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Wende der US-Politik? Entspannung im Irankonflikt angedeutet
Nachdem in den vergangenen Wochen die kriegstreiberische Rhetorik der
US-Regierung verschaerft worden war, gibt es nun ueberraschende Indizien auf
einen moeglichen Kurswechsel. Erstmals seit der Eskalation des Konfliktes
durch die Bush-Regierung wird nun ein Angebot von Sicherheitsgarantien an den
Iran, wie es von unabhaengiger Seite immer wieder gefordert worden war, ins
Spiel gebracht.
Auch im Palaestina-Konflikt stehen aktuell die Signale auf Entspannung.
Eine voreilige Bewertung der aktuellen Vorgaenge ist sicher nicht angebracht:
der Hintergrund kann sehr heterogener Natur sein:
es kann sich bei den derzeit ueberraschenden politischen Bewegungen um den
Versuch handeln, eine "Frontbegradigung" durchzufuehren oder eine Bereitschaft
fuer eine Politik der friedlichen Perspektiven in der Oeffentlichkeit zu
signalisieren, waehrend zur gleichen Zeit hinter den Kulissen ein
Kriegsszenario vorbereitet wird.
Der aktuelle - ob vorgetaeuschte oder reale - Kurswechsel widerspricht eklatant
der Ausrichtung der US-Politik seit dem Amtsantritt der Bush-Regierung:
Sicherheitsgarantien gegenueber dem Iran waren durchgaengig verweigert worden.
Entsprechend waren bisher Bemuehungen um friedliche Wege im Palaestinakonflikt
von israelischer und amerikanischer Seite praktisch durchgaengig blockiert
worden, wie die derzeitigen Verhandlungen mit der Hamas sowie mit dem Libanon.
Im Fall, dass es sich hier um ernst gemeinte Aenderungen der Nah-Ost-Politik
handelt, muss angenommen werden, dass im Weissen Haus / innerhalb der
amerikanischen Fuehrung ein Machtwechsel bzw. ein grundsaetzliches Umdenken
stattgefunden hat.
Dieser koennte etwa beruhen auf der Erkenntnis, dass eine kriegerische
Eskalation, wie sie offenbar von Vizepraesident Cheney vorgesehen war, keine
ausreichende Unterstuetzung des amerikanischen Militaers und der Geheimdienste
zu erwarten hat oder dass die arabischen Verbuendeten der USA die Aufkuendigung
ihrer Kooperation fuer den Fall eines Irankrieges androhten. Bei den
arabischen Staaten hatte laengst auch die Unzufriedenheit mit der Situation
Palaestinas die Grenze des Hinnehmbaren erreicht oder ueberschritten.
Die US-Regierung wiederum kann nicht auf die Kooperationsbereitschaft ihrer
arabischen Verbuendeten verzichten, die sie benoetigt fuer ihre
militaerstrategische Position im Mittleren Osten aber auch fuer das ebenfalls
strategisch wichtige umfangreiche Oelgeschaeft mit dieser Region.
Erstmalig hatte in diesem Jahr auch eine Konferenz der arabischen Staaten
stattgefunden, zu der der iranische Praesident Ahmadinedchad eingeladen worden
war: ein deutliches Signal fuer das Bemuehen der arabischen Fuehrungen um
regionale Entspannung und wirtschaftliche Integration. Alle Bemuehungen der
US-Regierung den Konflikt mit dem Iran zu eskalieren, waren mit großem
Misstrauen von den fuehrenden arabischen Politikern verfolgt worden, so dass
etwa der Oberkommandierende des US-Militaers den Plaenen fuer einen Angriff auf
den Iran eine Absage erteilte.
Das aktuell veraenderte Verhalten der US-Politik und Israels entspricht auch
den Empfehlungen der Kommission, die Ende 2006 unter Fuehrung des
Ex-Außenministers Baker eingesetzt worden war ("Iraq Study Group"), und die
Verhandlungen mit Teheran vorgeschlagen hatte. Diese Empfehlungen waren bisher
von der Bush-Regierung ignoriert worden..
Im Raum steht derzeit auch die Drohung eines Impeachement-Verfahrens, initiiert
durch den demokratischen Abgeordneten Kucinich. Ein Impeachement war zwar
bisher von der demokratischen Parteifuehrerin Pelosi und dem Vorsitzenden des
zustaendigen Kongressausschusses Conyers abgelehnt worden.
Fuer den Fall eines Irankrieges jedoch wurde jedoch kuerzlich von Conyers
diese Option wieder befuerwortet. Denkbar waere auch ein Signal aus der eigenen
Partei, die sich durch die Ergebnisse der Politik des Praesidenten vor der Wahl
in den Keller gezogen sieht, einer Bedrohung durch ein Impeachement-Verfahren
nicht mehr den noetigen Widerstand entgegenzusetzen, um so die Ihhaber des
weissen Hauses zur Besinnung zu bringen.
Weltweit sieht sich die US-Regierung einem starken Gegenwind ausgesetzt, der
sich im eigenen Land noch verstaerkt durch die schwere Wirtschaftskrise. Nur
bei den europaeischen Verbuendeten und bei den westlichen Medien besteht noch
ein nennenswertes Mass an Unterstuetzung. Das Vertrauen in die amerikanische
Politik ist nach einer Umfrage derzeit geringer, als das gegenueber der
iranischen Regierung.
http://news.orf.at/?href=http%3A%2F%2Fnews.orf.at%2Fticker%2F293146.html
Nicht ausgeschlossen bleibt allerdings, dass die aktuellen Vorgaenge der
Taeuschung der Oeffentlichkeit dienen, um zur gleichen Zeit die Vorbereitungen
fuer einen Irankrieg voranzutreiben und die Oeffentlichkeit derweil durch
Entspannungssignale in Sicherheit zu wiegen.
Insgesamt zeigt sich in der geopolitischen Dynamik derzeit durch die teilweise
stark beschleunigten Neu-Gewichtungen der oekonomischen und politischen
Machtverteilung und insbesondere durch die Krise, in der sich der
US-Finanzmarkt und die amerikanische Wirtschaft befinden, eine starke
Uneinheitlichkeit von gegenlaeufigen Manoevern und Tendenzen, die fast jede
denkbare Perspektive wahrscheinlich werden laesst.
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