
Konzentrationslagern Widerstand zu organisieren, zu unterstützen,
und warum sie überhaupt wenig für die Juden in Europa tat, mit
der Ausnahme, daß sie Emigrationsmöglichkeiten für ihre eigenen
Mitglieder organisierte. Wußte die zionistische Führung nicht,
daß die osteuropäischen Juden ausgerottet wurden?
Dem bekannten zionistischen Autor Michael Elkin zufolge konnte ein
Opfer namens Moshe Podhlebnik wunderbarerweise dem Tod entkommen
und aus Chelmo, dem ersten Ausrottungslager mit Gaskammern, fliehen;
er konnte der Außenwelt über das, was passierte, bereits im Dezember
1941 Nachricht geben. "Anfang August 1942 erstattete ein Agent
des Jüdischen Weltkongresses in der Schweiz namens Gerhard Riegner
einen Bericht an die amerikanische Gesandtschaft in Bern", die auf
den Aussagen Podlebhniks und anderer beruhte. Die Gesandtschaft
berichtete am 17. August dem amerikanischen Außenministerium, daß
es einen Plan für alle Juden unter Naziherrschaft gab, "auf einen
Schlag ausgerottet zu werden." [70] So wußte die zionistische
Bewegung außerhalb der von Nazis besetzten Gebiete spätestens zu
diesem Zeitpunkt Bescheid.
Fehlten der zionistischen Bewegung die Mittel, den bedrängten
Juden zu helfen? Das ist kaum zu glauben. Der Zionismus war
damals die einzige jüdische Bewegung, die auf einer weltweiten
Basis organisiert war, mit finanziellen Ressourcen und einflußreichen
Kontakten mit Machthabern in der ganzen westlichen
Welt. Es sollte nicht vergessen werden, daß 1942 das Jahr des
Biltmore-Programms war, das die Etablierung eines entscheidenden
zionistischen Einflusses auf die Politik der Vereinigten Staaten
markierte. Natürlich war der Zionismus nicht zu schwach, den
unterdrückten europäischen Juden zu helfen, besonders wenn wir
uns daran erinnern, daß sofort nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
"von der Haganah, der jüdischen Untergrundarmee in Palästina,
einhundert Agenten nach Europa eingeschleust wurden", um die
überlebenden Juden zur Erhöhung der Zahl der israelischen Arbeitskr
äfte nach Palästina zu transportieren. Doch bis dahin waren
schätzungsweise 6 Millionen Opfer geschlachtet worden. Die
zionistische Spionageorganisation Mossad "hatte ein Haganah-Netz
über Europa von Konstantina am Schwarzen Meer bis zu dem winzigen
Port de Bouc an Frankreichs äußerster Mittelmeerküste gespannt,
und kein Jude konnte innerhalb dieser Tausende von Meilen etwas
Bedeutendes tun, das ihrer Aufmerksamkeit entgangen wäre". [71]
Wo waren diese Ressourcen, als die Juden Europas in Millionenzahl
abgeschlachtet wurden?
Dr. Chaim Weizmann, der später der erste Präsident des israelischen
Staates wurde, deutete bereits 1937 an, daß er eine ziemlich klare
Vorstellung von dem Schicksal hatte, das Europas Juden erwartete,
und erklärte ebenso eindeutig, was die zionistische Politik sein
würde. "Die Hoffnungen von Europas sechs Millionen konzentrieren
sich auf Emigration" stellte er fest. "Ich wurde gefragt: 'Können
Sie sechs Millionen Juden nach Palästina bringen?' Ich antwortete:
'Nein ... Aus der Tiefe der Tragödie will ich zwei Millionen Junge
Leute retten ... Die alten werden es vertragen. Sie werden ihr
Schicksal tragen oder auch nicht. Sie waren Staub, ökonomischer und
moralischer Staub in einer grausamen Welt ... Nur die Jungen sollen
überleben ... Sie haben es zu akzeptieren." [72]
Die Zionisten waren in der Tat borniert. Ihr einziges Ziel war es,
einen Staat in Palästina zu schaffen. Einer ihrer Führer, Yitzhak
Greenbaum, der zum Vorsitzenden eines Komitees ernannt wurde, das
die Zionisten angeblich zur Rettung der europäischen Juden einsetzten,
sagte, daß nichts, nicht einmal die Rettung der europäischen
Juden, dieses Ziel in den Schatten stellen dürfen sollten. Mit seinen
Worten: "Wenn sie mit zwei Plänen zu uns kommen - die Rettung der
Massen der Juden in Europa oder die Erlösung des Landes, - stimme
ich, ohne Zögern, für die Erlösung des Landes. Je mehr über die
Ermordung unseres Volkes geredet wird, desto mehr minimisieren wir
unsere Bemühungen zur Stärkung und Betreibung der Hebräisierung
des Landes. Wenn es heute eine Möglichkeit gäbe, Freßpakete (für
hungernde Juden unter der Naziherrschaft) mit dem Geld der Keren
Hayesod (Unlted Jewish-Appeal). zu kaufen, um es über Lissabon
zu verschicken, würden wir das tun? Nein! Und noch einmal: nein!"
[73] Es ist merkwürdig, daß wenige Leute fragten, ob ein Mann
mit solchen Ansichten der richtige in einer Organisation war, die
theoretisch für Rettungsarbeit zuständig war.
lnteressanterweise war Yitzak Greenbaums Sohn Eliezer ein bekannter
Kollaborateur mit den Nazis in Ausschwitz. Der jüdische Autor K.
Tzetnik erwähnte in seinem Buch "Call him Feifel" "Eliezer Greenbaum
(den er in dem Buch Fruchtenbaum nennt) der dank seiner Taktik,
sich als Informant zu betätigen und Grausamkeit zu zeigen - in
einem Maße, das selbst die Deutschen erstaunte -, in den Rang eines
Blockkommandanten erhoben wurde."
VII KASTNER UND DIE UNGARISCHEN JUDEN
Die Abkommen zwischen der Zionistenbewegung und Nazideutschland
waren jahrelang ein gut gehütetes Geheimnis. Doch sobald der unter
dem Namen Fall Kastner bekannte Skandal im Jahre 1953 ausbrach,
kamen die Einzelheiten allmählich ans Licht. Das erste Geheimabkommen,
das voll veröffentlicht wurde, war der 1944 geschlossene
Vertrag zwischen Dr. Rudolf Kastner vom Rettungskomitee der Jewish
Agency in Budapest und Oberst Adolf Eichmann (der das Emigrationsabkommen
von 1939 mit Moshe BarGilad unterzeichnet hatte), dem
offiziell Beauftragten für die Lösung der "Judenfrage" in Ungarn.
Das Kastner-Eichmann-Abkommen betraf das Schicksal von 800.000
Juden in Ungarn.
"Der größte Teil der ungarischen Juden war nicht organisiert. Sie
gehörten weder zum Zionismus noch zur Jewish Agency. Sie gehörten
zu Ungarn, seinen Häusern, Straßen, Arbeitsplätzen, Sportstadien,
Cafés. Wer konnte für diese assimilierten Juden, diese Juden ohne
Vorsitzende sprechen?... Die organisierten Juden übernahmen die
Rettung der 800.000 verurteilten Juden." Die organisierten Juden
waren die Zionisten, die das Rettungskomitee der Jewish Agency
errichteten. Kastner und die anderen Funktionäre dieses Komitees,
wie Ginsberg und Bar-Gilad, waren von den Nazis offiziell als
Unterhändler und Vertreter der zionistischen Bewegung anerkannt.
Die Wahrheit über die Tätigkeit dieser sogenannten "Rettungskomitees"
wurde nicht bekannt, bis ein israelischer Autor namens Malchiel
Greenwald Kastner öffentlich als Kollaborateur mit dem Nazismus
anklagte, indem er behauptete, daß "Kastners Aktivitäten uns das
Leben von Hunderttausenden von Juden gekostet haben." [76] Greenwald
wurde nicht von Kastner, sondern von der israelischen Regierung
wegen Verleumdung angeklagt, dessen Führer Kastners Vorgesetzte
gewesen waren und die die von ihm ausgeführte Politik konzipiert
hatten.
Der Prozeß verlief nicht günstig für die israelische Regierung.
Greenwald wurde von der Anklage der Verleumdung freigesprochen,
was darauf hindeutete, daß es eine sichere Grundlage für seine
Anschuldigung gab, daß Kastners Rettungskomitee mit den Nazis
kollaboriert hatte und ihnen dabei geholfen hatte, die Masse
der ungarischen Juden im Tausch gegen die Erlaubnis auszurotten,
über 600 bekannte Zionisten zu retten und nach Palästina zu
bringen. Richter im Fall Kastner, Benjamin Halewi: "Die Juden
der Ghettos hätten den Nazis oder ungarischen Herrschern nicht
getraut. Doch sie vertrauten ihren Jüdischen Führern. Eichmann
und andere benutzten dieses Faktum als Teil ihres kalkulierten
Plans, die Juden zu täuschen. Sie konnten die Juden zu ihrer
Ausrottung mit Hilfe ihrer jüdischen Führer bringen ... Jene
Juden, die versuchten, ihren Freunden die Wahrheit zu sagen,
wurden von den jüdischen Führern verfolgt, die die lokale
'Rettungsarbeit' leisteten. Das Vertrauen der Juden in die
irreführende Information und ihr fehlendes Wissen, daß ihre Frauen,
Kinder und sie selbst demnächst in die Gaskammern von Ausschwitz
transportiert werden würden, veranlaßte die Opfer, sich in ihren
Ghettos ruhig zu verhalten... Die Nazi-Patronage von Kastner und
ihre Erlaubnis, 600 prominente Juden zu retten, waren Teil des
Ausrottungsplans für die Juden... Die Gelegenheit, prominente Leute
zu retten, sprach ihn sehr an. Er sah die Rettung der wichtigsten
Juden als einen großen persönlichen Erfolg und als einen Erfolg des
Zionismus..."
"Die Opferung der Überlebensinteressen der Mehrheit der Juden für
die Rettung von Prominenten war das Grundelement in dem Abkommen
zwischen Kastner und den Nazis. Dieses Abkommen hielt die Teilung
der Nation in zwei ungleiche Lager fest, eine kleine Gruppe
Prominenter auf der einen Seite, die zu retten die Nazis Kastner
versprachen und die große Mehrheit der ungarischen Juden, die
die Nazis für den Tod bestimmten, auf der anderen. Eine zwingende
Bedingung für die Rettung des ersten Lagers durch die Nazis war,
daß Kastner nicht in die Aktion der Nazis gegen das andere Lager
eingreifen würde und sie nicht an der Ausrottung hindern würde.
Kastner erfüllte diese Bedingungen ... Die Kollaboration zwischen
dem Rettungskomitee der Jewish Agency und den Mördern der Juden
wurde in Budapest und Wien konsolidiert. Kastners Pflichten waren
integraler Bestandteil der SS. In Ergänzung zu ihrer Vernichtungsund
Plünderungsabteilung eröffnete die Nazi-SS eine Rettungsabteilung
unter der Regie von Kastner." [77]
Greenwalds Anwalt Shmuel Tamir (der als Mitglied der Herut-Partei
hoffte, die Regierung der Mapai-Partei zu stürzen, der Kastner
angehörte) wollte Kastner als nächstes wegen Kollaboration mit
den Nazis vor Gericht stellen. Dafür "sammelte Tamir einen Koffer
voll neuen Beweismaterials gegen Dr. Kastner und Gott weiß wen."
