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Das Thema Atomwaffen in Israel und atomwaffenfreie Zone in Nahost
gehört jetzt im Kontext von Kriegsdrohungen gegen den Iran und
Destabilisierungspolitik gegen Syrien in die Öffentlichkeit, Anlass zu
folgender Stellungnahme, wie immer zur Anregung, Verwendung und
Weiterverbreitung.
Gruss,
Jan Lenkait
Telefon 02159-1664
Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait, Juristin und Diplomatin a.D.,
40670 Meerbusch
14.11.11
Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 10.11.; "Arabischer Albtraum" von Tomas
Avenarius,SZ-Kommentar vom 11.11: "Ganz oben abgeblitzt" von Peter
Münch,Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 14.11.: "Letzte Frist für
Syrien" von Sonja Zekri und "Die Liga bewegt sich doch" von zri (Sonja
Zekri)
Sich endlich den Massenvernichtungswaffen in Israel widmen
Angesichts des Ausmaßes der aktuellen internationalen Krise und der
mächtigen Interessen, die tätig im Spiel sind, wäre es ratsam,
reaktionären Stimmen in der deutschen Öffentlichkeit keinen Raum
mehr zu geben. Es ist gerade dieses reaktionäre Umfeld, das eine
sachgemäße verantwortungsvolle deutsche Außenpolitik seit langem
bremst. Es ist an der Zeit, solchen Leuten mindestens in den Medien
keinen Zugang mehr zu gestatten. Sonst fügen sich die Medien dem Spiel
fremder Manipulation, das in einem solchen rückständigen Milieu
fruchtbaren Boden findet. Eine halsstarrige gescheiterte Politik ist
nicht nur einfach hochmütig, sondern nutzlos. Nur Betonköpfe wollen
das nicht eingestehen.
Die Rede vom iranischen Präsidenten, Mahmoud Ahmadinedschad, vor der
Vereinten Nationen in New York (23.9.2011) enthält sachliche
Anhaltspunkte und weise Überlegungen, damit Europa und vor allem
Deutschland sein generelles Verhalten überdenkt. Gespräche mit dem
Iran können nur zum Fortschritt führen. Der Iran steht dazu bereit
und dem Westen offen gegenüber. Der Westen sollte sie nicht weiter
blockieren und seine politische Leere in reiner Macht-Überlegenheit
bloßstellen.
Bisher gibt es keinerlei Fortschritte dabei, den Nahen Osten als eine
Zone zu schaffen, die frei von Massenvernichtungswaffen ist. Bei der
Sicherheitsratssitzung am 14.4.2003 hat der Außenminister von Syrien
sehr präzis darauf aufmerksam gemacht, dass die Abrüstung der ganzen
Region bis Indien noch bevorsteht, Israel eingeschlossen. Dieser
Vorschlag wirkt wie ein Dorn im Auge für Israel. Ist das der
Hintergrund des aktuellen Tumults gegen Syrien? Die Arabische Liga, vor
allem Ägypten, darf sich keineswegs vor westlichem Druck gegen Syrien
beugen. Im Gegenteil, aus Ägypten und Syrien ist zur
Entnuklearisierung des Nahen-Ostens eine neue arabische Initiative zu
erwarten.
Man muss sich endlich den Massenvernichtungswaffen in Israel widmen.
Sonst begeht man einen Verstoß gegen die UN-Resolutionen 687 und 1284
unter anderen. Von einer Friedensbedrohung durch den Iran kann keine
Rede sein: Der Iran bedroht weder die USA noch seine Nachbarstaaten mit
Krieg. Der Iran stellt keine wirkliche Gefahr dar. Der US-Präsident
Obama ist aufgerufen, den amerikanischen Sonderweg zu verlassen und
nicht weiter die willkürliche Haltung Israels gegenüber den
Palästinensern zu dulden. Palästina als neuer Staat gehört als
Vollmitglied in die Vereinten Nationen. Unmenschliche ungerechte
Sanktionen gegen Völker sind zu beenden und die Kontrollinspektionen
auf den ganzen Nahen Osten auszudehnen, damit die Ziele der
UN-Resolutionen 687 und 1284 voll erfüllt werden können. Der normale
Menschenverstand muss wirksam werden. An erster Stelle bei den Beratern
an der Seite des amerikanischen Präsidenten sowie im deutschen
Bundeskanzleramt.
