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GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER
PRESSEMITTEILUNG
Berlin, den 28.08.2007
Yezidi suchen Sicherheit im Bundesland Kurdistan
Nach Bombenattentaten Plebiszit über Zugehörigkeit ihrer Region Sinjar
im Nordirak gefordert
Bei einer Trauerdemonstration der Yeziden in Berlin für die etwa 500
Opfer der Bombenanschläge im Nordirak Mitte August hat die Gesellschaft
für bedrohte Völker (GfbV) am Dienstag eine Volksabstimmung über einen
möglichen Anschluss der mehrheitlich von kurdischen Yeziden besiedelten
Region Sinjar an das nordirakische Bundesland Kurdistan gefordert. „Wir
haben den Eindruck, dass es rings um die Region Kräfte gibt, die jetzt
die Jahr-tausende alte Gemeinschaft der Yeziden zerstören, vernichten
oder vertreiben wollen und somit auch das Ziel haben, eine uralte
Kultur und Religion auszulöschen“, sagte der GfbV-Generalsekretär
Tilman Zülch bei der Kundgebung, an der rund 2000 Demonstranten
teilnahmen. Schutz für die Menschen des Sinjar-Gebietes werde wohl nur
aus dem Irak selbst kommen können. Deshalb hätten Yeziden auf einer von
der GfbV organisierten Versammlung im deutschen Exil schon 2003
gefordert, Sinjar dem benachbarten Kurdistan als selbst verwaltetes
Gebiet anzuschließen.
Artikel 140 der irakischen Verfassung garantiere ihr Recht auf
Selbstbestimmung. In der Regierung Kurdistans bekleiden zwei Yeziden
Ministerämter. Als religiöse bzw. ethnische Minderheiten genießen
Yeziden, assyro-chaldäische Christen und Turkmenen dort kulturelle
Autonomie.
„Viele Yeziden möchten, dass ihre Region zu Kurdistan gehört, weil die
Lage dort sicher und friedlich ist“, hatte Dr. Dakhil Said Khidir,
Beiratsmitglied der GfbV-Kurdistan/ Nordirak am Telefon berichtet. Im
Bergland Sinjar lebt die weltweit größte yezidisch-kurdische
Gemeinschaft mit bis zu 400.000 Angehörigen. Das Gebiet ist nur noch
über eine einzige und sehr unsichere Straße zu erreichen. Sinjar, eine
der heute umstrittensten Regionen des Irak, liegt im äußersten
Nordwesten des Landes und ist bisher Teil der Provinz Ninive
(Hauptstadt Mosul). Sie grenzt im Westen an Syrien. Der Hauptort Sinjar
hat 40.000 Einwohner, die – wie in den meisten Orten des Distriktes -
in ihrer großen Mehrheit kurdische Yeziden sind.
- Hintergrundinformationen
-
Unter den mehrheitlich muslimischen Kurden bilden die Yeziden als
religiöse Minderheit eine Jahrtausende alte nahöstliche
nichtchristliche und nichtislamische Glaubensgemeinschaft. Sie sprechen
die Kurmanci-Variante des Kurdischen und leben im Irak, Syrien, in der
Türkei, Armenien und Georgien sowie in der europäischen Diaspora. Ihre
Gesamtzahl wird auf rund 800.000 geschätzt. Im Nordirak leben insgesamt
ca. 550.000 Yeziden. In der Region Sinjar stellen sie rund 80 % der
Bevölkerung. In Deutschland sind etwa 45 000 Yeziden, meist
Religionsflüchtlinge aus der Türkei, ansässig.
Die Yeziden blicken auf eine lange Leidensgeschichte zurück. Schon
unter osmanischer Herrschaft kam es häufiger zu Verfolgungen der
yezidischen Bevölkerung wegen ihrer religiösen Zugehörigkeit. Seit
Machtantritt der Baathpartei Saddam Husseins 1968 wurden die Yeziden
Opfer von Deportationen, Massenerschießungen und Folterungen. Als
Angehörige einer ethnischen und religiösen Minderheit wurden
Zehntausende von ihnen in Internierungs- und Konzentrationslagern sowie
so genannten Modelldörfern festgehalten.
Nach dem Zusammenbruch des Saddam-Regimes und dem Einmarsch der
Amerikaner erfolgte eine allmähliche Rücksiedlung in die Heimatorte des
Hauptsiedlungsgebietes um Sinjar. Der zunehmende Terrorismus in Mosul,
der Hauptstadt der Provinz Ninive, löste eine weitere Fluchtbewegung
auch von Intellektuellen und Studenten in die eigentliche Heimatregion
aus.
Nach Angaben yezidischer Theologen glauben die Yeziden an einen
einzigen Gott. Außerdem verehren sie auch den "Engel Ta’us", der für
sie das Oberhaupt der Engel, Symbol der Güte sowie der für das
Universum Verantwortliche ist. Für die Yezidi ist göttliche Macht
übertragbar auf diejenigen, die gefestigt im Glauben sind und gute
Taten vollbringen (und Propheten). Daher gibt es bei ihnen viele
Gottgleiche (Xudan). Die berühmtesten von ihnen sind: Scheich Adi,
Scheich Sin, Scheich Schams, Scheich Fakhir-Aldin, Mir Hasin Maman,
Nassr Din, u.a..
Tilman Zülch ist in Berlin erreichbar unter Tel. 0151 153 09 888.
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