Bevor dieses zweite Verfahren eröffnet werden konnte, wurde Kastner
jedoch von Zeev Eckstein ermordet, der früher "ein bezahlter
Geheimagent des Geheimdienstes der israelischen Regierung war";
damit war die Gefahr beseitigt, daß sein Auftreten vor Gericht
mehr peinliche Einzelheiten zutage fördern könnte. [78]
Während Kastner seinen Handel mit den Nazis abschloß, schrieb Rabbi
Weissmandel an die zionistische Bewegung: "Wir schicken Euch diese
Sonderbotschaft, um euch zu informieren, daß die Deutschen gestern
die Deportation der Juden aus Ungarn begonnen haben ... Die
Deportierten gehen nach Ausschwitz, um durch Cyanid-Gas ermordet
zu werden .. Das ist das Projekt von Ausschwitz, von gestern bis
zum Ende: 12.000 jüdische Männer, Frauen und Kinder, alte Männer,
Kinder, Gesunde und Kranke - sollen täglich erstickt werden... Und
Ihr, unsere Brüder in Palästina, in allen freien Ländern, und Ihr,
Diener des Herrn, wie könnt ihr angesichts dieses großen Mordes
schweigen? Schweigen, während Tausende und Abertausende, nun fast 6
Millionen Juden, ermordet wurden. Und schweigen, während Zehntausende
immer noch ermordet werden oder darauf warten? ihre zerstörten
Herzen schreien nach Eurer Hilfe ebenso wie sie Eure Grausamkeit
beklagen. Ihr seid brutal, ja Mörder, wegen des kaltblütigen
Schweigens, mit dem Ihr zuseht. Denn ihr sitzt mit gefalteten
Händen und tut nichts, obwohl Ihr das Morden von Juden beenden
oder verzögern könntet in dieser Stunde... Ihr, unsere Brüder,
Söhne Israels, seid ihr wahnsinnig? Wißt Ihr nicht, daß die Hölle
um uns los ist? Für wen spart ihr Euer Geld? Mörder. Wahnsinnige.
Wer übt Barmherzigkeit? Ihr, die Ihr ein paar Pfennige aus Euren
sicheren Häusern werft? Oder wir, die wir in der Tiefe der Hölle
unser Blut geben?" [79]
Eine weitere interessante Enthüllung des Verleumdungsprozesses
Kastner war, daß Kastner interveniert hatte, um den SS-General
Kurt Becher davor zu bewahren, wegen Kriegsverbrechen verurteilt
zu werden. Becher war einer der führenden Nazi-Unterhändler für
Abkommen mit den Zionisten im Jahre 1944 gewesen. Kastner sagte
dem Nürnberger Gericht: "Es kann kein Zweifel bestehen, daß Becher
zu den wenigen SS-Führern gehört, die die Courage hatten, dem
Vernichtungsprogramm für die Juden zu widerstehen und zu versuchen,
Menschenleben zu retten... Meiner Meinung nach verdient Kurt
Becher, wenn sein Fall von alliierten oder deutschen Behörden
verhandelt wird, die größtmögliche Nachsicht ... Ich mache diese
Aussage nicht im eigenen Namen, sondern auch in dem der Jewish
Agency und des Jüdischen Weltkongresses. Gezeichnet Dr. Rudolf
Kastner, Vorsitzender der Zionistischen Organisation in Ungarn,
1943 - 1945. Vertreter des Joint Distribution Committee in
Budapest." [80]
Als Resultat von Kastners persönlicher Intervention wurde Becher
aus dem Gefängnis in Nürnberg entlassen. Was für ein Mann war
das, den Kastner "im Namen der Jewish Agency und des Jüdischen
Weltkongresses" so gerne retten wollte? "Kurt Becher, groß, gut
aussehend, ein guter Reiter, und reicher Getreidemakler, trat
1934 in die Nazipartei ein. Er diente als SS-Major in Polen, war
Mitglied des Totenkopfbataillons, das rund um die Uhr Juden tötete.
Er trug ein Totenkopfsymbol auf seiner Uniformmütze, und seine
Schuhabsätze waren mit Stahlplatten verstärkt, so daß er umso
furchterregender auftreten konnte, wenn er unter den auf ihren
Tod wartenden jüdischen Gefangenen herumlief ... Becher zeichnete
sich als Judenschlächter in Polen und Rußland aus." [81] Er wurde
von Himmler zum Kommissar für alle Konzentrationslager ernannt.
"Und wo ist Kurt Becher jetzt? In welchem Exil, unter welchem
Alias, versteckt er sich - wie es sein Nazikollege Eichmann tat?
Kein Exil, kein Alias, keine Furcht für Becher... (Sein) Reichtum
ist größtenteils die Diebesbeute, die Tausenden von Juden vor ihrer
Abschlachtung entrissen und durch Folter weggenommen wurde. Er ist
Präsident mehrerer Gesellschaften und mit Ehren überhäuft. Unter
den vielen von ihm präsidierten Unternehmungen ist der Verkauf von
Weizen nach Israel. Bechers Firma, die Kölner Handelsgesellschaft,
macht gute Geschäfte mit der israelischen Regierung." [82]
Ein israelischer Journalist, Moshe Keren, schrieb eine Artikelserie
über den Fall Kastner, in denen er den israelischen Behörden eine
Reihe peinlicher Fragen stellte. Keren schrieb: "Kastner muß als
Nazi-Kollaborateur angeklagt werden. Und in seinem Prozeß sollte
sich Kastner als Privatmann und nicht durch die israelische Regierung
verteidigen lassen ... Das Echo des Kastner-Prozesses will noch auf
Jahre hinaus bei uns nachhallen. Es wird die Luft über uns vergiften,
wie jene berühmten historischen Prozesse, nach denen alte Regierungen
gestürzt wurden und neue zur Macht kamen. Israel wird nach diesem
Urteil nie wieder das alte sein." [83]
Anschließend flog "Dr. Keren nach Deutschland. Er wollte Kurt Becher
interviewen. Einige Tage nach seiner Ankunft in Deutschland wurde der
Journalist Keren tot in einem deutschen Hotel gefunden. Die Diagnose
lautete 'Herzanfall.'" [84]
Der Kastner-Prozeß brachte auch zum ersten Mal Einzelheiten über
den "Blut für LKWs"-Vorfall ans Licht, als Eichmann angeboten
hatte, die jüdische Gemeinde in Ungarn im Tausch gegen 10.000
LKWs und andere Waren freizulassen. Es wurde bekannt, daß die
zionistische Führung, einschließlich Dr. Chaim Weizmann, dieses
Geschäft zur Rettung von Leben verhindert und die Mission des
jüdischen Unterhändlers, Joel Brand, dadurch sabotiert hatte, daß
sie den britischen Behörden Gelegenheit gab, ihn als Staatsfeind
zu verhaften. [85] "Diese Verhandlungen verliefen im Sande und
endeten mit der Vernichtung der ungarischen Juden, während die
zionistische Führung die Mission JoeI Brands absichtlich zum
Scheitern brachte." Es wurden andere Versuche unternommen,
jüdisches Leben gegen Lösegeld an die Nazis zu retten. Rabbi
Weissmandel stand an der Spitze dieser Bemühungen. Im Jahre
1942 "schlossen Wisliceny und Hochberg ein Abkommen mit Rabbi
Weissmandel, die Vertreibung von slowakischen Juden für die
Summe von 50.000 $ zu stoppen," doch Sali Mayer, der führende
zionistische Repräsentant in der Schweiz, weigerte sich, eine
solche Summe zur Verfügung zu stellen.
Im Mai 1943 kam Weissmandel im Prinzip zu einer anderen Vereinbarung
mit Himmlers Vertreter Wisliceny, wonach die Deportation von Juden
in allen besetzten Gebieten Europas außer Großdeutschland und Polen
gegen ein Lösegeld von 3 Millionen Dollar beendet werden sollte.
Jedoch "Sali Mayer und Nathan Schwalb (der Vertreter der Jewish
Agency) waren von diesem herzzerreißenden Schrei nicht gerührt. 3
Millionen Dollar, die eine Million Juden gerettet hätten, können
heute auf einer fröhlichen Feier für das Weizmann-Institut in den
USA gesammelt werden. Doch in der Zeit der Not weigerten sich diese
Nationalisten, - die den Einfluß und das Geld hatten - das Geld für
den höchsten Zweck, für den es aufgebracht worden war, herauszugeben:
die zum Tode Verurteilten zu retten..."
"Nur in einem einzigen Falle hielt Mayer es für angebracht, seine
Börse großzügig zu öffnen. Er gab Kastner Geld für die Rettung von
1.700 ungarischen Juden, von denen Kastner 688 von Eichmann gekauft
hatte und die von Ungarn über Bergen-Belsen in die Schweiz gebracht
wurden. Hier, wo es um die Rettung der Elite ging - größtenteils
zionistische Aktivisten und Verwandte von Kastner - vergaß Sali
Mayer sein Prinzip, dem Feind kein Geld zu geben. Rabbi Weismandel
bat vergeblich um 3 Millionen Dollar für die Rettung von einer
Million Juden, während 1.000 Dollar pro Kopf ohne weiteres gezahlt
wurden. In diesem Falle handelte Soli Mayer auch in Übereinstimmung
mit den Richtlinien, die, ein Grundstein zionistischer Politik
waren: Selektivität." [86]
Viele Jahre später wurde von einem Mann, Andre Biss, der als sein
Assistent mit Kastner in Budapest gearbeitet hatte, der Versuch
gemacht, Kastner zu entlasten. Das Buch, das er schrieb, konnte
die erhebliche Beweislast gegen Kastner, die der Prozeß erbracht
hatte, nicht aus dem Wege räumen, sondern machte eine weitere
interessante Enthüllung: daß Kastners "Rettungsausschuß" neben
anderen Beziehungen ebenfalls eng mit der deutschen Militärspionage
zusammengearbeitet hatte, die von Admiral Canaris geleitet wurde.
"Schon seit langer Zeit waren (Canaris' Leute) in Kontakt mit
jüdischen Kreisen, vor allem - den Zionisten, und dem Vertreter
der amerikanischen Jüdischen Wohlfahrtsorganisation, die als
American Joint Distribution Committee bekannt war."
"Im Jahre 1943 erhielt Kastners engster Mitarbeiter Samuel Springmann
eine Einladung von seinen Freunden in Palästina, sie zu besuchen und
einen detaillierten Lagebericht zu geben. Er war derjenige, der die
bereits erwähnten Kontakte zwischen den Zionisten und den Mitgliedern
von Canaris' deutscher Gegenspionage hergestellt und aufrechterhalten
hatte. Durch seine diskrete und gute Arbeit hatte Springmann wichtige
Resultate erzielt." [87]
VIII DIE VERHEIMLICHUNG VON BEWEISMITTELN
Eine israelische Zeitung schrieb über den Fall Kastner: "Die
Öffentlichkeit will die Wahrheit über Kastner wissen, und
nicht nur über ihn. Die einzige Möglichkeit, die Wahrheit
herauszufinden, ist das gesamte Rettungskomitee anzuklagen
und ihnen Gelegenheit zur Verteidigung zu geben." [88]
Die israelischen Behörden jedoch zeigten keinerlei Eile, den Wunsch
der Öffentlichkeit nach Wahrheit zu befriedigen. Seit dem Ausbruch
des Kastner-Skandals taten sie vielmehr alles, um ihn zu entlasten,
und gingen sogar so weit, Generalstaatsanwalt Chaim Cohen mit seiner
Anklage zu betrauen. Dies veranlaßte Greenwalds Anwalt Shmuel Tamir,
eine Reihe von Fragen zu stellen: "Wen vertritt dieser Generalstaatsanwalt
? Die Bürger unseres Staates oder die Privatinteressen
einiger Beamter dieses Staates? Diese Frage ist nicht schwer zu
beantworten. Der Generalstaatsanwalt ist nicht der einzige, der
Kastner schützt. Viele Institutionen haben die gleiche Vertuschungspolitik
vor ihm betrieben. Der Zionistische Kongreß, der HaganahProze
ß im Fallschirmspringer-Fall und die Israelische Polizei im
Jahre 1951 warfen einen Blick auf Kastners Aktivitäten - und deckten
zu, was sie sahen. Und nachdem alle jüdischen Führer und alle
Mächte der Regierung Kastner geschützt hatten, tritt ein alter Mann
(Greenwald) auf und enthüllt die Wahrheit ...