Die arabischen Regierungen werden niemals in die wahnsinnige Logik eines
Militärschlags gegen den Iran verfallen. Sie alle sind islamische
Regierungen von islamischen Brudervölkern. Der Irak vergisst nicht,
wie er von den USA in den achtziger Jahren gegen den Iran manipuliert
und benutzt wurde bis zu einem mörderischen Überfall auf Teheran.
Inzwischen und aufgrund der bitteren jüngsten Erfahrung gibt es eine
Annäherung zwischen beiden Regierungen und wahrscheinlich auch
intelligente Vereinbarungen zwischen Bagdad und Teheran, um der
US-Vorherrschaft Einhalt zu gebieten. Die Stiche, die die islamischen
Völker nach der barbarischen Aggression gegen Libyen empfingen, tragen
eher zu ihrer Entschlossenheit bei, stärker zu werden. Der
erfolgreiche Ministerpräsident Ägyptens, Gamal Abdel Nasser sagte
einmal sehr weise: "Die Einheit bedeutet, dass der Imperialismus der
Waffe der Bestechung beraubt ist, der Waffe der Intrigen,
Verschwörungen und des Säen von Zwietracht beraubt."
Gamal Abdel Nasser ist immer noch hochaktuell, weil er auch
sinngemäß sagte: "Es war das arabische Volk, das bei der Einheit
Ägyptens und Syriens seinen eigenen Willen durchsetzte. Es war das
arabische Volk Syriens und Ägyptens, das diese Einheit forderte. Es
gibt heute keine Staaten oder Menschen, deren Schicksal vom Willen eines
einzelnen Individuums oder einer Gruppe von Individuen abhängt. Die
arabische Bewegung hat heute aus der Vergangenheit bitter erfahren, was
die Abhängigkeit von den Großmächten mit sich brachte, als sie von
diesen Mächten nicht nur einmal sondern hundert Male betrogen wurden.
Durch alle Zeiten hindurch, in jedem einzelnen Fall der Geschichte war
es den arabischen Völkern möglich, Eindringlinge durch Einheit und
Solidarität zu besiegen. Ihre Waffen waren nicht Bündnisse oder
Verträge mit fremden Mächten. Ihre Waffe lag nicht darin, sich unter
den Schutz einer fremden Macht zu stellen, so dass sie sie beherrscht
hätte. Ihre Waffe war die Einheit." Daraus kann auch Europa eine
aktuelle reichhaltige Lehre ziehen, um sich endlich von einer fremden
Macht zu befreien.
Die arabischen Völker wurden immer wieder von den großen Mächten
betrogen. Aus dieser geschichtlichen Erkenntnis sind sie jetzt bereit
und wachsamer, selbst die Verantwortung zu übernehmen. Sie haben
erkannt, dass gerade diese Herrscher zusammen mit den Marionetten der
Großmächte und des Weltzionismus im Komplott gegen die arabische
islamische Einheit stehen in dem einzigen Bestreben, ihre Ziele der
Hegemonie zu verwirklichen.
Reaktionäre in den arabischen Staaten, wie Saudi Arabien, die
Golfstaaten, Kuwait und Katar stellen sich gegen die arabischen Einheit,
denn sie sehen in dieser Einheit eine Gefahr für ihre Macht und
influssreichen Stellungen, für ihren Feudalismus und ihre
Räubereien. Diese würdelosen Cliquen machen sogar gemeinsame Sache
mit Aggressoren, um ihre Interessen zu sichern.
Sie sind Hand in Hand mit den USA und Israel direkt in den
Auseinandersetzungen und der Gewalt in Syrien involviert. Ein nationaler
Dialog, wie vom Präsidenten Baschar Al-Assad vorgeschlagen, ist nicht
im Sinne der USA, nicht im Sinne von Israel. Aus dem
US-Außenministerium geht ein unverschämter Aufruf an die
Demonstranten, ihre Waffen zu behalten. Diese unerhörte Dreistigkeit
und kriminelle US-Einmischung veranlasste den syrischen Außenminister,
sich schriftlich an die Arabische Liga, die arabischen Außenminister,
die Außenminister von Russland, China, Indien, Südafrika und
Brasilien, sowie an den Präsidenten des UN-Sicherheitsrates zu wenden.
