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Judith Butler: Als Jüdin muss ich gegen Unrecht sein
Hamburg (ots) - Die jüdische Philosophin Judith Butler und viele
prominente Intellektuelle haben anlässlich des 60. Geburtstages des
Staates Israel in der International Herald Tribune einen Aufruf
veröffentlicht, der aussieht wie eine Todesanzeige: "Kein Grund zu
feiern!" - "60 Jahre palästinensische Vertreibung" statt 60 Jahre
Israel.
Butler: "Für mich heißt Judesein, Teil einer Welt zu sein, in der
Diskriminierung aufgrund von Religion oder Nationalität inakzeptabel
ist." Sie kritisiert die Entwurzelung hunderttausender Palästinenser
durch die Gründung des Staats Israel. "Zwangsenteignung und
Entrechtung waren für jüdische Flüchtlinge, die so sehr gelitten
hatten, der falsche Weg. Allerdings lehnten europäische Länder es
nach 1945 ab, zusätzliche Juden aufzunehmen, auch die Vereinigten
Staaten schränkten ihre Quote ein. Der westliche Antisemitismus trug
so zu den unheilvollen Plänen für Palästina bei."
Israel habe sich über UN-Resolutionen jeder Art hinweggesetzt,
sagt Butler. "Ich könnte mehr als hundert nennen, die etwa
israelische Militäroperationen verurteilten oder die illegale
Aneignung von Boden kritisierten. Sie wurden mit dem Argument
ignoriert, die Vereinten Nationen seien antiisraelisch, wenn nicht
sogar antisemitisch." Sie fährt fort: "Wir dürfen keinen Staat
dulden, in dem Nichtjuden nur eingeschränkt Staatsbürger sind, ebenso
wenig wie einen Staat, in dem Juden eingeschränkte Rechte haben!"
Für sie, sagt Judith Butler, bleibe "radikale Demokratie die
einzig machbare Politik. Gerade als Jüdin muss ich mich gegen Unrecht
aussprechen und für das gefährdete Leben von Juden wie Nichtjuden
einsetzen."
Originaltext: DIE ZEIT
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