Die Regierung und alle ihre Führer verhielten sich gegenüber
diesem Mann, Kastner, nicht wie irgendein anständiger Staat es
hätte tun sollen. Nach sieben Tagen Kreuzverhör waren Kastners
Lügen und Schurkereien allen klar. Anstatt die Protektion eines
solchen Individuums zu beenden und ihn dem Gericht mit den
Worten zu übergeben: Wir wollen uns mit diesem Alptraum selbst
auseinandersetzen, warfen sie ihre große Autorität, das ganze
Prestige und die ganze Erfindungsgabe ihrer Funktionäre in die
Waagschale, um ihn zu retten. Und alle diese Funktionäre der
israelischen Regierung, sind hierhergekommen, einer den anderen
nach sich ziehend, alle miteinander verschworen, diesem Gericht
und dem Land die Wahrheit darüber zu verheimlichen, wie die
Katastrophe die ungarischen Juden ereilte." [89]
Jedoch scheiterten alle Versuche zur Verheimlichung in dem
Verleumdungsfall, der damit endete, daß die israelische Öffentlichkeit
starke Zweifel bekam und eine größere Schädigung des
Rufs der israelischen Regierung durch weitere Enthüllungen zu
erwarten war, falls Kastner wegen Kollaboration angeklagt werden
würde. Diese Gefahr verschwand mit Kastners Ermordung sowie mit
dem seltsamen Tod des zu neugierigen Journalisten Dr. Moshe Keren.
Doch ein sehr wichtiger Schauspieler in dem ganzen Drama war noch
am Leben und in Freiheit: Adolf Eichmann, der Verbindungsoffizier
in einigen der wichtigsten Abkommen zwischen Nazis und Zionisten
gewesen war.
Als Eichmannn schließlich verhaftet und vor Gericht gestellt
wurde, kam es zu besonders erregten Debatten in jüdischen
Kreisen. "Im wesentlichen wollte Ben Gurion, der Architekt
des Eichmannprozesses in Israel, diesen zur Erreichung seiner
jüdischen' politischen Ziele benutzen."
"Niemand wird bestreiten, daß der dämonische und sadistische
Kannibale Adolf Eichmann zusammen mit den größeren und kleineren
Eichmanns, die sich in Deutschland und anderswo im Versteck auf
freien Fuß befinden, vor Gericht gebracht werden sollten. Doch
daß sie alle hätten ergriffen und vor ein unpolitisches und
unparteiisches Gericht hätten gestellt werden sollen, um dem
deutschen Volk selbst seine äußerste Verderbtheit während der
Hitlerzelt zu zeigen, und damit die Menschheit, die Zivilisation
und das Völkerrecht davon profitieren zu lassen - das wurde
durch den tribalistischen und politisch engstirnigen 'jüdischen'
Nationalisten Ben Gurion und seine Junta torpediert." [90]
Die Last der Beweise für Eichmanns Schuld war enorm, und es besteht
kein Zweifel, daß er Gericht und Strafe verdiente. Die Fragen, die
legitimerweise gestellt werden, betreffen vor allem andere Dinge:
warum bestanden die Israelis darauf, daß dieser bestimmte Kriegsverbrecher,
Eichmann, vor ein israelisches Gericht gestellt wurde
und zum Beispiel nicht vor ein internationales Gericht wie den
Nürnberger Prozeß gestellt wurde, in dem andere Naziverbrecher angeklagt
wurden? Warum unternahmen die Israelis so viele Anstrengungen,
gerade diesen Kriegsverbrecher zu fangen, während andere, nicht
weniger schuldige, viel leichter hätten gefaßt werden können, die
immer noch nicht vor Gericht gestellt worden sind? Warum kidnappten
ihn die Israelis aus Argentinien, wo sie doch seine Auslieferung
höchst wahrscheinlich erreicht hätten? Diese Fragen können legitimerweise
gestellt werden.
Wir wollen zunächst die offiziellen Antworten untersuchen, die
von israelischen Sprechern gegeben worden sind. Der israelische
Gerichtshof, vor dem Eichmann stand, sagte: "Die Verbindung
zwischen dem jüdischen Volk und dem Staat Israel stellt einen
integralen Bestandteil des Völkerrechts dar ... Die Verbindung
zwischen dem Staat Israel und dem jüdischen Volk bedarf keiner
Erklärung...es ist der souveräne Staat des jüdischen Volkes."
Mit Ben Gurions Worten "kann nur ein jüdischer Staat ihm den
Prozeß machen; moralisch gesehen ist Israel der einzige Erbe."
Der israelische Staatsanwalt, Generalstaatsanwalt Gideon Hausner,
ging sogar noch weiter, wenn er behauptete: "Auf der Anklagebank
in diesem historischen Prozeß sitzt weder ein Individuum noch das
Nazi-Regime, sondern der Antisemitismus in der Geschichte." [91]
Also war es diesen zionistischen Sprechern zufolge das Ziel des
Eichmann-Prozesses, einen Propaganda-Feldzug für die zionistische
These zu führen, daß die Juden eine Nation sind, die dem Staat
Israel Loyalität schulden, und das Argument zu wiederholen, daß
der sogenannte ewige Antisemitismus die Existenz dieses Staates
rechtfertigt. Das war sicherlich einer der Gründe dafür, Eichmann
vor ein israelisches Gericht zu stellen, wie sich daran zeigt,
daß die Israelis es weidlich für Propagandazwecke ausnutzten. Ein
solcher Hang zu Propaganda ist verständlich und zu erwarten; jede
Ideologie versucht ihre Ideen zu propagieren. Jedoch ist dieser
Grund keine Antwort auf alle Fragen. Er erklärt, warum die Israelis
darauf bestanden, Eichmann selbst vor Gericht zu stellen, doch
nicht, warum sie sich dazu entschlossen, ihn zu kidnappen statt ihn
ausliefern zu lassen, oder warum sie gerade ihn für dieses einzige
große Verfahren haben mußten. Warum kidnappten sie beispielsweise
nicht General Becher und verurteilten ihn, der Eichmanns Vorgesetzter
und nicht weniger verantwortlich für die Ermordung von Juden war?
Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang mit dem EichmannProzeß
ist die Rolle, die Kastner und andere Zionisten in ihrer Beziehung
zu Eichmann spielten. "Über dem Gerichtssaal schwebte ... der
Geist von Dr. Israel Kastner. Kastner war die zentrale Figur eines
sensationellen Prozesses in Israel im Jahre 1953. Der damalige
Generalstaatsanwalt, Hausners Vorgänger, hatte ein Verfahren wegen
verbrecherischer Verleumdung gegen einen Mann eingeleitet, der
behauptet hatte, daß Kastners Kontakt mit der SS in Budapest, durch
den er das Schicksal der Juden zu mildern versuchte, in Wirklichkeit
auf Kollaboration hinausgelaufen war." [92]
Angesichts der Art, wie der Kastnerprozeß verlaufen war, mußte der
Eichmannprozeß sehr elegant geführt werden, um beschämende Enth
üllungen zu vermeiden. Im großen und ganzen verlief alles glatt,
obwohl es während der Vernehmung von Pinhas Freudiger einen
Zwischenfall gab, einem ehemaligen Mitglied des ungarischen
Zentralrats der Juden, der mit den Nazis kollaboriert hatte. "Es
gab eine Störung im Zuhörerraum, die die Punkte des Falls Kastner
plötzlich jedermann in Erinnerung brachte. Ein Zuschauer in der
Galerie sprang plötzlich auf seine Füße und es gelang ihm, bevor
er hinausgedrängt worden war, dem Zeugen auf Ungarisch zuzurufen:
'Ihr habt uns reingedrängt, um euch und eure Familien retten zu
können. Doch unsere Familien wurden getötet.' Er griff offensichtlich
Freudiger nicht persönlich an, sondern als Vertreter
des Jüdischen Zentralrats, denn er fügte hinzu, in Bezug auf einen
anderen Vertreter: Er gab uns Injektionen, um uns einzulullen.
Doch er schaffte seine eigenen Eltern hinaus ... und ließ meine
zum Sterben da.'" [93]
Die israelische Polizei im Gerichtsaal war ständig auf der Hut,
falls sie jemand "hinauszuschaffen" hätte, der drohte, einen
falschen Ton in dieses sorgfältig inszenierte Verfahren zu bringen.
Freudiger war es jedoch zufällig gestattet, den Defätismus zu
enthüllen, der vom Zionismus unter den europäischen Juden verbreitet
wurde, die er ermutigte, den Nazismus nicht zu bekämpfen. Freudiger
brach in den Ruf aus: "Doch was konnten wir tun? Was konnten wir
tun? Heute beklagen sich einige ungarische Juden, daß wir ihnen
nicht zur Flucht rieten. Doch 50 Prozent der Leute, die flohen,
wurden gefaßt und getötet." [94] Es erübrigt sich zu sagen, daß das
Verhältnis derjenigen, die getötet wurden, weil sie gefaßt wurden
und nicht zu entkommen versuchten, nahezu 100 Prozent betrug.
Die Akten des Falls Kastner bieten einen wesentlichen Schlüssel
dafür, warum die Israelis Eichmann selbst fassen und hinrichten
mußten. Denn der Fall Kastner hatte auch die Details eines Abkommens
ans Tageslicht gebracht, das am Ende der langen Kollaboration der
Zionisten mit den Nazis zustandegekommen war, und vor allem Kastners
Kollaboration in Ungarn mit General (damals Oberst) Becher und drei
weiteten SS-Obersten - Krumey, Wisliczeny und Eichmann. "Die vier
SS-Obersten und der Chef der Jewish Agency, Kastner, schmiedeten
ihre Fluchtpläne in der Zeit der Judenmorde."
"Nicht genauso, als ob man eine Bankfusion arrangiert. Es gab zu
viele Imponderabilien. Doch sie arrangierten es als einen allgemeinen
modus operandi. Drei der Obersten sollten nach Deutschland
zurückkehren und es darauf ankommen lassen, ob sie verhaftet und
als Kriegsverbrecher verurteilt würden. Dr. Kastner in seiner
Eigenschaft als hoher Funktionär in der jüdischen Hierarchie würde
dann zur Rettung der drei herbeieilen und sich für sie als Retter
der Juden einsetzen, und sein Zeugnis würde den drei Ausrottern die
Freiheit verschaffen."
"Alle drei, und so Kastner, würden die Schuld des Budapester
Quartetts auf den fehlenden Vierten schieben, nachdem sie dem
Sündenbock zur Unsichtbarkeit verholfen hätten. Das Mitglied
des Quartetts, das untertauchen sollte, um das einzige Symbol
für das Naziübel in Ungarn zu werden, war Adolf Eichmann." [95]
Nachdem diese Tatsachen bekannt waren, wurde Kastner ermordet.
Auf Becher, mit seinem blühenden Handel mit der israelischen
Regierung, und Krumey, den Kastner ebenfalls vor dem Nürnberger
Prozeß bewahrt hatte, war Verlaß, daß sie nichts sagen würden.
Wisliczeny war tot. Doch Eichmann war noch frei und mußte daran
gehindert werden, seine Geschichte jemals der Öffentlichkeit zu
erzählen. Bei seinem Prozeß behauptete Eichmann, die Sache der
Zionisten unterstützt zu haben, doch in der emotional aufgeladenen
Atmosphäre, die die Zionisten in einem geschickten Propagandafeldzug
hergestellt hatten, hörten nur wenige auf ihn.
Der Eichmannprozeß gab der israelischen Führung die Chance, erneut
alle unangenehmen Dinge zu begraben, die der Fall Kastner ans Licht
gebracht hatte. Ein amerikanisch-jüdischer Autor beobachtete: "Wenn
man bedenkt, daß die meisten Israelis von Kastner und seiner Verbindung
mit der israelischen Hierarchie wußten, ... dann beginnt
man einen anderen Grund für Ben Gurions Insistieren zu sehen, daß
der Eichmannprozeß in Israel abgehalten werden sollte. Dieser Prozeß
besagt in der Tat: 'Seht, da ist euer Teufel - er hat es getan.'"
