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Ilan Pappe
Die ethnische Säuberung Palästinas. Aus dem Hebräischen von Ulrike
Bischoff, Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2007, 413 S., 22 EUR
"Nach unserer Vorstellung muss die Kolonisierung Palästinas in zwei
Richtungen erfolgen: jüdische Ansiedelung in Eretz Israel und Umsiedlung
der Araber aus Eretz Israel in Gebiete außerhalb des Landes." Leo
Motzkin, Funktionär des Zionistischen Kongresses, 1917. Eine israelische
Stadt ist nach ihm benannt.
"Ich bin für Zwangsumsiedlung; darin sehe ich nichts Unmoralisches."
David Ben Gurion an die Exekutive der Jewish Agency, Juni 1938
"So etwas wie ein Palästinenservolk gibt es nicht, es hat nie existiert."
Golda Meir 1969
Der israelische Historiker Ilan Pappe zeigt in seiner erschütternden
Dokumentation, wie es der Führung des gerade gegründeten Staates Israel
gelang, die arabische Bevölkerung in den Augen des eigenen Volkes und
der Welt zu entmenschlichen, zu vertreiben und eigene Greueltaten zu
legitimieren.
"Ethnische Säuberung:"Klar umrissene Politik einer bestimmten
Personengruppe, eine andere Gruppe aufgrund religiöser, ethnischer oder
nationaler Herkunft systematisch aus einem bestimmten Territorium zu
eliminieren. Eine solche Politik umfasst Gewalt und geht sehr oft mit
Militäroperationen einher. Sie ist mit allen möglichen Mitteln von
Diskriminierung bis zur Vernichtung zu erreichen und bringt Verletzungen
der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts mit sich." (Drazen
Petrovic, "Ethnic Cleansing - An Attempt at Methodology", European
Journal of International Law, 5/3 (1994), S. 342-60.)
Zwei Monate vor dem Ende der britischen Verwaltung Palästinas im Auftrag
der UN, am 10. März 1948, trifft sich im Roten Haus in Tel Aviv, dem
Hauptquartier der Untergrundmiliz Hagana, eine Runde hochrangiger
zionistischer Politiker. Eingeladen hat David Ben Gurion, später
Ministerpräsident Israels. Mit dabei sind Politiker und Militärführer
wie unter anderem Yigal Allon (später Außenminister), Moshe Dayan
(später Verteidigungs- und Außenminister), Yigael Yadin (später
stellvertretender Ministerpräsident), Yitzchak Rabin (später
Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger).
Sie verabreden die Endfassung eines Masterplans zur Vertreibung der
arabischen Bevölkerung: "Plan Dalet" (Plan D). Das Land - nur zu elf
Prozent im Besitz der jüdischen Einwanderer, die nicht einmal ein
Drittel der Einwohner stellen - soll systematisch freigemacht werden für
eine endgültige jüdische Besiedelung, und hierzu ist jedes Mittel recht.
Noch unter britischem Mandat beginnt eine Serie von jüdischer Angriffe
auf palästinensische Dörfer und Stadtviertel, werden eine Viertelmillion
Menschen im eigenen Land entwurzelt. Es kommt zu Massakern wie in dem
Hirtendorf Deir Yassin oder in Ayn al-Zaytun, bei denen unterschiedslos
auf Männer und Frauen, Greise und Kinder geschossen, bei denen
vergewaltigt und geplündert wird. Nach der Unabhängigkeit Israels werden
531 Dörfer und elf städtische Siedlungen mit Waffengewalt geräumt,
800.000 Palästinenser zur Flucht gezwungen, ihre Häuser samt Mobiliar
dem Erdboden gleichgemacht und die Ruinen vermint, damit die
Vertriebenen nicht zurückkehren können. Palästinenser, die das Land für
kurze Zeit verlassen, werden daran gehindert, wieder zu ihrem Besitz
zurückzukehren.
Der israelische Historiker und Politikwissenschaftler Ilan Pappe ist
Professor für Politikwissenschaft an der Universität Haifa und Leiter
des dortigen Instituts für Konfliktforschung. Anhand von
Augenzeugenberichten, Tagebuchauszügen und Dokumenten aus
Militärarchiven, die bis vor kurzem unter Verschluss gehalten wurden,
zeichnet er ein Bild der Ereignisse zwischen 1947 und 1948, das der
offiziellen Geschichtsdarstellung und dem Gründungsmythos Israels in
entscheidenden Punkten widerspricht. (Wegen des Drucks, dem er seit der
Veröffentlichung seines Buchs ausgesetzt ist, verlegt er in diesem Jahr
seinen Wohnsitz zumindest vorübergehend nach Großbritannien.)
Pappe tritt den Beweis an, dass der Gründung seines Heimatlandes Israel
eine planvolle ethnische Säuberung vorangegangen ist: Spätestens seit
den Jugoslawienkriegen in den 90er Jahren ist dieser (eigentlich
verharmlosende) Begriff zum allgemein bekannten Synonym für die
zwangsweise, gewaltsame Vertreibung ganzer Völkerschaften aus ihren
angestammten Siedlungsgebieten geworden.
Ilan Pappe schildert die Chronologie der Ereignisse in Dörfern und
Städten mit quälender Genauigkeit. Er zeigt, dass das Trauma der
gewaltsamen und geplanten Vertreibung von beiden Seiten geleugnet wird:
Die offizielle israelische Geschichtsschreibung stellt die Vertreibung
der arabischen Bevölkerung als freiwilligen Auszug hin, die
Palästinenser sprechen von der "Nakba", der Katastrophe, als sei es ein
Naturereignis, das sie ereilt hat. Aber sich der historischen Wahrheit
zu stellen, ist für Pappe eine moralische Entscheidung, ein erster
Schritt, der getan werden muss, wenn die Spirale der Gewalt aufhören und
Versöhnung zwischen Palästina und Israel eine Chance haben soll.
http://www.zweitausendeins.de/suche/?ArticleFocus=1&ord=-1&alpha=1&cat&q=pappe
Sophia Deeg: MEMORIZID - Ilan Pappes brisante Thesen zur "Ethnischen
Säuberung Palästinas"
http://www.freitag.de/2008/20/08201701.php
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