Die Äußerungen des US-Außenministeriums seien ein Hinweis, dass
die USA direkt in die Auseinandersetzungen und in die Gewalt in Syrien
involviert seien. Der Artikel "Unruhe schüren" von Karin Leukefeld aus
Damaskus ist umfassend aufklärerisch und gleichzeitig schockierend in
Bezug auf die bloßgestellte kriminelle Einmischung der USA in Syrien
(Junge Welt, 8.11.11). Vor diesem Hintergrund fragt man sich, wieso ein
deutscher Außenminister Guido Westerwelle so schlecht beraten ist,
dass er sich leichtsinnig auf das verbrecherische Spiel zur
Destabilisierung Syriens einlässt.
Iran ist ein wichtiger Anker für eine stabile gerechte Lösung im
Nahen Osten. Der ägyptische Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr
Mussa, in aller Wahrscheinlichkeit zukünftiger Präsident Ägyptens,
weiß, die Rolle Irans in der Region zu schätzen und pflegt deshalb
gute Beziehungen mit Teheran.
Die alte Masche Tel Avivs, den Spieß umzudrehen, um Iran als das
eigentliche Problem darzustellen, zieht schon lange nicht mehr. Dieser
Versuch ist immer wieder eklatant gescheitert. Hat die Redaktion der
Süddeutschen Zeitung das verschlafen?
Israel ist das Problem Nummer Eins im Nahen Osten. Das ist sonnenklar:
Der Staat Israel hat seit seiner Gründung vor mehr als 60 Jahren seine
Landesgrenzen immer wieder neu definiert. Eine seriöse unbeugsame
Öffentlichkeit muss endlich das Problem Israel anpacken.
Trotz der Inkompetenz und Nichtigkeit der EU, die sich durch ihr
unverständliches Schweigen in einer der gravierendsten Angelegenheiten
der Weltpolitik weiter diskreditiert, müssen verantwortliche
Journalisten mit gesundem Menschenverstand und Sachkenntnis den Komplex
Naher Osten angehen, um die Anerkennung Palästinas voranzutreiben. Das
ist von einem professionellen Journalismus nicht zu viel verlangt.
Israel, nicht der Iran, verfügt über ein ganzes Atomwaffenarsenal.
Mit dieser besorgniserregenden Realität müssen sich Deutschland und
die EU befassen. Washington hat es schon getan: Washington Times vom
6.5.09 und Washington Post.
Vor der internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beklagt die
Arabische Liga "Israels Besitz von Atomwaffen als einen eindeutigen
Verstoß gegen den Willen der internationalen Gemeinschaft." Zugleich
betonte der ägyptische Botschafter die Notwendigkeit, dass Israels
Atomkapazitäten endlich auf den Tisch der IAEA kommen müssen, denn
dies sei "eine ernste Angelegenheit, die nicht verschwinden wird."
(Meldung von 10/11.3.07)
Der Mangel an Wille und Entschlusskraft der US-Regierung, endlich
wirksamen Druck auf Israel auszuüben, um es zu zwingen, die nötigen
Schritte für einen glaubwürdigen Friedensprozess zu tun, hat bisher
zur Nichtigkeit aller völkerrechtlichen Forderungen der
Weltgemeinschaft geführt. Die palästinensische Führung hat sich
gegenüber der Mafia-Politik der USA verkalkuliert, eine Mafia-Politik,
die vor Tricksereien und Erpressung nicht zurückschreckt. Das ist
natürlich alles andere als ein Sieg der USA. Es ist die offenkundige
Blamage der Weltstaatengemeinschaft. Als die NATO durch Luftangriffe in
Libyen das UN-Mandat missbrauchte, schärfte Russland seine stärkste
diplomatische Waffe, das Veto-Recht im UN-Sicherheitsrat. Syrien ist wie
der Iran ein wichtiger Partner Moskaus. Der Präsident des
Nahost-Instituts in Moskau gibt die russische Sichtweise den USA und
seinen Verbündeten bekannt: "Was kann der Westen versprechen, wenn
bekannt ist, dass er Russland anschließend hintergeht"? Libyen sei
dabei nur das letzte Glied in einer langen Kette. (SZ von 12.11.11)
Palästina muss sich weiter für bilaterale Anerkennung einsetzen und
darf sich keineswegs als Spielzeug für beliebige
US-amerikanisch-israelische Friedens- oder Verhandlungsshows hergeben.