[96]
Die Zeugen im Eichmannprozeß wurden sorgfältig ausgesucht. Abba
Kovner sagte aus, doch Chaim Lazar, der Kovners Verbindung mit
den Nazis aufdeckte, wurde nicht zur Aussage aufgefordert. [97]
Auch nicht Andre Biss, trotz der wichtigen Rolle, die er als
Kastners Assistent gespielt hatte. Seiner Ansicht nach war der
Grund dafür, daß er Kastner rehabilitieren wollte, und zu diesem
Zeitpunkt wollte die zionistische Führung alles verhindern, was
die Öffentlichkeit an Kastners Prozeß erinnern oder gar neue
Tatsachen zutage fördern könnte. Biss enthüllte jedoch einige
interessante Fakten über diejenigen, die in den Zeugenstand
gerufen wurden:
"Aharon Karie, der von der Staatsanwaltschaft beauftragt war; in
Europa Nachforschungen über Eichmann anzustellen, versicherte mir
daß ich von allen, die er kannte, der bestinformierte Zeuge für
Eichmann war. Er war überzeugt, ich würde ein Hauptzeuge für die
Anklage bei dem Prozeß sein, und bat mich, nicht auf eine offizielle
Einladung zu warten, bevor ich nach Jerusalem ging. Deswegen reiste
ich am 9. April 1961 nach Israel.
Im Eichmannprozeß wurden 102 Zeugen für die Anklage gehört.
Mindestens 90 von ihnen hatten Eichmann nicht nur nie getroffen,
sondern auch seinen Namen bis Kriegsende nie gehört. Ich selbst
hatte den Gefangenen öfter gesehen als alle anderen Zeugen
zusammen. Niemand kannte ihn so gut wie ich.
Der Tag meiner Vernehmung vor Gericht war festgesetzt, doch im
Endeffekt wurde ich nicht offiziell vernommen. Der Staatsanwalt,
Gideon Hausner, hatte mich gebeten, in meiner Aussage jede
Erwähnung unserer Aktion in Budapest zu vermeiden, und vor allem
das, was damals in Israel die 'Kastner-Affäre' war, mit Schweigen
zu übergehen. Weiterhin sollte ich nicht von Becher-Aktivitäten
zugunsten der Juden sprechen. Hausner glaubte einfach nicht
daran. Ich sagte ihm, daß ich keine Aussage machen könnte, wenn
ich nicht frei wäre, die ganze Wahrheit zu sagen. Hausner zog
es schließlich vor, auf mich als Zeugen zu verzichten." [98]
Zur Zeit von Eichmanns Ergreifung war Israels höchster Richter
Benjamin Halevi, dessen exemplarische Ehrenhaftigkeit im Verleumdungsfall
Kastner die israelische Regierung in größte Verlegenheit
gebracht hatte. Um eine Wiederholung dessen zu verhindern,
handelten der israelische Justizminister Pinhas Rosen
und Generalstaatsanwalt Gideon Hausner in noch nie dargewesener
Form und brachten ein besonderes Gesetz in den Knesset ein, das
Richter Halevi das Recht nahm, den Vorsitz im Eichmannprozeß zu
führen.
Rosen organisierte eine Kampagne, die Halevi von dem Prozeß
überhaupt ausschließen sollte, obwohl ihm schließlich erlaubt
wurde, Mitglied einer Kammer zu sein, die über Eichmann richtete.
Das ist nicht nur eine interessante Illustration für das Wirken
der israelischen Justiz, sondern die Behandlung Halevis durch die
Regierung zeigt auch, daß die zionistische Führung den Eichmannproze
ß mehr als eine Propagandanummer plante denn als einen fairen
und ehrlichen Versuch, die ganze Wahrheit über die Verbrechen
Eichmanns herauszubekommen.
Als zentrale Figur in einigen der wichtigsten Kooperationsabkommen
zwischen den Zionisten und den Nazis war Eichmann zwar nicht der
ranghöchste überlebende Nazikriegsverbrecher, aber vermutlich
der Nazi mit der genauesten Kenntnis der Beziehungen zwischen der
Zionistenbewegung und dem Nazi-Regime.
Dieses ganze Wissen starb mit ihm.
IX DIE IRGUN UND DER NAZISMUS
Im Mai 1977 erwies sich der rechtsradikale Likud-Block in den
Parlamentswahlen als die stärkste zionistische Fraktion und
übernahm die Führung der neuen israelischen Koalitionsregierung.
Premierminister wurde Menachem Begin, der frühere Leiter der
Terroristenorganisation lrgun Zvai Leumi.
Während des Kastner-Prozesses wies Begins Herut-Partei, der
wichtigste Teil des Likud, wegen ihrer Kooperation mit dem
Nazismus anklagend auf die Führung der Rivalenpartei, der
herrschenden Mapai-Partei. Der Anwalt Shmuel Tamir war ein
Herut-Mann (später schloß er sich der Demokratischen Bewegung
für Wandel an) und der Veteran Ben Hecht spielte eine wichtige
Rolle dabei, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die KastnerGeschichte
zu lenken. Viele Leute schlossen daraus, daß die
lrgun/Herut-Führung trotz solcher Leute wie Jacob Gens und
Salek Desler eine sauberere Weste als ihre Mapai-Rivalen
hätten, soweit Geschäfte mit dem Nazismus zur Debatte standen.
Kürzlich warf ein von dem deutschen Schriftsteller Klaus Polkehn
lange geheimgehaltenes und schließlich publiziertes Dokument
Licht auf die wirkliche Haltung der lrgun gegenüber dem Nazismus
im Jahre 1941. In diesem Dokument machte die Stern-Fraktion der
lrgun folgende Vorschläge:
"In den Reden und Äußerungen der führenden Staatsmänner des
nationalsozialistischen Deutschland wird oft gesagt, daß eine
neue Ordnung in Europa die radikale Lösung der Judenfrage
durch Evakuierung ('Judenreines Europa') zur Voraussetzung hat.
Die Evakuierung der jüdischen Massen aus Europa ist eine
Voraussetzung für die Lösung der jüdischen Frage; doch dies
ist nur möglich und durchführbar durch die Ansiedlung der
jüdischen Massen in der Heimat des jüdischen Volkes, in
Palästina, und durch die Errichtung eines jüdischen Staates
in seinen historischen Grenzen.
Eine solche Lösung der Judenfrage und damit die endgültige
Befreiung des jüdischen Volkes sind das Ziel der politischen
Aktivität und des jahrelangen Kampfes der jüdischen Freiheitsbewegung:
der Nationalen Militärorganisation (lrgun Zvai
Leumi) in Palästina.
Die NMO, der das Wohlwollen der Regierung des Deutschen Reiches
und seiner Behörden gegenüber dem Zionismus innerhalb Deutschlands
und gegenüber zionistischen Auswanderungsplänen wohlbekannt ist,
ist der Ansicht, daß:
- Gemeinsame Interessen zwischen der Errichtung einer
neuen Ordnung in Europa in Übereinstimmung mit dem
deutschen Projekt und den wahren nationalen Bestrebungen
des jüdischen Volkes, wie sie in der NMO verkörpert
werden, bestehen könnte;
- Zusammenarbeit zwischen dem neuen Deutschland und einer
erneuerten hebräischen Nation möglich wäre (völkischnationales
Hebräertum), und daß
- die Errichtung des historischen jüdischen Staates auf
nationaler und totalitärer Basis und aufgrund eines
Vertrages mit dem deutschen Reich im Interesse der Aufrechterhaltung
und Stärkung der künftigen deutschen
Machtposition im Nahen Osten sein würde.
Ausgehend von diesen Überlegungen bietet die NMO in Palästina
eine aktive Kriegsbeteiligung auf deutscher Seite an, vorausgesetzt,
die oben erwähnten nationalen Bestrebungen der
deutschen Reichsregierung werden anerkannt.
Dieses Angebot der NMO, dessen Gültigkeit sich auf die
militärische, politische und Informationsebene erstreckt,
innerhalb und auch - entsprechend einigen organisatorischen
Vorbereitungen außerhalb Palästinas, würde sich auf die
militärische Ausbildung und die Organisierung jüdischer
Arbeitskräfte in Europa unter der Führung und dem Befehl
der NMO beschränken. Diese militärischen Einheiten würden
sich an dem Kampf zur Eroberung Palästinas beteiligen,
falls eine solche Front gebildet wird.
Die indirekte Beteiligung der israelischen Freiheitsbewegung an
dem Entwurf einer Neuen Ordnung in Europa, die bereits in Vorbereitung
ist, würde mit einer definitiv radikalen Lösung der
europäischen Judenfrage in Verbindung mit den oben genannten
nationalen Bestrebungen des jüdischen Volkes verbunden sein. Das
würde die moralische Basis der Neuen Ordnung in der ganzen Welt
in ungewöhnlichem Grade stärken.
Die Kooperation der Israelischen Freiheitsbewegung würde auch auf
einer Linie mit einer der jüngsten Reden des deutschen Reichskanzlers
liegen, in der Hitler betonte, daß jede Kombination und
jede Allianz akzeptiert würde, um England zu isolieren und zu
schlagen." [100]
Über diese Frage kam es zu einer Spaltung innerhalb der lrgun. Die
von Abraham Stern geführte Fraktion, die als die Stern-Bande bekannt
wurde, begann sofort den Krieg gegen die Briten in Palästina. Die
andere Fraktion, die Begin führen sollte, zögerte, und einige
Mitglieder paktierten eine Weile mit den Briten. Die Hauptgründe
für die Verzögerung scheinen in der vorübergehenden Desorganisation
der Irgun nach der Spaltung zu liegen. Im Jahre 1943 wurde Begin
Chef des Oberkommandos der lrgun; die Organisation wurde wieder
bewaffnet und reorganisiert. Im Januar 1944, nach dieser Periode
der Vorbereitung, startete Begins lrgun die militärische und
terroristische Kampagne gegen die Briten in Palästina, als der
Zweite Weltkrieg noch voll im Gange war. Also war der Unterschied
zwischen den beiden Flügeln der lrgun, die sich in die IrgunMehrheit
und die Stern-Bande spalteten, im wesentlichen eher eine
Frage des Zeitpunkts als des Prinzips.
In der Tat betrachteten die lrgun und die revisionistische
Zionistenpartei, mit denen sie sich vereinigte, England vor
der Spaltung als Feind und die "antisemitischen" Regierungen
als Verbündete. Wie die Union of Communal Settlements mit
Nazideutschland schlossen die lrgun-Revisionisten mit der
fanatisch antijüdischen polnischen Regierung Kooperationsabkommen
einschließlich Trainingslagern für zionistische
Pioniere. Abraham Stern verhandelte im Jahre 1937 über diese
Kooperation, die eine polnische Zusage über Waffenlieferungen
an die lrgun enthielt.
Die lrgun plante in Zusammenarbeit mit der revisionistischen
Jugendbewegung Betar im Oktober 1939, einen Monat nach der
Erklärung des Zweiten Weltkriegs, einen Aufstand von zionistischen
Emigranten aus Europa zu organisieren. Der Plan war, so viele
Regierungsgebäude wie möglich zu besetzen und eine zionistische
"Provisorische Regierung" auszurufen. Der Plan wurde vereitelt,
als die Briten alle Mitglieder des Oberkommandos der Irgun verhafteten.
Selbst wenn er ausgeführt worden wäre, wäre er schnell
gescheitert, hätte aber sicherlich die Kriegsanstrengungen der
Briten gegen den Nazismus unterminiert. [101]
Stern wurde 1942 in einem Zusammenstoß mit britischer Polizei
getötet. Ende 1943 gründeten seine Anhänger eine gesonderte
Organisation, Lohamei Herut Israel oder "Lehi", die eng mit
Begins lrgun zusammenarbeitete. Im Jahre 1948 ermordeten LehiMitglieder
den UN-Vermittler Graf Folke Bernadotte, einen
schwedischen Menschenfreund, der im Zweiten Weltkrieg eine
wichtige Rolle dabei gespielt hatte, die Juden vor der Naziherrschaft
zu retten und ihnen Zuflucht in Schweden zu verschaffen.
X EINSCHÄTZUNG DER ZIONISTISCHEN POLITIK GEGENÜBER DEM NAZISMUS
Das vorhergehende Beweismaterial aus jüdischen Quellen zeigt eine
Reihe von wichtigen Tatsachen.
Der Zionismus "verordnete die Auswanderung nach Palästina als
einzige Antwort auf Antisemitismus, er kritisierte und lehnte
jeden Emanzipationskampf, jede Bürgerrechtsgesetzgebung usw.
ab. Er befand sich in einem Lager mit den Antisemiten, die zu
den lokalen jüdischen Gemeinden sagten: 'Geht nach PaIästina'.
