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Aufruf Der kurdischen Organisationen in Deutschland
Sat, February 21, 2009
Das Komitee für Zusammenarbeit der Syrisch Kurdischen Organisationen in
Deutschland mit Unterstützung weiterer Kurdischen Vereine und
Organisationen organisiert heute diese Protestaktion in Berlin gegen das
am 17. Juli 2008 in Berlin unterzeichnete Rückübernahmeabkommen zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und der Syrischen Arabischen Republik.
Durch dieses Abkommen, das am 03.01.2009 in kraft getreten ist, sollen
Menschen (Syrer und Staatenlose), die kein Glück hatten, ein
Aufenthaltsrecht hier zu bekommen, nach Syrien abgeschoben werden.
An dieser Stelle fragen wir die Bundesregierung, ob der Syrische Staat,
solche in Europa selbstverständlichen und garantierten elementaren
Rechte der Menschen ebenfalls, wie andere Länder der Europäischen Union
garantieren kann.
Die in Syrien herrschende Diktatur, bei der seit Jahrzehnten keine
Besserungen im Bereich der Menschenrechte zu spüren sind, sucht schnelle
Auswege aus ihrer internationalen Isolation und politischen Krise. Dabei
kann sie alle möglichen Verträge und Abkommen unterzeichnen, ohne die
wirtschaftliche und politische Basis dafür zu haben.
Wir, im Komitee für Zusammenarbeit der Syrisch Kurdischen Organisationen
in Deutschland machen uns große Sorgen um das Schicksal und die
Sicherheit der Betroffenen Menschen im Falle der Durchführung dieses
Vorhabens. Es ist kein Geheimnis, dass dieses Abkommen an erster Stelle
Menschen kurdischer Nationalität aus Syrien betrifft, da das kurdische
Volk in Syrien unter einer verschärften und doppelten Unterdruckung
leiden und dadurch gezwungen werden, ihre historischen Heimatgebiete zu
verlassen. Dies geschieht auch innerhalb Syriens, wo tausende Kurden
ihre Gebiete verlassen und an den Randen der syrischen Großstädte in
Zelten und Buden leben.
Die von diesem Abkommen betroffenen Menschen werden im Falle ihrer
Rückkehr nach Syrien den Gefahren geliefert, verhaftet, misshandelt und
gefoltert zu werden. Menschenrechtsorganisationen berichten über
zahlreiche gewaltlose Gefangene in syrischen Gefängnissen, deren einzige
Schuld die Wahrnehmung ihrer Rechte auf freie Meinungsäußerung und
Vereinigungsfreiheit ist. Viele unserer Landesleute, auch wenig
politisch engagierte, die Freiheiten des Lebens in Europa nutzten und
sich hier gegen die syrische Politik äußerten in Form von
Demonstrationen und anderer politischer Tätigkeiten in den Jahren des
Exillebens. Die Kinder der betroffenen Familien beherrschen die
Arabische Sprache nicht. Diese Amt- und Schulsprache (Kurdisch ist in
Syrien verboten) wird unter den Kurden in Europa nicht gelernt und nicht
gesprochen, sondern nur Kurdisch und Deutsch. Dadurch bekommen die
Kinder im Bereich der Schul- und Berufsbildung große Nachteile, viele
davon werden die Schule verlassen müssen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Das große Ansehen und Einfluss der Bundesrepublik Deutschland in der
modernen Welt, macht es dringend erforderlich, bei jedem Kontakt mit der
syrischen Regierung, diese dazu zu drängen, dem kurdischen Volk in
Syrien endlich alle Bürgerrechte zuzugestehen, darunter auch die
Wiedereinbürgerung der ausgebürgerten Kurden. Es ist bekannt, dass 1962
in der kurdischen Provinz al-Hassaka eine außerordentliche Volkszählung
durchgeführt wurde, deren Folge die Aberkennung der Staatsangehörigkeit
von über 120.000 Kurden war. Insgesamt gelten heute rund 400 000 Kurden
in Syrien als "staatenlos".
Ohne einen Vertrauensbeweis und die Selbstverpflichtung, den Menschenund
Minderheitenrechten in Syrien endlich Geltung zu verschaffen, dürfe
mit der Regierung von Assad nur vorsichtig Kooperation und
Zusammenarbeit vereinbart werden. Der Aufbau einer Vertrauensbasis mit
der Regierung in Damaskus erfordert die Freilassung von rund 150
kurdischen politischen Gefangenen und tausende Gefangenen anderer
Volksgruppen im Voraus. Die Verfolgung der Kurden und der arabischen
demokratischen Opposition hat sich im Land in letzter Zeit verschärft.
Ständig werden politisch aktive Kurden festgenommen. Das obwohl Syrien
ein Vertragsstaat des UN-Übereinkommens gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe ist.
Es ist bedauerlich und unverständlich, dass die Bundesrepublik ein
Rückübernahmeabkommen mit der syrischen Regierung jetzt schließt.
Sehr verehrte Damen, sehr verehrte Herren,
Im Namen aller betroffenen rufen wir Sie auf, uns zu unterstützen. Ihr
Land / Unser Land Deutschland darf sich nicht an die Unterdrückung
unseres kurdischen Volkes in Syrien beteiligen und unsere Menschen nicht
an die undemokratische syrische Regierung schutzlos liefern. Die Lage
der Bevölkerung in Syrien und insbesondere in den kurdischen Gebieten
ist katastrophal und dramatisch in allen Bereichen der Politik, der
Wirtschaft, der Bildung etc… Kurdische Gebiete werden systematisch
benachteiligt und arm gehalten, Menschen werden von Arbeitsmöglichkeiten
ferngehalten und entlassen, Studenten werden suspendiert,
traditionell-kulturelle kurdische Veranstaltungen werden verboten, die
kurdische Sprache und Kultur werden verboten, kurdische Aktivisten
werden verfolgt, verhaftet und gefoltert und sogar ermordet, wie es der
Fall war mit Sheikh Dr. Khaznaoui im Jahre 2006
Daher hoffen wir, dass die Bundesrepublik Deutschland und die
Weltgemeinschaft vor einem solchen Schritt mit der syrischen Regierung
sich die Frage stellen, warum diese Menschen illegal aus Syrien durch
teilweise sehr gefährliche Wege fliehen, um nach Europa zu emigrieren?
Wir bitten um Ihre Stimme, damit die betroffenen Flüchtlinge nicht
schutzlos in die Hände der Despoten und der Armut zu liefern.
Berlin 23.02.2009
- Komitee für Zusammenarbeit Der kurdischen Organisationen in
Deutschland
- Der partei der demokratische Union PYD
- Syrisch-Kurdische Gesellschaft Bremen
- Kurdisches Kulturhaus e.V. Bad Salzuflen
- Nationale Organisation für Menschenrechte in Syrien
- Kurdische Musikgesellschaft
Protest gegen syrisch-deutschen Rückübernahmeabkommen
Kundgebung, Demonstration und Hungerstreik in Berlin
23.02.2009, Um 13:00Uhr auf dem Pariser Platz
http://thecaravan.org/node/1841
Pressemitteilung von The VOICE Refugee Forum zum Deutsch – Syrische
Abschiebeabkommen, 20.02.2009 in Goettingen
http://www.thevoiceforum.org/node/1126
Stoppt das deutsch-syrische Abschiebeabkommen - Brief an das Auswärtige
Amt
http://thecaravan.org/node/1856
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