Jedenfalls sollte Palästina die gesamte palästinensische
Autonomie-Behörde sofort auflösen. Damit fällt die volle
Verantwortung für die Palästinenser-Gebiete auf Israel. Warum
sollten die Palästinenser Israel dabei helfen, wenn gerade die
israelische Regierung ihnen das Geld, das den Palästinensern gehört,
und auch das Existenzrecht als Staat verweigert? Die Auflösung der
Autonomie-Behörde wäre lediglich eine drastische Konsequenz der
willkürlichen destruktiven israelischen Politik. Palästina sollte
alle Institutionen vermeiden, die unter Kontrolle der USA stehen, wie
der UN-Sicherheitsrat. Nicht aber die UN-Vollversammlung. Hier muss
Palästina sein Anliegen weiter vorlegen und auf einen Entschluss
bestehen. Auch in regionale Organisationen muss Palästina als Staat
Mitglied werden.
Die Verurteilung der Aggressionen Israels durch den vorigen und durch
den gegenwärtigen UN-Generalsekretär, Kofi Annan und Ban-Ki-Moon,
die Anklagen gegen die Spitze der Regierung Tel-Avivs und die massive
Kritik der Blockfreien Staaten an Israel und auch von den Arabischen
Staaten im Gouverneursrat der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEA) in Wien am 9.3.07 mit ihrer Forderung nach einer
"atomwaffenfreien Zone im Mittleren Osten" sind aktuelle Kernpunkte
für eine Friedenspolitik im Nahen und Mittleren Osten. Ernste
Anhaltspunkte für das deutsche Außenministerium, um eine konsistente
Politik für diese Weltregion zu entwerfen.
In diesem viel zu lange vernachlässigten Konflikt ist jeder
menschliche Maßstab abhanden gekommen. Der Gaza-Streifen ist ein
Katastrophen-Gebiet geworden. Davon darf nicht abgelenkt werden.
Uneinsichtigkeit, Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit der israelischen
Regierung sind für jeden sichtbar und erkennbar, vor allem nach dem
massiven Morden in Gaza.
Die Aufmerksamkeit der Medien muss sich auf die leidenden lebenden
Menschen richten, um einen Weg zu öffnen, damit der Frieden im Nahost
hinter legitimen anerkannten Grenzen erreicht wird.
Palästinenser leben in Ghettos im wahren Sinne des Wortes, also in
abgesperrten Landesteilen. Die Öffentlichkeit versteht nur zu gut,
worum es geht. In Palästina hat sich jahrelang eine erzwungene
Siedlungspolitik mit Gewalt und Panzern gegen den Willen der Einwohner
durchgesetzt. Auf die brutale Unterdrückung der Palästinenser durch
Israel haben auch israelische Oppositionelle wie Antifaschisten
hingewiesen. Die EU muss dringend eine harte, wirksame Stellung
gegenüber Tel-Aviv beziehen mit der Vorbereitung angemessener
Maßnahmen.
Es ist höchste Zeit, das Kernproblem ins Auge zu fassen: Ein
okkupiertes Territorium. Die EU-Eliten und die Öffentlichkeit sollten
Israel in die Schranken weisen. Ein für alle Male. Man muss Partei
für eine gerechte Sache ergreifen, eine gerechte Sache, die alle
Humanisten, ob Christen oder nicht, täglich bewegt.
Israel wird niemals eine anhaltende Sicherheit bekommen, indem es ein
anderes Volk unterdrückt. Apartheid- oder Ghetto-Politik, beide
Begriffe schildern zutreffend die aktuelle Lage der Palästinenser im
Heiligen Land. Das Heilige Land muss für alle Menschen offen sein.
Die Ansicht der arabischen Welt ist eindeutig und nicht zu vertuschen.
Es sei "Israels militärisches Nuklearprogramm, das die arabischen
Länder beängstige"..Es sei bewiesen, dass dieses militärisch sei,
so der Generalsekretär der Arabischen Liga in der saudischen Zeitung
Al Medina im April 2009. (Meldung vom 12.5.09). Aber Israel will sich
weiter weigern, irgendwelche Änderungen in seiner Atomwaffenpolitik
vorzunehmen.
Der Dialog mit dem Iran könnte der Ausgangspunkt für eine
voranbringende Diskussion über eine atomwaffenfreie Zone im Nahen
Osten werden. Das Einverständnis von Kairo und Damaskus dafür ist
schon bekannt.
Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait
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