Bezeichnenderweise ging die Initiative im jüdischen Kampf
gegen den Nazismus während der dreißiger Jahre niemals von
der zionistischen Organisation aus. Nichtzionistische jüdische
Individuen und Organisationen ergriffen die Initiative und
trugen die Last dieses Kampfes selbst. Je erbitterter dieser
Kampf wurde, desto mehr entfernte sich die zionistische
Organisation von dem Rest der Juden. Die zugrundeliegenden
Überlegungen sind in einem Brief Ben Gurions an die zionistische
Exekutive vom 17. Dezember 1938 formuliert:
'Die Judenfrage ist heute nicht mehr, was sie war. Das Schicksal
der Juden in Deutschland ist kein Ende, sondern ein Anfang. Andere
antisemitische Staaten werden von Hitler lernen. Millionen Juden
sehen ihrer Vernichtung entgegen, das Flüchtlingsproblem hat
weltweite Dimensionen und Dringlichkeit angenommen. Großbritannien
versucht, das Problem der Flüchtlinge vom Problem Palästina zu
trennen. Die Dimension des Flüchtlingsproblems erfordert eine
sofortige, territoriale Lösung. Wenn Palästina sie nicht aufnimmt,
dann ein anderes Land. Der Zionismus ist in Gefahr. Alle anderen
territorialen Lösungen, die sicherlich scheitern werden, erfordern
riesige Geldsummen. Wenn die Juden zwischen den Flüchtlingen, der
Rettung von Juden vor den Konzentrationslagern, und der Unterstützung
eines nationalen Museums in Palästina zu wählen haben, wird das
Mitleid die Oberhand gewinnen und die gesamte Energie des Volkes
darauf verwendet werden, Juden aus verschiedenen Ländern zu retten.
Der Zionismus wird nicht nur von der Tagesordnung in der Weltöffentlichkeit
in Großbritannien und den USA verschwinden, sondern auch
in der jüdischen Öffentlichkeit. Wenn wir eine Trennung zwischen dem
Flüchtlingsproblem und dem Palästinaproblem zulassen, riskieren wir
die Existenz des Zionismus.' 'Die Rettung jüdischen Lebens vor Hitler
wird hier als eine mögliche Bedrohung des Zionismus angesehen, falls
sie nicht nach Palästina gebracht werden. Als der Zionismus zwischen
dem jüdischen Volk und dem jüdischen Staat zu wählen hatte, gab er
ohne zu zögern dem letzteren den Vorrang ...'
'Der Zionismus akzeptiert den Antisemitismus als die natürliche
normale Haltung der nicht-jüdischen Welt gegenüber den Juden. Er
sieht ihn nicht als ein pervertiertes Phänomen an, er ist eine
Antwort auf, nicht eine Konfrontation oder Anprangerung des bzw.
Kampf gegen den Antisemitismus.'
'Die Zionisten akzeptieren grundsätzlich die rassistische Ideologie
der Antisemiten, kommen jedoch zu umgekehrten Schlußfolgerungen.
Statt des Germanen ist der Jude die reine oder überlegene Rasse.'"
[103]
Dieser Begriff der überlegenen Rasse kommt in der Betonung zum
Ausdruck, die der Zionismus der "Rettung" junger Pioniere für die
Auswanderung nach Palästina legte, und der Vernachlässigung der
Älteren, die keinen solchen Beitrag zum Aufbau des zionistischen
Staatswesens machen konnten. Darin impliziert ist eine Akzeptierung
des nazistischen Prinzips von überlegenen und minderwertigen
Kategorien menschlicher Lebewesen.
"Die Kategorien wurden von den deutschen Juden von Anfang an ohne
Widerspruch hingenommen, und die Akzeptierung der privilegierten
Kategorien - deutsche Juden im Vergleich zu polnischen Juden,
Kriegsveteranen und dekorierte Juden gegenüber normalen Juden,
Familien, deren Vorfahren Deutsche waren, gegenüber kürzlich
naturalisierten Bürgern, usw. - waren der Beginn des moralischen
Zusammenbruchs der anständigen jüdischen Gemeinschaft gewesen ...
Das moralisch so Verheerende bei der Akzeptierung dieser Privilegierungskategorien
war, daß jeden, der verlangte, daß in seinem
Fall eine 'Ausnahme' gemacht würde, die Regel implizit akzeptierte.
Doch dieser Punkt wurde offensichtlich niemals von jenen 'guten
Menschen', jüdisch oder nicht-jüdisch, verstanden, die sich mit
all jenen 'Sonderfällen' beschäftigten, um deren Vorzugsbehandlung
gebeten werden konnte. Der Umfang, zu dem selbst die jüdischen
Opfer die Maßstäbe der Endlösung akzeptiert hatten, zeigt sich
vielleicht nirgendwo deutlicher als in dem sogenannten KastnerBericht.
Kastner war stolz darauf, daß es ihm gelang, 'prominenten
Juden' zu retten, eine von den Nazis im Jahre 1942 offiziell eingef
ührte Kategorie, als ob es seiner eigenen Ansicht nach genauso
selbstverständlich sei, daß ein berühmter Jude mehr Recht zu leben
hatte als ein einfacher Jude."
Die zionistischen Abgesandten, die über die Auswanderungsabkommen
von 1938 verhandelten, "sprachen eine von Eichmann nicht sehr
verschiedene Sprache ... In der Tat waren sie in der Lage, mit den
Nazibehörden auf nahezu gleichem Fuß zu verhandeln, was eingeborene
Juden nicht konnten, da sie den Schutz der Mandatsmacht genossen;
sie gehörten wahrscheinlich zu den ersten Juden, die offen über
gemeinsame Interessen redeten, und bekamen sicherlich als erste
die Erlaubnis, 'junge jüdische Pioniere' unter den Juden in den
Konzentrationslagern auszusuchen. Natürlich waren sie sich der
dunklen Implikationen dieses Handels nicht bewusst, die noch in der
Zukunft lagen; doch sie glaubten auch, daß, wenn schon Juden fürs
Überleben selektiert werden sollten, dies die Juden selbst tun
sollten. Es war diese fundamentale Fehleinschätzung, die schließ-
lich zu einer Situation führte, in der sich die nicht selektierte
Mehrheit der Juden notwendig zwei Feinden gegenüber sah - den
Nazibehörden und den jüdischen Behörden." [104]
Die Zionisten zeigten eine bemerkenswerte Borniertheit bei der
Verfolgung ihres Ziels, den Staat in Palästina zu sichern und
diesem alle anderen Überlegungen unterzuordnen. "Die Intervention
der zionistischen Bewegung in der Frage der möglichen Auswanderung
von Juden nach Amerika ist ein klassisches Beispiel für den
Zynismus des 'grausamen Zionismus'. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
hätten Hunderttausende von europäischen Juden den Nazis immer noch
durch Auswanderung in andere Länder entkommen können. Die USA und
Großbritannien verweigerten 500.000 jüdischen Flüchtlingen die
Einreise und die Gewährung von politischen Asyl, und dies erlaubte
den Nazis, sie in den Gaskammern zu töten. In den USA wurde eine
breitangelegte Kampagne organisiert, die die freie Emigration
europäischer Juden in die USA zur Unterstützung dessen, was als
Roosevelt-Plan bekannt werden sollte, forderte - ein Projekt,
das einigen hunderttausend Juden die Einreise in die USA und Groß-
britannien ermöglicht hätte."
"Es steht außer Zweifel, daß Vertreter der zionistischen Bewegung
in den USA versuchten, den Plan zu sabotieren, demzufolge jüdische
Flüchtlinge gerettet werden sollten, indem sie in die USA oder
irgendein anderes Land außerhalb von Palästina gebracht wurden.
Tatsächlich benutzte Roosevelt selbst den zionistischen Druck
gegen die Einwanderung als einen Vorwand, um die freie Einwanderung
nicht zuzulassen. Morris L. Ernst, ein berühmter New Yorker Anwalt
und einer der leidenschaftlichsten Aktivisten bei dem Bemühen,
den Juden die Tore zu den USA zu öffnen, faßt die Reaktion der
zionistischen Führer auf seine humanitären Bemühungen zusammen:
'Ich war erstaunt und verletzt, als aktive jüdische Führer mich
heruntermachten, verhöhnten und schließlich angriffen, als ob
ich ein Verräter wäre. Bei einem Geschäftsessen wurde ich offen
angeklagt, den Plan für freie Einwanderung zu fördern, um den
politischen Zionismus zu untergraben. Diejenigen jüdischen Gruppen,
die für die Öffnung unserer Tore waren, zollten dem RooseveltProgramm
praktisch nur Lippendienst. Zionistische Freunde von mir
waren dagegen.'"[105]
"Sowohl vor als nach dem Krieg waren die Zionisten mächtig genug,
um Bemühungen zu vereiteln, Zuflucht für die Unterdrückten außerhalb
von Palästina zu finden. Der amerikanische Außenminister wurde
während der dreißiger Jahre dazu bewegt, sich gegen die Ansiedlung
jüdischer Flüchtlinge als Grundbesitzer in Alaska auszusprechen,
und dann wurde Druck auf die australische Regierung ausgeübt,
das 'Kimberley'-Projekt für die Ansiedlung jüdischer Flüchtlinge
in Westaustralien fallen zu lassen, das von der Freeland League
gefördert und teilweise 'Unterstützung' gefunden hatte, in ihrer
Publikation fragte die Freeland League später: 'Wer vermag zu
sagen, wieviele jüdische Leben hätten Hitlers Klauen entrissen
werden können, wenn nicht dieser antijüdische Druck von Juden
ausgeübt worden wäre? Wer vermag zu sagen, wieviele Tausende ein
neues Leben in Kimberley hätten starten können, statt in Ausschwitz
zu sterben?'" [106]
"Wenn man zugibt, daß die Juden Europas unbeschreiblich gelitten
haben, warum in Gottes Namen sollte das Schicksal dieser unglücklichen
Menschen dem Ruf nach einem Staatswesen untergeordnet
werden? Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, daß die unglücklichen
Juden in Europas Verschlepptenlagern hilflose Geiseln sind,
für die das Staatswesen das einzige Lösegeld war." [107]
Die Politik der zionistischen Kollaboration mit dem Nazismus
zahlte sich vom ersten Tag von Hitlers Machtergreifung in der
Zahl der zionistischen Einwanderer nach Palästina aus. "Im
Jahre 1932 betraten 900 deutsche Juden Palästina. Im Jahre 1933
waren es bereits 30.000; im Jahre 1934 40.000; im Jahre 1935
61.000. Im Jahre 1931 gab es nur 174.616 Juden in Palästina,
doch bis 1939 war die Zahl auf 445.457 gestiegen." [108]
Die zionistische Führung sollte auch nach dem Krieg wichtige
finanzielle Vorteile aus ihrer Politik beziehen. "Nachdem sie
solchermaßen die zum Tode verurteilten Juden im Stich gelassen
hatten, benutzten die gleichen Führer später die Ausrottung,
um Millionen zu machen und Milliarden an Reparationen von den
Deutschen zu kassieren." [109]
Angesichts dieser klaren Gewinne für den Zionismus: wie konnten
die Zionisten es zulassen, daß die jüdischen Gemeinden Europas
so einen hohen Preis - schätzungsweise über 6 Millionen Ermordete -
dafür bezahlten? Es ist bemerkenswert, daß die große Mehrheit der
Opfer aus Osteuropa stammte, die Hälfte davon allein aus Polen.
Der polnische jüdische Historiker lsaak Deutscher mag diese Frage
beantworten: "Es ist festzuhalten, daß die große Mehrheit der
osteuropäischen Juden bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges
gegen den Zionismus war. Das ist ein Faktum, dessen sich nur
wenige Juden und Nicht-Juden im Westen bewußt sind. Die Zionisten
in unserer Hälfte der Welt waren eine bedeutende Minderheit, doch
gelang es ihnen nie, eine Majorität ihrer Glaubensgenossen für
sich zu gewinnen. Die fanatischsten Feinde des Zionismus waren
genau die Arbeiter, die, die Jiddisch sprachen, die sich selbst
als Juden ansahen; sie waren die entschiedensten Gegner einer
Auswanderung aus Osteuropa nach Palästina." [110]
Die Philosophie jener Zionisten in Osteuropa, wie Gens und
Kastner, die Geschäfte mit den Nazis machten, war keine
individuelle Verirrung, sondern eine Reflektion offizieller
zionistischer Politik. Der amtierende Vizepräsident des United
Jewish Appeal Henry Motor drückte es folgendermaßen aus:
"Selektivität ist ein unvermeidlicher Faktor bei der Auseinandersetzung
mit dem Einwanderungsproblem nach Palästina. Mit
'Selektivität' ist die Auswahl junger Männer und Frauen gemeint,
die in Europa entweder für die Produktion oder auf andere Weise
für das Leben in Palästina ausgebildet werden, das Schwierigkeiten
und Härten involviert, auf die sie physisch und psychisch
vorbereitet werden müssen ... Es kann keine tödlichere Waffe
für die Feinde des Zionismus geben, ob sie nun in der britischen
Regierung oder unter den Arabern, oder sogar im jüdischen Volk
sitzen, wenn Palästina mit sehr alten Leuten oder unerwünschten
Elementen überschwemmt würde, die die Lebensbedingungen in Palästina
unmöglich machen und die Aussicht auf die Schaffung von ökonomischen
Umständen, die eine Kontinuität der Einwanderung sichern sollen,
zerstören würden." [111]
Die Ergebnisse der zionistischen Kooperation mit dem Nazismus waren
für die Massen der europäischen Juden verheerend. "Wo Juden auch
lebten, gab es anerkannt jüdische Führer, und diese jüdische Führung
kooperierte nahezu ausnahmslos mit den Nazis. Die ganze Wahrheit
war, daß es im jüdischen Volk, wäre es wirklich unorganisiert und
führungslos gewesen, Chaos und viel Elend gegeben hätte, doch die
Gesamtzahl der Opfer kaum zwischen viereinhalb und sechs Millionen
Leuten gelegen hätte." [112]
Die ganze Geschichte der Rolle des Zionismus während der Hitlerzeit
ist immer noch nicht sehr bekannt, weder im allgemeinen noch in den
jüdischen Gemeinden. Die Effektivität, mit der sie unterdrückt wird,
und der Mythos, daß die Zionisten die Verteidiger der Juden sind,
sind ein Zeichen dafür, wie erfolgreich die zionistische Bewegung
in der Kunst der Propaganda ist.
ANHANG 1
Äußerung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland
zur Stellung der Juden im neuen deutschen Staat
Berlin W 15, den 21. Juni 1933, Meineckestraße 10
I.
Die Verhältnisse der Juden in Deutschland haben durch die Vorgänge
und durch die Gesetzgebung der jüngsten Zeit eine Entwicklung
genommen, die eine grundsätzliche Klärung des Problems wünschenswert
und notwendig macht. Wir betrachten es als Verpflichtung der
Juden, bei der Entwirrung des Problems zu helfen. Darum sei es uns
gestattet, unsere Anschauungen vorzutragen, die nach unserer Meinung
eine den Grundsätzen des neuen deutschen Staates der nationalen
Erhebung entsprechende Lösung ermöglichen und zugleich für die Juden
eine Regelung ihrer Lebensverhältnisse bedeuten könnten.
Diese Anschauungen sind auf einer Auffassung der historischen
Entwicklung der Stellung der Juden in Deutschland begründet,
die hier - einleitend - angedeutet sein mag.
Die Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts beginnende
Emanzipation der Juden war auf dem Gedanken aufgebaut, die
Judenfrage sei dadurch zu lösen, daß die Staatsnation die
in ihrer Mitte lebenden Juden aufsaugt. Diese auf den Ideen
der französischen Revolution beruhende Auffassung sah nur
das Individuum, den einzelnen, frei im Raum schwebenden
Menschen, ohne die Bindungen von Blut und Geschichte und
die seelische Sonderart zu beachten. Demgemäß verlangte der
liberale Staat von den Juden die Assimilation an die nichtj
üdische Umwelt. Taufe und Mischehe wurden im politischen
und im Wirtschaftsleben begünstigt. So kam es, daß zahlreiche
Menschen jüdischer Abstammung die Möglichkeit fanden, wichtige
Positionen einzunehmen und als Repräsentanten deutscher Kultur
und deutschen Lebens aufzutreten, ohne daß ihre Zugehörigkeit
zum Judentum in Erscheinung trat.
Es entstand so ein Zustand, der heute im politischen Gespräch
als "Verfälschung des Deutschtums" und als "Verjudung" bezeichnet
wird.
Die Juden erkannten anfangs diese Problematik gar nicht, da sie
an eine individualistische und formalrechtliche Lösung der Judenfrage
glaubten. Erst der Zionismus (seit 1897) war es, der den
Juden das Wesen der Judenfrage erschloß. Die zionistische Erkenntnis
hat es den Juden auch ermöglicht, den Antisemitismus, der bis dahin
von ihnen nur apologetisch bekämpft wurde, zu verstehen: Als tiefe
Ursache des Antisemitismus wurde die ungelöste Judenfrage erkannt;
daher müsse eine konstruktive Lösung der Judenfrage in Angriff
genommen werden. Hierfür wird eine wohlwollende Unterstützung der
nichtjüdischen Welt angestrebt.
Der Zionismus
Der Zionismus täuscht sich nicht über die Problematik der jüdischen
Situation, die vor allem in der anormalen Berufsschichtung und
in dem Mangel einer nicht in der eigenen Tradition verwurzelten
geistigen und sittlichen Haltung besteht. Der Zionismus erkannte
schon vor Jahrzehnten, daß als Folge der assimilatorischen Entwicklung
Verfallserscheinungen eintreten mußten, die er durch die
Verwirklichung seiner, das jüdische Leben von Grund aus ändernden
Forderung zu überwinden sucht.
Wir sind der Ansicht, daß eine den nationalen Staat wirklich
befriedigende Antwort auf die Judenfrage nur herbeigeführt
werden kann, wenn die auf gesellschaftliche, kulturelle und
sittliche Erneuerung der Juden hinzielende jüdische Bewegung
dabei mitwirkt, ja, daß eine solche nationale Erneuerung erst
die entscheidenden sozialen und seelischen Voraussetzungen
für alle Regelungen schaffen muß.
Der Zionismus glaubt, daß eine Wiedergeburt des Volkslebens,
wie sie im deutschen Leben durch Bindung an die christlichen und
nationalen Werte erfolgt, auch in der jüdischen Volksgruppe vor
sich gehen müsse. Auch für den Juden müssen Abstammung, Religion,
Schicksalsgemeinschaft und Artbewußtsein von entscheidender
Bedeutung für seine Lebensgestaltung sein. Dies erfordert
Überwindung des im liberalen Zeitalter entstandenen egoistischen
Individualismus durch Gemeinsinn und Verantwortungsfreudigkeit.
Unsere Auffassung vom Wesen des Judentums und von unserer wahren
Stellung unter den europäischen Völkern gestattet uns, Vorschläge
über die Regelung der Verhältnisse der Juden im neuen deutschen
Staat zu machen, die nicht Erwägungen zufälliger Interessenkonstellationen
sind, sondern die eine wirkliche, den deutschen
Staat befriedigende Lösung der Judenfrage anbahnen. Dabei haben
wir nicht die Interessen einzelner Juden im Auge, die durch die
tiefgreifende Umgestaltung Deutschlands ihre wirtschaftlichen
und sozialen Positionen verloren haben. Worum es uns geht, ist die
Schaffung einer Lebensmöglichkeit für die Gesamtheit unter Wahrung
unserer Ehre, die uns das höchste Gut ist. Wir wollen auf dem
Boden des neuen Staates, der das Rassenprinzip aufgestellt hat,
unsere Gemeinschaft in das Gesamtgefüge so einordnen, daß auch uns,
in der uns zugewiesenen Sphäre, eine fruchtbare Betätigung für das
Vaterland möglich ist.
Wir glauben, daß gerade das neue Deutschland durch einen kühnen
Entschluß in der Behandlung der Judenfrage einen entscheidenden
Schritt zur Überwindung eines Problems tun kann, das in Wahrheit
von den meisten europäischen Völkern behandelt werden muß, auch
von solchen, die in ihrer außenpolitischen Stellungnahme heute die
Existenz eines solchen Problems in ihrer eigenen Mitte leugnen.
Verhältnis zum deutschen Volk
Unser Bekenntnis zum jüdischen Volkstum stellt ein reines und
aufrichtiges Verhältnis zum deutschen Volk und seinen nationalen
und blutmäßigen Gegebenheiten her. Gerade weil wir diese Grundlage
nicht zu verfälschen wünschen, weil auch wir gegen Mischehe und
für Reinerhaltung der jüdischen Art sind und Grenzüberschreitungen
auf kulturellem Gebiet ablehnen, können wir, in deutscher Sprache
und Kultur erzogen, mit Bewunderung und innerer Anteilnahme an
den Werken und Werten deutscher Kultur teilnehmen. Nur die Treue
zur eigenen Art und Kultur gibt Juden die innere Festigkeit,
die eine Verletzung des Respekts vor den nationalen Gefühlen
und Imponderabilien des deutschen Volkstums verhindert, und die
Einwurzelung im eigenen Seelentum bewahrt den Juden davor, zum
wurzellosen Kritiker der nationalen Grundlagen des deutschen
Wesens zu werden. Die vom Staat gewünschte völkische Distanzierung
würde auf diese Weise zwanglos als Ergebnis einer organischen
Entwicklung herbeigeführt.
So kann das hier gekennzeichnete bewußte Judentum, in dessen
Namen wir sprechen, sich dem deutschen Staatswesen einfügen,
weil es innerlich unbefangen und frei ist von dem Ressentiment,
das assimilierte Juden bei der Feststellung ihrer Zugehörigkeit
zum Judentum, zur jüdischen Rasse und Vergangenheit empfinden
müssen. Wir glauben an die Möglichkeit eines ehrlichen Treueverh
ältnisses zwischen einem artbewußten Judentum und dem deutschen
Staat.
Diese Darstellung wäre unvollständig, würden wir nicht noch einige
Bemerkungen über das wichtige Problem der jüdischen Auswanderung
hinzufügen. Die Lage der Juden zwischen den Völkern und die zeitweise
vor sich gehende Ausschaltung aus Berufskategorien und
wirtschaftlichen Erwerbsmöglichkeiten sowie die Sehnsucht nach
Normalisierung der Lebensbedingungen zwingt viele Juden zur Auswanderung.
Der Zionismus will die Auswanderung der Juden nach Palästina so
gestalten, daß dadurch eine Entlastung der jüdischen Position in
Deutschland erfolgt. Der Zionismus hat sich nicht damit begnügt,
lediglich eine theoretische Auffassung von der Judenfrage zu
erzeugen, sondern er hat praktisch eine Normalisierung des
jüdischen Lebens durch Gründung einer neuen nationalen Siedlung
der Juden in Palästina, in ihrem alten Stammland, eingeleitet.
Dort sind heute schon etwa 230.000 Juden in einem normal
geschichteten Gemeinwesen zur Ansiedlung gebracht worden. Die
Grundlage der jüdischen Siedlung bildet die Landwirtschaft. Alle
Arbeiten, landwirtschaftliche, handwerkliche und industrielle,
werden durch jüdische Arbeiter, die von einem neuen idealistischen
Arbeitsethos beseelt sind, ausgeführt. Die Palästinabewegung ist
von der deutschen Regierung stets gefördert worden; es ist sicher,
daß die Bedeutung Palästinas für das deutsche Judentum ständig
wächst.
Für seine praktischen Ziele glaubt der Zionismus auch die
Mitwirkung einer grundsätzlich judengegnerischen Regierung
gewinnen zu können, weil es sich in der Behandlung der
jüdischen Frage nicht um Sentimentalitäten, sondern um ein
reales Problem handelt, an dessen Lösung alle Völker, und
im gegenwärtigen Augenblick besonders das deutsche Volk,
interessiert sind.
Die Verwirklichung des Zionismus könnte durch ein Ressentiment
von Juden im Ausland gegenüber der deutschen Entwicklung nur
geschädigt werden. Boykottpropaganda - wie sie jetzt vielfach
gegen Deutschland geführt wird - ist ihrer Natur nach unzionistisch,
da der Zionismus nicht bekämpfen, sondern überzeugen und aufbauen
will.
Wir glauben, daß die hier vorgeschlagene Regelung der jüdischen
Frage für das deutsche Volk wichtige Vorteile mit sich brächte,
die auch außerhalb der deutschen Grenzen fühlbar wären. Der
Volkstumsgedanke, der für das über die ganze Welt verbreitete
deutsche Volk (Auslandsdeutschtum) so wichtig ist, wurde hier
durch einen staatsmännischen Akt des neuen Deutschland eine entscheidende
Vertiefung und Festigung erfahren.
Millionen Juden leben als nationale Minderheiten in verschiedenen
Ländern. Bei den Verhandlungen über Minderheitenschutz bei
Beendigung des Krieges sind die von jüdisch-nationaler Seite
vorbereiteten Formulierungen und Gedankengänge weitgehend von
allen Staaten angenommen worden; sie haben zu Bestimmungen
geführt, auf Grund deren heute auch deutsche Minderheiten ihre
Rechte geltend zu machen pflegen. Unter Berücksichtigung der
starken Interessengemeinschaften der nationalen Minderheiten,
die wiederholt zum Ausdruck gekommen sind, und die gewiß in
ganz anderer Weise in die Erscheinung treten würden, wenn
die Stellung der Juden in Deutschland durch Anerkennung ihrer
Sonderart geregelt wird, kann die Politik der deutschen Volksteile
in der ganzen Welt eine nachdrückliche Förderung erfahren.
Diese Förderung liegt nicht nur in der ideellen Verstärkung der
Geltung der vom Herrn Reichskanzler in seiner Rede vom 17. Mai
proklamierten Grundsätze des Volkstums, sondern kann sich auch in
unmittelbarer Kooperation zwischen den Minderheiten verschiedener
Länder zeigen.
Wir sind der Tatsache gegenüber, daß eine Judenfrage existiert und
weiter existieren wird, nicht blind. Aus der anormalen Situation
der Juden ergeben sich für sie schwere Nachteile, aber auch für
die übrigen Völker schwer tragbare Verhältnisse. Unsere hier vorgetragenen
Äußerungen beruhen auf der Überzeugung, daß die deutsche
Regierung bei der Lösung des Judenproblems in ihrem Sinne volles
Verständnis für eine mit den Staatsinteressen im Einklang stehende,
offene und klare jüdische Haltung haben wird.
Quelle: In zwei Welten, Siegfried Moses zum 75. Geburtstag,
Tel Aviv 1962, 5. 118 ff.
ANHANG II
Die Denkschrift der Reichsvertretung der deutschen Juden
Während das ganze deutsche Volk von der Reichsregierung zur
Erneuerung des Vaterlandes aufgerufen wird, lastet auf den
deutschen Juden - die in Deutschland und deutscher Kultur
verwurzelt sind - seelische und sachliche Bedrängnis. Jüdische
Abstammung und Gemeinschaft, zu denen sich Geschlecht um
Geschlecht mit ererbtem Stolze bekannt hat, werden herabgewürdigt
und geschmäht. Jüdische Menschen, deren Lebensführung von keiner
Seite angezweifelt wird, werden aus Amt, Beruf und Stellung
gewiesen und über die davon betroffenen Familien kommt nur
zu oft tiefes wirtschaftliches Elend. Soweit aus Gründen der
Staatsraison den deutschen Juden ein Opfer auferlegt wird,
könnten ihnen vaterländische Hingabe und jüdische Würde Schweigen
gebieten. Reden wird aber zur Pflicht, wenn es sich um das
Dasein des deutschen Judentums handelt, wenn eine Grundlage
unserer Religionsgemeinden zusammenzubrechen droht, wenn Maßnahmen
gegen die deutschen Juden gerichtet werden, die nicht nur ihnen
selbst, sondern auch dem Wohle Deutschlands entgegen sind.
Darum unterbreitet die Reichsvertretung der deutschen Juden, in
der die jüdischen Gemeinden und ihre Landesverbände zusammengeschlossen
sind und die von dem Vertrauen der großen Organisationen
des deutschen Judentums* getragen wird, der Reichsregierung das
- Folgende
-
I.
Durch die Gesetzgebung dieses Jahres wurden die Juden, von den
bekannten Ausnahmen abgesehen, grundsätzlich aus der Rechtspflege
und den Ämtern in Reich, Staat, Gemeinden und sonstigen öffentlich
-rechtlichen Körperschaften entfernt. Das ist damit begründet
worden, daß Juden in dem auf einer rassischen Grundlage neu aufzubauenden
Reiche nicht staatshoheitliche Befugnisse ausüben
könnten. Darüber hinaus wurde der Anteil der Juden an allen
akademischen Berufen wesentlich eingeschränkt oder sogar aufgehoben.
Für das Erwerbsleben dagegen hat die Reichsregierung, die an der
Aufrichtung der deutschen Wirtschaft und ihrer Beruhigung arbeitet,
in ihrer Gesetzgebung vom Arierprinzip abgesehen. Seine Übertragung
auf das Wirtschaftsleben würde nicht nur den deutschen Juden die
Existenzmöglichkeit nehmen; auch Güter der deutschen Volkswirtschaft,
wertvolle, an den Personen haftende, Handelsbeziehungen des
In- und Auslandes würden schweren Schaden leiden. Durch zahlreiche
Anordnungen von Reichs- und Landesstellen, von Parteiständen und
Gemeinden, von Berufsvertretungen aller Grade, wird gleichwohl den
Juden immer wieder die wirtschaftliche Beteiligung als Arbeitnehmer
und Arbeitgeber erschwert, in manchen Landesteilen und in manchen
Geschäftszweigen nahezu unmöglich gemacht. Wir überreichen in der
Anlage 1 einige Belege. Sie sind nur ein kleiner Ausschnitt aus
den letzten Monaten, aber schon sie geben ein deutliches Bild. Sie
zeigen, wie die deutschen Juden, denen bereits die Gesetzgebung
weitgehend ihre Plätze genommen hat, dort, wo sie in den freien
Berufen verbleiben durften, boykottiert werden, und wie nun auch
versucht wird, sie aus Handel und Industrie, Handwerk und Landwirtschaft
zu verdrängen oder auszuschließen.
Verelendung, nicht nur Verarmung muß die Folge dieser Eingriffe
in die Wirtschaft sein. Unverkennbar hat diese Entwicklung schon
begonnen. Die Steuerkraft der deutschen Juden ist im Schwinden,
die unmittelbar betroffenen jüdischen Gemeinden können ihren
Aufgaben religiöser, sozialer und kultureller Fürsorge, die heute
verstärkt an sie herantreten, kaum noch gewachsen sein; wird kein
Wandel geschaffen, so ist ihr Erliegen kaum abwendbar.
Da dies nicht im Sinne und nicht im Interesse des neuen Reiches
liegen kann, wenden wir uns an die Reichsregierung um Abhilfe.
Ihr wird es gelingen, mit den Erfordernissen des neuen Staates
die Lebensmöglichkeit der deutschen Juden in Einklang zu bringen.
Für diese ist Voraussetzung:
Die unterschiedliche Behandlung zwischen arischen und jüdischen
Erwerbstätigen möge in Zukunft unterbleiben. Jeder Druck zur
Verdrängung oder Behinderung jüdischer Erwerbstätiger werde unterbunden,
von welcher Seite auch immer er kommen möge.
II.
Eng mit der eben behandelten Frage hängt die weitere zusammen,
welchen Beruf die Juden ergreifen sollen, die in der Gegenwart
schon erwerbslos sind. Abgesehen von den durch die Wirtschaftskrise
arbeitslos Gewordenen kommen hier vornehmlich zwei Gruppen in
Betracht: zunächst die Berufstätigen, die durch die Gesetzgebung
oder den privaten Boykott aus den freien Berufen oder aus ihren
Arbeitsstellungen entfernt worden sind; sodann die jungen Menschen
die jetzt, je mehr ihnen der Besuch der höheren Schulen versagt
wird, um so mehr nach baldiger Ausbildung in einem Berufe verlangen.
Wir sind uns bewußt, daß die bisherige Berufsschichtung
der deutschen Juden, ihr Überwiegen in den akademischen Berufen und
in den Großstädten ungesund war. Aus dieser Erkenntnis heraus hat
sich die jüdische Jugend schon seit Jahren darum bemüht, diesem
Mißstand, der von einer geschichtlichen Entwicklung mit bedingt
war, abzuhelfen. Wesentliche Vorarbeiten haben eine umfassende
Berufsumschichtung der deutschen Juden in den Weg geleitet. Der
Wille der jüdischen Jugend zur körperlichen Arbeit jeder Art ist
vorhanden. Aber ebenso muß auch die Bereitwilligkeit vorausgesetzt
werden, sie in Berufsgruppen aufzunehmen, in denen sie bisher unter
ihrem Bevölkerungsanteil vertreten waren. Auch hierzu erbitten wir
die Hilfe der Regierung. Wir überreichen eine Anlage II. Sie zeigt,
wie die Berufsstände des Handwerks und der Landwirtschaft den
Zugang zur Ausbildung und die Eingliederung jüdischer Menschen zu
verriegeln suchen. Die jüdische Jugend müßte trotz aller unserer
Erziehungsarbeit der Verzweiflung anheimfallen, bliebe ihr nicht
die Hoffnung auf zukünftige Arbeit. Wir erwarten deshalb, daß
grundsätzlich kein Beruf den Juden verschlossen werde, daß in dem
reichsständischen Aufbau von Handwerk und Arbeiterschaft, Landund
Forstwirtschaft auch Juden ihre Ausbildung und Eingliederung
erfahren.
III.
Auch wenn dies, wie wir erhoffen, geschieht, so werden doch unter
dem Zwange der gegenwärtigen Lage viele jüdische Menschen auswandern
müssen.
Zwar ist der jüdische Anteil an der Bevölkerungsziffer des
Deutschen Reichs seit einem Jahrhundert im Absinken. Das
Beispiel der beiden größten Länder sei herausgegriffen:
In Preußen waren im Jahre 1816 1,2 % der Bevölkerung Juden,
1925 nur 1,06 %, in Bayern gab es 1818 noch 1,45 % Juden,
1925 zählte man 0,66 %. Selbst in den Großstädten liegt es
nicht anders: Berlin hatte 1895 5,14 % Juden, 1925 4,29 %;
Hamburg 1866 4,4 %, 1925 nur 1,73 %. Seither hat sich die
Zahl der Juden weiter verringert.
Gleichwohl ist damit zu rechnen, daß viele deutsche Juden in
Deutschland keinen Lebensraum mehr finden werden und abwandern
müssen. Das deutsche wie das jüdische Ansehen erfordert, daß
diese Auswanderung planmäßig vorbereitet und geregelt werde.
Das setzt voraus, daß schon im alten Heimatlande eine geeignete
Berufsausbildung statthabe, und daß mit Unterstützung der
inländischen Behörden und der jüdischen Organisationen die
Auswanderung in die Länder geleitet werde, die zur Aufnahme
bereit sind und entsprechend vorgebildete Arbeitskräfte benötigen.
Geschieht das, so wird der Auswanderer an neuer Stätte Anhänglichkeit
dem Lande wahren, in dem seine Eltern und Vorfahren
gelebt haben und er selber Erziehung und Ausbildung erhielt.
Familienbande und kulturelle Zusammenhänge knüpfen alsdann auch
wertvolle wirtschaftliche Verbindungen zur alten Heimat. Versteht
der Auswanderer sein Fach, so wächst draußen die Achtung vor
deutschem Können. Fällt er dagegen der Emigrantenhilfe zur Last,
so paart sich einem Herabsehen auf den Almosenempfänger nur zu
leicht eine geringschätzende Abneigung gegen das Land, aus dem
er gekommen ist. Wir bitten deshalb die Reichsregierung, auf dem
Gebiet des Auswanderungswesens die Arbeit zu unterstützen, die
wir und die hierzu berufenen Organisationen für die Auswanderung
nach Palästina und anderen Ländern leisten.
IV.
Schwerer noch als alle wirtschaftliche Not lastet auf uns
seelische Bedrückung. Die rassische Voraussetzung, auf die sich
der nationalsozialistische Staat aufbaut, geht von dem Gedanken
der Andersartigkeit seines jüdischen Bestandteiles aus. Den Vorwurf
der Minderwertigkeit aber kann keine Gemeinschaft hinnehmen,
die auf Ehre und Würde hält. Wir deutschen Juden müssen es in
Deutschland erfahren, daß man uns zu diffamieren versucht. In der
Anlage III sind nur wenige Beispiele zusammengestellt, aber jeder
kennt zahlreiche. Wir wissen, daß Regierungs- und obere Parteistellen
die rohe und beschimpfende Form solcher Äußerungen mißbilligt
haben und verurteilen. Was wir deutschen Juden, vor allem
auch um unserer Kinder willen, dabei empfinden, das im einzelnen
auszusprechen, verbietet uns unser Stolz. Auf eines weisen wir
aber hin, weil ihm auch eine politische Bedeutung zukommt: In den
Ländern, mit denen sich Deutschland im Ringen um seine Weltgeltung
auseinandersetzen muß, leben Juden. Keine Greuelhetze trifft sie
so, wie diese Tatsache, daß aus deutschen Zeitungen und Kundgebungen
eine Diffamierung ihres von ihnen hochgehaltenen Stammes und
Glaubens zu ihnen dringt. Die Verletzung ist um so tiefer, wenn es
sich nicht um gelegentliche Entgleisungen in dem Eifer eines Wahlkampfes
handelt, sondern um vorbedachte und wiederholte Äußerungen
aus Tagen, in denen das Gemeinwesen als gefestigt erscheint, und
innerhalb eines Staates, der mit der Macht über das Mittel verfügt,
die öffentliche Meinung zu überwachen und zu leiten.
Von welchem Gesichtspunkte immer diese Frage betrachtet werde, wir
glauben der Erwartung Ausdruck geben zu dürfen, daß in Zukunft jede
Diffamierung der jüdischen Gemeinschaft und Abstammung unterbleibe.
Wenn wir diese Darlegungen überreichen, so sind wir uns dessen wohl
bewußt, von welcher Fülle der Aufgaben die Reichsregierung jetzt
beansprucht ist. Wir haben uns deshalb auf das beschränkt, dessen
Ordnung uns, auch um des deutschen Staates willen, unaufschiebbar
erscheint. Darauf hinzuweisen, ist unsere Pflicht nicht nur gegen-
über unseren Gemeinden, sondern ebenso gegenüber der Reichsregierung.
Wir sind des gewiß, dem deutschen Vaterlande hierdurch zu dienen.
Im Januar 1934.
Die Reichsvertretung der deutschen Juden.
Berlin-Charlottenburg,
Kantstr. 158.
Quelle: In zwei Welten, Siegfried Moses zum 75. Geburtstag,
Tel Aviv 1962, 5. 118 ff.
- Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens,
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten.
Zionistische Vereinigung für Deutschland.
References
l. Theodor Herzl, The Jewish State (New York, 1946) p. 92.
2. Hannah Arendt, The Jewish State, 50 Years After - Where
Have Herzl`s Politics Led? (article in Commentary,
Vol. 1, No. 7, May 1946)
3. Moshe Menuhin, The Decadence of Judaism in Our Time
(Institute for Palestine Studies reprint, Beirut,
1969) pp 46-47.
4. Quoted by Reuben Ainsztein, Jewish Resistance in
Nazi-Occupied Eastern Europe (London, 1974) p. 151.
5. Report of Royal Commission on Alien Immigration,
1902-1903 (Cmnd. 1741 & 1742).
6. Jewish Chronicle, 23 December 1904.
7. Hansard, 10 July 1905, Vol. 149, Col. 154-155.
8. Theodor Herzl, Diaries (Marvin Lowenthal`s
translation, New York, 1956) p. 7.
9. Chaim Weizmann, Trial and Error (New York, 1949) p. 243.
10. Memorandum on die Anti-Semitism of the Present Government,
23 August 1917.
11. Oscar Janowsky People at Bay (London, 1938) pp. 126-127.
12. J.W. Wise, Swastika, the Nazi Terror (New York, 1933)
pp. 59-60.
13. Ibid., pp. 104-107.
14. Report dated 25 April 1933, from Innsbruck.
15. Norman Bentwich, The Refugees from Germany (London, 1936)
p. 30.
16. Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem (New York, 1963)
pp. 53-54.
17. Ibid., pp. 54-55.
18. Wise, op. cit., p. 45.
19. Eliahu Ben Elissar, La Diplomatie du IIIe Reich et les
Juifs (Julliard, place of publication not stated, 1969)
pp. 86-87.
20. RauI Hilberg, The Destruction of the European Jews (London,
1961) p. 95.
21. Ben Elissar, op. cit., pp. 90-94.
22. Israel Cohen, Contemporary Jewry (London, 1950) p. 186.
23. Arendt, op. cit., p. 55.
24. Letter from Blumenfeld, for Zionist Federation, to Nazi
official Bulow-Schwante, 11 .Iune 1934.
25. Ben Elissar, op. cit., pp. 185-186.
26. Gerald Reitlinger, The Final Solution (New York, 1961)
p. 7.
27. Ben Elissar, op. cit., pp. 186-187.
28. Janowsky, op. cit., pp. 90-91.
29. Ben Elissar, op. cit., p. 204.
30. Ibid., p. 219.
31. Oscar Janowsky and Melvin Fagen, International Aspects
of German Racial Policies (New York, 1937), pp. 49-50.
32. Bentwich, op. cit, pp. 142-143.
33. Ben Elissar, op. cit., pp. 423-424.
34. Jon & David Kimche, The Secret Roads (London, 1954)
pp. 15-16.
35. Ibid., pp. 17-19.
36. Ibid, p. 30.
37. Arendt, op. cit., p. 39.
38. Ibid, p. 41.
39. Kimche, op. cit., pp. 27, 30-31.
40. Ibid., p. 217
41. Ibid., pp. 33-35.
42. Ibid, p. 217.
43. 6,000,000 Accusers, opening address in Adolf Eichmann
trail, Sessions 6-8.
44. Shiomo Katz, 6,000,000 and 5,000,000 (article in Midstream,
No. 1, 1964).
45. Reuben Ainsztein, Jewish Resistance in Nazi-Occupied Eastern
Europe (London, 1974) pp. 408, 442, 468, 634-638.
46. Letter from Mordechai Anielewicz to Polish Home Army Command
and Government Delegate`s office, 13 March 1943.
47. Ainsztein, op. cit., p. 486.
48. Joseph Tenenbaum, Underground, the Story of a People (New
York, 1952) pp. 81-82.
49. Ibid., pp. 347-348,
50. Appeal by Itzik Witenberg and Abba Kovner to Vilno ghetto
inhabitants, 1 January 1942.
51. Ainsztein, op. cit., pp. 505-507.
52. Tenenbaum, op. cit., pp. 344-345.
53. Ibid., pp. 353-354.
54. Reb Moshe Shonfeld, The Holocaust Victims Accuse, Part 1,
(Neturei Karta of USA, New York, 1977) pp. 30-33.
55. Yuri Suhl, They Fought Back (London, 1968) p. 191.
56. Shonfeld, op. cit, pp. 88, 119-121.
57. Ainsztein, op. cit., pp. 521-547.
58. Shonfeld, op. cit., pp. 22-23.
59. Michael Elins, Forged in Fury (New York, 1971) pp. 62,
64-65.
60. Ainsztein, op. cit., pp. 565, 599.
61. Ibid., p. 620.
62. Suhl, op. cit., p. 622.
63. Ainsztein, op. cit, p. 622.
64. Ibid., pp. 591-671; see also Chaim A, Kaplan, Scroll
of Agony (A Warsaw Diary), translated $ edited by
Abraham I. Katsch (London, 1966) and Martin Gray, Au
Nom de Tous les Miens (Paris, 1971) for accounts by
ghetto inhabitants.
65. Ainztein, op. cit., pp. 556-561.
66. Letter to Issac Cukierman, 26 April 1943.
67. Tenenbaum, op. cit., p. 381.
68. Letter to The Times. 6 June 1961.
69. Shonfeld, op. cit., pp. 63-65.
70. Elkins, op, cit., pp. 59, 166.
71. Ibid., pp. 197, 237.
72. Statement to Zionist convention in London, August 1937.
73. Speech on "The Diaspora and the Redemption", Tel-Aviv,
Februay 1943.
74. Shonfeld, op. cit., p. 21.
75. Ben Hecht, Perfidy (New York, 1961) pp. 58-59.
76. Official charge sheet, Criminal Case 124/53, District
Court, Jerusalem.
77. Judgement given on 22 June 1955, Protocol of Criminal
Case 124/53 in District Court, Jerusalem.
78. Hecht, op. cit., pp. 202-208.
79. Letter to Zionist representatives, 15 May 1944.
80. Affidavit before Mr. Benno H. Selcke Jr., of American
Evidence Division, International Military Tribunal,
Nuremberg, 4 August 1947.
81. Hecht, op. cit., p. 67.
82. Ibid., p. 84.
83. Haaretz, 14 July 1955.
84. Hecht, op. cit., p. 185.
85. See Ibid., pp. 208-250 and Shonfeld, op. cit.,
pp. 36-39 for details of Joel Brand story, as
well as Alex Weissberg, Die Geschichte von Joel
Brand (Cologne, 1956).
86. Shonfeld, op. cit., pp. 76, 82-86.
87. Andre Biss, A Million Jews to Save (London, 1975)
pp. 21, 37.
88. Haboker, 23 June 1955.
89. Protocol C.C. 124/53, Jerusalem District Court.
90. Menuhin, op. cit., p. 473.
91. Alfred Lilienthal, The Other Side of the Coin (New
York, 1965) p. 109; New York Times, 16 December 1960;
Arendt, op. cit., p. 16.
92. Moshe Pearlmann, The Capture and Trial of Adolf Eichmann
(New York, 1963) p. 534.
93. Ibid., p. 358.
94. Ibid., p. 359.
95. Hecht, op. cit., p. 200.
96. Leonard Sussman, Analysis of Perfidy (American Council
for Judaism) quoted by Menuhin, op. cit., p. 484.
97. Shonfeld, op. cit., p. 30.
98. Biss, op. cit., p. 191.
99. Hecht, op. cit., p. 267, note 148.
100. Memorandum dated 11 January 1941 submitted in report
of German Naval Attache in Turkey, quoted by Klaus
Polkehn, The Secret Contacts: Zionist-Nazi Relations,
1933-1941 (article in Journal of Palestine Studies,
Vol. V, Nos. 3 & 4, Spring/Summer 1976).
101. See Joseph Schechtman, Fighter and Prophet (New York,
1961) pp. 483-484 and Gerold Frank The Deed (New York
1963) p. 79.
102. The Other Israel, (Matzpen pamphlet, Tel Aviv, n.d.)
pp. 9-10.
103. Morris R. Cohen, Tribalism or Liberalism, essay in
Palestine: a Search for Truth, ed. Alan R. Taylor
and Richard N. Tetlie (Washington, DC, 1970), p. 71.
104. Arendt, op. cit., pp. 55-56.
105. Izzi Cohen, The Cruel Zionism (article in Matzpen, April
1974). The quotation is from Morris L. Ernst, So Far So
Good (London, 1953), pp. 138-139.
106. Lilienthal, op. cit., p. 20.
107. Arthur Hayes Sulzberger in New York Times, 27 October
1946.
108. Menuhin, op. cit., p. 92.
109. Hecht, op. cit., p. 50.
110. Issaac Deutscher, The Non-Jewish Jew & Other Essays (London,
1968) p. 66.
111. Letter to Rabbi Baruch Rabinowitz, Congregation B`nai
Abraham, Hagerstown, Maryland, 1 February 1940.
112. Arendt, op. cit., p. 111.
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